Peter Simonischek – Ich gewinne meine innere Ruhe zurück

Theater- und Filmikone Peter Simonischek („Toni Erdmann“) erlebt die Zeit der Corona-Krise als willkommene Entschleunigung.

Herr Simonischek, welches Abenteuer bestehen Sie gerade in diesen bemerkenswerten Zeiten?

PETER SIMONISCHEK: Mein Abenteuer ist die Online-Plattform der berühmten Berliner Schaubühne, deren Mitglied ich 20 Jahre lang sein durfte. Die haben ja auch geschlossen, aber man kann jetzt am Computer fast täglich eines der legendären Stücke sehen, auch die wunderbaren alten Inszenierungen von Peter Stein. In der Karwoche zum Beispiel alle drei Teile der legendären Orestie des Aischylos. Ich bin so froh, dass ich Teil dieses Ensembles sein durfte, das Theatergeschichte geschrieben hat.

Wie sieht Ihr Alltag in Zeiten wie diesen aus, wie kommen Sie zurecht in ihrem Landhaus in der Oststeiermark?

SIMONISCHEK: Ich lebe seit jeher sehr geregelt nach einem Terminkalender in einem rosaroten Büchlein. Wenn ich den eine halbe Stunde verlegt hatte, bin ich ganz unrund geworden. Und jetzt? Ich hab schon zwei Wochen nicht mehr hineingeguckt, es stehen ohnehin nur Absagen drin. Anfang Mai wären die ersten Drehtage zum dritten Teil von „Fantastic beasts“ gewesen, nach dem Buch von Joanne K. Rowling, der Schöpferin des Harry Potter und geleitet von Harry Potter-Regisseur David Yates. Wir werden sehen, wann und wie es weitergeht.

Was ist für Sie das Positive an dieser Zeit mit der Corona-Bedrohung?

SIMONISCHEK: Ich bin wirklich froh, dass ich mit meinen 73 Jahren gezwungen werde, Ruhe zu geben! Ich selbst hätte mir so eine Phase nie gegönnt, ich war immer unruhig. Ich konnte nicht einmal ein Spiel der Champion‘s League im Fernsehen mit Genuss anschauen. Der Virus hat mit ein Zurückfahren aller Aktivitäten aufgezwungen, dass es mir richtig gut tut.

Was wird das Erste sein, was Sie tun, wenn diese seltsame Zeit halbwegs überstanden ist?

SIMONISCHEK: Ich nehme mir vor, dass diese Wochen für mich nicht folgenlos sind. Dass die Erkenntnisse, die ich gerade gewinne von der inneren Ausgeglichenheit und Ruhe und von der Stressfreiheit lange wirken.


Die erwähnten Stücke der Berliner Schaubühne sind legendäres Theater, die Aufzeichnungen sind kostbare Raritäten, sie jeweils von 18.00 bis 24.00 Uhr zu sehen.

Eine Auswahl:

Donnerstag und Freitag 9. Und 10. April Teile 2 und 3 der Orestie des Aischylos, Regie Peter Stein (1980)
Karsamstag, 11. April: Bella Figura von Yasmina Reza, Regie Thomas Ostermaier (2015)
Ostersonntag, 14. April: Drei Schwestern von Anton P. Tschechow, Regie Peter Stein (1984)

www.schaubuehne.de

Beitrag veröffentlicht am 7. April 2020
Bildquelle: Xenia Hausner