Die stärksten Frauen von Allen

Was sind das für Leute in der Hospizbewegung, die Menschen in der letzten Lebensphase und ihre Angehörigen begleiten?

Es gehört Einiges dazu, an der Seite von Mitmenschen zu sein, die in der ultimativen Lebensphase sind. Man denkt an Gestalten mit kräftigen Geistes- und Seelenmuskeln, aber tatsächlich sind es Menschen wie du und ich. Diese Erkenntnis machte der Autor bei einem Einführungsseminar für Hospizbegleiter als einer von drei Männern unter 22 Frauen. Sogar altersmäßig ist die Gruppe bester Durchschnitt. Fünf Frauen und Männer, die schon im Pensionsalter sind, standen in dem Seminar des Hospizvereins zehn unter
40 Jahren gegenüber. Es sind keineswegs überwiegend Seniorinnen und Senioren, die sich dieser Aufgabe stellen. 

S o bunt gemischt wie das Alter sind die Lebensumstände des angehenden Hospizpersonals. Von der Pensionistin bis zum Diplomingenieur sind alle beruflichen Erfahrungen vertreten. Für die Seminarleiterin ist diese Buntheit der Lebensentwürfe sogar vorteilhaft und keinesfalls ein Hindernis in der Begleitung der Menschen. Die meisten Teilnehmer haben in der engeren Familie Erlebnisse mit Angehörigen im letzten Lebensabschnitt und erzählen der Runde mit großem Ernst und Engagement davon. Viele haben erlebt, wie schwer sich Menschen in dieser Lage tun und erzählen von der Hilflosigkeit, die sie empfunden haben. Sie ist ihnen Ansporn, die Ausbildung zur Hospizbegleitung zu machen. Sie stellen kluge Fragen zu Themen, die ihnen noch fremd sind, und scheuen sich nicht, sich mit der heiklen Problematik auseinanderzusetzen. Die Offenheit und Ehrlichkeit des Gesagten sind überraschend und wohltuend. Man bekommt Einblicke in die Lebenswelt von Menschen, die Nachbarn sein könnten, und fragt sich, ob es hinter der Wohnungstür der wirklichen Nachbarn auch solche reichen Lebenserfahrungen gibt.

Manche Teilnehmer sagen ganz offen, sie wollen diese Ausbildung nur machen, wenn sie nicht mit Glaubensfragen konfrontiert werden. Man spürt, welche Wunden die Kirche einigen Menschen aktiv oder passiv zugefügt hat. Die Seminarleiterinnen erklären ebenso offen, dass Religiöses kein Teil der Ausbildung ist und kein Glaubensbekenntnis vorausgesetzt wird. Sie erzählen aber, dass die meisten Menschen, die sich für eine Mitarbeit im Hospizwesen entschieden, dies auch aus religiösen Motiven tun. Aber auch und gerade sie sind angehalten, sich bei der eigentlichen Begleitung in dieser Hinsicht zurückzuhalten. Beschwerden, dass eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter eines Hospizteams bei der Begleitung einer hilfsbedürftigen Person etwa „zu viel betet“, hat es in 30 Jahren noch nie gegeben, kann man hören. Niemand weiß, ob jemand durch die Hospiztätigkeit (wieder) zu einem Gottglauben gefunden hat, und gleichzeitig geistert der Gedanke durch’s Gehirn, dass wahrscheinlich noch keine Helferin und kein Helfer dabei den Glauben verloren hat.

Wer wie der Autor bei diesem Seminar einmal in Kontakt mit den Aktiven im Hospizwesen gekommen ist, wird sie nie vergessen. Die Frauen und (wenigen) Männer, die das ehrenamtlich tun, strahlen ausnahmslos etwas Positives aus. Sie haben sich der Begleitung von Mitmenschen in ihrem ultimativen Lebensabschnitt verschrieben, treten aber nicht – wie man so sagt – „in Sack und Asche“ auf und sind keine weltfremden Betschwestern. Sie stehen mitten im Leben, gehen den Schattenseiten nicht aus dem Weg und begegnen der Sache und den Betroffenen auf eine besondere Art: mit energischer Behutsamkeit.

Die selbst gewählte Aufgabe scheint ihnen kraftvolle Energie zu geben. Ein Blick in die Runde bekräftigt den Eindruck, hier eine besondere Gruppe anzutreffen: die stärksten Frauen, die man sich vorstellen kann. Dasselbe gilt natürlich auch für die wenigen Männer. Es ist die Kraft, die aus der Bereitschaft kommt, in schwierigen Situationen anzupacken und nicht wegzuschauen. Sie gehen auf Mitmenschen konkret ein und handeln nicht beliebig, sie gehen der Herausforderung am Ende eines Lebens nicht aus dem Weg, sondern stellen sich ihr.

Es ist nicht angebracht, im Zusammenhang mit der Betreuung sterbender Mitmenschen ein internationales Ranking zu bemühen. Aber was Frauen in der Steiermark beim Aufbau der Hospizbewegung in rund 30 Jahren zustande gebracht haben, verdient höchste Anerkennung. Mehr als 800 Frauen (und wenige Männer) stehen im Bundesland fast rund um die Uhr bereit, um Menschen in ihrer finalen Lebensphase beizustehen und deren Angehörige zu begleiten und zu entlasten. Diese Zahl muss man in Relation setzen zu den jährlichen Todesfällen in der Steiermark. Bei rund 11.000 Menschen, die uns pro Jahr verlassen, zählt das Land mehr als 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hospizvereins. In wahrscheinlich keinem Land der Welt ist die Chance so groß, im Fall des Falles entsprechende Hilfe zu bekommen. Die Hospizbewegung kann ihre Leistungen bei uns fast flächendeckend erbringen. Das ist ein großer „Luxus“, den alle zu schätzen gelernt haben, die damit in Kontakt gekommen sind.

Erst seit 2022 ist die Hospizbegleitung in Österreich ein regulärer Bestandteil der Krankenversorgung in Österreich und nicht mehr eine unverbindliche freiwillige Leistung von Privaten. Zwar gab es dafür schon zuvor Budgetgelder von Bund und Ländern, die Hospizvereine waren aber Bittsteller. Seit 2022 gibt es einen Rechtsanspruch auf die Finanzierung von Hospizteams, Tages- und stationären Hospizen, mobilen Palliativteams oder Palliativkonsiliardiensten. Damit stellt die Politik sicher, dass Personen, die diese Art von Hilfe brauchen, sie auch unabhängig von ihrer familiären Lage bekommen. Im Sozialministerium wird ein Fonds aufgebaut, der bis 2024 auf 108 Millionen € aufgestockt wird und dessen Erträge für die Hospiz- und Palliativversorgung zweckgewidmet sind.

An der Freiwilligkeit der Hospizbegleitung wird die finanzielle Besserstellung nichts ändern. Sie wird aber dazu beitragen, dass diese Dienste wirklich überall flächendeckend angeboten werden können, dass die Ehrenamtlichen wenigstens die
Fahrtkosten erstattet bekommen und dass ihre Ausbildung und Qualifikation auf höchstem Niveau gewährleistet ist.

Während die Politik sonst sehr darauf achtet, dass ihre Leistungen bekannt werden, blieb die staatliche Aufwertung der Hospiz- und Palliativbegleitung weitgehend unbeachtet. Das ist ganz im Sinne der Akteuren, denn ihr Interesse ist ohnehin nicht öffentliche Aufmerksamkeit, sondern die bestmögliche Begleitung der Menschen in ihrer schwierigsten Lebensphase.

Text von Johannes Kübeck
Beitrag veröffentlicht am 19. Dezember

Hansi Hinterseer: Kitzbühel ist mein Lebenselixier

Die Berge strahlen im Sonnenschein, der Blick auf die Gipfel glasklar,  Kühe weiden auf tiefgrünen Wiesen. Heimatfilm? Textzeilen aus einem Hansi-Lied? Auf jeden Fall pure Tiroler Wirklichkeit!

„Kitzbühel ist mein Lebenselixier“, schwärmt der einstige Schiprofi und Schlagerstar Hansi Hinterseer, während er drinnen im Café den Ausblick auf diese Traumkulisse und den Duft von frisch gebackenem Brot genießt. Und erzählt: „Natürlich bin ich auch gerne am Meer. Aber Kitzbühel, die Berge, die Natur hier, das ist schon bärig.“ Und deshalb besingt er diese Idylle in seinen mittlerweile mehr als 450 Liedern auch so gerne und begeistert damit seit Jahrzehnten eine treue Fangemeinschaft. „Ich könnte nie ein Lied über die Stadt singen, das passt einfach nicht zu mir“,  setzt der Star der volkstümlichen Musik ganz auf Authentizität, um schon im nächsten Moment wieder bei seinen Wurzeln auf dem Berg zu sein: „Ich bin auf der Seidlalm in Kitzbühel aufgewachsen. Dort habe ich früh gelernt, vor allem von meinen Großeltern, die Schönheit der Jahreszeiten bewusst zu erleben – wie den Frühling, wenn alles sprießt und zu leben beginnt. Den wunderbaren Sommer mit blühenden Wiesen.“ Die heile Welt also, die er so gerne in seinen Lieder besingt? Dagegen protestiert Hinterseer förmlich: „Es gibt keine heile Welt. Das wissen wir.  Wenn man allerdings bereit und fähig ist, die Schönheit der Natur und der Berge zu sehen, zu erkennen und zu genießen, dann kann das durchaus sehr heilsam wirken.“ Durch seine Kindheit auf der Alm hat er jedoch auch die weniger schönen Seiten der Natur kennen und damit respektieren gelernt: „Frostige, eiskalte Winter. Die Besucher im Wirtshaus meines Großvater haben meist ja nur das Schönwetter gekannt. Wir, die dort gelebt haben, haben auch die harten Seiten von Kälte und Schnee erlebt.“ Von seiner bescheidenen Kindheit, vom tief verschneiten Schulweg, den er oftmals auf Schiern bewältigt hat, spricht Hinterseer gerne. All das sieht er ebenso als Grundstein für seine erfolgreiche Musiker-Karriere wie den Schisport. Hinterseer hat im Schizirkus ja bereits in sehr jungen Jahren international große Spuren hinterlassen und es auf eine beachtliche Sammlung an Erfolgen und Edelmetallen gebracht. „Der Sport hat mir ganz viel gelernt, weil Sieg und Niederlage da ja ganz eng beieinanderliegen. Ich habe tolle Erfolge erlebt, aber auch ganz grausige Niederlagen. Da glaubst du im ersten Moment, es bricht eine Welt zusammen. Wenn dann auch noch die Brutalität der Medien dazukommt, die über dich herziehen, die völlig außer Acht lassen, dass hinter dem Sportler auch ein Mensch steht, dann ist das eine harte Sache. Aber es waren genau diese Niederlagen, aus denen ich auch gelernt und ganz viel für mein Leben mitgenommen habe. Der Sport zeigt, wie schnell eine Tür auf- und auch wieder zugehen kann“, erinnert sich Hinterseer zurück. Gerade einmal 14 Jahre jung, wurde er in den Österreichischen Schi-Nationalkader aufgenommen. Als Sohn des Olympiasiegers Ernst Hinterseer stand das Talent von Anfang an im Rampenlicht: „Mich begleiten seit meinem sechsten Lebensjahr eigentlich laufend Kameras. Durch die Leistungen meines Vaters stand ich von Anfang an im Scheinwerferlicht und damit auch unter großem Erfolgsdruck; die Erwartungshaltung war enorm. Das war nicht immer leicht. Dennoch möchte ich keine Minute davon missen; es war auch eine große Chance. Der Sport ist nämlich die beste Schule im Leben. Die Erfahrungen haben mir dann auch später im Musikgeschäft sehr geholfen.“

 

Eine Karriere, die im Vergleich zum Schisport völlig unverhofft und unerwartet begann – bei der Geburtstagsparty des Musikproduzenten Jack White, der das Gesangstalent des Schistars rasch erkannt hat. Der Rest ist Musikgeschichte. Denn Hansi strahlt nun schon seit fast dreißig Jahren als  Fixstern am volkstümlichen Schlagerhimmel. Dass seine Art, Menschen vorrangig mit leichten Melodien und so manch idyllisch verklärter Liedzeile zu unterhalten, immer wieder auch für augenzwinkernde Kritik sorgt, geht am Sunnyboy („Eine Journalistenerfindung!“) zwar nicht ungehört vorüber, lässt ihn aber gelassen: „Es hat halt jeder seine Musik – und jeder seinen Geschmack. Das soll man respektieren. Und wenn ich Menschen mit meinen Liedern glücklich machen kann, dann freut mich das. Dann hat sie etwas und tut sie etwas Gutes!“ Wer je bei einem Hansi-Hinterseer-Konzert die Glückseligkeit in den Gesichtern der Fans gesehen hat, wird daran keine Sekunde zweifeln. Nach dem Sommer-Open-Air in Kufstein und den Auftritten beim Musikherbst am Wilden Kaiser dürfen sich die heimischen Hansi-Hinterseer-Fans übrigens schon bald auf den nächsten Auftritt freuen –  und zwar im Dezember in Saalfelden. Außerdem stehen Konzerte in der Schweiz, in Kroatien und Deutschland auf dem Programm.  Für das nächste Jahr ist auch wieder eine neue CD vorgesehen. „In Zeiten wie diesen ist das mit der Planbarkeit ja nicht ganz so einfach“, lässt das aktuelle Weltgeschehen mit seinen bekannten wirtschaftlichen Auswirkungen am sonst so blauen Himmel des Strahlemannes nun doch die eine oder andere dunkle Wolke aufziehen. Womit dieses Thema aber auch schon wieder erledigt ist: „Das Weltgeschehen möchte ich nicht kommentieren!“ Sein Beitrag zu den schwierigen Zeiten: „Menschen mit meiner Musik glücklich machen. Musik kann in schweren Phasen zu einem wichtigen Bestandteil im Leben werden und dich über so manches Tief bringen.“ Und auch wenn Hansi privat Musik genießt, greift er vorwiegend in die Volksmusik- und Schlagerkiste: „Ich höre gern die Lieder meiner Kollegen. Aber ich mag auch Blues und Soul und Musik aus den 70ern und 80ern.“ Hits aus den Jahren seiner Jugend!

Keine Angst vorm Älterwerden

Denn auch wenn ihm das Image des ewig Jungen anhaftet, trägt Hinterseer mittlerweile doch auch schon 68 Jahre auf dem Buckel. Angst vor dem Älterwerden hat er allerdings nicht. „Ich bin zum Glück gesund – und sehr dankbar dafür. Aber klar denkt man daran, dass man nur eine relativ kurze Zeitspanne auf dieser Welt ist und die Zeit verdammt schnell vorbeigeht. Das ist wie beim Bergsteigen: Je weiter man hinaufkommt, umso mehr sieht man ins Land hinein. Das ist das Schöne am Älterwerden – der Blick weitet sich, man hat viel aus der Vergangenheit gelernt. Aber wie beim Bergsteigen weiß man auch, dass die Luft dünner wird.“

Von dünner Luft ist beim 68-Jährigen aber vorerst einmal noch absolut keine Rede: „Ich fühle mich rundum fit und gesund“, verrät er. Ein Rezept hat er da allerdings nicht: „Ich habe gute Gene, ich baue auf eine gute Kindheit auf, ich betreibe viel Sport – von Schifahren und Bergwandern bis zu Tennis und Golf – und ich führe einen durchaus geerdeten Lebenswandel. Bei mir kommt das Gesunde, Strahlende und Positive einfach von innen. Dazu trägt ganz viel auch meine tolle Familie bei; sie gibt mir enormen Rückhalt.“  Da nennt Hinterseer vor allem seine Frau Romana, die seit 37 Jahren fest an seiner Seite steht: „Ich habe ja überwiegend weibliche Fans, was mich sehr stolz macht. Da braucht man natürlich auch eine Partnerin, die mitspielt und das versteht. Meine Romana hat mir diesbezüglich immer den Rücken frei gehalten. Sie ist eine unglaubliche Stütze in meinem Leben. Und ja, wir genießen auch nach all den Jahren wirklich jeden Tag, den wir zusammen sind.“ Romana hat übrigens schon ganz viele Lieder für den Star der volkstümlichen Musik geschrieben, so etwa auch den aktuellen Albumtitel „Weil es dich gibt“.

Keine Spur von Bühnenmüdigkeit

Zur Freude seiner Fans zeigt sich bei Hansi nach all den Jahren noch keine Spur von Bühnenmüdigkeit. Ganz im Gegenteil! „Ich bin voller Lust und Motivation. Ich habe unglaublichen Spaß daran, Musik zu machen, Konzerte zu geben und Menschen mit meinen Liedern zu beglücken. Ich frage mich da: Was kann ich machen, das den Leuten guttut? Schon allein die Ideen machen mich dann selber glücklich und motivieren mich, weiterzugehen. Und weiterzumachen. Gerade in der jetzigen Zeit ist es mir ein ganz großes Anliegen, mit meinen Liedern positive Stimmung zu den Menschen zu bringen und ihnen schöne Momente und eine gute Zeit zu schenken. Mein Blick ist also absolut nach vorne gerichtet“, versichert der sympathische Barde, ohne auch nur einen Gedanken an so etwas wie eine Abschiedstournee zu verschwenden. Und dankbar für alles, was das Leben ihm an Gutem beschert.

Dankbarkeit ist für den stolzen Opa übrigens eine ganz wesentliche Kategorie; die Basis für ein gutes Zusammenleben. Und da entfährt ihm plötzlich ein flammendes Plädoyer für die Menschlichkeit: „Es ist so wichtig, sich dessen bewusst zu sein, was man hat – und dankbar dafür zu sein. Es wäre schön, wenn die Menschen dankbarer wären. Zeigen wir Respekt und beweisen wir Toleranz im Umgang miteinander. Hinterfragen, bewerten und beurteilen wir nicht immer alles. Nicht immer mehr und mehr haben wollen!  Gehen wir doch einfach ,normal´  und anständig miteinander um. Sagen wir Bitte und Danke.“ Diesem tiefen inneren Anliegen, das man ihm auf’s Wort abnimmt, entspringt wohl auch Hansis Lebensmotto: „Leben und leben lassen!“

Und eine grundlegende sympathische Gelassenheit und Freundlichkeit, wenn er dann zum wohl tausendsten Mal die Frage nach seinen Fellboots gestellt bekommt: „Ja, mittlerweile habe ich ein paar Stück davon. Mein erstes Paar stammt aus den 70ern, ich habe es in Italien gekauft – da waren diese Stiefel voll im Trend. Irgendwann in den 90ern habe ich sie dann für Dreharbeiten für meine Musiksendung aus praktischen Gründen wieder angezogen – es war kalt und hatte jede Menge Schnee. Das war´s dann. Seitdem gehören sie zu mir und haben mittlerweile Kultstatus! Selbst in einer Auslage in der Fifth Avenue in New York habe ich sie gesehen. Und auch die No Angels sind mit solchen Stiefeln auf die Bühne gegangen.“ Sogar die Hansi-Hinterseer-Wachsfigur in Madame Tussauds im Wiener Prater wurde nachträglich mit dem Kultschuhwerk ausgestattet. Mittlerweile sind die  Fellboots geliebte, aber auch mit Augenzwinkern betrachtete Markenzeichen von Hansi  geworden – wie sein Strahlelächeln, seine blonde Haarpracht  und sein „bärig“.   Der sympathische Vollprofi sieht das völlig entspannt: „Mein Gott, was soll´s. Ich bin, wie ich bin!“

 

Beitrag veröffentlicht am 21. November
von Johanna Vucak

Nora Schmid: Auf eine weitere Saison!

Im Interview mit Nora Schmid, Intendantin der Oper Graz

Frau Schmid, Sie brechen Ihre letzte Saison als Opernintendantin hier in Graz an. Freudig? Wehmütig?

NORA SCHMID: Neugierig und gespannt würde ich sagen! Allein wenn ich an die Premiere von Madama Butterfly denke: Ich war in der Hauptprobe im 2. und 3. Akt so berührt, dass es mir emotional förmlich den Boden unter den Füßen weggezogen hat – und das, obwohl ich diese Oper mittlerweile ja in- und auswendig kenne. Für Wehmut bleibt keine Zeit, dafür ist momentan viel zu viel los. Außerdem lebe ich sehr bewusst im Hier und Jetzt und konzentriere mich voll und ganz auf den Moment.

Wir erleben gerade sehr brüchige Zeiten. Welchen Stellenwert nimmt da die Oper, die Kunst generell ein? Verändert das ihren Zweck, ihre Aufgaben?

SCHMID: Wir stehen für ein einzigartiges Gemeinschaftserlebnis. Für gemeinsame Gefühle, Klänge, Musik. Das ist in Zeiten wie diesen eine große Qualität. Wir konfrontieren mit Stoffen, die dazu anregen, noch stärker über uns, unsere Gesellschaft, unsere Welt nachzudenken. Aber auch mit Stoffen, wo wir die Welt und die Geschehnisse vergessen und uns einfach nur amüsieren können. Oder Stoffen, die förmlich überwältigen. Das sind Angebote der Kunst, der Oper, die sehr wertvoll sein können. Ganz abgesehen davon, dass gerade in Zeiten der Vereinzelung, Corona hat uns das ja gezeigt, ein großes Verlangen nach Gemeinschaft besteht. Abgekappt zu sein, hat bei den Menschen Spuren hinterlassen, das haben mir Besucher jeden Alters nach den Lockdowns immer wieder erzählt. Dementsprechend groß war die Freude, als Opernbesuche dann wieder möglich waren.

Worauf darf sich das Opernpublikum in Ihrer letzten Saison freuen?

SCHMID: Auf vieles! Und auf Unterschiedliches! Auf eine unglaublich ästhetische und berührende „Madama Butterfly“ beispielsweise, auf Heiterkeit und positive Energie mit einem Schleier von Melancholie in Smetanas  „Verkaufter Braut“, auf die österreichische Erstaufführung von Kurt Weils wunderbarem Musical „Ein Hauch von Venus“, auf Leidenschaft und feurige Energie in „Carmen“, auf Parodie und spitze Feder in Offenbachs „Großherzogin von Gerolstein“ und und und … Den Schlusspunkt meiner Intendanz wird Nino Rotas Boulevard-Komödie „Der Florentiner Hut“ setzen. Ich finde es sehr wichtig, dass man über sich selbst lachen kann. Diese komische Oper ist für mich daher ein schöner Abgang – mit Augenzwinkern und Leichtigkeit.

Welche Spuren wird Nora Schmid, aus ihrer eigenen Sicht, in Graz hinterlassen?

SCHMID: Wir haben ganz viel angestoßen, Werke zum ersten Mal nach Graz geholt, viele zu Unrecht in Vergessenheit geratene Komponisten in Graz gespielt. Ich denke da etwa an die „Polnische Hochzeit“ oder „Die Passagierin“. Wir haben viele Meisterwerke präsentiert und vielen jungen Künstlern eine Bühne gegeben.

Was sehen Sie generell als die großen künftigen Herausforderungen im Opernbetrieb?

SCHMID: Alles das, was momentan grundsätzlich eine Herausforderung darstellt, trifft auch den Opernbetrieb: Inflation, Energiedebatte etc. Wir sind ein internationaler Betrieb, da muss man sich beispielsweise ständig fragen, ob die Leute noch fliegen sollen oder dürfen. Da ist es wichtig, Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wertvoll das ist, was wir hier machen. Und das gilt es weiterhin möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Man ist aber auch gefordert, darüber nachzudenken, welche Geschichten man erzählen kann, soll oder muss. Eine Frage, die in jeder Stadt, für jede Oper, anders beantwortet werden muss.

Sie sind aus Dresden nach Graz gekommen und kehren nächstes Jahr, nach acht Jahren, wieder nach Dresden zurück. Worin liegt für Sie der große Reiz der Semperoper – und der Stadt?

SCHMID: Die Semperoper ist eines der schönsten Opernhäuser der Welt; mit fantastischen künstlerischen Möglichkeiten – einem hervorragenden Orchester, einem großartigen Chor und einem sensationellen Ballett. Da bietet sich naturgemäß die schöne Herausforderung, ein noch größeres Programm zu entwickeln. Aber Dresden ist für mich generell eine ganz besondere Stadt. Der Himmel ist dort so unglaublich weit und außerdem wurde mein Sohn in Dresden geboren. Das verwurzelt.

Zurück nach Graz: Was war für Sie hier der Opern-Moment schlechthin?

SCHMID: Da gibt es natürlich mehrere starke Momente. Aber einer war ganz bestimmt die Premiere der „Griechischen Passion“ gleich in meiner ersten Saison. Das Thema Flucht, die Fragen „Wie definieren wir uns als Gemeinschaft, wie offen, wie durchlässig sind wir?“ waren 2015 brandaktuell. Da hat uns die Realität voll eingeholt. Und wir haben alle gespürt, es ist etwas Wichtiges, das wir hier tun. Und das hat sich auch auf das Publikum übertragen. Dazu ist Oper da!

Sie stehen ja mit 44 Jahren in der Mitte des Lebens. Wie nehmen Sie Alter wahr?

SCHMID: Alter ist für mich keine Kategorie. Wenn ich einem Menschen begegne, mache ich mir absolut keine Gedanken darüber, wie alt dieser Mensch ist. Man muss sich ganz einfach aufeinander einlassen – da spielt das Geburtsdatum keine Rolle. Ich mag auch im Zusammenhang mit dem Opernpublikum die Diskussion um die Überalterung der Besucher und das Publikum von morgen nicht. Jeder, der in die Oper kommt, ist das Publikum von heute. Wir haben diesbezüglich in den letzten Jahren die Spanne übrigens deutlich geöffnet.

Und was mich selbst angeht, so lebe ich ganz im Hier und Jetzt. Und irgendwann, in vielen Jahren, sofern es mich dann noch gibt, werde ich genauso wie heute im Hier und Jetzt leben. Ich würde mir wünschen, dass es dieses Kategoriedenken rund um’s Alter gar nicht gibt. Wenngleich: Natürlich hat man mit fortschreitenden Jahren ein anderes Bewusstsein, was die Endlichkeit angeht. Mich treibt das aber eher an!

Beitrag veröffentlicht am 27. November
Text von Johanna Vucak

Zu Besuch bei Waterloo: Seine kleine Welt

Waterloo hat in Mörbisch sein Paradies gefunden. Wir von Abenteuer Alter durften ihn dort besuchen und erfahren, dass es nie zu spät für eine kleine feine Welt und die große Liebe ist.

Damals, 1976, als die Welt ein bisschen übersichtlicher war, als Schlagermusik noch die Massen begeistern und man sich an die Teilnehmer eines Songcontest erinnern konnte, sang sich ein österreichisches Popduo in die Herzen der Radiohörer. Waterloo und Robinson hieß das 1969 gegründete Duo, das für Siebzigerjahre-Hits wie „Baby Blue“ oder das von Christian Kolonovits geschriebene „Hollywood“ berühmt wurde. Internationale Bekanntheit erlangten die beiden, als sie beim Songcontest mit der englischen Version von „Das ist meine kleine Welt“ im niederländischen Den Haag für Österreich teilnahmen und prompt auf Platz 5 landeten. Die deutschen Vertreter, die Les Humphries Singers, erreichten lediglich Platz 15, gewonnen hat „Brotherhood of Man“ mit ihrem Song „Save your kisses form me“. Die größere Strahlkraft im Duo hatte jedoch stets der Sänger Waterloo, Hans Kreuzmayr. Und der hat vor wenigen Jahren seine kleine Welt in Mörbisch gefunden, die wir besuchen durften.

Auf einer Anhöhe mit herrlichem Blick auf den Neusiedlersee begrüßt er uns. Vorbeifahrende Radfahrer tuscheln, Hans Kreuzmayr lacht. „Ich sage ja immer, dass ich ein kleines Häusel habe. Oft bleiben Radfahrer stehen und rätseln, ob das wohl mein Haus ist“, und deutet auf ein blaugraues Gartenhäuschen, das auf dem Nachbargrundstück steht. Wir betreten den Garten seines Hauses, drei Stunden dürfen wir bei ihm verbringen, in denen er launig über sein Leben berichtet. Stets an der Seite seine Andrea, von ihm verehrte Ehefrau, Officemanagerin, Checkerin und Kümmerin. Sie hat ihm anfangs Tanzunterricht gegeben, als er 2008 für Dancing Stars angefragt wurde, und es – trotz „bescheidenem Talent“ – fast bis ins Halbfinale geschafft hatte. Sie war es auch, weswegen das Paar den Wohnsitz vor vier Jahren vom oberösterreichischen Wels ins Burgenland verlagert hat. „Ich habe das Wetter dort nicht mehr ausgehalten“, sagt Andrea. So sei man nach Rust gefahren, um sich nach einer Immobilie umzusehen. „Nichts haben wir gefunden“, erzählt sie, „ich war todtraurig und dachte mir schon, dass ich bis zu meinem Lebensende im oberösterreichischen Nebel gefangen sein werde.“ Vor der Abreise drehte das Ehepaar mit dem Auto noch eine kleine Runde durch Mörbisch und kam vor einem wunderschönen kleinen Haus zum Stehen, das zum Verkauf stand. „Es ist genau für uns gemacht“, sagt Waterloo und bittet in den heimeligen Garten, für den Andrea verantwortlich zeichnet. „Ich liebe es halt, zu gestalten. Magst einen Kaffee?“, fragt sie und verschwindet im Haus.

Hans Kreuzmayr, der heuer 77 wird, steht noch immer auf der Bühne, und das gern. Waterloo und Robinson trennten sich 1981, es gab zwischendurch immer wieder Comebacks, 2007 beschloss man, eigene Wege zu gehen. Waterloo macht Musik, wie die Einflüsse gerade daherkommen, er hat etwa ein indianisches Album produziert und eines mit seinem Stiefsohn Erik. Im Keller liegt sogar noch eine Aufnahme mit dem amerikanischen Countrystar Willie Nelson, die er rechtebedingt bislang noch nicht veröffentlichen durfte. Weil er ohne Label arbeitet und seine Andrea die künstlerische und organisatorische Arbeit übernimmt, kann sich Waterloo leisten, Musik aus Spaß und Freude zu machen. Die großen Erfolge der Siebziger und Achtziger mit Reisen in die ganze Welt haben ihn geprägt. Er absolvierte gefeierte Auftritte vor großem Publikum, von Japan kommen noch immer die Anfragen, dorthin ist ihm aber die Anreise zu beschwerlich.

Vom Hendlbrater zum Bühnenstar

Hans Kreuzmayr wurde im oberösterreichischen Altheim geboren, weil der Vater in Linz einen Job bekommen hatte, zog die Familie dorthin. Er wuchs in sehr bescheidenen Verhältnissen auf, in einer Souterrainwohnung, es gab nur das Nötigste. Hans absolvierte eine Tischlerlehre, es folgte das Bundesheer, er hatte mehrere Jobs, unter anderem arbeitete er als Hendlbrater in einem Einkaufszentrum. In einem Möbelhaus war er für die Gestaltung und Inneneinrichtung zuständig, dort fand jedoch der Inhaber seine charmante Art gar nicht gut. Er brauche nicht so freundlich sein, schon gar nicht zu seiner Frau, herrschte er ihn an. Auf seinem Nachhauseweg durch Linz-Urfahr sinnierte er, was er stattdessen arbeiten könne, und kam an einem leeren Geschäftslokal vorbei. Das sei ein schöner Ort für eine Damenboutique, dachte er. Eine Frau, die mit ausladendem Oberkörper und verschränkten Armen am Fenster lehnte und die Geschehnisse aus der Straße beobachtete, zeigte ihm den Weg zum Besitzer der Immobilie. Dieser meinte auf Kreuzmayrs Ankündigung, dass er den Laden gern mieten würde, aber knapp bei Kasse sei, „1500 Schilling. Passt das?“ Es passte. Für die Gestaltung des Geschäftes suchte Hans Kreuzmayr eine kreative Person, die er in der gegenüberliegenden Kunstschule in seinem späteren musikalischen Partner Josef Krassnitzer fand. Weil Kreuzmayr anfangs Schwierigkeiten hatte, für die Boutique eine Genehmigung zu erhalten, zog er einen jungen Mitarbeiter der oberösterreichischen Wirtschaftskammer zu Rate, der ihm half, die Probleme aus dem Weg zu schaffen. Sein Name war Christoph Leitl.

Der Neid gehört in Österreich dazu

Genauso wie der Erfolg seiner Damenmoden-Boutique Eglisé, in der auch die Schwester mitarbeitete, in die Höhe schnellte, ging es mit der Bühnenkarriere von Waterloo und Robinson stetig bergauf. 1969 begann ihre musikalische Zusammenarbeit, 1971 belegten sie mit ihrem Lied „Du kannst sehen“ über ein blindes Mädchen den dritten Platz bei der Show-Chance, einem von ORF, ZDF und SRG veranstalteten Talentewettbewerb. Hans Kreuzmayr erinnert sich schmunzelnd an seinen ersten Besuch bei Evamaria Kaiser im ORF, die in den 1960er-Jahren die Sendung „Gut aufgelegt“ präsentierte und heimische Talente förderte. Ihr legte er Demobänder seiner früheren Band „Melodias“ vor, worauf diese antwortet: „Lernt’s erst mal singen und dann kommt’s wieder.“ Für Waterloo war dies eine Erfahrung, die ihn bis heute prägt: „50 Prozent der Menschen mögen dich und 50 Prozent sind dir neidisch oder trauen dir nichts zu. Ich habe mir schon damals gesagt: Wenn ich es schaffe, in dieser Mitte durchzugehen, bin ich auf dem richtigen Weg.“ Neid, diese österreichische Tugend, ist dem Künstler keineswegs fremd. Nicht unerfreut sei man deshalb gewesen, als sich die Karriere des Duos Waterloo und Robinson in den Siebzigerjahren eher nach Deutschland verlegte, wo die beiden in den großen Abendshows von Peter Frankenfeld, Lou van Burg oder Hans Rosenthal oft zu Gast waren.

Seinen Weg zu finden half ihm schon sein Vater. Dieser sollte bei seinem Jobantritt bei der Voest der SPÖ beitreten, was er ablehnte. Er habe seine Prinzipien gehabt, die sich stets auf der „moralisch guten“ Seite des Lebens befunden hätten, betont Waterloo: Die Erziehung sei wohlwollend gewesen, „er hat geraucht und zu mir hat er gesagt: Du kannst machen, was du willst, ich würde es dir aber nicht empfehlen“, und als am Voest-Gelände zwei kleine Katzen gefunden wurden, hat er sie kurzerhand mit nach Hause genommen, um sie vor ihrem sicheren Tod zu beschützen. Das richtige Gespür für Mensch, Tier und Natur begleitet den Künstler bis heute. Seit vielen Jahren leben er und seine Andrea vegetarisch, nur ab und zu kommt Fisch auf den Tisch. Der Vater begleitete ihn als Kind auch nach Wien zum Vorsingen bei den Wiener Sängerknaben, zu einer Aufnahme ist es aber nicht gekommen. „In meinem Blut fließt Musik“, sagt Waterloo, der Vater hat ihn dabei stets unterstützt. Des Sohnes musikalisches Talent half diesem auch sonst im Leben: „In Mathematik bin ich einmal zwischen vier und fünf gestanden, ich mochte das Fach einfach nicht. Ich habe der Lehrerin ein Lied vorgesungen und sie hat meine Note auf einen Vierer korrigiert. Beim Marschieren beim Bundesheer hieß es oft: ,Funker Kreuzmayr, ein Lied!‘ Ich habe ein Lied gesungen und bekam dafür zwei Tage frei.“

Die echte Liebe ließ sich Zeit

Seine ruhigere Lebensphase läutete vor allem ein Ereignis ein: Als er vor 23 Jahren seine jetzige Frau kennenlernte. Er spielte damals im niederösterreichischen Winzendorf den Winnetou im Stück „Winnetou und Old Surehand“, Andreas Sohn wirkte bei der Veranstaltung mit. Die damals 40-Jährige durchlebte gerade eine schwierige Zeit und war auf dem Sprung nach Indien, dort wollte sie in einem Kinderheim mithelfen. Um das zu verhindern, intervenierte Sohn Erik bei Waterloo: „Rede ihr das bitte aus“. Der Musiker ging zur Mutter, gab ihr seine Telefonnummer und meinte: „Ruf mich bitte an, wenn du reden willst.“ Andrea arbeitete damals in einem Fotogeschäft, fasste sich, bereits mit Schmetterlingen im Bauch, ein Herz, wählte am Festnetztelefon die Nummer und legte wieder auf. Beim dritten Versuch blieb sie standhaft, Waterloo hob ab, in dem Moment betrat eine Kundschaft das Geschäft, sie stammelte nur: „Hier ist die Mama vom Erik, entschuldige, ich arbeite in einem Fotogeschäft und soeben ist jemand hereingekommen“, und legte auf. Wenige Tage später läutete das Telefon, am anderen Ende war der Musiker. Woher er ihre Telefonnummer habe? Er: „Ich habe alle Fotogeschäfte in Wiener Neustadt durchgerufen, ob es dort eine Andrea gibt.“

„Wenn ich etwas will, bekomme ich das auch“, sagt Hansi Kreuzmayr und schmunzelt. So sei das schon immer gewesen. Der Beginn dieser liebevollen und treuen Beziehung führte sie zunächst nach Oberösterreich, wo das Paar knapp 20 Jahre lebte. In Mörbisch nun haben sie ihre Bleibe gefunden, Herz und Seele sind am Tag des Einzugs ebenfalls angekommen, sagt Andrea und lacht. Wir verabschieden uns, Waterloo muss sich auf sein Konzert vorbereiten, das am nächsten Tag zu spielen ist. „Pfiat di und bis bald“, ruft er. Und ein paar Radfahrer freuen sich, den berühmten neuen Mörbischer live gesehen zu haben.

Waterloo vor seinen goldenen Schallplatten

von Daniela Müller
© Daniela Müler, Andrea Kreuzmayr
Beitrag veröffentlicht am 06. August 2022

 

Make-up-Tipps für reifere Haut

Worauf ist beim Make-up zu achten, wenn die Haut keine 20 mehr ist? Sind ab 50 bei Lidschatten und Co. dezentere Farben angebracht oder darf es auch auffälliger sein? In unserem Schmink-Tutorial gibt es die Antworten!

Marlies Herbsthofer (55) schminkt sich nicht sonderlich gern. Für Abenteuer Alter machte sie eine Ausnahme und begab sich in die professionellen Hände der Visagistin Jamileh Gohiladeh. Sie gab beim Dior-Counter bei Kastner & Öhler Beauty-Tipps für die nicht mehr ganz jungen Haut.

Die richtige Hautpflege

„Wir reden nicht von Alter, sondern von Hauttypen“, stellt Jamileh Gohiladeh gleich zu Beginn klar und schmunzelt. Dazu prüft sie zunächst die Hautbeschaffenheit und empfiehlt die passende Pflege als Basis für den ganzen Tag. Die beinhaltet bei Marlies aus der Dior Prestige-Reihe ein Feuchtigkeitsserum, eine gute Augenpflege sowie eine Tagescreme mit Sonnenschutz. Die Augenpflege ist besonders wichtig, weil dort die Haut sehr fein ist und mehr Nahrung braucht.

 

Nur den Typ betonen

Beim Schminken beginnt Jamileh Gohiladeh bei den Augenbrauen. Weil diese den Augen einen Rahmen geben, sollten sie auf jeden Fall betont werden, bei Marlies erfolgte dies dezent mit einem Augenbrauenstift zur Formgebung und einem Gel zur Fixierung. Die Farbe des Lidschattens wiederum ist Geschmackssache: Soll er einen Kontrast zur Augenfarbe bilden oder mit dieser harmonieren? Ausprobieren! Wichtig sei, sagt Jamileh Gohiladeh, beim Kauf auf hochwertige Produkte zu achten, damit die Farbe nicht in den Augenfalten verrinnt. Unverzichtbar ist für die Visagistin der Kajal zur Betonung der Augen, unserer „Fenster zur Seele“. Der Lidstrich auf dem oberen Lid unterstreicht die Wirkung der Wimperntusche. Unter diese sollte unbedingt eine Grundierung, bei Dior nennt sich das Produkt „Maximizer“: Dieser sorgt für Volumen, Länge und Dichte, die Inhaltsstoffe sind pflegend und für die Wimpern wachstumsfördernd.

Sollte man ab 50 am Stil etwas ändern?

Sich anders schminken, nur weil man ein gewisses Alter erreicht hat, wäre kein guter Rat. Wer in puncto Make-up seinen Stil gefunden hat, soll diesen fortführen, sagt die Visagistin. Ändern sollte man lediglich die Hautpflegeprodukte, ältere Haut braucht reichhaltigere Pflege. Dasselbe gilt auch für das Make-up, für nicht mehr so glatte Haut gibt es eigene Produkte. Um zu verhindern, dass der Lippenstift in kleine Fältchen um den Mund entwischt, empfiehlt sich ein Konturenstift, auch bei der Verwendung von Lipgloss. Ein Tipp aus der Redaktion: Probieren Sie zu Ihrem neuen Make-up einmal größeren und auffälligeren Ohrschmuck!

 

von Daniela Müller
© Marija Kanizaj
Beitrag veröffentlicht am 03. August 2022

Siegfried Schrittwieser: Endlich Uhu!

Warum Altpolitiker Siegfried Schrittwieser nach Landhaus, Rotem Kreuz und Kirche jetzt Uhu werden wollte.

Diese zwei Dinge zu glauben fällt einem schwer, wenn sich der – salopp formuliert, könnte man sagen – „Gute-Laune-Typ“ vor der Pernegger Frauenkirche aus seinem Ford Kuga schwingt, dass er nämlich eine Woche zuvor noch mit einer covid-bedingten schweren Lungenentzündung kämpfte und dass er soeben auch beim Siebziger angeschrieben hat. Warum sich „Abenteuer Alter“ mit dem früheren Landeshauptmann-Stellvertreter Siegfried Schrittwieser ausgerechnet vor dieser Marien-Wallfahrtskirche traf, hat einen besonderen Grund, worüber hier noch die Rede sein wird.

Auf unser scherzhaftes Kompliment zur Begrüßung „Gratuliere, der schlankste Siegi, denn es je gab“ antwortet er lachend: „Ich habe mir auch fest vorgenommen, zu meinem Siebziger ein Uhu zu werden. Jetzt habe ich’s geschafft, jetzt bin ich Uhu. Unter hundert Kilo.“

Vor sieben Jahren hatte sich der gebürtige und auch heute noch dort wohnhafte Thörler Siegfried „Siegi“ Schrittwieser aus der Landespolitik verabschiedet, nicht aber von den Menschen, für die er immer da war. Vor allem nicht für jene aus „seiner“ Region, dort ist er weiterhin omnipräsent. Nicht als stimmenwerbender Politiker, sondern als engagierter Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes für Bruck-Mürzzuschlag. „Ich bin im Jahr 2016 zum Bezirksstellenleiter gewählt worden und es ist dann ein Jahr später die Fusion der vier Rot-Kreuz-Bezirke Bruck, Kapfenberg, Mürzzuschlag und Mariazell gelungen und, was mich besonders freut, wir schreiben heute schwarze Zahlen.“

Ganz von ungefähr kommt dieser erfreuliche Umstand nicht, der lässt auch auf eine gewisse Beharrlichkeit und Durchsetzungsfreude des Bezirksstellenleiters zurückführen: „Natürlich besuche ich mindestens einmal im Jahr alle 19 Bürgermeister unseres Rot-Kreuz-Bezirkes, halte enge persönliche Kontakte mit der Wirtschaft und habe immerhin auf diese Art in den letzten sechs Jahren mehr als drei Millionen Euro zusätzlich auftreiben können.“ Und übrigens: Vor kurzem wurde Siegfried Schrittwieser wieder für die nächsten fünf Jahre ohne jede Gegenstimme zum Bezirksstellenleiter gewählt.

Zum Sammeln von Erfahrungen für das Rote Kreuz hatte der gestandene Landes- und Kommunalpolitiker reichlich Gelegenheit. „Denn immerhin“, so Schrittwieser, „war ich schon 1983 Ortstellenleiter vom Roten Kreuz in Thörl und dort war meine erste Aktion, dass wir eine neue Dienststelle gebaut und dabei keine Schulden gemacht haben. Und ich muss sagen, ich bin heute nach 39 Jahren Rotes Kreuz noch immer gerne für diese Einrichtung da, weil ich spüre, ich habe noch die Kraft, die Freude und die Begeisterung und die lege ich jetzt in die Arbeit für das Rote Kreuz und schaue, dass ich so viel wie möglich von dem zurückgeben kann, was ich in meinem Berufsleben erfahren habe.“

Siegfried Schrittwieser als Bezirksstellenleiter beim Roten Kreuz

Was er alles in diesem Berufsleben erfahren hat? Erstens eine profunde Ausbildung als Schlosser bei der Firma Pengg in Thörl und zweitens in „seiner“ Sozialdemokratischen Partei einen Werdegang, von dem er heute nicht ohne Stolz sagen kann: „Niemand anderer in der SPÖ hat derart viele Funktionen ausgeübt wie ich.“ Mit 16 Jahren Landesobmann der jungen SPÖ, mit 27 der damals jüngste Vizebürgermeister, Bezirkspartei Parteisekretär. Mit seiner Einsatzfreude bald in Graz aufgefallen berief ihn Peter Schachner zum Landesparteisekretär. 1987 zum ersten Mal in den Landtag gewählt, in weiterer Folge Klubobmann im Landtag, dann einen Stellungswechsel von der Grazer Landhausgasse in das Thörler Rathaus, wo er den Bürgermeistersessel einnahm.

„Nachdem man mehrfach mit dem Ansinnen, mich als Bürgermeister zur Verfügung zu stellen, an mich herangetreten ist, habe ich zu den Thörlern gesagt ‚Gut, wenn’s ihr mich unbedingt wollt’s, dann komme ich.‘ Die haben gewollt und ich habe mich an mein Versprechen gehalten und bin Bürgermeister geworden, was in der Praxis jedoch bedeutet hat: Dienstauto weg und weniger verdienen. Aber Versprechen sind dazu da, um gehalten zu werden. Und die Belohnung ist gekommen in Form von mehr als 70 Prozent der Stimmen bei der nächsten Gemeinderatswahl.“

2005 eine „Rückholaktion“ nach Graz, diesmal als Präsident des Steiermärkischen Landtages, 2009 von Landeshauptmann Franz Voves als Landesrat für Soziales der Öffentlichkeit vorgestellt und ein Jahr später nach der Landtagswahl zum Landeshauptmann-Stellvertreter mit den Ressorts Soziales und Erneuerbare Energie ernannt. 2015 dann mit 63 Jahren der Abgang von der politischen Bühne, bedacht mit höchsten Auszeichnungen, darunter auch der großen Viktor-Adler-Plakette.

Erwin Zankel, ehemaliger Chefredakteur der Kleinen Zeitung und ebenfalls gebürtiger Thörler, der Siegi Schrittwiesers politischen Weg von dessen Jugend an mitverfolgte, kommt bei der Beurteilung des Gesamterscheinungsbildes Schrittwieser zu folgendem treffsicheren Schluss: „Bei ihm hat man sich jedes Mal, wenn er wieder eine neue Funktion antrat, die Frage gestellt, ob das für ihn nicht eine Nummer zu groß sein könnte. Und man konnte recht bald feststellen: Nein, ist es nicht. Er ist in jedes Amt rasch hineingewachsen und hat es überraschend gut ausgefüllt.“

In die Wiege gesungen war dem Sohn aus dem einfachen Arbeiterhaushalt in Thörl dieser Aufstieg in die Höhen der Landespolitik sicher nicht – sechs Kinder, drei Buben, drei Mädel, Mutter Hausfrau, Vater Alleinverdiener. Mit sechs Jahren ging der Bub schon ministrieren, machte das mit Begeisterung bis zu seinem zwölften Lebensjahr, dann war einmal Schluss. „Wir hatten damals Wochendienste, das hieß eine Woche lang jeden Tag um sechs Uhr Messe, zusätzlich Begräbnisse, aber auch Hochzeiten. Die waren gefragt, weil da hat es dann hier und da auch für die Ministranten ein paar Schillinge gegeben. Aber dafür wurde ich nie eingeteilt und einmal fragte ich den Kaplan, warum ich nicht darf und er stellte mir nur die Gegenfrage: Ministrierst du vielleicht nur wegen dem Geld? Ich habe mich umgedreht, bin gegangen und nie wiedergekommen. Ich war immer schon ein Gerechtigkeitsfanatiker.“

Diese Erfahrung hat aber seine positive Einstellung zur Katholischen Kirche nie getrübt, im Gegenteil, als Landtagspräsident hat er auch den Dialog mit Bischof Egon Kapellari gesucht und gefördert und als die Frauenkirche in Pernegg, als beliebte Wallfahrtskirche auch Klein-Mariazell genannt, bedenklich zu bröckeln begann, wandte sich der damalige Bürgermeister Andreas Graßberger an seinen Freund Siegi Schrittwieser: „Du, deine Frau Liesi ist ja Perneggerin und es wäre schön, wenn du uns da helfen könntest.“ Er half, wurde Obmann des Kuratoriums zur Rettung der Frauenkirche, setzte auf sein Verhandlungsgeschick und seine Verbindungen und man überzeuge sich selbst – das barockisierte Kulturjuwel ist es allemal wert, von der Brucker Schnellstraße D 35 die Abfahrt Pernegg zu nehmen und dort innezuhalten.

Einen Ruf als erfolgreicher Kirchensanierer wird man nicht so leicht los, also folgte schon die Einladung zum nächsten Kuratoriumsvorsitz, diesmal für die Pfarrkirche von Seewiesen. „Auch das ist nun abgeschlossen und selbst das Problem in St. Ilgen, dort habe ich aber nur dem Kuratorium angehört, haben wir gelöst. Der Turm ist dort schon ein wenig schief gestanden, jetzt hält er wieder für die nächsten Jahrzehnte.“

Rotes Kreuz, Kirche, und sonst noch etwas, was ihm den „Unruhestand“ verkürzt? „Oh ja, meine Frau und ich haben uns ein Jahresticket gekauft und entdeckt, wie schön es ist, mit den Öffis zu reisen. Vor kurzem waren wir in Venedig – super. Aber an meine Altersgeneration möchte ich an dieser Stelle schon noch eine kleine Botschaft ausrichten: Es soll niemand glauben, dass er, nur weil er 70 ist, schon zum alten Eisen gehört. Es ist nämlich wirklich schön, vorausgesetzt man ist noch gesund, sich in die Gesellschaft einzubringen und etwas Gutes zu tun. Schließlich kommt auch viel wieder zurück. Und das tut einem gut.“

von Dieter Rupnik
© Luef Light
Beitrag veröffentlicht am 01. August 2022

 

Barbara Frischmuth: Mein fantastisches Leben

Barbara Frischmuth spricht mit Abenteuer Alter über ihr Ausseer Dirndl, ihren Feminismus und die Gefahr des Klimawandels.

Die gefeierte Schriftstellerin lebt und arbeitet in ihrem Haus hoch oben über Altaussee und ist durchaus froh, dass sie nicht alles mitbekommt, was „unten“ im Ort passiert. Zum Beispiel die Folgen der Bauwut im Ausseerland und im ganzen Salzkammergut, die sie stören und verärgern. Aber auch in ihrem großen Garten erkennt die Schriftstellerin Veränderungen, die sie herausfordern und die auf verblüffende Weise den Ereignissen unserer Tage ähneln. „Auch Pflanzen haben ihre Reviere und überwuchern die anderen“, beobachtet sie bei der täglichen Arbeit. Im Mai, als Barbara Frischmuth mit Abenteuer Alter telefonierte, musste sie feststellen, dass im harten Winter manche ihrer Pflanzen erfroren sind, konnte aber auch die Pracht ihrer Pfingstrosen genießen.

Die 81-Jährige kennt wie wenige sowohl das Leben in der Stadt als auch auf dem Land, in ihrem Heimatort. Ganz schnörkellos sagt sie „Altaussee ist sehr schön“. Sie kann das trennen vom Umstand, dass es hier ein Klima gibt, das ihre Pflanzen erfrieren lässt, und davon, dass sie den Flächenfraß durch die Untaten der Bauwütigen für ein ernstes Problem hält. Sie akzeptiert einige der Villen der Großbürger aus Wien oder München, wird aber energisch beim Gedanken, dass Manche aus Spekulationsgründen zwei oder drei Wohnungen horten und die Preise für Immobilien in schwindelnde Höhen treiben: „Man muss einmal Stopp sagen!“ Die äußerst erfolgreiche Autorin Barbara Frischmuh missgönnt niemandem das Erreichte, vermisst aber Grenzziehungen. „Wenn es hier zu wenig Wiesen und Umwelt gibt, wird auch Altaussee seinen Charme verlieren. Dann kann man gleich nach Kitzbühel fahren.“ Sie kennt schon Leute, die sagen, dass sie nicht mehr kommen, weil es nicht mehr das Altaussee ist, das sie lieben. „Die Ruhe, die wunderschöne Landschaft, die Natur – das hört sich alles auf.“

Das ist nicht Verbitterung, sondern derselbe Realismus, der aus ihr spricht, wenn die Touristen im Ort in Tracht und Dirndl aufmarschieren. Sie anerkennt die Kleidsamkeit des Dirndls: „Den meisten Freuen passte es“. In ihrem Schrank hängen „drei oder vier Dirndln, die ich schon ewig habe“. Das spricht wohl auch dafür, dass sie ihre Figur über die Jahre behalten hat. Sie trägt ein Dirndl nur im Salzkammergut und höchstens dann, „wenn es ein Fest gibt, wo man es halt anzieht“. So würden es alle Einheimischen halten. Offenbar tragen die Ortsfremden viel öfter Tracht als die Ausseer es tun. „Denen macht es Spaß und sie glauben dann, dass sie eher Kontakt zu den Einheimischen finden. Und für die Einheimischen ist es eine Einkommensquelle.“

Manche ihrer Beobachtungen und Empfindungen klingen lakonisch und andere wiegen schwer. Etwa, wenn Barbara Frischmuth sich intensiv mit den Themen des Lebens auseinandersetzt. Ihre Naturverbundenheit ist kein Gefühl, sondern geradezu wissenschaftlich fundiert und kommt in ihren jüngsten Büchern zu Ausdruck: „Dein Schatten tanzt in der Küche“ und „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“. Deshalb hat sie mehr als nur Sympathie für die Fridays for future-Bewegung. „Die Natur rächt sich zu Recht. Da kommt etwas auf uns zu, was die meisten noch immer nicht ernst nehmen und das die nächste Generationen ausbaden müssen“, sagt sie. Das ist nicht Selbstanklage, sondern Analyse.

Sie gehört einer Generation an, „die ein fantastisches Leben hatte, weil es keinen Krieg gab“ und weil die Gesellschaft „auf die erste Nachkriegsjugend geradezu gewartet hat.“ Die positive Erfahrung, willkommen zu sein, begleitet sie ihr ganzes Leben und wappnen sie für alle Herausforderungen. Umso mehr macht ihr zu schaffen, dass sie neben der drohenden Klimakatastrophe und der Pandemie auch noch einen Krieg in Europa erleben muss. Also ob die Schäden durch den Klimawandel noch nicht bedrohlich genug wären, „kommt da noch diese Zerstörung durch die Menschen dazu“. Als Schriftstellerin will Barbara Frischmuth nicht behände gleich ein Buch über dieses neue Thema schreiben, das hat sie auch in Bezug auf die Pandemie vermieden. So etwas braucht „eine längere Zeit und einen gewissen Abstand“. Zum Beispiel sagt sie über das 2019 erschienene Buch „Verschüttete Milch“, sie habe es „schon 40 Jahre lang schreiben wollen“.

Durch all die Jahre und all die Bücher, Aufsätze und Vorträge zieht sich ein leidenschaftliches Bekenntnis zum Frau-Sein und zum fundierten Feminismus.

Das beginnt mit der Erfahrung zuhause, weil sowohl ihre Großmutter als auch ihre Mutter nach dem Tod des Mannes „ihren Mann stehen“ mussten, die eine in einer Fleischhauerei, die andere in einem Hotel. Man darf sich auch Barbara Frischmuth nicht als Stern vorstellen, der ohne sein Zutun von einer Sonne bestrahlt wird, sondern als eine zielstrebige berufstätige Frau. Die große Zahl von Büchern, die sie in mehr als 50 Jahren geschrieben hat, ist nicht vom Himmel gefallen, sondern Ergebnis disziplinierter Arbeit. Diese gelebte Selbstständigkeit gerade als Frau war in ihrer Generation die absolute Ausnahme. Das sind andere Erfahrungen, als sie etwa Ingeborg Bachmann machte, von der demnächst ein Film erzählen wird, dass sie bei ihrem Lebenspartner Max Frisch auch so etwas wie Schutz gesucht habe. Die Altausseerin hat durchaus Verständnis für dieses Empfinden, sagt aber ohne Schnörkel „Ich habe immer versucht, mich selbst zu schützen.“

von Johannes Kübeck
© Luef Light
Beitrag veröffentlicht am 29. Juli 2022

Prince Charles: Ein Königreich für die Natur

Das Regieren wurde ihm bisher verwehrt, außer in seinem Gartenparadies Highgrove. Dort ist Prinz Charles König, dort hat er das Gärtnern neu erfunden. Karl Ploberger drehte über die Leidenschaft Seiner Königlichen Hoheit kürzlich eine Dokumentation, für die er jahrelang auf eine Genehmigung warten musste. Wir spazieren einfach so hinein, an der Seite von ORF-Biogärtnerin Angelika Ertl.

Nein, in London waren wir nicht dabei, als mit großem Pomp das 70. Thronjubiläum von Königin Elisabeth II. gefeiert wurde. Wir besichtigten stattdessen mit der Gartenexpertin Angelika Ertl das Anwesen Highgrove, in dem Prince Charles, der ewige Thronfolger, die Welt ein bisschen besser macht. Das mit dem Hineinspazieren ist wohlgemerkt etwas flapsig ausgedrückt, selbstverständlich müssen auch wir uns an das Fotografierverbot halten und den Anweisungen der Sicherheitskräfte folgen. Die übrigens auch für das Wohlergehen der Kleintiere auf dem Anwesen sorgen: So wurden einmal einer Entenfamilie, die an einem entlegenen Ende des Gutes gebrütet hatte und mit ihrem Nachwuchs stets eine Straße außerhalb des Geländes queren musste, auf Geheiß des Prinzen kurzerhand Bobbys für den Straßenübertritt zur Seite gestellt.

Einen Garten mit Haus, please

Prinz Charles wollte schon immer einen Garten mit Haus – und nicht umgekehrt –, gefunden wurde dieser in Cloucestershire in den Cotswolds, zweieinhalb Autostunden von London entfernt. Highgrove erwarb Anfang der Achtzigerjahre übrigens nicht die königliche Familie, sondern das Herzogtum Cornwall für – aus heutigem Blickwinkel gesehen – ein Schnäppchen von kolportierten 800.000 Pfund, Prinz Charles, der Herzog von Cornwall und Prinz von Wales, wurde als Pächter ernannt. Das Haus war beim Kauf von „einem Nichts“ umgeben, wie der Prinz selbst sagt – außer einer alten Eibenhecke und der 200 Jahre alten Zeder vor dem Gebäude, die das Herz des 73-jährigen Thronfolgers letztlich eroberte. Als erste Maßnahmen ließ er am Haus Balustraden und Säulen als Kletterhilfe für Pflanzen anbringen, die ihren Duft bis hinauf in die Königlichen Räume bringen sollten. Die Leidenschaft für die Gärtnerei hat Prinz Charles von seiner Großmutter geerbt, deren Gartenutensilien er zu ihrem Andenken aufgehoben hat. Den Garten von Highgrove zieren zudem Büsten jener Menschen, die für den Prinzen Inspiration und Ideengeber waren. Sein Garten, so schreibt er im Vorwort seines Buches „Highgrove – ein Jahr im Königlichen Garten“, sei ein bescheidener Versuch, zur Heilung von Schäden beizutragen, die durch kurzsichtiges Handeln dem Boden, der Landschaft und letztlich unseren Seelen zugefügt wurden. Ihn hat er wie ein Maler gestaltet, jeder Teil ist ein separates Bild: Der Thyme Walk etwa mit verschiedensten Thymiansorten und den künstlerisch zurechtgestutzten Eiben-Figuren, und der „Stumpery“, in dem wilder Farn und sattes Grün über alten Wurzeln wuchern. Vor dem Haus finden sich Felder von Rittersporn, der Lieblingsblume des Prinzen. Die Kunst bei der Gestaltung bestehe für ihn zur Hälfte darin, dafür zu sorgen, dass der Garten beim Blick aus dem Fenster auch in den Wintermonaten reizvoll sei. Was ist für Angelika Ertl das Besondere an der Anlage? „Prinz Charles lässt seinen Garten mehr und mehr verwildern, penible Genauigkeit gibt es nur in wenigen formalen Gartenzimmern. Sonst wird der Garten lebendiger und auch wilder.“ Prinzessin Diana hielt übrigens nicht sehr viel von der Gartenleidenschaft ihres Mannes. Sie fuhr lieber ins benachbarte Städtchen Tetbury und ging dort einkaufen.

Als der Prinz „Bio“ hoffähig machte

In den 1980ern, als sich der fein- und kunstsinnige Prinz, der in seiner Freizeit gern malt, entschlossen hatte, sein Anwesen nach den Kriterien der biologischen Landwirtschaft zu betreiben, fand in Österreich gerade der Weinskandal statt und weltweit wurden in der Landwirtschaft unbedacht giftige Chemikalien eingesetzt. Dennoch hielt man von „Bio“ nicht viel, das war für Spinner. Auch in Großbritannien wusste man zunächst nicht recht, was man von der „spinnerten“ Idee des Prinzen halten sollte. Er schickte Sekretäre nach Deutschland zu Hardy Vogtmann, dem damaligen Pionier für biologische Landwirtschaft, um sich Beispiele zu holen, damit der Prinz seine Familie, die von der Bio-Idee rein gar nichts hielt, überzeugen konnte. Er bekam 60 Hektar Land „zum Probieren“ und fand mit David Wilson als Gutsleiter den kongenialen Partner, wie die Dokumentation „Der Bauer und sein Prinz“ zeigt. Wilson kam frisch von der Landwirtschaftsschule, wo ihm vor allem beigebracht wurde, welche Chemikalien er in welchen Situationen einsetzen sollte, wie er erzählt. Als er beim Bewerbungsgespräch mit der Frage konfrontiert wurde, ob er sich unter „biologischer Landwirtschaft“ etwas vorstellen könne, verneinte er und sagte Ja zum Job. Die Reise hin zu einer alternativen Art der Lebensmittelproduktion gefiel dem Vater von zwei kleinen Kindern. Mittlerweile ist man sich einig: Des Prinzen „verrückte“ Idee war eine vernünftige in einer verrückten Welt.

 

 

Einsatz für eine gesunde Zukunft

Heute ist das Landgut Highgrove mit insgesamt 760 Hektar – 311 waren es vor 30 Jahren, mittlerweile bewirtschaftet man auch den Boden von Nachbarn – ein landwirtschaftlicher Vorzeigebetrieb, in dem sich viele Bauern Rat für neue Wege holen. Es werden alte Schaf- und Schweinerassen vor dem Aussterben bewahrt, tausend Apfelbäume, jeder eine eigene Sorte, wurden gepflanzt. Die Milchkühe haben nichts mit den Turboleisterinnen in der konventionellen Landwirtschaft gemein, im Gegenteil, sie finden reichlich Platz in einem modernen Stall, wo ihnen ein längeres Leben gestattet ist. Artenschutz, Biodiversität sowie der Erhalt traditioneller Pflanzmethoden und Handwerksberufe stehen im Landgut des Prinzen an erster Stelle, und bei allem wird einen Schritt weitergedacht, um die Natur zu erhalten und die Menschen mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen. So ist es Prinz Charles zu verdanken, dass im nahezu baumlosen Großbritannien die Heckenkultur wieder etabliert wurde. Damit
steigt nicht nur der Grundwasserspiegel, Hecken verhindern Bodenerosionen durch Wind und bieten zudem Platz für viele Wildtiere. Den
Schnitt der Eibenhecken aus seinem Garten lässt er an ein nahegelegenes Forschungsinstitut liefern, das Öl hemmt das Tumorwachstum. Als
Grund für seinen ökologischen Einsatz nennt der Prinz die vielen umweltschädigenden Maßnahmen ab den 1960ern, als Gebiete weitgehend mit Chemie behandelt wurden, man Bäume entwurzelt hat und Feuchtgebiete trockengelegt, Hecken entfernt und Wiesen zerstört. Prinz Charles sagt dazu: „Wir müssen einsehen, dass wir selbst auch Teil der Natur sind und nicht separat existieren. Viele aber sind in diesem Glauben aufgewachsen.“ Nachsatz mit einem Verweis auf EU-Fördermaßnahmen, die keinesfalls auf Nachhaltigkeit abzielen: Solange wir die billigsten Lebensmittel wollen, wird die Landwirtschaft, die auf Produktionssteigerung und maximale Erträge ausgerichtet ist, bestehen bleiben.

Es braucht auch im Garten Humor

Der Magnet von Highgrove ist freilich der Garten Seiner Hoheit, den jedes Jahr rund 40.000 Gartenfans
besuchen. Weilt der Prinz dort, wird das durch eine gehisste Flagge signalisiert, zwischendurch kommt er immer wieder auf den Balkon, um seinen Gästen zuzuwinken. Es kann auch vorkommen, dass eine geplante Gartentour kurzfristig abgesagt wird, weil Prinz Charles mit seiner Camilla ein Wochenende in Abgeschiedenheit verbringen will, sagt die ORF Biogärtnerin Angelika Ertl. In ihren Gartenreisen ist Highgrove Garden ein regelmäßig wiederkehrender Programmpunkt, sie selbst wird dort wie eine alte Bekannte begrüßt. Bei ihrem letzten Besuch wurde sie allerdings stutzig, denn die Führung durch den wunderschönen Garten startete nicht wie üblich, man betrat diesen über einen anderen Pfad. Der Grund: Auf dem Weg, den man sonst gegangen ist, steht eine Büste von Prince Charles, ein Geschenk, über die der Thronfolger gar nicht „amused“ ist. Und diesen Anblick will man auch den Gästen ersparen. Eine Büste, die Prince Charles mit seiner
Camilla zeigt, hat man überhaupt im Wald versteckt. Genau das macht die Briten so unverbesserlich: charmante Diplomatie, stets mit einer guten Prise Humor, die auch dem Kronprinzen nachgesagt wird. Humor findet sich ebenso in seinem Garten, erzählt Angelika Ertl. So ließ der Prinz die etwas verknöcherte Eibenhecke im Thyme Walk von seinen Gärtnern eigenwillig umgestalten: Jeder seiner Gärtner durfte sich mit einem Gegenstand verewigen. So wächst da eine Schnecke aus der Hecke und dort eine Teekanne. Es wird übrigens gemunkelt, dass
sich der Prinz auf eine baldige Thronnachfolge einstellt, seine Mutter, Queen Elizabeth II., feierte immerhin im April ihren 96. Geburtstag. Auf Highgrove bereitet man sich schon jetzt darauf vor, dass der Prinz in Zukunft viel weniger Zeit dort verbringen wird. Sein Garten und sein Landgut stehen Besuchern unverändert offen, Tee oder Prosecco wird nach der Gartentour weiterhin serviert werden. Cheers!

 

Britische ­Gartenleidenschaft
Die Briten und die Franzosen sind sich bekanntlich nicht sehr „grün“. So ist der britische Garten in gewisser Weise ein Gegenentwurf zum französischen. Sonnenkönig Ludwig XIV. war bekannt dafür, sich die Natur untertan gemacht zu haben. Sein Garten in ­Versailles, ein „Angebergarten“, wie Angelika Ertl sagt, sollte perfekt sein und auf den Tisch bringen, was er für sein feudales Leben haben wollte. In England derweil wurde das gegenteilige Motto ausgerufen: Man solle der Natur wieder folgen. Wobei auch dort ein bisschen Angeberei sein musste: Unter Königin Viktoria bereisten „Plant Hunter“, so genannte Pflanzenjäger, die Welt, um von überall Pflanzen, Früchte und Kräuter mitzubringen. Das beeinflusste auch die Architektur, denn es brauchte Pflanzhäuser, um diese neuen Errungenschaften präsentieren zu können. Die Landschaftsplaner hatten damals alle Hände voll zu tun. Ein schöner Garten ist in England noch heute Statussymbol. Einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung dieses Erbes leistet der National Trust. Er wurde gegründet, nachdem sich viele Erben ihre Anwesen nicht mehr leisten konnten, weil sie die Hälfte des Wertes als Erbschaftssteuer abzuführen hatten. Der National Trust ist heute der größte Land-, Küsten-, Pub-, Mühlen- und Gartenbesitzer in Großbritannien. Die Königsfamilie unterstützt diesen Trust seit jeher.

 

von Daniela Müller
Beitrag veröffentlicht am 20.07.2022

Hans Jud: Zurück in die Zukunft

Aus Hans Jud spricht die Begeisterung, die Lebensfreude. Mit jedem Satz, jedem Wort, jeder Silbe bringt er zum Ausdruck, was ihn bewegt. Jahrzehntelang war es seine Arbeit als Familienrichter und noch länger schon sind es seine alten Autos. Gut, am Anfang in der Studienzeit waren es keine Oldtimer, sondern einfach nur – dem schmalen Studentenbudget geschuldet – „alte Autos“.

Nicht überpflegt, aber dafür billig, und den Reparatur und Wartungsstau der Vorbesitzer hat Hans Jud neben dem Studium in den Griff bekommen. In dieser Zeit ist auch die Geschichte entstanden, dass der junge Jurist immer eine Handvoll Vergaserdüsen in der Hosentasche hat. Man weiß ja nie, ob man nicht schnell eine braucht, weil der Motor wieder spuckt und stottert.

 

Hans Jud geht es immer um das „Warum“. Eine Grundsatzfrage, die ihn als Richter täglich beschäftigt hat. Diese Frage stellt sich heute auch, bei fast jedem seiner zehn Oldtimer. Warum wird der Motor heiß, warum fällt sporadisch eine Anzeige aus, warum läuft die Maschine unrund? Und die Antworten halten den Pensionisten jung, weil man sich täglich mit der Lösung eines Problems beschäftigt. Die Filmreihe „Zurück in die Zukunft“ passt also perfekt. Aus der Vergangenheit die Aufgaben für die Zukunft entstehen lassen. Und genauso wie der junge Michael J. Fox mit seinem DeLorean durch die Zeiten gesprungen ist, so hat auch Hans Jud einen der seltenen Flügeltürer in der Garage stehen, um die Vergangenheit mit der Zukunft zu verbinden. Und er schraubt nicht nur, er fährt auch.

Mit dem DeLorean war er in Irland im Werk bei einem Treffen. Seinen Rennjaguar, einen XK120 OTS (steht für open two seater), jagt er bei historischen Bergrennen in Rekordtempo den Pokalen nach. Und mit seinem Datsun 240 Z fährt er in Graz herum. Was ihm daran gefällt? Ein Auto mit tollem Sound und echten Fahrqualitäten, der von außen einfach nur aussieht wie ein „alter japanischer Reiskocher“, in der Szene würde man sagen, ein ehrlicher „shitlooker“ (wird hier aus Gründen der Etikette nicht übersetzt). Ein Oldtimer ist für Hans Jud ein Fahrzeug, in dem man sich in die Jugend zurückversetzen kann. „Er riecht anders, fährt sich anders, ohne den ganzen elektronischen Schnickschnack, unvermittelt, ehrlich…“ Das schätzt der ehemalige Richter übrigens auch an der Oldtimerszene. Das sind Leute aus allen Berufsgruppen: Mechaniker, Richter, Tischler, Rechtsanwälte, Professoren, ja sogar Moderatoren soll es in der Szene geben. Und man trifft sich und tauscht sich aus, führt Benzingespräche, löst Probleme, lacht und bleibt unter seinesgleichen jung.

Und so ist es für Hans Jud auch immer ein Erlebnis, in andere Garagen und Oldtimerwelten einzutauchen. Bei Herbert Fellner, einem Professor für Fahrzeugtechnik an der FH Joanneum, hat er einen Stammplatz in der Garage. Hier stehen weitere Pretiosen, die exemplarisch die Bandbreite der historischen Fahrzeuge offenbaren. Vom Morgan Threewheeler mit knapp 40 PS bis zur AC Cobra mit mehr als 400 PS. Was den Maschinenbaudoktor Herbert Fellner am Oldtimer reizt? Dass man die Technik von damals – wenn man sie einmal verstanden hat – auf die Autos von heute übertragen kann. Also auch hier wieder das Motto „Zurück in die Zukunft“: Versteh das Gestern, dann bist du gut gerüstet für das Morgen. Und auch für den Morgan. Oder den DeLorean. Oder den Jaguar…

Übrigens: Hans Jud wollte als Richter gar nicht in Pension gehen und hat sogar die Republik geklagt, um länger arbeiten zu dürfen. Diesen Prozess hat er verloren. Aber dafür ein Riesenstück Lebensfreude gewonnen. Denn zur Pensionierung hat er sich wieder ein Projekt gekauft, ein Rennauto von früher, den Lancia Delta Integrale, mit dem er sich nach England, Japan und Deutschland nun auch ein Stück Italien in die Garage geholt hat.

Beitrag veröffentlicht am 02.05.2022
© Luef Light

Renate Rosbaud: Ein Hund als Jungbrunnen

Aus den zahlreichen Anrufen und E-Mails als Reaktion auf den ersten Beitrag der bekannten TV-Moderatorin und Tierexpertin Renate Rosbaud in der letzten Ausgabe von „Abenteuer Alter“ kristallisierte sich ganz deutlich ein Themenschwerpunkt heraus: „Ich gehe zwar noch gerne spazieren, aber ganz topfit bin ich gerade auch nicht mehr, hätte aber gerne einen Hund als Begleiter. Darf ich, soll ich, kann ich?“ Renate Rosbaud hat dazu einen Expertenrat eingeholt.

Ein Hund tut gut in jedem Lebensalter! Vor allem, wenn Sie ein „Best-Ager“ sind, heute auch „Generation Gold“ oder „50plus“ genannt. Die Vorteile eines Vierbeiners sind großartig: Mit einem felligen Begleiter kommen Sie leicht ins Gespräch mit Gleichgesinnten jeden Alters und verschiedenster Herkunft. Freundschaften und Hundegruppen zum gemeinsamen Gassi gehen können entstehen. Leicht überwinden Sie auch ihren fiesen, inneren Schweinehund, denn der reale Vierbeiner muss hinaus. Das heißt, auch Sie müssen sich bewegen, bei jedem Wetter. Das hält beweglich, körperlich und geistig. Und Sie sind nie allein, es wird nie langweilig. Sie können mit Ihrem Hund sprechen, Ihre Sorgen loswerden, Ihren Ärger, ihm Schönes erzählen. Vorteil: Er hört zu und meckert nicht zurück. Perfekt!

Doch bevor Sie aufspringen und sich einen vielgewünschten und heiß ersehnten Wauzi zulegen, sollten Sie einige Punkte in Ruhe überdenken – schreiben Sie am besten eine Liste. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Bin ich noch so fit wie früher? Wie lange und oft möchte ich spazieren gehen? Fahre ich mehrmals im Jahr auf Urlaub? Habe ich eine Betreuung für meinen Hund, eine Tierpension, Familie, FreundInnen, NachbarInnen? Möchte ich eine Rasse, die oft beschäftigt werden will oder eher etwas Gemütliches?

Prinzipiell gilt, je kleiner und leichter ein Hund ist, umso einfacher ist es, ihn mitzunehmen, ihn wo hinaufzuheben, bei Bedarf zu tragen. Und es ist eine Frage der eigenen Sicherheit, der des Hundes und anderer Menschen. Wenn der Hund nämlich so groß und kräftig ist, dass er Sie umreißt, wenn er an der Leine zieht – dann ist er der Falsche. Diese praktischen und wichtigen Gedanken hat mir Andreas Gomsi verraten, Hundetrainer bei der renommierten Hundeschule „Martin Rütter DOGS Graz“ auf der Laßnitzhöhe. Er hat in meiner Serie „Bei Tier daheim“ (jeden DIENSTAG um 19 Uhr in „Steiermark heute“) schon öfter wertvolle Tipps gegeben. Auch er hat oft ältere Hundebesitzer in seinen Kursen, mit denen er trainiert und spricht deshalb aus Erfahrung.

Andreas sagt, es gibt nicht „die“ Hunderasse, die für „Best-Ager“ geeignet ist oder eben nicht. Es kommt auf den Charakter des Tieres an. Und auf das Alter des Vierbeiners. Ein Hund wird im Schnitt 10-15 Jahre alt. Kann ich mich solange um ihn kümmern? Gibt es jemanden, der auf ihn aufpasst, wenn ich krank bin, ins Spital muss, nicht mehr da bin? Ein guter Tipp, so der „Martin Rütter DOGS“-Trainer, ist, sich in Tierheimen nach älteren Hunden umzuschauen. Diese finden leider meist nicht so schnell ein neues Zuhause und sind dankbar, wenn ihnen jemand noch Liebe und Zuwendung schenkt. Der Vorteil, sie sind meist auch schon erzogen und stubenrein. Gehen Sie einfach ein paar Mal probeweise spazieren. Dabei merken Sie schnell, ob Sie und der Hund harmonieren.

Als Vierbeiner-Faustregel könnte man sagen: eher klein, nicht zu schwer, pflegeleichtes Fell und von ausgeglichenem Charakter. Ich persönlich finde ja Klein- oder Zwergpudel entzückend, kurz geschoren und relativ leicht zu erziehen. Außerdem haaren sie nicht. Wenn Sie das alles abgewogen haben, dann steht einer Hundeliebe bis ins goldene Alter nichts im Wege. Und außerdem: 80 ist ja immerhin das neue 60 und in diesem Alter sind viele von Ihnen fitter als so mancher Teenager.

Beitrag veröffentlicht am 19.04.2022
© Luef Light