Teilnahmebedingungen Gewinnspiele

Teilnahmebedingungen für Gewinnspiele und Verlosungen der Seniorenplattform Abenteuer Alter

Veranstalter der Gewinnspiele bzw. Verlosungen und Verantwortlicher für den Datenschutz ist Josef Rauch & Heribert Maria Schurz Werbe-, Marketing-Beratungsges.m.b.H., Weinholdstraße 20, 8010 Graz, im nachfolgendem kurz josefundmaria genannt.

Durch die Teilnahme an Gewinnspielen und Verlosungen auf folgenden Websites, Social – Media -Kanälen und Videoplattformen von josefundmaria stimmt der/die TeilnehmerInnen nachstehenden Teilnahmebedingungen zu und bestätigt, diese gelesen und verstanden zu haben.

Websites:

  • abenteueralter.at

Social – Media – Kanäle:

  • facebook.com/AbenteuerAlter
  • instagram.com/abenteueralter

Videoplattform:

  • youtube.com/@abenteueralter

Teilnahmeberechtigt sind alle natürlichen Personen mit Wohnsitz in Österreich, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und die zur Teilnahme benötigten Daten korrekt angegeben bzw. ausgefüllt sowie alle genannten und erforderlichen Teilnahmebedingungen erfüllt haben.

Die erhobenen Daten dienen der Möglichkeit zur Verständigung der TeilnehmerInnen und der ordnungsgemäßen Zustellung der Gewinne.

Datenschutz

Verantwortlicher für den Datenschutz ist josefundmaria. Josefundmaria respektiert die Privatsphäre der TeilnehmerInnen. Die folgenden Datenschutzrichtlinien gelten für die Verarbeitung persönlicher Daten der TeilnehmerInnen im Zusammenhang der Gewinnspiele und Verlosungen auf den oben genannten Websites und Social – Media – Kanälen.

Die Teilnahme an den Gewinnspielen ist freiwillig.

Bei der Teilnahme bzw. Anmeldung können seitens josefundmaria folgende Daten über den TeilnehmerIn erhoben werden: Stamm- und Kontaktdaten (Vorname, Nachname, Adresse, PLZ, Ort, E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Geburtsdatum, Geschlecht) sowie Interaktionsdaten (Auswahl, Fragebeantwortung).

Diese Daten werden für die Durchführung des Gewinnspiels, z. B. für die Ermittlung und Verständigung des/der GewinnerIn und für die Zusendung bzw. Bereitstellung des Gewinns verarbeitet. Rechtsgrundlage dafür ist die Erfüllung eines Vertragsverhältnisses (Art. 6 Abs. 1 lit b DSGVO).

Die Daten werden grundsätzlich nur durch josefundmaria verarbeitet. Sollte die Zusendung des Gewinnes durch einen Dritten (z.B. Buchverlag etc.) erfolgen werden die Daten zum Zweck der Gewinnübermittlung weitergegeben.

Josefundmaria speichert die Daten so lange in personenbezogener Form, bis das Gewinnspiel durch die Ermittlung und Verständigung des/der GewinnerIn abgeschlossen ist. Längstens 6 Monate nach Gewinnübersendung werden alle personenbezogenen Daten gelöscht.

Weitere Informationen zur Datenverarbeitung von josefundmaria finden Sie HIER.

Ablauf, Gewinnermittlung und Zustellung

Beginn und Ende der Teilnahmemöglichkeit sowie Details zum Ablauf des Gewinnspiels werden jeweils auf den Websites, Plattformen bzw. Social-Media-Kanälen, wo das Gewinnspiel stattfindet, kommuniziert. Die Gewinnermittlung erfolgt durch das Zufallsprinzip mittels Ziehung. Die Barablöse des Gewinnes ist nicht möglich. Der/die GewinnerIn wird via Kommentar direkt beim Gewinnspielbeitrag auf den Social-Media-Kanälen und/oder Privatnachricht, per E-Mail oder über den Postweg verständigt. Der Gewinnspielannahme liegt eine 14-tägige Frist zu Grunde. Sollte innerhalb dieser Frist keine Annahme erfolgen verfällt der Gewinn und es wird ein neuer Gewinner ermittelt. Kontaktweg. Teilnahmeschluss etc. wird beim jeweiligen Gewinnspiel bekannt gegeben.

Die Preiszustellung erfolgt durch die Österreichische Post oder andere Dienstleistungsunternehmen wie DHL etc. Meldet sich der/die GewinnerIn nicht innerhalb der in der im vorigen Absatz genannten Verständigung angegebenen Frist, besteht kein Anspruch auf den Preis. Der Preis verfällt ebenso, wenn der Gewinn trotz Hinterlegungsbenachrichtigung nicht in diversen Pickup-Stores oder Filialen abgeholt wird und retourniert wird.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Gewinner:innenverständigung und -veröffentlichung

Die TeilnehmerInnen erklären sich einverstanden, dass sie im Falle eines Gewinnes durch Veröffentlichung ihres Profilnamens auf den Social-Media-Kanälen, via E-Mail etc. verständigt werden. Der/die TeilnehmerIn ist mit einer solchen Veröffentlichung einverstanden.

Sollten die angegebenen Kontaktdaten der TeilnehmerInnen fehlerhaft sein (z. B. E-Mail-Adresse), ist josefundmaria nicht verpflichtet, richtige Adressen auszuforschen. Etwaige Nachteile, die sich aus der Angabe fehlerhafter Kontaktdaten (z. B. fehlerhafte E-Mail-Adresse) ergeben, gehen zu Lasten der TeilnehmerInnen.

Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Facebook, TikTok oder anderen Plattformen und wird in keiner Weise von diesen gesponsert, unterstützt oder organisiert. Empfänger der übermittelten Daten und bereitgestellten Informationen der TeilnehmerInnen ist josefundmaria. Facebook, TikTok oder andere Plattformen stehen nicht als Ansprechpartner in Zusammenhang mit diesem Gewinnspiel zur Verfügung.

Ausschluss der Teilnahme

Die Teilnahme von Gewinnanbietern, die Adressen ihrer TeilnehmerInnen in großer Menge und automatisiert in unser Gewinnspiel eintragen (lassen), ist ausdrücklich untersagt. Solche TeilnehmerInnen werden ausnahmslos gelöscht und nehmen damit nicht an der Verlosung teil. Ebenso werden TeilnehmerInnen ausgeschlossen, welche mit diversem Text- und Bildmaterial gegen gesetzliche Regelungen oder die guten Sitten verstoßen bzw. einen gewaltverherrlichenden, pornografischen, frauenfeindlichen, nationalsozialistischen, rassistischen oder beleidigenen Inhalt aufweisen.

Josefundmaria haftet nicht, wenn die TeilnehmerInnen die Rechte Dritter, insbesondere keine fremden Urheber-, Marken- und Namens- und Persönlichkeitsrechte verletzten. Sollten dennoch Dritte Ansprüche gegen josefundmaria wegen Verletzung ihrer Rechte geltend machen, so haben die betroffenen TeilnehmerInnen josefundmaria schad- und klaglos zu halten.

Darüber hinaus versichert der/die TeilnehmerIn, dass bei Bildern sämtliche auf dem Bild abgebildeten Personen mindestens 18 Jahre alt sind und ihre Zustimmung zur Veröffentlichung des Bildes im Rahmen des Gewinnspiels oder Verlosung gegeben haben. Die TeilnehmerInnen erklären sich bereit, die Bildrechte zur zeitlich und räumlich unbeschränkten Nutzung der Fotos josefundmaria zu überlassen.

Bei Verstoß der Teilnahmebedingungen behält sich josefundmaria vor, Personen von der Teilnahme auszuschließen. Mitarbeiter/innen von josefundmaria sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

Aktualisierung und Änderung der Teilnahmebedingungen

Josefundmaria behält sich das Recht vor, die Teilnahmebedingungen jederzeit zu aktualisieren bzw. zu ändern, ohne die TeilnehmerInnen zu informieren.

Änderungen

Josefundmaria behält sich das Recht vor, ohne Vorankündigung Änderungen sowie Ergänzungen des Gewinnspiels vorzunehmen oder das Gewinnspiel ganz abzubrechen.

Das Bett allein heilt keine Menschen

Interview mit Univ.-Prof. Gerhard Stark, Vorstandsvorsitzender der KAGes (steirische Krankenanstalten).

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Was ist geschehen, dass viele ältere Menschen, wenn sie das Wort LKH hören, nicht mehr an einen sicheren Hafen denken, sondern an ein stürmisches Meer?
Gerhard Stark: Ich will das nicht in Abrede stellen, aber ich habe auch einen anderen Eindruck, weil ich selbst eine Ordination betreibe und durchaus viel Kontakt mit Patienteninnen und Patienten habe. Wir haben in Österreich und insbesondere in der Steiermark mit dem Universitätsklinikum und weiteren 19 LKH-Standorten eine Infrastruktur, die weltweit höchster Standard ist. Für mich geht es eher um die Frage, wie wir mit allen Veränderungen in der Gesellschaft umgehen, die wir erleben. Auch wir müssen uns an die Verfügbarkeiten von Expertinnen und Experten anpassen und auch wir müssen Veränderungen herbeiführen und wir führen sie herbei. Diese Veränderungen machen unsicher, das ist richtig. Aber: Wir müssen uns immer auch fragen, ob wir ein und dasselbe Glas Wasser halb voll oder halb leer sehen. Ich sehe es immer halb voll. Ich denke, wenn wir uns das Gesundheitssystem ansehen, dürfen wir das Glas Wasser hier in der Steiermark halb voll sehen.

Sie haben die Verfügbarkeit von Spitalsleistungen angesprochen. Uns erreichen Berichte von Bettensperrungen und Verschiebungen von OP-Terminen, die viele Menschen verunsichern. Was muss da geschehen?
Bei uns erreicht gerade die Baby-Boomer-Generation das Pensionsalter. Damit gehen uns natürlich Knowhow-Träger verloren. Wir nehmen auch eine Veränderung darin wahr, wie jüngere Menschen ihre Arbeitswelt sehen. Wir haben es mit veränderten Dienstzeiten und Bedürfnissen zu tun. Auch die Zahl der älteren Menschen steigt. Das alles verändert natürlich unser Tun. Dazu kommt, dass Medizin zunehmend effizienter wird und effizienter werden muss. Wir können gut versorgen, aber, und das ist richtig, es kommt natürlich zu Verschiebungen aus den unterschiedlichsten Gründen. Mit innovativen Projekten gelingt es uns, die Wartezeiten Schritt für Schritt abzubauen. Was die Bettensperren betrifft: Sie sagen relativ wenig aus. Es geht immer um Menschen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Bett allein heilt keinen Menschen.

Wie kommt es dazu, dass gerade ältere Leute die Erfahrungen machen, sie kommen schneller zu einem OP-Termin, wenn sie dafür etwas bezahlen?
Ich kann sagen: In den Landeskrankenhäusern zahlen sie nicht! Jeder von uns bezahlt über die Steuern dieses öffentliche Gesundheitssystem. Aber es gibt auch ein privates Gesundheitssystem, aber dafür bin ich – verzeihen Sie – nicht zuständig.

Eine Sache, die gerade ältere Personen umtreibt, ist ihre regionale Verwurzelung. Viele tun sich mit dem Trend zur Rationalisierung und zur Spezialisierung im Gesundheitsbereich sehr schwer. Wie erklären Sie den Menschen, dass diese Entwicklung doch gut für sie ist?
Ich denke, jeder wünscht sich für sich die bestmögliche Behandlung in seiner individuellen Situation. Wenn wir heute in Österreich die Entwicklung der Medizin, wie sie weltweit stattfindet, mitmachen wollen, müssen wir uns spezialisieren. Die Alternative ist, dass wir sie nicht mitmachen. In der Medizin ist die Zeit, als ich alles an jedem Ort bekam, schon längst vorbei. Denken wir an ein einfaches Beispiel, einen Aortenklappenersatz an der Hauptschlagader. Das können wir in einem peripheren Krankenhaus nicht machen, weil es einerseits an Expert:innen fehlt, andererseits am gesamten Team und dem Umfeld. Auf einmal brauche ich einen Kardiologen, vielleicht einen Pulmologen, einen Gastroenterologen, einen spezialisierten Chirurgen, einen spezialisierten Anästhesisten und eine spezialisierte Pflege, und zwar nicht nur im OP, sondern auch danach. Sehr schnell wird klar, dass so etwas eben nur möglich ist, wenn ich Kompetenzen zusammenziehe. Und dann gibt es Basisversorgung, die dann zum Tragen kommt, wenn ich zum Beispiel eine Lungenentzündung und Pflegebedarf habe. Dann will ich natürlich auch die Fachlichkeit im internistischen und geriatrischen Sinn. Dann sollte das System so funktionieren, dass ich das auch nahe an meinen Wohnort gesichert habe.

Kann man verkürzt sagen: Spitzenmedizin ist nicht in jedem Tal der Alpen möglich?
Ich würde es so sagen: Spitzenmedizin wird in jedem Spital erbracht. Spezialisierte medizinische Leistung kann es nicht überall geben.
Damit sind wir bei der medizinischen Forschung, wo es zum Glück enorme Fortschritte gibt. Es gibt große Fortschritte bei der Behandlung von Krebserkrankungen, Alzheimer oder Parkinson. Ist die KAGes da auf der Höhe der Zeit?
Absolut. Wir haben in der Steiermark einen großen Vorteil, das ist unsere Medizinuniversität in Graz. Was den Forschungsimpact betrifft, ist das eine der bedeutendsten Universitäten. Und das darf man hier auch sagen: Sie muss den weltweiten Konkurrenzkampf im Bereich der Wissenschaft nicht scheuen.

Können Sie uns sagen, welche medizinischen Angebote die KAGes gerade für die älteren Zielgruppen entwickelt?
Wenn wir ältere Menschen in den Fokus rücken, geht es nicht immer um die Akutmedizin, sondern darum: Wie schaffe ich es, dass der Patient nach einer Akuterkrankung, die er meist ganz gut übersteht, dann auch wieder in das häusliche Leben zurückfindet? Hier haben wir in Mürzzuschlag ein Pilotprojekt namens Übergangspflege gestartet oder in Bad Radkersburg und Wagna eine Remobilisations- und Nachsorgeeinheit gegründet. Hier helfen wir Menschen etwa nach einer Hüft- oder Knieoperation oder nach einer schweren internistischen Erkrankung wieder in eine mobile und selbstbestimmte Phase zu kommen. Wir haben ein weiteres, neues Projekt, das sich über die ganze Steiermark erstreckt und wo die Koordinationsstelle in der KAGes angesiedelt ist, namens MobiREM. Hierbei sind auch die Elisabethinen und das Grazer GGZ eingebunden. Da geht es darum, dass wir das Know-how der Krankenhäuser den Menschen in den häuslichen Bereich mitgeben. Experten fahren zu den Patienten nach Hause und betreuen diese im gewohnten Umfeld, ohne Wegzeiten für die Betroffenen. Bei allen diesen Projekten geht es darum, dass die Menschen nach einer Operation oder einer Erkrankung wieder selbstständig werden.

Viele ältere Mitmenschen erleben Vereinsamung. Spielt das auch eine Rolle, wenn sie ins Spital kommen?
Ich denke, das ist eher ein gesellschaftliches Thema. Das hat mit den veränderten Familienstrukturen zu tun. Was vielleicht in der Vereinsamung entsteht, ist, dass sehr oft Krankenhäuser oder Ambulanzen der letzte Zufluchtsort für diese Menschen sind, um auch über ihre Themen und Probleme einfach reden zu können.

Es gibt Klagen vieler Menschen über lange Wartezeiten bei der Entlassung aus dem Spital. Was ist da zu tun?
Wir arbeiten ständig daran, das Entlassungsmanagement durch entsprechende Organisation zu verbessern. Ich möchte aber dazu auch sagen, dass wir in diesem Bereich nicht die einzigen Beteiligten sind. Da spielen die Rettungstransporte hinein, die das gleiche Problem haben wie wir, nämlich den Personalmangel. Dann haben wir die Familienangehörigen zu Hause, die nicht anwesend oder verfügbar sind und wo wir Lösungen finden müssen. Dieses Problem können wir in der KAGes nicht allein lösen.

Wie sind die Landeskrankenhäuser in den Bereichen Hospiz und Palliativbetreuung aufgestellt?
Zum Verständnis möchte ich zunächst eines sagen: Palliativstationen sind keine Sterbestationen. Wir haben die Palliativstationen für die Fälle von Erkrankung, die die Medizin in ihrem Fortschreiten nicht mehr wesentlich beeinflussen kann, wo wir aber sehr viel für den Menschen selbst tun können. Wir können hier Extremsituationen behandeln, um dem Menschen die Möglichkeit zu geben, dass er zum Beispiel nach Hause entlassen werden kann. Wir sind bei den Palliativleistungen in der Steiermark gut aufgestellt und entwickeln uns weiter. Die Koordinationsstelle für die gesamte Steiermark sowohl für den Palliativ- als auch für den Hospizbereich ist in der KAGes angesiedelt und wir arbeiten mit allen Krankenhausträgern eng zusammen.

Wir können durchaus stolz sein, dass wir ein breites mobiles Netz an Palliativbetreuer:innen haben, die auch zu den Menschen nach Hause gehen. Im Hospizbereich haben wir eine sehr interessante Entwicklung, weil sich neben den Pflegeeinrichtungen auch die Krankenhäuser hier vermehrt bemühen. Hospiz findet an vielen Stellen statt und ich möchte hier besonders die vielen Freiwilligen erwähnen, die als Hospizbegleiter:innen tätig sind. Das zeichnet unsere Gesellschaft besonders aus.

Herr Professor Stark, vielen Dank für das Gespräch!

Text von Johannes Kübeck
Bilder von Luef Light und shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 22.12.2023

Community Nurse unterwegs

Internationalen Beispielen folgend sollen Community Nurses auch in Österreich bevölkerungsnah und präventiv auf Gemeindeebene tätig sein, damit vor allem ältere Menschen so lange wie möglich zuhause leben können. Hart bei Graz nimmt an dem von der EU geförderten Pilotprojekt teil.

Die Gesundheitskompetenz und Selbsthilfe bei älteren Menschen sowie deren Angehörigen stärken: Community Nursing hat zum Ziel, den Pflege- und Betreuungsbedarf in Österreich besser decken zu können und das Wohlbefinden jener Menschen zu steigern, die Unterstützungsbedarf haben. Durch die Finanzierung der Europäischen Kommission im Rahmen des österreichischen Aufbau- und Resilienzplans werden derzeit österreichweit Pilotprojekte umgesetzt – so auch in Hart bei Graz.

Was ist eine Community Nurse?
Eine Community Nurse unterstützt Bürger:innen einer Gemeinde mit beratenden Gesprächen. Die primären Zielgruppen sind Personen über 75 Jahre und pflegende Angehörige. Sekundäre Zielgruppen sind Personen mit chronischen, somatischen oder psychischen Erkrankungen sowie Alleinerziehende sowie Kinder- und Jugendliche mit Betreuungsbedarf. Eine Community Nurse hilft Personen, ihre Gesundheit ganzheitlich zu verbessern beziehungsweise zu erhalten. Sie regt dazu an, selbst etwas für die persönliche Gesundheit zu tun und schafft dafür auch Bewusstsein in der Gemeinde. 

Wie wird man Community Nurse, welche Qualifikationen braucht es dafür?
Als Community Nurse ist man diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger:in mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung und besitzt die Berufsberechtigung zur Ausübung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege. Die Registrierung im Gesundheitsberufe-Register wird vorausgesetzt. Vielfältige Praxiserfahrung ist für eine Community Nurse von Vorteil. Es ist wichtig, dass man eine offene, flexible und positive Person ist, die sich auf unterschiedliche Situation einlassen kann.  

Was sind die Hauptaufgaben?
Die Community Nurse erhebt und dokumentiert das Versorgungsarrangement einer Person oder Familie. Sie führt beratende und informierende Gespräche im Rahmen der Pflege- und Betreuungsaufgaben. Sie führt präventive Hausbesuche durch. Sie koordiniert, vernetzt und vermittelt Pflege- und Betreuungsangebote und stärkt Gesundheitskompetenzen von Personen, Familien, Gruppen oder Gemeinschaften. Sie erhebt der Gesundheit betreffende Bedürfnisse von unterschiedlichen Zielgruppen und setzt sich dafür ein, passende Lösungen zu entwickeln. Unter anderem organisiert sie Veranstaltungen, die die Gesundheit fördern oder initiiert Schulungen, die Betroffenen weiterhelfen. 

Was unterscheidet eine Community Nurse von anderen Angeboten zur mobilen Pflege und Betreuung?
Die Community Nurse informiert über die Dienste der mobilen Pflege, aber sie ist nicht in der direkten Umsetzung. Das bedeutet, dass sie nicht bei der Körperpflege oder anderen pflegerischen Tätigkeiten, die direkt an Patient:innen ausgeführt werden, hilft. Es gibt jedoch Ausnahmesituationen wie bei einem Notfall, der eine medizinisch-therapeutische Maßnahme erfordert.

 

 

 

Text von Elke Jauk-Offner
Bilder von Gemeinde Hart bei Graz
Beitrag veröffentlicht am 28.09.2023

Mehr als ein erster Eindruck

Ein Sachverständigengutachten ist für pflegebedürftige Menschen Basis dafür, welche Pflegegeldstufe sie erhalten. In der Regel erfolgt dafür ein ärztlicher Hausbesuch, wie ihn auch Allgemeinmediziner Christian Staber als Gutachter für die Pensionsversicherungsanstalt durchführt. Er gibt Einblick in den Ablauf und Berufsalltag.

Wer aller darf die Untersuchung einer pflegebedürftigen Person zur Pflegegeldeinstufung überhaupt durchführen?
Begutachtungen dürfen alle zur selbstständigen Berufsausübung berechtigten Ärzt:innen sowie diplomierte Pflegefachkräfte durchführen, die die ÖBAK-Zertifizierung (Anmerkung der Redaktion: Österreichische Akademie für ärztliche und pflegerische Begutachtung) erworben haben. 

Wo überall kann diese Begutachtung stattfinden?
Begutachtungen erfolgen im Rahmen von Hausbesuchen am jeweiligen Wohnsitz einschließlich Pflegeeinrichtungen und in bestimmten Fällen bei zu erwartenden längeren stationären Aufenthalten nach dem Abklingen der Akutsymptomatik in Krankenhäusern. In Einzelfällen kann bei mobilen Antragstellern und speziellen Fragestellungen auch eine Untersuchung im Kompetenzzentrum Begutachtung der PV erfolgen. 

Was passiert im Vorfeld des Untersuchungstermins?
Die pflegebedürftige Person erhält zeitnah nach der Antragstellung ein Schreiben der PV, in welchem das Einlangen des Antrages bestätigt wird. Ich erhalte auf elektronischem Weg einen Begutachtungsauftrag, eine Vorlage zur Gutachtenerstellung und die mit dem Antrag eingereichten Unterlagen. Die pflegebedürftige Person wird mittels eines standardisierten Briefes vom geplanten Begutachtungstermin verständigt. Wenn dies bei der Antragstellung vermerkt wurde, wird zusätzlich eine Vertrauensperson telefonisch kontaktiert. 

Wie läuft der Besuch bei der pflegebedürftigen Person ab?
Nach Sichtung der vorhandenen Befunde und Erhebung der Medikamente wird die pflegebedürftige Person zu den Beschwerden und den daraus resultierenden Einschränkungen im Alltag sowie zur Verwendung von Hilfsmitteln befragt. Ist das aufgrund des geistigen Zustandes nicht möglich, werden anwesende Betreuungspersonen in die Anamnese-Erhebung einbezogen. Je nach Krankheitsbild werden bei der Befragung und bei der körperlichen Untersuchung Schwerpunkte gesetzt. Es erfolgt jedenfalls eine Überprüfung des Seh- und Hörvermögens, der Gedächtnisleistung, der psychischen Verfassung, der Beweglichkeit einschließlich Gangbild und der allgemeinen körperlichen sowie kardiopulmonalen Belastbarkeit. Ein wichtiger Punkt ist auch die Erläuterung der Betreuungssituation hinsichtlich Art und Umfang, wobei Angaben aus einer vorhandenen Pflegedokumentation mitaufgenommen werden. 

Ist im Großteil der Fälle eine Vertrauensperson anwesend?
Vertrauenspersonen beziehungsweise Betreuungspersonen sind zumindest in der Hälfte der Fälle anwesend. Die ergänzenden Anmerkungen dieser Personen sind sehr wichtig für das Gesamtbild, um etwaige Schwankungen mitzubeurteilen. 

Wie viele Begutachtungen werden durchschnittlich in einem bestimmten Zeitraum vorgenommen?
Abhängig von der Zuteilung führe ich im Durchschnitt rund zehn Begutachtungen in der Woche aufgeteilt auf drei bis vier Nachmittage durch. Aufgrund meiner bereits 25-jährigen Tätigkeit in diesem Bereich handelt es sich um eine entsprechend große Anzahl. 

Es ist eine sensible Situation in einem intimen Rahmen – was ist hier wichtig?
Es ist wichtig, sich nicht auf den ersten Eindruck zu verlassen, die Befragung und die Untersuchung gründlich durchzuführen und ein:e gute:r Zuhörer:in zu sein. Wenn die Schilderung der Betreuungsperson hinsichtlich der festgestellten Defizite für die pflegebedürftige Person als verletzend erlebt wird, muss besonders behutsam vorgegangen werden. 

Wo liegen die Herausforderungen dieser Begutachtungstätigkeit?
Die Tätigkeit erfordert einerseits Empathie und andererseits die Fähigkeit, den Pflegebedarf anhand der gesetzlichen Vorgaben zu objektivieren. Es ist auch ein gewisses Organisationstalent notwendig, da die Termine selbst geplant werden müssen und es zu Verschiebungen oder kurzfristigen Absagen kommen kann. Man ist auf sich alleine gestellt und muss flexibel auf herausfordernde Situationen reagieren. 

Welche speziellen Erfahrungen können Sie teilen?
Die Bandbreite des Erlebten ist sehr groß. Es macht nachdenklich, wenn man auf Menschen trifft, die sehr einsam sind, oder sich in einer schwierigen sozialen Situation befinden. Andererseits ist es erfreulich, dass es auch im städtischen Bereich häufig eine gute Unterstützung durch Angehörige gibt. Wenn ein Bedarf erkennbar ist, gebe ich positive Rückmeldungen zu Erfahrungen mit beratenden Diensten und zu möglichen Betreuungsangeboten gerne weiter. 

Wie kann der für Betroffene bedeutungsvolle Termin gut gestaltet sein?
Mir ist am wichtigsten, dass die pflegebedürftigen Personen authentisch sind. Es ist aber hilfreich, wenn die wichtigsten Unterlagen auffindbar sind oder wenn im Vorfeld Notizen gemacht wurden. 

Was passiert nach erfolgtem Besuch, wie ist dann das weitere Prozedere?
Basierend auf den Erhebungen im Rahmen des Hausbesuches wird ein schlüssiges Gutachten erstellt, das auch die pflegerelevanten Diagnosen, eine zusammenfassende Beurteilung und einen Einstufungsvorschlag enthält. Das Gutachten wird auf elektronischem Weg an die PV übermittelt. Dort erfolgt die abschließende Beurteilung und in weiterer Folge die Bescheid-Erstellung. 

Was passiert bei einer Änderung im Pflegebedarf?
Wenn sich der Pflegebedarf ändert, wird nach Antragstellung eine neuerliche Begutachtung durchgeführt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text von Elke Jauk-Offner
Bilder von Dr. Staber, in Graz 2023 und shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 26.09.2023

Sturzgefahr: So lässt sich das Risiko minimieren!

Die Zahl der Unfalltoten hat in Österreich laut aktueller Zahlen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit den höchsten Wert seit 28 Jahren erreicht. Ganze 3.099 Personen sind 2022 bei Unfällen ums Leben gekommen. Zu den häufigsten Unfallursachen zählen Stürze, sie haben im Vorjahr österreichweit 1.006 Menschenleben gefordert. Ein hoher Anteil entfällt dabei auf die Altersgruppe 65+. „Von Sturzunfällen sind ältere Menschen besonders häufig betroffen, wobei bei Männern die Gefahr für tödliche Stürze bereits ab 50 Jahren deutlich zu steigen beginnt, bei Frauen etwas später. Zudem ereignet sich bereits mehr als ein Viertel aller tödlichen Stürze zu Hause. Hauptgründe sind Straucheln, Stolpern und Ausgleiten, gefolgt von Unfällen auf Stufen und Treppen“, erklärt  Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im Kuratorium für Verkehrssicherheit. Zudem wurden bei Unfällen im Hauhalt 306.000 Personen verletzt, fast 220.000 davon wiederum aufgrund von Stürzen. Trauner-Karner: „Die Sturzprävention zu Hause wird angesichts dessen, vor allem aber auch aufgrund der Alterung der Gesellschaft immer dringender.“

  • Bewegung machen!
    Wer sich regelmäßig bewegt und körperlich aktiv ist, trägt dazu bei, dass Muskelkraft und Gleichgewicht erhalten bleiben und reduziert somit auch das Risiko für Stürze.
  • Augen untersuchen lassen!
    Klare Sicht trägt maßgeblich dazu bei, Hindernisse und potenzielle Stolperfallen zu erkennen. Daher ist es wichtig, die Sehkraft regelmäßig überprüfen zu lassen – so können etwaige Sehprobleme erkannt und frühzeitig behandelt werden.
  • Medikamenten-Nebenwirkung beachten!
    Manche Medikamente können Schwindel und Benommenheit verursachen, was die Sturzgefahr natürlich wesentlich erhöht. Sollten solche Nebenwirkungen auftreten, sollten mit dem Arzt entsprechend Maßnahmen besprochen werden.
  • Stolperfallen beseitigen!
    Ob lose Teppiche, ungesicherte Teppichkanten, Schuhe, Putzutensilien oder lose Kabel – solche „Fallen“ sollten in Wohnräumen unbedingt beseitigt werden. Je weniger Hürden man sich in die Wohnung schafft, umso sicherer ist man unterwegs.
  • Hilfsmittel nutzen!
    Haltegriffe im Bereich von Treppen oder in der Dusche können die Sicherheit erhöhen. Bei Bedarf sollten auch Gehhilfen wie Stöcke oder Rollatoren verwendet werden, um das Gleichgewicht zu unterstützen und die Mobilität zu verbessern.
  • Auf gute Vitamin D- und Calcium-Versorgung achten!
    Vitamin D und Calcium fördern die Knochengesundheit und tragen somit dazu bei, das Risiko von Knochenbrüchen bei Stürzen zu reduzieren. Notwendigkeit und Einnahme vom Arzt abklären und verordnen lassen.
  • Wetterbericht beachten!
    Auch wenn man es im ersten Moment nicht glauben möchte, aber auch das Wetter hat einen wesentlichen Einfluss auf das Sturzrisiko. Umfangreiche Forschungen haben ergeben, dass vor allem vier Wettersituationen die Sturzwahrscheinlichkeit stark erhöhen. 

Und zwar:

  • Eis und Schnee!
    Wenn Wege eis- und schneebedeckt sind, herrscht aktue Rutsch- und damit auch Sturzgefahr! Das Haus nur mit gutem Schuhwerk verlassen, wenn möglich aber Termine verschieben und zuhause bleiben!
  • Hitzestress!
    Hohe Temperaturen können rasch zu Dehydrierung und in der Folge zu Schwächeanfällen und Stürzen führen. Daher: ausreichend trinken, im Schatten bleiben, Kopfbedeckung wählen und Überanstrengung meiden.
  • Kältestress!
    Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, womöglich in Kombination mit kräftigem Wind, führen sehr schnell zu einer Versteifung des Bewegungsapparates, zu Erfrierungserscheinungen und damit zu einer erhöhten Sturzgefahr. Bei großer Kälte am besten zuhause bleiben beziehungsweise nur in Begleitung und mit gutem Schuhwerk nach draußen gehen.
  • Wetterwechsel!
    Diese können bei empfindlichen Personen zu Unwohlsein und Kreislaufschwäche führen – in Kombination mit Föhn auch zu Kopfschmerzen und Migräne. All das führt häufig zu Stürzen. In der Wohnung Stolperfallen beseitigen (siehe oben!), ausreichend trinken und Überanstrengung meiden.

 

© Quelle: Kuratorium für Verkehrssicherheit

 

Text von Johanna Vucak
Bilder von KFVAPA Fotoservice Krisztian Juhasz und shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 21.09.2023

Der Weg zur Pflege – Pflegedrehscheibe des Landes Steiermark

Hilfe für Pflegebedürftige gelingt dann am besten, wenn die Betroffenen rechtzeitig kommen, weiß Alexandra Fähnrich. Als Leiterin der Pflegedrehscheibe an der BH Voitsberg ist sie eine der guten Feen, die Pflege zu Hause möglich machen. 

Seit 2018 gibt es die Pflegedrehscheibe, was muss man sich darunter vorstellen und was ist ihre Aufgabe?
Alexandra Fähnrich: Das ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen rund um die Pflege zu Hause. Das heißt, wir sind für alle interessierten Menschen da, die entweder selbst einen Betreuungsbedarf haben oder für die Angehörigen.

Kann man sagen, das ist bei der Betroffenen nach diesen fast fünf Jahren angekommen?
Ja. Wir wissen das aus den Rückmeldungen und den Zahlen. Darüber sind wir natürlich sehr froh.

Was ist durch die Pflegedrehscheibe anders und besser geworden?
Grundsätzlich erheben wir, was es im Bezirk an Betreuungsangeboten und Organisationen überhaupt gibt und was für Klient:innen konkret infrage kommt. Das vernetzen und koordinieren wir und können es dann individuell auf den konkreten Bedarf einer Klientin oder eines Klienten so zuschneidern, dass sie zu Hause gut versorgt sind. Auf dieser Basis machen wir auch Empfehlungen für das weitere Vorgehen. Oft geht es dabei auch um durchaus komplexe Anforderungen.

Gab es solche Anlaufstellen vorher nicht?
Es war etwas undurchsichtig. Es gibt tatsächlich sehr viele Angebote, aber da war kein Ort oder keine Stelle, wo das so transparent dargestellt wurde. Dadurch war es auch schwerer, individuell auf eine Problemstellung oder komplexere Anforderungen einzugehen. Häufig war die Gemeinde die Anlaufstelle der Menschen und da wurden auch Beratungen durchgeführt oder Unterstützungsleistungen. Aber gerade in den letzten Jahren ist eine große Zahl an Netzwerkpartner:innen und Sozialeinrichtungen hinzugekommen. Da ist es wichtig, den Überblick zu haben und den haben wir.  

Was muss man sich unter komplexeren Anforderungen vorstellen?
Davon sprechen wir, wenn mehrere Stellen zugezogen werden müssen. Zum Beispiel gibt es Fälle, in denen die Klient:innen nicht das soziale Gefüge oder Netzwerk haben, das sie bei gewissen Dingen unterstützen kann. Dann sage ich beispielsweise: „Herr X, bei Ihnen sehen wir einen Pflege- und Betreuungsbedarf. Sie haben Anspruch auf Pflegegeld. Wenn Sie damit einverstanden sind, können wir den Antrag gemeinsam ausfüllen. Wir können Ihre Befunde beim Hausarzt organisieren.“ Oft geht es um mobile Betreuungsdienste, die stundenweise nachhause kommen. Das können wir organisieren. Dann nehmen wir mit der betreffenden Organisation Kontakt auf, besprechen die Details im Beisein der Klient:innen oder ihrer Angehörigen und vereinbaren dort schon eine Aufnahme. Es kann sein, dass auch zusätzliche finanzielle Förderungen notwendig sind, dann beraten wir auch in diesem Bereich. Wenn gewünscht, füllen wir auch gemeinsam die Anträge aus und schicken sie auch zu den jeweiligen Einrichtungen. Mit dem Einverständnis der Klient:innen können wir in komplexeren Beratungssituationen tiefgreifend unterstützen. Wir stellen die Schnittstellen her und machen die Anträge. Nach einer gewissen Zeit evaluieren wir auch, ob alles ausreichend und passend ist oder ob man etwas ergänzen muss.

Mit welchem grundsätzlichen Anliegen kommen die Menschen eigentlich zur Pflegedrehscheibe?
Für uns sind die Wünsche der Klientinnen und Klienten vorrangig und das ist in den meisten Fällen: Sie wollen so lange wie möglich im häuslichen Umfeld versorgt und betreut werden. 

Die Leute, die sich an die Pflegedrehscheibe wenden, kommen sie als Bittsteller, die verzweifelt sind, oder als Fordernde?
Für mich ist es interessant zu sehen, wenn jemand erkennt, dass sie oder er Hilfe benötigt und dass diese Person diesen Weg auch beschreiten möchte. Das ist das Wichtigste überhaupt, dass man so früh wie möglich erkennt, wenn sich ein Bedarf abzeichnet oder sogar eintreten kann. Dann kann man präventiv Informationen einholen, was im Bedarfsfall alles möglich ist. Wenn Menschen mit dieser Einstellung kommen, ist es für mich geradezu imponierend. Ist ein Hilfsbedarf erkannt, braucht es ja eine gewisse Zeit, bis alles organisiert ist. 

Selbst zu erkennen, dass man Hilfe braucht, ist für viele eine große Hürde, auch für die Angehörigen. Da beginnt man abhängig zu werden von anderen. Wird diese Hürde für die mündigen und selbstbewussten Senior:innen unserer Zeit langsam weniger hoch?
Viele kommen zu uns, noch ehe es einen akuten Bedarf gibt. Sie wollen wissen, was sie machen können, wenn so ein Fall eintritt. Aber es ist wünschenswert, dass das mehr werden, dass die Leute früh genug kommen. Dann wissen sie, dass es bis zur konkreten Hilfestellung eine gewisse Vorlaufzeit braucht.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Arbeit genügend bekannt ist bei denen draußen, die sie brauchen?
Ich glaube, das ist auch ein Generationsdenken und dass das in Zukunft stärker kommen wird. 

Erleben Sie im Kontakt mit den Menschen auch Überraschungen?
Viele sind überrascht oder erstaunt und sagen: Das habe wir gar nicht gewusst, dass es diese Vielzahl an Möglichkeiten gibt.

Kommt es vor, dass den Menschen, die zu Ihnen kommen, erst bei diesem Kontakt bewusst wird, dass ihre Lebenssituation prekär oder gefährlich werden kann, zum Beispiel durch einen Sturz?
Ja, und darum ist auch so hilfreich, wenn wir Hausbesuche machen können. Da sehen wir das häusliche Setting und können darauf hinweisen: „Schauen Sie einmal, hier besteht eine erhöhte Sturzgefahr.“ Da können wir unser Wissen als qualifizierte und diplomierte Expertinnen weitergeben und das geht auch ganz stark in die Prävention. Das betrifft nicht nur den Bereich Sturzgefahr, sondern wir sehen auch, wie die Menschen sich ernähren und welchen Bedarf an Pflege und Betreuung im weiteren Sinn es gibt.

Vertrauen die Menschen Ihnen oder gibt es auch solche, die Ihnen mit Mistrauen begegnen?
Das uns ganz wichtig, denn anfangs sind wir fremde Personen, da ist ein gewisser Vertrauensaufbau ganz entscheidend. Da genügt manchmal nicht ein Gespräch, sondern es bedarf mehrerer Beratungen, bis eine Vertrauensbasis da ist. Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass das Angebot so niedrigschwellig wie möglich ist und natürlich vollkommen anonym. Das fängt schon mit den baulichen Umfeld an. Wenn Sie bei uns ins Haus kommen, kann niemand sehen, zu welcher Einrichtung Sie gehen. Wir haben hier die Caritas, die Lebenshilfe oder gewerbliche Gesundheitsdienstleister. Diese Anonymität schätzen die Leute sehr. 

Geht es bei Gesprächen in der Pflegedrehscheibe mehr ums Geld oder um Leistungen, die Sie vermitteln?
Grundsätzlich geht es primär um die konkrete Leistungen, die jemand individuell benötigt. Das ist aber natürlich in weiterer Folge mit Kosten verbunden und dann geht es um Pflegegeld oder um Förderungen für bestimmte Leistungen. Das geht ineinander über und ist natürlich Teil unserer Gespräche. 

Haben Sie auch selbst etwas gelernt in dieser Aufgabe?
Man lernt nie aus. Es gibt keinen Stillstand und Situationen ändern sich immer wieder. Ich bin hin und wieder selbst überrascht, was es an Möglichkeiten gibt und welche Erfolge wir erzielen.

Apropos Erfolg. Was macht Erfolg in diesem sensiblen Bereich für Sie aus?
Erfolg definiere ich so: Wenn ich für eine Person es genau so habe organisieren können, dass sie sich zu Hause sicher wohl und gut aufgehoben fühlt. Das ist ein Erfolgserlebnis für die Klient:innen, für ihr Umfeld und für uns.  

Beim Pflegegeld scheuen sich manche Menschen aus Scham, zuzugeben, welchen Bedarf sie eigentlich haben. Sie vergeben sich damit aber die Chance auf ein angemessenes Pflegegeld. Wie nehmen Sie das wahr?
Aufklärung in der Beratung ist auch hier ganz wichtig. Es steht ihnen ja zu, das Pflegegeld ist kein Almosen! Wir arbeiten da ganz eng mit den Hausärzt:innen zusammen, die kennen ja diese Personen. Eine wesentliche Information ist zu erklären, dass die Menschen durch das Pflegegeld Zugang zu konkreten Angeboten erhalten, die ihren Alltag verbessern. 

Sie selbst sind ursprünglich diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Wie hat sich dieser Beruf für Sie persönlich durch die Arbeit in der Pflegedrehscheibe verändert?
Ich war 19 Jahre leidenschaftlich als DGKP und wurde dann Lehrerin an einer Schule für Gesundheits- und Krankenpflege. Jetzt bin ich wieder in den direkten Klient:innenkontakt zurückgekehrt und bin sehr froh, dass ich wieder so nahe bei den Menschen sein und für sie da sein kann.

Text von Johannes Kübeck
Bild von Johannes Kübeck

 

Pflegedrehscheibe des Landes Steiermark

Was ist die Pflegedrehscheibe?
Die Pflegedrehscheibe ist die zentrale Anlaufstelle für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen. Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen helfen Pflegebedürftigen bzw. deren Angehörigen, die beste Art der Betreuung zu finden und bieten Betroffenen Beratung und Informationen über die verschiedenen Formen der Unterstützung und der Entlastung. Sie helfen ihnen dabei, rasch und verlässlich jene Hilfe zu bekommen, die sie brauchen.

Für wen ist die Pflegedrehscheibe gedacht?
Personen, die Informationen zur Betreuung und Pflege benötigen, und/oder Personen, die Unterstützung bei der Suche nach Lösungen in einer speziellen Pflegesituation brauchen.

Beratung und Unterstützung zu folgenden Themen:

  • Mobile Pflege- und Betreuungsdienste/Hauskrankenpflege
  • medizinische Hauskrankenpflege
  • mehrstündige Alltagsbegleitung
  • Tageszentren
  • Betreutes Wohnen
  • Pflegeheime/Pflegeplätze
  • Mobiles Palliativteam
  • Finanzielle Zuschüsse für pflegende Angehörige
  • Pflegekarenz, Pflegeteilzeit, Familienhospizkarenz
  • Erwachsenenschutz (vormals Sachwalterschaft),
  • Vorsorgevollmacht, Vertretungsbefugnis…
  • Essenszustellung
  • Pflegegeld
  • Hilfsmittel
  • 24-Stunden-Betreuung
  • psychiatrisches Unterstützungsangebot

Beitrag veröffentlicht am 19.09.2023

 

Mobil vor stationär

Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß über Wege der Entlastung in der Pflege, das neue Steiermark Tarifmodell zur Leistbarkeit von mobiler Unterstützung, die ausgerufene Bewegungsrevolution und das geflügelte Wort des alten Baumes, den man nicht verpflanzt.

Welchen Stellenwert haben mobile Angebote im Gesamtfeld der Pflege?
Meine Oma sagte immer: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ Mobile Pflege- und Betreuungsdienste sind der zentrale Baustein für die Zukunft im Pflegebereich. Pflege- und betreuungsbedürftige Menschen können in ihrer vertrauten Umgebung bedarfsgerecht und individuell versorgt werden. Pflegende Angehörige werden von Pflegefachkräften bei der medizinischen Versorgung oder alltäglichen Aktivitäten unterstützt. Zugleich werden stationäre Einrichtungen durch die Pflege und Betreuung zu Hause entlastet. 

Wie ist die Steiermark in diesem Bereich aufgestellt?
Die mobilen Pflege- und Betreuungsdienste werden von immer mehr Personen in Anspruch genommen. Damit dieser Aufwärtstrend weitergeht und mobile Dienste für alle Steirerinnen und Steirer leistbar sind, haben wir im Juli 2023 das „Steiermark Tarifmodell“ eingeführt. So ist sichergestellt, dass jede:r sich mobile Pflege leisten kann. Auch die 2019 eingeführte Alltagsbegleitung, die pflegende und betreuende Angehörige entlastet, wird gut angenommen. Pflege- und betreuungsbedürftige Personen werden gezielt durch körperliche und kognitive Aktivierung gefördert, bei Wegen außer Haus begleitet und haben eine Ansprechperson für Fragen des Alltags. Durch dieses Angebot, in Kombination mit Tageszentren und betreutem Wohnen, gelingt uns ein weiterer Lückenschluss zwischen der Hauskrankenpflege und der 24-Stunden-Betreuung.

Welche Maßnahmen braucht es, um mobile Dienste nicht zuletzt im Spannungsfeld der demographischen Entwicklung langfristig zu sichern?
Mit dem „Steiermark Tarifmodell“ ist uns ein wichtiger Schritt in Richtung „mobil vor stationär“ gelungen. Wir müssen weiter dranbleiben, Betreuung und Pflege in der Steiermark leistbar und verfügbar zu machen. Gleichzeitig sollen mobile Dienste noch attraktiver und passgenauer gestaltet werden, damit jede Steirerin und jeder Steirer die Form der Betreuung wählen kann, die möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu Hause ermöglicht.

Wie kann diese „Passgenauigkeit“ forciert werden?
Wichtig ist, dass pflege- und betreuungsbedürftige Personen und ihre Angehörigen wissen, welche Möglichkeiten es gibt. Nur dann können sie entscheiden, welche Variante die passende für ihre individuelle Situation ist. Die Broschüre des Landes Steiermark „Pflege[n] zu Hause“ und die Pflegedrehscheiben sind hier wichtige Wegweiser. Zugleich muss es uns gelingen, dass mobile Pflege- und Betreuungsdienste als attraktives Angebot gegenüber der stationären Langzeitpflege wahrgenommen werden. Damit sich das alle Steirerinnen und Steirer leisten können, haben wir das „Steiermark Tarifmodell“ ins Leben gerufen. Dadurch stellen wir sicher, dass den Kundinnen und Kunden jedenfalls ein Betrag in Höhe der Mindestpension übrigbleibt, wenn mobile Dienste in Anspruch genommen werden.

In welchen Bereichen ist der Bedarf besonders groß und inwieweit wird das Angebot künftig noch erweitert werden müssen?
Die Angebote werden in allen Bereichen – auch in der Langzeitpflege – zunehmend angenommen. Wir arbeiten daran, den mobilen Bereich sowohl für pflege- und betreuungsbedürftige Personen und ihre Angehörigen als auch für Pflegefachkräfte noch attraktiver zu gestalten. 

Das definierte Leistungsspektrum und die Erwartungshaltung betroffener Familien können durchaus divergieren. Wo braucht es da Sensibilisierung?
Bei jedem Träger mobiler Dienste werden im Vorfeld Aufklärungsgespräche mit den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen geführt, bei denen der genaue Pflege- und Betreuungsbedarf der betroffenen Person erhoben wird. Die Angehörigen werden dabei darüber informiert, welche Leistungen durch die Pflegefachkräfte erbracht werden dürfen und wo die gesetzlichen Grenzen liegen. 

Was wird getan, um mehr Menschen für den Beruf zu motivieren, aber auch, um Pflegefachkräfte langfristig zu halten?
Unsere – sehr erfolgreiche – Social-Media-Werbekampagne „Zeit für Pflege“ verweist interessierte Jugendliche an die neu geschaffene Beratungsstelle im LOGO-Jugendmanagement. Mithilfe der Beratungsstelle können wir nicht nur „face to face“ informieren, sondern auch das Vernetzen von Angeboten und deren Außenauftritt weiter voranbringen. Klar ist: Wir brauchen mehr Jugendliche und auch Quereinsteiger:innen für die Pflege. Die Rahmenbedingungen – zum Beispiel Gehalt – liegen nicht in der Kompetenz des Landes, jedoch müssen wir eben gemeinsam mit den Trägern, den Betreiber:innen der mobilen Dienste sehr genau hinschauen, wie wir diesem hochprofessionellen Beruf den Stellenwert geben können, den er verdient.

Was braucht es an Wissen, damit Pflegefachkräfte gerade mit Krankheitsbildern wie Demenz im Pflegealltag gut umgehen zu können?
Demenz hat viele Seiten und ist nicht nur für die Betroffenen, sondern vor allem auch für Angehörige und Pflegende eine große Herausforderung. Über das Bildungszentrum Haus der Gesundheit haben Pflegefachkräfte die Möglichkeit, sich über unterschiedlichste Aspekte der Arbeit mit Demenzkranken weiterzubilden. Zudem haben wir das Netzwerk Demenz Steiermark (needs) gegründet, um die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen zu verbessern. Dabei geht es um spezielle Versorgungsangebote, eine demenzgerechte Weiterentwicklung vorhandener Strukturen und die Sensibilisierung in der breiten Öffentlichkeit für das Krankheitsbild.

Was sind die aus Ihrer Sicht größten Herausforderungen für die Zukunft?
Gesundheit, Pflege und Betreuung sind sicher die größten Herausforderungen unserer Zeit. Um den Menschen möglichst viele gesunde Lebensjahre zu ermöglichen, haben wir in der Steiermark die Bewegungsrevolution ausgerufen. Wir wollen die Menschen zur niederschwelligen Alltagsbewegung motivieren. Dabei geht es nicht um Leistungssport – mit jedem gegangenen Schritt und jeder Minute an der frischen Luft tut man sich selbst und seiner Gesundheit etwas Gutes. Das gilt für Menschen jeden Alters. 

Text von Elke Jauk-Offner
Bild von Maija Kanizaj
Beitrag veröffentlicht am 14.09.2023

Eiertanz um Meldepflicht

„Mancher gibt sich viele Müh’, mit dem lieben Federvieh. Einesteils der Eier wegen …“ So lässt Wilhelm Busch den ersten Streich von Max und Moritz beginnen und hat damit dem ebenso drolligen wie nützlichen (und auch schmackhaften) Federvieh ein unauslöschliches Denkmal gesetzt. Was der humoristische Dichter damals noch nicht wissen konnte: dass diese Vögel auch bunte Eier legen können und dass sie es einmal zum beliebten Haustier auch in städtischen Bereichen – Tendenz steigend – bringen werden.

W enn nun Renate Rosbaud in ihrem liebenswerten Bericht von den Henderln im Garten und dem eigenen „biologischer geht’s nicht mehr“-Ei auf dem Frühstückstisch schwärmt, gilt es doch einige „Aber“ ins Kalkül miteinzubeziehen.

Aber der Hahn
Aber die Nachbarn
Aber die Ämter und Behörden
Nun der Reihe nach: Hühner wie anderes Geflügel fallen unter Kleintiere und dürfen für private Zwecke ohne Genehmigung gehalten werden, sofern diese ortsüblich ist. Da ist aber der liebe Hahn, der schon vor dem Morgengrauen zu krähen pflegt und in unzähligen Fällen den Grund für den „Krieg über den Gartenzaun“ abgibt. Wohlgemerkt – die Hühner legen ihre Eier auch ohne ihren Gebieter, ihr Gackern stellt keine besondere Quelle von Lärmärgernissen dar, eine kurze, jedoch unüberhörbare Verkündigung, dass sie ihre Legeleistung vollbracht haben, vielmehr ist es nicht. 

Trotzdem bemüht die Hühnerhaltung – je städtischer das Umfeld, desto beschäftigter die Advokaten – Gerichte angefangen von Zivilgerichten über Landesverwaltungsgerichte bis zum Verwaltungsgerichtshof und dem Obersten Gerichtshof. Um prozessuale Auswüchse dieser Art zu vermeiden, empfehlen sich zwei bewährte Vorgangsweisen: Ehe das erste Huhn im Garten scharrt, ein Gespräch mit den Nachbarn und deren Zustimmung einholen und sie nicht vor vollendetete Tatsachen stellen. Im Zweifel auch beim Gemeindeamt nachfragen, wie das Wohngebiet im Flächenwidmungsplan ausgewiesen ist, die Frage der Ortsüblichkeit klären, diese gilt als Richtschnur und darf nicht überschritten werden. Zuständig für Lärmbelästigungen wäre dann, so Mag. Dr. Manfred Kindermann von der für die Gemeinden zuständigen Abteilung 7 des Landes Steiermark, das Sicherheitsgesetz.

Bei Einhaltung vorbildlicher Gesetzestreue wird der zukünftige Hühnerhalter auch mit dem § 14 des Tiergesundheitsgesetzes Bekanntschaft machen. Dieser Paragraph schreibt ihm nämlich vor, den Geflügelbestand, egal ob auch nur ein Tier oder mehrere, innerhalb einer Woche nach Anschaffung bei der Tierseuchenkasse zu melden. Kostet nichts, funktioniert in einigen anderen Bundesländern auch online, ist jedoch in der Steiermark mit einem Besuch bei der jeweils zuständigen Bezirkshauptmannschaft verbunden. Rechtliche Konsequenzen bei Nichtbefolgung der Meldepflicht können sich ergeben, wenn dadurch eine Ausweitung der Vogelgrippe nachgewiesen werden kann. Bei der Errichtung eines Stalles sollte man sich mit der Bauordnung befassen und bei der Einrichtung desselben mit dem Tierschutzgesetz. 

Soviel zum Thema „Ämter und Behörden“ oder „Haushuhn und Amtsschimmel“.

Text von Dieter Rupnik
Bild von shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 31.08.2023

Grazer Seniorenbundobmann strikt gegen den EU-Plan „Fahrtauglichkeits-Check“

Der Obmann des Grazer Seniorenbundes Bundesrat Ernest Schwindsackl spricht sich gegen den EU-Plan aus, dass sich Senioren:innen ab 70 Jahren ohne weiteren Anlass regelmäßig einem Tauglichkeitstest unterziehen sollten. Er sieht in diesen Überlegungen eine weitere Form der Altersdiskriminierung.

Die EU plant, die Führerscheinrichtlinie zu überarbeiten. Studien hätten gezeigt, dass bestimmte Indikationen wie Drogenmissbrauch, psychische Erkrankungen, Epilepsie oder Herzerkrankungen nicht zwangsläufig mit dem Alter zusammenhängen, aber das „Altern“ doch einen Unsicherheitsfaktor im Straßenverkehr darstellt.

Das Altern ist ein schleichender Prozess. Bereits ab 50 Jahren verschlechtern sich Sinne wie Sehen und Hören.
Die Altersgrenze ab 70 zu setzen und anschließend alle fünf Jahre die Fahrtauglichkeit überprüfen zu lassen, sieht daher der Seniorenvertreter an den „Haaren herbeigezogen“ und altersdiskriminierend!
Die heute 70-Jährigen sind die ehemaligen 60-Jährigen und voll in die unterschiedlichsten Freizeit und Arbeitsprozesse eingebunden.
Die Wirtschaft sucht händeringend nach Personen mit Erfahrung und Einsatzwillen nach der gesetzlichen Pensionierung.
Senioren:innen halten durch Autofahren ihre Eigenständigkeit aufrecht, Einkaufs/Ausflugs – und Arztbesuche seien beispielgebend angeführt!
Auch der Wirtschaftsfaktor „Autokauf“ im Alter ist gegeben.

Zwar könne es mit zunehmendem Alter zu Leistungseinbußen kommen, dennoch sei das Unfallrisiko älterer Kraftfahrer nicht außergewöhnlich hoch.  Gerade ältere Verkehrsteilnehmer zeichnen sich durch situationsangepassten Fahrstil sowie vorausschauendes Fahren aus.

Die Fahrtüchtigkeit überprüfen zu lassen, sollte jedem freiwillig überlassen bleiben, ein Test erkennt mangelnde Wahrnehmungs – und Reaktionsfähigkeit, so der Grazer Seniorenobmann Schwindsackl.

Auch die Fahrsicherheitstests der Automobilvereine werden derzeit schon von vielen Senioren:innen zur eigenen Sicherheit, wie der im Straßenverkehr teilnehmenden Personen, wahrgenommen.

Am Ende steht immer der Appell an die Vernunft des Einzelnen. Wenn es nicht mehr geht mit dem Autofahren im Alter, dann ist der beste Tipp immer noch der, den Führerschein rechtzeitig abzugeben, dazu bedarf es keiner gesetzlichen Aufforderung, schließt der Grazer Seniorenobmann.

Bilder beigestellt und von shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 24.08.2023

Gut fürs Gehirn

Wie Bewegung die Hirnaktivität positiv beeinflusst, erläutert Eva M. Stögerer-Oberschmid von der Klinischen Abteilung für Neurogeriatrie der Univ.-Klinik für Neurologie in Graz.

Welche Vorteile hat regelmäßiger Sport im Alter gerade auch für das Gehirn?
Durch zahlreiche Untersuchungen und die Verbesserung von bildgebenden Verfahren des Gehirns konnte in den letzten Jahren festgestellt werden, dass es einen Zusammenhang zwischen körperlicher Bewegung und Hirnaktivität gibt. Training bis ins hohe Erwachsenenalter kann die Neuroplastizität des Gehirns beeinflussen und die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern. 

Wie funktioniert das genau?
Die körperliche Aktivität wirkt im Gehirn als „Stimulator“. Vor allem die Neurogenese im Hippocampus wird als besonders relevant angesehen. Der Hippocampus ist eine wichtige Gehirnregion, die bei Lernprozessen und der Merkfähigkeit eine wesentliche Rolle spielt. Es konnte nachgewiesen werden, dass sich durch eine körperliche Betätigung in Form von Ausdauertraining die Anzahl der neu gebildeten Nervenzellen verdoppeln lässt. Dieser Effekt nimmt mit den Jahren ab, ist aber bis ins hohe Alter nachweisbar. 

Was sind die positiven Auswirkungen dieses Zusammenhangs?
Regelmäßige körperliche Bewegung reduziert sowohl das allgemeine Demenzrisiko als auch das spezielle Alzheimerrisiko zumindest kurz- beziehungsweise mittelfristig. Über die langfristige Risikoreduktion gibt es noch keine ausreichende Datenlage. Neben der Aktivierung der Neurone ist durch körperliche Aktivität auch eine Erhöhung von Neurotransmittern zu erwarten – vor allem Serotonin, Dopamin und Noradrenalin –, welche die Kommunikation zwischen den Nervenzellen verbessert. Nicht zuletzt wirkt sich die Kräftigung der Muskulatur und der Balancefähigkeit auf ein vermindertes Sturzrisiko aus.

Text von Elke Jauk-Offner
Bilder von LKH-Univ-Klinikum Graz/Laura Schaffelhofer und shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 22.08.2023