Immobilien: die verlässliche Wertanlage

Immobilien werden auch in Zukunft attraktiv bleiben, prognostiziert Rainer Stelzer, Vorstand der RLB Steiermark. Es müssen aber wichtige Entwicklungen beachtet werden.

Werden Immobilien in Zukunft attraktiv bleiben oder ist ein Rückgang zu erwarten?
RAINER STELZER: Immobilien und die Wohnraum-Finanzierung bleiben auch in Zukunft trotz steigendem Zinsumfeld nachgefragt und bleiben weiterhin attraktive Veranlagungsformen. Bei steigenden Zinsen kann man mit Immobilien weiter Erträge generieren und Immobilien bleiben weiter ein sicherer Hafen. Auf Grund etwa indexgebundener Mieterträge bieten sie sogar einen teilweisen Schutz gegen die steigende Inflation. Natürlich darf man weiterhin die Inflations- und die Zinsentwicklung und die Kaufpreis- und Mietentwicklung nicht außer Acht lassen und muss diese laufend marktkritisch betrachten. Folglich stellen wir ausgewogene und sensitive Finanzierungen für Kunden bereit, die auch bei Verschärfungen am Immobilien- oder Kapitalmarkt gemäß den Regularien konform bleiben. Die Entwicklungen bei der Immobilien- und Projektfinanzierung sowie den Institutionellen Kunden stimmen uns weiter optimistisch für die kommenden Jahre.

Was bedeutet das für Kund:innen?
STELZER: Die Bauwirtschaft leidet nach wie vor unter Rohstoffengpässen und stark volatilen Materialpreisen. Diese Entwicklungen offenbaren, dass regionale Wertschöpfung und Produkte für die heimische Wirtschaft immer wichtiger werden. Aktuell sind die Zinsen bereits eindeutig im Steigen begriffen. Ein Ende der Negativzinsphase ist noch für heuer zu erwarten. Auf lange Sicht ist mit einem Ansteigen der Zinsen zu rechnen. Es empfiehlt sich daher ein mit der Bank abgestimmtes Zinsmanagement. Wichtig für Kunden ist daher ein Partner, der rasch hilft und langfristig denkt. Daher ist eine Spezialberatung, wie jene unserer Mitarbeiter, die alle Eventualitäten im Projektgeschäft kennt und miteinbeziehen kann, gefragt. Wir betreuen als diskreter, greifbarer Finanzierungspartner Kunden in der Steiermark, in Wien sowie im Süden Deutschlands. Unsere Expert:innen für Immobilien- und Projektfinanzierung und institutionelle Kunden finden mit höchstem Einsatz optimierte Lösungen für Kundenanliegen. Etwa durch eine Standort- oder Mietpreisanalyse, bei der ideale Standorte und Objekte bezogen auf Kundenanfragen gefunden werden.

Was sollten Käufer:innen aufgrund dieser Entwicklungen beachten?
STELZER: Es ist aktuell und künftig sorgfältig auf die Angebots- und Nachfrageentwicklungen zu achten. Daher muss man sich die jeweiligen Asset-Klassen und die jeweiligen Regionen für sich und in Kombination genau ansehen und analysieren. Da das Angebot nachhaltiger Objekte weiter große Nachfrage erfahren wird, interessieren sich Käufer neben den Ballungszentren auch immer mehr für die umgebenden Regionen. Den Markt wird mittelfristig das Thema Nachhaltigkeit mit ESG-Kriterien verändern. Nachhaltige Immobilienwirtschaft wird bei Investoren, Nutzern und Banken daher weiterhin eine wesentliche Rolle einnehmen. Daher muss man noch genauer die nachhaltige Rentabilität, die ESG-Einflüsse und den speziellen Nutzen der Immobilie in den Vordergrund rücken. Mögliche Fehler werden nicht mehr so leicht vom Markt korrigiert werden können wie in den letzten Jahren. Also bedarf es Profis auf allen Ebenen, um weiterhin möglichst erfolgreich zu bleiben.

Stichwort Nachhaltigkeit: Wo liegt hier der Fokus der RLB Steiermark?
STELZER: Wichtige Themen sind die EU-Taxonomie, Ressourcenschonung und möglichst große Klimaneutralität durch den möglichst geringen Energieverbrauch. Vor diesem Hintergrund werden alle Immobilien aktuell in Richtung Nachhaltigkeit geprüft beziehungsweise bereits entwickelt und umgesetzt. Jedes Produkt am Immobilienmarkt muss sich in Bezug auf Regularien und Zertifizierung beweisen. Raiffeisen hat in diesem Feld bereits langjährige Erfahrung in der Projektentwicklung. Ferner beraten wir Kund:innen zielorientiert und mit dem notwendigen Know-how in diesem komplexen Feld. Unsere Experten bieten für Kund:innen Informationen an, die ESG-konforme Gebäude errichten oder welche auf diesen Standard sanieren wollen..

Beitrag veröffentlicht am 12. Oktober 2022

Spartipps im Alter

Normalverdiener:innen reicht die Rente schon längst nicht mehr zum sorgenfreien Leben. Ganz im Gegenteil: Mit Pensionsantritt rutschen viele Österreicher:innen in die Altersarmut. Die steigenden Preise verschärfen die Situation weiter, den meisten Senior:innen bleibt mit Monatsende nichts mehr im Geldtascherl übrig. Ein paar kleine Spartricks für den Alltag sollen in der schwierigen finanziellen Situation eine Entlastung bieten. Auch wenn Sie damit keine Berge versetzen werden – vielleicht können Sie sich dadurch ein paar Euros auf die Seite legen.

Kassensturz machen

Der erste Schritt, um langfristig Geld zu sparen, ist, sich zunächst einmal die Ausgangslage anzusehen. Dabei ist es wichtig, wirklich gründlich zu sein. Auch wenn es unangenehm ist, sollten Sie sich auf den Cent genau ansehen, wofür Sie ihr Geld monatlich ausgeben und wieviel Geld jeweils am Ende des Monats übrig bleibt um sich für Ihre finanzielle Situation ein Bewusstsein zu schaffen.

Ein einfacher Weg, um einen Überblick über die eigenen monatlichen Einnahmen und Ausgaben zu bekommen, ist das Führen eines Haushaltsbuches. Dies ist sowohl digital per App oder auf dem Computer aber auch ganz klassisch auf Papier möglich.

Beginnen Sie damit, drei Monate lang alle Einkünfte und Ausgaben einzutragen, um ein realistisches Bild über Ihr Konsumverhalten zu gewinnen. In Zuge dessen werden Sie beginnen, ein Einsparpotenzial zu erkennen.

 

Briefkuvert-System

Teilen Sie Ihre Ausgaben am Anfang des Monats in unterschiedliche Kategorien ein. Weisen Sie jeder Kategorie ein fixes Budget zu und versuchen Sie, dieses nicht zu überschreiten. Tipp: Eine der Kategorien sollte “sparen” sein.

Die 50-30-20-Regel

Versuchen Sie 50% Ihres monatlichen Budgets für Ihre Grundausgaben zu verwenden, 30% für Ihre persönlichen Ausgaben übrig zu lassen und die restlichen 20% zu sparen.

Die 48-Stunden Regel & die 15-Minuten-Regel

Spontane Impulskäufe wirken sich negativ aufs Geldbörserl aus. Deshalb ist es wichtig, diesen bewusst gegenzusteuern. Hier helfen die 48-Stunden-Regel und die 15-Minuten-Regel.

Wenden Sie die 15-Minuten-Regel bei kleineren Einkäufen und Produkten wie Lebensmittel, Kleidung oder kleineren Gegenstände für die Wohnung an. Finden Sie etwas im Geschäft, das sie unbedingt kaufen wollen, warten Sie 15 Minuten, bevor Sie damit zur Kasse gehen. Sind sie nach 15 Minuten immer noch davon überzeugt, den Gegenstand unbedingt kaufen zu wollen, kaufen Sie ihn erst dann.

Die 48-Stunden-regel kommt bei größeren Anschaffungen zum Einsatz. Warten Sie mindestens 48 Stunden lang und überlegen Sie sich danach, ob Sie die Anschaffung immer noch unbedingt brauchen.

Mit diesen beiden Regeln können Sie sicher gehen, sich nur Dinge zu kaufen, die Sie auch wirklich brauchen und werden mit Ihrem Kauf zufrieden sein.

Nicht genutzte Abonnements kündigen

Nicht selten passiert es, dass man ein Probeabo abschließt, jedoch vergisst es wieder zu kündigen. Um Geld zu sparen, checken Sie alle Ihre Abonnements regelmäßig und überlegen Sie, ob Sie diese noch nutzen.

Versicherungen checken

Gerade mit Renteneintritt verändert sich oftmals der Versicherunsbedarf. Schaffen Sie sich einen Überblick darüber, welche Versicherungen Sie haben, was Sie dafür zahlen und was Sie davon brauchen – beziehungsweise ob sich Versicherungen überschneiden. Tipp: Oftmals bieten Versicherungsgesellschaften Vergünstigungen, wenn man man alle oder mehrere Versicherungen bei ihnen abschließt.

Menüpläne & Einkaufslisten schaffen Übersicht und bewahren Sie vor Spontaneinkäufen.

Beim Einkaufen sparen

  • Planen Sie Ihre Mahlzeiten für die kommende Woche vor und behalten Sie dabei die Sparangebote in den Supermärkten im Blick
  • Machen Sie anhand Ihres Essensplans immer anfangs der Woche Ihren Wocheneinkauf
  • Erstellen Sie Einkaufslisten und kaufen Sie nur das, was auf der Liste steht
  • Kaufen Sie nicht hungrig ein, das verleitet zu Impulskäufen
  • Kaufen Sie Hausmarken, statt Markenprodukte
  • Kaufen Sie saisonal und sparen dadurch Geld
  • Versuchen Sie, Produkte auch gebraucht statt neu zu kaufen (willhaben, Ebay…)

 

Im Haushalt sparen

  • Alte Geräte fressen oftmals mehr Strom. Überprüfen Sie das am besten regelmäßig mit einem Strommessgerät. Dieses können Sie bereits um weniger als 10€ kaufen oder sich bei Stromanbietern oder Verbraucherzentralen kostenlos ausleihen.
  • Misten Sie regelmäßig Ihre Besitztümer aus und verkaufen Sie nicht mehr Benötigtes auf Plattformen wie willhaben und Ebay oder auf lokalen Flohmärkten.
  • Benutzen Sie stromsparende LED-Lampen. Achten Sie darauf, nur die Lichter anzumachen, die Sie auch wirklich benötigen und schalten Sie immer das Licht aus, wenn Sie ein Zimmer verlassen.

 

Beim Lebensstil sparen

  • Setzen Sie beim Trinken auf Leitungswasser – dieses ist in Österreich von hoher Qualität. Wenn sie darauf verzichten, teures Wasser oder Säfte in Flaschen zu kaufen, können Sie auf gesunde Weise Geld sparen.
  • Gehen Sie kürzere Strecken zu Fuß oder benutzen Sie die öffentlichen Verkehrsmittel.
  • Legen Sie sich ein Rad für zwischendurch zu oder investieren Sie langfristig in ein hochwertiges Elektrofahrrad.
  • Kochen Sie lieber vor, anstatt spontan Essen zu gehen und mehr Geld als nötig auszugeben.
  • Informieren Sie sich über Pensionisten-Rabatte und nutzen Sie diese. Vor allem im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel, für Freizeitaktivitäten sowie in Theater, Museum, Kino und Zoo gibt es Ermäßigungstarife für Senior:innen.

 

 

von Karolina Wiener
Beitrag veröffentlicht am 17. August 2022

 

 

 

 

Bankgeschäfte im Alter

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, lautet der Titel des bekannten Songs von Udo Jürgens. Und er hat damit wohl Recht, denn mit dem Antritt der Pension eröffnen sich viele neue Möglichkeiten. Ob Reisen, Wohnen, Mobilität, Kultur oder Familie – für die Wünsche und Ziele braucht es natürlich den passenden finanziellen Rahmen und auch eine Bank, die in dieser Lebensphase begleitet.


Mmag. Martin Schaller

Die vielfältigen Pläne in der Pension bedeuten in finanzieller Hinsicht, dass Bankprodukte wie Girokonto, Kreditkarten, Wohnkredite weiterhin hoch im Kurs stehen. Bei Raiffeisen setzt man dabei nicht auf eigene „Seniorenprodukte“, sondern auf die Fortführung von vertrauten Services. „Wir begleiten unsere Kunden vom Kindesalter über die Ausbildung und berufliche Karriere bis ins hohe Alter“, erklärt Raiffeisen-Generaldirektor Martin Schaller und ergänzt: „Dadurch entsteht Vertrauen, das für Geldgeschäfte unverzichtbar ist.“

Um die besten Lösungen für die Anliegen der Kunden in allen Lebenslagen zu gewährleisten, wird bei Raiffeisen eine breite Servicepalette geboten: vom Digital-Coach bis zum Finanz- und Veranlagungsspezialisten. Speziell der Digital-Coach erfreut sich im Kundensegment 60+ großer Beliebtheit und ermöglicht Lösungen, die individuell auf die Kunden zugeschnitten sind. Diese können etwa mit ihren digitalen Geräten in die Bank kommen. Berater richten für Sie gerne einen Mein ELBA-Zugang ein und bringen Ihnen die Funktionen der Online-Banking-Plattform näher. Auch am Service-Point stehen speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Kundenanliegen zur Verfügung. Sollte jedoch weiterhin der Wunsch bestehen, alles beim Alten zu lassen, so wird dieser respektiert.

Gesetzliche Vorgaben und persönliche Beratung

Da und dort hört man, Bankgeschäfte im Alter seien anders zu behandeln als in der Zeit des
Erwerbslebens. Ist da etwas dran? Fakt ist, die finanzielle Situation ist grundsätzlich nicht vom Alter abhängig. Die monatliche Pension ist zwar in der Regel geringer als das Letzteinkommen, aber sie stellt ein sicheres Einkommen dar. Ausschlaggebend für jegliche Geldgeschäfte ist vielmehr die individuelle Lebenssituation mit den Themen Lebenshaltungskosten, Entwicklung von Vermögenswerten, geplanten Investitionen etc.

Bankgeschäfte im Alter sind etwas anders zu behandeln, weil es bestimmte gesetzliche Vorgaben gibt, an die sich jede Bank halten muss. Daher werden Bankprodukte altersgerecht und mit Berücksichtigung der jeweiligen Lebenslage angeboten. Das betrifft insbesondere die Geldveranlagung oder auch jegliche Kredite und deren Besicherung. Die gesetzlichen Bestimmungen greifen jedoch nicht gleich bei Pensionsantritt, sondern erst einige Jahre später.

Was ändert sich beim Pensionsantritt?

Hier kann gleich „Entwarnung“ gegeben werden. Denn durch den Pensionsantritt an sich ändert sich bei Bankprodukten grundsätzlich gar nichts. Was heißt das für die einzelnen Produkte? Das Girokonto bleibt – abgesehen von der Bezeichnung „Pensionskonto“ – komplett gleich. Sowohl die Kontonummer als auch der Kontorahmen für kurzfristige Überziehungen sowie die Konditionen bleiben unangetastet. Das trifft auch auf die Bankomatkarte zu, die im In- und Ausland Bargeldbehebungen und Zahlungen in Geschäften ermöglicht.

Und wie steht es mit Kreditkarten? Selbstverständlich laufen bestehende Kreditkarten mit dem vereinbarten Kreditrahmen weiter. Wenn eine neue Kreditkarte angefordert wird, gelten die gleichen Voraussetzungen wie für alle Bankkunden. Kreditkarten sind gerade bei Reisefreudigen sehr beliebt, da sie neben der Zahlungsfunktion auch attraktive Versicherungsleistungen – zum Beispiel für ein Reisestorno – beinhalten. Das äußert sich auch in der täglichen Bankpraxis, weiß Schaller: „Früher sind viele Senioren zu Monatsbeginn in die Bankstelle gekommen, um ihre Pension zu beheben. Das hat sich gravierend geändert. Die modernen Zahlungsformen mit Karte und mittlerweile auch Mobiltelefon ermöglichen, dass man immer und überall über das Geld am Konto verfügen kann.“

Sparen und Geld veranlagen: Auf Nummer sicher

Unabhängig vom Alter gilt, Ersparnisse nach dem Prinzip der „Veranlagungspyramide“ anzulegen. Die Basis bilden sichere Formen wie das Sparbuch, Bausparen oder Lebensversicherungen. Darauf aufbauend kommen nach der Reihe festverzinsliche Anleihen und –fonds, gemischte Fonds mit steigendem Aktienanteil und zuletzt Aktien. Je weiter „oben“ ein Produkt in der Pyramide ist, desto mehr Ertrags-Chancen hat es, gleichzeitig aber auch mehr Wertschwankungen – sprich Risiko. Jeder Mensch hat sein bevorzugtes Anlager- und Risikoverhalten, und danach richtet sich die Bank laut Gesetz auch. Hinzukommt, dass mit steigendem Alter das Gesamt-Risiko der Veranlagungen abnehmen muss. Der Grund ist klar: Wertpapiere mit höheren Wertschwankungen haben auch eine empfohlene längere Behaltedauer – denn man will ja in aller Ruhe erst dann ein Wertpapier verkaufen, wenn es gut im Kurs liegt. In der Praxis bedeutet das, dass zum Beispiel der Aktienanteil kontinuierlich gesenkt wird und stattdessen festverzinsliche Anlageformen stärker gewichtet werden. „In unseren Beratungen sehen wir, dass für ältere Kunden ohnehin die Sicherheit und jederzeitige Verfügbarkeit des Ersparten an oberster Stelle stehen“, berichtet Schaller.

Kredite auch im Alter?

Ein neues Auto, notwendige Umbauten in der Wohnung oder gar ein Umzug – es gibt viele Gründe, warum auch im Alter Kreditbedarf entstehen kann. Auch hier sind die individuelle Lebenssituation und der finanzielle Rahmen hauptsächlich ausschlaggebend und nicht primär das Alter. Die Vergabe von Krediten orientiert sich nämlich an bestimmten Vergaberegeln und die sind bei allen gleich.

Basis ist eine umfassende Bankberatung, die im Grunde für einen 35-jährigen Häuslbauer gleich strukturiert ist wie für Senioren. Im Gespräch mit dem Bankberater geht es um den Verwendungszweck, die gewünschte Kredithöhe, die Laufzeit und folglich die laufende Rate, mögliche Besicherungen und – natürlich – um die finanzielle Ausgangssituation und Entwicklung. Laut Gesetz darf die Rate nur so hoch sein, dass sie vom Kunden „nachhaltig“ zurückbezahlt werden kann. Ganz genaue Zahlen gibt das Gesetz freilich nicht an, aber in der Bankpraxis gibt es allgemeine Faustformeln: Die erste betrifft die Gesamt-Kreditbelastung. Diese sollte nicht höher sein als das Vierfache des Jahres-Netto-Einkommens.

Die zweite Faustformel betrifft die monatliche Rate. Diese sollte nicht mehr als 30 Prozent der monatlichen Pension betragen. Dazu ein konkretes Beispiel: Bei einer monatlichen Pension von 1.200 Euro (entspricht 16.800 im Jahr) wäre das eine maximale Kredithöhe von rund 65.000 Euro sowie eine maximale monatliche Rate von 360 Euro. Das sind – wie gesagt – Faustformeln, die individuell etwas abweichen könnten. Die Rückzahlung dieses Kredits würde im genannten Beispiel rund 15 Jahre dauern und daraus ist ersichtlich, dass das Alter dann doch eine gewisse Rolle spielt. Denn wohl jeder Kreditnehmer möchte einen Kredit zu Lebenszeit abbezahlen.

Worüber man nicht immer spricht …

Häufig werden an dieser Stelle mögliche Sicherheiten – etwa ein Haus – genannt, welche die Bank im Falle eines Hypothekarkredites zugreifen darf. Aber auch hier gibt das Gesetz die Richtung vor. Ein Kredit ist nicht statthaft, wenn beim Abschluss augenscheinlich ist, dass dieser nicht „normal“ zurückbezahlt werden kann. Eine Sicherheit ist für diesen Fall da, dass Unvorhergesehenes eintritt. Aber was ist mit sogenannten Kreditrestschuldversicherungen, also Versicherungen, die eine offene Restschuld im Todesfall übernehmen? Raiffeisen bietet spezielle Ablebensversicherungen.

 

Beitrag veröffentlicht am 13.05.2022

Alles über das Sterbeverfügungsgesetz

Seit dem 1. Jänner 2022 ist das neue Sterbeverfügungsgesetz in Kraft. Damit ist der assistierte Suizid erlaubt, wenn es sich um schwer oder unheilbar Kranke handelt, die volljährig und entscheidungsfähig sind. Die wichtigen Fragen und Antworten zu diesem Thema, aufbereitet von der Notariatskammer für Steiermark.

01. Welche Personen können grundsätzlich eine Sterbeverfügung errichten?

Die sterbewillige Person muss ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich haben oder österreichische Staatsangehörige sein. Zudem muss sie volljährig und entscheidungsfähig sein. Die Entscheidungsfähigkeit muss zweifelsfrei gegeben sein.

02. Welcher Krankheitszustand muss für die Errichtung einer Sterbeverfügung gegeben sein?

Eine Sterbeverfügung kann nur errichtet werden, wenn die sterbewillige Person an einer unheilbaren, zum Tod führenden Krankheit oder an einer schweren, dauerhaften Krankheit mit anhaltenden Symptomen leidet, deren Folgen die gesamte Lebensführung negativ beeinflusst. Darüber hinaus muss die Krankheit einen Leidenszustand mit sich bringen, der sich nicht abwenden lässt. Ob ein solcher Leidenszustand vorliegt, ist von einer der aufklärenden ärztlichen Personen zu bestätigen.

03. Was muss bei einem Vorliegen dieses Leidenszustandes der Errichtung einer Sterbeverfügung vorangehen?

Der Errichtung einer Sterbeverfügung muss eine Aufklärung durch zwei ärztliche Personen vorangehen. Eine von den beiden ärztlichen Personen muss eine palliativmedizinische Qualifikation (Betreuung schwerkranker Patient:innen mit stark begrenzter Lebenserwartung) aufweisen. Das Gesetz sieht einen Mindestinhalt der ärztlichen Aufklärung vor. Sprich: Aufklärung über mögliche Behandlungsalternativen, Hinweis auf konkrete Angebote für ein psychotherapeutisches Gespräch sowie für suizidpräventive Beratung. Und: Die ärztlichen Personen müssen unabhängig voneinander bestätigen, dass die sterbewillige Person entscheidungsfähig ist und einen freien und selbstbestimmten Entschluss geäußert hat.

04. Wann kann dann eine Sterbeverfügung errichtet werden?

Frühestens zwölf Wochen nach der ersten ärztlichen Aufklärung kann eine Sterbeverfügung wirksam errichtet werden. Ausnahmsweise ist die Errichtung bereits zwei Wochen nach der ärztlichen Aufklärung zulässig, wenn eine ärztliche Person bestätigt hat, dass die sterbewillige Person an einer unheilbaren, zum Tod führenden Erkrankung leidet und in die terminale Phase eingetreten ist. Sprich: Die Krankheit hat ein Stadium erreicht, die nach medizinischem Ermessen voraussichtlich innerhalb von sechs Monaten zum Tod führen wird.

05. Bei wem und in welcher Form kann eine Sterbeverfügung errichtet werden?

Die Errichtung einer Sterbeverfügung kann durch einen Notar bzw. eine Notarin oder einen Patientenanwalt bzw. eine Patientenanwältin erfolgen. Die Sterbeverfügung ist höchstpersönlich und schriftlich zu errichten. Das österreichische Notariat steht jedenfalls für konkrete Anfragen zur Errichtung von Sterbeverfügungen zur  Verfügung. Gerade zu Beginn wird es für die Beteiligten am zielführendsten sein, wenn sie sich direkt an die Notariatskammer für Steiermark wenden, die entsprechend Notar:innen benennen kann.

06. Was ist dabei besonders zu beachten?

Es ist der Entschluss der sterbewilligen Person festzuhalten, ihr Leben selbst zu beenden. Dieser Entschluss muss frei und selbstbestimmt sein. Also insbesondere frei von Irrtum, List, Täuschung, physischem oder psychischem Zwang und Beeinflussung durch Dritte. Es besteht auch die Möglichkeit, eine oder mehrere hilfeleistende Personen in der Sterbeverfügung anzugeben, welche die sterbewillige Person bei der Durchführung der lebensbeendenden Maßnahmen unterstützen. Die hilfeleistenden Personen müssen volljährig und entscheidungsfähig sein.

07. Welche Details gilt es bei der Errichtung einer Sterbeverfügung seitens der Notar:innen oder Patientenanwält:innen zu beachten?

Sie müssen vor der Errichtung der Sterbeverfügung der sterbewilligen Person nochmals die Dokumentation über die ärztliche Aufklärung wiedergeben. Zudem ist die sterbewillige Person über rechtliche Aspekte, wie die mögliche Errichtung einer Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht, die Errichtung einer letztwilligen Verfügung, die strafrechtlichen Grenzen der Hilfeleistung und weitere Rechtsfolgen zu belehren.

08. Was geschieht mit der Sterbeverfügung?

Das Original der Sterbeverfügung ist der sterbewilligen Person auszuhändigen und eine Abschrift der Sterbeverfügung ist von Notar:innen oder Patientenanwält:innen aufzubewahren. Unmittelbar nach Errichtung der Sterbeverfügung haben Notar:innen oder Patientenanwält:innen bestimmte Informationen an das Sterbeverfügungsregister zu melden. Wichtig: Eine Sterbeverfügung verliert nach einem Jahr ihre Wirksamkeit.

Notare in Ihrer Nähe

Welche Notarin bzw. welcher Notar in Ihrer Nähe Sterbeverfügungen errichtet, erfahren Sie auf Anfrage bei der Notariatskammer für Steiermark.
Wielandgasse 36, 8010 Graz
Tel.: 0316/82 52 560

Beitrag veröffentlicht am 06.04.2022
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Auf Nummer sicher!

Worauf man achten sollte, bevor man ein Grundstück kauft und warum der Nachbar plötzlich im Garten stehen könnte.

Mit einem Traum fängt alles an. So malt man sich sein eigenes Haus mit Garten in den schönsten Farben aus und richtet es in Gedanken schon ein, bevor der Traum überhaupt Wirklichkeit geworden ist. Bevor man sich aber entscheidet, Nägel mit Köpfen zu machen und eine Immobilie zu kaufen, gilt es, über ein paar knifflige Details Bescheid zu wissen. Wie man Fallen und Stolpersteine auf dem Weg zum Traum vermeidet?
Nachgefragt bei Mag. Stephan Plankensteiner, MBL von der Notariatskammer für Steiermark:

Was muss ich vor dem Kauf einer Immobilie wissen?

Für viele Menschen ist der Kauf einer Immobilie die größte Investition ihres Lebens. Beim Autokauf verlässt man sich auf Testberichte, Freunde und Probefahrten. Beim Immobilienkauf lässt man sich oft nur zu gerne blenden und will mitunter gar nicht sehen, wie es um das vermeintliche Traumgrundstück wirklich bestellt ist.

Was muss vorab geklärt werden, bevor ein Grundstück gekauft wird?

Man sollte zunächst jedenfalls klären lassen, ob im Grundbuch sogenannte Belastungen eingetragen sind. Sollte die Liegenschaft nämlich mit Pfandrechten, Grunddienstbarkeiten, Ausgedings-, Wohnungs(gebrauchs)rechten etc. belastet sein, ist es jedenfalls ratsam, die Immobilie einem genauen Experten-Check zu unterziehen. Unter anderem betrifft das etwa Zufahrts- und Zugangsrechte. Es kann festgeschrieben worden sein, dass man verpflichtet ist, eine Sackstraße instand zu halten, obwohl man nur einen kleinen Teil befährt. Es kann das Wegerecht für die Befahrung des Grundstücks durch einen Nachbarn oder die Errichtung eines Kanals betreffen. Wenn sich später herausstellt, dass eine Wasserleitung nur durch das Nachbargrundstück geleitet werden kann und man das Recht vorab nicht eingetragen hat, muss man oft mühsame Umwege in Kauf nehmen. So entstehen dann allenfalls auch Kosten, mit denen man nicht gerechnet hat und die man tragen muss.

Können Sie dazu Beispiele aus der Praxis geben?

Wir haben schon Fälle erlebt, bei denen ein „äußerst günstiges“ Grundstück erworben wurde, nur gab es keine gesicherte Zufahrt und somit auch keine Baubewilligung. In einem anderen Fall wurde eine Anzahlung bar auf die Hand geleistet, doch der Liegenschaftsverkäufer war mit einem Belastungs- und Veräußerungsverbot belegt und der Kauf konnte nicht durchgeführt werden.

Können Kinder auf der Liegenschaft der Eltern bauen?

Wenn die Eltern den Kindern angeboten haben, auf dem Grundstück zu bauen, muss man bedenken, dass zum Beispiel eine ausgebaute Wohnung im Elternhaus oder ein Zubau rechtlich grundsätzlich als Zubehör zu einem Grundstück oder einer Liegenschaft gilt und damit automatisch in das Eigentum der Eltern übergeht.

Was passiert, wenn den Eltern etwas zustoßen sollte?

Wenn das Gebäude auf dem elterlichen Grundstück in den Nachlass fällt, ohne dass eine entsprechende testamentarische Vorkehrung getroffen wurde, könnte das „eigene Haus“ mitunter auch anderen gesetzlichen Erben, anderen Kindern, zufallen.

Mehr Infos unter: www.notar.at

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21.01.2022

Immer mehr Testamentsspenden

Laut einer aktuellen Market-Umfrage haben nur 27 Prozent der Steirer ihren Nachlass testamentarisch geregelt. Es steigt aber die Nachfrage beim gemeinnützigen Testament.

Das Vermögen nach dem Tod spenden: Jeder sechste Steirer über 40 Jahre kann sich das vorstellen. Die Bereitschaft hat sich damit seit 2018 verdoppelt, heißt es seitens der Initiative „Vergissmeinnicht“ bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Caritas. Die Initiative entstand 2012. In Österreich fielen von 2012 bis 2015 über 12 Millionen Euro an den Staat, weil die Verstorbenen keine gesetzlichen Erben und Erbinnen mehr hatten und auch kein Testament vorhanden war.

In der Steiermark ist für 45 Prozent der Hauptgrund für ein gemeinnütziges Testament übrigens, keine Familie zu haben. Österreichweit nennen das nur 15 Prozent als Motiv. Nur ein Fünftel der befragten Steirer gibt den Wunsch an, nach dem Ableben noch etwas Gutes zu tun, österreichweit ist das für jeden Zweiten der wichtigste Grund.

„Die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen auch, dass immer mehr Menschen selbst bestimmen möchten, was mit ihrem Vermögen nach dem Tod passiert. Speziell jene, denen gemeinnützige Anliegen, wie Tier- und Umweltschutz oder Hilfe für bedürftige Menschen, schon zu Lebzeiten wichtig waren, möchten vermehrt, dass ein Teil ihrer Hinterlassenschaft jenen Zwecken zugutekommt“, sagt Markus Aichelburg laut http://steiermark.orf.at, Projektleiter von „Vergissmeinnicht“.

Stark ausgeprägt ist in der Steiermark auch der Wunsch, dass das Vermögen nach dem Tod nicht an den Staat gehen soll – für mehr als ein Drittel ist das der wichtigste Grund für eine Spende in Form eines Testaments.

 

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13.10.2021

Heimisches Vermögen wächst

Trotz CoV-Pandemie hat das private Finanzvermögen 2020 weltweit weiter zugelegt. Auch in Österreich ist es gewachsen.

Der aktuelle „Global Wealth Report“ des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group besagt, dass das österreichische Vermögen von Privatpersonen im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf eine Billion US-Dollar zugelegt hat. Die Zahl der Superreichen ist ebenfalls gewachsen. Insgesamt lag das Vermögen im Vorjahr bei etwa 250 Billionen US-Dollar (205 Billionen Euro) und damit 8,3 Prozent über dem Niveau von 2019.

Der weltweite Zuwachs hat durchaus überrascht. „Grund für diesen Rekordzuwachs sind nicht nur die äußerst robusten Aktienmärkte, sondern auch der sprunghafte Anstieg der Nettoersparnis um fast elf Prozent“, soStudienautorin Anna Zakrzewski. „Noch nie in den vergangenen 20 Jahren haben Private ihre Bargeld- und Sichteinlagenbestände so stark ausgebaut.“

Zwar gelten die Österreicherinnen und Österreicher oft als Anlagemuffel, dennoch liegen bereits 35 Prozent des privaten Vermögens in Aktien und Investmentfonds – sogar mehr als im westeuropäischen Durchschnitt. Überdurchschnittlich viel werde in Österreich aber auch gespart. Rund 40 Prozent des Privatvermögens liegen laut dem Bericht in Spareinlagen und Bargeld. Damit liegt Österreich um zehn Prozentpunkte über dem Schnitt in Westeuropa. Der größte Anteil des Gesamtvermögens entfällt 2020 auf Nordamerika. Es folgen Asien ohne Japan und Westeuropa. Österreich belegt Platz 22.

Die Gruppe der Superreichen wächst seit 2015 stetig. 60.000 Superreiche besitzen etwa 15 Prozent des weltweiten investierbaren Finanzvermögens. Die meisten leben in den USA, China und Deutschland.  Zwölf Prozent der Ultrareichen sind mittlerweile Frauen.

16.6.2021

Corona verstärkte die Einsamkeit

Die Epidemie ist eine europäische Herausforderung, sagt Dubravka Šuica, Vizepräsidentin der EU-Kommission im Exklusiv-Interview. Als erstes Medium in Österreich hat sich Abenteuer Alter dafür interessiert, dass die neue EU-Kommission auch ein Mitglied hat, das zuständig für Belange der älteren Generation ist. Die kroatische Politikerin Dubravka Šuica ist Vizepräsidentin der Brüsseler Kommission und gab uns exklusiv ein Telefon-Interview.

Frau Šuica, mit Ihnen hat die EU-Kommission erstmals ein prominentes Mitglied, das in gewisser Weise auch für Fragen des Alterns zuständig ist. Sind Sie im Gremium so etwas wie Kommissarin für Seniorenangelegenheiten?

Vizepräsidentin Dubravka Šuica: (lacht) Die EU-Kommission nimmt neben vielen anderen Bereichen ein Thema besonders ernst, und das ist der demografische Wandel, die Veränderung in der Zusammensetzung der Bevölkerung. Kommissionspräsidentin Ursula Von der Leyen hat mir zwei Bereiche anvertraut, nämlich Demokratie und Demografie. Beide Begriffe enthalten das griechische Wort demos, nämlich Volk oder Bevölkerung. Mein Aufgabenbereich beschränkt sich allerdings nicht auf das Altern der Gesellschaft in Europa, sondern umfasst alle Lebenszyklen. So bereiten wir eine europäische Strategie für Kinderrechte vor. Aber klar ist: Der demografische Wandel ist eine Herausforderung für die Gesellschaft und auch für die Demokratie. 

 

„Man kann sagen, dass die Vereinsamung der Älteren eine der traurigen Konsequenzen dieser Pandemie ist.“

 

Wenige Wochen, nachdem die EU-Kommission ihre Arbeit aufnahm, hat die Corona-Pandemie ganz Europa erfasst. Wir haben gesehen, dass ältere Mitbürger stärker und härter betroffen sind als jüngere. Welche Schlüsse zieht die EU-Kommission daraus?

Was wir in den vergangenen Monaten erlebt haben und wohl noch weiter erleben, ist eine noch nie dagewesene Herausforderung. Dafür haben einige Teile der Gesellschaft einen viel höheren Preis zahlen müssen als andere, weil sie gesundheitlich und sozial besonders exponiert sind. Die hohen Infektionsraten in einigen Mitgliedsländern gerade bei älteren MitbürgerInnen sind geradezu schockierend und müssen uns nachdenklich machen. Gleichzeitig haben die Maßnahmen, die ergriffen wurden, um das Infektionsrisiko zu verringern, viele Menschen in die Einsamkeit gedrängt und sie um ihre sozialen Kontakte gebracht. Man kann sagen, dass die Vereinsamung der Älteren eine der traurigen Konsequenzen dieser Pandemie ist.  

Der EU-Gipfel im Juli hat ein großes europäisches Paket geschnürt, um die Wirtschaft und die Arbeitsmärkte zu stabilisieren, die hart von der Pandemie getroffen wurden. Was ist der Beitrag der EU-Kommission zur konkreten Bekämpfung der Corona-Krise?

Die EU-Kommission hat schnell reagiert und gehandelt und hatte dabei von vornherein die BürgerInnen im Fokus, die besonders betroffen und verwundbar sind. Dazu zählen wir besonders auch diejenigen, die etwa in Heimen und Spitälern für andere sorgen. Wir haben gemeinsame Ausschreibungen zur Beschaffung von dringend benötigten Schutzausrüstungen initiiert, damit diese Güter alle erreichen. Außerdem wurden Empfehlungen verfasst, wie man die Ausbreitung von COVID-19 in Pflegeeinrichtungen besser überwachen kann und wie Personen in der Langzeitpflege und Menschen in prekären sozialen Verhältnissen unterstützt werden können. Für die unmittelbare Zukunft haben wir einen Vorschlag für ein neues EU-Finanzierungsprogramm, EU4Health, gemacht, mit dem wir künftig die Bevorratung von Gütern, die in Krisensituationen gebraucht werden, organisieren können, und mit dem wir die Mitgliedsländer besser in Krisen unterstützen können. Was meinen Aufgabenbereich betrifft, so haben mich insbesondere die Bilder von Menschen, die Einsamkeit zuhause oder in Heimen erlebten, berührt. Einsamkeit ist dabei kein neues Phänomen, aber wir müssen uns damit befassen, dass gerade älteren Mitbürgern in solchen Krisensituationen Vereinsamung und Isolation droht. 

 

„Die Bevölkerungszahl in der Union wird nach dem Jahr 2030 zu sinken beginnen.“

 

Viele SeniorInnen haben ganz allgemein das Gefühl, in der Öffentlichkeit habe nur die Jugend einen Wert. Die ältere Generation bekomme nicht den Stellenwert und die Anerkennung, die ihr zustehe. Manche meinen auch, es gebe zu wenig Dankbarkeit. Wie stehen Sie dazu?

Ich sehe hier keinen Mangel an Dankbarkeit, aber es geht generell um das Prinzip der Solidarität in der Gesellschaft. Ich darf daran erinnern, dass Solidarität eine der Säulen ist, auf denen die Europäische Union errichtet ist. Die Pandemie hat nicht nur uns verändert, sie verändert die ganze Welt! Wir gewinnen in dieser Pandemie fast täglich neue Erkenntnisse. Das heißt, wir müssen ständig neue Entscheidungen treffen und die Konsequenzen für Beschäftigung, Sozialstaat, Wirtschaft und Gesundheitswesen bedenken. Es passt sehr gut, dass die Kommission vor dem Sommer einen Zwischenbericht meines Ressorts über den demografischen Wandel angenommen hat. Denn die Corona-Krise hat uns vor Augen geführt, welche starke Konsequenzen die Alters-
problematik haben kann. Deshalb arbeiten wir mit Hochdruck an einem Grünbuch, einer umfassenden Diskussionsgrundlage zu diesem wichtigen Thema, das Richtschnur für die Politik der Kommission wird. Ich bin überzeugt, dass jeder Bürger in jeder Altersgruppe das Recht auf ein Leben in Würde hat und dass die Lebenserfahrung jeder Generation eine wertvolle Ressource für die ganze Gesellschaft ist und Anerkennung verdient. So kann jeder auf seine Weise einen Beitrag für die Allgemeinheit leisten. Und vergessen wir nicht: Die Jungen von heute sind morgen in der Mitte des Lebens und danach selber die ältere Generation.

Was sagen Sie älteren EuropäerInnen, die sich nicht genug anerkannt fühlen und meinen, die Gesellschaft kümmere sich nicht in dem Ausmaß um sie, das sie verdienen?

Die wechselseitige Anerkennung in der Gesellschaft ist keine Einbahnstraße in der Form, dass nur die Jüngeren das anerkennen sollen, was die Älteren geleistet haben. Natürlich gibt es das Gefühl in der älteren Generation, dass sie zu wenig Beachtung findet und da geht es wohl auch um Dankbarkeit. Wir müssen aber auch sehen, wie außerordentlich hoch das Niveau der sozialstaatlichen Einrichtungen in Europa im Vergleich zu anderen Weltteilen ist. Und wir müssen uns den Fakten stellen: Die Bevölkerungszahl in der Union wird nach dem Jahr 2030 zu sinken beginnen, und zwar besonders bei den Berufstätigen und eben denen, die für die Einkommen der Pensionsempfänger aufkommen. Es ist eine große Herausforderung für alle, sicherzustellen, dass die Älteren adäquate Bedingungen vorfinden und dass gleichzeitig die Aktiven Perspektiven für ihr eigenes Leben haben. Der Begriff Dankbarkeit ist für mich in diesem Zusammenhang etwas zu hoch gegriffen. Die Herausforderung für mich lautet, dass wir ein Gerüst der Fairness, Solidarität und sozialen Verantwortung über die Generationen hinweg errichten müssen.

Gibt es Orte in Österreich, die Sie besonders schätzen? Können Sie vielleicht Plätze nennen, wo sich ältere europäische Bürger besonders wohlfühlen können?

(lacht) Es gibt viele Menschen in Europa, die in Österreich geradezu verliebt sind. Ich hatte Gelegenheit zu sehen, welche exzellenten Vorzüge dieses Land für Menschen aller Generationen bietet, sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer Hinsicht.

 

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Johannes Kübeck
Beitrag veröffentlicht am 2. Oktober 2020
Bildquelle: Dubravka Šuica/beigestellt

Schenkung – Gehen Sie auf Nummer sicher!

Wenn schenken, dann richtig: Mit einer Schenkung kann die gesetzliche Erbfolge beeinflusst werden. Wer sichergehen möchte, dass der Lebensgefährte oder der nicht eingetragene Partner etwas bekommt, ist gut beraten, sich neben einem Testament auch über eine Schenkung Gedanken zu machen. Oftmals ist sie auch eine Option, um Erbstreitigkeiten schon im Vorfeld aus dem Weg zu räumen. Und nicht zuletzt spart es derzeit viel Geld. 2008 ist in Österreich die Erbschafts- und Schenkungssteuer gefallen, eine Wiedereinführung steht bei manchen Parteien jedoch seit Jahren auf der politischen Agenda. 

Gut beraten lassen
Grundsätzlich: Bei einer Schenkung handelt es sich um einen Vertrag, in dem festgelegt wird, dass der Geschenknehmer einen Vermögenswert vom Geschenkgeber erhalten soll. Schenkung bedeutet die unentgeltliche und vollkommene Übertragung eines Gegenstandes ohne Gegenleistung. Da es sich bei einem Schenkungsvertrag um einen zweiseitigen Vertrag handelt, ist es nicht möglich, eine Schenkung durchzuführen, ohne dass der Geschenkgeber oder der Geschenknehmer informiert und bei der Vertragserstellung eingebunden ist. Der Geschenknehmer muss daher auch bereit sein, den geschenkten Gegenstand anzunehmen. Für eine Schenkung ohne tatsächliche und unmittelbare Übergabe des geschenkten Gegenstandes braucht es einen Vertrag in Form eines Notariatsakts, das heißt, der Schenkungsvertrag muss mit Hilfe eines Notars erstellt werden.

„Man unterscheidet zwischen einer Schenkung zu Lebzeiten und einer Schenkung auf den Todesfall.“

Einer Schenkung zu Lebzeiten gehen in der Regel die Überlegungen voraus, das Vermögen im Familienbesitz zu erhalten sowie Erbstreitigkeiten über die Aufteilung des Vermögens des Geschenkgebers im Vorfeld auszuschalten. Möchte der Geschenkgeber den geschenkten Gegenstand in das Eigentum des Geschenknehmers übertragen, diesen aber trotzdem weiterhin nutzen, so können Rechte des Geschenkgebers vertraglich vorbehalten beziehungsweise Sicherheiten vereinbart werden. Handelt es sich bei dem geschenkten Gegenstand um eine Immobilie, so kann der Geschenkgeber zum Beispiel das lebenslange, alleinige und unentgeltliche Wohnungsgebrauchsrecht für sich oder seinen Lebensgefährten zurückbehalten. Der Geschenknehmer hat dann den Geschenkgeber und/oder dessen Lebensgefährten trotz Eigentum in der Immobilie weiterhin zu dulden. Eine Vermietung der Immobilie durch den Geschenkgeber ist hierbei aber ausgeschlossen.

Bei einem zurückbehaltenen Fruchtgenussrecht hat der Geschenkgeber im Falle der Schenkung einer Immobilie die Möglichkeit, diese nicht nur selbst zu bewohnen, sondern es steht ihm auch das Recht zu, die geschenkte Immobilie zu vermieten und die Mieteinnahmen zu behalten. Im Fall eines Ausgedingsrechts werden dem Geschenknehmer bestimmte Verpflichtungen auferlegt, wie zum Beispiel die Betreuung im Krankheitsfall des Geschenkgebers. Möchte der Geschenkgeber verhindern, dass der Geschenknehmer ohne dessen Zustimmung über den geschenkten Gegenstand verfügen kann, so kann im Schenkungsvertrag ein Belastungs- und Veräußerungsverbot vereinbart werden. 

„Bei einer Schenkung auf den Todesfall überträgt der Geschenkgeber den geschenkten Gegenstand erst zum Zeitpunkt seines Ablebens an den Geschenknehmer.“

Der Schenkungsvertrag wird zwar zu Lebzeiten unterschrieben, aber erst mit dem Tod des Geschenkgebers vollzogen. Der Vorteil zum Testament liegt hierbei auf der Hand. Während ein Testament als einseitige Willens-
erklärung jederzeit zu Lebzeiten vom Geschenkgeber alleine aufgehoben oder geändert werden kann, ist dies bei einem Schenkungsvertrag auf den Todesfall als zweiseitiger Vertrag nicht der Fall. Wie bei einem Testament bleibt der Geschenkgeber bei einer Schenkung auf Todesfall aber Eigentümer des geschenkten Gegenstandes. Der Geschenkgeber ist jedoch nach getätigter Schenkung auf den Todesfall nicht berechtigt, den geschenkten Gegenstand zu verkaufen oder zu belasten. Würde der Geschenkgeber dies tun, so würde er Vertragsbruch begehen und dem Geschenknehmer gegenüber schadenersatzpflichtig werden.

Ein Widerruf einer Schenkung ist in der Regel nicht möglich. Es gibt nur wenige gesetzlich geregelte Ausnahmen, wie ein Geschenkgeber den geschenkten Gegenstand vom Geschenknehmer wieder zurückverlangen kann. So kann der Geschenkgeber zum Beispiel die Schenkung widerrufen, wenn der Geschenknehmer sich gegen den Geschenkgeber eines groben Undankes schuldig macht. Darunter wird nach dem Gesetz eine Verletzung am Leibe, an Ehre, an Freiheit oder auch am Vermögen durch das Begehen einer strafbaren Handlung (oder Unterlassung) durch den Geschenknehmer verstanden. Da auch die Gefühlssphäre des Geschenkgebers geschützt ist, kann auch grober Undank im Falle der Verletzung eines nahen Angehörigen vorliegen. Macht der Geschenknehmer sich des groben Undanks schuldig, so kann dies vom Geschenkgeber aber nicht ewig geltend gemacht werden. Der Geschenkgeber muss innerhalb einer Frist von drei Jahren ab der maßgeblichen Verhaltensänderung des Geschenknehmers den Anspruch auf Widerruf geltend machen.

Unbedingt rechtlichen Rat sollte man einholen, wenn der Geschenkgeber pflichtteilsberechtigte Personen (Ehegatten, eingetragenen Partner, Kinder und Kindeskinder) hat. Zwar befindet sich der geschenkte Gegenstand zum Zeitpunkt des Ablebens des Geschenkgebers nicht mehr in dessen Eigentum, jedoch kann dieser im Verlassenschaftsverfahren noch eine Rolle spielen. So können Pflichtteilsberechtigte bei einer Schenkung an eine nicht pflichtteilsberechtigte Person verlangen, dass die Schenkung der Verlassenschaft rechnerisch hinzuzufügen ist, so als wäre die Schenkung nie erfolgt. Möglich ist dies allerdings nur, wenn die Schenkung innerhalb von zwei Jahren vor dem Ableben des Erblassers stattgefunden hat. Ausgehend von dieser „erhöhten Verlassenschaft“ ist der Anspruch der Pflichtteilsberechtigten dann neu zu berechnen.

Im Falle einer Schenkung an eine pflichtteilsberechtigte Person haben andere pflichtteilsberechtigte Erben das Recht, die Anrechnung der Schenkung auf den Pflicht- oder Erbteil des Geschenknehmers zu fordern. Eine solche Anrechnung kann jedoch auch unter bestimmten Voraussetzungen ausgeschlossen werden. Schon bei Vertragserstellung sollte man sich daher unbedingt Gedanken über spätere Ausgleichspflichten machen und somit zukünftige Erbstreitigkeiten vermeiden.

Schenkungen auf Lebzeiten müssen beim Finanzamt angezeigt werden, wenn es sich zum Beispiel um Bargeld, Kapitalforderungen – etwa Sparbücher, Anleihen, Darlehensforderungen – oder andere bewegliche Vermögenswerte handelt. Diese Meldepflicht kann unterbleiben, wenn der Wert des geschenkten Gegenstandes an nahe Angehörige nicht € 50.000,00 übersteigt. Schenkungen an andere Personen sind bis € 15.000,00 von dieser Anzeigepflicht befreit. Steuern fallen für diese Schenkungen nach derzeitiger Gesetzeslage keine an. Keine Anzeigepflicht nach dem Schenkungsmeldegesetz besteht für Immobilien. Jedoch können hier Steuern nach dem Grunderwerbsteuergesetz anfallen, wobei bei nahen Angehörigen ein vergünstigter Steuersatz zur Anwendung kommen kann.

 

Zwei häufige Irrtümer beim Erben & Schenken:

„Kredit und Schulden werden nicht vererbt“

Dr. Kinzer: Das ist eine falsche Annahme. Wenn ich das Erbe annehme, trete ich in sämtliche Rechte, aber auch Verpflichtungen der verstorbenen Person ein. Hier ist aber höchste Vorsicht geboten. Sollte ich über die Vermögenssituation des Verstorbenen nicht ausreichend Kenntnis haben, so ist es ratsam, das Erbe nur bedingt anzunehmen. Hierdurch wird im Falle einer Überschuldung der Verlassenschaft nur das Vermögen der verstorbenen Person zur Abdeckung dieser Verbindlichkeiten herangezogen. Eine persönliche Haftung des Erben wird nur im Falle der unbedingten Erbannahme schlagend.

„Mit einer Schenkung kann man enterben“

Dr. Pisk: Durch eine Schenkung kann ich meine Nachkommen nicht vom Erbe ausschließen. Pflichtteilsberechtigte Personen, wie der Ehegatte und die Nachkommen, haben das Recht, zumindest den Pflichtteil zu verlangen. Ein Erbe kann nur dann von seinem Erbrecht ausgeschlossen werden, wenn er einen Enterbungsgrund gesetzt hat.

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Beitrag veröffentlicht am 19. Oktober 2020
Bildquelle: Shutterstock

Kleine Pensionen steigen

2021 werden gerade niedrigere Bezüge stärker angehoben. Seniorenvertreter der politischen Parteien sind großteils zufrieden.

Bezieher kleiner Pensionen bekommen 2021 mehr als die doppelte Inflationsabgeltung: Bezüge bis 1.000 Euro werden um 3,5 Prozent angehoben. Bis 1.400 Euro fällt die Steigerung linear ab. Genau die gesetzlichen 1,5 Prozent Plus gibt es bei einer Pensionshöhe von 2.333 Euro – mit dem Fixbetrag von 35 Euro, der auch für alle höheren Bezüge gilt. Die Kosten für die Anpassungen werden sich 2021 auf rund eine Milliarde Euro belaufen.

Die Seniorenvertreter der Regierungsparteien sind zufrieden mit der Pensionsanpassung 2021, die am Mittwoch im Ministerrat beschlossen wird. ÖVP-Seniorenbund-Vorsitzende Ingrid Korosec zeigte sich erfreut über die „besondere Wertschätzung der älteren Generation“. Sie sieht in der Pensionserhöhung ebenfalls ein Konjunkturpaket, liege doch fast die Hälfte der Kaufkraft in den Händen der Senioren. Vor allem bei kleinen Pensionen fließe jede Erhöhung beinahe zur Gänze in den Konsum.

Auch die Opposition kommentierte großteils positiv. SPÖ-Pensionistenverbands-Präsident Peter Kostelka sieht die Kaufkraft der Pensionisten ebenfalls gesichert. Auch die Caritas lobte die Erhöhung der Ausgleichszulage auf 1.000 Euro. FPÖ, NEOS und SPÖ meldeten sich aber dennoch auch mit kritischen Anmerkungen zu Wort, etwa, dass gerade für Frauen noch deutliche Verbesserungen geschaffen werden müssen, das Vorlegen eines Pflegekonzepts noch ausstehe und die soziale Treffsicherheit nicht immer gegeben sei.

 

Elke Jauk-Offner
Beitrag veröffentlicht am 28. September 2020
Bildquelle: Shutterstock