„Wir brauchen eine Pflegereform“

Bis 2030 fehlen 76.000 Arbeitskräfte in der Pflege. Ernest Schwindsackl, Obmann des Grazer Seniorenbundes, begrüßt die in Kürze beginnenden Pflegereform-Verhandlungen.

Der Arzt und Autor Eckart von Hirschhausen bringt es auf den Punkt: „Nicht jeder, der gesund ist, ist glücklich und nicht jeder, der krank ist, ist unglücklich. Wer aber öfter glücklich ist, wird seltener krank und lebt länger! Jeder kommt irgendwann in das Alter, in dem nur noch „innere Werte“ zählen: Blut-, Zucker-, Leberwerte etc. und es kommt jeder in das Alter, indem er oder sie Hilfe, möglicherweise eine 24 Stunden Hilfe benötigt, so der Obmann des Grazer Seniorenbundes Bundesrat Ernest Schwindsackl.

 Es sei großartig, was in dem Segment der Betreuung geleistet wurde und wird, findet der Bundesrat, doch mit Corona hätten die Erschwernisse massiv zugenommen. Zwar habe die Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz und Minister Rudolf Anschober an der Spitze gemeinsam mit der Bevölkerung viele richtige und wichtige Maßnahmen gesetzt, findet Schwindsackl. Der große Bonus dabei sei der Zusammenhalt von Jung und Alt gewesen, was unbedingt erhalten werden müsse. Auf der anderen Seite hätte sich gezeigt, was passiere, wenn mit der Grenzschließung die 24-Stunden-Betreuung nicht sichergestellt werden könne. Im Parlament wurde in diesem Zusammenhang im Mai einstimmig ein Gesetz beschlossen: Die Daten der pflegebedürftigen Personen sowie der Förderungswerber, die eine 24 Stunden-Betreuung beanspruchen, werden vom Sozialministerium an die jeweiligen regionalen Landesstellen, die Sanitätsdirektionen beziehungsweise die Stellen, an denen die Pflege in den Ländern zusammenlaufen, übermittelt, damit im Falle des Falles niemand alleingelassen wird, wenn zum Beispiel eine 24-Stunden-Betreuung aufgrund der Reisebeschränkungen nicht gewährleistet werden kann. Immerhin arbeiten in Österreich über 60.000 Betreuungspersonen, vornehmlich aus Rumänien. 

Bundesrat Ernest Schwindsackl, Stadtgruppenobmann des Seniorenbundes Graz

Vorsorge für die Zukunft treffen

Wenn man von Pflege spricht, meint man oft die Personenbetreuung mit. Aber das sei nicht korrekt, betont Schwindsackl. Während die Betreuung überwiegend von Personen aus dem südosteuropäischen Ausland wahrgenommen wird, spricht man in der Pflege von speziell ausgebildetem Personal. Hier werden bis zum Jahr 2030 76.000 Arbeitskräfte fehlen. 75 Prozent der PflegegeldbezieherInnen werden zu Hause betreut, vornehmlich von Angehörigen und mobilen Diensten. „Im Fokus der prognostizierten demografischen Entwicklung und der Zunahme an multimorbiden Menschen, die das 80. Lebensjahr überschritten haben, stellt sich für die Zukunft die grundsätzliche Frage, welche pflegerischen Qualifikationen dann nachgefragt sein werden“, erklärt der Bundesrat. 

„Die Diskussion zur Pflegereform, welche in Kürze beginnt, wird auf ein neues zukunftsorientiertes Fundament aufgesetzt. Die Bundes- und auch die Landesregierung haben die ältere und die jüngere Generation im Fokus und werden auch in schwierigen Zeiten die richtigen Maßnahmen treffen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.“

 

 

4.12.2020
Bildquelle: Fischer / Shutterstock