Bankgeschäfte im Alter

„Mit 66 Jahren da fängt das Leben an“, lautet der Titel des bekannten Songs von Udo Jürgens. Und er hat damit wohl Recht, denn mit dem Antritt der Pension eröffnen sich viele neue Möglichkeiten. Ob Reisen, Wohnen, Mobilität, Kultur oder Familie – für die Wünsche und Ziele braucht es natürlich den passenden finanziellen Rahmen und auch eine Bank, die in dieser Lebensphase begleitet.

MMag. Martin Schaller
Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank Stmk

Die vielfältigen Pläne in der Pension bedeuten in finanzieller Hinsicht, dass Bankprodukte wie Girokonto, Kreditkarten, Wohnkredite weiterhin hoch im Kurs stehen. Bei Raiffeisen setzt man dabei nicht auf eigene „Seniorenprodukte“, sondern auf die Fortführung von vertrauten Services. „Wir begleiten unsere Kunden vom Kindesalter über die Ausbildung und berufliche Karriere bis ins hohe Alter“, erklärt Raiffeisen-Generaldirektor Martin Schaller und ergänzt: „Dadurch entsteht Vertrauen, das für Geldgeschäfte unverzichtbar ist.“

WAS ÄNDERT SICH BEIM PENSIONSANTRITT?
Manchmal hört man, Bankgeschäfte im Alter seien anders zu behandeln als in der Zeit des Erwerbslebens. Ist da etwas dran? Die klare Antwort: Nein. Denn die finanzielle Situation hängt grundsätzlich nicht vom Alter ab. Die monatliche Pension ist zwar in der Regel geringer als das Letzteinkommen, aber sie stellt ein sicheres Einkommen dar. Ausschlaggebend für jegliche Geldgeschäfte – seien es Kreditkarten, Finanzierungen oder Veranlagungen – ist vielmehr die individuelle Lebenssituation mit Aspekten wie Einkommen, Lebenshaltungskosten, Entwicklung von Vermögenswerten, geplante Investitionen etc.

Durch den Pensionsantritt an sich ändert sich bei Bankprodukten also grundsätzlich gar nichts. Was heißt das für die einzelnen Produkte? Das Girokonto bleibt – abgesehen von der Bezeichnung „Pensionskonto“ – komplett gleich. Sowohl die Kontonummer als auch der Kontorahmen für kurzfristige Überziehungen sowie die Konditionen bleiben unangetastet. Das trifft auch auf die Bankomatkarte zu, die im In- und Ausland Bargeldbehebungen und Zahlungen in Geschäften ermöglicht.

Und wie steht es mit Kreditkarten? Selbstverständlich laufen bestehende Kreditkarten mit dem vereinbarten Kreditrahmen weiter. Wenn eine neue Kreditkarte angefordert wird, gelten die gleichen Voraussetzungen wie für alle Bankkunden. Kreditkarten sind gerade bei Reisefreudigen sehr beliebt, da sie neben der Zahlungsfunktion auch attraktive Versicherungsleistungen – zum Beispiel für ein Reisestorno – beinhalten. Das äußert sich auch in der täglichen Bankpraxis. Früher sind viele Senioren zu Monatsbeginn in die Bank gekommen, um ihre Pension zu beheben. Das hat sich gravierend geändert. Die modernen Zahlungsformen mit Karte und mittlerweile auch Mobiltelefon ermöglichen, dass man immer und überall über das Geld am Konto verfügen kann.“

SPAREN UND GELD VERANLAGEN: AUF NUMMER SICHER
Unabhängig vom Alter gilt, Ersparnisse nach dem Prinzip der „Veranlagungspyramide“ anzulegen. Die Basis bilden sichere Formen wie das Sparbuch, Bausparen oder Lebensversicherungen. Darauf aufbauend kommen nach der Reihe festverzinsliche Anleihen und –fonds, gemischte Fonds mit steigendem Aktienanteil und zuletzt Aktien. Je weiter „oben“ ein Produkt in der Pyramide ist, desto mehr Ertrags-Chancen hat es, gleichzeitig aber auch mehr Wertschwankungen – sprich Risiko. Wertpapiere mit höheren Wertschwankungen haben folglich eine empfohlene längere Behaltedauer – denn man will ja in aller Ruhe erst dann ein Wertpapier verkaufen, wenn es gut im Kurs liegt. Jeder Mensch hat sein bevorzugtes Anlage- und Risikoverhalten, und danach muss sich die Bank auch richten.

In der eingehenden und umfassenden Beratung wird geklärt, welche Anlageprodukte die passenden sind. Behandelt wird etwa auch die Frage, ob das Risiko mit zunehmenden Alter abnehmen soll und stattdessen festverzinsliche oder jederzeit verfügbare Anlageformen stärker gewichtet werden sollen. Diese Beratung sollte regelmäßig stattfinden, denn das Anlageverhalten verändert sich erfahrungsgemäß mit dem Alter. Die Praxis zeigt: Für viele ältere Kunden stehen Sicherheit und die Verfügbarkeit des Ersparten an oberster Stelle.

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KREDITE AUCH IM ALTER?
Ein neues Auto, notwendige Umbauten in der Wohnung oder gar ein Umzug – es gibt viele Gründe, warum auch im Alter Kreditbedarf entstehen kann. Auch hier sind die individuelle Lebenssituation und der finanzielle Rahmen hauptsächlich ausschlaggebend. Basis ist eine umfassende Bankberatung, die im Grunde für einen 35-jährigen Häuslbauer gleich strukturiert ist wie für Senioren. Im Gespräch mit dem Bankberater geht es um den Verwendungszweck, die gewünschte Kredithöhe, die Laufzeit und folglich die laufende Rate, mögliche Besicherungen und – natürlich – um die finanzielle Ausgangssituation und Entwicklung. Laut Gesetz darf die Rate nur so hoch sein, dass sie vom Kunden „nachhaltig“ zurückbezahlt werden kann. Dies gilt es in der Planung für einen Kredit rechtzeitig und genau zu berücksichtigen. Ganz genaue Zahlen gibt das Gesetz freilich nicht an, aber in der Bankpraxis gibt es allgemeine Faustformeln: Die erste betrifft die Gesamt-Kreditbelastung. Diese sollte nicht höher sein als das Vierfache des Jahres-Netto-Einkommens. Die zweite Faustformel betrifft die monatliche Rate. Diese sollte nicht mehr als 30 Prozent der monatlichen Pension betragen. Das sind – wie gesagt – Faustformeln, die individuell abweichen können. In der Kreditkalkulation (einfache Kreditrechner gibt es informationshalber auf der Raiffeisen-Homepage im Internet) zeigt sich, wie sich die Kredithöhe, Laufzeit und monatliche Rate gegenseitig beeinflussen. Bei der Laufzeit wird klar, dass das Alter doch eine gewisse Rolle spielt, denn wohl jeder Kreditnehmer möchte einen Kredit zu Lebenszeit abbezahlen.

WORÜBER MAN NICHT IMMER SPRICHT
Was ist, wenn ein Kredit nicht wie geplant rückbezahlt werden kann? Häufig werden dafür sogenannte „Kreditrestschuldversicherungen“ genannt, also Versicherungen, die eine offene Restschuld im Todesfall übernehmen? Raiffeisen bietet solche speziellen Ablebensversicherungen. Ein konkretes Beispiel: Ein 60-Jähriger hat einen Kredit für 15 Jahre aufgenommen und möchte 50.000 Euro durch eine derartige Versicherung absichern. Somit wird auch die Lebensversicherung für 15 Jahre abgeschlossen, deren Leistung sich jedes Jahr um ein Fünfzehntel reduziert – denn auch der Kreditsaldo verringert sich jedes Jahr. Die Prämie für diese Versicherung ist nur für 11 Jahre zu zahlen und kostet pro Monat rund 30 Euro.

Zusammengefasst: Der Großteil der Bankprodukte kann – zumindest bei Raiffeisen – altersunabhängig genutzt werden. Ausschlaggebend ist, dass die Lebensziele und finanziellen Rahmenbedingungen perfekt zusammenpassen. „Wesentlich ist daher eine eingehende Beratung, um die gesteckten Ziele und Wünsche bestmöglich zu verwirklichen“, bekräftigt Generaldirektor Martin Schaller und ergänzt: „Raiffeisen ist die Beraterbank vor Ort und gibt gerne wertvolle Hilfestellung.“

Fotos: Shutterstock, Marija Kanizaj