Politik-Montag: Doris Kampus – Dort hinschauen wo es nicht gut läuft

Zur Sorge Corona kam auch die Sorge Inflation. Mag. Doris Kampus (54), die Soziallandesrätin der Steiermark, hat besonders die Schwächsten in der Gesellschaft im Visier.

Die ältere Generation hat schon seit zwei Jahren mit der Corona-Pandemie zu kämpfen. Was macht das mit den Menschen?

DORIS KAMPUS: Was die sozialen und psychologischen Aspekte betrifft, machen mir zwei Gruppen besonders Sorge. Das sind die Kinder und die Jugendlichen und natürlich die älteren Menschen. Das sieht man auch in der Seniorenstudie von Abenteuer Alter, zu der ich nur gratulieren kann. Auch wenn diese Ergebnisse sich auf die Zeit vor der Pandemie beziehen, zeigen sie, wie groß das Thema Einsamkeit bei den Älteren ist. Ich freue mich, dass diese Studie zeigt, wie viele ältere Steirerinnen und Steirer sich wohlfühlen und dass es ihnen gut geht. Aber mein Job als Soziallandesrätin ist es, dort hinzuschauen, wo es nicht so gut läuft.

Glauben Sie, die Befragten stellen ihre Befindlichkeit besser dar als sie ist?

KAMPUS: Viele in dieser Generation geben nicht so gerne zu, dass es ihnen nicht so gut geht. Ich glaube, unsere gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe muss es sein, da hinzuschauen. Wenn man die Oma fragt, wie geht es dir, sagt sie: ‚Passt schon, passt schon‘. Das sagt sie sogar, wenn etwas nicht mehr passt. Ich glaube, diese Gruppe ist unter Corona eher größer geworden. Die Menschen haben sich ein Stück zurückgezogen. Das macht mir große Sorgen.

Braucht es vielleicht neue Wege, um in dieser Situation an die Seniorinnen und Senioren heranzukommen?

KAMPUS: Ich bin kein ausgesprochener Fan der neuen Medien, aber sie sind schon auch eine Chance, wie man noch teilhaben kann. In den Familien hat das geholfen, indem die Großeltern über Whatsapp trotz Lockdown etwas Verbindung mit den Enkeln hatten. Das macht viel aus, dass man auch die ältere Generation auf diese Weise einbindet. Auch die Seniorenverbände haben sich darauf eingestellt. Sie bieten jetzt Schulungen und Kurse an, damit sich diese Welt für alle öffnet. Wir beteiligen uns da durch die Finanzierung etwa des Seniorenbeirates oder von Computerkursen.

Zur Sorge wegen Corona ist für viele Menschen die Sorge um’s Geld gekommen, weil die Inflation so stark geworden ist wie seit vielen Jahren nicht mehr. Wie sehen Sie das?

KAMPUS: Die Teuerungswelle trifft die Älteren doppelt hart. Wir haben Zahlen dazu, die mich betroffen machen, weil die Teuerung vor allem die Gruppe 60+ sehr trifft. Wir haben zum Glück zwei Instrumente, mit denen wir das teurer gewordene Wohnen unterstützen, die Wohnunterstützung und der Heizkostenzuschuss. Bei der Wohnunterstützung sind mehr als die Hälfte der 8.000 Bezieher Pensionistinnen und Pensionisten. Das finde ich ganz schlimm. Beim Heizkostenzuschuss sind es mehr als zwei Drittel von fast 9.000. Wir haben den Heizkostenzuschuss von 120 auf 170 Euro erhöht, um dagegenzuhalten, aber da braucht es auch andere Bemühungen, zum Beispiel bei der Höhe der Pensionen.

Die Älteren wissen aus ihrem Leben, was Inflation ist, die jüngeren Generationen aber nicht. Hilft dieses Wissen etwas?

KAMPUS: Die, für die ich mich zuständig fühle, also MindestpensionistInnen oder BezieherInnen der Ausgleichzulage, sind ganz besonders betroffen. Wir brauchen im Sozialsystem mehrere Stellschrauben, einen Teil davon machen wir in der Steiermark mit diesen Hilfen beim Wohnen und Heizen und in anderen Bereichen. Wir brauchen aber auch eine Bundesregierung, die bei den Pensionen hinschaut. Und es ist verstörend, dass es noch immer und massiv zur Diskriminierung der Älteren kommt, nur auf Grund von Alter. Bei den Banken fragen sie, braucht man im Alter wirklich unbedingt einen Kredit? Aber auch in dieser Generation hat man zum Glück viele Wünsche, aber auch Notwendigkeiten. Man muss ein Bad umbauen oder andere altersgerechte Investitionen vornehmen. Was es im Bereich der Banken und Versicherungen immer noch an Altersdiskriminierung gibt, ist unglaublich.

Zu den Leistungen Ihres Ressorts gehört auch die Seniorenurlaubsaktion. Wie ist die unter Corona-Bedingungen gelaufen?

KAMPUS: Wie andere Entwicklungen. 2020 durften wir es gar nicht anbieten wegen der Corona-Lage. 2021 haben wir es wieder angeboten, aber die Nachfrage war schaumgebremst. Wir hätten mehr Plätze für diese Urlaube gehabt als in Anspruch genommen wurden. Ich schätze diese Möglichkeit sehr und treffe mich mit den Leuten und plaudere gern mit ihnen. Da gibt es teilweise Gruppen aus den Bezirken, wo man sich untereinander schon kennt. Ganz viele sind im Vorjahr aber nicht mitgefahren, weil sie sich nicht getraut haben. Für mich wäre es das Schlimmste, würde das so bleiben.

Die Seniorenstudie von Abenteuer Alter hat ergeben, dass viele dieser Altersgruppe noch arbeiten. Was halten Sie davon?

KAMPUS: Ich befürchte, diese Medaille hat zwei Seiten. Es gibt eine Gruppe, die das nicht ganz freiwillig macht, weil ihre Pension zu gering ist, um den Lebensstandard halbwegs zu halten. Das gefällt mir nicht, weil eigentlich sollten die Pensionen in Österreich für Menschen, die so lange gearbeitet haben, so sein, dass man gut  davon leben kann. Natürlich kommt noch die Frauenproblematik dazu: Sie haben weniger Versicherungsjahre, die Kinder betreut, und oft nur halbtags gearbeitet. Die andere Seite der Medaille sagt: ‚Jetzt bin ich Anfang 60, eigentlich geht es mir super, aber ich würde gerne noch Anteil haben und ich mache nebenher noch was‘. Das finde ich super. Und dazu kommt, dass wir jetzt auf dem Arbeitsmarkt die Chance, ein besonderes Zeitfenster, haben. Bisher hat es immer mehr Angebot als Nachfrage gegeben und jetzt ist daserstmals anders. Die Betriebe suchen händeringend Leute und jetzt haben erstmals auch Menschen der Generation 50+ eine realistische Jobchance.

Der Pflegenotstand wegen des Personalmangels in Spitälern und Heimen ist ein großes Problem, das zum Teil auch in Ihre Zuständigkeit fällt. Was muss geschehen, dass die Pflege gerade für die Älteren nicht zusammenbricht?

KAMPUS: Gemeinsam mit meiner Kollegin Juliane Bogner-Strauß bringen wir da einiges weiter. Wir haben schon vor fünf Jahren eine Pflegestiftung ins Leben gerufen, die hat schon 1.500 Arbeitslose ausgebildet oder sie sind in Ausbildung. Der Bedarf steigt nicht nur wegen der demografischen Entwicklung, sondern zum Beispiel auch deshalb, weil viele Pflegende am Ende ihrer Kräfte sind und eine Auszeit brauchen.

Beitrag veröffentlicht am 06.04.2022
© Peter Drechsler
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Was erlaubt ist und was nicht

In Österreich tritt am Dienstag ein deutlich verschärfter Lockdown in Kraft. Die Regeln im Überblick.

Der Handel schließt mit wenigen Ausnahmen, die Schulen stellen auf Fernunterricht um, es gibt ganztägige Ausgangsbeschränkungen und Treffen sind nur noch mit dem Lebenspartner, einzelnen engsten Angehörigen und wichtigsten Bezugspersonen erlaubt. Die Maßnahmen treten am 17. November in Kraft und gelten bis vorerst 6. Dezember.

Den eigenen privaten Wohnbereich darf man nun nur noch aus bestimmten Gründen verlassen: die Fahrt in die Arbeit, der Einkauf von „Grundgütern“ und der Gang zur medizinischen Versorgung. Auch der Aufenthalt im Freien zur „körperlichen und psychischen Erholung“ ist gestattet, etwa Spaziergänge und Individualsport. Weiterhin erlaubt sind die Betreuung unterstützungsbedürftiger Personen, die Versorgung von Tieren, der Gang auf den Friedhof und der Besuch religiöser Einrichtungen.  Raus darf man auch zur Abwendung von unmittelbaren Gefahren für Leib, Leben und Eigentum.

Kontakte mit nicht haushaltszugehörigen Personen sollen drastisch reduziert werden. Ein Haushalt soll sich jeweils nur noch mit einer einzelnen haushaltsfremden Personen treffen. Die Gastronomie bleibt geschlossen, die Abholung von Speisen und Getränke ist zwischen 6 und 19 Uhr erlaubt. Lieferservices sind rund um die Uhr gestattetet. Friseur- und Kosmetikstudios sowie Massagepraxen schließen. Offen bleiben Lebensmittelhandel, Gesundheitsbereich, Agrar- und Tierfutterhandel, Tankstellen, Banken, Post, Handyshops, Trafiken, Abfallentsorger, Putzereien, Fahrrad- und Kfz-Werkstätten.  Hotels und Beherbergungsbetriebe bleiben für Touristen geschlossen. Ausnahmen gibt es etwa für Geschäftsreisende.

Sämtliche Sportanlagen für Freizeitsportler werden gesperrt, alle Kontaktsportarten sind untersagt. Individualsport im Freien ohne Körperkontakt bleibt erlaubt. Der Profibereich bleibt aufrecht. Freizeiteinrichtungen wie Fitnessstudios, Bäder, Bibliotheken, Museen, Kinos, Theater und Tierparks bleiben geschlossen.

In Spitälern und Pflegeeinrichtungen ist nur noch ein Patientenbesuch pro Woche möglich. An Begräbnissen dürfen wie bisher maximal 50 Personen teilnehmen. In Innenräumen von Religionsgemeinschaften muss jedenfalls ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

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Beitrag veröffentlicht am 16. November 2020

Offene Fragen zum Impfstoff-Kandidaten

Biotech und Pfizer haben Erfolge bei der Entwicklung eines CoV-Impfstoffs verlautbart, es sind allerdings noch einige Fragen ungeklärt. Die EU hat einen Vertrag mit den Pharmaunternehmen geschlossen. Die Mehrheit der Österreicher ist offen für die Impfung.

Allerdings sind noch viele Fragen offen. „Die genauen Daten zu den Zwischenergebnissen sind uns aber noch nicht zugänglich“, kommentierte Ursula Wiedermann-Schmidt, Impfexpertin und Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin an der Medizinuni Wien im Ö1-Morgenjournal am Dienstag. Noch keine Antwort gibt es auf die Frage, wie lange die Impfung vor Covid-19 schützt.

Leif-Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité, betonte, auch zu möglichen Nebenwirkungen lasse sich noch nicht allzu viel sagen. Der Beobachtungszeitraum für relevante Impfnebenwirkungen sei noch zu kurz. Unklar sei auch, ob der Impfstoff in verschiedenen Gruppen – insbesondere Risikogruppen wie älteren Menschen – gleichermaßen effizient wirkt und wie sehr die Impfung vor schweren Verläufen von Covid-19 schützt.

Von einer hohen Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent zeigten sich Experten überrascht. Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing: „Dies ist bemerkenswert, da viele laufende Impfstudien zu Covid-19 derzeit lediglich eine Erfolgsquote von mindestens 50 Prozent voraussetzen.“ Auch die US-Zulassungsbehörde FDA hatte eine Wirksamkeit von 50 Prozent als Mindestwert für eine mögliche Zulassung festgelegt. Die EU-Kommission hat bereits einen Vertrag mit den Pharmafirmen Biontech und Pfizer geschlossen. In einem Vorvertrag mit den beiden Unternehmen sicherte sich die EU-Kommission 200 Millionen Dosen. Für weitere 100 Millionen gibt es eine Option.

Rund 54 Prozent der Österreicher würden sich übrigens gegen Covid-19 impfen lassen, sollte es einen Impfstoff geben. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Online-Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK unter 1.005 Teilnehmern, die von Ende September bis Anfang Oktober durchgeführt wurde.

Beitrag veröffentlicht am 11. November 2020
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Lockdown ab Mitternacht

Während die Infektionszahlen weiter steigen, soll der zweite Lockdown eine Trendwende bringen. Die Regeln gelten ab 3. November.

In den heimischen Spitälern wird die Lage brisanter: Um 78 mehr Intensivpatienten wurden innerhalb einer Woche verzeichnet. Am Montag befanden sich bei 4.135 Neuinfektionen binnen eines Tages 2.161 Patienten im Krankenhaus. Das sind um 213 Menschen mehr als gestern. Vor allem das Personal könnte zuallererst knapp werden, warnen Intensivmediziner.

Eine Trendwende mit Mitte November soll durch den neuerlichen Lockdown ab morgen erreicht werden. Die Regeln treten ab Mitternacht in Kraft. Mit einer Ausgangssperre zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr früh sollen private Feiern unterbunden und soziale Kontakte minimiert werden.

Tagsüber gibt es auch für Treffen in Gärten, Garagen und Schuppen Einschränkungen. Erlaubt sind nur Personen aus einem zweiten Haushalt, die Sechs-Personen-Obergrenze darf nicht überschritten werden. Ausgangsbeschränkungen gibt es tagsüber keine. Spaziergänge oder Joggen sind auch abends erlaubt. Darüber hinaus dürfen Lebenspartner nach 20 Uhr noch besucht werden.

Freizeiteinrichtungen wie Fitnessstudios, Tanzschulen und Hallenbäder schließen. Dasselbe gilt für Theater und Kinos. Kontaktsportarten im Freien sind untersagt, darunter fällt beispielsweise auch Fußball. Gibt es keinen Körperkontakt – etwa Golf, Tennis oder Leichtathletik – bleiben die Outdoor-Sportstätten zugänglich.

Schulen und Kindergärten bleiben offen, in der Oberstufe hält aber Homeschooling wieder Einzug. Geschäfte werden grundsätzlich nicht geschlossen, allerdings gibt es je nach verfügbarer Fläche – ein Kunde pro zehn Quadratmeter – Zugangsbeschränkungen. Touristen dürfen nicht mehr in Hotels nächtigen, nur Geschäftsreisenden ist das erlaubt.

Beitrag veröffentlicht am 2. November 2020
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Allerheiligen-Wochenende im Zeichen von Corona

Neue Maßnahmen werden von der Regierung am Samstag bekanntgegeben. Gottesdienste auf Friedhöfen entfallen, stattdessen ist eine Do-it-yourself-Segnung möglich.

Die CoV-Ampelkommission hat entschieden: Ganz Österreich wird auf Rot gestellt. Es ist eine Premiere. Bei keiner Schaltung bislang wurde eine Gesamteinschätzung vorgenommen. Zusätzlich gibt es Risikoeinstufungen auf Bundesländer- und Bezirksebene. In der Steiermark herrscht mit Ausnahme des gelben Bezirks Murau Rot vor.

Die Regierung will am Samstag neue Schritte gegen die Ausbreitung des Coronavirus bekanntgeben, ein neuerlicher Lockdown wird erwartet. Sollten die derzeit hohen Neuinfektionszahlen weiter steigen, drohe bereits „Mitte, Ende November“ die Überlastung der Intensivstationen, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Wie genau ein zweiter Lockdown aussehen wird,

An den Tagen rund um Allerheiligen, die sonst von vielen Gräbersegnungen und zahlreichen Familientreffen bestimmt werden, wird in diesem Jahr allerorts Zurückhaltung nahegelegt. Die Bischofskonferenz rät von größeren Familienzusammenkünften ab, Gottesdienste auf den Friedhöfen entfallen überhaupt. Es gibt jedoch Übertragungen online, im Fernsehen und im Radio wie beispielsweise die Homepage der Diözese Graz-Seckau informiert. Viele Pfarren verteilen Weihwasserfläschchen für die eigene „Do-it-yourself“-Segnung der Grabstätten, da alle Getauften um Gottes Segen bitten dürfen.

Beitrag veröffentlicht am 30. Oktober 2020
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Zweiter Lockdown beim Nachbarn

In steirischen Spitälern gibt es seit heute Besuchsverbote. Auch in Westösterreich spitzt sich die Lage zu. Deutschland geht in einen zweiten Lockdown.

Die Kapazitäten in den steirischen Landeskrankenhäusern sind teilweise am Limit. Mittwoch wurde daher wieder ein Besuchsverbot für diese Spitäler verhängt. Ausnahmen gibt es nur in Einzelfällen – etwa bei Geburten, bei der Begleitung von Kindern oder wenn bei einem Patienten Lebensgefahr besteht. In Oberösterreich werden bereits planbare Operationen verschoben, derartige Überlegungen gibt es auch in Wien, Salzburg, Tirol und der Steiermark.

Auch in Westösterreich spitzt sich die Lage zu. Rekordwerte wurden bei den 7-Tage-Inzidenzen verzeichnet. Laut Agentur r Gesundheit und Ernährungssicherheit lagen vor allem in den westlichen Bundesländern Vorarlberg, Tirol und Salzburg die Neuinfektionen mit dem Coronavirus knapp unter beziehungsweise bereits über dem Wert von 300 je 100.000 Einwohner. Vor noch nicht einmal zwei Wochen lagen Tirol und Salzburg bei jeweils 139,8, Vorarlberg bei 124,8. Österreichweit lag der Wert zuletzt bei 214.

Inzwischen wird auch wieder der Ruf nach der Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung laut, die Ende August ausgelaufen ist. Arbeitnehmervertreter bei der Österreichischen Gesundheitskasse drängen auf die Wiedereinführung, weil Sorge wegen einer Überlastung von Arztpraxen besteht. Auch die steirischen Gesundheitsbehörden stoßen beim Contact Tracing zusehends an ihre Grenzen, weil die Zahlen steigen und das Personal fehlt.

In Deutschland wurde heute bekanntgegeben: Am 2. November soll ein zweiter Lockdown beginnen. Freizeiteinrichtungen sollen schließen, Lokale ebenso – nur die Lieferung und Abholung von Speisen soll noch möglich sein. Einzelhandel, Schulen und Kindergärten bleiben offen.

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Beitrag veröffentlicht am 29.10.2020

Corona-Regeln ändern sich

Die neue Verordnung gilt ab Sonntag und bringt mehr Abstandsvorgaben und strengere NMS-Pflicht mit sich.

Der Mund-Nasen-Schutz muss künftig eng anliegen. Gesichtsschilde und Kinnvisiere sind nach einer zweiwöchigen Übergangsfrist mit 7. November 2020 verboten. Beim Betreten öffentlicher Orte in geschlossenen Räumen  – etwa eine unterirdische Passage – ist wie bei Indoor- und Outdoor-Veranstaltungen ein Mund-Nasen-Schutz vorgeschrieben. Er ist auch in U-Bahn-Stationen, auf Bahnsteigen, Haltestellen, Bahnhöfen und Flughäfen verpflichtend. Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen kann, muss das durch eine ärztliche Bestätigung nachweisen.

Der Abstand von einem Meter im öffentlichen Raum wird wieder als rechtsverbindlich verankert.  Ausnahmen: Personen, die in einem Haushalt leben, Gruppen bis höchstens sechs Personen plus maximal sechs Kinder bis 18 Jahre, Menschen mit Behinderungen und deren Begleitpersonen. Im Flugzeug sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln kann der Mindestabstand in Ausnahmefällen unterschritten werden. Daher ist hier der MNS verpflichtend.

Neu ist, dass nach der Sperrstunde alkoholische Getränke im Umkreis von 50 Metern um einen Gastronomiebetrieb nicht konsumiert werden dürfen. Das gilt auch für Tankstellenshops mit Gastronomielizenz sowie für Imbissstände.

Beim Betreten von Alten-, Pflege- und Behindertenwohnheimen besteht ab Sonntag auch für Bewohner in nicht zum Wohnbereich gehörenden Bereichen eine NMS-Verpflichtung. Ausgenommen sind jene, denen das aus gesundheitlichen Gründen nicht zugemutet werden kann. Bei allen Schutzmaßnahmen sollen Härtefälle vermieden werden.

Was Proben und Aufführungen von Chören und Musikkapellen betrifft, dürfen im Amateurbereich künftig nur noch sechs Personen indoor und zwölf Personen outdoor teilnehmen. Bei Begräbnissen wird die Teilnehmerzahl mit 100 limitiert.

Ab heute sind 21 Bezirke beziehungsweise Regionen in sieben Bundesländern neu auf Rot gestellt. Einzig Kärnten hat noch keinen roten Bezirk.

Beitrag veröffentlicht am 23. Oktober 2020
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Stress sinkt, Sorgen wachsen

Lebenswertgefühl trotz Corona gestiegen, viele haben fallweise psychische Probleme,  Spazierengehen „Stresskiller“ Nummer Eins – die Ergebnisse einer Umfrage.

Corona verändert das heimische Gesundheitsbewusstsein, hat eine Umfrage der Allianz zu Tage gefördert. „Die Österreicherinnen und Österreicher betrachten ihr Leben auch in der Corona-Krise als sehr lebenswert. Gleichauf mit der Familie ist Gesundheit zum wichtigsten Faktor des Lebens geworden“, so Christoph Marek, Vorstand der Allianz Österreich im Zuge des neu erschienenen Allianz Gesundheitsbarometers.

hrend der Stress – privat wie beruflich – eher zurückgegangen ist, sind die Sorgen deutlich gewachsen. Bereits 68 Prozent sind fallweise von psychischen oder mentalen Problemen betroffen. Den Arztbesuch scheut immer noch jeder Vierte, um Ansteckungsgefahren zu vermeiden. Gleichzeitig sind Ärzte neben dem Internet die häufigste Informationsquelle. 63 Prozent der Bevölkerung achten mehr als bisher auf die Einhaltung von Hygienemaßnahmen.

Zugenommen hat in dieser Zeit auch der Stellenwert von Familie, Freunden und sozialen Kontakten, der noch vor Karriere, Partnerschaft und Freizeit liegt. 54 Prozent der Befragten gaben an, einen gesunden Lebensstil zu pflegen, nicht zu rauchen, wenig Alkohol zu trinken und auf ausreichend Schlaf zu achten. 72 Prozent der Menschen fühlen sich insgesamt gesund – ein Wert, der seit Jahren weitgehend konstant geblieben ist. In erstaunliche Höhen ist während Corona aber das allgemeine Lebenswertgefühl gestiegen, nicht zuletzt durch die teilweise Entschleunigung: 8,26 auf einer zehnstufigen Skala.

Das Gesundheitsbarometer zeigt auch die Kehrseite der Medaille. Gerade die 14-29- Jährigen fühlen sich oft mit ihren Problemen allein gelassen. Zehn Prozent der Befragten haben wiederkehrende Angststörungen und Panikattacken. Es ist davon auszugehen, dass die Krise in den vergangenen Monaten diesen Negativtrend stark befeuert hat. Die Angst vor einer Corona-Infektion innerhalb der Familie ist mit 41 Prozent größer als die Angst, sich selbst anzustecken – davor fürchten sich laut Umfrage 29 Prozent.

11 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher über 14 Jahren, also rund 800.000 Personen, fühlen sich akut Burnout-gefährdet. Ab 50 Jahren nimmt die Burnout-Gefahr deutlich ab, nachdem sie in den Jahren unmittelbar davor offenbar am höchsten gewesen ist. Als „Stresskiller“ Nummer Eins gilt für rund die Hälfte aller Befragten das Spazierengehen und Wandern in der Natur, auch das längere Schlafen als wirksames Mittel gegen Stress wurde im Corona-Jahr von vielen wiederentdeckt.

Die Umfrage wurde vom Market-Institut im Auftrag der Allianz Österreich als Online-Befragung durchgeführt. Befragt wurden 1.000 Personen ab 14 Jahren.

 

Elke-Jauk-Offner
Beitrag veröffentlicht am 16. Oktober 2020
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Neue Maßnahmen ab Freitag in Kraft

Private Zusammenkünfte im Inneren werden auf sechs Personen begrenzt. Diözesen haben bereits Maßnahmenkataloge für Gräbersegnungen erstellt.

Es ist aufgrund der steigenden Infektionszahlen wieder soweit: Die bundesweiten Maßnahmen gegen die Pandemie werden abermals verschärft. Gültig sind die neuen Vorgaben ab Freitag. Außerberufliche Zusammenkünfte werden dann auf maximal sechs Erwachsene beschränkt, zwölf Personen dürfen es draußen sein. Das gilt für Restaurants genauso wie für Sportkurse, in Tanzschulen, bei Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten. Fast 60 Prozent der Cluster sind laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) derzeit in Haushalten auszumachen.

Ausnahmen gibt es für Begräbnisse und berufliche Treffen. Öffentliche Veranstaltungen wie Konzerte und Theatervorstellungen dürfen mit einer Höchstzahl von 1.000 Menschen im Innenraum, mit 1.500 Menschen draußen weiter stattfinden. Die Plätze müssen allerdings fix zugewiesen sein. Der Mund-Nasen-Schutz ist während der ganzen Veranstaltung zu tragen, eine Bewirtung darf nicht stattfinden. Für die Veranstaltungen sind behördliche Genehmigungen notwendig.

In privaten Räumlichkeiten darf nicht kontrolliert werden. Von Seiten der Regierung wurde jedoch ein Appell an das Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung gerichtet, sich auch dort an die Regeln zu halten.

Zudem rückt der 1. November näher. Er ist hierzulande traditionell mit einem Friedhofsbesuch verbunden – im Gedenken an verstorbene Familienmitglieder, Verwandte und Freunde. Einige Diözesen haben bereits Maßnahmenkataloge für die Gräbersegnungen erstellt. In der Steiermark liegt das Limit für die Teilnahme derzeit bei 500 Personen. Abstände von einem Meter sind einzuhalten, wenn man nicht im selben Haushalt lebt. Strenger sind die Maßnahmen beispielsweise bereits in Tirol, da dürfen nur maximal 100 Personen an einer Gräbersegnung teilnehmen.

 

Beitrag veröffentlicht am 19. Oktober 2020
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Einheitliche Reise-Regeln

Eine EU-weite Corona-Ampel soll nun für einheitliche Reise-Regeln sorgen und Reisebeschränkungen in der Pandemie besser koordinieren.

Die Ampel sieht vor: Bei „grün“ gibt es keine Restriktionen, bei „orange“ und „rot“ können die EU-Staaten Quarantäne und Tests bei der Einreise vorschreiben. Österreich enthielt sich beim Beschluss im Rat der EU der Stimme. Die ECDC, das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, erklärt Staaten bei einer Siebentages-Inzidenz von über 50 – Österreich liegt derzeit bei 84 – und bei einer Positivitätsrate von über vier Prozent für „rot“. Die Ampel sei nicht treffsicher genug, kritisierte Europaministerin Karoline Edtstadler. Die Schwellenwerte seien so niedrig angesetzt, dass bald viele Regionen Europas rot eingefärbt werden müssen, es gäbe dann keine Differenzierung mehr.

Im ersten Halbjahr 2020 hatte der Beginn der Corona-Pandemie und der Lockdown laut Statistik Austria fast für eine Halbierung der Reisen gesorgt, sie sanken um 43 Prozent auf 5,6 Millionen. Der Hochsommer ist für die heimische Ferienhotellerie dagegen überraschend gut verlaufen.

Derzeit befinden sich übrigens 193 Impfstoffkandidaten in Entwicklung, rund 50 davon werden in unterschiedlichen Stadien bereits an Menschen getestet. Fünf Impfstoffe sind bereits regional zugelassen – einer in Russland, vier in China. In der EU soll die Impfung gratis sein, zumindest 2021 und 2022 und der Fokus vorerst auf älteren Menschen und Personen, die im Gesundheitssystem und in der kritischen Infrastruktur arbeiten – etwa Lehrer und Polizisten – liegen. Trotz beschleunigter Verfahren soll es keine Abstriche bei der Sicherheit geben, beteuert man. In einer ersten Phase begrenzter Verfügbarkeit bleibe aber verantwortliches Verhalten – Stichwort Hygiene- und Abstandsregeln – wesentlich, betonen Experten Robert-Koch-Institutes.

 

Elke Jauk-Offner
Beitrag veröffentlicht am 15. Oktober 2020
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