Chocolatier Josef Zotter hat erkannt, dass die Liebhaber von Schokolade in ungewissen Zeiten das Traditionelle bevorzugen.
Sein Optimismus gilt auch für Weihnachten 2020. Josef Zotter, weltweit angesehener steirischer Produzent edler Schokolade und Wirbelwind der Kreativität, ist überzeugt, dass die Menschen am Ende des problematischen Jahres 2020 „die schönsten Weihnachten ever“ erleben könnten, das schönste Weihnachtsfest seit langem. Die Familien werden Zeit haben füreinander, persönlich oder über soziale Medien. Keiner wird am Christtag nach Hurghada jetten oder nach Kitzbühel hetzen und das Vergnügungsangebot zu Sylvester ist zumeist abgesagt.
Die Erwartung stützt sich nicht auf teure Studien über das Konsumverhalten, sondern auf sein Gespür. Das hat Josef Zotter noch selten getrogen. Mit Erstaunen nimmt er seit Wochen wahr, dass seine Kunden heuer bei Schokolade das Bekannte, das Gewohnte und Traditionelle bevorzugen und auf geschmackliche Extravaganzen verzichten. „Die Leute haben heuer genug von bösen Überraschungen“, sagte er und meint damit die Corona-Pandemie und ihre gravierenden Auswirkungen auf das tägliche Leben. Sein Gespür sagt ihm: Da ist diesmal etwas anders, er ortet eine Art Rückbesinnung.

Der Schokoladeproduzent Zotter reagiert entschlossen: Keine Experimente, keine Überraschungen beim Produkt, sondern das vertrauensvoll Gewohnte. Das heißt in diesem speziellen Fall Nuss. Zotters süße Weihnachtskreationen bestehen heuer bevorzugt aus Nougat, Nussfüllungen, Erdnusscreme, Haselnusskrokant oder Mandelmarzipan.
Zotters Unternehmen hat 2020 nichts von der Corona-Krise zu spüren bekommen. Das hat nicht damit zu tun, dass viele Leute öfter zur Schokolade greifen, wenn sie depressiv sind. Der Selfmade-Marktforscher hat eine ganz andere Begründung. Die Menschen haben wegen der Corona-Ängste und der entsprechenden Maßnahmen eine geringere Auswahl als zuvor, was sie mit ihrem Leben, ihrer Freizeit und ihrem Geld anfangen können. Reisen, Sportevents, Festivitäten und andere Zusammenkünfte sind massiv eingeschränkt, aber in den Supermärkten und anderen Verkaufsstellen können die verstörten Konsumenten das vertraute Bild der süßen Zotter-Kreationen sehen.
Seine Marketingwerkzeuge, die kein Großkonzern der Süßwarenbranche beherrscht, machen Josef Zotter zum bunten Hund in der Welt der Schokolade. Wenn die Unsicherheit unserer Corona-Zeit wieder sinkt, wird Zotter sicher der erste sein, der seine Kunden und Freunde mit exzentrischen Verrücktheiten aus Schokolade an die Rückkehr der Normalität erinnern wird.

