Zuverdienst im Alter

Ernest Schwindsackl, Obmann des Grazer Seniorenbundes und Bundesrat, betont, dass das Arbeitsleben mit dem Ruhestand nicht vorbei sein soll. Aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen.

Immer mehr Menschen sind auch im fortgeschrittenen Alter berufstätig. Sie sind das beste Beispiel für den Satz „Arbeit bereitet Freude“, weil sie erfüllend ist und dem Leben Sinn gibt. Das gilt für jene, die auch nach der Pensionierung aktiv sind, und zwar unabhängig davon, ob es bezahlte Erwerbsarbeit ist oder ob sie im Ehrenamt oder in der Freiwilligenarbeit geleistet wird, betont der Stadtgruppenobmann des Grazer Seniorenbundes, Bundesrat Ernest Schwindsackl.

Jeder Arbeitsplatz erfordert bestimmte Kenntnisse und Fähigkeiten. Ein Kriterium muss allerdings für jeden Menschen und jede Arbeit Vorrang haben, nämlich die Gesundheit. Wenn wir ein Leben lang im Erwerbsleben stehen, ist es für Mediziner und Arbeitsexperten unabdingbar, dass es altersgerechte Arbeitsplätze geben muss. Nicht zuletzt ist die körperliche und seelische Gesundheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eine wichtige Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg.

Erfolgreiche Unternehmer wissen, dass ihre Betriebe von der Vielfalt ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leben, von ihren unterschiedlichen Qualifikationen, Erfahrungen und Ideen, von einem produktiven Miteinander von Alt und Jung. In solchen Betrieben bleiben ältere Mitarbeiter gerne so lange wie möglich aktiv und sind bereit, ihr Erwerbsleben zu verlängern.

Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mögen zwar in manchen Belangen körperlich nicht so leistungsfähig sein wie jüngere, dafür haben sie aufgrund ihrer Lebenserfahrung wertvolles Know How und hohe soziale Kompetenz. Menschen im reiferen Alter lernen langsamer als jüngere, dafür verknüpfen sie effizient das vorhandene mit neuem Wissen. Ältere können schwierige Aufgaben oft schneller lösen, da sie gelernt haben, vernetzt zu denken und intuitiv auf hilfreiche Erfahrungen zurückzugreifen.

Altersgerechte Arbeit bedeutet, dass die Gesundheitspotenziale der Menschen und ihre Arbeitsfähigkeit für die gesamte Dauer der Erwerbstätigkeit erhalten bleiben und entsprechend gefördert werden. Eine wesentliche Rolle spielt dabei, dass die Tätigkeit vielseitig ist, dass Handlungsspielräume erhalten bleiben, dass negativer Stress reduziert wird und dass es im Betrieb einen Kreislauf von Lernen und Weiterbildung, Information, Mitsprache, Teamgeist und freier Zeiteinteilung gibt. Auch Arbeitsbelastungen wie Lärm, ergonomische Mängel am Arbeitsplatz – etwa schlechte Sitzhaltung – oder häufiges Tragen schwerer Lasten gehören altersgerecht reduziert.

Dabei gilt das Leistungsprinzip selbstverständlich für alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, läßt Schwindsackl keinen Zweifel. Es sollte sich allerdings nicht mehr in automatischen Vorrückungen ausdrücken, sondern vorzugsweise in Form von Prämien, durch zusätzliche Bildungsprogramme oder Freizeitausgleich.

Ein wichtiges Anliegen ist für das Mitglied des Bundesrates, dass nicht jeder Bezieher einer Alterspension, der weiter in der Erwerbsarbeit tätig ist, die Pensionsbeiträge in voller Höhe zahlen soll. Diese werden unter dem Titel „besondere Höherversicherungsbeiträge“ zwar auf die Pension angerechnet, die daraus resultierende Erhöhung der Pensionszahlungen steht jedoch in keinem Verhältnis zu den eingezahlten Beiträgen. Die Höherversicherung ist für jene Erwerbstätige, die bereits eine Pension beziehen und dennoch weiter ihren Beitrag zum eigenen und zum allgemeinen materiellen Wohlergehen leisten wollen, nicht attraktiv genug, mahnt der Obmann des Grazer Seniorenbundes.

Wie viel Sie sich in der Pension dazuverdienen können und was Sie dabei beachten müssen, erfahren Sie hier.

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Beitrag veröffentlicht am 20. November 2019.