So gelingt das Leben mit Demenz

Mit welchen Methoden man der Krankheit vorbeugen kann, wie man sie erfolgreich behandelt und warum auch Angehörige eine wichtige Stütze für die Betroffenen sind.

Rund 130.000 Menschen in Österreich leiden an Demenz. Dabei handelt es sich um eine chronische oder fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der Aktivitäten des täglichen Lebens sowie geistige Fähigkeiten wie Denken, Sprache, Rechnen, Orientierung, Auffassung, Lernfähigkeit und Urteilsvermögen beeinträchtigt sind. Auch Wahrnehmungsstörungen und Persönlichkeitsveränderungen können auftreten. Heute sind in etwa 50 Krankheiten bekannt, die zu einer Demenz führen können, darunter Morbus Parkinson, Epilepsie, Multiple Sklerose oder Gehirntumore.

Die Ursachen für eine Demenzerkrankung sind nicht vollständig geklärt, dennoch lassen sich einige Risikofaktoren feststellen. Der größte davon ist das hohe Lebensalter, was sich auch in den Zahlen der Betroffenen widerspiegelt. In der Gruppe der 60- bis 70-Jährigen hat etwa 1 von 100 Personen Demenz. Bei den 80- bis 85-Jährigen sind es bereits 1,5 von 10 und bei den über 90-Jährigen sogar 3 von 10 Menschen. Schätzungen zufolge wird sich diese Zahl bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Frauen sind dabei tendenziell häufiger betroffen als Männer. Experten begründen dies in erster Linie mit der höheren Lebenserwartung. Menschen mit niedrigem Bildungsniveau, alleinstehende Personen mit wenig sozialen Kontakten sowie Personen mit Demenzerkrankungen in der Familie haben ebenfalls ein höheres Risiko, an Demenz zu erkranken. Weitere Risikofaktoren sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Rauchen oder Fettleibigkeit.

Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Demenzformen. Primäre Formen entstehen durch eine Schädigung des Hirngewebes, sekundäre werden ausgelöst durch Geschehnisse und Störungen, die nicht in erster Linie im Gehirn stattfinden. Primäre Demenzen machen den Großteil der Erkrankungen aus. Alzheimer ist mit 60 bis 80 Prozent die häufigste Form. Bei 10 bis 30 Prozent handelt es sich um eine vaskuläre Demenz oder eine Demenz mit Lewy-Körperchen. Bei weniger als 10 Prozent wird eine frontotemporale Demenz diagnostiziert.

MEDIKAMENTÖSE THERAPIEN

Auch wenn die Ursache der Demenz mit Medikamenten nicht behoben werden kann, können diese – bei rechtzeitiger Anwendung – die Symptome lindern und die langsam fortschreitende Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten hinauszögern. Betroffene gewinnen so an Zeit und Lebensqualität.

Acetylcholinesterase-Hemmer werden etwa bei leichter bis mittelschwerer Demenz eingesetzt. Sie verbessern den Signalaustausch zwischen den Nervenzellen und erhöhen die Verfügbarkeit von Acetylcholin. Fähigkeiten wie Denken, Lernen, Erinnern und Wahrnehmen bleiben dadurch länger erhalten.

Ist die Krankheit bereits fortgeschritten, ist eine Behandlung mit Memantin sinnvoll. Es beeinflusst den Glutamatspiegel im Gehirn. Glutamat ist ein wichtiger Botenstoff und speziell für Lernen und Gedächtnis von Bedeutung.

Bei Depressionen können auch Antidepressiva verwendet werden. Bei aggressivem Verhalten, Sinnestäuschungen oder Verfolgungswahn bieten sich Neuroleptika an. Sie unterdrücken die Symptome, indem sie die Ausschüttung von Dopamin im Gehirn hemmen.

NICHT MEDIKAMENTÖSE THERAPIEN

Hier kommen verschiedene Therapien zum Einsatz, die aufgrund der unterschiedlichen Krankheitsbilder und Schweregrade individuell auf den Patienten abgestimmt werden müssen. Verhaltenstherapeutische Angebote sind insbesondere für Betroffene im Frühstadium der Erkrankung geeignet. Sie finden oft in Gruppen statt. Betroffene lernen, ihre Erkrankung zu akzeptieren und besser damit umzugehen.

Auch kognitives Training und autobiografische Arbeiten bieten sich an. Einfache Wortspiele in Einzel- oder Gruppentherapie, Farben erkennen, Begriffe erraten, Reime ergänzen oder mithilfe von Fotos, Büchern und persönlichen Gegenständen positive Erinnerungen an frühere Lebensabschnitte wecken. Dadurch behalten Betroffene länger das Gefühl für ihre Identität.

Musiktherapien sind in allen Stadien der Erkrankung sinnvoll. Das eigenständige Musizieren fördert die Koordination, das Musikhören entspannt und weckt positive Lebenserinnerungen.

Auch die Raumgestaltung in den eigenen vier Wänden sollte den Betroffenen die Orientierung so leicht wie möglich machen. Uhren und Kalender sowie farblich gekennzeichnete Räume, bestimmte Materialien und Düfte können helfen.

Ergotherapeutische Behandlungen tragen dazu bei, Alltagskompetenzen wie Einkaufen oder Kochen möglichst lange aufrechtzuerhalten. Jede Form von geistiger und körperlicher Aktivierung (Tanzen, Massagen) erhält die Beweglichkeit und Balance der Betroffenen.

WIE BEUGT MAN EINER DEMENZ VOR?

Allgemein kann man sagen: Je geistig, körperlich und sozial aktiver das Leben eines Menschen ist, desto niedriger ist sein Risiko für Demenz. Lesen, Lernen, das Praktizieren von Fremdsprachen, Schreiben, Musizieren und Singen, Engagement in einer Gemeinschaft (Verein), aber auch regelmäßige Bewegung und Sport stehen für einen gesunden Lebensstil.

WAS TUN, WENN MAN SELBST ETWAS MERKT?

Besteht der Verdacht auf eine Demenz, sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann den Verlauf der Krankheit verlangsamen.

WIE KANN MAN ALS ANGEHÖRIGER HELFEN?

Erkrankt ein Familienmitglied an Demenz, so betrifft das auch die Angehörigen. Die Pflege eines demenzkranken Menschen erfordert viel Zeit, Kraft und Ausdauer, daher ist es wichtig, sich rechtzeitig Unterstützung zu holen.

Validation ist im Umgang mit demenzkranken Menschen ein hilfreiches Konzept. Dabei geht es darum, den Erkrankten in seinem Verhalten nicht zu kritisieren oder zu korrigieren, sondern für wahr zu erklären und aufzunehmen, also zu validieren.

Routine ist hilfreich für Demenzkranke. Prozesse, die jeden Tag gleich ablaufen, sind förderlich für Betroffene. Bei der Pflege sind Geduld, Gelassenheit, Respekt und Verständnis im Umgang mit dem Kranken wichtig. Die Patienten sollten nicht überfordert werden, gleichzeitig aber die Chance haben, so viele Dinge wie möglich selbst zu machen. Das verlangsamt den geistigen Verfall und sorgt für einen Gewinn von Zeit und Lebensqualität.

Denn eines ist klar: Demenz ist definitiv kein Todesurteil.

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Quellen:

https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/gehirn-nerven/demenz/was-ist-das

https://www.netdoktor.at/therapie/demenz-therapie-4604198

https://www.minimed.at/medizinische-themen/gehirn-nerven/demenz/

https://www.caritas-pflege.at/wien/ratgeber/demenz/

 

Beitrag veröffentlicht am 23. September 2019.