Noch bis zum 19. April 2025 kann man in Graz, direkt am Hauptplatz, den Ostermarkt besuchen. Zahlreiche Aussteller präsentieren ihre kunsthandwerklichen Produkte. Zu finden ist nahezu für jeden Geldbeutel etwas. Von der Kleinigkeit als Mitbringsel bis hin zum handgefertigten Tafelservice erstreckt sich das Angebot. Das es sich hierbei um echte Unikate handelt ist eine Selbstverständlichkeit, kein Stück ist wie das Andere.
Wir waren bereits vor Ort und haben für Sie unsere Eindrücke mitgebracht.
Warum feiern wir Ostern? Was ist die Fastenzeit? Seit wann gibt es den Osterhasen? Was heißt das: Die Glocken fliegen nach Rom? Was bedeutet die Fleischweihe? Wieso glauben Christ:innen an die Auferstehung? Fragen über Fragen stellen sich, wenn die Osterzeit anbricht, und die nüchterne Postmoderne kann in keiner App und auf keiner Webseite befriedigende Antworten geben.
Das könnte die Stunde der älteren Generation sein. Sie ist vertraut mit der alten Welt und ihrer Symbolik und sie steht doch mit beiden Beinen im Heute. Oma und Opa haben noch ein Gefühl für den Rhythmus der Zeit, weil es für sie normal war, dass es früher nicht das ganze Jahr Erdbeeren, Single Bells und gefärbte Eier gab. Es sind Werte, die sie zu Ostern wohldosiert an die Jungen und Jüngeren weitergeben können, etwa vom Warten und Erwarten, vom Schenken und Beschenktwerden, vom Werden und Vergehen.
Die Winterruhe findet ein Ende
Die zentrale Botschaft dieses Festes ist nicht in Weihrauch gehüllt, steckt nicht in Palmbuschen und ist nicht in fliegenden Glocken verborgen, sondern – und das ist ernst gemeint – findet sich auch im Osterei und im Osterhasen. Denn der Zeitpunkt des Geschehens ist das Frühjahr, wenn die Natur ihre Batterien in der Ruhe des Winters bereits aufgeladen hat und voller Kraft wieder aufwacht. Das ist in der Tier- und Pflanzenwelt die Zeit der Fortpflanzung und genau das symbolisieren das Ei und der Hase. In diesem Sinn wollen Christen in der Fastenzeit ihre Körper und Seelen erst reinigen und aufladen, um anschließend für das kraftvolle Fest des Lebens und der Zukunft bereit zu sein.
Mit etwas Fantasie kann es gelingen, dass die Jugend den Blick vom Smartphone löst und zuhört, wie bunt und zeitgemäß die Erzählung der Osterzeit auch für religionsferne Menschen sein kann. Auf das blasse Grau des Aschermittwochs folgt das satte Grün der Palmbuschen. Der gleiche Farbton steht am Gründonnerstag für Gastlichkeit und Brüderlichkeit beim Abendmahl. Die Kirchenglocken, die angeblich nach Rom fliegen, stehen für die Leere des Karfreitags. Die Gläubigen hören aufmerksam die Worte der Passion, die an keinem anderen Tag so dramatisch klingen wie an diesem. Diese verstörenden Momente münden in die Fülle der freudigen Signale der Osternacht. Da tönen am Karsamstag die Ratschen der Ministrant:innen so laut, dass die UNESCO sie zum immateriellen Weltkulturerbe geadelt hat. Christ:innen wissen jetzt, dass alles ein gutes Ende nimmt.
Auch Menschenmit Distanz zum Religiösen bereiten jetzt sorgsam Körbe mit den traditionellen Osterspeisen vor und legen darüber kunstvoll bestickte Deckchen mit christlichen Ornamenten. Viele betreten nur an diesem einzigen Tag im Jahr eine Kirche, aber für sie ist ein Karsamstag ohne „Fleischweihe“ undenkbar. Und wehe, der Priester oder Diakon spritzt nicht genug Weihwasser auf die Körbe!
Aufklärend können die Großeltern erzählen, wie im Gottesdienst der Osternacht das Licht der großen Osterkerze die Auferstehung und damit den Sieg des Lebens verkündet und wie der Gloriagesang die Stille der Karwoche aufreißt. Das gleiche Licht wie in der Kirche erstrahlt beim Brauchtumsfeuer auf der Gemeindewiese. In dieser Runde wird der frisch gebackene Hefestriezel angeboten, der im Grunde auch nichts anderes symbolisiert als das Opferlamm, von dem drinnen der Priester spricht.
Dringen Oma und Opa mit dieser Erzählung durch, haben sie auch dem kleinsten Enkelkind begreiflich gemacht, was es mit dem Osterhasen und dem Osterei auf sich hat. Bunt bemalt oder in Glitzerpapier verpackt sind sie keine geistlosen
Gegenstände, sondern stehen mit und ohne christliche Botschaft für die ewig neue Auferstehung des Lebens durch Fortpflanzung und Fruchtbarkeit.
Palmbuschen: Sie bringen erstmals nach dem Winter frisches Grün in Haus und Kirche. Geweihte Palmbüscherl aus bis zu sieben Pflanzen und Kräutern sollen im Herrgottswinkel des Hauses, auf dem Dachboden oder auf Wiese und Feld Segen bringen und Unheil abwenden.
Gründonnerstag: Beliebt ist der Spinat auf dem Mittagstisch. Er zeigt, dass nach dem Winter Grünes zurück auf dem Speisezettel ist.
Osterfeuer: Ostern ist zeitlich immer nahe der Tagundnachtgleiche des Frühjahrs. Dieses Ereignis bot den Menschen einen Anlass für rituelle Feuer und die Kirche nahm ihnen diese Freude nicht weg.
Ratschen: An die Stelle des Glockengeläuts treten bis zum Feuer der Osternacht die Töne der hölzernen Ratschen.
Osterkerze. In der Osternacht wird vor der Kirche geweihtes Feuer entfacht und die große Osterkerze entzündet. Ihr Licht wird in die bis dahin dunkle Kirche getragen und alle Kerzen der Altäre und der Gläubigen werden an ihrer Flamme entzündet.
Speisensegnung: Wieder geht es darum, dass im Frühling nach der kargen Winterkost wieder mehr Fleisch und Nahrhaftes auf den Tisch kommt. Die „Fleischweihe“ unterstreicht den besonderen Charakter der österlichen Speisen.
Eierfärben: Diese Tradition geht wohl darauf zurück, dass gekochte Eier länger haltbar sind als rohe. Um sie voneinander zu unterscheiden, wurden gekochte Eier gekennzeichnet und daraus entstand wohl das Eierfärben.
Damit das Osterfeuer nicht zur akuten Gefahr für Mensch und Tier wird, sind einige Punkte zu beachten. Dazu Herr Offizier Brandkommissär Philipp Huber von der Berufsfeuerwehr Graz im Interview mit Praxistipps.
Dürfen Grundstücksbesitzer Brauchtumsfeuer am eigenen Grundstück entzünden?
Philipp Huber: In der Steiermark gibt es je nach Gemeinde und Region unterschiedliche Regelungen. Ob eine Entzündung möglich ist, hängt von der Gemeinde bzw. Bezirksverwaltungsbehörde und den anzuwendenden Regelungen ab.
Bedeutet dies, dass selbst Nachbargemeinden unterschiedliche Regelungen haben können?
Huber: Genau so ist es. Wenn die Gemeinde A Brauchtumsfeuer genehmigt, bedeutet dies nicht, dass diese auch im Gemeindegebiet B entzündet werden dürfen. Es gibt sogar Fälle, wonach im Ortskern dementsprechende Feuer verboten, aber am Ortsrand erlaubt sind. Weiters sind Regelungen laut der Brauchtumsfeuer Verordnung Steiermark, dem Luftreinhaltegesetz etc. anzuwenden.
Können Brauchtumsfeuer auch von der Gemeinde und Behörde abgesagt werden?
Huber: Ja, Brauchtumsfeuer können eingeschränkt oder auch komplett untersagt werden. Starke Winde oder vorherrschende Trockenheit können auch kurzfristig zu einem Untersagen der Brauchtumsfeuer seitens der Behörde führen. Es ist anzuraten, sich wenige Tage vor dem Entzünden nochmals bei der Gemeinde oder der Bezirksverwaltungsbehörde über die Zulässigkeit des Brauchtumsfeuers zu informieren.
Nehmen wir an, das Entzünden des Osterfeuers ist in meiner Gemeinde erlaubt. Kann ich dann einfach drauf loslegen?
Huber: Nein, hier sind noch die gesonderten Auflagen wie Abstände, welche sich detailliert in der Verordnung nachlesen lassen, anzuwenden. Im Sinne der Verordnung zählen auch Hecken zum Baumbestand.
Offizier Brandkommisär Philipp Huber, Berufsfeuerwehr Graz
Kann ich beim Aufbau des Oster-feuers bereits die Sicherheit erhöhen?
Huber: Ja, die in der Verordnung angegebenen Abstände sind Mindestabstände, ein größerer Abstand zu entflammbaren Gegenständen erhöht die Sicherheit erheblich. Das Brauchtumsfeuer soll mit Augenmaß und Hausverstand angehäuft werden. Übergroße Feuerstellen sind für einen Laien sicher schwieriger zu managen als ein Feuer wesentlich geringeren Ausmaßes.Das Bewässern des Untergrundes kann einen Flächenbrand verhindern. Das Feuer darf auf keinen Fall um oder auf einem noch eingewurzelten Baumstumpf entfacht werden.
Sie haben gerade den Baumstumpf besonders betont. Wieso?
Huber: Wenn man das Osterfeuer auf einem Baumstumpf lagert, der noch eingewurzelt ist, kann es passieren, dass das Feuer nach unten brennt. Hier beginnt das Wurzelwerk des Baumes großflächig unterirdisch zu brennen. Dies ist bei der Bekämpfung der Vegetationsbrände mit Abstand die schwierigste Brandbekämpfung. Es handelt sich um das sogenannte Erdfeuer.
Gibt es noch weitere Punkte, die ich hier einfach zur Erhöhung der Sicherheit anwenden kann? Huber: Ja, eine der absoluten Grundregeln ist es, ein Feuer niemals unbeaufsichtigt zu lassen. Nur die Aufsicht ermöglicht es, drohende Gefahren zu erkennen, um dementsprechend eingreifen zu können. Bei aufkommendem Wind, der einen erheblichen Funkenflug auslöst, sollte das Feuer gelöscht und die Umgebung nach weiteren Bränden abgesucht werden. Es macht Sinn, die erste Löschhilfe wie einen Wasserschlauch oder Ähnliches für den Brandfall herzurichten, um diese im Ernstfall schnell griffbereit zu haben.
Reicht es, das Feuer vollständig unter Aufsicht abbrennen zu lassen oder müssen hier noch gesonderte Löscharbeiten durchgeführt werden? Huber: Es sollte ausreichend Wasser auf das Feuer gegossen werden. Damit auch Glutnester im Untergrund gelöscht werden, empfiehlt es sich, mit einem Eisenrechen die Brandrückstände durchzurühren und erneut mit reichlich Wasser zu überschütten. Wenn die gesamte Asche bereits gut durchfeuchtet ist und kein erneuter Rauch beziehungsweise Dampf beim Übergießen mehr aufsteigt, ist es ein guter Indikator dafür, dass das Feuer vollflächig gelöscht ist. Die Löschung sollte man am nächsten Tag kontrollieren und eventuell wiederholen. Sollte das Feuer nicht nachgelöscht werden, ist es zu empfehlen, die Asche über einen längeren Zeitraum bis zum vollständigen Erkalten zu beaufsichtigen.
Die KARL-Regel der Feuerwehr.
Als Offizier der Berufsfeuerwehr Graz können Sie sicher auf einige Einsätze zurückblicken. Welche der vorangegangenen Tipps sind auch auf den Brandschutz zu Hause
anzuwenden?
Huber: Nahezu alle Punkte können ident oder leicht abgewandelt zur Anwendung kommen und insbesondere erweitert werden. Als absolut empfehlenswert für den Innenraum sehe ich die Installation von Rauchmeldern. Sollte eine Gastherme oder ein festoffbefeuerter Ofen vorhanden sein, ist die Installation eines Kohlenmonoxidmelders ebenfalls empfehlenswert. Diese akustischen Warnmelder können Leben retten und erheblichen Sachschaden abwenden, eine Nachrüstung zahlt sich aus.
Löschmittel wie Feuerlöscher unterliegen verschiedensten Klassifizierungen, die durch die angedruckten Buchstaben für Konsument:innen ersichtlich sind. Welcher Feuerlöscher gehört Ihrer Meinung nach in jeden Haushalt?
Huber: Das ist der ABF-Löscher. Dieser ist ein universell einsetzbarer Feuerlöscher, der für nahezu jeden Einsatzbereich im privaten Haushalt geeignet ist. Dieser Löscher ist für FESTE STOFFE (A), FLÜSSIGE oder FLÜSSIG WERDENDE STOFFE (B) und für FETTE und SPEISEÖLE (F) geeignet.
Ist bei der Handhabung beziehungsweise bei der Aufbewahrung eines Feuerlöschers etwas zu beachten?
Huber: Feuerlöscher sind nur für die Bekämpfung von Entstehungsbränden geeignet und sollten mit einem Sicherheitsabstand von circa einem Meter eingesetzt werden. Bei eingehaltenem Überprüfungsintervall von zwei Jahren ist ein Feuerlöscher mehrere Jahre einsatzbereit.
Wo kann man seinen Feuerlöscher auf Funktionalität überprüfen lassen?
Huber: Hierfür gibt es in Österreich Unternehmen, die diese Dienstleistung übernehmen. Auch diverse freiwillige Feuerwehren bieten regelmäßig Termine an, bei denen Unternehmen vor Ort die Überprüfung durchführen.
Sollte man zusätzlich beim Kauf eines Feuerlöschers auf noch etwas achten?
Huber: Ja, ein Feuerlöscher sollte nach der gültigen Ö-NORM hergestellt sein. Aus diesem Grund ist bei Käufen über das Internet besondere Vorsicht geboten. Online angebotene Feuerlöscher, die auch nach Österreich geliefert werden, müssen nicht dem österreichischen Sicherheitsstandard ent
sprechen.