Ostermarkt Graz – Kunsthandwerk

Noch bis zum 19. April 2025 kann man in Graz, direkt am Hauptplatz, den Ostermarkt besuchen. Zahlreiche Aussteller präsentieren ihre kunsthandwerklichen Produkte. Zu finden ist nahezu für jeden Geldbeutel etwas. Von der Kleinigkeit als Mitbringsel bis hin zum handgefertigten Tafelservice erstreckt sich das Angebot. Das es sich hierbei um echte Unikate handelt ist eine Selbstverständlichkeit, kein Stück ist wie das Andere.

Wir waren bereits vor Ort und haben für Sie unsere Eindrücke mitgebracht.

Am Foto sind Filzwaren zu sehen.
Farbenfrohe Unikate wie diese Waren aus Filz geben jedem Osternest einen Farbklecks. © josefundmaria communications
Am Foto sind Pflanzgefäße aus Ton zu sehen.
Die handgemachten Waren aus Ton sind im Garten ein einzigartiger Blickfang. © josefundmaria communications
Am Foto sind handgemachte Seifen zu sehen.
Handgemachte Seifen findet man am Ostermarkt auch als Rasur-Variation. © josefundmaria communications
Am Bild sind Holzwaren zu sehen.
Ob als Dekorationsartikel oder als Spielware, handgemachte Holzfiguren machen in jedem Osternest eine tolle Figur. © josefundmaria communications

 

Text: Vera Kowatschitsch

Foto: © josefundmaria communications

Wieso die Glocken zu Ostern fliegen

Warum feiern wir Ostern? Was ist die Fastenzeit? Seit wann gibt es den Osterhasen? Was heißt das: Die Glocken fliegen nach Rom? Was bedeutet die Fleischweihe? Wieso glauben Christ:innen an die Auferstehung? Fragen über Fragen stellen sich, wenn die Osterzeit anbricht, und die nüchterne Postmoderne kann in keiner App und auf keiner Webseite befriedigende Antworten geben.

Das könnte die Stunde der älteren Generation sein. Sie ist vertraut mit der alten Welt und ihrer Symbolik und sie steht doch mit beiden Beinen im Heute. Oma und Opa haben noch ein Gefühl für den Rhythmus der Zeit, weil es für sie normal war, dass es früher nicht das ganze Jahr Erdbeeren, Single Bells und gefärbte Eier gab. Es sind Werte, die sie zu Ostern wohldosiert an die Jungen und Jüngeren weitergeben können, etwa vom Warten und Erwarten, vom Schenken und Beschenktwerden, vom Werden und Vergehen. 

Die Winterruhe findet ein Ende

Die zentrale Botschaft dieses Festes ist nicht in Weihrauch gehüllt, steckt nicht in Palmbuschen und ist nicht in fliegenden Glocken verborgen, sondern – und das ist ernst gemeint – findet sich auch im Osterei und im Osterhasen. Denn der Zeitpunkt des Geschehens ist das Frühjahr, wenn die Natur ihre Batterien in der Ruhe des Winters bereits aufgeladen hat und voller Kraft wieder aufwacht. Das ist in der Tier- und Pflanzenwelt die Zeit der Fortpflanzung und genau das symbolisieren das Ei und der Hase. In diesem Sinn wollen Christen in der Fastenzeit ihre Körper und Seelen erst reinigen und aufladen, um anschließend für das kraftvolle Fest des Lebens und der Zukunft bereit zu sein. 

Mit etwas Fantasie kann es gelingen, dass die Jugend den Blick vom Smartphone löst und zuhört, wie bunt und zeitgemäß die Erzählung der Osterzeit auch für religionsferne Menschen sein kann. Auf das blasse Grau des Aschermittwochs folgt das satte Grün der Palmbuschen. Der gleiche Farbton steht am Gründonnerstag für Gastlichkeit und Brüderlichkeit beim Abendmahl. Die Kirchenglocken, die angeblich nach Rom fliegen, stehen für die Leere des Karfreitags. Die Gläubigen hören aufmerksam die Worte der Passion, die an keinem anderen Tag so dramatisch klingen wie an diesem. Diese verstörenden Momente münden in die Fülle der freudigen Signale der Osternacht. Da tönen am Karsamstag die Ratschen der Ministrant:innen so laut, dass die UNESCO sie zum immateriellen Weltkulturerbe geadelt hat. Christ:innen wissen jetzt, dass alles ein gutes Ende nimmt. 

Am Foto sind zwei Kinder bei der Osternestsuche zu sehen.
Die Osternestsuche ist ein besonderes Highlight für die Kleinen. © Serenko Natalia / Shutterstock.com

Brauchtum und Genuss

Auch Menschen  mit Distanz zum Religiösen bereiten jetzt sorgsam Körbe mit den traditionellen Osterspeisen vor und legen darüber kunstvoll bestickte Deckchen mit christlichen Ornamenten. Viele betreten nur an diesem einzigen Tag im Jahr eine Kirche, aber für sie ist ein Karsamstag ohne „Fleischweihe“ undenkbar. Und wehe, der Priester oder Diakon spritzt nicht genug Weihwasser auf die Körbe! 

Aufklärend können die Großeltern erzählen, wie im Gottesdienst der Osternacht das Licht der großen Osterkerze die Auferstehung und damit den Sieg des Lebens verkündet und wie der Gloriagesang die Stille der Karwoche aufreißt. Das gleiche Licht wie in der Kirche erstrahlt beim Brauchtumsfeuer auf der Gemeindewiese. In dieser Runde wird der frisch gebackene Hefestriezel angeboten, der im Grunde auch nichts anderes symbolisiert als das Opferlamm, von dem drinnen der Priester spricht. 

Dringen Oma und Opa mit dieser Erzählung durch, haben sie auch dem kleinsten Enkelkind begreiflich gemacht, was es mit dem Osterhasen und dem Osterei auf sich hat. Bunt bemalt oder in Glitzerpapier verpackt sind sie keine geistlosen
Gegenstände, sondern stehen mit und ohne christliche Botschaft für die ewig neue Auferstehung des Lebens durch Fortpflanzung und Fruchtbarkeit. 

Am Foto ist ein Osterstrauch mit ausgeblasenen Ostereiern zu sehen.
Der Osterstrauch wird mit bunten Eiern geschmückt und mit Zweigen der Forsythie veredelt. © Ground Picture / Shutterstock.com

Die bekanntesten Brauchtümer

Palmbuschen: Sie bringen erstmals nach dem Winter frisches Grün in Haus und Kirche. Geweihte Palmbüscherl aus bis zu sieben Pflanzen und Kräutern sollen im Herrgottswinkel des Hauses, auf dem Dachboden oder auf Wiese und Feld Segen bringen und Unheil abwenden.

Gründonnerstag: Beliebt ist der Spinat auf dem Mittagstisch. Er zeigt, dass nach dem Winter Grünes zurück auf dem Speisezettel ist.

Osterfeuer: Ostern ist zeitlich immer nahe der Tagundnachtgleiche des Frühjahrs. Dieses Ereignis bot den Menschen einen Anlass für rituelle Feuer und die Kirche nahm ihnen diese Freude nicht weg.  

Ratschen: An die Stelle des Glockengeläuts treten bis zum Feuer der Osternacht die Töne der hölzernen Ratschen.
Osterkerze. In der Osternacht wird vor der Kirche geweihtes Feuer entfacht und die große Osterkerze entzündet. Ihr Licht wird in die bis dahin dunkle Kirche getragen und alle Kerzen der Altäre und der Gläubigen werden an ihrer Flamme entzündet.

Speisensegnung: Wieder geht es darum, dass im Frühling nach der kargen Winterkost wieder mehr Fleisch und Nahrhaftes auf den Tisch kommt. Die „Fleischweihe“ unterstreicht den besonderen Charakter der österlichen Speisen.  

Eierfärben: Diese Tradition geht wohl darauf zurück, dass gekochte Eier länger haltbar sind als rohe. Um sie voneinander zu unterscheiden, wurden gekochte Eier gekennzeichnet und daraus entstand wohl das Eierfärben.

Text: Johannes Kübeck
Fotos: © Ground Picture / Shutterstock.com; Dusan Zidar / Shutterstock.com; Serenko Natalia / Shutterstock.com