Mobile Dienstleister – mit Herz

Wo Pflegeheime anhand bestehender Strukturen umfassend für die Bewohner:innen sorgen, hat man im privaten Bereich die Qual der Wahl. Viele Einsatzgebiete und Differenzierungen ergeben ein breites Spektrum an Leistungsanbietern. Unterstützung im Haushalt, Begleitung zum Arzttermin oder ein Gespräch gegen die Einsamkeit, hier ist für jeden etwas dabei.

Am Foto ist zu sehen wie die Pflegerin der Gepflegten beim Aufstehen hilft.
Die Heimhilfe leistet umfassende Unterstützung im Alltag, geben Sicherheit und entlasten die Angehörigen.

Heimhilfe

Die Leistungen der Heimhilfe zur Unterstützung in der Haushaltsführung werden von den Organisationen der Mobilen Pflege- und Betreuungsdienste/Hauskrankenpflege angeboten.

Tipp

Bei einem zusätzlichen Bedarf an Haushaltstätigkeiten (z. B. Woh­nungsputz, einfache Gartenarbeit) informieren Sie sich ggf. über die Mög­­lichkeit des Dienstleistungsschecks unter: www.dienstleistungsscheck-online.at

Einige Gemeinden bieten zusätzlich ehrenamtliche Einkaufs- und Bringdienste an, z. B. für Lebensmittel, Dinge des täglichen Bedarfs oder aus der Apotheke – erkundigen Sie sich bei Ihrem Gemeindeamt.
Services, die von Heimhilfen erbracht werden, sind z. B. Wäschepflege, Beheizen der Wohnung, Erledigung von Einkäufen, Zubereitung von kleinen Mahlzeiten (z. B. Frühstück), Reinigung des unmittelbaren persönlichen Lebensumfeldes.

Nicht im Leistungsumfang enthalten sind Wohnungsgroßputz, Leistungen für Angehörige, haustechnische Leistungen u. Ä.

Die betreuende Organisation ermittelt für Sie den zu leistenden Kostenanteil und informiert über mögliche Förderungen und Unterstützungen. Erkundigen Sie sich über Serviceanbieter bei Ihrem Gemeindeamt, der Pflegedrehscheibe Steiermark oder bei der Hauskrankenpflege.

Am Foto ist die junge Pflegerin mit der Gepflegten zu sehen.
Die mehrstündigen Alltagsbegleiter führen keine Pflegetätigkeiten durch. Sie begleiten außer Haus und wirken mit Gesprächen der Einsamkeit entgegen.

Mehrstündige Alltagsbegleitung

Als zusätzliches Leistungsangebot im Rahmen der Hauskrankenpflege in der Steiermark ist die mehrstündige Alltagsbegleitung vielfach bei Klient:innen unterwegs.

Die/der Alltagsbegleiter:in beaufsichtigt, unterstützt und begleitet ältere und pflegebedürftige Menschen für mehrere Stunden am Tag (z. B. Gespräche führen, gemeinsame Besuche, außerhäusliche Erledigungen). 

Alltagsbegleiter:innen führen keine medizinisch-pflegerischen Tätigkeiten oder Haushaltstätigkeiten aus. Bei Bedarf ist eine Fachkraft für die pflegerischen Tätigkeiten, die im Verlauf des Einsatzes anfallen, hinzuzuziehen. Die betreuende Organisation ermittelt für Sie den zu leistenden Kostenanteil und informiert über mögliche Förderungen und Unterstützungen. Fragen Sie hierzu bei Ihrem Gemeindeamt, der Pflegedrehscheibe Steiermark oder bei der Hauskrankenpflege.

Tipp

Der/die Alltagsbegleiter:in kann einen wertvollen Beitrag zur Entlastung der pflegenden Angehörigen darstellen. Die Alltagsbegleiter:innen verfügen über eine abgeschlossene Ausbildung zur Heimhilfe und Begleiten auch bei Behördenwegen.

Am Foto ist die Pflegerin zu sehen, die von der Gepflegten umarmt wird.
Die Besuchs- und Begleitdienste der Pfarren sin ehrenamtliche Mitarbeiter:innen.

Besuchs- und Begleitdienst

Der Isolation und der Einsamkeit sagen die ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen diverser privater sozialer Einrichtungen und Pfarren mit dem Besuchs- und Begleitdienst den Kampf an. 

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter:
innen begleiten bei Terminen außer Haus oder auch bei Spaziergängen. Ziel ist es, der Einsamkeit
entgegenzuwirken und die Eigenständigkeit von älteren Menschen zu fördern. Die Besuchsdienste beinhalten keine Pflege- und Haushaltstätigkeiten. 

Die Inanspruchnahme ist kostenlos. Die Finanzierung erfolgt meist durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Sponsorenmittel. Informationen zur Verfügbarkeit erhalten Sie bei Ihrem Gemeindeamt, Hauskran­kenpflegeorganisation oder Ihrer Pfarre.

Tipp

Häufigkeit, Dauer und Betreuungszeitpunkt werden direkt mit dem Anbieter vereinbart. Was ansteht, machen sich die Betreuungsperson und der/die Klient:in meist direkt aus.

Wichtiges

Weitere Informationen und kostenlose Beratung erhalten Sie HIER bei den Pflegedrehscheiben des Landes Steiermark.

 

Foto: © PeopleImages.com – Yuri A / Shutterstock.com

 

Rotes Kreuz – Pflege daheim

Im eigenen Zuhause professionell betreut werden, das ist der mehrheitliche Wunsch von Menschen, die pflegerische und/oder medizinische Versorgung brauchen. Das Rote Kreuz stellt dafür auch in der Steiermark ein hochqualifiziertes Angebot zur Verfügung. Gisela Ambrosch, die stellvertretende Landespflegedienstleiterin, gibt Einblick in die „Pflege daheim“.

Am Foto ist Frau Gisela Ambrosch, stellvertretende Landespflegedienstleiterin des roten Kreuzes Steiermark zu sehen.
Frau Gisela Ambrosch, stellvertretende Landespflegdienstleiterin des österreichischen roten Kreuzes Steiermark im Interview. © Rotes Kreuz Steiermark/L. Kundigraber

Wie viele Menschen versorgt der mo­­bile Pflegedienst des Roten Kreuzes in der Steiermark?

Gisela Ambrosch: Wir betreuen im Rahmen von „Pflege daheim“ derzeit rund 3.000 Klient:innen pro Monat. Dafür sind knapp 700 Mitarbeiter:innen im Einsatz – in 22 Teams und 11 Bezirken der Steiermark. Die Teams setzen sich aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammen; da gibt es diplomiertes Pflegepersonal, Pflegefachassistent:innen, Pflege­assistent:innen, Heimhelfer:innen und Alltagsbegleiter:innen. Die Rahmenbedingungen dafür, welche Berufsgruppe was machen darf, werden vom Land Steiermark genau vorgegeben. 

Welche Leistungen werden konkret erbracht?

Ambrosch: Alles, was in den Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege fällt und was vom niedergelassenen Hausarzt angeordnet wird. Das reicht von der Wundversorgung über Infusionen, Injektionen bis zur Katheterpflege.

Wie kommen Pflegebedürftige zu diesen Leistungen?

Ambrosch: Da gibt es verschiedene Wege. Mehrheitlich läuft der Kontakt über den jeweiligen Hausarzt oder die Hausärztin. Klient:innen melden sich aber auch selbst – oder deren Angehörige. Auch über das Entlassungs-Management der Kliniken und die Pflegedrehscheibe des Landes Steiermark werden Adressen vermittelt. Fällt der Klient in unseren regionalen Zuständigkeitsbereich, erfolgt durch eine/n Diplom-Gesundheits- und Krankenpfleger:in die Kontaktaufnahme und die Erhebung des Pflegebedarfs.

Wie erfolgt die Finanzierung?

Ambrosch: Mehr als 51 Prozent der anfallenden Kosten werden vom Land Steiermark übernommen, rund 22 Prozent steuern die Gemeinden bei und rund 25 Prozent muss der/die Klient:in selbst finanzieren. Etwa zwei Prozent kommen von der Österreichischen Gesundheitskasse dazu – und zwar in Form einer Pauschale für die medizinische Hauskrankenpflege.

Pflege Zuhause ist ein besonders sensibler Bereich. Wie wird die Qualität gesichert?

Ambrosch: Auch hier gibt es ganz klare Vorgaben. Zum einen seitens des Bundes – über das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz- und zum anderen über die erwähnten Förderrichtlinien des Landes. Sie sind an fixe Qualitätskriterien gebunden. So wird etwa die Erhebung des Gesundheitszustandes und Pflegebedarfs über ein valides Assessment abgewickelt – mit acht Doppelseiten an Fragen. Das ist eines der wichtigsten Qualitätskriterien. Ein weiterer Qualitätsgarant ist die Tatsache, dass ausschließlich qualifizierte Mitarbeiter:innen aufgenommen werden. Um diesen Level zu halten, sind jährliche Fortbildungen verpflichtend. Außerdem wird direkt bei den Klient:innen die sogenannte Klient:innenzufriedenheit erhoben – anonym wie auch über das diplomierte Pflegepersonal während ihrer Pflegevisite. Diese ist vom Land Steiermark vorgeschrieben und verpflichtend einmal im Jahr durchzuführen.

Welche Entwicklungen nehmen Sie im mobilen Pflegebedarf wahr?

Ambrosch: Immer mehr ältere und hochbetagte Menschen leben allein. Da wird professionelle Hilfe verstärkt notwendig werden. Und mit dem weiteren Anstieg der Lebenserwartung wird auch die Zahl von chronisch und geriatrisch erkrankten Menschen weiter steigen. Es wird also einen noch höheren Bedarf an mobiler Pflege geben.

Was sehen Sie als die größte Herausforderung für die (mobile) Pflege?

Ambrosch: Ein ganz großes Thema ist der Fachkräftemangel – das wird in den nächsten Jahren sicher immer schwieriger zu bewältigen sein.

Was macht das Rote Kreuz für Pflegepersonal besonders attraktiv?

Ambrosch: Das Rote Kreuz hat allen voran einmal ein sehr gutes Image. Bei uns arbeitet man in professionellen Teams mit bestens ausgebildeten Kolleg:innen zusammen – nach den Werten des Roten Kreuzes. Wir nehmen auch sehr stark Rücksicht auf die private Situation der Mitarbeiter:innen.  So können etwa auch junge Mütter gut in der mobilen Pflege arbeiten.

Ihr diesbezüglicher Appell an die Gesellschaft?

Ambrosch: Wer allein lebt, sollte sich rechtzeitig klar machen, welche Hilfe im Bedarfsfall gewünscht ist – eine Wohngemeinschaft, ein Tageszentrum oder eine Pflegeeinricht­ung? Und: Angehörige sollten sich so früh wie möglich bei uns melden, um präventive Möglichkeiten abzuwägen, wie etwa Einkaufshilfe, Sturzprävention oder Adaptierungen in der Wohnung. Meist werden wir nämlich erst kontaktiert, wenn die betroffene Person bereits bettlägrig ist.

Wenn es einmal notwendig sein sollte, wie würden Sie gerne gepflegt werden?

Ambrosch: Ich finde eine Alters-WG mit Pflegebeauftragten am reizvollsten. Im englischen und skandinavischen Raum gibt es das bereits. Ein Modell, das mir auch für das Rote Kreuz vorschwebt.

 

Kontaktdaten österreichischen roten Kreuzes Steiermark

Mobile Pflege und Betreuung 050 1445 / 10202

24-Stunden-Personenbetreuung 0800 222 800

Betreutes Wohnen 050 1445 / 10250

Seniorentageszentren 050 1445 / 10202

Besuchs- und Begleitdienste 050 1445 / 10156

 

Entgeltliche Einschaltung

Foto: © Ground Picture / Shutterstock.com, Rotes Kreuz Steiermark/L. Kundigraber, pikselstock / Shutterstock.com

Text: Johanna Vucak

Siegfried Schrittwieser: Endlich Uhu!

Warum Altpolitiker Siegfried Schrittwieser nach Landhaus, Rotem Kreuz und Kirche jetzt Uhu werden wollte.

Diese zwei Dinge zu glauben fällt einem schwer, wenn sich der – salopp formuliert, könnte man sagen – „Gute-Laune-Typ“ vor der Pernegger Frauenkirche aus seinem Ford Kuga schwingt, dass er nämlich eine Woche zuvor noch mit einer covid-bedingten schweren Lungenentzündung kämpfte und dass er soeben auch beim Siebziger angeschrieben hat. Warum sich „Abenteuer Alter“ mit dem früheren Landeshauptmann-Stellvertreter Siegfried Schrittwieser ausgerechnet vor dieser Marien-Wallfahrtskirche traf, hat einen besonderen Grund, worüber hier noch die Rede sein wird.

Auf unser scherzhaftes Kompliment zur Begrüßung „Gratuliere, der schlankste Siegi, denn es je gab“ antwortet er lachend: „Ich habe mir auch fest vorgenommen, zu meinem Siebziger ein Uhu zu werden. Jetzt habe ich’s geschafft, jetzt bin ich Uhu. Unter hundert Kilo.“

Vor sieben Jahren hatte sich der gebürtige und auch heute noch dort wohnhafte Thörler Siegfried „Siegi“ Schrittwieser aus der Landespolitik verabschiedet, nicht aber von den Menschen, für die er immer da war. Vor allem nicht für jene aus „seiner“ Region, dort ist er weiterhin omnipräsent. Nicht als stimmenwerbender Politiker, sondern als engagierter Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes für Bruck-Mürzzuschlag. „Ich bin im Jahr 2016 zum Bezirksstellenleiter gewählt worden und es ist dann ein Jahr später die Fusion der vier Rot-Kreuz-Bezirke Bruck, Kapfenberg, Mürzzuschlag und Mariazell gelungen und, was mich besonders freut, wir schreiben heute schwarze Zahlen.“

Ganz von ungefähr kommt dieser erfreuliche Umstand nicht, der lässt auch auf eine gewisse Beharrlichkeit und Durchsetzungsfreude des Bezirksstellenleiters zurückführen: „Natürlich besuche ich mindestens einmal im Jahr alle 19 Bürgermeister unseres Rot-Kreuz-Bezirkes, halte enge persönliche Kontakte mit der Wirtschaft und habe immerhin auf diese Art in den letzten sechs Jahren mehr als drei Millionen Euro zusätzlich auftreiben können.“ Und übrigens: Vor kurzem wurde Siegfried Schrittwieser wieder für die nächsten fünf Jahre ohne jede Gegenstimme zum Bezirksstellenleiter gewählt.

Zum Sammeln von Erfahrungen für das Rote Kreuz hatte der gestandene Landes- und Kommunalpolitiker reichlich Gelegenheit. „Denn immerhin“, so Schrittwieser, „war ich schon 1983 Ortstellenleiter vom Roten Kreuz in Thörl und dort war meine erste Aktion, dass wir eine neue Dienststelle gebaut und dabei keine Schulden gemacht haben. Und ich muss sagen, ich bin heute nach 39 Jahren Rotes Kreuz noch immer gerne für diese Einrichtung da, weil ich spüre, ich habe noch die Kraft, die Freude und die Begeisterung und die lege ich jetzt in die Arbeit für das Rote Kreuz und schaue, dass ich so viel wie möglich von dem zurückgeben kann, was ich in meinem Berufsleben erfahren habe.“

Siegfried Schrittwieser als Bezirksstellenleiter beim Roten Kreuz

Was er alles in diesem Berufsleben erfahren hat? Erstens eine profunde Ausbildung als Schlosser bei der Firma Pengg in Thörl und zweitens in „seiner“ Sozialdemokratischen Partei einen Werdegang, von dem er heute nicht ohne Stolz sagen kann: „Niemand anderer in der SPÖ hat derart viele Funktionen ausgeübt wie ich.“ Mit 16 Jahren Landesobmann der jungen SPÖ, mit 27 der damals jüngste Vizebürgermeister, Bezirkspartei Parteisekretär. Mit seiner Einsatzfreude bald in Graz aufgefallen berief ihn Peter Schachner zum Landesparteisekretär. 1987 zum ersten Mal in den Landtag gewählt, in weiterer Folge Klubobmann im Landtag, dann einen Stellungswechsel von der Grazer Landhausgasse in das Thörler Rathaus, wo er den Bürgermeistersessel einnahm.

„Nachdem man mehrfach mit dem Ansinnen, mich als Bürgermeister zur Verfügung zu stellen, an mich herangetreten ist, habe ich zu den Thörlern gesagt ‚Gut, wenn’s ihr mich unbedingt wollt’s, dann komme ich.‘ Die haben gewollt und ich habe mich an mein Versprechen gehalten und bin Bürgermeister geworden, was in der Praxis jedoch bedeutet hat: Dienstauto weg und weniger verdienen. Aber Versprechen sind dazu da, um gehalten zu werden. Und die Belohnung ist gekommen in Form von mehr als 70 Prozent der Stimmen bei der nächsten Gemeinderatswahl.“

2005 eine „Rückholaktion“ nach Graz, diesmal als Präsident des Steiermärkischen Landtages, 2009 von Landeshauptmann Franz Voves als Landesrat für Soziales der Öffentlichkeit vorgestellt und ein Jahr später nach der Landtagswahl zum Landeshauptmann-Stellvertreter mit den Ressorts Soziales und Erneuerbare Energie ernannt. 2015 dann mit 63 Jahren der Abgang von der politischen Bühne, bedacht mit höchsten Auszeichnungen, darunter auch der großen Viktor-Adler-Plakette.

Erwin Zankel, ehemaliger Chefredakteur der Kleinen Zeitung und ebenfalls gebürtiger Thörler, der Siegi Schrittwiesers politischen Weg von dessen Jugend an mitverfolgte, kommt bei der Beurteilung des Gesamterscheinungsbildes Schrittwieser zu folgendem treffsicheren Schluss: „Bei ihm hat man sich jedes Mal, wenn er wieder eine neue Funktion antrat, die Frage gestellt, ob das für ihn nicht eine Nummer zu groß sein könnte. Und man konnte recht bald feststellen: Nein, ist es nicht. Er ist in jedes Amt rasch hineingewachsen und hat es überraschend gut ausgefüllt.“

In die Wiege gesungen war dem Sohn aus dem einfachen Arbeiterhaushalt in Thörl dieser Aufstieg in die Höhen der Landespolitik sicher nicht – sechs Kinder, drei Buben, drei Mädel, Mutter Hausfrau, Vater Alleinverdiener. Mit sechs Jahren ging der Bub schon ministrieren, machte das mit Begeisterung bis zu seinem zwölften Lebensjahr, dann war einmal Schluss. „Wir hatten damals Wochendienste, das hieß eine Woche lang jeden Tag um sechs Uhr Messe, zusätzlich Begräbnisse, aber auch Hochzeiten. Die waren gefragt, weil da hat es dann hier und da auch für die Ministranten ein paar Schillinge gegeben. Aber dafür wurde ich nie eingeteilt und einmal fragte ich den Kaplan, warum ich nicht darf und er stellte mir nur die Gegenfrage: Ministrierst du vielleicht nur wegen dem Geld? Ich habe mich umgedreht, bin gegangen und nie wiedergekommen. Ich war immer schon ein Gerechtigkeitsfanatiker.“

Diese Erfahrung hat aber seine positive Einstellung zur Katholischen Kirche nie getrübt, im Gegenteil, als Landtagspräsident hat er auch den Dialog mit Bischof Egon Kapellari gesucht und gefördert und als die Frauenkirche in Pernegg, als beliebte Wallfahrtskirche auch Klein-Mariazell genannt, bedenklich zu bröckeln begann, wandte sich der damalige Bürgermeister Andreas Graßberger an seinen Freund Siegi Schrittwieser: „Du, deine Frau Liesi ist ja Perneggerin und es wäre schön, wenn du uns da helfen könntest.“ Er half, wurde Obmann des Kuratoriums zur Rettung der Frauenkirche, setzte auf sein Verhandlungsgeschick und seine Verbindungen und man überzeuge sich selbst – das barockisierte Kulturjuwel ist es allemal wert, von der Brucker Schnellstraße D 35 die Abfahrt Pernegg zu nehmen und dort innezuhalten.

Einen Ruf als erfolgreicher Kirchensanierer wird man nicht so leicht los, also folgte schon die Einladung zum nächsten Kuratoriumsvorsitz, diesmal für die Pfarrkirche von Seewiesen. „Auch das ist nun abgeschlossen und selbst das Problem in St. Ilgen, dort habe ich aber nur dem Kuratorium angehört, haben wir gelöst. Der Turm ist dort schon ein wenig schief gestanden, jetzt hält er wieder für die nächsten Jahrzehnte.“

Rotes Kreuz, Kirche, und sonst noch etwas, was ihm den „Unruhestand“ verkürzt? „Oh ja, meine Frau und ich haben uns ein Jahresticket gekauft und entdeckt, wie schön es ist, mit den Öffis zu reisen. Vor kurzem waren wir in Venedig – super. Aber an meine Altersgeneration möchte ich an dieser Stelle schon noch eine kleine Botschaft ausrichten: Es soll niemand glauben, dass er, nur weil er 70 ist, schon zum alten Eisen gehört. Es ist nämlich wirklich schön, vorausgesetzt man ist noch gesund, sich in die Gesellschaft einzubringen und etwas Gutes zu tun. Schließlich kommt auch viel wieder zurück. Und das tut einem gut.“

von Dieter Rupnik
© Luef Light
Beitrag veröffentlicht am 01. August 2022