Ratgeber zum Tabuthema Tod: Die Vollendung des Lebens

„Die Vollendung des Lebens“ nimmt sich des schwierigsten Themas an, das für viele Menschen tabu ist: Tod und Sterben. Die Fragen am Ende des Lebens verdienen offene und ehrliche Antworten, die Ratlosigkeit, die viele erfasst, ruft nach Orientierung, und das Unsägliche muss behutsam angesprochen werden. Angehörige bleiben nach dem Tod einer nahestehenden Person oft völlig unvorbereitet zurück, sowohl emotional, rechtlich, organisatorisch als auch finanziell.

Auf 156 Seiten dreht sich im neuen Nachschlagewerk alles um das Thema Tod. Unter dem Titel „Die Vollendung des Lebens“ haben die Autoren Dr. Daniela Müller und Johannes Kübeck die Themen aus neuen Blickwinkeln betrachtet: Was geht im Körper vor sich, während man stirbt? Hat Peter Simonischek, der im „Jedermann“ das Sterben des reichen Mannes so oft wie kein anderer gespielt hat, Angst vor dem Tod? Wie erklärt der Theologe und Mediziner Johannes Huber die Existenz dessen, was man nicht sieht?

Die Antwort auf die Frage, warum wir so wenig über das Sterben wissen, liegt in zwei Begründungen: weil wir zu wenig darüber reden, meist nur zu Allerheiligen, und weil wir zu wenig Material für wissenschaftliche Betrachtungen haben.

Präsentierten den neuen Ratgeber: Johannes Kübeck, Monika Brottrager-Jury, Martin Schaller, Ingrid Geringer, Dieter Kinzer, Daniela Müller, Michael Klamminger und Georg Schneider (v.l.n.r.).

Statements:

Ingrid Geringer ist eine von drei Sterbe-Ammen in Österreich und berichtet über die Begleitung ins Jenseits. Sie war früher Chefredakteurin eines bekannten Lifestylemagazins und bespricht nun als End of Life-Doula mit Todgeweihten die existenziellen Fragen des Lebens.

Im neuen Ratgeber geht es aber auch um die Absicherung des Lebens. Es werden die Themen Testament, Vorsorge und Absicherung und natürlich auch finanzielle Belange beleuchtet.

Über Testament, Schenkung und Verlassenschaftsverfahren informiert Dr. Dieter Kinzer, Präsident der Notariatskammer für Steiermark: „Der Notar ist der erste Ansprechpartner rund um Erbschaft, Schenkung und Übergabe. Gemeinsam mit dem Notar schafft man Klarheit bei Fragen, die sowohl zu Lebzeiten als auch zum Ablebenszeitpunkt so wichtig sind.“

Was passiert mit Konto, Sparbuch und Kredit im Ablebensfall? MMag. Martin Schaller, Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank Steiermark: „Raiffeisen begleitet die Kunden in allen Lebenslagen, vielfach ihr ganzes Leben lang. Einer der ersten Wege der Hinterbliebenen nach dem Todesfall führt zur Bank. Wie viele Ereignisse im Leben eines Menschen hat auch das finale eine finanzielle Komponente. Begräbniskosten müssen bezahlt, Abbuchungsaufträge storniert und Vermögenswerte fürs Erbe gelistet werden. Raiffeisenberater sind auf solche Situationen vorbereitet und wissen, was zu tun ist. Sie begleiten die Angehörigen einfühlsam und kompetent.“

Über die Begräbnisvorsorge informiert MMag. Georg Schneider, Vorstandsdirektor der GRAWE Österreich: Ein gut organisiertes Begräbnis gibt Hinterbliebenen die Chance, sich würdevoll zu verabschieden. Eine Beerdigung ist nicht nur ein emotionaler Kraftakt, sondern bedeutet oft auch eine finanzielle Bürde für die Angehörigen. Wir helfen den Menschen vorzusorgen und ihre Familie und die Beisetzung abzusichern.“

Monika Brottrager-Jury, Ressortleiterin für Seelsorge und Gesellschaft in der Katholischen Kirche Steiermark, betrachtet das Thema Tod und Trauer sowie die kirchlichen Angebote, die in einer schweren Zeit Halt geben können.

„Wenn der Tod ins Leben tritt“, über den gesamten Ablauf der Bestattung, die benötigten Unterlagen, Pflichten und Gepflogenheiten informiert Klaus Moser, Landesinnungsmeister der Bestatter: „Von der Erd- und Feuerbestattung, Körperspende bis zu der Trauerfeier und dem Totenmahl geben die Bestatter umfassend Auskunft.“

Der Ratgeber „Die Vollendung des Lebens“ ist in allen steirischen Raiffeisenbanken, bei allen steirischen Notaren sowie GRAWE Kundencentern gratis erhältlich – solange der Vorrat reicht.
Zusätzlich gibt es das Kompendium um 9,90 Euro im ausgewählten Zeitschriftenhandel.

Beitrag veröffentlicht am 27. Oktober 2022

Totentanz: Auseinandersetzung mit dem Tod in der Kunst

Die Auseinandersetzung mit dem Tod und der Tatsache, dass alle einmal sterben müssen, ist nicht einfach und muss doch auf die verschiedensten Arten irgendwann passieren. Der Tod als Endpunkt des Lebens, die Frage um seine Bedeutung und die Absicht, dem in seiner Länge absehbaren Leben Sinn und Inhalt zu verleihen, beschäftigt die Menschheit in allen Kulturen und Gesellschaftsformen seit Anbeginn der Zeit.

Nicht überraschend findet die Konfrontation mit dem Thema Tod Tod auch in der Kulturgeschichte unter dem Leitmotiv des Totentanzes seinen Ausdruck. Dieses setzt sich mit dem Sterben, der Vergänglichkeit und der Endlichkeit alles Irdischen auseinander und fungiert als memento mori: Eine mahnende Erinnerung daran, dass der Tod jeden, ungeachtet der gesellschaftlichen Position, des Vermögens oder des Geschlechtes plötzlich aus dem Leben reißen kann.

Das Motiv des Totentanzes: Der personifizierte Tod im Tanz mit den Menschen

Der Totentanz kam im 14. Jahrhundert im christlichen Spätmittelalter in Europa als eigene Kunst- und Literaturgattung auf. Zuerst wurde diese in Frankreich unter dem Namen „danse macabre“ bekannt. Motiv waren Menschen jeden Standes und Alters, die einen Reigen mit dem Tod tanzten. Dieser wurde als allegorische Figur dargestellt: Ein Leichengerippe, der personifizierte Tod. Das Bemerkenswerte und Makabere dieser Kunstwerke war die Verbindung zweier so unterschiedlicher Motive, das tragische Sterben und das fröhliche Tanzen. Auslöser für diese Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit und vor allem mit der Gleichheit aller Menschen im Tod waren die verheerenden Seuchen des Mittelalters und das Massensterben der Bevölkerung. Als die Pest in Europa wütete, starben Dutzende Millionen Menschen – ungeachtet ihres Geschlechts oder ihres Standes mussten sie dem Tod ins Auge blicken. Der Totentanz soll an die Endlichkeit alles Irdischen erinnern und vor Augen halten, dass Statuswerte wie Reichtum oder Macht im Augenblick des Sterbens obsolet werden.

Der Totentanz als Skulptur: Auch in der Moderne ein beliebtes Motiv

Der Basler Totentanz

Als eines der berühmtesten Werke des Totentanz-Motivs gilt der Basler Totentanz. Dieser wurde im Jahr 1440 von einem unbekannten Künstler auf die Innenseite des Laienfriedhofsmauer beim Dominikanerkloster gemalt. Das Kunstwerk war 2 Meter hoch und ganze 60 Meter lang. Auch beim Basler Totentanz wird der spätmittelalterliche Gesellschaftsaufbau widergespiegelt: Die einzelnen Sterbenden sind durch ihre Kleider und andere Attribute ganz klar als Angehörige einer bestimmten Gesellschaftsgruppe gekennzeichnet. Den Tanzzug der insgesamt 37 Tanzpaare führen die weltlichen und geistlichen Obrigkeiten an, ihnen folgen die Ständevertreter der Stadt. Am Ende des Reigens tanzen die damals am niedrigsten gestellten Vertreter der Gesellschaft: Bauer, Koch, Heide, Jude und Blinder. Sterben müssen sie jedoch alle.

 

Die 1362 erbaute Kirche San Vigilio in Trient mit dem bekannten Totentanz von Simone Bascheni

Totentanz in der Steiermark

Auch in der Steiermark gibt es einen bekannten zeitgenössischen Künstler, der sich mit dem Totentanz-Motiv auseinandersetzt: der aus Graz stammende Bildhauer und Künstler Manfred Erjautz. 1966 geboren, besuchte er in seiner Jugend in Graz an der HTBLA Ortwein den Zweig Bildhauerei und studierte anschließend von 1985 bis 1990 an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Bruno Gironcoli. Erjautz lebt in Wien, gilt als einer der führenden Vertreter der heutigen Bildhauergeneration und hat bereits mit unterschiedlichsten Ausstellungen und Arbeiten im öffentlichen Raum künstlerische Meilensteine gesetzt. Als Mitglied der Wiener Secession und von Forum Stadtpark setzt er sich in seiner Kunst mit existenziellen Themen auseinander. Im Frühjahr und Sommer 2022 stellte er im Kulturzentrum “Kultum” bei den Minoriten eine mehr als 50-teilige Totentanzserie aus und orientierte sich dafür am bekannten Basler Totentanz. Erjautz transportierte dabei den im Spätmittelalter so ikonischen Umgang mit dem Tod in die Gegenwart und verband ihn mit dem technischen Fortschritt und den neuen Medien des 21. Jahrhunderts. In seiner Ausstellung findet sich unter anderem ein auf Augenhöhe schwebendes Skelett, das bei Berührung einen Wirbelsäulentanz beginnt und Totentanz-Originalmotive auf Holzschnitten und Kupferstiche, die mit dem Massenmedium des 21. Jahrhundert – dem Handy – digital bearbeitet, mit gegenwärtigen Attributen verschmolzen und durch den Drucker geschickt wurden.

Das Motiv des tanzenden Todes mit den noch-Lebendigen, gilt für Erjautz als zeitlos: Unsere Gegenwart besteht aus Krieg in Europa, den Schrecken einer tödlichen Pandemie und den existenziellen Sorgen und Ängsten, die mit der sich verändernden Realität einhergehen. In Bildern und Skulpturen kann diese Angst vor der Vergänglichkeit und dem Tod fassbar gemacht werden.

Beitrag veröffentlicht am 19. Oktober 2022
von Karolina Wiener
©️godongphoto / Shutterstock.com, Joaquin Ossorio Castillo / Shutterstock.com, Erik Laan / Shutterstock.com

Immobilien: die verlässliche Wertanlage

Immobilien werden auch in Zukunft attraktiv bleiben, prognostiziert Rainer Stelzer, Vorstand der RLB Steiermark. Es müssen aber wichtige Entwicklungen beachtet werden.

Werden Immobilien in Zukunft attraktiv bleiben oder ist ein Rückgang zu erwarten?
RAINER STELZER: Immobilien und die Wohnraum-Finanzierung bleiben auch in Zukunft trotz steigendem Zinsumfeld nachgefragt und bleiben weiterhin attraktive Veranlagungsformen. Bei steigenden Zinsen kann man mit Immobilien weiter Erträge generieren und Immobilien bleiben weiter ein sicherer Hafen. Auf Grund etwa indexgebundener Mieterträge bieten sie sogar einen teilweisen Schutz gegen die steigende Inflation. Natürlich darf man weiterhin die Inflations- und die Zinsentwicklung und die Kaufpreis- und Mietentwicklung nicht außer Acht lassen und muss diese laufend marktkritisch betrachten. Folglich stellen wir ausgewogene und sensitive Finanzierungen für Kunden bereit, die auch bei Verschärfungen am Immobilien- oder Kapitalmarkt gemäß den Regularien konform bleiben. Die Entwicklungen bei der Immobilien- und Projektfinanzierung sowie den Institutionellen Kunden stimmen uns weiter optimistisch für die kommenden Jahre.

Was bedeutet das für Kund:innen?
STELZER: Die Bauwirtschaft leidet nach wie vor unter Rohstoffengpässen und stark volatilen Materialpreisen. Diese Entwicklungen offenbaren, dass regionale Wertschöpfung und Produkte für die heimische Wirtschaft immer wichtiger werden. Aktuell sind die Zinsen bereits eindeutig im Steigen begriffen. Ein Ende der Negativzinsphase ist noch für heuer zu erwarten. Auf lange Sicht ist mit einem Ansteigen der Zinsen zu rechnen. Es empfiehlt sich daher ein mit der Bank abgestimmtes Zinsmanagement. Wichtig für Kunden ist daher ein Partner, der rasch hilft und langfristig denkt. Daher ist eine Spezialberatung, wie jene unserer Mitarbeiter, die alle Eventualitäten im Projektgeschäft kennt und miteinbeziehen kann, gefragt. Wir betreuen als diskreter, greifbarer Finanzierungspartner Kunden in der Steiermark, in Wien sowie im Süden Deutschlands. Unsere Expert:innen für Immobilien- und Projektfinanzierung und institutionelle Kunden finden mit höchstem Einsatz optimierte Lösungen für Kundenanliegen. Etwa durch eine Standort- oder Mietpreisanalyse, bei der ideale Standorte und Objekte bezogen auf Kundenanfragen gefunden werden.

Was sollten Käufer:innen aufgrund dieser Entwicklungen beachten?
STELZER: Es ist aktuell und künftig sorgfältig auf die Angebots- und Nachfrageentwicklungen zu achten. Daher muss man sich die jeweiligen Asset-Klassen und die jeweiligen Regionen für sich und in Kombination genau ansehen und analysieren. Da das Angebot nachhaltiger Objekte weiter große Nachfrage erfahren wird, interessieren sich Käufer neben den Ballungszentren auch immer mehr für die umgebenden Regionen. Den Markt wird mittelfristig das Thema Nachhaltigkeit mit ESG-Kriterien verändern. Nachhaltige Immobilienwirtschaft wird bei Investoren, Nutzern und Banken daher weiterhin eine wesentliche Rolle einnehmen. Daher muss man noch genauer die nachhaltige Rentabilität, die ESG-Einflüsse und den speziellen Nutzen der Immobilie in den Vordergrund rücken. Mögliche Fehler werden nicht mehr so leicht vom Markt korrigiert werden können wie in den letzten Jahren. Also bedarf es Profis auf allen Ebenen, um weiterhin möglichst erfolgreich zu bleiben.

Stichwort Nachhaltigkeit: Wo liegt hier der Fokus der RLB Steiermark?
STELZER: Wichtige Themen sind die EU-Taxonomie, Ressourcenschonung und möglichst große Klimaneutralität durch den möglichst geringen Energieverbrauch. Vor diesem Hintergrund werden alle Immobilien aktuell in Richtung Nachhaltigkeit geprüft beziehungsweise bereits entwickelt und umgesetzt. Jedes Produkt am Immobilienmarkt muss sich in Bezug auf Regularien und Zertifizierung beweisen. Raiffeisen hat in diesem Feld bereits langjährige Erfahrung in der Projektentwicklung. Ferner beraten wir Kund:innen zielorientiert und mit dem notwendigen Know-how in diesem komplexen Feld. Unsere Experten bieten für Kund:innen Informationen an, die ESG-konforme Gebäude errichten oder welche auf diesen Standard sanieren wollen..

Beitrag veröffentlicht am 12. Oktober 2022

Wunderbar Wanderbar

Ob gemütliche Runde oder anspruchsvolle Tour: Wir präsentieren die schönsten Wege der Steiermark und ihrer Umgebung – damit jede Wanderung ein Genuss wird.

Das Wandern ist des Müllers Lust heißt es in der ersten Zeile des deutschen Gedichts „Wanderschaft“, das 1821 veröffentlicht wurde. Es geht darin um die Wanderschaft von Handwerksgesellen und deren Sehnsucht, Ruhe zu finden. Heute, rund 200 Jahre später, erfüllt das Wandern bei vielen (noch immer) einen ähnlichen Zweck. Einfach mal rausgehen, an die frische Luft, die unberührte Natur entdecken und mit den Gedanken ganz woanders sein – oder überhaupt mal an nichts denken.

Viele von uns haben das „An-nichts-denken“ im hektischen Alltag ja schon verlernt – dabei kommt man gerade beim „In-die-Ferne-schweifen“ oft auf die besten Ideen. Insofern ist Wandern weit mehr als nur Bewegung an der frischen Luft. Es ist auch Entspannung für Körper und Geist. Ein Erlebnis auf zwei Beinen und einem Weg, der zugleich auch das Ziel ist. Nicht umsonst nennt man den Wandersport auch die „Medizin des 21. Jahrhunderts“: Die Pandemie hat diesem Trend noch einen ordentlichen und wahrscheinlich auch nachhaltigen Schub gegeben. Also nichts wie raus in die Natur und die schönen Seiten unseres Landes mit allen Sinnen erleben.

Klimafreundlich auf den Gipfel

Wobei: Wenn wir unsere Wanderschuhe und den Rucksack schon packen, dann am besten gleich ökonomisch. Zum Wandern mit den Öffis ist kein Problem und schont auch die Umwelt. Die „Naturfreunde Österreich“ machen schon seit Jahren darauf aufmerksam. Ein Kilometer mit dem Zug ist 30-mal klimafreundlicher als ein Kilometer mit Benzin- oder Diesel-Auto. Der Wanderführer der „Naturfreunde Österreich“ in Kooperation mit der ÖBB beinhaltet daher ausschließlich Top-Touren in ganz Österreich (46 an der Zahl) mit bester Anbindung zu den Öffis. Natürlich geben die Routen (darunter auch Wohlfühl-Wege und Natura-Trails) auch für die Sinne und das Auge etwas her: Sie führen zu traumhaft gelegenen Hütten, auf denen man besondere Ausblicke zu umliegenden Gipfeln genießt. Auch in dieser Ausgabe von Abenteuer Alter stellen wir Ihnen vier verschiedene Touren (von gemütlich bis anspruchsvoll) vor, die allesamt durch ökologisch wertvolle Landschaften führen – idyllisch, naturnah, belebend. Alle vorgestellten Routen sind einfach und schnell mit Bus und Bahn erreichbar. Da freut sich die Umwelt – und das Wanderherz natürlich.

Mehr Infos: oebb.at

Beitrag veröffentlicht am 06. Oktober 2022
© Doris List-Winder / Naturfreunde ÖSterreich

Was Sie schon immer über Sex (im Alter) wissen wollten

Aleš Svoboda, Sexualtherapeut  und Sexualberater bei „Sexmed“ im Interview

Was ist Sex?
SVOBODA: Ein sehr dehnbarer Begriff! Aber auf alle Fälle mehr, als die meisten Menschen glauben! Ohne Sexualität gibt es kein Leben. Sie kann zur schönsten Sache der Welt werden – und sie hat eine unendlich breite Spielwiese, die weit über den Geschlechtsverkehr hinausgeht. Das reicht von erotischen Blicken über Kuscheln bis zu Streicheleinheiten und bloßem Hautkontakt.


Wie wichtig ist Sex (im Alter)?
SVOBODA: Gewollter, einvernehmlicher Sex ist eine lebenserhaltende, lebensstärkende und lebensverlängernde Quelle. Sex ist erwiesenermaßen Gesundheitsvorsorge – auf körperlicher wie psychischer Ebene. Regelmäßiger Sex ist Gesundheitsprophylaxe. Das gilt für Menschen in höherem Alter ganz genauso. Im Alter werden Intimität und Sexualität sogar noch wichtiger und vielfach auch qualitätsvoller. Statistisch gesehen haben Paare zwischen 60 und 80 Jahren übrigens deutlich öfter Sex als jüngere.

Warum ist die Kombination Sex und Alter dennoch so stark tabuisiert?
SVOBODA: Dass die Gesellschaft oftmals ein Problem damit hat, Sex im Alter zu akzeptieren und respektieren, hängt vermutlich stark mit dem reproduktionsfähigen Alter zusammen. Das heißt, mit der Fähigkeit, Kinder zu kriegen. Kurz gesagt: Wenn die Natur das Kinderkriegen nicht ermöglicht, hat Sex nicht mehr zu sein. Deshalb sind wir Menschen vermutlich auch darauf programmiert, Körper im reproduktionsfähigen Alter attraktiv und Sexualität als ,normal‘ zu finden. Darüber hinaus tun wir uns schwer. Sehr wohl besteht körperliche Anziehungskraft jedoch innerhalb der nicht-reproduktionsfähigen Altersgruppe.

Wie steht es dann im nicht-­reproduktionsfähigen Alter um die sexuelle Lust?
SVOBODA: Bestens! Der Mensch ist ein sexuelles Wesen. Sex ist bis zum Ende des Lebens ein Thema – und auch möglich. Wenn es die körperlichen Gegebenheiten zulassen. Aber auch hier kann die (Sexual-)Medizin gut helfen. Im Alter erfahren viele Menschen die Sexualität sogar ganz neu und ganz aufregend. Die Sexualität bekommt im Alter oftmals eine ganz spezielle und hohe Qualität.

Woran liegt das?
SVOBODA: Häufig daran, dass Stress und Leistungsdruck wegfallen. Die oft jahrelange Harmonie von Paaren, die einkehrende Ruhe sind Basis für neue erotische und sexuelle Erfahrungen. Aber ebenso die Tugend, die aus der Not kommt. Wenn gewisse körperliche Funktionen, die mit dem Alter naturgemäß nicht mehr so reibungslos laufen, nachlassen, werden vermehrt Alternativen zum Thema. Das kann das Sexualleben enorm beflügeln und zu höchst zufriedenstellenden, neuen sexuellen Erfahrungen führen. Wir dürfen nicht vergessen: Unser mächtigstes Sexualorgan ist schließlich der Kopf – das ausgedehnteste die Haut. Wir sind nur mehrheitlich auf die Genitalität fixiert.

Wie kann Sexualität in einem Seniorenheim erfüllend gelebt werden?
SVOBODA: Das hängt ganz von der individuellen Situation und der Aufgeschlossenheit der Einrichtung zusammen. Erwiesen ist jedenfalls, dass es gerade die sexuelle Funktion des Menschen ist, die ganz besonders langsam altert. Das sollte auf alle Fälle berücksichtigt werden. Keinesfalls sollten die Bewohner mit ihrem Bedürfnis nach Intimität und Sexualität alleine gelassen werden. Da braucht es sensible und professionelle Unterstützung. Insofern ist der aktive, offene Umgang mit der Thematik der erste wichtige Schritt.

Wie gut gerüstet sind Pflegeeinrichtungen diesbezüglich?
SVOBODA: Meiner Erfahrung nach wünschen sich Menschen im Alter – speziell auch in Pflegeeinrichtungen – viel mehr Intimität als gegeben ist. Da besteht eine große Diskrepanz zwischen dem Wunsch und der Wirklichkeit. Insofern sehe ich da viel Aufholbedarf, sowohl was die Offenheit für das Thema als auch die konkreten Angebote angeht. Schließich haben die Menschen ein Recht auf Sexualität.

Was wäre in Sachen Sex im Alter ihr vordringlichster Wunsch?
SVOBODA: Dass die Gesellschaft diesbezüglich endlich erwachsen wird. Sexualität ist nun einmal nicht der Jugend vorbehalten; sie ist bis zum Ende des Lebens ein Thema. Ganz abgesehen von den eindeutig positiven Auswirkungen auf die körperliche und seelische Gesundheit. Es wäre also wünschenswert, dass das auch erkennt und respektiert wird.

Beitrag veröffentlicht am 3. Ooktober 2022
von Johanna Vucak

Das war der lange Tag der Demenz!

Vom 18. bis zum 23. September 2022 wurde in der Steiermark der lange Tag der Demenz begangen. Initiiert wurde die Veranstaltung rund um den Welt-Alzheimertag am 21. 09. von der Steirischen Alzheimerhilfe (SALZ) gemeinsam mit vergissdeinnicht Netzwerk Demenzhilfe.

Unter dem Motto “Zeit” fanden dieses Jahr bereits zum 4. Mal Veranstaltungen und Aktionen rund um die Frage „Wieviel Zeit braucht ein Mensch mit kognitiven Einschränkungen und was bedeutet das in unser aller Alltag?” statt. Thematisiert wurde vor allem unsere heutige effizienz- und geschwindigkeitsorientierte Welt, in der viele zurückbleiben und in der vor allem für demenzkranke Menschen eine Teilhabe immer schwieriger wird.

Veranstaltungen in Graz

In der Marienkirche in Graz wurde am Mittwoch ein Gottesdienst mit den Grazer Keplerspatzen und anschließender Agape abgehalten. Danach wurde im KIZ ROYAL der Dokumentationsfilm “Mitgefühl” vorgeführt, gefolgt von einer Podiumsdiskussion mit Stadtrat Robert Krotzer, Psychologin und Schriftstellerin Johanna Constantini, Dr. Alexis Matzwrakos, Univ. Prof.-Dr. Martina Schmidhuber und DGKP Sabine Schuster-Harg.

Am Donnerstagvormittag fand eine Schaufensterlesung mit Daniel Doujenis in der Herrengasse statt. Aktiv wurde man beim Forum Demenz im Haus Esther: Dort wurden Ideen zu den Fragen “Wieviel Zeit braucht Entlassung” und “Wie schaffen wir Zeit?” erarbeitet.

Am Kaiser-Josef-Markt wurde schließlich am Freitag der „Markttag“ abgehalten – dort gab es viele verschiedene Informationen und Hilfestellungen zum Thema Demenz direkt beim Einkaufen.

Veranstaltungen über Graz hinaus

Erstmals wurden dieses Jahr neben den Aktionen in Graz auch Veranstaltungen an weiteren Orten in der Steiermark abgehalten – ein wichtiger Schritt in der Aufklärung und Thematisierung von Demenz. In Leibnitz etwa gab es sowohl einen Ökumenischen Gottesdienst als auch einen ausführlichen Info- und Workshopnachmittag sowie eine Lesung mit der klinischen Psychologin und Expertin Johanna Constantini. In Weiz wurde der Film “The Father” gezeigt, danach wurde zu einem gemeinsamen Austausch eingeladen. Auch in den Apotheken in Weiz gab es zwei Infopoints zum Thema Demenz. Am Hauptplatz in Leoben und im WEZ in Bärnbach wurden am Freitag außerdem weitere Informationsveranstaltungen abgehalten.

Eindrücke von den Aktionstagen

 

Zum Nachschauen/Nachhören:

Gottesdienst Graz

Schaufensterlesung

Steiermark heute – Beitrag mit Johanna Constantini 20.09.2022

Radio Steiermark – Aktion Demenz 23.09.2022

Podcast Radio Helsinik – Sondersendung – Bewusstseinsbildung Demenz

Podiumsdiskussion nach dem Dokumentationsfilm „Mitgefühl“ folgt demnächst.

Beitrag veröffentlicht am 29. September 2022
© Lea Haas, Stefanie Weber

 

Abenteuer Alter 03-2022

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Augenblick mal….

Über 85 % aller Sinneseindrücke vermittelt uns das Auge. Dementsprechend wichtig ist es, lebenslang auf die Gesundheit unserer Augen zu achten.

Deshalb sollte auch alles, was über eine leichte und kurzfristige Reizung dieses sensiblen Sinnesorgans hinausgeht, von einem Augenarzt begutachtet und behandelt werden. Wenn man Brillenträger ist bzw. ab dem 50. Lebensjahr sollte der alljährliche Augenarztbesuch ohnehin selbstverständlich sein.

Apothekerkammerpräsident Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger

Einige Tipps aus Apothekersicht: Um ein Verkeimen von Augenlösungen zu verhindern, sind diese meist mit einem Konservierungsmittel versetzt, welches allerdings seinerseits zu Reizungen oder Allergien führen kann. Konservierungsmittelfrei sind Lösungen in Einmal-Behältnissen, mit speziellen Abgabesystemen, die Verkeimung verhindern oder frische aseptische Zubereitungen von Augentropfen aus der Apotheke. Diese Augentropfen sind nach dem Öffnen höchstens 1 Monat verwendbar, mit Abgabesystem sogar 3-6 Monate, beachten Sie unbedingt die entsprechenden Hinweise der Gebrauchsinformation. Zur Anwendung von Augensalben zieht man vor dem Spiegel das Unterlid herunter und bringt einen 1 cm langen Salbenstrang in die Lidfalte ein, möglichst ohne das Lid mit der Tubenspitze zu berühren. Danach schließt man ohnehin automatisch das Auge und die Salbe verteilt sich. Beachten Sie, dass Sie nun verschwommen sehen und nicht Auto fahren dürfen. Abschwellende Augentropfen, wie sie gerne zur Selbstmedikation bei Bindehautreizungen verwendet werden, dürfen nur kurz eingetropft werden, da sie das Auge austrocknen. Kamillen-Umschläge haben ausgedient, da sie austrocknen und allergisieren. Wenn Sie Umschläge am Auge machen, dann am besten mit lauwarmem Wasser.

 

Vor allem Bildschirmarbeiter und Viel-Fernseher klagen oft über trockene Augen. Das führt zu Fremdkörpergefühl, verstärktem Blinzeln, Brennen und zu Rötungen, man hat „müde Augen“. Künstliche Tränen wirken nur kurz. Sinnvoller sind Hyaluronat-Augentropfen, da sie das Auge nachhaltig gut befeuchten.

Der kurzwellige, energiereiche blaue Anteil des sichtbaren Lichts führt über die Jahre zu oxidativen Schäden an den Sehzellen. Die Folge ist eine Verschlechterung der Sehleistung, das Vollbild der Erkrankung wird als altersbedingte Makuladegeneration bezeichnet. Der Pflanzenfarbstoff Lutein, enthalten in Spinat, Kohl und grünem Gemüse, filtert diesen blauen Lichtanteil wie eine natürliche Sonnenbrille heraus und kann die Sehzellen vor weiterer Schädigung schützen. Lutein ist in der Apotheke hoch dosiert und kombiniert mit unterstützenden Mikronährstoffen in Kapselform erhältlich.

Beitrag veröffentlicht am 28. September 2022
© Sissi Furgler

 

Die (einstigen) steirischen Gesundbrunnen

Wenn der IC mit rund 100 Sachen durch die Station schießt, wird der Reisende kaum das Bahnhofsschild entziffern können. Dies bleibt dem Fahrgast eines Regionalzuges vorbehalten, wenn dieser in „Wörschach Schwefelbad“, so steht es weiß auf blau, einen kurzen Aufenthalt einlegt. Zwar zeugen heute nicht einmal Grundmauernfragmente von der Existenz des einst berühmten Kurbades, der Geruch von Schwefel ist das Einzige, das an die große Vergangenheit erinnert. Und die Stationsschilder am Bahnhof.

Aber immerhin ein Anlass, einen Blick auf eben diese Vergangenheit zu werfen, als sich noch kein Radkersburg, Loipersdorf, Waltersdorf, Blumau etc. mit dem Prädikat „Bad“ schmücken durfte, als man zwar zur Kur in die Steiermark fuhr, dort sich jedoch maximal mit Wannenbädern begnügen musste. So auch in Wörschach, wo man bereits im Jahre 1835 eine „Schwefelbadeanstalt“ errichtet hatte, die bald einen Bekanntheitsgrad als hervorragender Nothelfer bei Gicht, Rheuma und Ischias über die Grenzen des Kaiserreiches hinaus erlangte und in einem „Führer von der Salzach durch das Ennstal zur Traun“ auf vier Seiten großes Lob erfährt, wobei besonders hervorgehoben wird, „was den Gehalt an Schwefel und Radioaktivität anlangt, ist Wörschach Baden und Pystian (heute das slowakische Piestany) vollkommen gleichzustellen.“

 

Ein Werbe-Flyer für das Schwefelbad in Wörschach und das Kurhaus Wolkenstein

Das Prädikat „Bad“ blieb Wörschach zwar versagt, doch dafür wussten die Österreichischen Bundesbahnen die Attraktivität des Ortes zu würdigen und ergänzten im Jahre 1929 das Stationsschild „Wörschach“ mit einem Bindestrich und dem Zusatz „Schwefel­bad“. Das hat auch 93 Jahre später noch seine Gültigkeit, obwohl es das Schwefelbad seit 45 Jahren nicht mehr gibt, das Kurhotel bzw. das, was als Ruine übriggeblieben ist, im Jahre 1993 endgültig dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Dabei hatte es zu Beginn der Neunzigerjahre vielversprechende Bemühungen um eine zeitangepasste Nutzung der neun an einem Steilhang des Gameringsteines entspringenden Schwefelquellen seitens des Landes Steiermark gegeben.

Bernd Chibici schrieb damals im April 1990 in der „Kleinen Zeitung“: „Der vielfach kurprojekterprobte Bau-Hofrat Franz Josel ist auf der einen Seite bemüht, das Vorhaben optimal zu realisieren und Holdingchef Leopold Gartler versucht bereits jetzt, das Endprodukt auf den derzeit sehr munteren Markt zu werfen.“

Andere Region, gleiches Schicksal, nämlich zu geringe Schüttung und ein Mineralwasser, das für den Badebetrieb mit Fremdenergie auf eine annehmbare Temperatur gebracht werden musste, bedeutete auch in der Weststeiermark das Aus für ein Traditions-Heilbad – die ­Stainzer Johannes­quelle, auch als Bad ­Sauerbrunn in der „Höller Hansl“-Heimat in Erinnerung. Wo bis zu seinem Abriss im Jahre 1984 ein verwunschen wirkendes, vom Verfall gezeichnetes Gasthaus stand, in dem man bis 1970 noch ziemlich natur­belassene Wannenbäder in einem Säuerling, der Linderung bei Gicht und einem Dutzend anderer Wehwehchen versprach, nehmen konnte, ist heute ein idyllischer Rastplatz mit Bankerln eingerichtet, neben dem Stainzbach plätschert aus einem Bründerl ein gut daumendicker Wasserstrahl mit dem noch immer begehrten Säuerling, der heute gratis von jedermann abgefüllt werden darf.

Stainz und Johannesbrunnen, wie könnte es anders sein, als dass nicht Erzherzog Johann dahintergestanden wäre. So war es auch im Jahre 1840, als der Kaiser-Bruder die ­Quelle kaufte. 1875, schon unter einem neuen Besitzer, wurde sie neu gefasst, ein kleines Wannen-Kurbad eingerichtet und 1933 sogar als Heilquelle anerkannt.

Wie in Wörschach versuchte man auch in Stainz mit Landeshilfe einen Neustart, Landesbauhofrat Dipl.-Ing: Franz Josel erinnert sich mit ein wenig Wehmut an dieses Projekt. „Es sollte ein kleines, aber feines Schaffel­bad werden, für 70 Tagesgäste, nicht mehr, gut 20 Millionen Schilling hätte das Land dafür in die Hand genommen, ein Architektenwettbewerb war schon in Vorbereitung.“ Mit einer doppelseitigen Reportage von Peter Riedler und dem schlagkräftigen Titel „Millionenspritze gegen die Gicht“ verbreitete auch die Kronen Zeitung eine optimistische Grundstimmung für das Projekt, doch: „Es scheiterte letztendlich nicht nur an der geringen Schüttmenge, sondern auch am regionalen politischen Nachdruck, der eine Grundvoraussetzung für ein derartiges Projekt ist“, so Franz Josel.

Dipl.-Ing Franz Josef (m.) bei der Projektebsprechung.
Auch die „Steirerkrone“ räumte dem Projekt Zukunftschancen ein.

Ein ehemaliger Nobelkurort, der heute eine vollkommen andere Funktion hat: Tobelbad. Dieses Heilbad wurde zum Inbegriff für medizinische Großleistungen auf dem Gebiet der Rehabilitation auf Grund von Berufskrankheiten und Unfällen. 1949 wurde es von der AUVA erworben, 1951 behandelte man dort erstmals Querschnittgelähmte und ein Jahr später wurde die Rehabilitationsabteilung eröffnet und eine ständige Weiterentwicklung ließ diesen Standort zu einem international anerkannten medizinischen Forschungs- und Betreuungszentrum werden.

International bekannt jedoch war ­Tobelbad schon viele Jahrzehnte zuvor – als mondänes Kurbad. Die Heilkraft des 23 bis 26 Grad warmen Wassers war schon im Frühmittel­alter bekannt, erstmals erwähnt wurde sie dann 1241 unter Herzog Friedrich dem Streitbaren. Bereits 1578 erfolgte die Errichtung eines Badehauses über der Ludwigsquelle und im Jahre 1613 eines über der Ferdinandsquelle. Kaiserin Maria Theresia gönnte ihren invaliden Offizieren einen Genesungsaufenthalt in Tobelbad und im 19. Jahrhundert verbrachten dort auch ein Robert Hamerling, ein Richard Heuberger, Komponist der Operette „Der Opernball“, Johann Strauß und der Literat Leopold von Sacher-Masoch einige Wochen ihrer Gesundheit zuliebe.

Prominente Namen schützen den Kurort bei Graz jedoch nicht davor, bedenklich zu verludern und so erwies es sich als besonderer Glücksfall für Tobelbad, dass ein gewisser Gustav Robert Paalen, Erfinder, Schöngeist und Kunstmäzen, Geschäftsmann mit internationalen Beziehungen, aus jüdischem Hause stammend, aber zum Protestantismus konvertiert, im Jahre 1909 die Kuranstalt kaufte und sofort in einem Ausmaß sanierte, dass bereits ein Jahr später selbst Kaiser Franz Joseph zur Wiedereröffnung gekommen war, was ihm mit einem Denkmal ehrerbietigst gedankt wurde. Doch abseits von Glanz und Glorie gediehen auch Kur-Skandälchen.

In ebendiesem Sommer war auch Alma Mahler mit ihrer Tochter Anna Justine nach Tobelbad gekommen und hatte dort den deutschen Bauhausarchitekten Walter Gropius kennengelernt, was wieder von ­Gustav Mahler gar nicht goutiert wurde. Denn wie es das Schicksal wollte, landete ein glühender Liebesbrief von Gropius statt in den Händen ­Almas auf dem Schreibtisch des Komponisten. Der Rest ist rasch erzählt: Gustav Mahler starb bekanntlich im Jahre 1911, Alma Mahler schrieb sich von 1915 bis 1920 mit Familiennamen Gropius, bis dann Franz Werfel auf den Plan trat.

Das Heilwasser der Stainzer Johannesquelle kann heute gratis abgefüllt werden.

Doch soll hier nicht nur von vergangenen heilenden und sonstigen „Wannen-Wonnen“ die Rede sein, „Arzneiwasser“ oder auch „Sauerwasser“ – wie es der Volksmund häufig nannte – wurde in Flaschen abgefüllt und in gar manchem Haushalt wird man sich an das eine oder andere Etikett noch erinnern.

Der frühere Landes-Hydrogeologe Dr. Hilmar Zetinigg, Hofrat in Graz und Universitätsprofessor an der Montanuni in Leoben, hat in seiner akribischen Arbeit „Die Mineral- und Thermalquellen der Steiermark“ selbiges aufgelistet und dabei insgesamt 74 derartiger Vorkommen erfasst. Viele von diesen wurden durch Hochwässer verschüttet, andere mussten aus hygienischen Gründen geschlossen werden, weil sie Keime weit über alle Grenzwerte hinaus aufwiesen, aber alle haben sie eine interessante, häufig viele hundert Jahre alte Geschichte.

Wer erinnert sich an den Kalsdorfer Sauerbrunn und sein Ende im Jahre 1970, an die Gleichenberger und an die Rachauer Emmaquelle, an den Hengsberger Sauerbrunn? Nicht zu vergessen das Fentscher-Wasser, das sich einen besonderen Ruf als „Kropfbründl“ erworben hatte. Bevor in den Jahren von 1926 bis 1928 das Murkraftwerk Pernegg einschließlich Oberwasserkanal errichtet worden war, fuhr man auf der Strecke Bruck – Graz durch Zlatten, wo sich die „Hildesquelle“ beim Lindenbrunnen großer Beliebtheit erfreute. Seit damals fließt sie ungenutzt in den Zlattenbach. Von Bad Aussee bis Bad Radkersburg reichen die Quellen mit den besonderen Wässern.

Die Ulrichsquelle in Stanz im Mürztal ist in der Region bekannt, ebenfalls eine Reihe weiterer Säuerlinge im Raum des benachbarten Aller­heiligen, die den ehemaligen Landeshauptmannstellvertreter Dipl.-Ing Leopold Schöggl als Fürsprecher zwecks Nutzung für ein bescheidenes Bad namens „Rosegger Therme“ gefunden haben. Der Erfolg versuchter Überzeugungsarbeit bei den zuständigen Förderstellen des Landes lässt bis jetzt noch auf sich warten.

 

Umso erfolgreicher ist es dafür bei der Revitalisierung des Thalheimer Schlossbrunnens gelaufen. Nach wirtschaftlichen Schleuderkursen bis hin zu Verfall und Stilllegung hat nun Didi Mateschitz Geld und Zügel in die Hand genommen und jetzt gibt es das einst berühmte Heilwasser wieder als prickelnd oder still, auch als Limonade in sechs Geschmacksrichtungen und – man liest richtig – als Bier, gebraut mit Heilwasser.

 

Beitrag veröffentlicht am 19. September 2022
von Dieter Rupnik
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Offene Wunden

Deutliche Auswirkungen auf die Hautgesundheit haben auch verschiedene nicht-dermatologische Erkrankungen, dazu gehört vor allem Diabetes mellitus. Der „diabetische Fuß“ sorgt vielfach für Probleme – worauf es bei der Prävention ankommt.

Unsere Haut ist ein sensibles Organ. Wenn der Körper durch andere Erkrankungen bereits aus dem Gleichgewicht geraten ist, so können sich auch hier Problemstellen auftun – das ist beispielsweise bei Diabetes mellitus der Fall. „Das Risiko einer Hauterkrankung erhöhen ein nicht adäquat eingestellter Blutzuckerspiegel, Folgeerkrankungen, die nicht behandelt werden, und Hautprobleme, die ignoriert werden“, erklärt Dr. Barbara Binder von der Univ.-Klinik für Dermatologie und Venerologie an der Medizinischen Universität Graz.

Gestörte Immunabwehr

Wie erklärt sich überhaupt die enge Verknüpfung zwischen der Erkrankung und der Hautgesundheit? „Die erhöhten pathologischen Glucosewerte schädigen direkt und indirekt Zellen und Gewebe“, führt Binder aus, „die Immunabwehr wird herabgesetzt und das kann zu einer Anfälligkeit für Infektionen führen.“ Die häufigsten Infektionen sind bakterielle Infekte – zum Beispiel in Form von Abszessen – und Pilzinfektionen. „Letztere treten vor allem zwischen den Zehen, an den Fußsohlen und Zehennägeln auf“, so die Fachärztin, „sie sind oft die Eintrittspforte für Bakterien und sollten immer behandelt werden.“

Aber auch sogenannte intertriginöse Bereiche wie die Leistengegend oder die Achselhöhlen können von Pilzinfektionen betroffen sein – also Stellen, wo dicht benachbarte, teilweise direkt gegenüberliegende Hautflächen ständig miteinander in Berührung kommen. Einer Abklärung bedürfen zudem das Auftreten von Hautveränderungen an den Unterschenkeln und an den Insulininjektionsstellen. Bei Auftreten von Ausschlägen ist ebenfalls eine ärztliche Konsultation notwendig, so Binder, dafür könnten Arzneimittelunverträglichkeiten verantwortlich sein. Auch die Nephropathie, eine entzündliche Erkrankung der Nieren, kann zu Juckreiz und Ekzemen der Haut führen.

Diabetischer Fuß

Eine häufig vorkommende Folgeerkrankung der Zuckerkrankheit ist der diabetische Fuß. Auslöser kann die mit Missempfindungen einhergehende Neuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, sein. Sie führt laut Binder zu Fußfehlstellungen und Druckstellen mit der Gefahr der Entstehung von offenen Wunden. „Über 30 Prozent der an Diabetes mellitus Erkrankten entwickeln offene Wunden“, bekräftigt Dr. Gerd Köhler von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der Univ.-Klinik für Innere Medizin, Medizinische Universität Graz, „die Dunkelziffer ist hoch, da die Patienten die Problematik aufgrund der Nervenstörung häufig nicht bewusst wahrnehmen.“

Während rund 50 Prozent der Erkrankten von Durchblutungsstörungen betroffen sind, kommt eine Neuropathie bei rund 90 Prozent vor. „Die Schädigung der Nerven tritt in der klassischen Form zuerst an den Füßen auf, weil die Nervenfasern dort am längsten sind. Viele Patienten spüren allerdings kein Kribbeln oder Taubheitsgefühl, weil die Neuropathie zu einer beeinträchtigten Körperwahrnehmung führt. Es ist daher sehr wichtig, die Angehörigen in die Prävention miteinzubinden.“ Binder unterstreicht den Stellenwert einer regelmäßigen Inspektion der Füße betreffend Fehlstellungen, Verhornungen, Verletzungen oder offenen Stellen. Köhler rät neben einer professionellen Haut- und Fußpflege dringend zu einem jährlichen Screening, das eine etwaige Schädigung der Nerven aufzeigt. Auch die Durchblutung sollte im Auge behalten werden.

 

Schnelle Reaktion

Tritt bereits eine offene Wunde auf, so ist eine schnelle Reaktion angebracht. Das Therapieziel wird abhängig von Alter und Begleiterkrankungen formuliert, so Köhler. Ist eine Abheilung der Wunde nicht mehr möglich, geht es vor allem um die Erhaltung der Mobilität des Patienten. Den sogenannten Ulkus gilt es zu entlasten, „das kann beispielsweise durch einen Gips, eine Vakuumschiene oder Verbandschuhe erfolgen. Allerdings fällt es vielen Patienten schwer, dies 24 Stunden pro Tag in ihr Leben einzubauen. Eine Heilung kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen.“

Für wünschenswerte Ergebnisse braucht es immer eine strukturierte Versorgung und ein multidisziplinäres Team, betont Köhler. Eine Amputation wird nur als letzte Maßnahme gewählt. „Auch wenn es sich nur um einzelne Zehen handelt, verändert eine Amputation die gesamte Statik am Fuß“, betont der Facharzt, „das führt wiederum zu weiteren Problemen.“ Noch immer werden allerdings österreichweit zwei Drittel aller Amputationen an den unteren Extremitäten bei Menschen mit Diabetes mellitus durchgeführt.

Um alle diese Problemstellungen von vornherein bestmöglich zu vermeiden, muss nicht nur die Diabeteserkrankung gut eingestellt sein, auch Werte wie Blutfette und Blutdruck bedürfen einer sorgsamen Kontrolle. Zudem gilt: „Eine regelmäßige Hautpflege ist sehr wichtig, am besten mit harnstoffhaltigen Pflegeprodukten, sie speichern Feuchtigkeit“, sagt Binder. Die Prävention beginnt bereits in Details im Alltag – etwa mit breitem und weichem Schuhwerk.

Beitrag veröffentlicht am 14. September 2022
von Elke Jauk-Offner
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