Bei den Produkten wie den Ölen handelt es sich um reine Naturprodukte. Die Produktion eines hochwertigen Öles findet in vier Schritten statt. Zuerst werden die Rohprodukte wie Leinsamen oder Kürbiskerne zerkleinert oder auch gequetscht. Damit werden die Samen und Kerne für die Erwärmung in der Wärmepfanne vorbereitet. Durch das Erwärmen lässt sich das wertvolle Öl leichter aus der Frucht in der Stempelpresse lösen. Die Stempelpresse ist ein mechanisches Kaltpressverfahren und schützt die wertvollen Inhaltsstoffe, da es ohne Zusatzstoffe auskommt.
Im Hause Fandler verzichtet man zur Gänze auf die Filterung des Öles, man lässt das Öl je nach Sorte 3 bis 4 Wochen ruhen. In dieser Zeit können die feinen Schwebstoffe auf natürlichem Wege durch die Erdanziehungskraft zu Boden sinken, das Öl erhält dadurch seine Klarheit. Die Rohstoffe für die 20 Ölsorten werden mit größter Sorgfalt und höchster Qualität ausgewählt. Eines der Top-Produkte aus den Omega-3-Fettsäuren-Ölen ist das Leinöl. Durch das schonende Verfahren der Kaltpressung hat dieses Öl einen nussigen und zartherben Geschmack.
Essenzielle Fettsäuren
Das Öl glänzt nicht nur durch seinen hervorragenden Omega-3-Wert von 51 g je 100 ml, sondern auch durch die Verfügbarkeit einer 500-ml- und einer 1-Liter-Flasche. Die im Öl enthaltenen 63 g ungesättigten Fettsäuren tragen wesentlich zur Versorgung des Körpers mit den essenziellen Fettsäuren bei. Die ungesättigten Fettsäuren können vom Körper nicht selbst produziert werden und müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Omega-3-Fettsäuren wirken sich positiv auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch auf die Gehirnfunktion aus. Da das Leinöl ein reines Naturprodukt ist, das ohne Konservierungs- und Zusatzstoffe auskommt, sollte es im Kühlschrank gelagert und innerhalb von 3 Monaten verbraucht werden.
Der zurückbleibende Ölkuchen, welcher noch immer zwischen 15 und 19 Prozent Öl beinhaltet, wird zu Mehl weiterverarbeitet. Bei der Ölmühle Fandler sind somit nicht nur hochwertige Öle, sondern auch Mehle, Kerne, Saaten, Essige und Schokoladen erhältlich. Die Essige und die Schokoladen werden mit Partnerbetrieben wie Gölles und Zotter produziert.
Schmerzhafte Gichtanfälle werden von Harnsäurekristallen ausgelöst, die sich in den Gelenken ablagern. Übergewicht verdoppelt das Risiko dafür. Die Kilos von Betroffenen dürfen allerdings nur sanft purzeln.
Ein Schmerz im Gelenk, der sich wie tausend Nadelstiche anfühlt – so äußert sich ein Gichtanfall. Schon kleinste Berührungen werden dann zur Qual. Häufig fängt es in den Zehen an. Rötung, Schwellung und teils auch Fieber kommen hinzu. Gicht ist heute eine Volkskrankheit, sie entwickelt sich meist über mehrere Jahre und betrifft vor allem Männer. Übergewicht verdoppelt das Gichtrisiko. Ein opulenter, purinreicher Speiseplan mit fetten Fleisch- und Wurstwaren sowie ein übermäßiger Konsum von Alkohol und Fruktose, wie er in Säften oder Fertigprodukten vorkommt, fördern den Ausbruch der chronischen Stoffwechselstörung. Um Gichtanfälle möglichst zu vermeiden, sollte der Harnsäurespiegel im Körper dauerhaft gesenkt werden.
Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen. Sie sind Bestandteile menschlicher Zellen, werden aber auch über die Nahrung aufgenommen. Üblicherweise wird überschüssige Harnsäure vor allem über die Nieren ausgeschieden. Produziert der Körper aber zu viel davon oder scheidet zu wenig aus, erhöht sich die Konzentration im Blut. Die Harnsäure bildet dann spitze, scharfkantige Kristalle, die sich mit der Zeit in den Gelenken ablagern und dort Entzündungen verursachen können.
Gicht tritt familiär gehäuft auf, eine genetische Vorbelastung ist also auch bei dieser Erkrankung vorhanden. Ob es schlussendlich aber zu einem Gichtanfall kommt, wird zu einem wesentlichen Anteil von Lebensstilfaktoren beeinflusst. Betroffene sollten ihre Ernährungsweise daher auf den Prüfstand stellen, rät Ernährungsmediziner Matthias Riedl dringend. „Bei Übergewicht wird die Verstoffwechselung von Purinen zum Problem“, warnt er, „noch immer wird aber viel zu selten eine Ernährungstherapie verordnet, weil viele Ärzte nach wie vor der Meinung sind, dass man mit einer Änderung der Ernährungsweise wenig bewirken kann. Das ist allerdings falsch.“
Vorhandenes Übergewicht gilt es zu reduzieren – absolut wesentlich dabei ist allerdings, dass die Kilos im Falle dieser chronischen Stoffwechselerkrankung nicht zu schnell purzeln. „Das Abnehmen sollte langsam erfolgen, weil plötzliche Gewichtsschwankungen Gichtanfälle erst recht auslösen können. Der Harnsäurespiegel steigt dann nämlich vorübergehend an.“ Der Grund: Durch einen Fett- und Muskelverlust müssen besonders viele Purine im Körper abgebaut werden. Ein größtmöglicher Verzicht auf Alkohol und Fleisch allein im täglichen Menüplan greift zu kurz.
„Wie so oft gilt: Es kommt auf die richtige Zusammensetzung auf dem Speiseplan an. Er sollte nicht zu viel Fleisch enthalten, etwa 100 bis 150 Gramm pro Portion – und das ein bis zwei Mal die Woche“, so Riedl. Alkoholkonsum spielt übrigens bei beiden Geschlechtern als Risikofaktor eine Rolle. Früher stand vor allem der Bierkonsum von Männern im kritischen Fokus, Frauen haben in Bezug auf den Alkoholkonsum aber aufgeholt. Alkohol vermindert die Ausscheidung von Harnsäure, und damit erhöht sich der Harnsäurespiegel.
Günstig ist vielmehr eine sogenannte ovo-lacto-vegetabile Ernährung, so Riedl, die vor allem auf Eier, Milchprodukte und viel Gemüse setzt. Ergänzend sind Vollkornprodukte, Nüsse und hochwertige Pflanzenöle empfehlenswert. Milchprodukte regen die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren an. Milch, fettarme Milchprodukte und Eier sind nicht nur purinarm, sondern auch eine wertvolle Eiweißquelle für Gicht-Patienten. Milchproteine enthalten zwar unter anderem gesättigte Fettsäuren, sind aber auch Darmkrebshemmer und erhöhen das Übergewichtsrisiko nicht. Dennoch ist Vorsicht geboten: Zu viel Milchkonsum, insbesondere bei Frauen, „das beginnt mit 600 bis 800 ml pro Tag“, so Riedl, kann das Risiko für Herzrhythmusstörungen erhöhen.
Ein Glas Milch am Tag birgt keine Gefahr, in dieser Größenordnung machen sich die gesundheitlichen Vorteile bezahlt. Der Rest des Bedarfs sollte allerdings mit pflanzlichen Proteinen beglichen werden. Welchen Stellenwert haben pflanzliche Proteine überhaupt im Vergleich zu tierischen Proteinen? „Pflanzliche Proteine gehen einher mit Ballaststoffen, mit sekundären Pflanzenstoffen – sie haben grundsätzlich viele positive gesundheitliche Effekte, dazu gehört auch die krebshemmende Wirkung. Zudem lässt sich das Gewicht auf Dauer besser halten.
Bei einem akuten Gichtanfall ist es das Ziel der Behandlung, die Schmerzen möglichst rasch zu lindern und der Entzündung entgegenzuwirken. Die ärztliche Begleitung mit einer medikamentösen Behandlung, die Kühlung und Hochlagerung schmerzender Gelenke sind dabei unerlässlich. „Gichtanfälle sind eine sehr schmerzhafte Sache, die auch den Einsatz von Medikamenten wie Allpurinol erforderlich machen können. Dennoch sollte man sich gut überlegen, wie man das Problem dauerhaft und nachhaltig lösen kann“, unterstreicht Riedl. Freilich nicht außer Acht lassen sollte man dabei das Thema Bewegung. Körperliche Aktivitäten sind aber besonders sensibel zu betrachten. „Bei der Gicht ist es immens wichtig, auf etwaige bereits vorhandene Gelenkschäden zu achten“, gibt Riedl zu bedenken. Die gewählte Bewegungsart darf die Gelenke nicht überstrapazieren, sanfter Ausdauersport unterstützt auch bei der Reduktion des Gewichts.
Mehr als bloß ein paar Kilos zu viel auf der Waage: Adipositas ist eine chronische Erkrankung, bei der sich das Fettgewebe im Körper überdurchschnittlich vermehrt. Welche Macht die Gene haben und welche Strategien Wirkung zeigen.
Das Problem mit Übergewicht ist weit verbreitet: Bei 35 Prozent der Erwachsenen hierzulande zeigt die Waage mehr als bloß ein paar Kilos zu viel an. Sie haben einen Body-Mass-Index (BMI) von 25 und höher – einem Wert, der das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße setzt. Rund 17 Prozent leiden an Adipositas, einer chronischen Ernährungs- und Stoffwechselstörung. Nach der aktuell gültigen Definition der Weltgesundheitsorganisation liegt eine Adipositas bei Menschen ab einem BMI von 30 vor.
Allerdings ist es auch mit einem vermeintlich niedrigen BMI möglich, dass die Verteilung von Körperfett gesundheitsschädlich ist. Denn es macht einen wesentlichen Unterschied, wo Fettgewebe abgespeichert wird. Daher wird derzeit auch diskutiert, ob für eine Diagnose nicht eine grundsätzliche Erhebung weiterer Daten zum Körperfett wichtig wäre – etwa Messungen zum Taillenumfang, dem Verhältnis Taille zu Hüfte oder Taille zu Körpergröße. Der Body-Mass-Index steht schon länger in der Kritik, allein zu wenig aussagekräftig in Bezug auf Adipositas zu sein. Das bestätigt auch Ernährungsmediziner Matthias Riedl. „Derzeit läuft die Definition noch streng über den BMI. Man kann jedoch einen relativ normalen BMI und dennoch einen großen Bauch haben. Daher wird man wohl künftig weitere Parameter wie den Bauchumfang mit einbeziehen.“
Welche Risikofaktoren liegen einer Adipositas überhaupt zugrunde? Genetik und Epigenetik spielen einmal mehr eine essenzielle Rolle. „Es gibt eine starke genetische Disposition für die Erkrankung“, führt der Mediziner aus. Werdende Eltern stellen bereits durch ihren eigenen Lebensstil die Weichen für die Entwicklung ihrer Kinder. Der sogenannte epigenetische Code bestimmt mit, welche Gene im Erbgut aktiviert werden und welche nicht. „Kinder können eine höhere Neigung dazu haben, übergewichtig zu werden, wenn der Vater bei der Zeugung und die Mutter in der Schwangerschaft übergewichtig waren. Das wirkt ein Leben lang nach. Es gilt übrigens in gleicher Weise für Unterernährung.“
Im Rahmen der familiären Sozialisierung werden Ernährungsgewohnheiten von den Eltern weitergegeben, der selbst gewählte Lebensstil jedes und jeder Einzelnen von uns trägt dann noch das Seine dazu bei. Mit der zunehmenden Zahl an Lebensjahren steigt das Risiko einer Fettleibigkeit deutlich. „Je älter wir werden, desto geringer ist die sportliche Intensität, es werden auch keine Nächte mehr durchgetanzt. Dazu kommen Einschränkungen in den Gelenken, auch hier wird der Bewegungsradius vermindert.“ Darüber hinaus ist der tägliche Energiebedarf anders zu bewerten: „Bei älteren Menschen ist er um ein Drittel reduziert, beträgt also nur noch rund 70 Prozent des Energiebedarfs eines 20-Jährigen“, klärt Riedl auf.
Was sind denn nun klassische Fallen, die im Laufe der Jahre zu unkontrollierter Gewichtszunahme führen? Tatsächlich braucht es erhöhte Sensibilität dafür, was man für gewöhnlich Tag für Tag zu sich nimmt. Häufig spielen Fertiggerichte auf dem Menüplan eine viel zu große Rolle. „Ich würde komplett auf hochverarbeitete Lebensmittel verzichten. Denn hierbei kommen unterschiedliche Zuckerarten zum Einsatz – nicht zuletzt vor allem Fruchtzucker, der zu einer deutlichen Zunahme des Bauchfetts führt. Mit einem Konsum von 500 Gramm Gemüse pro Tag hat man gute Chancen, sein Gewicht halten zu können.“ Wer öfter einmal im Restaurant isst, sollte auch dort darum bitten, den zumeist viel zu hohen Gehalt an Kohlenhydraten in den Gerichten zu reduzieren. Weniger Fleisch und Kartoffel, dafür mehr Gemüse lautet die Devise, „das ist eine wichtige Maßnahme“.
Begleitend braucht es körperliche Aktivität: „Man muss sich klar vor Augen halten, dass sowohl eine pflanzenbasierte Ernährung als auch regelmäßige Bewegung für einen gesunden Körper so notwendig wie das tägliche Zähneputzen sind“, betont Riedl, „es muss nicht notwendigerweise immer eine Sporteinheit sein. Spaziergänge sind eine gute Basis. Wanderungen, Touren durch den Wald oder Nordic Walking leisten gerade im höheren Alter viel Gutes.“
Sind die ersten Schritte zur Umsetzung in Richtung einer gesünderen Ernährungsweise und mehr Bewegung getan, ist bereits viel gewonnen. Allerdings wird das Durchhaltevermögen auf diesem Weg immer wieder auf eine harte Probe gestellt und das Risiko, in alte Verhaltens- und Ernährungsmuster zu verfallen, besteht. Wie wird man dem eigenen Schweinehund am besten Herr? „Wer früher schon Sport gemacht hat, der sollte wieder an seine alten Sportgewohnheiten anknüpfen“, rät Riedl, „denn sie haben ja bereits einmal Spaß gemacht. Verabredet man sich zudem mit anderen zu Aktivitäten, pflegt man gleichzeitig die soziale
Gemeinschaft. Das hilft wiederum dabei, neue Gewohnheiten beizubehalten.“
So kann es nicht nur gelingen, das Gewicht Schritt für Schritt zu reduzieren und besser zu halten, sondern damit auch die Stimmungslage zu heben, das Immunsystem zu stärken und die Gangsicherheit zu verbessern – letztere ist gerade im Alter ein gewichtiges Problem, da die Wahrscheinlichkeit für Stürze zunimmt. Die Erkenntnis, dass man sich aufgrund all dieser Maßnahmen wohler fühlt als vorher, ist besonders hilfreich – und ebnet den Weg für weitere Erfolge.
2 kleine Möhren, 200 g grüne Bohnen (frisch oder TK), 300 g weiße Bohnen (aus der Dose), 1 kleiner Fenchel, 1 Knoblauchzehe und 1 EL heller Sesam
2 EL helles Tahin (Sesampaste), ½ Zitrone, 3–4 EL Olivenöl, 3 Stängel Petersilie, 1 TL gemahlener Kreuzkümmel, Salz und Pfeffer
Zubereitung
Die Möhren mit der Gemüsebürste gründlich waschen und längs halbieren. Grüne Bohnen putzen und waschen (TK-Ware rechtzeitig auftauen lassen). Den Fenchel putzen, waschen, halbieren und den harten Strunk entfernen, Fenchel in dünne Scheiben schneiden.
Möhren, grüne Bohnen und Fenchel mit etwas Salz in einen Dämpfeinsatz geben. In einem Topf ausreichend Wasser aufkochen und den Dämpfeinsatz hineinstellen. Das Gemüse zugedeckt ca. 15 Min. garen. (Wer keinen Dämpfeinsatz hat, kann auch ein hitzefestes Sieb in den Topf stellen.)
Inzwischen für den Hummus die weißen Bohnen in einem Sieb abbrausen und abtropfen lassen. Mit dem Tahin in einen hohen Rührbecher geben. Den Knoblauch schälen, vierteln und hinzufügen. Die Zitrone auspressen, den Saft mit 2 EL Öl, Kreuzkümmel, etwas Salz und Pfeffer zu den Bohnen geben und alles mit dem Pürierstab fein pürieren.
Den Sesam in einer beschichteten Pfanne ohne Fett bei kleiner Hitze ca. 5 Min. leicht rösten, herausnehmen und abkühlen lassen. Die Petersilie waschen, trocken tupfen, die Blätter abzupfen und grob hacken.
Zum Servieren das Gemüse auf Teller verteilen und den Hummus danebensetzen. Alles mit Sesam und Petersilie garnieren und mit dem restlichen Öl beträufeln.
Dass Diabetes nicht heilbar ist, gehört der Vergangenheit an. Die aktuellen Forschungen zeigen, dass in vielen Fällen eine Lebensstiländerung eine Heilung von Typ-2-Diabetes ermöglicht. Im Medicum Hamburg wird die in diesem Buch beschriebene Ernährungstherapie von Dr. Matthias Riedl erfolgreich bei Diabetiker:innen angewendet. Selbst die Insulindosis konnte bei Typ-1-Diabetes teilweise verringert werden. Ein leicht zu lesender Begleiter für Diabetiker:innen, welche sich der Krankheit nicht ergeben wollen inklusive Genuss-Rezepten für ein entspanntes Leben.
ISBN 978-3-8338-7568-7 • 240 Seiten , € 27,95
Diabetes Typ 2
Diabetes ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper Schwierigkeiten hat, den Nahrungsbaustein Glukose (Zucker) aus dem Blut als Energieträger in die Zellen zu befördern. Ein Alter von mehr als 45 Jahren, ein großer Bauchumfang, zu hoher Blutdruck, eine Fettstoffwechselstörung, zu hoher Nüchternblutzucker, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bewegungsmangel in Kombination mit unausgewogener Ernährung, Rauchen, Stress, Vererbung – die Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes sind vielfältig. Die Zellen reagieren dann nicht mehr adäquat auf das im Körper produzierte Hormon Insulin. Das führt zu einer Überbelastung der Bauchspeicheldrüse und einem zu hohen Insulingehalt im Blutkreislauf.
Das Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken, steigt mit dem Alter deutlich. Eine Änderung ungesunder Lebensgewohnheiten kann nicht nur einer Erkrankung vorbeugen, sondern in rund 80 Prozent eine Heilung ermöglichen, betont Ernährungsmediziner Matthias Riedl.
In Österreich leben rund 800.000 Menschen mit Diabetes, damit leidet jeder oder jede Zehnte daran. Zumindest ein Drittel der Betroffenen weiß allerdings nichts davon. Die Statistik führt die Dimension vor Augen: Alle 50 Minuten stirbt laut der Österreichischen Diabetes Gesellschaft ein Mensch an den Folgen von Diabetes. Das sind 10.000 Menschen im Jahr – und damit sind es jährlich mehr Todesfälle als durch Darm- oder Brustkrebs. Auch im Straßenverkehr versterben wesentlich weniger Personen.
Rund 90 Prozent aller Erkrankten leiden an Typ 2 Diabetes. Vor allem in der Altersgruppe über 65 Jahre steigt das Risiko dafür deutlich. Eine frühe Diagnose ist deswegen so wichtig, weil Diabetes Typ 2 über lange Zeit keine Symptome macht. Die Krankheit führt aber zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen, Erblindung oder Nervenschädigungen. Das Erkrankungsrisiko wirkt zudem über Generationen. Die genetische Belastung, erklärt Ernährungsmediziner Matthias Riedl, ist global gesehen in Regionen mit Mangelernährung am größten. „War die Mutter in der Schwangerschaft einem Mangel ausgesetzt, so tut sich aber auch ein sogenanntes epigenetisches Risiko auf.“
Eine umso gewichtigere Rolle kommt der Prävention zu – gerade durch einen gesunden Lebensstil kann man Diabetes Typ 2 aktiv vorbeugen. Der westliche Ernährungsstil mit dem Konsum von einem hohen Maß an Zucker, wenig Gemüse und vielen hochverarbeiteten Produkten in Kombination mit einem Mangel an Bewegung wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus, gibt Riedl zu bedenken. Dabei gelte es vor allem an diesem Punkt anzusetzen, um einer Erkrankung entgegenzuwirken, sie zu lindern oder überhaupt zu heilen.
Alleskönner Gemüse
Die Diagnose bedeutet zunächst einen emotionalen Ausnahmezustand. „Diabetes Typ 2 ist aber in rund 80 Prozent der Fälle heilbar. In erster Linie durch die richtige Ernährung, in zweiter Linie durch regelmäßige Bewegung, Sport und Muskelaufbau. Je früher wir es erkennen, desto besser sind die Chancen“, betont der Mediziner. Als einen der wesentlichen Hebel in der Ernährung führt er den Gemüsekonsum an. „Von einer diabeteshemmenden Wirkung wissen wir insbesondere bei Hülsenfrüchten. Dieser Effekt wird durch einen viel zu geringen Gemüseanteil auf unserem Speiseplan allerdings nicht ausgeschöpft.“ Dahingegen sind unsere täglichen Menüs häufig reich an Kohlenhydraten und tierischen Fetten. Fertigprodukte liefern dem Körper zudem nicht das, was er braucht – sie sind nahezu frei von Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffen, die so wichtig für die Darmflora sind.
Die Folgen: Fruktose begünstigt Fettablagerungen in der Leber, sogenanntes Viszeralfett legt sich im Bauch um innere Organe. Es schädigt Blutgefäße und wirkt sich ungünstig auf den Blutzuckerspiegel aus. Pflanzliche und ballaststoffreiche Lebensmittel, auch Vollkornprodukte, können die Darmflora und den Blutzuckerspiegel dagegen stabilisieren. Eine Grundregel der von Dr. Riedl propagierten „artgerechten“ Ernährung lautet: Der halbe Teller muss voller Gemüse sein.
Darüber hinaus ist ein strukturierter Tagesablauf nicht zu unterschätzen. „Tatsächlich ist es so, dass sowohl die Darmflora als auch der Stoffwechsel und der Schlaf von einem regelmäßigen Rhythmus profitieren“, unterstreicht Riedl. Ist beispielsweise die Schlafqualität schlecht, werden im Körper Stresshormone ausgeschüttet, was sich wiederum negativ auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Ein weiterer bedeutsamer Aspekt ist der Muskelaufbau. „Die Muskulatur ist der Feind des Fettgewebes. Während Fettgewebe im Bauch das Diabetesrisiko erhöht, kann die Muskulatur es senken.“ Denn durch regelmäßiges Krafttraining werden die Muskeln beansprucht, so kann mehr Glukose in den Zellen aufgenommen werden und der Blutzuckerspiegel sinkt.
Diabetes Typ 2 beginnt nicht erst mit der Diagnose. Von der Vorstufe Prädiabetes sind rund fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung betroffen, sie macht sich bereits durch einen höheren Blutzuckerspiegel bemerkbar. Häufiger ist diese Vorstufe bei Personen mit Übergewicht, erhöhten Blutfetten und Bluthochdruck zu finden. Die Bestimmung des Langzeit-Zuckerwertes HbA1c kann Aufschluss darüber geben. Hohe Hba1c-Werte entstehen durch zu hohe Glukosewerte im Blut über einen längeren Zeitraum, Hba1c wird daher auch als sogenanntes „Blutzuckergedächtnis“ bezeichnet. „Jeder, der Familienangehörige mit Diabetes hat, sollte den Nüchternblutzucker und den Langzeitwert HbA1c ein- bis zweimal jährlich testen lassen. Steigen die Werte langsam, aber sukzessive, so erhöht sich das Diabetes-Risiko, selbst wenn sich die Werte noch im Normbereich befinden. Die Tendenz ist wesentlich“, sagt Riedl.
Der beste Zeitpunkt, seinen Lebensstil und seine Ernährung zu ändern, ist: jetzt. Riedl rät jedoch nicht zu überstürzten Ambitionen: „Man sollte nicht versuchen, alles auf einmal zu verändern oder eine Radikaldiät zu machen. Wenn man sehr viel Zucker zu sich nimmt, kümmert man sich zuerst einmal darum. Wenn man viel zu wenig Gemüse isst, setzt man anfangs in diesem Bereich an.“ Noch immer gilt es, viel Aufklärung zu leisten: „Wir laufen der Prävention hinterher. Wir essen uns krank. Es gibt derzeit an die 100 Erkrankungen, die durch falsche Ernährung entstehen – allen voran Diabetes Typ 2.“ Mit diesem Wissen sollte man die kommenden Mahlzeiten auf dem persönlichen Speiseplan kritisch betrachten.
Im Jahr 2050 werden laut Berechnungen rund 60 Prozent der Erwachsenen Übergewicht oder Adipositas aufweisen. Rund ein Viertel davon wird über 65 Jahre alt sein. Das hat eine neue Studie für 204 Staaten und Regionen ergeben, die auch Österreich umfasst. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Emmanuela Gakidou, Hauptinitiatorin der Studie vom Institute for Health Metrics and Evaluation der US-Universität Washington, spricht von einer „beispiellosen globalen Epidemie“.
Erschreckende Tendenz
Die Menschen werden weltweit also immer dicker. Gleichzeitig ist falsche Ernährung die Wurzel vieler Erkrankungen. Dennoch wird das Thema Ernährungstherapie nach wie vor vielfach ausgeblendet, genau hier setzt Ernährungsmediziner Matthias Riedl an. Denn: „Gesundes Essen wirkt wie Medizin“, lässt er keinen Zweifel daran, dass man mit einer entsprechenden Ernährungsweise Krankheiten aktiv vorbeugen, lindern und sogar heilen kann. Der renommierte Facharzt für Innere Medizin, Diabetologie und Ernährungsmedizin leitet als ärztlicher Direktor das von ihm 2008 gegründete medizinische Versorgungszentrum Medicum Hamburg. Es gilt als Europas größtes Zentrum für Ernährungsmedizin und Diabetologie.
Einem Millionenpublikum ist Matthias Riedl seit 2013 aus der NDR-Sendereihe „Die Ernährungs-Docs“ bekannt, die Möglichkeiten der Ernährungstherapie an konkreten Patientenfällen verdeutlicht. Ob Zuckerkrankheit, Migräne oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Die Ernährungs-Docs helfen mit Essen als Medizin. Im Rahmen der Sendung begleiten Experten Menschen mit ganz unterschiedlichen gesundheitlichen Problemstellungen dabei, durch eine gezielte Ernährungsumstellung gesünder zu werden.
Gemeinsam mit seinem Team im Medicum Hamburg hat Matthias Riedl auch das 20:80-Prinzip entwickelt. Es ist eine Formel, um Verhaltensweisen nach einer individuellen Fehleranalyse gezielt und nachhaltig zu ändern. Mit 20 Prozent Ernährungsoptimierung sollen 80 Prozent des gewünschten Effekts erzielt werden: „Das 20:80-Prinzip zeigt, dass nur 20 Prozent Ernährungsoptimierung nötig ist, um langfristig und nachhaltig Gewicht zu reduzieren, den Blutdruck zu normalisieren und den Cholesterinspiegel zu senken“, unterstreicht der Facharzt. Auf dieser Methode basiert auch die von Riedl entwickelte Gesundheits-App „myFoodDoctor“. Die über 20-jährige Erfahrung als Mediziner fließt zudem in die Ernährungsratgeber ein, mit denen er informativ und alltagstauglich über die Vorteile gesunder Ernährung aufklären will. In seinem Podcast „So geht gesunde Ernährung“ räumt er mit Mythen rund um das Essen auf.
Von der bloßen Heilung von Krankheiten hin zur möglichst langen Erhaltung der Gesundheit vollzieht sich derzeit ein regelrechter Paradigmenwechsel. Immer häufiger ist dabei von „Longevity“ die Rede. Langlebigkeit – das meint, sich körperliche und geistige Fitness möglichst lange zu bewahren. In Amerika hat sich das Streben danach bereits zu einer regelrechten Bewegung entwickelt. Während wir unsere genetischen Voraussetzungen als gegeben akzeptieren müssen, können wir mit unseren Lebensgewohnheiten einen Einfluss auf den Alterungsprozess nehmen. Auch Matthias Riedl nimmt sich dieses Themas an: „80 wird das neue 50 sein – visionäre Forscher tüfteln intensiv an der Frage, wie sich das Beste aus dem Alter herausholen lässt. Doch die Erkenntnisse der Longevity-Medizin wirken auf die meisten teuer, kompliziert und alltagsfern“, heißt es zu seinem Werk „Die Longevity Food-Formel – Die richtige Ernährung als Erfolgsfaktor für ein langes und gesundes Leben“. Basierend auf jüngsten Studien präsentiert er die Schlüsselfaktoren wie erhöhte Eiweißzufuhr, Zuckerreduktion, ein intaktes Mikrobiom und moderates Fasten.
So ungern es alle hören: Falsche Ernährung macht krank. Aber was macht gesunde Ernährung aus? Welche Lebensmittel fit halten und helfen, Diabetes Typ 2 zu heilen und Blutzuckerschwankungen bei Typ 1 zu reduzieren, darauf legt Matthias Riedl den Fokus in seinem Expertenkochbuch „Heilen Sie Ihren Diabetes“. Er legt das Augenmerk auch auf den von ihm geprägten Begriff der „artgerechten“ Ernährung – eine dem Ausmaß der körperlichen Bewegung angepasste Dosierung von Kohlenhydraten, eine gewichtsadaptierte Dosierung von Eiweiß sowie eine gemüse- und nussreiche Ernährung.Das Konzept setzt er nicht nur zur Behandlung von Adipositas, sondern auch Diabetes Typ 2 ein und stellt sich damit in Teilen gegen die seiner Auffassung nach zu kohlenhydratlastigen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und der Deutschen Diabetesgesellschaft. Er ist damit einer der Kritiker einer zu frühen Insulintherapie – sie führe zu einer Spirale aus Gewichtszunahme und weiteren Insulin-Dosissteigerungen.