Mit uns wird die Gesundheitsversorgung verbessert! | Anton Lang, SPÖ

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Fast jeder dritte Wahlberechtigte ist bei dieser Landtagswahl über 60 Jahre alt. Sagen Sie uns bitte genau, warum die Senioren der Steiermark die SPÖ wählen sollen?

Anton Lang: Ich gehöre ja auch zu dieser Gruppe 60 plus! Ich glaube, gerade die Sozialdemokratie war es in den vergangenen Jahren und wird in Zukunft ein Garant dafür sein, dass es bei der älteren Generation nicht nur um das Werben um Stimmen geht, sondern dass ihre Anliegen auch umgesetzt werden. Das ist so wichtig, weil diese Generation aufgebaut und den Wohlstand geschaffen hat. Jetzt liegt es daran, dieser Generation auch in der Steiermark die Möglichkeit zu geben, entsprechend in Würde und in besten Verhältnissen zu altern. 

Diese große Gruppe ist in der Landesverwaltung unterrepräsentiert, anders als etwa Kinder, Jugendliche, Frauen oder auch Migranten. Warum gibt es kein kompetentes Zentrum für die ältere Generation?

Lang: Das ist eine Querschnittsmaterie. In vielen Bereichen findet man gerade für die ältere Bevölkerung Ansprechpartner, ich denke da an den Sport, die Kultur oder die Gesundheit. Gerade wir in der Steiermark schauen, dass wir diese Gruppe in allen Bereichen entsprechend einbinden.

Wie die SPÖ haben auch die anderen Parteien Vertretungen für die Senioren, aber der Pensionistenbeirat des Landes, in dem sie alle vertreten sind, kommt vielen als ziemlich zahnloses Instrument vor. Viele Senioren vermissen ein schlagkräftiges Sprachrohr …

Lang: Also, ich muss sagen, die Pensionistenvertreter, die zu mir kommen, die verschaffen sich schon ein Gehör und treten schon entsprechend auf. Insgesamt haben die Pensionisten in den Gemeinden und in den Städten einen großen Stellenwert, da gibt es viele Einrichtungen. Das Zusammenspiel der Älteren mit den Gemeinden, den Städten und mit dem Land Steiermark funktioniert sehr gut.

Erstaunlich viele ältere Mitmenschen wollen über die Pension hinaus im Arbeitsprozess bleiben, viele wollen sogar wieder zu arbeiten beginnen. Sie finden aber Hürden und Benachteiligungen vor. Was sagen Sie ihnen?

Lang: Diese Frage muss man an die Bundesregierung stellen. Ich glaube, es ist aus verschiedensten Gründen notwendig und sinnvoll, diesen Personen schon einen Anreiz zu geben. Wenn man sich wieder in die Arbeitswelt begibt, sollte es gewisse Steuererleichterungen geben. Das ist auch wichtig für unsere Wirtschaft. Ich bin der Meinung, mit der Pensionierung geht in vielen Betrieben irrsinnig viel Know-how verloren. Das könnte man weiter in den Firmen haben, wenn es gelingt, diesen Menschen das Angebot zu machen, vielleicht einen oder zwei Tage in der Woche weiter zu arbeiten. Dann können sie diesen Wissenstransfer aktiv betreiben und den Nachfolgenden vieles mitgeben, was sie in einem langen Berufsleben erworben haben. Aus meiner Sicht wäre es unbedingt nötig, hier Anreize zu schaffen.

Wir hinterfragen in diesen Gesprächen auch, wie sehr den Spitzenkandidaten die Anliegen der Älteren bewusst sind. In der Seniorenstudie von Abenteuer Alter haben die Betroffenen ihre zwei allergrößten Sorgen artikuliert, nämlich die Angst vor der Altersarmut und die vor der Einsamkeit. Was glauben Sie, ist die größere dieser beiden großen Sorgen?

Lang: Ich glaube, ein Riesenthema ist die Einsamkeit. Das erfahre ich in vielen Gesprächen. Wenn es irgendwie geht, besuche ich Veranstaltungen von Seniorenklubs und viele andere. Ich glaube, diese Bevölkerungsgruppe verdient es, dass sie gehört wird und dass man ihr Aufmerksamkeit schenkt. Ich bin allen Vereinen dankbar, dass sie sich darum kümmern, dass diese Menschen bis ins hohe Alter zum Beispiel aktiv Sport betreiben bis hin zu Seniorenmeisterschaften. Ich habe das erlebt: Die spielen mit 80 plus Tennis, da können junge Menschen nur neidvoll hinblicken! Oder im Kulturbereich. Erst jetzt habe ich einen Herrn bei der Blasmusik kennengelernt, der mir sagte, er ist 84 Jahre alt und mehr als 60 Jahre aktiver Musiker. Das sind schöne Erlebnisse und es ist Aufgabe der Politik und der öffentlichen Hand, alles zu tun, um das zu verstärken.

Es sind nicht alle mit 80 gute Tennisspieler, sondern in diesem Alter sorgen sich die meisten um ihre Gesundheit. Viele finden generell, dass hier alles immer schlechter wird. Was sagen Sie ihnen?

Lang: Im Vergleich mit anderen Ländern kann ich dem nicht zustimmen. Ich bin schon sehr froh, dass ich in Österreich und der Steiermark leben darf, wo es im Grunde eine gute Gesundheitsversorgung gibt. Aber mir sind die Probleme bewusst. In vielen Gesprächen wird mir gesagt, dass man sehr lange auf einen Termin bei einem Facharzt warten muss. Es gibt das Thema Wahlarzt und ob man sich den leisten kann. Oder es gibt das lange Warten auf Operationen. Da muss man viel verbessern. Meine große Sorge als Obersteirer ist aber, dass es immer weniger praktische Ärzte und Ärztinnen gibt. Das sind die, die Hausbesuche machen, und gerade ältere Leute legen darauf Wert. Sie wollen wissen, wenn sie einen Arzt brauchen, dass er kommt. Das ist ein Riesenthema und darum haben wir als Sozialdemokratie gesagt: Mit uns wird in der Steiermark die Gesundheitsversorgung weiter ausgebaut. Wir brauchen diese Gesundheitszentren, aber in der ganzen Steiermark, in allen Regionen, auch dort, wo man es relativ weit hat zu einem Facharzt, zu einem Krankenhaus. Dort müssen wir diese Gesundheitszentren hinbringen. Da sind wir in der Steiermark auf einem guten Weg, wir haben zwar noch Luft nach oben, aber es muss ein Ziel der nächsten Regierung sein, das noch besser auszubauen. 

In der Pflege haben die Menschen eine ähnliche Sorge, wenn sie vom Schlagwort Pflegenotstand hören. Wie können Sie sie beruhigen?

Lang: Es ist das gleiche Problem wie in Österreich und in Teilen Europas: Wir haben zu wenig Personal. Das ist eine große Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Es gibt die verschiedensten Zugänge. Wir haben in der Steiermark an der Gehaltsschraube gedreht, wir schaffen mehr Ausbildungsplätze. Ansonsten haben wir auf sehr hohem Niveau Pflegeeinrichtungen im ganzen Land und darüber bin ich sehr froh. Aber viele ältere Menschen erzählen mir, das ist sozusagen der letzte Ausweg, eigentlich wollen sie so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben. Deshalb müssen wir die mobile Pflege weiter ausbauen. In einem Punkt sehe ich ein Riesenpotenzial, nämlich bei den nahen Angehörigen, die die Pflege übernehmen. Da gibt es jetzt in Graz ein Pilotprojekt, wo man pflegende Angehörige anstellt. Das muss in Zukunft auch in der Steiermark gelingen und dann kann man sagen, in der Zukunft ist es möglich, so spät wie möglich in ein Pflegeheim zu gehen. 

Sie heben die pflegenden Angehörigen und ihre enormen Leistungen hervor. Aber finden die genügend Anerkennung?

Lang: Worte der Anerkennung, ja. Aber davon kann man sich nichts runterschneiden. Es sind meistens die Frauen, die das leisten, und man darf nicht vergessen, auch die kommen ja später ins Pensionsalter und dann fehlen ihnen Versicherungsjahre und einfach eine ausreichende Pension. Deshalb muss man schauen, dass sie entsprechend abgesichert sind, auch finanziell.

Die älteren Personen, die zu Hause leben, brauchen Mobilität, um überall dorthin zu kommen, wohin sie wollen und müssen. Als Obersteirer wissen Sie, dass auf dem Land Mobilität stark mit dem Auto verbunden ist und Sie wissen auch aus der Unfallstatistik, dass die Älteren nicht mehr sehr sicher fahren. Da kommen wir zu dem Dilemma, dass sie ohne Auto nicht nur ihre Mobilität verlieren, sondern überhaupt ihre Unabhängigkeit und Lebensqualität. Sehen Sie irgendeine Lösung?

Lang: Wir haben den öffentlichen Verkehr in der Steiermark in den letzten Jahren stark ausgebaut. Mit den Regiobussen ist uns das in den Regionen ziemlich gut gelungen, aber mir ist völlig klar, dass man dann trotzdem zu einer Haltestelle kommen muss, und das ist dann oft ein weiter Weg. Deshalb habe ich in Auftrag gegeben, den Mikroverkehr, also den Zubringerverkehr zu den Bushaltestellen oder zur S-Bahn, auf neue Beine zu stellen. Dann wird man in einer Gemeinde mehrere Stellen haben, wo man nach einem Anruf abgeholt und zur nächsten Haltestelle oder zu einer Einrichtung gebracht wird. Das ist auch immer wieder ein finanzielles Thema und deshalb wird der Ruf laut, das in das Klimaticket zu integrieren. Der Tarif ist so zu gestalten, dass er nicht eine weitere Belastung für die Älteren ist. Ich glaube, da werden wir 2025 etwas präsentieren können. Ich will auch ehrlich sein und sagen, es wird uns nicht gelingen, in den Regionen, wo man sehr exponiert wohnt, überall einen öffentlichen Verkehr hinzubringen. 

Sie kennen wahrscheinlich die Seniorencard im Großraum Graz, die wegen der vielen Vorteile gut angenommen wird. Sollte es die steiermarkweit geben?

Lang: Ich weiß, unsere Soziallandesrätin Doris Kampus schaut sich das an. Man muss da immer wieder Partner finden. Ich warne aber immer vor einem: Es bringt nichts, gleichsam mit der Gießkanne durchs Land zu gehen und Geld zu verteilen. Wir müssen mit dem Geld der Steuerzahler sehr zielgerichtet umgehen, also jenen Menschen Mittel geben, die es wirklich brauchen. Es wird das Ziel der Sozialdemokratie in der nächsten Zeit sein, dass genau das passiert.

 Vielen Dank für das Gespräch!

 

ZUR PERSON:

Anton Lang (65) ist ein Urgestein der Leobner SPÖ und war beruflich im Sparkassensektor engagiert. Nach politischen Stationen in seiner Heimatstadt wechselte er in den Landtag und ist seit zehn Jahren in der Landesregierung. Seit 2020 führt er die steirischen Sozialdemokraten an. Als Landeshauptmann-Stellvertreter ist er zuständig für Finanzen und Verkehr sowie sein besonderes Anliegen, den Sport.

 

Beitrag veröffentlicht am 15.11.2024
Text: Johannes Kübeck
Fotos: Luef Light