Neustart mit 72 Jahren

Wie es ist, in späteren Jahren noch Unternehmer zu sein. Zwei Beispiele stehen für viele, die ihre Vitalität und Kreativität weiter beruflich nützen.

Ein abwechslungsreiches Berufsleben hört meist nicht mit dem Tag der Pensionierung auf. Und der berufliche Neustart eines jung Gebliebenen beginnt nicht immer gleich nach dem Tag der Pensionierung. Beim selbstständigen Grazer Unternehmensberater Klaus Weber lagen Jahre zwischen dem Ende der regulären Berufslaufbahn und dem Tag, als er sich als Unternehmer gewissermaßen neu erfand. Auf Überarbeitung und Stress folgte einst der Gang in die Invaliditätspension, aber das ist überwunden. Im Herbst 2018 mit stolzen 72 Jahren entschloss er sich, beruflich wieder durchzustarten und er bereut das nicht: „Ich habe so eine Freude, dass ich das jetzt wieder mache!“

Ebenfalls 72 Jahre alt und als Selbstständiger aktiv wie seit 50 Jahren ist Peter Schneider, der in Birkfeld die Kenntnisse seines Berufslebens heute als Unternehmensberater im Bereich Lebensmittelsicherheit und Qualitätsmanagement weiter vermittelt. „Mein Wissen hat sonst keiner“, sagt der promovierte Akadamiker selbstbewusst. Das empfinden offenbar auch seine langjährigen Geschäftspartner so. „Ich habe 45 Kunden, sie rufen an, wenn sie meinen Rat und meine Expertise brauchen, und schon lege ich los.“

„Ich habe 45 Kunden, sie rufen an, wenn sie meinen Rat und meine Expertise brauchen, und schon lege ich los.“

Klaus Weber arbeitet vormittags in seinem Arbeitszimmer am Computer und am Telefon und ist nachmittags häufig bei seinen Kunden. Sein Spezialgebiet ist strategische Planung für Gewerbeunternehmen, da ist er in der Steiermark fast Monopolist. Die Wirtschaftskammer empfiehlt ihn interessierten Firmen. Der studierte Betriebswirt mit Magisterabschluss hat sich fachlich stets auf dem Laufenden gehalten und über die Jahre eine Erkenntnis gewonnen: Kommen auch ständig neue Techniken, Konkurrenten und vielfältige Veränderungen auf den Märkten, die kaufmännischen Probleme bleiben immer dieselben.

Peter Schneider findet es angenehm, dass man sich in seinem Alter die Arbeit so einteilen kann, wie es einem behagt. Dass er seinen Ein-Mann-Betrieb in Birkfeld hat, ist für ihn kein Standortnachteil. Im Zeitalter des Internets „ist der Standort egal, wenn man gebraucht wird.“ Und Lebensmittelbranche hat ständig Beratungsbedarf in den Bereichen Hygiene-Management, Qualitätssicherung oder Zertifizierung. „Die großen Handelsketten verlangen das.“

Nicht einverstanden sind die beiden Unternehmer mit der gesetzlichen Bestimmung, dass sie von ihrem Einkommen Pensionsbeiträge abliefern müssen, obwohl sie dafür später keine Verbesserung ihres Ruhebezugs bekommen. Da geht es leicht um einige tausend Euro pro Jahr. Schneider meint sarkastisch: „Ein Drittel meiner Pension zahle ich mir selber.“

„Ein Drittel meiner Pension zahle ich mir selber.“

Als Unternehmer im fortgeschrittenen Alter achten beide darauf, dass die Lebensqualität nicht zu kurz kommt. Webers Gattin ist ebenfalls Pensionistin, sie hat sich positiv damit abgefunden, dass ihr Mann viele Stunden bei der Arbeit verbringt. Zuhause in Birkfeld hört Peter Schneider zwar manchmal die Bemerkung: „Ein bisschen weniger könnte es schon sein“. Aber er weiß auch: „Ständig zuhause soll ich auch nicht bleiben.“

„Ständig zuhause soll ich auch nicht bleiben.“

Klaus Weber begnügt sich nicht damit, einfach zu arbeiten, wie er es seit Jahrzehnten tut. Er geht mit der Zeit und erkennt, wo es in seinem Berufsfeld neue Herausforderungen gibt. Gemeinsam mit gleichgesinnten Partnern will er sich demnächst auf professioneller Ebene dem Zukunftsthema „Industrie 4.0“ widmen und die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz (artificial intelligence) in der unternehmerischen Praxis ausloten.

Mehr Infos über den  Zuverdienst unter: https://www.arbeiterkammer.at/beratung/steuerundeinkommen/dazuverdienen/Pension_und_Zuverdienst.html 
https://www.wko.at/service/arbeitsrecht-sozialrecht/Pensionsbezug_und_Zuverdienst.html

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