Wieso die Glocken zu Ostern fliegen

Warum feiern wir Ostern? Was ist die Fastenzeit? Seit wann gibt es den Osterhasen? Was heißt das: Die Glocken fliegen nach Rom? Was bedeutet die Fleischweihe? Wieso glauben Christ:innen an die Auferstehung? Fragen über Fragen stellen sich, wenn die Osterzeit anbricht, und die nüchterne Postmoderne kann in keiner App und auf keiner Webseite befriedigende Antworten geben.

Das könnte die Stunde der älteren Generation sein. Sie ist vertraut mit der alten Welt und ihrer Symbolik und sie steht doch mit beiden Beinen im Heute. Oma und Opa haben noch ein Gefühl für den Rhythmus der Zeit, weil es für sie normal war, dass es früher nicht das ganze Jahr Erdbeeren, Single Bells und gefärbte Eier gab. Es sind Werte, die sie zu Ostern wohldosiert an die Jungen und Jüngeren weitergeben können, etwa vom Warten und Erwarten, vom Schenken und Beschenktwerden, vom Werden und Vergehen. 

Die Winterruhe findet ein Ende

Die zentrale Botschaft dieses Festes ist nicht in Weihrauch gehüllt, steckt nicht in Palmbuschen und ist nicht in fliegenden Glocken verborgen, sondern – und das ist ernst gemeint – findet sich auch im Osterei und im Osterhasen. Denn der Zeitpunkt des Geschehens ist das Frühjahr, wenn die Natur ihre Batterien in der Ruhe des Winters bereits aufgeladen hat und voller Kraft wieder aufwacht. Das ist in der Tier- und Pflanzenwelt die Zeit der Fortpflanzung und genau das symbolisieren das Ei und der Hase. In diesem Sinn wollen Christen in der Fastenzeit ihre Körper und Seelen erst reinigen und aufladen, um anschließend für das kraftvolle Fest des Lebens und der Zukunft bereit zu sein. 

Mit etwas Fantasie kann es gelingen, dass die Jugend den Blick vom Smartphone löst und zuhört, wie bunt und zeitgemäß die Erzählung der Osterzeit auch für religionsferne Menschen sein kann. Auf das blasse Grau des Aschermittwochs folgt das satte Grün der Palmbuschen. Der gleiche Farbton steht am Gründonnerstag für Gastlichkeit und Brüderlichkeit beim Abendmahl. Die Kirchenglocken, die angeblich nach Rom fliegen, stehen für die Leere des Karfreitags. Die Gläubigen hören aufmerksam die Worte der Passion, die an keinem anderen Tag so dramatisch klingen wie an diesem. Diese verstörenden Momente münden in die Fülle der freudigen Signale der Osternacht. Da tönen am Karsamstag die Ratschen der Ministrant:innen so laut, dass die UNESCO sie zum immateriellen Weltkulturerbe geadelt hat. Christ:innen wissen jetzt, dass alles ein gutes Ende nimmt. 

Am Foto sind zwei Kinder bei der Osternestsuche zu sehen.
Die Osternestsuche ist ein besonderes Highlight für die Kleinen. © Serenko Natalia / Shutterstock.com

Brauchtum und Genuss

Auch Menschen  mit Distanz zum Religiösen bereiten jetzt sorgsam Körbe mit den traditionellen Osterspeisen vor und legen darüber kunstvoll bestickte Deckchen mit christlichen Ornamenten. Viele betreten nur an diesem einzigen Tag im Jahr eine Kirche, aber für sie ist ein Karsamstag ohne „Fleischweihe“ undenkbar. Und wehe, der Priester oder Diakon spritzt nicht genug Weihwasser auf die Körbe! 

Aufklärend können die Großeltern erzählen, wie im Gottesdienst der Osternacht das Licht der großen Osterkerze die Auferstehung und damit den Sieg des Lebens verkündet und wie der Gloriagesang die Stille der Karwoche aufreißt. Das gleiche Licht wie in der Kirche erstrahlt beim Brauchtumsfeuer auf der Gemeindewiese. In dieser Runde wird der frisch gebackene Hefestriezel angeboten, der im Grunde auch nichts anderes symbolisiert als das Opferlamm, von dem drinnen der Priester spricht. 

Dringen Oma und Opa mit dieser Erzählung durch, haben sie auch dem kleinsten Enkelkind begreiflich gemacht, was es mit dem Osterhasen und dem Osterei auf sich hat. Bunt bemalt oder in Glitzerpapier verpackt sind sie keine geistlosen
Gegenstände, sondern stehen mit und ohne christliche Botschaft für die ewig neue Auferstehung des Lebens durch Fortpflanzung und Fruchtbarkeit. 

Am Foto ist ein Osterstrauch mit ausgeblasenen Ostereiern zu sehen.
Der Osterstrauch wird mit bunten Eiern geschmückt und mit Zweigen der Forsythie veredelt. © Ground Picture / Shutterstock.com

Die bekanntesten Brauchtümer

Palmbuschen: Sie bringen erstmals nach dem Winter frisches Grün in Haus und Kirche. Geweihte Palmbüscherl aus bis zu sieben Pflanzen und Kräutern sollen im Herrgottswinkel des Hauses, auf dem Dachboden oder auf Wiese und Feld Segen bringen und Unheil abwenden.

Gründonnerstag: Beliebt ist der Spinat auf dem Mittagstisch. Er zeigt, dass nach dem Winter Grünes zurück auf dem Speisezettel ist.

Osterfeuer: Ostern ist zeitlich immer nahe der Tagundnachtgleiche des Frühjahrs. Dieses Ereignis bot den Menschen einen Anlass für rituelle Feuer und die Kirche nahm ihnen diese Freude nicht weg.  

Ratschen: An die Stelle des Glockengeläuts treten bis zum Feuer der Osternacht die Töne der hölzernen Ratschen.
Osterkerze. In der Osternacht wird vor der Kirche geweihtes Feuer entfacht und die große Osterkerze entzündet. Ihr Licht wird in die bis dahin dunkle Kirche getragen und alle Kerzen der Altäre und der Gläubigen werden an ihrer Flamme entzündet.

Speisensegnung: Wieder geht es darum, dass im Frühling nach der kargen Winterkost wieder mehr Fleisch und Nahrhaftes auf den Tisch kommt. Die „Fleischweihe“ unterstreicht den besonderen Charakter der österlichen Speisen.  

Eierfärben: Diese Tradition geht wohl darauf zurück, dass gekochte Eier länger haltbar sind als rohe. Um sie voneinander zu unterscheiden, wurden gekochte Eier gekennzeichnet und daraus entstand wohl das Eierfärben.

Text: Johannes Kübeck
Fotos: © Ground Picture / Shutterstock.com; Dusan Zidar / Shutterstock.com; Serenko Natalia / Shutterstock.com

Kultur – Tipp Schauspielhaus Graz

Immer noch hier. Von Ängsten und Alten und alten Ängsten von Rebekka David & Ensemble mit Texten von Molière, Shakespeare und Tschechow.

Was tut man am besten, um die Angst vor dem Altwerden zu überwinden? Man probiert schon einmal aus, wie sich die eigene Schreckensversion anfühlen könnte. Denn vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm und wir sehen dem letzten Lebensabschnitt danach optimistischer entgegen? Diese Hoffnung hegt der Leiter einer fiktiven Seniorenresidenz und nimmt den Geizigen, König Lear und Onkel Wanja bei sich auf. Sie streiten, husten und jagen ihren verblassenden Träumen nach, erzählen ihre Geschichten und fragen nach positiven Entwürfen von Altsein in unserer Gesellschaft.

BESETZUNG

Anna Klimovitskaya, Sarah Sophia Meyer, Mario Lopatta,
Simon Kirsch, Dominik Puhl, Rudi Widerhofer

PREMIERE

11. April 2025, 19:30 Uhr,
Weitere Vorstellungen: 16. und 25.04., am 06., 07., 15. und 17.05. jeweils um 19:30 Uhr

TICKETS

T 0316 8000, E tickets@ticketzentrum.at I www.schaupielhaus-graz.com
Ticketzentrum: Kaiser-Josef-Platz 10, 8010 Graz, Mo–Fr: 09:00–18:00; Sa: 9:00–13:00 Uhr
Theaterkassa Schauspielhaus Graz: Hofgasse 11, 8010 Graz, Mo–Fr: 09:00–13:00 Uhr

© Johanna Lamprecht

Entgeltliche Einschaltung

Osterveranstaltungen in der Steiermark

Das Osterfest ist in vielerlei Hinsicht eines der beliebtesten Feste der Steirer:innen. Die bereits stärker wärmenden Sonnenstrahlen, die Frühblüher und so manch fröhlich zwitschernder Vogel lassen die Menschen wieder mit einem Hauch von Glücksgefühl durch die Natur schlendern. All die Anzeichen läuten eines der beliebtesten Feste für Groß und Klein ein, das Osterfest. 

Passende Dekorationsartikel, Ostergeschenke und Köst­­liches für die Osterjause findet man auf den vielfältig gestalteten Osterausstellungen und Märkten in der Steiermark. Abenteuer Alter hat sich auf die Suche nach Ostermärkten, Osterveranstaltungen und Sehenswertes in der Steiermark gemacht und eine Auswahl zusammengestellt.

Brauchtum, Handwerkskunst und kulinarische Genüsse

1. Ostermarkt Hauptplatz Graz, 10. bis 19.04.2025, täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr, Karsamstag bis 15:00 Uhr, freier Eintritt, Hauptplatz, 8010 Graz

2. Osterausstellung Schloss Farrach, 28. bis 30.03.2025, Fr. 12:00–18:00 Uhr, Sa. und So. 10:00–18:00 Uhr, Erwachsene: 4,50 € • Kinder: 2,50 € (inkl. Kinderprogramm), Busgruppen: 3,50 € / Person; Ermäßigungen für Familien (Steir. Familienpass), Schloßweg 13, 8740 Zeltweg 

3. Osterausstellung Schloss Kornberg, 01.03. bis 20.04.2025, täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr, Karsamstag bis 15:00, freier Eintritt, Dörfl 2, 8330 Riegersburg 

4. Ostermarkt Südtiroler Platz Weiz, 12.04.2025, 09:00–16:00 Uhr, freier Eintritt, Südtiroler Platz und Fußgängerzone, 8160 Weiz

5. Fischbacher Osterhasenkirtag, 13.04.2025, ab 10:00–Open End, freier Eintritt, Dorfplatz und Dorfstraße, 8654 Fischbach

6. Ostermarkt in der FS-Alt Grottenhof, 21.03.2025, 14:00–17:00 Uhr, freier Eintritt, Krottendorfer Straße 110, 8052 Graz

7. Ostermarkt im steirischem Heimatwerk, 10.03. bis 19.04.2025, Mo.–Fr. 09:30–17:30 Uhr, , Sa. 09:30–14:30 Uhr, freier Eintritt, Sporgasse 23, 8010 Graz

8. Österreichisches Freilichtmuseum Stübing, Enzenbach 32, 8114 Stübing

8.1 Palmbuschenbinden, 11.04.2025, 05:00–10:00 Uhr, Treffpunkt in der Rauchstube des Hauses „Großschrotter”, regulärer Eintrittspreis, keine Anmeldung erforderlich

8.2 Osterlamm und Antlassei, 13.04.2025, 09:00–16:00 Uhr, regulärer Eintrittspreis, keine Anmeldung erforderlich 

8.3 Werkeln zum Osterfest für Kinder, 17.04.2025, 11:00–16:00 Uhr, regulärer Eintrittspreis zzgl. Materialbeitrag, keine Anmeldung erforderlich

 

Text: Vera Kowatschitsch
Fotos: © Ground Picture /Shutterstock.com; ©  Serenko Natalia / Shutterstock.com

Auf nach Rom – das heilige Jahr der Hoffnung!

Ein „Heiliges Jahr“ macht Rom 2025 besonders attraktiv. Wer daheim bleibt, kann das Jahresmotto „Pilger der Hoffnung“ auch in steirischen Kirchen erleben. 

Das ohnehin unvergleichliche Rom unterscheidet sich heuer mit einer weiteren Besonderheit von allen Städten der Welt. Papst Franziskus hat die Porta Santa, die Heilige Tür in St. Peter, aufgestoßen und 2025 zum „Heiligen Jahr der Hoffnung“ ausgerufen. Die Stadt wartet mit Eindrücken und Erlebnissen auf, die sie nur alle 25 Jahre bereitstellt. Zum „Giubileo“, wie die Römer es nennen, erwartet man mehr als 40 Millionen Besucher:innen, noch einmal fünf Millionen mehr als im Rekordjahr 2024. Wie man weiß, kann das die Rom-Liebhaber seit zwei Jahrtausenden nicht abschrecken. Die Kombination aus Hauptstadt des Christentums, Kapitale der Antike und Weltstadt des Dolce Vita ist so attraktiv, dass Besucher:innen dafür allerhand in Kauf nehmen, was sie Paris oder New York nicht nachsehen würden. 

Wer Rom im „Heiligen Jahr“ erleben will, muss sich also aufmachen oder ein Vierteljahrhundert warten. Langjährige Kenner:innen der Verhältnisse zerstreuen zugleich Befürchtungen, der Andrang zu den Attraktionen dieses Jahres werde zu groß sein und das individuelle Erlebnis schmälern. Das Gemeinschaftsgefühl von Menschen mit und ohne Religion, die sich in diesem Ambiente buchstäblich in Frieden und Freude begegnen, sei durch nichts zu übertreffen, versichert der Theologe und Pädagoge Karl Veitschegger, Fachmann für Pilgerfahrten in der steirischen Diözese. Ihn bestätigt der 88-jährige Reisebürochef Johannes Bretterklieber, der rund seit 60 Jahren Pilgerreisen für die Steirer:innen organisiert. Sie wissen, dass die Stadt und der Vatikan auf Großevents geradezu spezialisiert sind, welche Besucher:innen aller Altersgruppen ansprechen, und anders „ticken“ als robuste Fans großer Sportfeste. 

Der Vatikan – was es zu erleben gibt

Das wird man auf der Scala Santa erleben können, der Heiligen Stiege, die 28 Stufen hinauf zum Lateranpalast führt. Diese Stufen sollen aus dem antiken Jerusalem stammen, Jesus soll auf ihnen zum Verhör durch Pontius Pilatus gegangen sein. Viele Pilger:innen lassen es sich nicht nehmen, die Scala Santa auf den Knien zu erklimmen. Die Stufen sind durch Jahrhunderte der gläubigen Inanspruchnahme stark abgenützt und normalerweise durch hölzerne Planken geschützt. Im Heiligen Jahr werden diese aber beseitigt und Pilger:innen können auf den Knien die steinernen Stufen andächtig hinaufgelangen. Wer schon in einem Heiligen Jahr in Rom war, kann die Erfahrung weitergeben, dass es großen Andrang gibt, aber kein unwürdiges Gedränge. Hilfsbereite Hände sind stets zur Stelle. Selbst Leute, denen das Religiöse fremd ist, belächeln diese Frommen auf der Heiligen Stiege nicht müde, sondern feuern sie freundlich an und ermuntern sie. 

Unvergesslich wird für viele sein, die Heiligen Pforten der vier Hauptbasiliken Roms zu durchschreiten: Petersdom, Santa Maria Maggiore, St. Paul vor den Mauern und St. Johannes im Lateran. Das Besondere: Durch diese Portale kann man die Gotteshäuser nur heuer betreten und dann erst wieder in 25 Jahren. Das vatikanische Personal ist auch hier angehalten, Besucher:innen mit großer Freundlichkeit zu begegnen und etwa Fotowünsche wie Selfies nicht zurückzuweisen. Andere werden Gefallen am omnipräsenten Pilger-Maskottchen des Heiligen Jahres namens „Luce“ finden. Dieses sympathische Wesen mit Kapuze, Pilgerstab und Halskreuz kommt dem japanischen Manga-Stil nahe und steht damit wohl für die Universalität der Kirche und der Stadt Rom.

Papst Franziskus
Papst Franziskus grüßt die Gläubigen. © Ricardo Perna / Shutterstock.com

Rom – eine Reise wert 

HeimischeReisebüros und Veranstalter haben ihre Planungen für das Heilige Jahr längst abgeschlossen und auch die römischen Touristenhotels sind seit gut einem Jahr weitgehend ausgebucht. Bretterklieber betont aber die Fähigkeit der Stadt, stets genügend Kapazitäten zu haben, um auch Kurzentschlossene zufriedenzustellen. In der Stadt am Tiber gibt es neben den Hotels und Pensionen 35.000 Wohnungen, die an Pilger:innen und Touristen:innen vermietet werden. Auch eine Hundertschaft an Pilgerhäusern der Kirche kann gut mit kurzfristigen Anfragen umgehen. Außerhalb von Rom stehen noch einmal hunderte Hotels und Pensionen zur Verfügung. Eines sollten Individualreisende aber berücksichtigen: Das Autofahren und Parken ist in Rom sehr teuer. Bretterklieber nennt für die Verhältnisse ein Beispiel: Die einmalige Einfahrtsgebühr für einen Autobus beträgt 450 Euro. 2024 waren es noch 150 Euro.  

Papst Franziskus, die Kirche, die Stadt und Italien versprechen dafür nicht nur den Gläubigen ein einmaliges Erlebnis. Rom wurde zum Heiligen Jahr buchstäblich herausgeputzt und alle kirchlichen Stätten strahlen im Extraglanz. In keiner Stadt vermengen sich religiöse Emotionen so harmonisch mit touristischer Neugier wie in der Hauptstadt des Christentums. Das wird im Heiligen Jahr noch mehr zutreffen als sonst, wissen Eingeweihte. 

Diese Erfahrungen können heuer Tausende Steirer:innen machen, die in Gruppen oder individuell nach Rom aufbrechen. Die Kirche spielt wieder eine ihrer Kompetenzen aus, die sich salopp als „Reisebüro Gottes“ beschreiben lässt. Fast jede Pfarre organisiert eine Pilgerreise nach Rom und stellt sachkundige religiöse und touristische Begleiter:innen. Den Höhepunkt bildet die fünftägige Diözesanwallfahrt mit Bischof Wilhelm Krautwaschl im Oktober mit fünf Reisegruppen. 

Diejenigen, die im „Heiligen Jahr“ nicht nach Rom fahren können, werden kirchlicherseits nicht alleingelassen. Dieses Ganzjahresereignis findet gewissermaßen auch in der Heimat statt, so Saskia Löser, die in der Diözese alle Fragen rund ums „Heilige Jahr“ betreut. So sind 23 Gotteshäuser im ganzen Land für die Rolle von „Kirchen der Hoffnung“ ausgewählt. Hier soll das hoffnungsvolle Motto des Jahres auf besondere Weise zum Ausdruck kommen. 

Kenner:innen haben einen wertvollen Ratschlag für alle, die Rom heuer wegen des Andrangs zum „Heiligen Jahr“ meiden, aber dieses Erlebnis auch nicht missen wollen. Die beste Besuchszeit ist für sie der Jahresbeginn 2026, also die Monate nach dem Jubiläumsjahr. Dann ist die Stadt immer noch perfekt herausgeputzt, aber die Pilgermassen sind heimgekehrt. 

Text: Johannes Kübeck
Fotos: Vatikan News; © Ricardo Perna / Shutterstock.com
Beitrag veröffentlicht am 21.03.2025

Eiertanz um Meldepflicht

„Mancher gibt sich viele Müh’, mit dem lieben Federvieh. Einesteils der Eier wegen …“ So lässt Wilhelm Busch den ersten Streich von Max und Moritz beginnen und hat damit dem ebenso drolligen wie nützlichen (und auch schmackhaften) Federvieh ein unauslöschliches Denkmal gesetzt. Was der humoristische Dichter damals noch nicht wissen konnte: dass diese Vögel auch bunte Eier legen können und dass sie es einmal zum beliebten Haustier auch in städtischen Bereichen – Tendenz steigend – bringen werden.

W enn nun Renate Rosbaud in ihrem liebenswerten Bericht von den Henderln im Garten und dem eigenen „biologischer geht’s nicht mehr“-Ei auf dem Frühstückstisch schwärmt, gilt es doch einige „Aber“ ins Kalkül miteinzubeziehen.

Aber der Hahn
Aber die Nachbarn
Aber die Ämter und Behörden
Nun der Reihe nach: Hühner wie anderes Geflügel fallen unter Kleintiere und dürfen für private Zwecke ohne Genehmigung gehalten werden, sofern diese ortsüblich ist. Da ist aber der liebe Hahn, der schon vor dem Morgengrauen zu krähen pflegt und in unzähligen Fällen den Grund für den „Krieg über den Gartenzaun“ abgibt. Wohlgemerkt – die Hühner legen ihre Eier auch ohne ihren Gebieter, ihr Gackern stellt keine besondere Quelle von Lärmärgernissen dar, eine kurze, jedoch unüberhörbare Verkündigung, dass sie ihre Legeleistung vollbracht haben, vielmehr ist es nicht. 

Trotzdem bemüht die Hühnerhaltung – je städtischer das Umfeld, desto beschäftigter die Advokaten – Gerichte angefangen von Zivilgerichten über Landesverwaltungsgerichte bis zum Verwaltungsgerichtshof und dem Obersten Gerichtshof. Um prozessuale Auswüchse dieser Art zu vermeiden, empfehlen sich zwei bewährte Vorgangsweisen: Ehe das erste Huhn im Garten scharrt, ein Gespräch mit den Nachbarn und deren Zustimmung einholen und sie nicht vor vollendetete Tatsachen stellen. Im Zweifel auch beim Gemeindeamt nachfragen, wie das Wohngebiet im Flächenwidmungsplan ausgewiesen ist, die Frage der Ortsüblichkeit klären, diese gilt als Richtschnur und darf nicht überschritten werden. Zuständig für Lärmbelästigungen wäre dann, so Mag. Dr. Manfred Kindermann von der für die Gemeinden zuständigen Abteilung 7 des Landes Steiermark, das Sicherheitsgesetz.

Bei Einhaltung vorbildlicher Gesetzestreue wird der zukünftige Hühnerhalter auch mit dem § 14 des Tiergesundheitsgesetzes Bekanntschaft machen. Dieser Paragraph schreibt ihm nämlich vor, den Geflügelbestand, egal ob auch nur ein Tier oder mehrere, innerhalb einer Woche nach Anschaffung bei der Tierseuchenkasse zu melden. Kostet nichts, funktioniert in einigen anderen Bundesländern auch online, ist jedoch in der Steiermark mit einem Besuch bei der jeweils zuständigen Bezirkshauptmannschaft verbunden. Rechtliche Konsequenzen bei Nichtbefolgung der Meldepflicht können sich ergeben, wenn dadurch eine Ausweitung der Vogelgrippe nachgewiesen werden kann. Bei der Errichtung eines Stalles sollte man sich mit der Bauordnung befassen und bei der Einrichtung desselben mit dem Tierschutzgesetz. 

Soviel zum Thema „Ämter und Behörden“ oder „Haushuhn und Amtsschimmel“.

Text von Dieter Rupnik
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Beitrag veröffentlicht am 31.08.2023

Grazer Seniorenbundobmann strikt gegen den EU-Plan „Fahrtauglichkeits-Check“

Der Obmann des Grazer Seniorenbundes Bundesrat Ernest Schwindsackl spricht sich gegen den EU-Plan aus, dass sich Senioren:innen ab 70 Jahren ohne weiteren Anlass regelmäßig einem Tauglichkeitstest unterziehen sollten. Er sieht in diesen Überlegungen eine weitere Form der Altersdiskriminierung.

Die EU plant, die Führerscheinrichtlinie zu überarbeiten. Studien hätten gezeigt, dass bestimmte Indikationen wie Drogenmissbrauch, psychische Erkrankungen, Epilepsie oder Herzerkrankungen nicht zwangsläufig mit dem Alter zusammenhängen, aber das „Altern“ doch einen Unsicherheitsfaktor im Straßenverkehr darstellt.

Das Altern ist ein schleichender Prozess. Bereits ab 50 Jahren verschlechtern sich Sinne wie Sehen und Hören.
Die Altersgrenze ab 70 zu setzen und anschließend alle fünf Jahre die Fahrtauglichkeit überprüfen zu lassen, sieht daher der Seniorenvertreter an den „Haaren herbeigezogen“ und altersdiskriminierend!
Die heute 70-Jährigen sind die ehemaligen 60-Jährigen und voll in die unterschiedlichsten Freizeit und Arbeitsprozesse eingebunden.
Die Wirtschaft sucht händeringend nach Personen mit Erfahrung und Einsatzwillen nach der gesetzlichen Pensionierung.
Senioren:innen halten durch Autofahren ihre Eigenständigkeit aufrecht, Einkaufs/Ausflugs – und Arztbesuche seien beispielgebend angeführt!
Auch der Wirtschaftsfaktor „Autokauf“ im Alter ist gegeben.

Zwar könne es mit zunehmendem Alter zu Leistungseinbußen kommen, dennoch sei das Unfallrisiko älterer Kraftfahrer nicht außergewöhnlich hoch.  Gerade ältere Verkehrsteilnehmer zeichnen sich durch situationsangepassten Fahrstil sowie vorausschauendes Fahren aus.

Die Fahrtüchtigkeit überprüfen zu lassen, sollte jedem freiwillig überlassen bleiben, ein Test erkennt mangelnde Wahrnehmungs – und Reaktionsfähigkeit, so der Grazer Seniorenobmann Schwindsackl.

Auch die Fahrsicherheitstests der Automobilvereine werden derzeit schon von vielen Senioren:innen zur eigenen Sicherheit, wie der im Straßenverkehr teilnehmenden Personen, wahrgenommen.

Am Ende steht immer der Appell an die Vernunft des Einzelnen. Wenn es nicht mehr geht mit dem Autofahren im Alter, dann ist der beste Tipp immer noch der, den Führerschein rechtzeitig abzugeben, dazu bedarf es keiner gesetzlichen Aufforderung, schließt der Grazer Seniorenobmann.

Bilder beigestellt und von shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 24.08.2023

Man muss selbst draufkommen

Ein Priester hört mit 80 mit dem Autofahren auf.

Sie haben nach 62 Jahren Ihr Auto zurückgegeben. Hat jemand gesagt, Sie fahren nicht mehr sicher?
Pater August Janisch: Nein, da muss man selbst draufkommen. Das Hören macht weniger Probleme, aber das Sehen. Ich habe ein Glaukom, also einen grünen Star, der sich seit Jahren angekündigt hat, Im Spätherbst bekam ich den Eindruck, dass es Zeit ist, dass ich mein Auto nicht mehr fahre.

War das Problem die Dunkelheit in der kalten Jahreszeit?
Nein, aber die tief stehende Sonne. Dieses Nebeneinander von Sonne und Schatten, da wäre es manchmal besser gewesen, dass ich stehen geblieben wäre.  Einmal bin ich auf der wirklich engen Straße durch Gratwein gefahren, sehr langsam – vielleicht nur 10 km/h – und hinten hat einer gehupt. Der hat vielleicht geglaubt, dass ich einschlafe. Aber Ich habe mich nur so unsicher gefühlt, dass ich nicht schneller gefahren bin. Ich muss ja sehen, wie breit die Straße ist, wo der Straßenrand genau ist und ob da vielleicht ein Radler unterwegs ist. Da habe ich mir gesagt, ich höre auf, bevor ich einen Fußgänger oder Radfahrer wirklich gefährde oder verletze. 

Was haben Sie konkret gemacht?
Ich bin zu meiner Augenärztin gegangen und habe ihr von meinem Entschluss erzählt und sie hat nur gesagt: Das ist eine gute Entscheidung.

Wie hat sich Ihr Leben verändert, nachdem Sie Jahrzehnte als Seelsorger darauf angewiesen waren, mit dem Auto zu fahren?
Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich in einer Gemeinschaft lebe. Die Mitbrüder in Stift Rein helfen, wenn ich eine Autogelegenheit brauche, um eine Messe zu lesen, zum Arzt muss oder wenn ich Einkäufe erledigen muss. Das ist sicher schwieriger für die vielen älteren Menschen, die allein leben oder für ein Ehepaar, wo beiden Partner schon betagt sind. Da gibt es oft diese Nachbarschaft nicht, die ich habe. Da gibt es Fälle, dass die Leute nicht mehr gehen können und auch kein Auto mehr haben und nicht immer betteln möchten, ob jemand Zeit für sie hat, um sie irgendwohin zu bringen. 

Es gibt aber den öffentlichen Verkehr, oder?
Ich weiß nicht, ob ich noch mit den Öffis fahre. Ich kann natürlich ohne Probleme in den Bus steigen und am Grazer Hauptbahnhof finde ich auch den Bahnsteig der Straßenbahn. Aber ich sehe nicht mehr, welche Tram da kommt. Ich bin also seither noch nie mit einem öffentlichen Verkehrsmittel gefahren.

Text von Johannes Kübeck
Bild von Luef Light
Beitrag veröffentlicht am 10.08.2023

So behalte ich den Führerschein

Abenteuer Alter über das Dilemma der Senioren, die aufs Auto angewiesen sind. Das Unfallrisiko dieser Generation steigt, aber ohne Auto sinkt ihre Lebensqualität dramatisch.

Z weimal sind fast 80-Jährige im Frühjahr mit ihren Autos in den Auslagenscheiben von Grazer Geschäften gelandet. Es gab gottlob nur Sachschaden, aber die beiden Senioren erleben seither einen der Albträume ihrer Generation: ein erzwungenes Leben ohne Autofahren. Oskar Nusser (Name geändert), ein 86-Jähriger aus Graz-Umgebung, mag sich so ein Leben nicht einmal vorstellen: „Dann kann ich gleich auf den Friedhof übersiedeln“, sagt er grimmig zu Abenteuer Alter. Denn Autofahren ist für fast alle Senioren nicht Freizeitvergnügen, sondern schlichte Lebensnotwendigkeit. Nicht nur auf dem Land ist ein aktives Leben untrennbar mit selbstbestimmter Mobilität verbunden, die das Auto bietet. Der Supermarkt, in dem Herr Nusser einkauft, ist nicht im Ortszentrum, sein Arzt hat seine Ordination an die Peripherie verlegt, die Apotheke setzt auf einen Standort mit Parkplätzen, ein Besuch bei Kindern und Enkeln ist nur mit dem Auto möglich und wegen des Kaffeehaussterbens kann er nicht mehr zu Fuß auf ein Plauscherl gehen. 

Studien bestätigen, dass ohne Auto viel mehr als die Mobilität verloren geht. Es sinkt die ganze Lebensqualität vieler Senioren auf ein Minimum. Herr Nusser steht für viele, die das Auto seit Jahrzehnten als wesentlichen Teil der Freiheit und Unabhängigkeit erleben und für die das Leben ohne Fahrzeug fast nicht mehr lebenswert ist. 

Die beiden Senioren, die sich mit dem Auto in den Schaufensterscheiben wiedergefunden haben, sehen das wohl ähnlich. Zum Glück ist ihnen außer dem (erheblichen) Sachschaden und dem Schreck nichts passiert. Aber die Vorfälle werfen die Fragen auf, wie sicher Senioren einerseits im Straßenverkehr sind und wie sehr sie anderseits aufs Auto angewiesen sind. Abenteuer Alter versucht den Fokus darauf zu legen, wie man im höheren Lebensalter den Führerschein möglichst lange behalten kann. 

Für viele ist es geradezu ein Albtraum, den Schein zu verlieren. Die Polizei kann ihn kassieren und Lenker am Weiterfahren hindern, wenn die Beamten das fundierte Gefühl haben, das ist im Sinne der Verkehrssicherheit geboten. Dann ist das Papier vorübergehend weg, so Heimo Kohlbacher von der Landespolizeidirektion Steiermark. So eine Situation hat eine 90-jährige ehemalige Unternehmerin erlebt, die 70 Jahre lang mit ihrem Cabrio unfallfrei gefahren ist. Sie hat den Beamten „den Führerschein gleich hingeschmissen“, erzählt sie Abenteuer Alter. Bei begründetem Verdacht der Polizei kann die Bezirkshauptmannschaft eine Untersuchung durch den Amtsarzt anordnen. Der stellt fest, ob der betreffende Fahrzeuglenker gesundheitlich oder geistig in der Lage ist, weiter Auto zu fahren. Das geschieht in der Regel in einer Beobachtungsfahrt und dann entscheidet der Mediziner, ob der Führerschein für immer weg ist oder doch nicht. 

Hier kommt der Fahrschulbesitzer Karl-Heinz Stummer ins Spiel, dessen Unternehmen Powerdrive in solchen Fällen Trainings anbietet. Allen, die den Führerschein im Alter möglichst lange behalten wollen, kann Abenteuer Alter diese Angebote empfehlen. Allerdings erlebt der Experte immer wieder das Misstrauen der Betroffenen, sie könnten für immer den Führerschein verlieren, wenn sie so einen Kurs besuchen. Er beteuert glaubhaft, dass er nur dann an die Behörde berichtet, wenn er ausdrücklich als Gutachter beauftragt ist. 

Stummer hat auch eine gute Nachricht. Die Führerscheinbehörde kennt nicht nur das gefürchtete Entweder-Oder, sondern bietet auch einen Mittelweg an. Sie kann im Führerschein behördliche Einschränkungen etwa der Art eintragen, dass der Opa nicht mehr weiter als 50 Kilometer fahren darf und dass Nachtfahrten und Autobahnen für ihn tabu sind. Aber er verliert nicht gleich jede selbstbestimmte Mobilität.  

In der Praxis erlebt der Fahrschulprofi auch Fälle von freiwilliger Selbstbeschränkung, wenn ältere Personen nach längeren Spitalsaufenthalten zu ihm kommen. Oft sind es die Angehörigen, die solche Personen motivieren, ihre Fahrtauglichkeit testen zu lassen, bevor sie sich wieder ans Lenkrad setzen. Das setzt allerdings die Fähigkeit zur Selbstkritik voraus, wie sie ein durchaus typischer älterer Autofahrer bewies. Der 80-jährige Zisterziensermönch Pater August Janisch von Stift Rein war als Seelsorger jedes Jahr viele tausend Kilometer unterwegs, bis er bemerkte, dass sein Sehvermögen bedenklich nachlässt. Er hat das Auto hergegeben und die Augenärztin hat ihm zu dieser Entscheidung gratuliert.

Bei den Fahrten mit älteren Leuten erlebt Fahrschulprofi Stummer nicht nur Kritikfähigkeit, Vernunft und Einsicht, sondern auch das Gegenteil. Als er eine 90-Jährige bei so einer Fahrt darauf hinwies, dass sie einem Linienbus bedenklich nahegekommen war und eine Frau mit Kinderwagen auf dem Zebrastreifen nicht beachtet hatte, bekam Stummer nur böse Worte zu hören. Seine Erfahrungen decken sich mit denen eines Kollegen aus München, Toni Hubalek, der wegen seiner Erlebnisse bei Fahr-Fitness-Checks für Senioren sogar Auftritte im Fernsehen hatte. Er erzählt, dass vielen älteren Fahrern ihre Mängel gar nicht bewusst sind. Ein 78-Jähriger, dem der Fahrlehrer nach vollbrachter Fahrt mehrere Fehler vorhalten musste, sagte auf die Frage, ob ihm das aufgefallen sei: „Eigentlich nicht.“ 

Doch die Mängel in der Fahrweise von Senioren lassen sich beheben, beruhigen Experten. Wer im Alter möglichst lange den Führer behalten will, sollte die Erfahrungen der Fahrschulprofis ernst nehmen. Sie beobachten typische Fehler, welche die Unfallstatistik bestätigt: Ältere missachten häufig den Vorrang anderer und sind unkonzentriert, etwa vor einem Zebrastreifen, sie fahren oft noch bei Gelb oder sogar Rot in eine Kreuzung, sie orientieren sich zu sehr an der Fahrbahnmitte, sie beherrschen den Schulterblick nicht, und machen Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren. So wie offenbar die beiden Grazer, die mit dem Auto in den Schaufenstern gelandet sind. 

Der wichtigste Ratschlag der Verkehrspsychologen lautet, irrelevante Informationen auszublenden und sich nur auf das Wichtigste zu konzentrieren. Das heißt, das Autofahren ernst zu nehmen und nicht als eine Nebentätigkeit abzutun, die man „mit links“ ausübt und mit jahrelanger Routine spielerisch beherrscht. Denn mit dem Alter geht schrittweise verloren, was Experten als Grundvoraussetzungen für eine sichere Verkehrsteilnahme auflisten: Ungetrübte Wahrnehmung, Reaktionsvermögen und ausdauernde Aufmerksamkeit. Was so spröde klingt, ist essenziell: gut Sehen und Hören, ein wacher Sinn und volle (nicht halbe) Konzentration. Peter Felber vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) in der Steiermark macht eine wichtige Ergänzung. Ältere Lenker, die sich nicht mehr ganz sicher fühlen, sollten gerade deshalb nicht weniger, sondern mehr mit dem Auto fahren. Es sei keine Lösung, nur noch selten mit dem Auto zu fahren, etwa einmal pro Woche zum Einkaufen oder in die Kirche. „Mit jedem Kilometer weniger geht der größte Vorteil der Senioren verloren, die wertvolle Routine.“  

Ihre Routine bestätigten den Senioren am Steuer auch die Unfallstatistik. Die Unfallhäufigkeit der Autofahrer ab 65 Jahren unterscheidet sich nach den Daten von Statistik Austria kaum von den anderen Altersgruppen, wobei natürlich die 15- bis 24-Jährigen die größten Gefährdeten und Gefährder sind. Doch ab etwa 75 Jahren lässt die Verkehrssicherheit doch nach, so die Daten. 

ÖAMTC-Experte David Nosé nützt den Interpretationsspielraum der Statistik für die Beteuerung, Senioren seien keine Risikogruppe im Straßenverkehr, ihr Unglücksrisiko sei geringer als im Durchschnitt. Klaus Robatsch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) räumt „strukturelle Schwächen“ der Senioren am Volant ein, sie würden diese aber auf andere Art kompensieren. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist langsamer, die körperliche Motorik schwächer und beim Sehen und Hören hapert es. Dem setzen sie aber die Vorteile des höheren Alters entgegen, so Robatsch. Sie haben Routine, müssen niemandem mehr etwas beweisen oder vermeiden Fahrten bei Dunkelheit und schlechter Sicht. 

Einen Umstand können die wohlmeinenden Experten nicht leugnen: Wenn es kracht, fallen die Verletzungen älterer Personen besonders schwer aus. „Mit zunehmendem Alter verunglücken die Personen zunehmend schwerer“, heißt es im Jahresbericht der Statistik Austria. Das gilt natürlich besonders für die am wenigsten geschützten Verkehrsteilnehmer, die Fußgänger und Radfahrer. 2021 waren 21 von 37 tödlich verunglückten Fußgängern und 26 von allen 50 getöteten Radlern 65 Jahre und älter. 

Abenteuer Alter gewann bei den Recherchen den Eindruck, dass die Gesellschaft die Senioren weitgehend allein lässt, wenn sie nach Jahrzehnten mit dem Autofahren aufhören (müssen). Öffentlicher Verkehr ist fast keine Option, weil es ihn außerhalb der Städte praktisch nicht gibt. Mehr als Lippenbekenntnisse sind von der Politik nicht zu hören. Das Verkehrsministerium übermittelte eine karge Stellungnahme, es sei „wichtig“, dass Mobilität auch ohne Auto möglich ist. Mehr als das Bekenntnis, „Mobilitäts- und Verkehrsberatungen für ältere Menschen auszubauen“ war auf Anfrage aber nicht zu erfahren. Damit kommen Senioren ohne Auto genau keinen Meter weiter.   

Neuen Zündstoff für die Debatte liefert ein Vorschlag der EU-Kommission. Der Führerschein für alle europäischen Autofahrer ab 70 soll nur noch für fünf Jahre gelten, dann würde regelmäßig ein verpflichtender Test erfolgen. Brüssel will damit die derzeit unterschiedlichen Regelungen harmonisieren. Dänemark, die Schweiz oder Spanien haben schon Regelungen dieser Art, ohne dass es einen Aufstand der Betroffenen gab. Da 2024 allerdings Europawahlen anstehen, kann Entwarnung gegeben werden. Bis dahin traut sich kein Politiker an das Thema heran. Ob es danach jemand probieren wird, steht in den Sternen. Denn die Senioren sind auch eine mächtige Wählergruppe. 

Text von Johannes Kübeck
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Beitrag veröffentlicht am 25.07.2023

Der große Wunsch, mobil zu sein

Menschen im Alter wollen auf ihr Auto nicht verzichten. Darauf stellt sich die Branche seit jeher ein und wird doch immer wieder überrascht. 

D as durchschnittliche Alter eines Neuwagenkäufers ist 50, ein neuer Porsche geht sich im Schnitt erst mit rund 60 Jahren aus. Die Käuferschicht 60plus ist sehr heterogen, sagt Gerhard Monsberger, Geschäftsführer von Porsche Steiermark, und lässt sich in keine Schublade einordnen. 

Designer und Produktentwickler beißen sich an dieser Generation mitunter die Zähne aus. So manches Seniorenprodukt scheiterte, weil man die recht „praktisch gedachten“, aber im Design wenig ansprechenden Produkte zu wenig schick fand. Wie ist das bei den Autos?
Gerhard Monsberger: Auch in der Autobranche machen sich Marketingexperten und Marktforscher darüber Gedanken. Sie wurden und werden immer wieder überrascht. Der Audi Q2 wäre eigentlich als Auto für die Jüngeren gedacht gewesen, gekauft wurde er – unter anderem des lässiges Stylings wegen – weitgehend von älteren Menschen als Stadt-SUV. Warum auch sollte man sich im Alter nichts Schickes mehr zulegen? Es gibt aber auch die Gruppe, die seit jeher Golf Rabbit gefahren ist und das auch im Alter weiter tun möchte. 

Wie erleben Sie die ältere Generation als Käuferschicht?
Es heißt ja, 60 ist das neue 40, es gibt enorme Unterschiede, was die Ansprüche betrifft. Viele Seniorinnen und Senioren sind im Kopf und im Handeln sehr jung und affin mit den Dingen der modernen Welt. Diese Generation darf man nicht generalisieren. Senioren machen einen Gutteil unserer Käuferschicht aus: Sie haben Zeit und Geld, um sich neue und schöne Dinge leisten zu können. 

Mit welchen konkreten Vorstellungen kommen sie zu Porsche?
Mit dem Wunsch nach Mobilität, das ist das zentrale Thema. Das bestehende Angebot an öffentlichem Verkehr und zuletzt die Pandemie haben diesen Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit verstärkt.Die Menschen wollen sich flexibel von A nach B bewegen können. Es hat sich auch das Freizeitverhalten dieser Generation geändert. Während man früher gern daheim war, ist heute die Lust auf Freizeitaktivitäten und eben auf Mobilität stark gestiegen.

Wie groß ist die Nachfrage nach E-Autos?
Die ist durchaus gegeben. Insgesamt lässt sich sagen, dass die ältere Kundenschicht länger und eingehender über ihre Kaufentscheidung nachdenkt, im Sinne von: Was passt zu mir und meinen Lebensumständen? E-Autos werden vor allem nachgefragt, wenn die PV-Anlage am Hausdach den Treibstoff erzeugen kann. Einschränkungen, die Reichweite betreffend, werden von dieser Generation auch eher hingenommen, auf längeren Strecken verbindet man das Aufladen mit einer Pause. Seniorinnen und Senioren haben gegenüber E-Autos weniger Berührungsängste, als man glauben möchte. Aber wie gesagt, diese Generation ist sehr aufgeschlossen, ihnen kommt auch unsere Rolle als Begleiter im Entscheidungsprozess zugute. Das wird auch wertgeschätzt. Nicht selten erleben wir, dass das langjährige Fahrverhalten mit Gangschaltung nach eingehender Beratung zugunsten eines Automatikgetriebes aufgegeben wird.

Bild von Porsche Graz-Liebenau
Beitrag veröffentlicht am 11.07.2023

mobil sein, mobil bleiben

Mobilität im Alter bedeutet Unabhängigkeit und Lebensqualität. Wie individuelle Mobilität sicher bleibt, was ein Verkehrssystem der Zukunft an Bedürfnissen älterer Menschen berücksichtigen muss und welche Folgen fehlende Mobilität hat. 

M obilität ist ein Grundbedürfnis, die Voraussetzung für soziale Teilhabe, eine Notwendigkeit für die Selbstversorgung. Die Bedürfnisse und Möglichkeiten können sich im Laufe des Lebens aber merklich verändern. Nicht nur sie. Auch die Welt der Mobilität verändert sich. Im Individualverkehr ist Elektromobilität auf zwei und vier Rädern weiter auf dem Vormarsch. Die Notwendigkeit eines klimaverträglichen Verkehrssystems rückt Öffi-Angebote in den Fokus. Modelle wie (e-)Carsharing oder die verbesserte öffentliche Erreichbarkeit von Stadtrandgebieten sollen Mobilitätsbarrieren aus dem Weg räumen. Im eigenen Zuhause schaffen wiederum Mobilitätshilfen immer neue Möglichkeiten, um in Bewegung zu bleiben.

Fakt ist: Mit zunehmend mehr älteren Personen in der Bevölkerung wird auch der Anteil an älteren Fußgängern, Öffinutzern sowie Lenkern von Pkws, Motorrädern oder Fahrrädern künftig noch deutlich steigen. Je länger man mobil ist und bleibt, desto größer sind Unabhängigkeit und Lebensqualität. Alter ist aber nicht statisch messbar, es ist ein mehrdimensionaler Prozess der Veränderung – und ein höchst individueller noch dazu.

Emotionale Diskussion
Es ist auffällig, konstatiert ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger, dass Mobilität im Straßenverkehr im fortgeschrittenen Alter oft sehr emotional und einseitig diskutiert wird. „Sobald medial ein sogenannter ,Seniorenunfall’ erscheint, gibt es reflexartig die Forderung nach strengen Führerscheinprüfungen, medizinischen beziehungsweise psychologischen Tests oder restriktiven Fahrverboten für Personen der höheren Altersklassen.“

Viele Studien haben vergeblich versucht, statistisch abgesicherte Beziehungen zwischen der Unfallrate einzelner Personengruppen und Merkmalen dieser Personen zu finden. Die einzig nennenswerte Ausnahme stellt laut der Expertin der „low mileage bias“ dar: „Das heißt, die Unfallrate steigt an, wenn die jährliche Fahrleistung unter rund 3.000 Kilometer absinkt. Zusätzlich muss man aber beachten, dass Wenigfahrer unabhängig vom Alter zwar eine höhere Unfallrate pro Kilometer haben, sie aber eine geringere Exposition im Straßenverkehr gegenüber den Vielfahrern aufweisen.“

Stärken und Defizite
Viele ältere Personen verfügen über mehr Lenkerfahrung, können aber auch mehr gesundheitliche Probleme mit sich tragen. Kompensationshilfen wie Fahr- oder Gesundheitstrainings, die Anschaffung eines Autos mit Automatikgetriebe, regelmäßige freiwillige Vorsorgeuntersuchungen, die genaue Einhaltung der Medikamenteneinnahme sowie die Verwendung von Brillen oder Hörhilfen erhöhen die Sicherheit im Straßenverkehr. Zusätzlich gibt es eine immer höhere Bereitschaft, sich mit technischen Neuerungen in Form von Fahrer-Assistenzsystemen wie Park-, Spurhalte- oder Notbremsassistenten auseinanderzusetzen. 

„Lediglich etwa sechs Prozent der älteren Bevölkerungsgruppe kompensiert nicht zweckmäßig, ihr Fahrverhalten ist also nicht ausreichend vorhandenen Defiziten angepasst. Dieser Effekt ist mehr bei Männern zu beobachten, die im Vergleich zu Frauen weniger selbstkritisch mit ihrer Leistungsfähigkeit umzugehen scheinen“, so Seidenberger.„Viele ältere Personen fahren als Kraftfahrzeuglenker besonnen, haben kaum Vergehen hinsichtlich des Alkoholmissbrauchs oder Schnellfahrens, meiden Nachtfahrten, sehr stressende Fahrzeiten, bestimmte Fahrtstrecken überhaupt und teilen sich längere Routen in mehrere Fahretappen mit Erholungspausen ein.“ 

Klarheit schaffen
Der Grundsatz „keep it simple“ ist nie verkehrt: Infrastruktur muss für jeden Nutzer klar und leicht verständlich sein, ebenso die Bedienung eines Fahrzeuges samt seiner gesamten Sicherheitsausstattung. „Ein kritischer Umgang mit der eigenen Leistungsfähigkeit, möglicherweise auch mit der Einholung eines Ratschlages und Hinweise von Angehörigen, aber auch von Freunden, von Fahrprofis, auch des Hausarztes, ist somit der beste Schutz für eine sichere individuelle Mobilität, egal welchen Alters“, so Seidenberger.

Abgesehen von individuellen Voraussetzungen braucht es aber vor allem auch die verstärkte Berücksichtigung älterer Menschen in der Verkehrsplanung. Dass letztere zudem dringend auf Klimakurs gebracht werden muss, ist eine der großen Herausforderungen. „Lange Zeit wurde die Verkehrsplanung nach dem Lebensentwurf eines Mannes ausgerichtet, der mit dem Auto in die Arbeit fährt“, konstatiert Ulla Rasmussen, Geschäftsführerin des Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Auf Radfahrende und Gehende wurde wenig Rücksicht genommen – abseits des Autofahrens und abseits davon, pro Tag nur den einen Weg zur Arbeit zu haben, bestehen jedoch viele Mobilitätsbedürfnisse. Es braucht ein Mobilitätssystem, so der VCÖ, das es ermöglicht, selbstständig, gefahrlos und aktiv unterwegs zu sein – und ein Verkehrssystem, das durch so wenig Barrieren wie nur möglich so viele Menschen wie möglich so oft wie möglich nutzen können.

Viele Lebensstile
Gerade die Gruppe der Älteren wird künftig noch weit heterogener werden – mit sehr unterschiedlichen Lebensstilen und Mobilitätsbedürfnissen. Ältere Menschen werden deutlich mobiler sein als Gleichaltrige bisher. Schon heute sind viele ältere Menschen mit neuen technologischen Entwicklungen vertraut, in Zukunft werden es noch mehr sein. Neue Technologien erleichtern das Planen von Wegen und die flexible Kombination von öffentlichem Verkehr, (E-)Fahrrad, Gehen und Carsharing. Gleichzeitig wird es aber  immer auch Menschen geben, die nicht technologieaffin sind. 

„Das Mobilitätssystem ist unter anderem durch Barrierefreiheit und geringere Geschwindigkeiten an die Bedürfnisse älterer Menschen anzupassen. Durchgängige Fuß- und Radwegnetze sind wesentlich für den Erhalt der Mobilität älterer Menschen“, heißt es in der VCÖ-Publikation „Gesellschaftliche Entwicklungen verändern die Mobilität“. Menschen, die aufgrund von Routinen an ein einziges Verkehrsmittel gewöhnt sind, sind besonders gefährdet, immobil zu werden, wenn sie dieses nicht mehr nutzen können. Rund 20 Prozent der Menschen ab 60 Jahren haben kein Auto im Haushalt, nur die Hälfte hat Mitfahrgelegenheiten für Besorgungen. 

Folgen fehlender Mobilität
Bei den Motiven für das Mobilitätsverhalten ist es älteren Menschen weniger wichtig, Zeit einzusparen oder schnell einen Parkplatz zu finden. Vielmehr geht es häufig darum, bequem voranzukommen, Bewegung zu haben, sicher unterwegs zu sein und mit anderen Menschen zusammen zu sein. Fehlende Mobilität von Senioren hat nicht nur eine einschneidende Bedeutung für jeden Einzelnen, sie hat auch Folgen für die Wirtschaft, weil ältere Menschen für den Einzelhandel als Kunden und für den Tourismus als Gäste ausfallen, wenn sie sich ins Häusliche zurückziehen. Und sie hat Folgen für eine Gesellschaft, die den nicht mobilen Senioren die Teilhabe am öffentlichen Leben erschwert, weil Lebenserfahrung und ehrenamtliches Engagement verloren gehen. 

Text von Elke Jauk-Offner
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Beitrag veröffentlicht am 18.05.2023