Schönheit im Alter

Welchen Stellenwert hat Schönheit für Senioren? Helmut Hoflehner, Obmann der Fachgruppe Plastische, Rekonstruktive u. Ästhetische Chirurgie der steirischen Ärztekammer, spricht über die häufigsten Behandlungen in der Altersgruppe, Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie Trends in der ästhetischen Chirurgie.

Welche Arten von Schönheitsoperationen werden bei Senioren statistisch gesehen am häufigsten durchgeführt?
Viele Senioren fühlen sich heute durch gesunden Lebenswandel und Sport jünger als es ihrem Aussehen entspricht. Sie möchten daher einfach nur so jung aussehen, wie sie sich fühlen. Deshalb steht bei dieser Altersgruppe die Chirurgie und Behandlung von Altersveränderungen im Vordergrund. Der häufigste Eingriff ist sicherlich die Lidkorrektur, weil altersbedingte Erschlaffungen in der Augenregion am frühesten auftreten. Aber auch Straffungen des Gesichts (Face Lift) gehören natürlich zu den häufigen Eingriffen in dieser Altersgruppe. Nicht immer sind zur Verbesserung des Aussehens gleich Operationen notwendig. Auch mit Behandlungen wie Faltenunterspritzung, Botox oder Fadenliftings kann man sehr gute Ergebnisse erreichen.

Was müssen ältere Menschen beachten, wenn sie sich einer Schönheitsoperation unterziehen wollen?
Bei Patienten in fortgeschrittenem Alter bestehen manchmal Vorerkrankungen. Das Wichtigste ist, dass der Eingriff für den Patienten kein Sicherheitsrisiko darstellt. Deshalb sind eine Operationstauglichkeitsuntersuchung und eventuell andere Voruntersuchungen notwendig, damit wir sicherstellen, dass kein erhöhtes Risiko für eine eventuell notwendige Narkose besteht. Viele Senioren nehmen heute aufgrund von Gefäßerkrankungen blutverdünnende Medikamente wie zum Beispiel Aspirin ein, diese Medikamente müssen vor einer Operation abgesetzt werden.

Wie hat sich die ästhetische Chirurgie in den letzten Jahren verändert? Welche Trends können Sie hier beobachten?
Der Trend geht in Richtung minimal invasiver Chirurgie. Also möglichst kleine Eingriffe mit wenig Ausfallszeit. Deshalb ist die Zahl von ästhetischen Behandlungen wie Hyaluronsäure-Unterspritzungen, Botox, Eigenplasmainjektionen, Fadenlifting etc. in den letzten Jahren auch wesentlich stärker angestiegen als die von ästhetischen Operationen. Natürlich kann man mit kleinen Eingriffen nicht die gleichen Ergebnisse erreichen wie mit großen Operationen. Deshalb ist eine detaillierte Aufklärung wichtig, damit der Patient genau weiß, was ihn erwartet und welche Effekte mit diesen Eingriffen möglich sind.

Wie würden Sie die gesellschaftliche Akzeptanz von Schönheitsoperationen beurteilen? Hat sie sich in den letzten 20 Jahren geändert? Wenn ja, inwiefern?
Die Akzeptanz von ästhetischen Operationen hat sich sicherlich in den letzten 20 Jahren verändert. Es gibt viele Menschen, die ganz offen mit diesem Thema umgehen und auch gerne darüber reden oder sogar ihre Ergebnisse herzeigen. Es besteht hier ein relativ starkes Stadt-Land-Gefälle. Menschen in größeren Städten haben in der Regel weniger Hemmungen, über durchgeführte ästhetische Eingriffe zu reden. Am Land, wo jeder jeden kennt, bestehen eher Hemmungen, „ausgerichtet zu werden“. Amerikanische Verhältnisse, wo es zum Statussymbol gehört, eine ästhetische Operation vorweisen zu können, wird es bei uns allerdings nie geben und das ist auch gut so.

Was raten Sie Patientinnen und Patienten, die mit dem Resultat einer Operation nicht zufrieden sind?
Ich rate ihnen, einen Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie aufzusuchen und sich beraten zu lassen. Die Österreichische Gesellschaft für Plastische Chirurgie bietet hierfür auch ein Serviceprojekt an, wo sich unzufriedene Patienten kostenlos beraten lassen können. Dieses Serviceprojekt habe ich vor vielen Jahren, als ich im Vorstand und Präsident dieser Gesellschaft war, eingeführt. Sehr häufig sind Patienten mit einem Ergebnis nicht zufrieden, weil sie sich zu viel erwartet haben, viel seltener, weil ein Fehler passiert ist. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich vor der Operation an einen erfahrenen Operateur zu wenden, der eine seriöse Beratung durchführt und die Wünsche eines Patienten dann auch bestmöglich operativ umsetzen kann.

Ist Schönheitsoperation gleich Schönheitsoperation? Wo zieht man da die Grenze? Würden Sie beispielsweise die Behandlung einer Kurzsichtigkeit auch als Schönheitsoperation definieren?
In der plastisch-ästhetischen Chirurgie gibt es viele Überschneidungen von medizinisch indizierten Eingriffen und rein ästhetischen Eingriffen. Für die Krankenkassen ist entscheidend, ob funktionelle Probleme vorhanden sind. Bei einem Hautüberschuss an den Oberlidern besteht zum Beispiel sehr oft eine Gesichtsfeldeinschränkung, bei Nasenkorrekturen liegt oft eine Verschiebung der Scheidewand mit Problemen bei der Nasenatmung vor, bei übergroßen Brüsten sind häufig Wirbelsäulenschäden mit Schmerzen vorhanden. Solche Operationen gelten dann nicht als Schönheitsoperation, sondern als medizinisch indizierte Eingriffe. Sofern eine Chefarztbewilligung vorliegt, werden diese Eingriffe dann auch von der Krankenkasse bezahlt. Die Operation bzw. Laserung der Augen bei Kurzsichtigkeit (Refraktive Chirurgie) ist wiederum anders geartet. Hier liegt zwar eine Sehbeeinträchtigung vor, aber es gibt gängige Alternativen wie Brillen und Kontaktlinsen, deshalb werden diese Eingriffe von den Krankenkassen nicht bezahlt. Die Refraktive Chirurgie gehört aber nicht zu den ästhetischen Eingriffen.

Univ.-Doz. Dr. Helmut Hoflehner Fachgruppenobmann der Steirischen Ärztekammer und Facharzt für Plastische, Ästethische und Rekonstruktive Chirurgie

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Schwarzlklinik, Fotograf Schmickl Laßnitzhöhe

Beitrag veröffentlicht am 13. November 2019.