Uni-Graz-Logistiker Marc Reimann hat in einem Gedankenexperiment eine monatelange Dauer für Massentests errechnet.
Massentests hat die Regierung für Dezember angekündigt, um die Covid-19-Infektionen in Schach zu halten. Was in der Slowakei funktioniert hat, soll auch hierzulande passieren. Freiwillig. Marc Reimann, Logistik-Forscher an der Universität Graz, hat sich auf dieses Gedankenexperiment eingelassen. Er kommt zum Schluss: Realistisch betrachtet könnte eine Durchtestung der gesamten Bevölkerung zwischen vier und sechs Monate dauern.
Unter der Voraussetzung, dass wirklich alle sich auf Covid-19 testen lassen, hat der Professor am Institut für Operations und Information Systems Berechnungen angestellt. Seine Annahmen: „Alle drei Minuten wird eine Probe genommen, an den Teststationen entsteht nie – im gesamten Monat – auch nur eine winzige Pause.“ Um diese Zahl zu erreichen, müsste man an 1000 Stationen sieben Tage die Woche, 15 Stunden täglich durcharbeiten. Damit käme man auf die benötigten 300.000 Tests pro Tag. Dies unter der Prämisse, dass auch die Auswertungskapazitäten vorhanden sind.
Derzeit werden bis zu 30.000 Personen täglich auf Covid-19 untersucht. „Bei der gegenwärtigen Kapazität würden wir folglich zehn Monate brauchen, um ganz Österreich zu testen“, so der Forscher. Eine Verdoppelung der vorhandenen Ressourcen sieht er als realistisch, aber selbst dann würde ein Screening der neun Millionen Einwohnerinnen und Einwohner noch immer vier bis sechs Monate dauern.
Ganz abgesehen von der notwendigen Frequenzsteigerung sieht Reimann noch zahlreiche weitere logistische Herausforderungen: Sind überhaupt genügend Tests verfügbar? Wenn nein, woher könnten diese bezogen werden? Wo und wie sollen diese gelagert werden? Wie werden sie von dort zu den Stationen verteilt?
Reimann bringt auch noch den Faktor Mensch in Spiel: „Wir wissen von den verschiedensten Konsumentscheidungen, dass Bequemlichkeit eine große Rolle spielt. Das heißt: Je mehr Teststationen es gibt, desto angenehmer ist es, zur nächstgelegenen zu gelangen.“ Dieser Aspekt, meint der Logistik-Experte, könnte im Gegenzug die Akzeptanz des Testangebots erhöhen. Außerdem würde ein geringeres Personenaufkommen pro Standort die Sicherheit erhöhen. Der Haken: Die Dezentralisierung führe zu höheren Kosten, da mehr Stationen ja mehr Personal benötigen, und auch die Verteillogistik aufwendiger wird.
Die Kleine Zeitung hat zuletzt berichtet, dass für die Massentests bis zu 8.000 Soldaten aufgeboten und 2.000 Teststraßen errichtet werden sollen. Es werde mit vier Millionen Freiwilligen gerechnet, die sich einem Antigen-Schnelltest unterziehen. Die erste Testreihe ist rund um den 6. Dezember geplant. Dabei sollen an die 200.000 Personen getestet werden, vorwiegend aus dem Bildungs- und Gesundheitsbereich.

