Eiertanz um Meldepflicht

„Mancher gibt sich viele Müh’, mit dem lieben Federvieh. Einesteils der Eier wegen …“ So lässt Wilhelm Busch den ersten Streich von Max und Moritz beginnen und hat damit dem ebenso drolligen wie nützlichen (und auch schmackhaften) Federvieh ein unauslöschliches Denkmal gesetzt. Was der humoristische Dichter damals noch nicht wissen konnte: dass diese Vögel auch bunte Eier legen können und dass sie es einmal zum beliebten Haustier auch in städtischen Bereichen – Tendenz steigend – bringen werden.

W enn nun Renate Rosbaud in ihrem liebenswerten Bericht von den Henderln im Garten und dem eigenen „biologischer geht’s nicht mehr“-Ei auf dem Frühstückstisch schwärmt, gilt es doch einige „Aber“ ins Kalkül miteinzubeziehen.

Aber der Hahn
Aber die Nachbarn
Aber die Ämter und Behörden
Nun der Reihe nach: Hühner wie anderes Geflügel fallen unter Kleintiere und dürfen für private Zwecke ohne Genehmigung gehalten werden, sofern diese ortsüblich ist. Da ist aber der liebe Hahn, der schon vor dem Morgengrauen zu krähen pflegt und in unzähligen Fällen den Grund für den „Krieg über den Gartenzaun“ abgibt. Wohlgemerkt – die Hühner legen ihre Eier auch ohne ihren Gebieter, ihr Gackern stellt keine besondere Quelle von Lärmärgernissen dar, eine kurze, jedoch unüberhörbare Verkündigung, dass sie ihre Legeleistung vollbracht haben, vielmehr ist es nicht. 

Trotzdem bemüht die Hühnerhaltung – je städtischer das Umfeld, desto beschäftigter die Advokaten – Gerichte angefangen von Zivilgerichten über Landesverwaltungsgerichte bis zum Verwaltungsgerichtshof und dem Obersten Gerichtshof. Um prozessuale Auswüchse dieser Art zu vermeiden, empfehlen sich zwei bewährte Vorgangsweisen: Ehe das erste Huhn im Garten scharrt, ein Gespräch mit den Nachbarn und deren Zustimmung einholen und sie nicht vor vollendetete Tatsachen stellen. Im Zweifel auch beim Gemeindeamt nachfragen, wie das Wohngebiet im Flächenwidmungsplan ausgewiesen ist, die Frage der Ortsüblichkeit klären, diese gilt als Richtschnur und darf nicht überschritten werden. Zuständig für Lärmbelästigungen wäre dann, so Mag. Dr. Manfred Kindermann von der für die Gemeinden zuständigen Abteilung 7 des Landes Steiermark, das Sicherheitsgesetz.

Bei Einhaltung vorbildlicher Gesetzestreue wird der zukünftige Hühnerhalter auch mit dem § 14 des Tiergesundheitsgesetzes Bekanntschaft machen. Dieser Paragraph schreibt ihm nämlich vor, den Geflügelbestand, egal ob auch nur ein Tier oder mehrere, innerhalb einer Woche nach Anschaffung bei der Tierseuchenkasse zu melden. Kostet nichts, funktioniert in einigen anderen Bundesländern auch online, ist jedoch in der Steiermark mit einem Besuch bei der jeweils zuständigen Bezirkshauptmannschaft verbunden. Rechtliche Konsequenzen bei Nichtbefolgung der Meldepflicht können sich ergeben, wenn dadurch eine Ausweitung der Vogelgrippe nachgewiesen werden kann. Bei der Errichtung eines Stalles sollte man sich mit der Bauordnung befassen und bei der Einrichtung desselben mit dem Tierschutzgesetz. 

Soviel zum Thema „Ämter und Behörden“ oder „Haushuhn und Amtsschimmel“.

Text von Dieter Rupnik
Bild von shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 31.08.2023

Grazer Seniorenbundobmann strikt gegen den EU-Plan „Fahrtauglichkeits-Check“

Der Obmann des Grazer Seniorenbundes Bundesrat Ernest Schwindsackl spricht sich gegen den EU-Plan aus, dass sich Senioren:innen ab 70 Jahren ohne weiteren Anlass regelmäßig einem Tauglichkeitstest unterziehen sollten. Er sieht in diesen Überlegungen eine weitere Form der Altersdiskriminierung.

Die EU plant, die Führerscheinrichtlinie zu überarbeiten. Studien hätten gezeigt, dass bestimmte Indikationen wie Drogenmissbrauch, psychische Erkrankungen, Epilepsie oder Herzerkrankungen nicht zwangsläufig mit dem Alter zusammenhängen, aber das „Altern“ doch einen Unsicherheitsfaktor im Straßenverkehr darstellt.

Das Altern ist ein schleichender Prozess. Bereits ab 50 Jahren verschlechtern sich Sinne wie Sehen und Hören.
Die Altersgrenze ab 70 zu setzen und anschließend alle fünf Jahre die Fahrtauglichkeit überprüfen zu lassen, sieht daher der Seniorenvertreter an den „Haaren herbeigezogen“ und altersdiskriminierend!
Die heute 70-Jährigen sind die ehemaligen 60-Jährigen und voll in die unterschiedlichsten Freizeit und Arbeitsprozesse eingebunden.
Die Wirtschaft sucht händeringend nach Personen mit Erfahrung und Einsatzwillen nach der gesetzlichen Pensionierung.
Senioren:innen halten durch Autofahren ihre Eigenständigkeit aufrecht, Einkaufs/Ausflugs – und Arztbesuche seien beispielgebend angeführt!
Auch der Wirtschaftsfaktor „Autokauf“ im Alter ist gegeben.

Zwar könne es mit zunehmendem Alter zu Leistungseinbußen kommen, dennoch sei das Unfallrisiko älterer Kraftfahrer nicht außergewöhnlich hoch.  Gerade ältere Verkehrsteilnehmer zeichnen sich durch situationsangepassten Fahrstil sowie vorausschauendes Fahren aus.

Die Fahrtüchtigkeit überprüfen zu lassen, sollte jedem freiwillig überlassen bleiben, ein Test erkennt mangelnde Wahrnehmungs – und Reaktionsfähigkeit, so der Grazer Seniorenobmann Schwindsackl.

Auch die Fahrsicherheitstests der Automobilvereine werden derzeit schon von vielen Senioren:innen zur eigenen Sicherheit, wie der im Straßenverkehr teilnehmenden Personen, wahrgenommen.

Am Ende steht immer der Appell an die Vernunft des Einzelnen. Wenn es nicht mehr geht mit dem Autofahren im Alter, dann ist der beste Tipp immer noch der, den Führerschein rechtzeitig abzugeben, dazu bedarf es keiner gesetzlichen Aufforderung, schließt der Grazer Seniorenobmann.

Bilder beigestellt und von shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 24.08.2023

Man muss selbst draufkommen

Ein Priester hört mit 80 mit dem Autofahren auf.

Sie haben nach 62 Jahren Ihr Auto zurückgegeben. Hat jemand gesagt, Sie fahren nicht mehr sicher?
Pater August Janisch: Nein, da muss man selbst draufkommen. Das Hören macht weniger Probleme, aber das Sehen. Ich habe ein Glaukom, also einen grünen Star, der sich seit Jahren angekündigt hat, Im Spätherbst bekam ich den Eindruck, dass es Zeit ist, dass ich mein Auto nicht mehr fahre.

War das Problem die Dunkelheit in der kalten Jahreszeit?
Nein, aber die tief stehende Sonne. Dieses Nebeneinander von Sonne und Schatten, da wäre es manchmal besser gewesen, dass ich stehen geblieben wäre.  Einmal bin ich auf der wirklich engen Straße durch Gratwein gefahren, sehr langsam – vielleicht nur 10 km/h – und hinten hat einer gehupt. Der hat vielleicht geglaubt, dass ich einschlafe. Aber Ich habe mich nur so unsicher gefühlt, dass ich nicht schneller gefahren bin. Ich muss ja sehen, wie breit die Straße ist, wo der Straßenrand genau ist und ob da vielleicht ein Radler unterwegs ist. Da habe ich mir gesagt, ich höre auf, bevor ich einen Fußgänger oder Radfahrer wirklich gefährde oder verletze. 

Was haben Sie konkret gemacht?
Ich bin zu meiner Augenärztin gegangen und habe ihr von meinem Entschluss erzählt und sie hat nur gesagt: Das ist eine gute Entscheidung.

Wie hat sich Ihr Leben verändert, nachdem Sie Jahrzehnte als Seelsorger darauf angewiesen waren, mit dem Auto zu fahren?
Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich in einer Gemeinschaft lebe. Die Mitbrüder in Stift Rein helfen, wenn ich eine Autogelegenheit brauche, um eine Messe zu lesen, zum Arzt muss oder wenn ich Einkäufe erledigen muss. Das ist sicher schwieriger für die vielen älteren Menschen, die allein leben oder für ein Ehepaar, wo beiden Partner schon betagt sind. Da gibt es oft diese Nachbarschaft nicht, die ich habe. Da gibt es Fälle, dass die Leute nicht mehr gehen können und auch kein Auto mehr haben und nicht immer betteln möchten, ob jemand Zeit für sie hat, um sie irgendwohin zu bringen. 

Es gibt aber den öffentlichen Verkehr, oder?
Ich weiß nicht, ob ich noch mit den Öffis fahre. Ich kann natürlich ohne Probleme in den Bus steigen und am Grazer Hauptbahnhof finde ich auch den Bahnsteig der Straßenbahn. Aber ich sehe nicht mehr, welche Tram da kommt. Ich bin also seither noch nie mit einem öffentlichen Verkehrsmittel gefahren.

Text von Johannes Kübeck
Bild von Luef Light
Beitrag veröffentlicht am 10.08.2023

So behalte ich den Führerschein

Abenteuer Alter über das Dilemma der Senioren, die aufs Auto angewiesen sind. Das Unfallrisiko dieser Generation steigt, aber ohne Auto sinkt ihre Lebensqualität dramatisch.

Z weimal sind fast 80-Jährige im Frühjahr mit ihren Autos in den Auslagenscheiben von Grazer Geschäften gelandet. Es gab gottlob nur Sachschaden, aber die beiden Senioren erleben seither einen der Albträume ihrer Generation: ein erzwungenes Leben ohne Autofahren. Oskar Nusser (Name geändert), ein 86-Jähriger aus Graz-Umgebung, mag sich so ein Leben nicht einmal vorstellen: „Dann kann ich gleich auf den Friedhof übersiedeln“, sagt er grimmig zu Abenteuer Alter. Denn Autofahren ist für fast alle Senioren nicht Freizeitvergnügen, sondern schlichte Lebensnotwendigkeit. Nicht nur auf dem Land ist ein aktives Leben untrennbar mit selbstbestimmter Mobilität verbunden, die das Auto bietet. Der Supermarkt, in dem Herr Nusser einkauft, ist nicht im Ortszentrum, sein Arzt hat seine Ordination an die Peripherie verlegt, die Apotheke setzt auf einen Standort mit Parkplätzen, ein Besuch bei Kindern und Enkeln ist nur mit dem Auto möglich und wegen des Kaffeehaussterbens kann er nicht mehr zu Fuß auf ein Plauscherl gehen. 

Studien bestätigen, dass ohne Auto viel mehr als die Mobilität verloren geht. Es sinkt die ganze Lebensqualität vieler Senioren auf ein Minimum. Herr Nusser steht für viele, die das Auto seit Jahrzehnten als wesentlichen Teil der Freiheit und Unabhängigkeit erleben und für die das Leben ohne Fahrzeug fast nicht mehr lebenswert ist. 

Die beiden Senioren, die sich mit dem Auto in den Schaufensterscheiben wiedergefunden haben, sehen das wohl ähnlich. Zum Glück ist ihnen außer dem (erheblichen) Sachschaden und dem Schreck nichts passiert. Aber die Vorfälle werfen die Fragen auf, wie sicher Senioren einerseits im Straßenverkehr sind und wie sehr sie anderseits aufs Auto angewiesen sind. Abenteuer Alter versucht den Fokus darauf zu legen, wie man im höheren Lebensalter den Führerschein möglichst lange behalten kann. 

Für viele ist es geradezu ein Albtraum, den Schein zu verlieren. Die Polizei kann ihn kassieren und Lenker am Weiterfahren hindern, wenn die Beamten das fundierte Gefühl haben, das ist im Sinne der Verkehrssicherheit geboten. Dann ist das Papier vorübergehend weg, so Heimo Kohlbacher von der Landespolizeidirektion Steiermark. So eine Situation hat eine 90-jährige ehemalige Unternehmerin erlebt, die 70 Jahre lang mit ihrem Cabrio unfallfrei gefahren ist. Sie hat den Beamten „den Führerschein gleich hingeschmissen“, erzählt sie Abenteuer Alter. Bei begründetem Verdacht der Polizei kann die Bezirkshauptmannschaft eine Untersuchung durch den Amtsarzt anordnen. Der stellt fest, ob der betreffende Fahrzeuglenker gesundheitlich oder geistig in der Lage ist, weiter Auto zu fahren. Das geschieht in der Regel in einer Beobachtungsfahrt und dann entscheidet der Mediziner, ob der Führerschein für immer weg ist oder doch nicht. 

Hier kommt der Fahrschulbesitzer Karl-Heinz Stummer ins Spiel, dessen Unternehmen Powerdrive in solchen Fällen Trainings anbietet. Allen, die den Führerschein im Alter möglichst lange behalten wollen, kann Abenteuer Alter diese Angebote empfehlen. Allerdings erlebt der Experte immer wieder das Misstrauen der Betroffenen, sie könnten für immer den Führerschein verlieren, wenn sie so einen Kurs besuchen. Er beteuert glaubhaft, dass er nur dann an die Behörde berichtet, wenn er ausdrücklich als Gutachter beauftragt ist. 

Stummer hat auch eine gute Nachricht. Die Führerscheinbehörde kennt nicht nur das gefürchtete Entweder-Oder, sondern bietet auch einen Mittelweg an. Sie kann im Führerschein behördliche Einschränkungen etwa der Art eintragen, dass der Opa nicht mehr weiter als 50 Kilometer fahren darf und dass Nachtfahrten und Autobahnen für ihn tabu sind. Aber er verliert nicht gleich jede selbstbestimmte Mobilität.  

In der Praxis erlebt der Fahrschulprofi auch Fälle von freiwilliger Selbstbeschränkung, wenn ältere Personen nach längeren Spitalsaufenthalten zu ihm kommen. Oft sind es die Angehörigen, die solche Personen motivieren, ihre Fahrtauglichkeit testen zu lassen, bevor sie sich wieder ans Lenkrad setzen. Das setzt allerdings die Fähigkeit zur Selbstkritik voraus, wie sie ein durchaus typischer älterer Autofahrer bewies. Der 80-jährige Zisterziensermönch Pater August Janisch von Stift Rein war als Seelsorger jedes Jahr viele tausend Kilometer unterwegs, bis er bemerkte, dass sein Sehvermögen bedenklich nachlässt. Er hat das Auto hergegeben und die Augenärztin hat ihm zu dieser Entscheidung gratuliert.

Bei den Fahrten mit älteren Leuten erlebt Fahrschulprofi Stummer nicht nur Kritikfähigkeit, Vernunft und Einsicht, sondern auch das Gegenteil. Als er eine 90-Jährige bei so einer Fahrt darauf hinwies, dass sie einem Linienbus bedenklich nahegekommen war und eine Frau mit Kinderwagen auf dem Zebrastreifen nicht beachtet hatte, bekam Stummer nur böse Worte zu hören. Seine Erfahrungen decken sich mit denen eines Kollegen aus München, Toni Hubalek, der wegen seiner Erlebnisse bei Fahr-Fitness-Checks für Senioren sogar Auftritte im Fernsehen hatte. Er erzählt, dass vielen älteren Fahrern ihre Mängel gar nicht bewusst sind. Ein 78-Jähriger, dem der Fahrlehrer nach vollbrachter Fahrt mehrere Fehler vorhalten musste, sagte auf die Frage, ob ihm das aufgefallen sei: „Eigentlich nicht.“ 

Doch die Mängel in der Fahrweise von Senioren lassen sich beheben, beruhigen Experten. Wer im Alter möglichst lange den Führer behalten will, sollte die Erfahrungen der Fahrschulprofis ernst nehmen. Sie beobachten typische Fehler, welche die Unfallstatistik bestätigt: Ältere missachten häufig den Vorrang anderer und sind unkonzentriert, etwa vor einem Zebrastreifen, sie fahren oft noch bei Gelb oder sogar Rot in eine Kreuzung, sie orientieren sich zu sehr an der Fahrbahnmitte, sie beherrschen den Schulterblick nicht, und machen Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren. So wie offenbar die beiden Grazer, die mit dem Auto in den Schaufenstern gelandet sind. 

Der wichtigste Ratschlag der Verkehrspsychologen lautet, irrelevante Informationen auszublenden und sich nur auf das Wichtigste zu konzentrieren. Das heißt, das Autofahren ernst zu nehmen und nicht als eine Nebentätigkeit abzutun, die man „mit links“ ausübt und mit jahrelanger Routine spielerisch beherrscht. Denn mit dem Alter geht schrittweise verloren, was Experten als Grundvoraussetzungen für eine sichere Verkehrsteilnahme auflisten: Ungetrübte Wahrnehmung, Reaktionsvermögen und ausdauernde Aufmerksamkeit. Was so spröde klingt, ist essenziell: gut Sehen und Hören, ein wacher Sinn und volle (nicht halbe) Konzentration. Peter Felber vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) in der Steiermark macht eine wichtige Ergänzung. Ältere Lenker, die sich nicht mehr ganz sicher fühlen, sollten gerade deshalb nicht weniger, sondern mehr mit dem Auto fahren. Es sei keine Lösung, nur noch selten mit dem Auto zu fahren, etwa einmal pro Woche zum Einkaufen oder in die Kirche. „Mit jedem Kilometer weniger geht der größte Vorteil der Senioren verloren, die wertvolle Routine.“  

Ihre Routine bestätigten den Senioren am Steuer auch die Unfallstatistik. Die Unfallhäufigkeit der Autofahrer ab 65 Jahren unterscheidet sich nach den Daten von Statistik Austria kaum von den anderen Altersgruppen, wobei natürlich die 15- bis 24-Jährigen die größten Gefährdeten und Gefährder sind. Doch ab etwa 75 Jahren lässt die Verkehrssicherheit doch nach, so die Daten. 

ÖAMTC-Experte David Nosé nützt den Interpretationsspielraum der Statistik für die Beteuerung, Senioren seien keine Risikogruppe im Straßenverkehr, ihr Unglücksrisiko sei geringer als im Durchschnitt. Klaus Robatsch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) räumt „strukturelle Schwächen“ der Senioren am Volant ein, sie würden diese aber auf andere Art kompensieren. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist langsamer, die körperliche Motorik schwächer und beim Sehen und Hören hapert es. Dem setzen sie aber die Vorteile des höheren Alters entgegen, so Robatsch. Sie haben Routine, müssen niemandem mehr etwas beweisen oder vermeiden Fahrten bei Dunkelheit und schlechter Sicht. 

Einen Umstand können die wohlmeinenden Experten nicht leugnen: Wenn es kracht, fallen die Verletzungen älterer Personen besonders schwer aus. „Mit zunehmendem Alter verunglücken die Personen zunehmend schwerer“, heißt es im Jahresbericht der Statistik Austria. Das gilt natürlich besonders für die am wenigsten geschützten Verkehrsteilnehmer, die Fußgänger und Radfahrer. 2021 waren 21 von 37 tödlich verunglückten Fußgängern und 26 von allen 50 getöteten Radlern 65 Jahre und älter. 

Abenteuer Alter gewann bei den Recherchen den Eindruck, dass die Gesellschaft die Senioren weitgehend allein lässt, wenn sie nach Jahrzehnten mit dem Autofahren aufhören (müssen). Öffentlicher Verkehr ist fast keine Option, weil es ihn außerhalb der Städte praktisch nicht gibt. Mehr als Lippenbekenntnisse sind von der Politik nicht zu hören. Das Verkehrsministerium übermittelte eine karge Stellungnahme, es sei „wichtig“, dass Mobilität auch ohne Auto möglich ist. Mehr als das Bekenntnis, „Mobilitäts- und Verkehrsberatungen für ältere Menschen auszubauen“ war auf Anfrage aber nicht zu erfahren. Damit kommen Senioren ohne Auto genau keinen Meter weiter.   

Neuen Zündstoff für die Debatte liefert ein Vorschlag der EU-Kommission. Der Führerschein für alle europäischen Autofahrer ab 70 soll nur noch für fünf Jahre gelten, dann würde regelmäßig ein verpflichtender Test erfolgen. Brüssel will damit die derzeit unterschiedlichen Regelungen harmonisieren. Dänemark, die Schweiz oder Spanien haben schon Regelungen dieser Art, ohne dass es einen Aufstand der Betroffenen gab. Da 2024 allerdings Europawahlen anstehen, kann Entwarnung gegeben werden. Bis dahin traut sich kein Politiker an das Thema heran. Ob es danach jemand probieren wird, steht in den Sternen. Denn die Senioren sind auch eine mächtige Wählergruppe. 

Text von Johannes Kübeck
Bilder von shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 25.07.2023

Der große Wunsch, mobil zu sein

Menschen im Alter wollen auf ihr Auto nicht verzichten. Darauf stellt sich die Branche seit jeher ein und wird doch immer wieder überrascht. 

D as durchschnittliche Alter eines Neuwagenkäufers ist 50, ein neuer Porsche geht sich im Schnitt erst mit rund 60 Jahren aus. Die Käuferschicht 60plus ist sehr heterogen, sagt Gerhard Monsberger, Geschäftsführer von Porsche Steiermark, und lässt sich in keine Schublade einordnen. 

Designer und Produktentwickler beißen sich an dieser Generation mitunter die Zähne aus. So manches Seniorenprodukt scheiterte, weil man die recht „praktisch gedachten“, aber im Design wenig ansprechenden Produkte zu wenig schick fand. Wie ist das bei den Autos?
Gerhard Monsberger: Auch in der Autobranche machen sich Marketingexperten und Marktforscher darüber Gedanken. Sie wurden und werden immer wieder überrascht. Der Audi Q2 wäre eigentlich als Auto für die Jüngeren gedacht gewesen, gekauft wurde er – unter anderem des lässiges Stylings wegen – weitgehend von älteren Menschen als Stadt-SUV. Warum auch sollte man sich im Alter nichts Schickes mehr zulegen? Es gibt aber auch die Gruppe, die seit jeher Golf Rabbit gefahren ist und das auch im Alter weiter tun möchte. 

Wie erleben Sie die ältere Generation als Käuferschicht?
Es heißt ja, 60 ist das neue 40, es gibt enorme Unterschiede, was die Ansprüche betrifft. Viele Seniorinnen und Senioren sind im Kopf und im Handeln sehr jung und affin mit den Dingen der modernen Welt. Diese Generation darf man nicht generalisieren. Senioren machen einen Gutteil unserer Käuferschicht aus: Sie haben Zeit und Geld, um sich neue und schöne Dinge leisten zu können. 

Mit welchen konkreten Vorstellungen kommen sie zu Porsche?
Mit dem Wunsch nach Mobilität, das ist das zentrale Thema. Das bestehende Angebot an öffentlichem Verkehr und zuletzt die Pandemie haben diesen Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit verstärkt.Die Menschen wollen sich flexibel von A nach B bewegen können. Es hat sich auch das Freizeitverhalten dieser Generation geändert. Während man früher gern daheim war, ist heute die Lust auf Freizeitaktivitäten und eben auf Mobilität stark gestiegen.

Wie groß ist die Nachfrage nach E-Autos?
Die ist durchaus gegeben. Insgesamt lässt sich sagen, dass die ältere Kundenschicht länger und eingehender über ihre Kaufentscheidung nachdenkt, im Sinne von: Was passt zu mir und meinen Lebensumständen? E-Autos werden vor allem nachgefragt, wenn die PV-Anlage am Hausdach den Treibstoff erzeugen kann. Einschränkungen, die Reichweite betreffend, werden von dieser Generation auch eher hingenommen, auf längeren Strecken verbindet man das Aufladen mit einer Pause. Seniorinnen und Senioren haben gegenüber E-Autos weniger Berührungsängste, als man glauben möchte. Aber wie gesagt, diese Generation ist sehr aufgeschlossen, ihnen kommt auch unsere Rolle als Begleiter im Entscheidungsprozess zugute. Das wird auch wertgeschätzt. Nicht selten erleben wir, dass das langjährige Fahrverhalten mit Gangschaltung nach eingehender Beratung zugunsten eines Automatikgetriebes aufgegeben wird.

Bild von Porsche Graz-Liebenau
Beitrag veröffentlicht am 11.07.2023

mobil sein, mobil bleiben

Mobilität im Alter bedeutet Unabhängigkeit und Lebensqualität. Wie individuelle Mobilität sicher bleibt, was ein Verkehrssystem der Zukunft an Bedürfnissen älterer Menschen berücksichtigen muss und welche Folgen fehlende Mobilität hat. 

M obilität ist ein Grundbedürfnis, die Voraussetzung für soziale Teilhabe, eine Notwendigkeit für die Selbstversorgung. Die Bedürfnisse und Möglichkeiten können sich im Laufe des Lebens aber merklich verändern. Nicht nur sie. Auch die Welt der Mobilität verändert sich. Im Individualverkehr ist Elektromobilität auf zwei und vier Rädern weiter auf dem Vormarsch. Die Notwendigkeit eines klimaverträglichen Verkehrssystems rückt Öffi-Angebote in den Fokus. Modelle wie (e-)Carsharing oder die verbesserte öffentliche Erreichbarkeit von Stadtrandgebieten sollen Mobilitätsbarrieren aus dem Weg räumen. Im eigenen Zuhause schaffen wiederum Mobilitätshilfen immer neue Möglichkeiten, um in Bewegung zu bleiben.

Fakt ist: Mit zunehmend mehr älteren Personen in der Bevölkerung wird auch der Anteil an älteren Fußgängern, Öffinutzern sowie Lenkern von Pkws, Motorrädern oder Fahrrädern künftig noch deutlich steigen. Je länger man mobil ist und bleibt, desto größer sind Unabhängigkeit und Lebensqualität. Alter ist aber nicht statisch messbar, es ist ein mehrdimensionaler Prozess der Veränderung – und ein höchst individueller noch dazu.

Emotionale Diskussion
Es ist auffällig, konstatiert ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger, dass Mobilität im Straßenverkehr im fortgeschrittenen Alter oft sehr emotional und einseitig diskutiert wird. „Sobald medial ein sogenannter ,Seniorenunfall’ erscheint, gibt es reflexartig die Forderung nach strengen Führerscheinprüfungen, medizinischen beziehungsweise psychologischen Tests oder restriktiven Fahrverboten für Personen der höheren Altersklassen.“

Viele Studien haben vergeblich versucht, statistisch abgesicherte Beziehungen zwischen der Unfallrate einzelner Personengruppen und Merkmalen dieser Personen zu finden. Die einzig nennenswerte Ausnahme stellt laut der Expertin der „low mileage bias“ dar: „Das heißt, die Unfallrate steigt an, wenn die jährliche Fahrleistung unter rund 3.000 Kilometer absinkt. Zusätzlich muss man aber beachten, dass Wenigfahrer unabhängig vom Alter zwar eine höhere Unfallrate pro Kilometer haben, sie aber eine geringere Exposition im Straßenverkehr gegenüber den Vielfahrern aufweisen.“

Stärken und Defizite
Viele ältere Personen verfügen über mehr Lenkerfahrung, können aber auch mehr gesundheitliche Probleme mit sich tragen. Kompensationshilfen wie Fahr- oder Gesundheitstrainings, die Anschaffung eines Autos mit Automatikgetriebe, regelmäßige freiwillige Vorsorgeuntersuchungen, die genaue Einhaltung der Medikamenteneinnahme sowie die Verwendung von Brillen oder Hörhilfen erhöhen die Sicherheit im Straßenverkehr. Zusätzlich gibt es eine immer höhere Bereitschaft, sich mit technischen Neuerungen in Form von Fahrer-Assistenzsystemen wie Park-, Spurhalte- oder Notbremsassistenten auseinanderzusetzen. 

„Lediglich etwa sechs Prozent der älteren Bevölkerungsgruppe kompensiert nicht zweckmäßig, ihr Fahrverhalten ist also nicht ausreichend vorhandenen Defiziten angepasst. Dieser Effekt ist mehr bei Männern zu beobachten, die im Vergleich zu Frauen weniger selbstkritisch mit ihrer Leistungsfähigkeit umzugehen scheinen“, so Seidenberger.„Viele ältere Personen fahren als Kraftfahrzeuglenker besonnen, haben kaum Vergehen hinsichtlich des Alkoholmissbrauchs oder Schnellfahrens, meiden Nachtfahrten, sehr stressende Fahrzeiten, bestimmte Fahrtstrecken überhaupt und teilen sich längere Routen in mehrere Fahretappen mit Erholungspausen ein.“ 

Klarheit schaffen
Der Grundsatz „keep it simple“ ist nie verkehrt: Infrastruktur muss für jeden Nutzer klar und leicht verständlich sein, ebenso die Bedienung eines Fahrzeuges samt seiner gesamten Sicherheitsausstattung. „Ein kritischer Umgang mit der eigenen Leistungsfähigkeit, möglicherweise auch mit der Einholung eines Ratschlages und Hinweise von Angehörigen, aber auch von Freunden, von Fahrprofis, auch des Hausarztes, ist somit der beste Schutz für eine sichere individuelle Mobilität, egal welchen Alters“, so Seidenberger.

Abgesehen von individuellen Voraussetzungen braucht es aber vor allem auch die verstärkte Berücksichtigung älterer Menschen in der Verkehrsplanung. Dass letztere zudem dringend auf Klimakurs gebracht werden muss, ist eine der großen Herausforderungen. „Lange Zeit wurde die Verkehrsplanung nach dem Lebensentwurf eines Mannes ausgerichtet, der mit dem Auto in die Arbeit fährt“, konstatiert Ulla Rasmussen, Geschäftsführerin des Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Auf Radfahrende und Gehende wurde wenig Rücksicht genommen – abseits des Autofahrens und abseits davon, pro Tag nur den einen Weg zur Arbeit zu haben, bestehen jedoch viele Mobilitätsbedürfnisse. Es braucht ein Mobilitätssystem, so der VCÖ, das es ermöglicht, selbstständig, gefahrlos und aktiv unterwegs zu sein – und ein Verkehrssystem, das durch so wenig Barrieren wie nur möglich so viele Menschen wie möglich so oft wie möglich nutzen können.

Viele Lebensstile
Gerade die Gruppe der Älteren wird künftig noch weit heterogener werden – mit sehr unterschiedlichen Lebensstilen und Mobilitätsbedürfnissen. Ältere Menschen werden deutlich mobiler sein als Gleichaltrige bisher. Schon heute sind viele ältere Menschen mit neuen technologischen Entwicklungen vertraut, in Zukunft werden es noch mehr sein. Neue Technologien erleichtern das Planen von Wegen und die flexible Kombination von öffentlichem Verkehr, (E-)Fahrrad, Gehen und Carsharing. Gleichzeitig wird es aber  immer auch Menschen geben, die nicht technologieaffin sind. 

„Das Mobilitätssystem ist unter anderem durch Barrierefreiheit und geringere Geschwindigkeiten an die Bedürfnisse älterer Menschen anzupassen. Durchgängige Fuß- und Radwegnetze sind wesentlich für den Erhalt der Mobilität älterer Menschen“, heißt es in der VCÖ-Publikation „Gesellschaftliche Entwicklungen verändern die Mobilität“. Menschen, die aufgrund von Routinen an ein einziges Verkehrsmittel gewöhnt sind, sind besonders gefährdet, immobil zu werden, wenn sie dieses nicht mehr nutzen können. Rund 20 Prozent der Menschen ab 60 Jahren haben kein Auto im Haushalt, nur die Hälfte hat Mitfahrgelegenheiten für Besorgungen. 

Folgen fehlender Mobilität
Bei den Motiven für das Mobilitätsverhalten ist es älteren Menschen weniger wichtig, Zeit einzusparen oder schnell einen Parkplatz zu finden. Vielmehr geht es häufig darum, bequem voranzukommen, Bewegung zu haben, sicher unterwegs zu sein und mit anderen Menschen zusammen zu sein. Fehlende Mobilität von Senioren hat nicht nur eine einschneidende Bedeutung für jeden Einzelnen, sie hat auch Folgen für die Wirtschaft, weil ältere Menschen für den Einzelhandel als Kunden und für den Tourismus als Gäste ausfallen, wenn sie sich ins Häusliche zurückziehen. Und sie hat Folgen für eine Gesellschaft, die den nicht mobilen Senioren die Teilhabe am öffentlichen Leben erschwert, weil Lebenserfahrung und ehrenamtliches Engagement verloren gehen. 

Text von Elke Jauk-Offner
Bild von shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 18.05.2023

Alpakawanderung, Eseltrekking & Ponywalk

Nespresso einmal ganz anders – nämlich als attraktiver Lamahengst in allen Kaffeschattierungen von Espresso bis Latte Macchiato. Er ist eines der Tiere, mit denen sich Züchterin Michelle Kaufmann auf Wanderung begibt. Sie bietet rund um Tragöß und im Frühling auch rund um den Grünen See Spaziergänge mit Lamas und Alpakas an.

„Wir finden für jeden Gast das richtige Tier“, erzählt sie. Die große Herde bietet Charaktere von ruhig bis flott. Nach einer kurzen Einschulung geht´s los, die Züchterin weiß, in welcher Reihenfolge die Alpakas und Lamas am liebsten gehen – wir Menschen müssen uns danach richten. Ich finde den Spaziergang gemütlich und die Tiere bringen mich mit ihren ulkigen Gesichtern, den Knopfaugen und den lustigen Frisuren immer zum Schmunzeln. Beim Plaudern mit Michelle erfahre ich auch, dass es wichtig ist, gelassen zu sein und entspannt, dann spazieren die Alpakas am liebsten mit. Wer zu ungeduldig ist (wie ich oft), der überträgt das auf die flauschigen Begleiter und deshalb bleibt Nespresso mit mir auch immer wieder stehen. Alpakas und Lamas lehren also Gelassenheit.

Geeignet ist so ein kurzer Ausflug für Kinder ab etwa acht bis neun Jahren und natürlich für alle Menschen, die sich gerne in der Natur bewegen und fit sind, also von neun bis neunzig plus. Nach einer leichten Wanderung gustiere ich noch im Alpaka-Shop, ich habe bereits einige Mützen und Schuheinlagen, die bei Kälte herrlich wärmen. 

Sehr viele Züchter bieten in der Steiermark Alpaka-Spaziergänge und Produkte aus dem weichen Vlies an; unter anderem in der Nähe des Schöckl, bei Stainz, im Almenland usw. Amüsant finde ich persönlich auch Rundgänge mit Eseln, ich habe bereits zweimal Esel-Trekking miterlebt, einmal an der südsteirischen Grenze entlang und das andere Mal rund um Pöllau. Vorbei an herrlichen Wiesen und Bauerngärten im Frühling, mitten durch den Wald und – vor der Ankunft in Pöllau – mit herrlichem Blick auf die Pfarrkirche und den Ort. Wer gerne fotografiert, wird hier viele idyllische Motive finden. Und man kann herrlich lustige Esel-Mensch-Selfies machen. Dabei können schon einmal Haare oder Zopf zart angeknabbert werden, doch mit einer Karotte sind die grauen Langohren leicht abzulenken. 

Esel sind genauso wie Alpakas äußerst liebenswürdig. Die „Sturheit“, die man ihnen andichtet, ist nichts weiter als überlegte Vorsicht. Alles, was neu ist, lassen sie erst einmal sacken, überlegen, ob es gut für sie ist – und dann erst gehen sie weiter. Die bisher letzte tierische Wanderung habe ich für „Bei Tier daheim“ (jeden Dienstag in „Steiermark heute“, 19 Uhr, ORF2) in Tobis bei Passail gedreht. Im Rahmen von „Urlaub am Bauernhof“ bei Familie Wild kann man als Gast viel Zeit mit den Miniponys verbringen. Den 150 Jahre alten schönen Stall ausmisten, striegeln helfen, die Tiere füttern und mit ihnen auch spazieren gehen. Auch hier gibt es von klein bis größer, von ruhig bis temperamentvoller verschiedene Ponycharaktere. Ich bekomme mit Kathrin einen kleinen Schlingel – warum, weiß ich auch nicht genau. Mein Fazit ist, egal ob Alpaka, Esel oder Pony: Die Tiere sorgen mit ihrer Art und ihrem charmanten Wesen bei mir immer sofort für gute Laune. Das, verbunden mit Bewegung in schöner steirischer Landschaft und gemeinsam mit anderen TierfreundInnen, ist ein herrliches Erlebnis. Also, suchen Sie sich im Internet einen tierischen Spaziergang in der Region Ihrer Wahl und schwingen Sie fröhlich die Hufe bzw. die Beine.


Text von Renate Rosbaud
Bilder von Sternenglückfotografie
Beitrag veröffentlicht am 28.03.2023

Kochst du schon oder kaufst du noch?

Die Suche nach dem richtigen Futter für den Hund

Ein paar gratis Abfälle vom Fleischhauer, Küchenreste, Pansen, ein Knochen, fertig. So sah vor vielen Jahren meist die Mahlzeit für den Haus- und Hofhund aus.

 Heute hat sich die Ernährung des Vierbeiners zu einer wahren Wissenschaft entwickelt, die man oft nicht wirklich durchblickt. Fertigfutter oder selbst kochen, Nass- oder Trockenfutter oder gleich roh, sprich „barfen“?

Mit Nahrungsergänzungen oder ohne?

Hundebesitzer:innen und Tierärzt:innen werden wohl unterschiedliche Meinungen dazu haben. Und darauf schwören, dass ihre Fütterungsmethode die richtige und gesündeste ist.

Meine Ilvy, eine mittlerweile 5 Jahre alte Whippethündin, bekam von Anfang an Trockenfutter, wie von der Züchterin empfohlen. Ein hochwertiges Produkt, das seinen Preis hatte. Es war praktisch, vor allem zum Mitnehmen, man konnte es auch als Leckerli zwischendurch verwenden. Und es hat ihr geschmeckt.

Irgendwann bekam Ilvy Probleme mit der Verdauung und zwei Tierärzte empfahlen mir, selbst zu kochen. Hühnerfleisch mit Reis und Gemüse. Ob es billiger war als Fertignahrung? Eher nicht, denn ich habe Bio-Gemüse und oft auch Biofleisch gekauft. Zur Abwechslung gab es Karotten oder Zucchini mit Rinderfaschiertem, auch in Bioqualität. Denn da konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einmal Faschiertes gewürzt und zu Sugo verkocht für uns Zweibeiner und das andere Mal das reine Fleisch gekocht und ungewürzt für den Hund. Praktisch – und geschmeckt hat auch dieses selbst zubereitete Futter meiner Ilvy hervorragend. Irgendwann spielte die Hunde-Verdauung aber komplett verrückt und es folgte eine komplette Futterumstellung. Auf Nassfutter aus der Dose mit Wildfleisch und Gemüse. Ergänzt mit Enzympulver für die Bauchspeicheldrüse und gemahlenen Flohsamen – beides Produkte, die auch vielen Menschen guttun. Ilvy liebt auch dieses Fressen. Das Wichtigste ist aber, die Verdauung funktioniert wieder einwandfrei – zur Freude von Frauli, das nachts nicht mehr mehrmals aufstehen und Gassi gehen muss.

Nur mit „barfen“, also roh füttern, konnte ich mich nicht anfreunden. Viele schwören darauf, es sei die richtige Ernährung, weil der Hund vom Wolf abstammt. Andere sagen – auch manche Tierärzte – da seien oft nicht die richtigen Nährstoffe dabei.

Eine Wissenschaft für sich – das Hundefutter

Welche Futterart aber war am günstigsten? Ich finde, das ist schwer zu sagen. Es gibt sowohl von Frischfleisch (gekocht oder roh), Trocken- oder Nassfutter jeweils sehr günstige, mittelpreisige bis hochpreisige Produkte. Wie bei allem. Was man kauft, hängt von der persönlichen Geldtasche ab und was man für Hundefutter ausgeben möchte.

Welches das beste Futter ist, weiß ich ehrlich gesagt auch heute noch nicht. Man wird einfach von zu vielen verschiedenen Expertenmeinungen verwirrt. Wenn Ilvy das Trockenfutter gut vertragen hätte, würde ich das wahrscheinlich heute noch geben. So wie viele Hundebesitzer:innen. Ich glaube, es ist sicher jenes Fressen optimal, mit dem der Hund gesund ist, das Fell glänzt, die Haut schön ist und nicht juckt, die Verdauung klappt und er munter und zufrieden ist.

Nur eines ist sicherlich nicht gut – wenn auch leider allzu oft gut gemeint: gewürzte und fettige Essensreste, Kuchen, Käse und Schinken.Also, ob sie selbst kochen oder lieber kaufen: Solange ihr geliebter Wauzi es gut verträgt und gesund ist, bleiben Sie dabei. Sonst holen Sie sich Rat beim Tierarzt oder der Tierärztin.

Mahlzeit!

Text von Renate Rosbaud
Beitrag veröffentlicht am 16. Jänner 2023

Von der Kohle in die grüne Zukunft

Fohnsdorf in der Obersteiermark positioniert sich als Ort der Generationen. Ein Interview mit Bürgermeister Gernot Lobnig.

Fohnsdorf war früher reich mit den Kohlevorkommen. Herr Bürgermeister, was macht den Reichtum Ihrer Gemeinde heute aus?

Bürgermeister Gernot Lobnig: Ich glaube, uns ist hier ein guter Mix aus Tourismus, Handel, Dienstleistungen und einigen sehr bemerkenswerten Unternehmen gelungen. Zum Beispiel haben wir das Einkaufszentrum Arena, eines der größten Fachmarktzentren in Österreich. Da sind an die 100 Betriebe angesiedelt, die rund 700 Mitarbeiter beschäftigen.

Wie positioniert sich Fohnsdorf als Lebensraum für alle Generationen, für Alt und Jung?

Wir sehen, dass alle Generationen bei uns sehr gut miteinander „können“. Durch die Wirtschaftsgeschichte der letzten Jahrzehnte hat sich die Bevölkerungsentwicklung zunächst in Richtung der Älteren verschoben. Wir haben im Ort drei Pflegeheime, ein Seniorenwohnheim, zwei Einheiten mit betreutem Wohnen, unser Seniorencafé und ein Ärztezentrum. Einen Akzent gibt es in der Zusammenarbeit zwischen den Kindergärten und den Seniorenheimen. Die Kinder kommen zu Besuch in die Pflegeheime, was die Älteren natürlich besonders freut. Nur wegen Corona gab es eine kurze Unterbrechung.

Wie stemmt die Gemeinde angesichts der Krisen unserer Zeit die Kosten im Sozial- und Seniorenbereich?

Bekanntlich zahlen die Gemeinden in den Sozialhilfeverband ein und dort spüren wir die Kostenexplosion extrem. Die steirische Politik ist bei der Reform dieses Systems ziemlich weit fortgeschritten, indem die regionalen Sozialhilfeverbände 2024 in eine landesweite Organisation zusammengefasst werden. Aus meiner Sicht macht das absolut Sinn. Wenn man es richtig macht, sollten hier die Synergien und positiven Effekte überwiegen.

Überall wird der Ruf nach mehr Pflege laut, besonders nach mobiler Pflege. Trifft das auch auf Fohnsdorf zu?

Auch ich halte die mobile Pflege für die Zukunft der Pflege und sie muss unbedingt in alle Reformbemühungen einbezogen werden. Die betagten Fohnsdorferinnen und Fohnsdorfer brauchen die mobile Pflege als Übergang ganz dringend und auch ihre pflegenden Angehörigen brauchen Entlastung. Bei uns ist die mobile Pflege zwischen dem Roten Kreuz, der Caritas und der Volkshilfe aufgeteilt und die sind in ihrem Angebot gut auf die Notwendigkeiten der Pflege eingestellt.

Nicht erst seit Corona gibt es die Warnung vor dem Pflegenotstand. Ist Fohnsdorf mit seiner derzeitigen Altersstruktur da nicht sehr betroffen?

Wir bekommen natürlich mit, dass es in den Heimen einen großen Personalbedarf gibt. Außerdem wird es immer schwieriger, in einem anderen Bereich, der 24-Stunden-Pflege, Leute zu finden.

Man kann sagen, wir sind in einer krisenhaften Zeit gelandet. Kann da ein Bürgermeister überhaupt etwas ausrichten? 

Wir versuchen in vielen Bereichen, der Entwicklung die Spitze zu nehmen. Was die Gemeinde unmittelbar betrifft, leiden wir genauso unter den steigenden Preisen wie alle Haushalte. Denn auch wir kaufen täglich ein, und zwar nicht nur Büromaterial, sondern auch Energie, Lebensmittel und viele andere Dinge. Wir haben angefangen, Prioritäten zu setzen, zum Beispiel im Baubereich. Bei den geplanten Projekten rechnen wir nach und überlegen, ob und welche wir gleich machen müssen und welche wir eventuell verschieben können. Wir fragen: Was brauche ich dringender? Was ist notwendiger? Wo kann ich bei Investitionen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und zum Beispiel sowohl Energie sparen als auch erneuerbare Energie erzeugen? Gerade im Bereich der erneuerbaren Energien ist in Fohnsdorf viel in Bewegung. Wir merken, wie viele Private Fotovoltaikanlagen auf ihren Dächern bauen.

Der Unternehmer Dietrich Mateschitz war auch in Ihrer Gemeinde und in der Region ein wichtiger Investor. Eine Gemeinde ist für andere Belange verantwortlich als ein Investor. Haben beide Seiten eine Zukunftsorientierung, die sich vereinen lässt?

Ich habe den Eindruck, dass alles auf Schiene ist und gehe davon aus, dass Herr Mateschitz ein entsprechendes Vermächtnis für die Zukunft hinterlassen hat.

Gibt es darüber auch eine Kommunikation oder ist das nur eine Einschätzung von Ihnen?

Es ist ein kleiner Kreis, der unmittelbar mit Herrn Mateschitz Kontakt hatte. So, wie ich ihn wahrgenommen habe, dachte er sehr zukunftsorientiert und ich glaube, dass er die Weichen rechtzeitig gestellt hat.

Gibt es eine Zukunftsvision, wohin die Reise für Fohnsdorf geht?

Wir blicken nach vorne, weil die Zeiten nicht stehen bleiben. Ich persönlich halte das Thema Klimaschutz für ganz entscheidend, auch wenn das durch Corona und den Ukraine-Krieg in den Hintergrund gerückt zu sein scheint.

Die Gemeinde ist groß geworden durch die alte Energie Kohle und startet jetzt in die Welt der neuen Energien. Kann man sagen, dass Fohnsdorf eine Wende um 180 Grad macht?

Das könnte man so sagen. Wir bauen gerade gemeinsam mit den Stadtwerken Judenburg die Fernwärme massiv aus. Das ist aus energiepolitischer Sicht wichtig und auch zur Reduzierung von Abhängigkeiten. Denn unsere Fernwärme ist die Abwärme der Zellstofffabrik Pöls. Das ist industrielle Abwärme, die ohnehin vorhanden ist und nicht erst produziert werden muss. Und wir verstärken die Initiativen, Fotovoltaik auf allen öffentlichen und kommerziellen Gebäuden zu installieren. Unser Ansporn ist, dass die Einwohnerzahl von Fohnsdorf seit 2015 wieder steigt. Bei der Infrastruktur für die Bewohner und die Wirtschaft sind wir immer schon sehr gut unterwegs, aber auch bei der Kinderbetreuung und im Bildungsangebot für die Jugend. Fohnsdorf steht für Zukunft in jeder Beziehung und das gilt für alle Generationen.

von Johannes Kübeck
Beitrag veröffentlicht am 22. November
entgeltliche Einschaltung

Wunderbar Wanderbar

Ob gemütliche Runde oder anspruchsvolle Tour: Wir präsentieren die schönsten Wege der Steiermark und ihrer Umgebung – damit jede Wanderung ein Genuss wird.

Das Wandern ist des Müllers Lust heißt es in der ersten Zeile des deutschen Gedichts „Wanderschaft“, das 1821 veröffentlicht wurde. Es geht darin um die Wanderschaft von Handwerksgesellen und deren Sehnsucht, Ruhe zu finden. Heute, rund 200 Jahre später, erfüllt das Wandern bei vielen (noch immer) einen ähnlichen Zweck. Einfach mal rausgehen, an die frische Luft, die unberührte Natur entdecken und mit den Gedanken ganz woanders sein – oder überhaupt mal an nichts denken.

Viele von uns haben das „An-nichts-denken“ im hektischen Alltag ja schon verlernt – dabei kommt man gerade beim „In-die-Ferne-schweifen“ oft auf die besten Ideen. Insofern ist Wandern weit mehr als nur Bewegung an der frischen Luft. Es ist auch Entspannung für Körper und Geist. Ein Erlebnis auf zwei Beinen und einem Weg, der zugleich auch das Ziel ist. Nicht umsonst nennt man den Wandersport auch die „Medizin des 21. Jahrhunderts“: Die Pandemie hat diesem Trend noch einen ordentlichen und wahrscheinlich auch nachhaltigen Schub gegeben. Also nichts wie raus in die Natur und die schönen Seiten unseres Landes mit allen Sinnen erleben.

Klimafreundlich auf den Gipfel

Wobei: Wenn wir unsere Wanderschuhe und den Rucksack schon packen, dann am besten gleich ökonomisch. Zum Wandern mit den Öffis ist kein Problem und schont auch die Umwelt. Die „Naturfreunde Österreich“ machen schon seit Jahren darauf aufmerksam. Ein Kilometer mit dem Zug ist 30-mal klimafreundlicher als ein Kilometer mit Benzin- oder Diesel-Auto. Der Wanderführer der „Naturfreunde Österreich“ in Kooperation mit der ÖBB beinhaltet daher ausschließlich Top-Touren in ganz Österreich (46 an der Zahl) mit bester Anbindung zu den Öffis. Natürlich geben die Routen (darunter auch Wohlfühl-Wege und Natura-Trails) auch für die Sinne und das Auge etwas her: Sie führen zu traumhaft gelegenen Hütten, auf denen man besondere Ausblicke zu umliegenden Gipfeln genießt. Auch in dieser Ausgabe von Abenteuer Alter stellen wir Ihnen vier verschiedene Touren (von gemütlich bis anspruchsvoll) vor, die allesamt durch ökologisch wertvolle Landschaften führen – idyllisch, naturnah, belebend. Alle vorgestellten Routen sind einfach und schnell mit Bus und Bahn erreichbar. Da freut sich die Umwelt – und das Wanderherz natürlich.

Mehr Infos: oebb.at

Beitrag veröffentlicht am 06. Oktober 2022
© Doris List-Winder / Naturfreunde ÖSterreich