Der Grazer Flughafen im Lockdown

Ein Lokalaugenschein mit Flughafendirektor Gerhard Widmann über die Folgen des Lockdowns.

Ein Flughafen ist ein Ort der Freiheit und der Sehnsucht Das wissen wir spätestens seit dem Lied von Reinhard Mey: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“ Diese Freiheit des Fliegens ist durch Corona ganz stark eingeschränkt. Das bekommt Flughafendirektor Gerhard Widmann jeden Tag zu spüren. Er hat sich sein letztes Arbeitsjahr am Flughafen Graz anders vorgestellt.

Doch die Pandemie verändert viel. Der betriebsame Ort der Sehnsüchte präsentiert sich im Herbst 2020 still und ruhig. Das ist eine ungewohnte Erfahrung für die Menschen, die mit dem Grazer Airport seit jeher gute Erwartungen verbinden: auf Tage mit Sonne, Strand und Meer, auf kulturellen Hochgenuss in den Opernhäusern und Museen der Welt, auf ein besonderes Match der Champion’s League oder in der Hoffnung, dass sie am Zielort der Flugreise ein beruflicher Erfolg erringen.

Für nicht weniger als Hunderttausende Menschen ist der Flughafen ein Ort positiven Empfindungen, weil er sie ihren Wünschen und Sehnsüchten näherbringt.

 

Abenteuer-Alter-Redakteur Joahnnes Kübeck (l.) war direkt vor Ort, um mit Gerhard Widmann zu sprechen.

 

Wer jetzt durch den Flughafen geht, sieht die Räume wie immer akkurat sauber in gepflegt. Aber Flughafendirektor Mag. Gerhard Widmann findet seit Monaten Corona-bedingt nur eine fast menschenleere Abflughalle vor. Das freundliche Begrüßen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Check-in fehlt, weil sie meist gar nicht da sind. Im Duty-Free-Bereich gibt es keine Reisenden, die überlegen, ob sie eher ein internationales Angebot kaufen sollen oder steirische Schmankerln. Das Café bei den Gates hat nur stundenweise geöffnet.

Dieses Verkehrsdrehkreuz mit rund 900 Beschäftigten in 50 verschiedenen Unternehmen hat seine Geschäftigkeit auf ein Minimum reduziert.

Was man hier in diesen Tagen sieht, sind keine Bilder aus einem Katastrophenfilm, sondern die Realität der Reisewelt im Corona-Jahr 2020. Gerhard Widmann und sein Team stemmen sich gegen diese Wirklichkeit. Sie zerstört nicht nur Hoffnungen der Menschen, die gerne reisen, sondern sie bedroht auch Existenzen. Die rund 200 Beschäftigten der Flughafen-Gesellschaft sind seit Monaten auf Kurzarbeit, andere Firmen auf dem Flughafen-Gelände haben überhaupt vorübergehend geschlossen.

Sicherheit und Komfort müssen aber weiterhin stets top sein. Auch wenn es nur wenige Starts und Landungen sind, gibt es kein Nachlassen. Ganz im Gegenteil: Wegen der Corona-Ansteckungsgefahr wurde der breite Bereich Sicherheit noch ausgeweitet auf die Sicherheit vor Infektionen: Allgemeine Maskenpflicht, größere Abstände bei den Sicherheitsstraßen, Leitlinien auf den Böden, Desinfektionsspender, Durchsagen.

 

Leere Check-In-Schalter sind Realität im Corona-Jahr 2020.

 

So oft es geht, stehen die Flugzeuge jetzt auch nahe am Gate, damit die Passagiere zu Fuß zum Flugzeug hinkommen. Die Busse bleiben bei diesem eigeschränkten Betrieb in der Garage. Auch das reduziert die Ansteckungsgefahr, weiß Flughafenprofi Widmann.

Bei der Ankunft in Graz erwartet die Reisenden eine neue Dimension des Willkommens. Soldaten des Bundesheeres unterstützen das Personal der Gesundheitsbehörde bei der Befragung der Ankommenden. Es geht darum, aus welcher Region mit welchem Corona-Risiko ein Einreisender ankommt.

Viele SteirerInnen und Steirer sind jedes Jahr drei- oder viermal vom Grazer Flughafen in Richtung Erholung und Entspannung abgeflogen. Manche von ihnen haben jetzt geradezu Entzugserscheinungen. Sie hoffen, dass die Gesundheitslage bald so sein wird, dass sie wieder reisen können. Einige können es gar nicht erwarten und wollen das Ambiente des Airports genießen, auch wenn sie nicht fliegen.

Der sonntägliche Champagner-Brunch im Flughafen-Restaurant „Globetrotter“ ist in Lock-down freien Zeiten immer bestens besucht. Die Gäste genießen nicht nur die Spezialitäten von Küche und Keller, sondern schnuppern wohl auch Flughafenluft. Auch Kunden des Spar-Marktes, der täglich offen hat, verbinden den Einkauf mit einem Kaffee auf der Terrasse mit Blick auf das Flugfeld und vielleicht mit wehmütigen Gedanken an frühere Fernreisen. Als es der „Sonne entgegen“ ging, wie Reinhard Mey gesungen hat.

Und was macht der Mann, der mehr als 20 Jahr dieses agile Unternehmen erfolgreich geleitet hat, wenn er in Pension geht? Mag. Gerhard Widmann bleibt in Bewegung, von Ruhestand kann keine Rede sein. Er freut sich auf mehr Zeit mit Freunden und betreibt Sport, oft und gerne mit seinem Mountainbike. Aktiv bleibt er auch als Präsident des Sportverbandes ASKÖ in der Steiermark. Widmanns Anliegen ist es, die Jugend an den Sport heranzuführen und einen Beitrag zu einem gesünderen, beweglicheren Leben für Menschen aller Generationen leisten. Und natürlich wünscht der scheidende Flughafendirektor seinem Nachfolger Wolfgang Grimus alles Gute. Besonders, dass bald wieder viele Steirer ihren Airport als Startpunkt für Flugreisen erleben.

 

Johannes Kübeck
10.12.2020
Bildquelle: Luef Light