Mein Beruf ist gefährlich

Die Grazerin Aglaia Szyszkowitz avancierte zum Star in Film und Fernsehen. Für Abenteuer Alter spricht sie Klartext über diesen Beruf, ihre Rollen und ihre Zustimmung zur MeToo-Bewegung.

25  Jahre nach ihrem Durchbruch in der Beziehungskomödie „2 Männer, 2 Frauen – 4 Probleme?“ kämpft sich die Wahlmünchnerin nach einem Bandscheibenvorfall gerade zurück auf die Sets, die ihre Welt bedeuten. Aglaia Szyszkowitz (55) liebt es, in fremde Rollen zu schlüpfen und bringt dazu Talent und Professionalismus mit. Es macht ihr Spaß, einmal eine toughe Polizistin zu sein, dann eine manisch-depressive Ärztin und ein anderes Mal eine überdrehte, kiffende Althippie-Mutter. 

Was so faszinierend klingt, ist ein knochenharter Job, sagt die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. Sie kennt die Herausforderung von allen Seiten, weil sie die älteste Tochter berufstätiger Eltern war. Als Schauspielerin hat sie den Nachwuchs einige Zeit mit aufs Set genommen, aber dann selbst das typische Schicksal der berufstätigen Frau erlebt. „Ich habe gelitten, dass ich so viel von ihnen getrennt war“, sagt Szyszkowitz, die mit einem Münchner Manager verheiratet ist. Am schlimmsten hat sie bei Dreharbeiten die Freitage empfunden, weil die Teams der Krimi-Produktionen dann die nächtlichen Drehs machen, die meist bis in die frühen Morgenstunden dauern. Dann kommt man vollkommen überdreht nach Hause und ist für die Familie den ganzen Samstag nicht zu gebrauchen, erinnert sie sich mit Bedauern. Die Liebe für die Schauspielerei kann das nicht trüben. Vielleicht wäre aus ihr auch eine gute Ärztin geworden, überlegt die Tochter eines angesehenen Unfallchirurgen und einer Psychotherapeutin. Das Medizinstudium hat sie in Graz begonnen, ehe sie sich nach einer schweren Erkrankung für die Bühne entschied und das Metier am Wiener Volkstheater erlernte. In fünf Spielzeiten an deutschen Bühnen machte sie als Viola in „Was ihr wollt“, als Helena in „Faust II“ und in anderen Rollen die Regisseure und das Publikum auf sich aufmerksam. Das Theater ist nach wie vor ihre Leidenschaft und Szyszkowitz beklagt, dass die Arbeit auf der Bühne und am Set sich oft nicht gut kombinieren lässt. Das bedauern auch ihre zahlreichen Fans, die nicht genug von der wandelbaren Grazerin haben können. Nach dem Durchbruch vor der Kamera spielte sie sich in mehr als 100 Rollen in die Herzen des Publikums.

Zuletzt hat Aglaia Szyszkowitz das Repertoire erweitert, indem sie 2022 eine Rolle in der US-Miniserie „Inventing Anna“ spielte. Seither setzt sie sich das Ziel, stärker in das internationale Filmgeschäft einzusteigen, in dem sie schon 2006 im Drama „Klimt“ an der Seite des Hollywood-Stars John Malkovich Fuß gefasst hat. Mit der Rolle als Modell, Muse und Geliebte am Sterbebett des so genialen wie zügellosen Künstlers erwarb sie sich große Lorbeeren.

Die Wochen, als sie zuletzt wegen ihrer Rückenprobleme nur Beobachterin sein konnte, haben den Blick auf die Branche gefestigt, die sie als „gefährliches Pflaster“ wahrnimmt. „Es dreht sich alles so sehr um einen selbst, dass es sehr schwer ist, diesen Beruf von der eigenen Person zu trennen und mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben.“ Ein großes Vorbild ist für sie eine andere Wahlmünchnerin aus Österreich, Senta Berger. An ihr beobachtet sie, „wie man würdevoll älter wird, warmherzig und geerdet bleibt.“ Das sind in der glitzernden Branche keine Selbstverständlichkeiten. „Ich wünsche mir manchmal, einen Beruf zu haben, den ich klar von meiner Person trennen kann.“

Kein anderer Beruf ist so unerbittlich mit dem Alter und dem Geschlecht gerade der Frauen, wird dem Star bewusst. Sie empfindet, dass eine gesundheitsbedingte Pause geradezu an einen Abgrund führen kann und arbeitet umso intensiver an weiteren beruflichen Herausforderungen. Es sind brüchige, zerrissene Charaktere, die sie interessieren oder historische Personen. Die Rolle der Schirennläuferin Nikola Werdenigg, die sexuelle Übergriffe im Schisport erlitten und öffentlich gemacht hat, konnte sie gesundheitsbedingt nicht spielen, aber die Geschichte dieser Frau hat ihre eigene Einstellung zu dem heiklen Thema beeinflusst. Sie unterstützt die Me too-Bewegung, hatte aber keine persönlichen Erfahrungen, die inakzeptabel oder traumatisch gewesen wären. „Ich habe meine Haltung immer sehr klar kommuniziert und solchen Männern keine Möglichkeit gegeben, mir zu nahe zu kommen.“ Da mag das Selbstbewusstsein einer Frau mit dem Hintergrund des gehobenen Bürgertums hilfreich gewesen sein, als sie mit durchaus exzellenten Kollegen, Regisseuren und Produzenten zu tun hatte, die sich auch als lüsterne Männer entpuppten. Sie erinnert sich, wie filmschaffende junge Frauen am Set offen aufforderten, ihnen den Nacken zu massieren, und hinter vorgehaltener Hand wohl auch Anderes reklamierten. Dabei hat der Star durchaus keine Bedenken, sich nach dem Gebot des Drehbuchs vor der Kamera auch als lustvolle Frau zu geben. Ihr hätte es Spaß gemacht, bei den Salzburger Festspielen der Buhlschaft besondere feminine Facetten zu verleihen.

 

Text von Johannes Kübeck
Bilder von Christian Jungwirth
Beitrag veröffentlicht am 08.05.2023

Frausein bleibt ein Härtefall

In einem ihrer seltenen Interviews präsentiert sich die 81-jährige Erika in der Printausgabe von Abenteuer Alter als Kämpferin für die Sache der Frauen. Sie sieht im Kampf um Gleichberechtigung zwar Teilerfolge, aber nur in den entwickelten Gesellschaften. Global gesehen „sind Frauen nicht besser dran als Tiere“. Vor allem religiösen Fundamentalismus macht sie dafür verantwortlich.

Erika Pluhar hat drei berufliche Karrieren hingelegt, als Schauspielerin, Sängerin und Buchautorin. Aber sie verrät, dass so etwas wie Karriere sie nie interessiert habe. Sie wollte das, was sie gerade tut, sehr gut machen, und ist froh, dass sie so viele interessante Menschen kennenlernen konnte.

Sie erzählt von Tiefschlägen in ihrem Privatleben, wie dem tragischen Verlust der Tochter: „Das Leben hat mir sicher ordentlich eingeschenkt“. Pluhar war verheiratet mit dem Unternehmer und Designer Udo Proksch, der in der „Lucona“-Affäre wegen Mordes verurteilt wurde und 2001 im Gefängnis starb. Ihr zweiter Mann war der Universalkünstler André Heller.

Sie erzählt in dem Interview, wie sie als Schauspielerin versucht habe, die Charaktereigenschaften der Figuren in sich aufzuspüren, die sie darstellte. „Das war für mich das Schöne an diesem Beruf: Ich konnte plötzlich entdecken, dass in mir noch ganz andere Charakterzüge zu finden sind.“


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Johannes Kübeck
26.03.2021
Bildquelle: Günther Peroutka