Zukunftsfit im Generationenhaus | Niko Swatek, NEOS

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Vielen Dank, dass Sie für Abenteuer Alter zur Verfügung stehen! Alle Parteien ringen um die große Wählergruppe der Generation 60 plus. Wieso sollen Senioren die Neos wählen?

Niko Swatek: Weil wir eine zukunftsfitte Steiermark wollen, nicht eine Steiermark, wo so viele Probleme herrschen. Denken Sie an die Gesundheitsversorgung, die nicht funktioniert und was vor allem die Älteren spüren, bis zum schwindenden Wohlstand. Das muss gelöst werden. 

Zukunftsfit, das klingt so nach Schlagwort. Können Sie das konkreter ausführen?

Swatek: Bei uns beginnt zukunftsfit eigentlich schon bei unseren Kindern und Enkelkindern. Wir wollen dafür sorgen, dass wir ein gutes Bildungssystem haben, dass wir die klügsten Köpfe hier haben, die Wohlstand in unser Land holen, Arbeitsplätze schaffen und damit langfristig unser Sozialsystem finanzieren.

Für alle Parteien sind die Senioren und ihre Anliegen so wichtig. Es fällt auf, dass auf Landesebene Einrichtungen für Kinder, die Jugend, Frauen oder Flüchtlinge gibt, aber nicht für die große Gruppe der Senioren. Haben Sie vor, eine Ansprechstation für diese Generation einzurichten? Halten Sie das für erforderlich?

Swatek: Wir haben das bei den Neos schon integriert, das heißt Neos-Plus. Das sind Personen, die Anliegen von Personen höheren Alters vorangetrieben haben wollen. 

Es gibt in den Parteien wie auch bei den Neos solche Einrichtungen, aber kein kompetentes, wirkungsvolles Sprachrohr für diese Generation. Verstehen Sie, dass viele so etwas wie eine laute Stimme der Senioren vermissen?

Swatek: Das würde ich pauschal nicht so sehen. Wenn man in die Politik schaut, dann sind da sehr viele Menschen, die schon höheren Alters sind, und man sieht an der Wählerschaft, dass sie teilweise die Richtung in den Entscheidungen vorgeben. Ich bin schon überzeugt davon, dass die Generation der Babyboomer durchaus viel Mitsprachemöglichkeiten hat. Das ist aber kein Misstrauen gegenüber mehr Instrumenten der Mitwirkung für diese Generation.

Wir möchten gerne herausfinden, wie vertraut die Spitzenkandidaten der Landtagswahl mit der Lebenswelt der älteren Generation sind. Es gibt die Seniorenstudie von Abenteuer Alter. Was glauben Sie, haben die Senioren als ihre größere Sorge artikuliert: Finanzprobleme oder Einsamkeit?

Swatek: Ehrlich gesagt, glaube ich, es ist die Einsamkeit.

Das ist richtig! Und was heißt das jetzt für Sie als Politiker, dass das Problem Einsamkeit in der älteren Generation so groß ist?

Swatek: Das heißt, dass man handeln muss. Wir sehen in anderen Ländern, etwa im Norden, dass sie Einsamkeitsministerien haben und dieses Thema offensiv angehen. Sie setzen auf Generationshäuser und versuchen, die unterschiedlichen Altersgruppen untereinander zu verbinden. Es ist eine absolute Win-win-Situation, wenn eine Familie mit einem Kind gemeinsam mit älteren Personen in einem Haushalt lebt. Man kann gemeinsam die Einkäufe erledigen. Wenn man jemanden braucht, der auf das Kind schaut, ist einer da. Ich glaube, da muss man stärker ansetzen. 

Senioren bekämpfen die Einsamkeit zum Beispiel auch dadurch, dass sie weiter beruflich in irgendeiner Weise tätig sind. Wie wollen Sie diese Älteren ermuntern und dabei unterstützen?

Swatek: Ich kann das Beispiel meines Vaters nennen, ein sehr umtriebiger Herr, der seit einigen Jahren in Pension ist. Er war unternehmerisch tätig und muss eigentlich immer anpacken. Wenn er für das ehemalige Unternehmen tätig ist, erlebt er eine unglaublichen Verwaltungsaufwand und Abschläge, dass praktisch nichts rauskommt. Deshalb ist das Modell der Neos die sogenannte Flexi-Pension, die wir in den nordischen Ländern studiert haben. Da kann man sich den Pensionsantritt selbst aussuchen, man kann ihn auch nach hinten verschieben, wenn man das möchte und dazu in der Lage ist. 

Viele Senioren haben den Eindruck, dass das Gesundheitssystem nicht besser, sondern immer schlechter wird. Verstehen Sie diese Einstellung?

Swatek: Ja. 

Können Sie das erläutern? Was ist schlechter geworden?

Swatek: Die Wartezeiten. Das merken die Senioren sehr stark. Dann fehlen in der ganzen Steiermark Kassenarztpraxen. Das heißt für die Menschen, sie gehen zum Wahlarzt, was sie Geld kostet, oder sie nehmen weite Strecken in Kauf. Das ist vor allen bei Personen mit eingeschränkter Mobilität ein großes Problem. Dazu kommen die Wartezeiten für Operationen in den Krankenhäusern, etwa beim Grauen Star. Das sind alles Fälle, die besonders Personen höheren Alters stark spüren.

Führt also kein Weg daran vorbei, dass man etwas dazuzahlen muss, wenn man einen schnelleren OP-Termin haben möchte?

Swatek: Wir haben eine der höchsten Steuern- und Abgabenquoten in ganz Europa, wir zahlen an allen Ecken und Enden. Ohne Zusatzversicherung geht schon jetzt nichts mehr! Ich finde, wenn man schon so hohe Steuern und Abgaben zahlt, verdient man auch eine Gegenleistung, zumindest in Form eines funktionierenden Gesundheitssystems.

Ähnlich ist auch die Sorge der Älteren im Pflegebereich. Viele fürchten, dass sie Opfer des Mangels an Pflegekräften werden. Wie gehen Sie mit diesen Sorgen um?

Swatek: Ich verstehe sie voll und ganz. Man muss sich nur die Zahlen über den künftigen Pflegebedarf anschauen oder sehen, dass Pflegebetten wegen Personalmangels nicht benützt werden können. Noch dazu ist die Steiermark auch in der 24-Stunden-Betreuung nicht das Bundesland, das Betreuerinnen aus dem Ausland besonders schnell genehmigt. Deshalb sind diese Sorgen durchaus verständlich, dass die Pflege in dieser Form nicht mehr lange funktionieren wird. Ich glaube, es ist für uns als Gesellschaft eine der größten Herausforderungen, die Pflegeberufe aufzuwerten. Wir brauchen mehr Anerkennung für diese Berufe.

Es gibt eine Gruppe, die sehr wohl dafür steht, dass die Pflege funktioniert, das sind die pflegenden Angehörigen. Wir bei Abenteuer Alter nennen sie die Engel der Pflegebedürftigen und sie entlasten das Pflegesystem ungemein. Finden Sie, dass die pflegenden Angehörigen genug Anerkennung und Unterstützung bekommen?

Swatek: Das stimmt: Ohne Angehörige würde unser System sofort zusammenbrechen! Wir müssen jeder einzelnen Person sehr dankbar sein. Wir müssen ihnen Schulungsangebote anbieten oder die Ressourcen und das Know-how, dass sie sich sicherer fühlen können und nicht allein gelassen werden. Konkret muss das zum Beispiel den Ausbau von Community Nurses bedeuten. In den Regionen brauchen wir auch dezentrale Anlaufpunkte, damit für Personen, die zu Hause gepflegt werden, mehr vor Ort erledigt werden kann und dass sie sich lange Fahrten ins Krankenhaus ersparen. 

Im Großraum Graz und im Bezirk Voitsberg ist die Seniorencard ein ziemliches Erfolgsmodell mit den Vergünstigungen. Sollte es das für alle Senioren in der Steiermark geben?

Swatek: Ja, man sollte sich den Best-Practice-Beispielen nicht verwehren. Ich finde, die Politik sollte nicht so oft Dinge neu erfinden, sondern das Bewährte ausbauen und verbessern. 

Im Namen von Abenteuer Alter:
Vielen Dank!

 

ZUR PERSON:

Der Grazer Niko Swatek (33) wurde mit 28 Jahren zum ersten Gemeinderat der Neos in den Gemeinderat der Stadt gewählt. Seit 2019 ist der verheiratete Vater eines Sohnes Landtagsabgeordneter. Das Studium der technischen Physik schloss er mit dem Bachelor ab. Seine Motivation als Politiker richtet sich gegen einen allgegenwärtigen Zustand, den er als Stillstand diagnostiziert, und der die Chancengleichheit aller Menschen gefährde.

 

Beitrag veröffentlicht am 15.11.2024
Text: Johannes Kübeck
Fotos: Luef Light