Bühnen Graz – Smarter Kulturgenuss

Die Bühnen Graz sorgen zuverlässig für kulturelle Unterhaltung der Sonderklasse. Mit den verschiedenen Locations und Stilrichtungen bleiben kaum Wünsche offen. Ein besonderes Geschenk für Kulturbegeisterte haben die Bühnen Graz mit der Bühnen Graz Card ins Leben gerufen. Bernhard Rinner, Geschäftsführer der Bühnen Graz, dazu im Interview.

Am Foto ist Herr Bernhard Rinner, Geschäftsführer der Bühnen Graz zu sehen.
Mehr Kultur und mehr Flexibilität, dafür steht Bernhard Rinner und sein Team.

Vielfalt belebt

Herr Rinner, die Bühnen Graz vereinen mit Oper Graz, Schauspielhaus Graz, Next Liberty sowie Orpheum Graz, Dom im Berg und Schlossbergbühne Kasematten ein breites Spektrum an Kunstformen. Welche Rolle spielt diese Vielfalt für Graz?

Bernhard Rinner: Eine enorme! Die Bühnen Graz sind nicht nur die größte Kulturinstitution der Stadt, sondern auch ein wesentlicher Identitätsstifter für Graz und die Steiermark. Wir bieten für jedes Alter, für unterschiedlichste Geschmäcker und Interessen ein facettenreiches Angebot – von großen Opernklassikern über mutiges Schauspiel bis hin zu Kabarett, Rock- und Popkonzerten. Unsere Häuser sind Orte der Begegnung, des Austauschs und der Inspiration – das macht sie so wertvoll für eine lebendige Stadtgesellschaft.

Sie sprechen von Inspiration. Welche Bedeutung hat Kultur über das rein Künstlerische hinaus?

Rinner: Kultur ist weit mehr als Unterhaltung. Sie ist ein Spiegel der Gesellschaft, ein Diskussionsraum, ein Bildungsauftrag. Theater, Musik und Kunst regen zum Nachdenken an, fordern auf, sich mit unterschiedlichen Perspektiven auseinanderzusetzen, und fördern das kritische Denken. Gerade in einer Zeit, in der einfache Antworten oft verlockend erscheinen, braucht es Orte, an denen Vielfalt und Meinungsfreiheit bewusst gelebt werden. Kultur ist die Grundlage jeder demokratischen Gesellschaft – sie hält uns zusammen.

Kultur entlastet

In Zeiten, in denen viele gesellschaftliche Bereiche auf Effizienz getrimmt sind, wird Kultur oft als „Luxus“ betrachtet. Wie begegnen Sie diesem Argument?

Rinner: Ich halte das für einen Trugschluss. Kultur ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Sie stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt, schafft emotionale Erlebnisse und inspiriert zu Neuem. Zahlreiche Studien belegen, dass kulturelle Teilhabe auch positive Auswirkungen auf die individuelle Lebensqualität hat – sie fördert das Wohlbefinden, hält geistig fit und sorgt für soziale Integration. Zudem darf man die wirtschaftliche Bedeutung nicht unterschätzen: Der Kultursektor schafft Arbeitsplätze und generiert enorme Wertschöpfung für Städte und Regionen.

Stichwort Verantwortung: Die Bühnen Graz setzen zunehmend auf Nachhaltigkeit. Was bedeutet das konkret?

Rinner: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema für uns – ökologisch, sozial und wirtschaftlich. 

Seit dem Frühjahr 2024 sind wir der erste und bislang einzige Theaterkonzern im deutschsprachigen Raum, der in seiner Gesamtheit mit nachhaltigen Gütesiegeln zertifiziert wurde. Unsere Bühnen setzen auf umweltfreundliche Produktionstechniken, unser Ticketing wird laufend nachhaltiger gestaltet, zudem achten wir darauf, faire Arbeitsbedingungen und langfristige Entwicklungsperspektiven für unsere Mitarbeiter:innen zu schaffen. Kultur bedeutet für uns nicht nur, über die Zukunft nachzudenken, sondern sie aktiv mitzugestalten.

Am Foto ist Herr Rinner mit einem Scheinwerfer zu sehen.
Die Bühnen Graz Card ist online und im Ticketzentrum erhältlich. Sie zeigt wie Kultur in Graz und in der Steiermark gelebt wird.

Jugendarbeit

Apropos Zukunft: Wie gelingt es den Bühnen Graz, neue Zielgruppen anzusprechen, ohne das Stammpublikum aus den Augen zu verlieren?

Rinner: Das ist eine unserer spannendsten Herausforderungen. Wir wollen Menschen für Kultur begeistern – ob Jung oder Alt, erfahrene Theatergänger:innen oder Neulinge. Das gelingt einerseits durch ein vielseitiges Programm, andererseits durch gezielte Angebote wie Einführungsgespräche, Publikumsgespräche oder moderierte Konzerte. Zudem setzen wir verstärkt auf digitale Formate, um unser Publikum auch außerhalb des Theaters zu erreichen.

Dankeschön

Im vergangenen November hat das jüngste Produkt der Bühnen Graz das Licht der steirischen Kulturszenerie erblickt: die „Bühnen Graz Card“. Sie soll sich bereits jetzt als voller Erfolg erwiesen haben. Worin begründet sich dieser?

Rinner: Die Bühnen Graz Card ist unser Dankeschön an alle, die regelmäßig Kultur genießen. Sie bietet exklusive Vorteile – wie 30 % Ermäßigung, Vorkaufsrechte oder spezielle Events – ohne dabei an fixe Vorstellungszeiten, wie beim klassischen Abonnement, gebunden zu sein. Das Konzept ist einfach: Wer sich für Kunst und Kultur interessiert, soll möglichst unkompliziert und flexibel daran teilhaben können. Unsere Bühnen Graz Card ist online und im Ticketzentrum erhältlich – und sie zeigt, wie sehr Kultur in Graz und in der Steiermark gelebt wird.

 

Alle Informationen über die Bühnen Graz und die Bühnen Graz Card unter www.buehnen-graz.com

Tickets für alle Vorstellungen und Spielplanübersicht unter www.ticketzentrum.at sowie im Ticketzentrum am Kaiser-Josef-Platz 10, 8010 Graz, Tel. 0316 / 8000

 

Foto: © Marija Kanizaj

Lustiges Familienstück – Schwein gehabt

Am Freitag, dem 16. Mai 2025 öffnete sich der Vorhang des Next Liberty Graz für das Familienstück „Schwein gehabt!“ von Martin Brachvogel und Werner Holzwarth.

Schweinchen wird auf dem Weg aus ihrer Pechsträhne von ihren drei Schweine-Freunden unterstützt.

Die Zuseher werden von der ersten Spielminute in die rosa Welt von „Pechschwein“ Veronika Forkel (Christina Kiesler), genannt Schweinchen, und ihren drei Schweinefreunden, den Schweinekönig und seine zwei Minister (Martin Niederbrunner, Helmut Pucher und Christoph Steiner) entführt. Mit viel Liebe, Humor und Verständnis begegnet dieses Stück von Martin Brachvogel dem Publikum. Das Musical ist interaktionsstark gestaltet, die direkte Kommunikation zwischen den Schauspielern und den Zusehern bindet die Zuseher gekonnt in die Handlung ein. Man spürt die emotionale Verbundenheit zwischen den jungen Besuchern und den Protagonisten.

Familien können sich hier auf eine lustige Schweine-Vorstellung eines Familienmusicals freuen.

Am Foto sind der Schweinekönig, seine zwei Minister und Schweinchen zu sehen.
Der Schweinekönig und seine zwei Minister geben Schweinchen wieder Selbstvertrauen.

Informationen und Tickets

Weiter Schweine-Vorstellungen, empfohlen ab 6 Jahren

Vormittags 10:30 – 11:40

20.05., 23.05., 27.05., 06.06., 13.06. und 18.06.2025

Nachmittags 16:00 – 17:10

23.05., 24.05., 06.06., 13.06., 14.06. und 18.06.2025

Informationen zum Stück erhalten Sie Hier, Tickets im Ticketzentrum online oder am Kaiser-Josef-Platz 10.

 

Text und Kritik: Vera Kowatschitsch

Foto: © stella

Top – A Midsummer Night´s Dream

Bei der Inszenierung von Bernd Mottl der Oper „A Mid Summer Night´s Dream“ von 1960 trifft das 21. Jahrhundert auf die Zauberwelt der Feen, die Liebe und eine aufstrebende Theatergruppe. Der Zuseher kann sich auf ein außergewöhnliches, modernes Bühnenbild von Friedrich Eggert, mit technischen Raffinessen freuen. In Anbetracht dessen, dass das Stück in seinen Ursprüngen in einem Wald spielt, kann hier durchaus davon ausgegangen werden, dass das gestaltete Bühnenbild auch auf die Situation der heutigen Zeit hinweisen soll. Gut durchdacht wurden die einzelnen Automobile mit oder ohne Windschutzscheibe, mit ergänzten und verstellten Sitzbänken und geöffneten Türen zu einem modernen Wald der heutigen Zeit inszeniert.

Buttom mit Eselskopf erspäht die in ihn verliebte Königin Tytania mit Elfen.

Das Wiederaufleben der Oper in drei Akten, Libretto von Benjamin Britten und Peter Pears aus dem Schauspiel von Shakespeare, und die Umwandlung aus 1960 in das Jahr 2025 wurde in allen Bereichen gekonnt von den Experte:innen umgesetzt. In Kombination mit dem Bühnenbild ergibt sich eine moderne Welt des Mystischen und des Verborgenen auch im Detail.

Alfred Mayerhofer legte bei den Kostümen wie Christoph Jonas bei der Choreographie besonderen Wert auf die Authentizität.

Mit einer Top-Besetzung in den Rollen durch Rafal Tomkiewicz, Ekaterina Solunja, Fausto Israel, Sofia Vinnik, Ted Black u.v.m. wird ein Besuch dieser Oper zu einem Erlebnis. Der Gesang, die schauspielerischen Leistungen und die musikalische Begleitung durch das Orchester der Grazer Philharmoniker lassen keine Wünsche offen. Bei diesem Stück darf sich der Zuseher entspannt in eine andere, eine einzigartige und besondere Welt entführen lassen.

Am Foto ist eine Szene der Oper A Midsummer Night´s Dream zu sehen.
Puck, der Diener Oberons, gespielt von Fausto.

Weiter Abendvorstellungen von 19:30 bis 22:30

14.05., 23.05., 28.05. und 05.06.25

Nachmittagsvorstellungen von 15:00 bis 18:00

25.05.2025

 

Tickets:

www.ticketzentrum.at  Kaiser-Josef-Platz 10, 8010 Graz, +43 316/ 8000

 

Text und Kritik: Vera Kowatschitsch

Foto: © Werner Kmetitsch

Romantische Komödie – Silk Stockings

Das Broadway-Musical, Silk Stockings, aus den 1955ern von Cole Porter, ladet nach Paris in die Vorkriegszeit ein. Es erzählt die Geschichte zweier Liebender, unterschiedlicher Nationen und gesellschaftlichen Prägungen. Die romantische Musical-Komödie besticht durch abwechslungsreiche Handlungen und tolle Showmomente.

Inszeniert wurde das Musical von Max Hopp. Die Choreografie stammt von Martina Borroni. Gekonnt setzen die Schauspieler die romantischen Gepflogenheiten der Epoche um und spielen mit den Kräften von Anziehung und Distanz. Bereits im nächsten Moment werden die Zuseher mit einem starken Dialog weiter in die Geschichte der beiden Liebenden Nina und Steve geführt. Das stetig wechselnde Bühnenbild unterstreicht die Dynamik des Stückes gekonnt.

Am Foto sind Natalia Weiß und Michael Rotschopf zu sehen.
Michael Rotschopf, als Steve Canfiel und Natalia Mateo als Nina Yaschenko, als junges Liebespaar in Paris.

Die Ergänzung des Originales aus 1955 mit weiteren Stücken von Cole Porter führt zu einer schlüssigen musikalischen Reise. Die gesanglichen Darbietungen ergänzen sich oft in Harmonie mit den Grazer Philharmonikern und führen zu einer Symbiose, welche man gerne annimmt. Michael Rotschopf, welcher den smarten Steve Canfield spielt, überzeugte nicht nur schauspielerisch. Vor allem die Weichheit aber auch die Stärke seiner Stimme verleiht den musikalischen Elementen den notwendigen Facettenreichtum, um ein zufriedenes Lächeln in das Gesicht der Besucher zu zaubern.

Am Bild ist das Grazer Ballett und ein Teil der Schauspieler zu sehen.
Christian Scherler, Falk Witzurke und Markus Murke zusammen mit dem Ballett und dem Chor der Oper Graz.

Silk Stockings ist ein gekonnt inszeniertes Musical der Oper Graz welches mit dem Ballett Graz, dem Grazer Chor und den Grazer Philharmonikern unter Top-Besetzung wie Nina Weiß und Michael Rotschopf gerne über die kleineren Fehler der Tontechnik hinwegsehen lässt.

Weitere Vorstellungen im Opernhaus Graz

  1. April und 15. Mai 2025 19:30 – 22:15 Uhr
  2. Mai 2025 17:30 – 20:15 Uhr (letzte Vorstellung)

 

Text und Kritik: Vera Kowatschitsch

Foto: © Werner Kmetitsch

Unterhaltsames – Immer noch hier!

Wer sich bei diesem Stück das Gewohnte und das Bekannte erwartet, wird eine Überraschung erleben. Im Mittelpunkt stehen die Lebensgeschichten und die daraus resultierenden Ängste und Leiden der Bewohner und Mitarbeiter des Institutes, einer Seniorenresidenz. Immer noch hier, von Rebekka David lädt in eine Welt des Witzes, des Nachdenklichen und des Skurrilen ein. Alte und aktuelle Vor- und Urteile werden facettenreich von den Charakteren, welche unterschiedlicher nicht sein könnten, mit sich selbst aber auch innerhalb der sozialen Interaktion aufgerollt, bis am Schluss das Licht verblasst.

Am Foto sind Anna Klimovitskaya und Rudi Widerhofer zu sehen.
Anna Klimovitskaya als Pflegerin Sonja und Rudi Widenhofer als Dr. Rudi. © Joe Ambrosch

Imme noch hier ist trotz Moliére, Shakespeare und Tschechow ein Stück, welches durch die schauspielerischen Darstellungen Leichtigkeit vermittelt und einen unterhaltsamen Theaterabend verspricht. Lediglich die Hintergrunddarstellungen mancher Schauspieler lassen ein paar Fragen offen. Hier wäre ab und an mehr Authentizität gefragt.

Weitere Vorstellungen jeweils um 19:30 im Schauspielhaus Graz

16. und 25. April 2025

06., 07., 15. Und 17. Mai 2025

 

Text und Kritik: Vera Kowatschitsch

© Joe Ambrosch