Wieder fit durch Kur und Reha

Körperliche und geistige Beeinträchtigungen können im Rahmen einer Kur oder einer Rehabilitation behandelt werden.

Körperliche und geistige Beeinträchtigungen, die durch Unfälle, Erkrankungen, Abnützungen oder einen falschen Lebensstil entstanden sind, können im Rahmen einer Kur oder einer Rehabilitation behandelt werden. Vielen Patienten wird so ermöglicht, ihren Alltag wieder selbst zu meistern.

Auf den ersten Blick scheinen sich Kur und Rehabilitation, die sogenannte „Reha“, ziemlich ähnlich zu sein. Jedoch unterscheiden sich die beiden Leistungen der Sozialversicherungsanstalt in einem wichtigen Punkt: die Rehabilitation soll die Gesundheit des Patienten zB. nach einem Unfall, einem Spitalsaufenthalt oder einer Erkrankung wiederherstellen, also „reparieren“. Ziel der Kur ist es, den Gesundheitszustand zu erhalten bzw. Vorsorge zu treffen.

DIE KUR – AKTIVE GESUNDHEITSVORSORGE
Wenn Medikamente nicht mehr die gewünschte Wirkung zeigen oder Therapien nicht mehr weiterhelfen, beurteilt der Haus- oder Facharzt, ob ein Kuraufenthalt aus medizinischer Sicht notwendig ist. Die klassische Kur soll die Gesundheit erhalten bzw. festigen. Berufstätige bleiben so leistungsfähig, Pensionisten können durch einen Kuraufenthalt ihren Gesundheitszustand verbessern, stärken und einer späteren Pflegebedürftigkeit vorbeugen.

Therapiert werden zum Beispiel Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, Erkrankungen der Atemwege, Stoffwechselerkrankungen, Hauterkrankungen oder Durchblutungsstörungen (die sogenannte periphere arterielle Verschlusskrankheit).

Historisches zu Kur und Reha

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Die Geschichte der Rehabilitation geht bis ins alte Ägypten zurück, wo bereits 3000 v. Christus die Rehabilitation nach Schlaganfällen bekannt ist. Besonders großer Bedarf für die Rehabilitation entstand nach dem Ersten Weltkrieg. Die verletzten Soldaten sollten durch diese gesundheitliche Versorgung wieder in der Lage sein, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Kurorte und Kuren waren schon im Mittelalter bekannt. In den heilenden Quellen erholten sich vor allem wohlhabende Bürger.

Rehabilitation: lat. „rehabilitatio“ = Wiederherstellung, Wiederbefähigung
Kur: lat. „cura“ = Sorge, Fürsorge

ANTRAG UND KOSTEN
Den Antrag auf ein Kurheilverfahren können alle pensionsversicherten Personen stellen. Der behandelnde Arzt begründet im Antrag, warum ein Kuraufenthalt notwendig ist und ist auf Wunsch auch beim Ausfüllen des Antrages gerne behilflich (siehe Infokasten „3 Schritte zur Kur“). Eingereicht wird der Antrag direkt vom Arzt oder vom Versicherten selbst beim Sozialversicherungsträger bzw. bei der Pensionsversicherungsanstalt.

Innerhalb von fünf Jahren können maximal zwei Kuraufenthalte genehmigt werden. Ob eine Kur auch bewilligt wird, entscheidet der Versicherungsträger. Da es sich dabei um eine freiwillige Leistung des Sozialversicherungsträgers handelt, besteht darauf kein Rechtsanspruch.
Gewährt werden kann entweder ein stationärer Aufenthalt in den Einrichtungen oder Vertragseinrichtungen des Versicherungsträgers. Dieser wird auch direkt mit dem Versicherungsträger verrechnet. Bei einem bewilligten Kurkostenzuschuss werden die Kosten vorerst von den Versicherten selbst getragen und nach der Kur rückverrechnet. Der Antrag wird von der Pensionsversicherungsanstalt und dem entsprechenden Krankenversicherungsträger geprüft.

Die Kurkosten übernimmt die Pensionsversicherungsanstalt. Ab einem monatlichen Bruttoeinkommen von mehr als 909,42 Euro ist seitens des Versicherten auch ein Selbstbehalt zu bezahlen. (siehe Infobox Selbstbehalt)

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KURAUFENTHALT
Wo der Kuraufenthalt stattfindet, entscheidet grundsätzlich der Sozialversicherungsträger, versucht aber, die Wünsche der Versicherten zu berücksichtigen.

Die Kureinrichtung muss einen Vertrag mit der Versicherungsanstalt haben und für die Therapie der Erkrankung geeignet sein. In Sonderfällen, zum Beispiel wenn es in Österreich keine entsprechende Kuranstalt und Therapiemöglichkeiten gibt, kann auch um einen Kuraufenthalt im Ausland angesucht werden. In der Regel dauert ein Kuraufenthalt 22 Tage und wird, falls notwendig und zielführend, auch verlängert. Für berufstätige Personen gilt eine bewilligte Kur als Krankenstand. Für die Dauer des Kuraufenthaltes besteht also ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Sei es seitens des Arbeitgebers oder, wenn der Anspruch bereits ausgeschöpft ist, seitens der Krankenkasse in Form von Krankengeld.

Bei einigen schweren, akuten Krankheiten muss auf eine Kur verzichtet werden, wie zB bei schweren Einschränkungen der Funktion von Herz, Nieren, Lunge und Leber (Dialysepatienten), akuten Infektionskrankheiten (Hepatitits B), Erkrankungen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen (Lungenentzündung), bei hoher Pflegebedürftigkeit und psychischen Störungen.

Die steirischen Kurorte

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Badekurorte: Bad Aussee, Bad Blumau, Bad Gams,
Bad Gleichenberg, Bad Mitterndorf, Bad Radkersburg, Bad Waltersdorf
Luftkurorte: Altaussee, Bad Aussee, Rohrbach an der Lafnitz, Fischbauch, Gröbming, Krakau, Murau, Ramsau am Dachstein, Grundlsee
Heilklimatische Kurorte: Aflenz, Bad Mitterndorf, Lassnitzhöhe, St. Radegund
Orte mit anerkannten natürlichen Heilvorkommen: Dürnstein – Therme Wildbad, Aqua Lux Therme Fohnsdorf, Therem Nova Köflach, Therme Loipersdorf

Quelle: Steiermark Tourismus

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3 Schritte zur Kur

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Stellen Sie den Kurantrag
Ihr Hausarzt oder Ihr Facharzt stellt die medizinische Notwendigkeit für die Kur fest und kann mit Ihnen gemeinsam den Kurantrag für ein Kurheilverfahren ausfüllen. Sie oder Ihr Hausarzt bzw. Facharzt können den Antrag direkt an den zuständigen Versicherungsträger schicken, oder reichen Sie ihn dort persönlich ein.

Warten Sie auf die Bewilligung des Versicherungsträgers
Wird Ihr Antrag genehmigt, erhalten Sie und die genehmigte Kuranstalt eine Bestätigung zur Kostenübernahme seitens des Versicherungsträgers sowie die Höhe des Selbstbehaltes.

Fixieren Sie den Termin für Ihren Kuraufenthalt
Die bewilligte Kuranstalt schickt Ihnen per Post den Terminvorschlag für Ihren Kuraufenthalt.

Selbstbehalt bei Kur und medizinischer Rehabilitation

Höhe der Zuzahlung:

monatliches Bruttoeinkommen Selbstbehalt pro Tag
mehr als 909,42 € bis 1.490,80€ € 8,20
mehr als 1.490,80€ bis 2.072,19€ € 14,05

Der Selbstbehalt entfällt für Personen,

  • deren monatliches Bruttoeinkommen unter 909,42 Euro liegt.
  • die eine Ausgleichzulage beziehen.
  • die wegen besonderer sozialer Schutzbedürftigkeit von der Rezeptgebühr befreit sind.

DIE REHABILITATION – ZURÜCK IN EIN UNBESCHWERTES LEBEN
Bei der Rehabilitation werden bereits bestehende Krankheiten gezielt mittels Therapien und geeigneter Maßnahmen behandelt. Der ursprüngliche Gesundheitszustand des Patienten nach einem Unfall oder einer körperlichen oder geistigen Erkrankung soll so gut wie möglich wiederhergestellt werden. Ziel ist, dass der Patient wieder an Lebensqualität gewinnt und wieder am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilhaben kann.

Man unterscheidet drei Bereiche: die medizinische, berufliche und soziale Rehabilitation.

Die medizinische Rehabilitation soll die Gesundheit durch medizinische Leistungen verbessern, zB durch Rehabilitationsaufenthalte oder Kostenübernahme von Prothesen. Vor allem nach langen Krankenhausaufenthalten kann so geholfen werden, wieder ein eigenständiges Leben zu führen. Bei der beruflichen Rehabilitation soll den Patienten ermöglich werden, wieder im eigenen oder in einem anderen Beruf Fuß zu fassen. Damit der Alltag nach einem Unfall oder einer Erkrankung wieder allein bewältigt werden kann, ist oft zusätzlich eine soziale Rehabilitation notwendig. Diese wird immer mit einer beruflichen oder medizinischen Rehabilitation verbunden. Die Patienten werden vor allem durch Kostenzuschüsse zB für notwendige Umbauten, technische und orthopädische Behelfe unterstützt.

Die häufigsten Gründe für eine „Reha“ sind Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates, Herz-Kreislauferkrankungen, Funktionseinschränkungen und entzündliche Erkrankungen nach Unfällen, neurologische Erkrankungen in Folge einer Verletzung des Rückenmarks oder nach Operationen, Atemwegserkrankungen, Diabetes, Krebserkrankungen und psychische Störungen.

HINWEIS: Auf eine Kur besteht kein Rechtsanspruch!

ANTRAG UND KOSTEN
Eine medizinische Rehabilitation kann bewilligt werden, wenn Versicherte ohne diese Maßnahmen in absehbarer Zeit invalide, berufsunfähig oder erwerbsunfähig werden.
Beim Antrag auf Rehabilitation entscheidet der Arzt, bzw. das Krankenhaus, warum und in welcher Form eine Rehabilitation notwendig ist. Je nach Fall sind unterschiedliche Versicherungsträger (Pensions-, Unfall- oder Krankenversicherung) für Bewilligung zuständig. Der Arzt informiert darüber.
Bei der medizinischen Rehabilitation muss ab einem bestimmten Einkommen ein Selbstbehalt bezahlt werden.

HINWEIS: Bei Anträgen auf Frühpension wegen geminderter Erwerbsfähigkeit wird automatisch ein Antrag auf eine Rehabilitation gestellt.

REHABILITATIONSAUFENTHALT
Bei einem stationären Aufenthalt wird ein individueller Rehabilitationsplan erstellt, der auf die persönliche Situation und jeweiligen gesundheitlichen Probleme zugeschnitten ist. Der Aufenthalt dauert durchschnittlich 22 bis 29 Tage und kann verlängert werden. Zusätzlich wird im Rahmen der Reha auch die Psyche gestärkt, der Bedarf an Medikamenten reduziert, über Erkrankung und ihre Folgen informiert.

Die Therapien können auch ambulant in der Nähe des Wohnortes stattfinden. Diese Maßnahme kann alleine in Anspruch genommen werden oder an einen stationären Rehabilitationsaufenthalt anschließen. Der Erfolg der Reha und ein gesunder Lebensstil werden so gefestigt.

HINWEIS: Auf berufliche Rehabilitation besteht seit 1. Jänner 2017 ein Rechtsanspruch für Personen, die auf Grund ihres Gesundheitszustandes die Voraussetzungen für eine Invaliditäts-/Berufsunfähigkeitspension erfüllen bzw. in absehbarer Zeit erfüllen werden.

Quellen: www.pensionsversicherung.at, www.gesundheit.gv.at, Pensionsversicherungsanstalt, Arbeiterkammer Steiermark, Jentscha 1975, Dr. Beckmann Klinik, BMGF „Gesundheit und Krankheit der älteren Generation in Österreich – Endbericht“, Steiermärkische Gebietskrankenkasse

NACHGEFRAGT BEI

Mag. Gertrude Pucher
Landesstellendirektorin der PVA, Landesstelle Steiermark

Die PVA hat mit der „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ ein neues medizinisches Modell geschaffen, welches die herkömmliche Kur auf neue Beine stellen soll. Was unterscheidet die „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ von der klassischen Kur?
Bei diesem Modell geht es um Aktivität und Eigenverantwortung. Auf Grund der veränderten Lebensgewohnheiten — immer mehr Stress, immer weniger Bewegung — ist das ein entscheidender Punkt um möglichst lange fit zu bleiben. Sie zielt auf Personen mit Problemen am Stütz- und Bewegungsapparat ab. Auf die Themen Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit wird daher ein besonderes Augenmerk gelegt. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit des Splittings, sodass Erwerbstätige nach einem zweiwöchigen Aufenthalt die letzte Woche erst später innerhalb von sechs Monaten absolvieren können. Das Modell wurde in den vergangenen Jahren erfolgreich getestet und wird nun grundlegend überarbeitet auf ganz Österreich, sowohl für Menschen die im Berufsleben stehen, als auch für PensionistInnen (mit Ausnahme des Splittings) ausgedehnt.

In welchen steirischen Kuranstalten wird die „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ bereits angeboten?
Die Anzahl der verfügbaren Plätze wird nach Bedarf vergeben. Österreichweit kann die Gesundheitsvorsorge Aktiv in 45 Einrichtungen angeboten werden, in der Steiermark werden es zehn sein. Im Kurhaus Bad Gleichenberg und im Thermalhotel Fontana in Bad Radkersburg wird dies bereits jetzt angeboten.

Gibt es im Bereich der Rehabilitation Neuerungen?
Wie auch bei der Gesundheitsvorsorge, erarbeitet die PVA natürlich auch im Bereich der Rehabilitation ständig Neuerungen, um auf dem medizinisch aktuellen Stand zu bleiben. In der medizinisch-beruflichen Rehabilitation wurde der PV RehaJet (Rehabilitation für Job, Erwerbsfähigkeit und Teilhabe) von der PVA entwickelt. Hier geht es darum, individueller auf die Anforderungen der PatientInnen einzugehen, damit sie ihre berufliche Tätigkeit möglichst weiter ausüben können.

Fotos: Shutterstock