Volle Kraft voraus

Der Abbau von Muskulatur betrifft im Alter uns alle. Umso wichtiger ist gezieltes Training – um sich rundum wohlzufühlen und Erkrankungen wie Verletzungen vorzubeugen. Viele Fitnessstudios bieten gerade für Senioren ein breites, ganzheitliches Spektrum. Eine Trendschau von Biohacking bis Spinning – und worauf es beim Training ankommt.

Wer rastet, rostet. Dieses Sprichwort gilt für die gesamte Lebensdauer. Denn der Körper ist ein Bewegungsapparat, der ein Wechselspiel von Anforderung und Entlastung braucht. Im Alter verändert er sich, der Stoffwechsel verlangsamt sich, die Kilos setzen sich vermehrt an. Auch im Ausdauersport wird es schwieriger, den Fitnesstand zu halten. Wer körperlich aktiv ist, beugt vielen Erkrankungen vor, ist besser vor Verletzungen gefeit und kann länger ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen.

Über 600 Muskeln stützen und bewegen unseren Körper. Die funktionelle Muskelmasse nimmt mit zunehmendem Alter allerdings aus verschiedenen Gründen ab, dazu gehören Faktoren wie Hormonumstellungen, Übergewicht, aber auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Mehr als die Hälfte der über 70-Jährigen – mehr Frauen als Männer – leiden an Sarkopenie, dem Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft. 

Gezielt und körperschonend
Für Sport ist man nie zu alt, es kommt vor allem auf die richtige Sportart und ein angemessenes Trainingsniveau an. Freilich müssen die jeweiligen Einheiten an die körperliche Verfassung und eventuelle Erkrankungen angepasst werden. Daher empfiehlt sich stets ein Check-up beim Arzt des Vertrauens, bevor man ein Programm startet. Theoretisch kann man sogar mit einem künstlichen Gelenk wieder alle Sportarten betreiben, die man auch zuvor ausgeübt hat, es bedarf aber der entsprechenden Muskulatur.

Um gesund und fit zu bleiben, empfehlen Experten eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin empfiehlt, das Training zu 70 Prozent aus Ausdauer, 20 Prozent aus Muskelaufbau und zehn Prozent aus Beweglichkeit zusammenzusetzen. Bewegung trainiert auch die Koordination. Joggen, Schwimmen, Radfahren, Walken oder Wandern sind geeignete Ausdauersportarten. Sie wirken sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus. Weniger geeignet sind Mannschafts- oder Ballsportarten. Dabei kommt es nämlich zu abrupten Bewegungen, die Gelenke und die Muskulatur können dadurch stark belastet werden. Dies kann leicht zu Verletzungen führen.

Von einem Muskelaufbautraining profitiert der gesamte Körper – Gelenke genauso wie Wirbelsäule, Herz, Lunge und Gehirn. Der Rücken, Schultern und Kniegelenke werden gestärkt und man beugt chronischen Schmerzen vor. Im Fitnessstudio geben Profis Unterstützung darin, wie man gezielt und körperschonend trainieren kann. Das Programm wird individuell auf die Bedürfnisse abgestimmt. Der Start kann je nach persönlicher Ausgangssituation behutsam erfolgen, etwa mit leichten Kräftigungsübungen. Was sich wirklich langfristig auf Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit auswirken soll, das sollte Schritt für Schritt und mit Maß und Ziel erarbeitet werden. Rückschläge gehören dazu, das Durchhaltevermögen gewinnt meistens, wenn die man erste Verbesserungen am eigenen Leib spürt.

Treffpunkt und Partnerbörse
Das Fitnessstudio ist aber nicht nur ein Raum für sportliche Betätigung, es ist auch ein sozialer Treffpunkt für Gleichgesinnte, ein entspannter Rahmen zum geselligen Austausch, ja sogar ein denkbarer Platz für den Beginn neuer Liebesgeschichten. Eine weltweite Studie, die ACSM‘s Global Survey of Fitness Trends, belegt übrigens die wachsende Aufmerksamkeit für spezielle Trainingspläne für ältere Sportbegeisterte. Technische Gadgets im Sportbereich sind erst einige Jahre alt, seitdem aber auf dem Vormarsch. Digitale Tools messen Herzfrequenz, Schritte, Ruhe- sowie Bewegungszeiten und teilweise noch vieles mehr – meist in Form von Sportuhren. Sie sind für gewöhnlich mit Apps gekoppelt, so kann man Fortschritte und Trainingsziele festhalten und beobachten kann. Das motiviert!

Pulsuhren sind auch wichtig für die Kontrolle der Herz-Kreislaufbelastung, etwa beim Spinning oder Indoor Cycling, das derzeit im Trend liegt. Das kollektive Strampeln zu Musik nach den Anweisungen eines Trainers ist je nach Angebot für viele Altersklassen geeignet. Der Trainer gibt häufig die Trittfrequenz, die Fahrweise und den Widerstandsbereich vor. Der Widerstand kann je nach Kondition der Trainierenden individuell eingestellt werden.

Energiereserven anzapfen
Ein Trend, der 2023 auf dem Vormarsch ist, ist das Training mit freien Gewichten. Das bedeutet: Übungen, die mit Tools ausgeführt werden anstatt an einer Maschine. Hier sind Mobilität, Koordination und Gleichgewicht gefragt. Auch Mobility-Übungen sind häufig ein fester Bestandteil der Trainingsroutine, sie unterstützen die Beweglichkeit des Körpers. Mobilitätstraining hält nicht nur die muskuläre Balance im Gleichgewicht, es schützt auch vor Verletzungen und typischen Sport-Wehwehchen.

Darüber hinaus liegen Mindfulness und Achtsamkeitstraining im Fokus – das reicht von  Meditation über Yoga und Entspannungsübungen bis hin zum Biohacking. Bei Letzterem geht es darum, Körper und Geist mit entsprechenden Methoden, den sogenannten Hacks, leistungsfähiger zu machen. Ziel ist es, die eigene Biologie möglichst genau zu verstehen und die Gesundheit durch Sport, Ernährung und andere Maßnahmen wie Wechselduschen oder Kältebäder zu verbessern. Der Körper soll dabei Energiereserven mobilisieren, was wiederum die Vermehrung der Mitochondrien – die Kraftwerke der Zelle – anregt, die hauptsächlich für unseren Energiehaushalt verantwortlich sind.

Mentales Biohacking meint positive Affirmationen oder Achtsamkeitsübungen, auch eine aktive Morgenroutine gehört dazu. In Sachen Ernährung geht es Biohackern darum, den Körper täglich mit allen wichtigen Nährstoffen und Spurenelementen zu versorgen, auf Alkohol und Industriezucker zu verzichten und die Kalorienzufuhr zu reduzieren, um die körperliche Fitness zu erhöhen. Jedenfalls gilt: Anti-Aging war gestern, Well-Aging ist heute.

 

Text von Elke Jauk-Offner
Bild von shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 27.06.2023

Alpakawanderung, Eseltrekking & Ponywalk

Nespresso einmal ganz anders – nämlich als attraktiver Lamahengst in allen Kaffeschattierungen von Espresso bis Latte Macchiato. Er ist eines der Tiere, mit denen sich Züchterin Michelle Kaufmann auf Wanderung begibt. Sie bietet rund um Tragöß und im Frühling auch rund um den Grünen See Spaziergänge mit Lamas und Alpakas an.

„Wir finden für jeden Gast das richtige Tier“, erzählt sie. Die große Herde bietet Charaktere von ruhig bis flott. Nach einer kurzen Einschulung geht´s los, die Züchterin weiß, in welcher Reihenfolge die Alpakas und Lamas am liebsten gehen – wir Menschen müssen uns danach richten. Ich finde den Spaziergang gemütlich und die Tiere bringen mich mit ihren ulkigen Gesichtern, den Knopfaugen und den lustigen Frisuren immer zum Schmunzeln. Beim Plaudern mit Michelle erfahre ich auch, dass es wichtig ist, gelassen zu sein und entspannt, dann spazieren die Alpakas am liebsten mit. Wer zu ungeduldig ist (wie ich oft), der überträgt das auf die flauschigen Begleiter und deshalb bleibt Nespresso mit mir auch immer wieder stehen. Alpakas und Lamas lehren also Gelassenheit.

Geeignet ist so ein kurzer Ausflug für Kinder ab etwa acht bis neun Jahren und natürlich für alle Menschen, die sich gerne in der Natur bewegen und fit sind, also von neun bis neunzig plus. Nach einer leichten Wanderung gustiere ich noch im Alpaka-Shop, ich habe bereits einige Mützen und Schuheinlagen, die bei Kälte herrlich wärmen. 

Sehr viele Züchter bieten in der Steiermark Alpaka-Spaziergänge und Produkte aus dem weichen Vlies an; unter anderem in der Nähe des Schöckl, bei Stainz, im Almenland usw. Amüsant finde ich persönlich auch Rundgänge mit Eseln, ich habe bereits zweimal Esel-Trekking miterlebt, einmal an der südsteirischen Grenze entlang und das andere Mal rund um Pöllau. Vorbei an herrlichen Wiesen und Bauerngärten im Frühling, mitten durch den Wald und – vor der Ankunft in Pöllau – mit herrlichem Blick auf die Pfarrkirche und den Ort. Wer gerne fotografiert, wird hier viele idyllische Motive finden. Und man kann herrlich lustige Esel-Mensch-Selfies machen. Dabei können schon einmal Haare oder Zopf zart angeknabbert werden, doch mit einer Karotte sind die grauen Langohren leicht abzulenken. 

Esel sind genauso wie Alpakas äußerst liebenswürdig. Die „Sturheit“, die man ihnen andichtet, ist nichts weiter als überlegte Vorsicht. Alles, was neu ist, lassen sie erst einmal sacken, überlegen, ob es gut für sie ist – und dann erst gehen sie weiter. Die bisher letzte tierische Wanderung habe ich für „Bei Tier daheim“ (jeden Dienstag in „Steiermark heute“, 19 Uhr, ORF2) in Tobis bei Passail gedreht. Im Rahmen von „Urlaub am Bauernhof“ bei Familie Wild kann man als Gast viel Zeit mit den Miniponys verbringen. Den 150 Jahre alten schönen Stall ausmisten, striegeln helfen, die Tiere füttern und mit ihnen auch spazieren gehen. Auch hier gibt es von klein bis größer, von ruhig bis temperamentvoller verschiedene Ponycharaktere. Ich bekomme mit Kathrin einen kleinen Schlingel – warum, weiß ich auch nicht genau. Mein Fazit ist, egal ob Alpaka, Esel oder Pony: Die Tiere sorgen mit ihrer Art und ihrem charmanten Wesen bei mir immer sofort für gute Laune. Das, verbunden mit Bewegung in schöner steirischer Landschaft und gemeinsam mit anderen TierfreundInnen, ist ein herrliches Erlebnis. Also, suchen Sie sich im Internet einen tierischen Spaziergang in der Region Ihrer Wahl und schwingen Sie fröhlich die Hufe bzw. die Beine.


Text von Renate Rosbaud
Bilder von Sternenglückfotografie
Beitrag veröffentlicht am 28.03.2023

Prince Charles: Ein Königreich für die Natur

Das Regieren wurde ihm bisher verwehrt, außer in seinem Gartenparadies Highgrove. Dort ist Prinz Charles König, dort hat er das Gärtnern neu erfunden. Karl Ploberger drehte über die Leidenschaft Seiner Königlichen Hoheit kürzlich eine Dokumentation, für die er jahrelang auf eine Genehmigung warten musste. Wir spazieren einfach so hinein, an der Seite von ORF-Biogärtnerin Angelika Ertl.

Nein, in London waren wir nicht dabei, als mit großem Pomp das 70. Thronjubiläum von Königin Elisabeth II. gefeiert wurde. Wir besichtigten stattdessen mit der Gartenexpertin Angelika Ertl das Anwesen Highgrove, in dem Prince Charles, der ewige Thronfolger, die Welt ein bisschen besser macht. Das mit dem Hineinspazieren ist wohlgemerkt etwas flapsig ausgedrückt, selbstverständlich müssen auch wir uns an das Fotografierverbot halten und den Anweisungen der Sicherheitskräfte folgen. Die übrigens auch für das Wohlergehen der Kleintiere auf dem Anwesen sorgen: So wurden einmal einer Entenfamilie, die an einem entlegenen Ende des Gutes gebrütet hatte und mit ihrem Nachwuchs stets eine Straße außerhalb des Geländes queren musste, auf Geheiß des Prinzen kurzerhand Bobbys für den Straßenübertritt zur Seite gestellt.

Einen Garten mit Haus, please

Prinz Charles wollte schon immer einen Garten mit Haus – und nicht umgekehrt –, gefunden wurde dieser in Cloucestershire in den Cotswolds, zweieinhalb Autostunden von London entfernt. Highgrove erwarb Anfang der Achtzigerjahre übrigens nicht die königliche Familie, sondern das Herzogtum Cornwall für – aus heutigem Blickwinkel gesehen – ein Schnäppchen von kolportierten 800.000 Pfund, Prinz Charles, der Herzog von Cornwall und Prinz von Wales, wurde als Pächter ernannt. Das Haus war beim Kauf von „einem Nichts“ umgeben, wie der Prinz selbst sagt – außer einer alten Eibenhecke und der 200 Jahre alten Zeder vor dem Gebäude, die das Herz des 73-jährigen Thronfolgers letztlich eroberte. Als erste Maßnahmen ließ er am Haus Balustraden und Säulen als Kletterhilfe für Pflanzen anbringen, die ihren Duft bis hinauf in die Königlichen Räume bringen sollten. Die Leidenschaft für die Gärtnerei hat Prinz Charles von seiner Großmutter geerbt, deren Gartenutensilien er zu ihrem Andenken aufgehoben hat. Den Garten von Highgrove zieren zudem Büsten jener Menschen, die für den Prinzen Inspiration und Ideengeber waren. Sein Garten, so schreibt er im Vorwort seines Buches „Highgrove – ein Jahr im Königlichen Garten“, sei ein bescheidener Versuch, zur Heilung von Schäden beizutragen, die durch kurzsichtiges Handeln dem Boden, der Landschaft und letztlich unseren Seelen zugefügt wurden. Ihn hat er wie ein Maler gestaltet, jeder Teil ist ein separates Bild: Der Thyme Walk etwa mit verschiedensten Thymiansorten und den künstlerisch zurechtgestutzten Eiben-Figuren, und der „Stumpery“, in dem wilder Farn und sattes Grün über alten Wurzeln wuchern. Vor dem Haus finden sich Felder von Rittersporn, der Lieblingsblume des Prinzen. Die Kunst bei der Gestaltung bestehe für ihn zur Hälfte darin, dafür zu sorgen, dass der Garten beim Blick aus dem Fenster auch in den Wintermonaten reizvoll sei. Was ist für Angelika Ertl das Besondere an der Anlage? „Prinz Charles lässt seinen Garten mehr und mehr verwildern, penible Genauigkeit gibt es nur in wenigen formalen Gartenzimmern. Sonst wird der Garten lebendiger und auch wilder.“ Prinzessin Diana hielt übrigens nicht sehr viel von der Gartenleidenschaft ihres Mannes. Sie fuhr lieber ins benachbarte Städtchen Tetbury und ging dort einkaufen.

Als der Prinz „Bio“ hoffähig machte

In den 1980ern, als sich der fein- und kunstsinnige Prinz, der in seiner Freizeit gern malt, entschlossen hatte, sein Anwesen nach den Kriterien der biologischen Landwirtschaft zu betreiben, fand in Österreich gerade der Weinskandal statt und weltweit wurden in der Landwirtschaft unbedacht giftige Chemikalien eingesetzt. Dennoch hielt man von „Bio“ nicht viel, das war für Spinner. Auch in Großbritannien wusste man zunächst nicht recht, was man von der „spinnerten“ Idee des Prinzen halten sollte. Er schickte Sekretäre nach Deutschland zu Hardy Vogtmann, dem damaligen Pionier für biologische Landwirtschaft, um sich Beispiele zu holen, damit der Prinz seine Familie, die von der Bio-Idee rein gar nichts hielt, überzeugen konnte. Er bekam 60 Hektar Land „zum Probieren“ und fand mit David Wilson als Gutsleiter den kongenialen Partner, wie die Dokumentation „Der Bauer und sein Prinz“ zeigt. Wilson kam frisch von der Landwirtschaftsschule, wo ihm vor allem beigebracht wurde, welche Chemikalien er in welchen Situationen einsetzen sollte, wie er erzählt. Als er beim Bewerbungsgespräch mit der Frage konfrontiert wurde, ob er sich unter „biologischer Landwirtschaft“ etwas vorstellen könne, verneinte er und sagte Ja zum Job. Die Reise hin zu einer alternativen Art der Lebensmittelproduktion gefiel dem Vater von zwei kleinen Kindern. Mittlerweile ist man sich einig: Des Prinzen „verrückte“ Idee war eine vernünftige in einer verrückten Welt.

 

 

Einsatz für eine gesunde Zukunft

Heute ist das Landgut Highgrove mit insgesamt 760 Hektar – 311 waren es vor 30 Jahren, mittlerweile bewirtschaftet man auch den Boden von Nachbarn – ein landwirtschaftlicher Vorzeigebetrieb, in dem sich viele Bauern Rat für neue Wege holen. Es werden alte Schaf- und Schweinerassen vor dem Aussterben bewahrt, tausend Apfelbäume, jeder eine eigene Sorte, wurden gepflanzt. Die Milchkühe haben nichts mit den Turboleisterinnen in der konventionellen Landwirtschaft gemein, im Gegenteil, sie finden reichlich Platz in einem modernen Stall, wo ihnen ein längeres Leben gestattet ist. Artenschutz, Biodiversität sowie der Erhalt traditioneller Pflanzmethoden und Handwerksberufe stehen im Landgut des Prinzen an erster Stelle, und bei allem wird einen Schritt weitergedacht, um die Natur zu erhalten und die Menschen mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen. So ist es Prinz Charles zu verdanken, dass im nahezu baumlosen Großbritannien die Heckenkultur wieder etabliert wurde. Damit
steigt nicht nur der Grundwasserspiegel, Hecken verhindern Bodenerosionen durch Wind und bieten zudem Platz für viele Wildtiere. Den
Schnitt der Eibenhecken aus seinem Garten lässt er an ein nahegelegenes Forschungsinstitut liefern, das Öl hemmt das Tumorwachstum. Als
Grund für seinen ökologischen Einsatz nennt der Prinz die vielen umweltschädigenden Maßnahmen ab den 1960ern, als Gebiete weitgehend mit Chemie behandelt wurden, man Bäume entwurzelt hat und Feuchtgebiete trockengelegt, Hecken entfernt und Wiesen zerstört. Prinz Charles sagt dazu: „Wir müssen einsehen, dass wir selbst auch Teil der Natur sind und nicht separat existieren. Viele aber sind in diesem Glauben aufgewachsen.“ Nachsatz mit einem Verweis auf EU-Fördermaßnahmen, die keinesfalls auf Nachhaltigkeit abzielen: Solange wir die billigsten Lebensmittel wollen, wird die Landwirtschaft, die auf Produktionssteigerung und maximale Erträge ausgerichtet ist, bestehen bleiben.

Es braucht auch im Garten Humor

Der Magnet von Highgrove ist freilich der Garten Seiner Hoheit, den jedes Jahr rund 40.000 Gartenfans
besuchen. Weilt der Prinz dort, wird das durch eine gehisste Flagge signalisiert, zwischendurch kommt er immer wieder auf den Balkon, um seinen Gästen zuzuwinken. Es kann auch vorkommen, dass eine geplante Gartentour kurzfristig abgesagt wird, weil Prinz Charles mit seiner Camilla ein Wochenende in Abgeschiedenheit verbringen will, sagt die ORF Biogärtnerin Angelika Ertl. In ihren Gartenreisen ist Highgrove Garden ein regelmäßig wiederkehrender Programmpunkt, sie selbst wird dort wie eine alte Bekannte begrüßt. Bei ihrem letzten Besuch wurde sie allerdings stutzig, denn die Führung durch den wunderschönen Garten startete nicht wie üblich, man betrat diesen über einen anderen Pfad. Der Grund: Auf dem Weg, den man sonst gegangen ist, steht eine Büste von Prince Charles, ein Geschenk, über die der Thronfolger gar nicht „amused“ ist. Und diesen Anblick will man auch den Gästen ersparen. Eine Büste, die Prince Charles mit seiner
Camilla zeigt, hat man überhaupt im Wald versteckt. Genau das macht die Briten so unverbesserlich: charmante Diplomatie, stets mit einer guten Prise Humor, die auch dem Kronprinzen nachgesagt wird. Humor findet sich ebenso in seinem Garten, erzählt Angelika Ertl. So ließ der Prinz die etwas verknöcherte Eibenhecke im Thyme Walk von seinen Gärtnern eigenwillig umgestalten: Jeder seiner Gärtner durfte sich mit einem Gegenstand verewigen. So wächst da eine Schnecke aus der Hecke und dort eine Teekanne. Es wird übrigens gemunkelt, dass
sich der Prinz auf eine baldige Thronnachfolge einstellt, seine Mutter, Queen Elizabeth II., feierte immerhin im April ihren 96. Geburtstag. Auf Highgrove bereitet man sich schon jetzt darauf vor, dass der Prinz in Zukunft viel weniger Zeit dort verbringen wird. Sein Garten und sein Landgut stehen Besuchern unverändert offen, Tee oder Prosecco wird nach der Gartentour weiterhin serviert werden. Cheers!

 

Britische ­Gartenleidenschaft
Die Briten und die Franzosen sind sich bekanntlich nicht sehr „grün“. So ist der britische Garten in gewisser Weise ein Gegenentwurf zum französischen. Sonnenkönig Ludwig XIV. war bekannt dafür, sich die Natur untertan gemacht zu haben. Sein Garten in ­Versailles, ein „Angebergarten“, wie Angelika Ertl sagt, sollte perfekt sein und auf den Tisch bringen, was er für sein feudales Leben haben wollte. In England derweil wurde das gegenteilige Motto ausgerufen: Man solle der Natur wieder folgen. Wobei auch dort ein bisschen Angeberei sein musste: Unter Königin Viktoria bereisten „Plant Hunter“, so genannte Pflanzenjäger, die Welt, um von überall Pflanzen, Früchte und Kräuter mitzubringen. Das beeinflusste auch die Architektur, denn es brauchte Pflanzhäuser, um diese neuen Errungenschaften präsentieren zu können. Die Landschaftsplaner hatten damals alle Hände voll zu tun. Ein schöner Garten ist in England noch heute Statussymbol. Einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung dieses Erbes leistet der National Trust. Er wurde gegründet, nachdem sich viele Erben ihre Anwesen nicht mehr leisten konnten, weil sie die Hälfte des Wertes als Erbschaftssteuer abzuführen hatten. Der National Trust ist heute der größte Land-, Küsten-, Pub-, Mühlen- und Gartenbesitzer in Großbritannien. Die Königsfamilie unterstützt diesen Trust seit jeher.

 

von Daniela Müller
Beitrag veröffentlicht am 20.07.2022