Die Seele baumeln lassen

Warum neben der physischen auch die psychische Gesundheit wichtig ist.

Am Donnerstag, dem 10. Oktober 2019, ist Tag der seelischen Gesundheit. Ein Tag, der in Graz bereits am Mittwoch begangen wird, um das Tabuthema „psychische Erkrankungen“ aufzubrechen. „Wir brauchen ein Klima, in dem man offen darüber sprechen kann. Wie man bei einem gebrochenen Fuß eine Behandlung braucht, ist das auch bei psychischen Problemen nötig“, so der Grazer Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ). An insgesamt 25 Ständen präsentieren sich Organisationen und Einrichtungen zwischen 14 und 19 Uhr im großen Saal der Arbeiterkammer (Hans-Resel-Gasse 8-14), die in Graz und darüber hinaus im psychosozialen Bereich tätig sind. Mit dem Ziel, authentische Einblicke in unterschiedliche Themenfelder zu geben. „Seelische Gesundheit ist nichts Selbstverständliches“, erklärt Ingrid Jagiello vom Steirischen Landesverband für Psychotherapie (STLP). „Psychische Erkrankungen können alle treffen.“

Und die neuesten Zahlen sind alarmierend: Jeder fünfte Mensch in Österreich ist innerhalb eines Jahres von einer psychische Erkrankung wie Depression oder Angststörung betroffen, insgesamt sind es sogar 1,2 Millionen Österreicherinnen und Österreicher. Steigende Belastungen im Beruf, größerer Leistungsdruck bei sinkenden Realeinkommen, ständige Erreichbarkeit und Reizüberflutung durch neue Medien sind nur einige von vielen Ursachen, die zu einem deutlichen Anstieg an chronischem Stress führen. Vor allem in der Kombination mit materiellen Problemen können dann oftmals auch psychische Erkrankungen die Folge sein, etwa Burnout, Depressionen, Angsterkrankungen, der Ausbruch von Psychosen oder auch ein erhöhtes Suizidrisiko. Auch Angehörige von Erkrankten können dadurch negativ beeinflusst werden.

Würde man jedoch rechtzeitig mit einer Behandlung beginnen, stünden die Chancen auf Heilung gut, so Ingrid Jagiello. Deshalb sei es wichtig, bestehende Lücken im Therapiesystem zu schließen. „Es braucht ausreichend Behandlungsplätze – besonders die Angebote für Kinder und Jugendliche müssen ausgebaut werden“, ergänzt Clemens Könzcöl vom Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP). Je länger eine Therapie verzögert würde, desto schwieriger werde es.

pro mente Austria fordert von der künftigen Bundesregierung umfassende Maßnahmen zur seelischen Gesundheit. Konkret werden fünf zentrale Punkte genannt, darunter Maßnahmen zur Armutsbekämpfung sowie ein Seelen-Check“. All das soll positiv zur seelischen Gesundheit beitragen und diese nachhaltig steigern.

PSYCHOSOZIALE GESUNDHEIT: EIN UMFANGREICHES SYSTEM

Doch wann ist man psychosozial und seelisch überhaupt gesund? Die WHO definiert psychosoziale Gesundheit als „Zustand des Wohlbefindens, in dem ein Mensch seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen sowie produktiv arbeiten kann und im Stande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen.“

Seelische Gesundheit äußert sich auch als positives Gefühl, als Wohlbefinden. Sie wird als mentale Gesundheit bezeichnet und durch ein komplexes System biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren bedingt. Und auch, wenn es Verfahren zur Messung der seelischen Befindlichkeit gibt: Ob sich jemand seelisch wohlfühlt oder nicht, ist insgesamt sehr subjektiv.

Aber auch beeinflussbar. Ob man liebt oder geliebt wird, ein hohes Selbstvertrauen hat, einen Sinn im Leben sieht, soziale Kompetenz aufweist, mit den Arbeitsbedingungen und der Umwelt zufrieden ist, Zukunftsgedanken und –visionen hegt, Verantwortung für das eigene Handeln übernimmt, gut mit Problemen und Gefühlen umgeht, sich grundsätzlich frei und selbstbestimmt fühlt und zwischen Fantasie und Realität unterscheidet – all das hat einen Einfluss auf das Wohlbefinden, die persönliche Wahrnehmung der Lebensqualität und Selbstwirksamkeit und damit auch auf die seelische Gesundheit.

Daher unser Tipp: Die Seele einmal ganz bewusst baumeln lassen. In der Hängematte, am Balkon, bei einer Tasse Tee, einer Wanderung oder zu Hause auf der Couch. Sich bewusst zurückzulehnen und zu entspannen tut der Seele gut. Dann macht das Leben auch wieder mehr Spaß.

Quellen:

https://www.graz.at/cms/beitrag/10336902/8114338/Tag_der_seelischen_Gesundheit.html

https://kurier.at/gesund/psychische-erkrankungen-jeder-fuenfte-innerhalb-eines-jahres-betroffen/400640972

https://www.gesundheit.gv.at/leben/psyche-seele/gesundheit/einflussfaktoren-psyche

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20191008_OTS0019/pro-mente-austria-fordert-von-der-kuenftigen-bundesregierung-umfassende-massnahmen-zur-seelischen-gesundheit

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Beitrag veröffentlicht am 11. Oktober 2019.