Können wir uns noch sicher fühlen?

DIE ÜBERFÄLLE AUF MEHRERE BETAGTE FRAUEN IN GRAZ VERBESSERN DAS SICHERHEITSGEFÜHL DER BÜRGER NICHT. DIE POLIZEI SUCHT NICHT NUR DIE TÄTER, SONDERN HAT AUCH TIPPS, WAS SENIOREN SELBST FÜR IHRE SICHERHEIT TUN KÖNNEN.

Die Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf die signifikante Häufung von Überfällen seit Anfang Juli in Graz. Viele ältere Mitbürger sagen in Interviews, sie fühlen sich persönlich nicht weniger sicher als vorher, manche meinen gar, sie würden die Vorgänge ignorieren. Wer sich weniger sicher fühlt, sagt das nicht so laut und deutlich.

In Zusammenarbeit mit der Polizei, wo die Plattform GEMEINSAM.SICHER einen Dialog zwischen den Behörden und den Bürgern zur partnerschaftlichen Verbesserung unserer Sicherheit begonnen hat, geben wir einige praktische Tipps:

AUF DER STRASSE
Grundsätzlich eher frequentierte Straßen, Gassen und Wege benützen. Gelegentlich sehen, ob jemand einem schon länger folgt. Hat man einen Verdacht, eine vertrauenswürdige Person ansprechen. Die Polizei sagt: „Die Täter verschwinden meist sehr schnell, wenn sie merken, dass man sie entdeckt hat.“ Größere Ansammlungen meiden, wenn man nicht in Begleitung ist.

UM HILFE RUFEN
In einer gefährlichen Situation um Hilfe zu rufen, reicht oft nicht aus, weiß Werner Miedl, Chefinspektor der Polizei und Geschäftsführer des Vereins „Sicher leben in Graz“. Heutzutage wenden sich viele Menschen in solchen Fällen ab, weil sie damit „nichts zu tun haben wollen.“ Besser ist es, eine konkrete Person anzusprechen: „Sie mit dem Schirm, helfen Sie mir bitte!“ Dann fühlt diese Person sich gewissermaßen zuständig und ist eher zur Hilfe bereit.

AN DER HAUSTÜR
Vorwiegend in der Weihnachtszeit sind Spendensammler unterwegs. Doch nicht alle sammeln für die von ihnen angegebene Organisation. Bei Bargeldsammlungen sollte man sich immer den Personal- und Sammlerausweis zeigen lassen. Die Sammelbüchse muss ordentlich verplombt sein und die Bezeichnung der Organisation tragen. Aggressives Werben, oft mit sehr mitleiderregenden Bildern und Zeitdruck sind psychologische Tricks, die unseriöse Organisationen benutzen. Kriminelle Organisationen schicken BettlerInnen nicht nur auf die Straße, sondern auch von Tür zu Tür. Aggressives Betteln ist strafbar. Richtig helfen kann man über offizielle Organisationen mit dem Spendengütesiegel.

GANG ZUR BANK/BANKOMAT
Die Polizei verwendet den Begriff der Bankanschlussdelikte. Diese Verbrechen folgen häufig einem Muster, das der Bürger kennen sollte, um sich selber zu schützen. Man soll sich schon beim Gang zur Bank umsehen, ob jemand den gleichen Weg geht. Ein Kernsatz der Polizei laut Werner Miedl: „Wenn einem etwas komisch vorkommt, ist es meist auch komisch.“ Unbedingt die Bankomaten an der Straßenseite der Geldinstitute meiden und zu den Indoor-Automaten gehen.

„SICHER LEBEN IN GRAZ“

Asset 3

Der Verein „Sicher Leben in Graz“ hat eine eigene Broschüre „Grauer und schlauer – Wissen und Sicherheit für die Generation 60plus“ herausgebracht.

Sitz: Körblergasse 10, 8010 Graz
Tel: 059 133–65–93–100

IN DER BANK
Erkennt man in der Bank eine unbekannte Person, die man schon vorher auf der Straße gesehen hat und hat man ein ungutes Gefühl dabei, soll man das sofort einem Bankbeamten oder einer Vertrauen erweckenden Person sagen. Beim Bankomaten selber erneut kontrollieren, ob man beobachtet wird, ehe man seinen Code eintippt. Bittet jemand seine Hilfe an, besondere Vorsicht, es könnte ein Trick sein! Sich so hinstellen und die Hand so bewegen, dass niemand mitsehen kann. Es gibt viele Tricks, wie Bankomat-Banden zum Code kommen und sogar eine Art Kopie der Bankkarte machen können.

IM SUPERMARKT
Aufmerksam sein wie auf der Straße, leere Gänge eher meiden. Frauen sollten die Handtasche nicht in den Einkaufswagen legen, sondern am Arm, am Körper haben. Täter nützen es aus, wenn ältere Personen abgelenkt sind, weil sie Preise und Produkte genau studieren. Dann schlagen sie zu.

IM BUS/IN DER TRAM
Bei der Haltestelle gelten dieselben, aktiven Vorsichtsmaßnahmen wie auf der Straße. Plätze mit Gedränge meiden. D ie Polizei rät älteren Leuten, immer einen Platz in der Nähe des Bus- oder Tramfahrers aufzusuchen. Diese Frauen und Männer sind geschult, um mit Taschendieben und anderen Tätern umzugehen. Sicherheit gibt auch, dass die Öffis mit Videoanlagen ausgestattet sind.

TASCHENDIEBE
Sie treten meist zu zweit oder zu dritt auf. Das Portemonnaie hat im Gedränge oder in Öffis in der Gesäßtasche nichts verloren, es gehört in eine der vorderen Hosentaschen.

DIE HANDTASCHE
Sie sollte immer mit den Henkeln am Arm und damit direkt am Körper getragen werden, der Verschluss nach innen gewandt. Der Verschluss durch einen Zipp ist die sicherste Variante, aber der Zipp muss eben zugezogen sein.

PFEFFERSPRAY
Mag. Josef Klamminger, der langjährige Landespolizeidirektor der Steiermark, hält Pfeffersprays nicht für einen idealen Schutz vor Angriffen. Denn sie provozieren Aggression, statt sie zu vermindern. Der Täter kann der Person den Pfefferspray zum Beispiel wegnehmen und ihn gegen die attackierte Person richten. Nur eine richtige Schulung kann den Pfefferspray gegebenenfalls zu einem tauglichen Abschreckinstrument machen.

ALARMGERÄTE
Die Polizei hält diese kleinen Sirenen, die kaum größer als eine Zündholzschachtel sind, für wirksame Abschreckmittel. Sie haben einen Stift, den man herauszieht, dann ertönt das Geräusch. Die Lautstärke sollte aber nicht geringer sein als 120 Dezibel. Dann ist das Sirenengeräusch so schrill, dass es auch im Straßenlärm nicht untergeht. Frauen sollten das Alarmgerät nicht in den Tiefen der Handtasche verstauen, wo sie es im Ernstfall erst lange suchen müssen. Der Karabiner, der am Stift befestigt ist, sollte an einem der Taschenhenkel befestigt sein. So kann man ihn im Notfall leicht finden und betätigen. Die kleinen Alarmgeräte gibt es auch mit einer Taschenlampenfunktion. Sie sind um wenig Geld im Handel erhältlich.

REIF FÜR DIE SICHERHEITSINSEL
Wer sich in der Stadt unwohl oder bedroht fühlt, hat die Möglichkeit, eine der Sicherheitsinseln aufzusuchen. Das sind Geschäfte, Lokale oder Einrichtungen, in denen SeniorInnen rasch und unkompliziert Hilfe bekommen. Ob sie dringend telefonieren müssen, sich ausruhen möchten oder ein Glas Wasser für die Einnahme ihrer Medikamente benötigen. Die Sicherheitsinseln sind mit speziellen Aufklebern gekennzeichnet.

Die erfolgreiche Initiative von GEMEINSAM.SICHER in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Steiermark, dem Citymanagement Graz und dem SeniorInnenbüro der Stadt Graz wird außerdem von ehrenamtlichen SeniorInnen inkognito kontrolliert.

Asset 1

Wenn Sie Opfer einer Straftat werden, rufen Sie die Polizei unter 133 und machen Sie folgende Angaben:

WER: Nennen Sie Ihren Namen
WO: Sagen Sie, wo Sie zu finden sind
WAS: Beschreiben Sie, was passiert ist

Bei einem Notfall wird die Polizei innerhalb kürzester Zeit bei Ihnen sein.

GEMEINSAM.SICHER IN DER STEIERMARK

Abenteuer-Alter_Sicherheit_Ansicht_29-9-17
Werner Miedl
Gemeinsam Sicher

Wir bemühen uns „bei Ihnen zu sein“, auch wenn es momentan keinen erkennbaren Anlass dafür gibt.
Wir suchen das Gespräch mit Ihnen, um Sie über vieles, worüber Sie möglicherweise in Unkenntnis sind, zu informieren. Wir möchten mit Ihnen gemeinsam einen Pakt schließen, damit es uns schon im Vorfeld gelingt, Sie erst gar nicht zum Kriminalitätsopfer werden zu lassen. Unsere klassische Aufgabe, Diebe, Einbrecher und Übeltäter in aufwendiger Kleinarbeit auszuforschen, bleibt uns natürlich weiterhin erhalten.

Neu ist, dass wir Projekte entwickeln, gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung tragen sowie Ihre Ängste und Sorgen ernst nehmen, noch bevor etwas passiert. Ob das Ihr Arbeitsumfeld, Ihren Verein oder Sie persönlich betrifft: Wir versuchen da zu sein, Ihre Meinung und Ihre Sorgen ernst zu nehmen und Ihre Anliegen umzusetzen.
Und: Wir sind dankbar für die Initiative des Landes Steiermark, die uns die Gelegenheit gibt, unser Wissen in Ihr Haus oder Ihre Wohnung zu tragen. Damit soll es potentiellen Tätern noch schwerer gemacht werden, sich auf Ihre Kosten zu bereichern!

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