Arzneimittelsicherheit

So nah. So sicher. Ihre Apotheke ums Eck.

Die Pressemeldungen kommen in immer kürzeren Abständen: Die Zahl der durch den Zoll aufgegriffenen illegal eingeführten und gefälschten Medikamente verdreifacht sich jedes Jahr. Bei Kontrollen von illegal versendeten rezeptpflichtigen Medikamenten wurde ein Anteil von bis zu 95 % Fälschungen festgestellt. Analysen förderten in den Fälschungen beispielsweise Rostschutzfarbe, Rattengift und Tierkot zutage. Mal ist zu viel Inhaltsstoff drin, dann zu wenig, dann verunreinigter, dann gar keiner. 

Etliche „Versandapotheken“ gaukeln den Konsumenten mit einem „.at“ am Ende ihrer Mailadresse vor, sie hätten ihren Sitz in Österreich, in Wahrheit operieren sie von Tschechien, Slowakei, Niederlanden oder auch den Virgin Islands aus. Eine junge Deutsche bestellt im Internet ein als besonders wirksam angepriesenes Schlankheitsmittel: Sie stirbt kurz nach der Einnahme. In Kalifornien werden jährlich 60 Kinder lebertransplantiert, weil sie mit Überdosen an Paracetamol behandelt wurden, einem an sich gut verträglichem Fiebersenker und Schmerzstiller, der in den USA fataler Weise auch im Supermarkt und an der Tankstelle erhältlich ist. Die Kassiererin zieht das Schachterl über ihren Scanner, informiert aber nicht über die richtige Dosierung. Kann sie nicht, ist auch nicht ihr Job.

Die liberale New York Times meldete schon vor einigen Jahren, dass 28 % aller Spitalsaufnahmen in den USA durch falsch eingenommene Arzneimittel verursacht werden. Jeder 5. Todesfall ist auf den giftigen „Cocktail“ aus gefährlicher Selbstmedikation, Überdosierungen und Wechselwirkungen zurückzuführen. Die NYT hat die Ursachen dieser bedenklichen Entwicklung recherchiert und kommt zum Schluss, dass „Internet-Versandhandel von Arzneimitteln, die Etablierung von Ketten-Drug-Stores und die Auflösung des geordneten Apothekensystems verantwortlich für diese tödliche Giftmischung sind.“

Apothekerkammerpräsident Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger

Arzneimittel sind keine Hustenzuckerl, keine beliebigen Konsumartikel. Sie eignen sich nicht für „Geiz ist geil“ und „willkommen im freien Markt“, sie eignen sich nicht für grenzenlosen Wettbewerb, Umsatzoptimierung und unbeschränkte Liberalisierung. Der sichere Umgang mit Medikamenten braucht die kompetente Beratung durch unsere Apothekerinnen und Apotheker, braucht im Vertrieb klare Regeln wie die Rezeptpflicht, den Apothekenvorbehalt und eine lückenlose Logistikkette vom Erzeuger über Großhandel und Apotheke bis zum Anwender. Österreich hat ein international anerkanntes und qualitätsvolles Gesundheitssystem, das ein Höchstmaß an Arzneimittelsicherheit sicher stellt. Hoffentlich bleibt’s so.

 

6.12.2020
Bildquelle: Sissi Furgler
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