Bankgeschäfte im Alter

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, lautet der Titel des bekannten Songs von Udo Jürgens. Und er hat damit wohl Recht, denn mit dem Antritt der Pension eröffnen sich viele neue Möglichkeiten. Ob Reisen, Wohnen, Mobilität, Kultur oder Familie – für die Wünsche und Ziele braucht es natürlich den passenden finanziellen Rahmen und auch eine Bank, die in dieser Lebensphase begleitet.


Mmag. Martin Schaller

Die vielfältigen Pläne in der Pension bedeuten in finanzieller Hinsicht, dass Bankprodukte wie Girokonto, Kreditkarten, Wohnkredite weiterhin hoch im Kurs stehen. Bei Raiffeisen setzt man dabei nicht auf eigene „Seniorenprodukte“, sondern auf die Fortführung von vertrauten Services. „Wir begleiten unsere Kunden vom Kindesalter über die Ausbildung und berufliche Karriere bis ins hohe Alter“, erklärt Raiffeisen-Generaldirektor Martin Schaller und ergänzt: „Dadurch entsteht Vertrauen, das für Geldgeschäfte unverzichtbar ist.“

Um die besten Lösungen für die Anliegen der Kunden in allen Lebenslagen zu gewährleisten, wird bei Raiffeisen eine breite Servicepalette geboten: vom Digital-Coach bis zum Finanz- und Veranlagungsspezialisten. Speziell der Digital-Coach erfreut sich im Kundensegment 60+ großer Beliebtheit und ermöglicht Lösungen, die individuell auf die Kunden zugeschnitten sind. Diese können etwa mit ihren digitalen Geräten in die Bank kommen. Berater richten für Sie gerne einen Mein ELBA-Zugang ein und bringen Ihnen die Funktionen der Online-Banking-Plattform näher. Auch am Service-Point stehen speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Kundenanliegen zur Verfügung. Sollte jedoch weiterhin der Wunsch bestehen, alles beim Alten zu lassen, so wird dieser respektiert.

Gesetzliche Vorgaben und persönliche Beratung

Da und dort hört man, Bankgeschäfte im Alter seien anders zu behandeln als in der Zeit des
Erwerbslebens. Ist da etwas dran? Fakt ist, die finanzielle Situation ist grundsätzlich nicht vom Alter abhängig. Die monatliche Pension ist zwar in der Regel geringer als das Letzteinkommen, aber sie stellt ein sicheres Einkommen dar. Ausschlaggebend für jegliche Geldgeschäfte ist vielmehr die individuelle Lebenssituation mit den Themen Lebenshaltungskosten, Entwicklung von Vermögenswerten, geplanten Investitionen etc.

Bankgeschäfte im Alter sind etwas anders zu behandeln, weil es bestimmte gesetzliche Vorgaben gibt, an die sich jede Bank halten muss. Daher werden Bankprodukte altersgerecht und mit Berücksichtigung der jeweiligen Lebenslage angeboten. Das betrifft insbesondere die Geldveranlagung oder auch jegliche Kredite und deren Besicherung. Die gesetzlichen Bestimmungen greifen jedoch nicht gleich bei Pensionsantritt, sondern erst einige Jahre später.

Was ändert sich beim Pensionsantritt?

Hier kann gleich „Entwarnung“ gegeben werden. Denn durch den Pensionsantritt an sich ändert sich bei Bankprodukten grundsätzlich gar nichts. Was heißt das für die einzelnen Produkte? Das Girokonto bleibt – abgesehen von der Bezeichnung „Pensionskonto“ – komplett gleich. Sowohl die Kontonummer als auch der Kontorahmen für kurzfristige Überziehungen sowie die Konditionen bleiben unangetastet. Das trifft auch auf die Bankomatkarte zu, die im In- und Ausland Bargeldbehebungen und Zahlungen in Geschäften ermöglicht.

Und wie steht es mit Kreditkarten? Selbstverständlich laufen bestehende Kreditkarten mit dem vereinbarten Kreditrahmen weiter. Wenn eine neue Kreditkarte angefordert wird, gelten die gleichen Voraussetzungen wie für alle Bankkunden. Kreditkarten sind gerade bei Reisefreudigen sehr beliebt, da sie neben der Zahlungsfunktion auch attraktive Versicherungsleistungen – zum Beispiel für ein Reisestorno – beinhalten. Das äußert sich auch in der täglichen Bankpraxis, weiß Schaller: „Früher sind viele Senioren zu Monatsbeginn in die Bankstelle gekommen, um ihre Pension zu beheben. Das hat sich gravierend geändert. Die modernen Zahlungsformen mit Karte und mittlerweile auch Mobiltelefon ermöglichen, dass man immer und überall über das Geld am Konto verfügen kann.“

Sparen und Geld veranlagen: Auf Nummer sicher

Unabhängig vom Alter gilt, Ersparnisse nach dem Prinzip der „Veranlagungspyramide“ anzulegen. Die Basis bilden sichere Formen wie das Sparbuch, Bausparen oder Lebensversicherungen. Darauf aufbauend kommen nach der Reihe festverzinsliche Anleihen und –fonds, gemischte Fonds mit steigendem Aktienanteil und zuletzt Aktien. Je weiter „oben“ ein Produkt in der Pyramide ist, desto mehr Ertrags-Chancen hat es, gleichzeitig aber auch mehr Wertschwankungen – sprich Risiko. Jeder Mensch hat sein bevorzugtes Anlager- und Risikoverhalten, und danach richtet sich die Bank laut Gesetz auch. Hinzukommt, dass mit steigendem Alter das Gesamt-Risiko der Veranlagungen abnehmen muss. Der Grund ist klar: Wertpapiere mit höheren Wertschwankungen haben auch eine empfohlene längere Behaltedauer – denn man will ja in aller Ruhe erst dann ein Wertpapier verkaufen, wenn es gut im Kurs liegt. In der Praxis bedeutet das, dass zum Beispiel der Aktienanteil kontinuierlich gesenkt wird und stattdessen festverzinsliche Anlageformen stärker gewichtet werden. „In unseren Beratungen sehen wir, dass für ältere Kunden ohnehin die Sicherheit und jederzeitige Verfügbarkeit des Ersparten an oberster Stelle stehen“, berichtet Schaller.

Kredite auch im Alter?

Ein neues Auto, notwendige Umbauten in der Wohnung oder gar ein Umzug – es gibt viele Gründe, warum auch im Alter Kreditbedarf entstehen kann. Auch hier sind die individuelle Lebenssituation und der finanzielle Rahmen hauptsächlich ausschlaggebend und nicht primär das Alter. Die Vergabe von Krediten orientiert sich nämlich an bestimmten Vergaberegeln und die sind bei allen gleich.

Basis ist eine umfassende Bankberatung, die im Grunde für einen 35-jährigen Häuslbauer gleich strukturiert ist wie für Senioren. Im Gespräch mit dem Bankberater geht es um den Verwendungszweck, die gewünschte Kredithöhe, die Laufzeit und folglich die laufende Rate, mögliche Besicherungen und – natürlich – um die finanzielle Ausgangssituation und Entwicklung. Laut Gesetz darf die Rate nur so hoch sein, dass sie vom Kunden „nachhaltig“ zurückbezahlt werden kann. Ganz genaue Zahlen gibt das Gesetz freilich nicht an, aber in der Bankpraxis gibt es allgemeine Faustformeln: Die erste betrifft die Gesamt-Kreditbelastung. Diese sollte nicht höher sein als das Vierfache des Jahres-Netto-Einkommens.

Die zweite Faustformel betrifft die monatliche Rate. Diese sollte nicht mehr als 30 Prozent der monatlichen Pension betragen. Dazu ein konkretes Beispiel: Bei einer monatlichen Pension von 1.200 Euro (entspricht 16.800 im Jahr) wäre das eine maximale Kredithöhe von rund 65.000 Euro sowie eine maximale monatliche Rate von 360 Euro. Das sind – wie gesagt – Faustformeln, die individuell etwas abweichen könnten. Die Rückzahlung dieses Kredits würde im genannten Beispiel rund 15 Jahre dauern und daraus ist ersichtlich, dass das Alter dann doch eine gewisse Rolle spielt. Denn wohl jeder Kreditnehmer möchte einen Kredit zu Lebenszeit abbezahlen.

Worüber man nicht immer spricht …

Häufig werden an dieser Stelle mögliche Sicherheiten – etwa ein Haus – genannt, welche die Bank im Falle eines Hypothekarkredites zugreifen darf. Aber auch hier gibt das Gesetz die Richtung vor. Ein Kredit ist nicht statthaft, wenn beim Abschluss augenscheinlich ist, dass dieser nicht „normal“ zurückbezahlt werden kann. Eine Sicherheit ist für diesen Fall da, dass Unvorhergesehenes eintritt. Aber was ist mit sogenannten Kreditrestschuldversicherungen, also Versicherungen, die eine offene Restschuld im Todesfall übernehmen? Raiffeisen bietet spezielle Ablebensversicherungen.

 

Beitrag veröffentlicht am 13.05.2022

Alles über das Sterbeverfügungsgesetz

Seit dem 1. Jänner 2022 ist das neue Sterbeverfügungsgesetz in Kraft. Damit ist der assistierte Suizid erlaubt, wenn es sich um schwer oder unheilbar Kranke handelt, die volljährig und entscheidungsfähig sind. Die wichtigen Fragen und Antworten zu diesem Thema, aufbereitet von der Notariatskammer für Steiermark.

01. Welche Personen können grundsätzlich eine Sterbeverfügung errichten?

Die sterbewillige Person muss ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich haben oder österreichische Staatsangehörige sein. Zudem muss sie volljährig und entscheidungsfähig sein. Die Entscheidungsfähigkeit muss zweifelsfrei gegeben sein.

02. Welcher Krankheitszustand muss für die Errichtung einer Sterbeverfügung gegeben sein?

Eine Sterbeverfügung kann nur errichtet werden, wenn die sterbewillige Person an einer unheilbaren, zum Tod führenden Krankheit oder an einer schweren, dauerhaften Krankheit mit anhaltenden Symptomen leidet, deren Folgen die gesamte Lebensführung negativ beeinflusst. Darüber hinaus muss die Krankheit einen Leidenszustand mit sich bringen, der sich nicht abwenden lässt. Ob ein solcher Leidenszustand vorliegt, ist von einer der aufklärenden ärztlichen Personen zu bestätigen.

03. Was muss bei einem Vorliegen dieses Leidenszustandes der Errichtung einer Sterbeverfügung vorangehen?

Der Errichtung einer Sterbeverfügung muss eine Aufklärung durch zwei ärztliche Personen vorangehen. Eine von den beiden ärztlichen Personen muss eine palliativmedizinische Qualifikation (Betreuung schwerkranker Patient:innen mit stark begrenzter Lebenserwartung) aufweisen. Das Gesetz sieht einen Mindestinhalt der ärztlichen Aufklärung vor. Sprich: Aufklärung über mögliche Behandlungsalternativen, Hinweis auf konkrete Angebote für ein psychotherapeutisches Gespräch sowie für suizidpräventive Beratung. Und: Die ärztlichen Personen müssen unabhängig voneinander bestätigen, dass die sterbewillige Person entscheidungsfähig ist und einen freien und selbstbestimmten Entschluss geäußert hat.

04. Wann kann dann eine Sterbeverfügung errichtet werden?

Frühestens zwölf Wochen nach der ersten ärztlichen Aufklärung kann eine Sterbeverfügung wirksam errichtet werden. Ausnahmsweise ist die Errichtung bereits zwei Wochen nach der ärztlichen Aufklärung zulässig, wenn eine ärztliche Person bestätigt hat, dass die sterbewillige Person an einer unheilbaren, zum Tod führenden Erkrankung leidet und in die terminale Phase eingetreten ist. Sprich: Die Krankheit hat ein Stadium erreicht, die nach medizinischem Ermessen voraussichtlich innerhalb von sechs Monaten zum Tod führen wird.

05. Bei wem und in welcher Form kann eine Sterbeverfügung errichtet werden?

Die Errichtung einer Sterbeverfügung kann durch einen Notar bzw. eine Notarin oder einen Patientenanwalt bzw. eine Patientenanwältin erfolgen. Die Sterbeverfügung ist höchstpersönlich und schriftlich zu errichten. Das österreichische Notariat steht jedenfalls für konkrete Anfragen zur Errichtung von Sterbeverfügungen zur  Verfügung. Gerade zu Beginn wird es für die Beteiligten am zielführendsten sein, wenn sie sich direkt an die Notariatskammer für Steiermark wenden, die entsprechend Notar:innen benennen kann.

06. Was ist dabei besonders zu beachten?

Es ist der Entschluss der sterbewilligen Person festzuhalten, ihr Leben selbst zu beenden. Dieser Entschluss muss frei und selbstbestimmt sein. Also insbesondere frei von Irrtum, List, Täuschung, physischem oder psychischem Zwang und Beeinflussung durch Dritte. Es besteht auch die Möglichkeit, eine oder mehrere hilfeleistende Personen in der Sterbeverfügung anzugeben, welche die sterbewillige Person bei der Durchführung der lebensbeendenden Maßnahmen unterstützen. Die hilfeleistenden Personen müssen volljährig und entscheidungsfähig sein.

07. Welche Details gilt es bei der Errichtung einer Sterbeverfügung seitens der Notar:innen oder Patientenanwält:innen zu beachten?

Sie müssen vor der Errichtung der Sterbeverfügung der sterbewilligen Person nochmals die Dokumentation über die ärztliche Aufklärung wiedergeben. Zudem ist die sterbewillige Person über rechtliche Aspekte, wie die mögliche Errichtung einer Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht, die Errichtung einer letztwilligen Verfügung, die strafrechtlichen Grenzen der Hilfeleistung und weitere Rechtsfolgen zu belehren.

08. Was geschieht mit der Sterbeverfügung?

Das Original der Sterbeverfügung ist der sterbewilligen Person auszuhändigen und eine Abschrift der Sterbeverfügung ist von Notar:innen oder Patientenanwält:innen aufzubewahren. Unmittelbar nach Errichtung der Sterbeverfügung haben Notar:innen oder Patientenanwält:innen bestimmte Informationen an das Sterbeverfügungsregister zu melden. Wichtig: Eine Sterbeverfügung verliert nach einem Jahr ihre Wirksamkeit.

Notare in Ihrer Nähe

Welche Notarin bzw. welcher Notar in Ihrer Nähe Sterbeverfügungen errichtet, erfahren Sie auf Anfrage bei der Notariatskammer für Steiermark.
Wielandgasse 36, 8010 Graz
Tel.: 0316/82 52 560

Beitrag veröffentlicht am 06.04.2022
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Auf Nummer sicher!

Worauf man achten sollte, bevor man ein Grundstück kauft und warum der Nachbar plötzlich im Garten stehen könnte.

Mit einem Traum fängt alles an. So malt man sich sein eigenes Haus mit Garten in den schönsten Farben aus und richtet es in Gedanken schon ein, bevor der Traum überhaupt Wirklichkeit geworden ist. Bevor man sich aber entscheidet, Nägel mit Köpfen zu machen und eine Immobilie zu kaufen, gilt es, über ein paar knifflige Details Bescheid zu wissen. Wie man Fallen und Stolpersteine auf dem Weg zum Traum vermeidet?
Nachgefragt bei Mag. Stephan Plankensteiner, MBL von der Notariatskammer für Steiermark:

Was muss ich vor dem Kauf einer Immobilie wissen?

Für viele Menschen ist der Kauf einer Immobilie die größte Investition ihres Lebens. Beim Autokauf verlässt man sich auf Testberichte, Freunde und Probefahrten. Beim Immobilienkauf lässt man sich oft nur zu gerne blenden und will mitunter gar nicht sehen, wie es um das vermeintliche Traumgrundstück wirklich bestellt ist.

Was muss vorab geklärt werden, bevor ein Grundstück gekauft wird?

Man sollte zunächst jedenfalls klären lassen, ob im Grundbuch sogenannte Belastungen eingetragen sind. Sollte die Liegenschaft nämlich mit Pfandrechten, Grunddienstbarkeiten, Ausgedings-, Wohnungs(gebrauchs)rechten etc. belastet sein, ist es jedenfalls ratsam, die Immobilie einem genauen Experten-Check zu unterziehen. Unter anderem betrifft das etwa Zufahrts- und Zugangsrechte. Es kann festgeschrieben worden sein, dass man verpflichtet ist, eine Sackstraße instand zu halten, obwohl man nur einen kleinen Teil befährt. Es kann das Wegerecht für die Befahrung des Grundstücks durch einen Nachbarn oder die Errichtung eines Kanals betreffen. Wenn sich später herausstellt, dass eine Wasserleitung nur durch das Nachbargrundstück geleitet werden kann und man das Recht vorab nicht eingetragen hat, muss man oft mühsame Umwege in Kauf nehmen. So entstehen dann allenfalls auch Kosten, mit denen man nicht gerechnet hat und die man tragen muss.

Können Sie dazu Beispiele aus der Praxis geben?

Wir haben schon Fälle erlebt, bei denen ein „äußerst günstiges“ Grundstück erworben wurde, nur gab es keine gesicherte Zufahrt und somit auch keine Baubewilligung. In einem anderen Fall wurde eine Anzahlung bar auf die Hand geleistet, doch der Liegenschaftsverkäufer war mit einem Belastungs- und Veräußerungsverbot belegt und der Kauf konnte nicht durchgeführt werden.

Können Kinder auf der Liegenschaft der Eltern bauen?

Wenn die Eltern den Kindern angeboten haben, auf dem Grundstück zu bauen, muss man bedenken, dass zum Beispiel eine ausgebaute Wohnung im Elternhaus oder ein Zubau rechtlich grundsätzlich als Zubehör zu einem Grundstück oder einer Liegenschaft gilt und damit automatisch in das Eigentum der Eltern übergeht.

Was passiert, wenn den Eltern etwas zustoßen sollte?

Wenn das Gebäude auf dem elterlichen Grundstück in den Nachlass fällt, ohne dass eine entsprechende testamentarische Vorkehrung getroffen wurde, könnte das „eigene Haus“ mitunter auch anderen gesetzlichen Erben, anderen Kindern, zufallen.

Mehr Infos unter: www.notar.at

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21.01.2022

Immer mehr Testamentsspenden

Laut einer aktuellen Market-Umfrage haben nur 27 Prozent der Steirer ihren Nachlass testamentarisch geregelt. Es steigt aber die Nachfrage beim gemeinnützigen Testament.

Das Vermögen nach dem Tod spenden: Jeder sechste Steirer über 40 Jahre kann sich das vorstellen. Die Bereitschaft hat sich damit seit 2018 verdoppelt, heißt es seitens der Initiative „Vergissmeinnicht“ bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Caritas. Die Initiative entstand 2012. In Österreich fielen von 2012 bis 2015 über 12 Millionen Euro an den Staat, weil die Verstorbenen keine gesetzlichen Erben und Erbinnen mehr hatten und auch kein Testament vorhanden war.

In der Steiermark ist für 45 Prozent der Hauptgrund für ein gemeinnütziges Testament übrigens, keine Familie zu haben. Österreichweit nennen das nur 15 Prozent als Motiv. Nur ein Fünftel der befragten Steirer gibt den Wunsch an, nach dem Ableben noch etwas Gutes zu tun, österreichweit ist das für jeden Zweiten der wichtigste Grund.

„Die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen auch, dass immer mehr Menschen selbst bestimmen möchten, was mit ihrem Vermögen nach dem Tod passiert. Speziell jene, denen gemeinnützige Anliegen, wie Tier- und Umweltschutz oder Hilfe für bedürftige Menschen, schon zu Lebzeiten wichtig waren, möchten vermehrt, dass ein Teil ihrer Hinterlassenschaft jenen Zwecken zugutekommt“, sagt Markus Aichelburg laut http://steiermark.orf.at, Projektleiter von „Vergissmeinnicht“.

Stark ausgeprägt ist in der Steiermark auch der Wunsch, dass das Vermögen nach dem Tod nicht an den Staat gehen soll – für mehr als ein Drittel ist das der wichtigste Grund für eine Spende in Form eines Testaments.

 

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13.10.2021

Heimisches Vermögen wächst

Trotz CoV-Pandemie hat das private Finanzvermögen 2020 weltweit weiter zugelegt. Auch in Österreich ist es gewachsen.

Der aktuelle „Global Wealth Report“ des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group besagt, dass das österreichische Vermögen von Privatpersonen im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf eine Billion US-Dollar zugelegt hat. Die Zahl der Superreichen ist ebenfalls gewachsen. Insgesamt lag das Vermögen im Vorjahr bei etwa 250 Billionen US-Dollar (205 Billionen Euro) und damit 8,3 Prozent über dem Niveau von 2019.

Der weltweite Zuwachs hat durchaus überrascht. „Grund für diesen Rekordzuwachs sind nicht nur die äußerst robusten Aktienmärkte, sondern auch der sprunghafte Anstieg der Nettoersparnis um fast elf Prozent“, soStudienautorin Anna Zakrzewski. „Noch nie in den vergangenen 20 Jahren haben Private ihre Bargeld- und Sichteinlagenbestände so stark ausgebaut.“

Zwar gelten die Österreicherinnen und Österreicher oft als Anlagemuffel, dennoch liegen bereits 35 Prozent des privaten Vermögens in Aktien und Investmentfonds – sogar mehr als im westeuropäischen Durchschnitt. Überdurchschnittlich viel werde in Österreich aber auch gespart. Rund 40 Prozent des Privatvermögens liegen laut dem Bericht in Spareinlagen und Bargeld. Damit liegt Österreich um zehn Prozentpunkte über dem Schnitt in Westeuropa. Der größte Anteil des Gesamtvermögens entfällt 2020 auf Nordamerika. Es folgen Asien ohne Japan und Westeuropa. Österreich belegt Platz 22.

Die Gruppe der Superreichen wächst seit 2015 stetig. 60.000 Superreiche besitzen etwa 15 Prozent des weltweiten investierbaren Finanzvermögens. Die meisten leben in den USA, China und Deutschland.  Zwölf Prozent der Ultrareichen sind mittlerweile Frauen.

16.6.2021

Corona verstärkte die Einsamkeit

Die Epidemie ist eine europäische Herausforderung, sagt Dubravka Šuica, Vizepräsidentin der EU-Kommission im Exklusiv-Interview. Als erstes Medium in Österreich hat sich Abenteuer Alter dafür interessiert, dass die neue EU-Kommission auch ein Mitglied hat, das zuständig für Belange der älteren Generation ist. Die kroatische Politikerin Dubravka Šuica ist Vizepräsidentin der Brüsseler Kommission und gab uns exklusiv ein Telefon-Interview.

Frau Šuica, mit Ihnen hat die EU-Kommission erstmals ein prominentes Mitglied, das in gewisser Weise auch für Fragen des Alterns zuständig ist. Sind Sie im Gremium so etwas wie Kommissarin für Seniorenangelegenheiten?

Vizepräsidentin Dubravka Šuica: (lacht) Die EU-Kommission nimmt neben vielen anderen Bereichen ein Thema besonders ernst, und das ist der demografische Wandel, die Veränderung in der Zusammensetzung der Bevölkerung. Kommissionspräsidentin Ursula Von der Leyen hat mir zwei Bereiche anvertraut, nämlich Demokratie und Demografie. Beide Begriffe enthalten das griechische Wort demos, nämlich Volk oder Bevölkerung. Mein Aufgabenbereich beschränkt sich allerdings nicht auf das Altern der Gesellschaft in Europa, sondern umfasst alle Lebenszyklen. So bereiten wir eine europäische Strategie für Kinderrechte vor. Aber klar ist: Der demografische Wandel ist eine Herausforderung für die Gesellschaft und auch für die Demokratie. 

 

„Man kann sagen, dass die Vereinsamung der Älteren eine der traurigen Konsequenzen dieser Pandemie ist.“

 

Wenige Wochen, nachdem die EU-Kommission ihre Arbeit aufnahm, hat die Corona-Pandemie ganz Europa erfasst. Wir haben gesehen, dass ältere Mitbürger stärker und härter betroffen sind als jüngere. Welche Schlüsse zieht die EU-Kommission daraus?

Was wir in den vergangenen Monaten erlebt haben und wohl noch weiter erleben, ist eine noch nie dagewesene Herausforderung. Dafür haben einige Teile der Gesellschaft einen viel höheren Preis zahlen müssen als andere, weil sie gesundheitlich und sozial besonders exponiert sind. Die hohen Infektionsraten in einigen Mitgliedsländern gerade bei älteren MitbürgerInnen sind geradezu schockierend und müssen uns nachdenklich machen. Gleichzeitig haben die Maßnahmen, die ergriffen wurden, um das Infektionsrisiko zu verringern, viele Menschen in die Einsamkeit gedrängt und sie um ihre sozialen Kontakte gebracht. Man kann sagen, dass die Vereinsamung der Älteren eine der traurigen Konsequenzen dieser Pandemie ist.  

Der EU-Gipfel im Juli hat ein großes europäisches Paket geschnürt, um die Wirtschaft und die Arbeitsmärkte zu stabilisieren, die hart von der Pandemie getroffen wurden. Was ist der Beitrag der EU-Kommission zur konkreten Bekämpfung der Corona-Krise?

Die EU-Kommission hat schnell reagiert und gehandelt und hatte dabei von vornherein die BürgerInnen im Fokus, die besonders betroffen und verwundbar sind. Dazu zählen wir besonders auch diejenigen, die etwa in Heimen und Spitälern für andere sorgen. Wir haben gemeinsame Ausschreibungen zur Beschaffung von dringend benötigten Schutzausrüstungen initiiert, damit diese Güter alle erreichen. Außerdem wurden Empfehlungen verfasst, wie man die Ausbreitung von COVID-19 in Pflegeeinrichtungen besser überwachen kann und wie Personen in der Langzeitpflege und Menschen in prekären sozialen Verhältnissen unterstützt werden können. Für die unmittelbare Zukunft haben wir einen Vorschlag für ein neues EU-Finanzierungsprogramm, EU4Health, gemacht, mit dem wir künftig die Bevorratung von Gütern, die in Krisensituationen gebraucht werden, organisieren können, und mit dem wir die Mitgliedsländer besser in Krisen unterstützen können. Was meinen Aufgabenbereich betrifft, so haben mich insbesondere die Bilder von Menschen, die Einsamkeit zuhause oder in Heimen erlebten, berührt. Einsamkeit ist dabei kein neues Phänomen, aber wir müssen uns damit befassen, dass gerade älteren Mitbürgern in solchen Krisensituationen Vereinsamung und Isolation droht. 

 

„Die Bevölkerungszahl in der Union wird nach dem Jahr 2030 zu sinken beginnen.“

 

Viele SeniorInnen haben ganz allgemein das Gefühl, in der Öffentlichkeit habe nur die Jugend einen Wert. Die ältere Generation bekomme nicht den Stellenwert und die Anerkennung, die ihr zustehe. Manche meinen auch, es gebe zu wenig Dankbarkeit. Wie stehen Sie dazu?

Ich sehe hier keinen Mangel an Dankbarkeit, aber es geht generell um das Prinzip der Solidarität in der Gesellschaft. Ich darf daran erinnern, dass Solidarität eine der Säulen ist, auf denen die Europäische Union errichtet ist. Die Pandemie hat nicht nur uns verändert, sie verändert die ganze Welt! Wir gewinnen in dieser Pandemie fast täglich neue Erkenntnisse. Das heißt, wir müssen ständig neue Entscheidungen treffen und die Konsequenzen für Beschäftigung, Sozialstaat, Wirtschaft und Gesundheitswesen bedenken. Es passt sehr gut, dass die Kommission vor dem Sommer einen Zwischenbericht meines Ressorts über den demografischen Wandel angenommen hat. Denn die Corona-Krise hat uns vor Augen geführt, welche starke Konsequenzen die Alters-
problematik haben kann. Deshalb arbeiten wir mit Hochdruck an einem Grünbuch, einer umfassenden Diskussionsgrundlage zu diesem wichtigen Thema, das Richtschnur für die Politik der Kommission wird. Ich bin überzeugt, dass jeder Bürger in jeder Altersgruppe das Recht auf ein Leben in Würde hat und dass die Lebenserfahrung jeder Generation eine wertvolle Ressource für die ganze Gesellschaft ist und Anerkennung verdient. So kann jeder auf seine Weise einen Beitrag für die Allgemeinheit leisten. Und vergessen wir nicht: Die Jungen von heute sind morgen in der Mitte des Lebens und danach selber die ältere Generation.

Was sagen Sie älteren EuropäerInnen, die sich nicht genug anerkannt fühlen und meinen, die Gesellschaft kümmere sich nicht in dem Ausmaß um sie, das sie verdienen?

Die wechselseitige Anerkennung in der Gesellschaft ist keine Einbahnstraße in der Form, dass nur die Jüngeren das anerkennen sollen, was die Älteren geleistet haben. Natürlich gibt es das Gefühl in der älteren Generation, dass sie zu wenig Beachtung findet und da geht es wohl auch um Dankbarkeit. Wir müssen aber auch sehen, wie außerordentlich hoch das Niveau der sozialstaatlichen Einrichtungen in Europa im Vergleich zu anderen Weltteilen ist. Und wir müssen uns den Fakten stellen: Die Bevölkerungszahl in der Union wird nach dem Jahr 2030 zu sinken beginnen, und zwar besonders bei den Berufstätigen und eben denen, die für die Einkommen der Pensionsempfänger aufkommen. Es ist eine große Herausforderung für alle, sicherzustellen, dass die Älteren adäquate Bedingungen vorfinden und dass gleichzeitig die Aktiven Perspektiven für ihr eigenes Leben haben. Der Begriff Dankbarkeit ist für mich in diesem Zusammenhang etwas zu hoch gegriffen. Die Herausforderung für mich lautet, dass wir ein Gerüst der Fairness, Solidarität und sozialen Verantwortung über die Generationen hinweg errichten müssen.

Gibt es Orte in Österreich, die Sie besonders schätzen? Können Sie vielleicht Plätze nennen, wo sich ältere europäische Bürger besonders wohlfühlen können?

(lacht) Es gibt viele Menschen in Europa, die in Österreich geradezu verliebt sind. Ich hatte Gelegenheit zu sehen, welche exzellenten Vorzüge dieses Land für Menschen aller Generationen bietet, sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer Hinsicht.

 

Das ganze Magazin gibt’s hier: shop.abenteueralter.at

Jetzt den exklusiven Podcast mit Dubravka Šuica anhören: zum Podcast

 

Johannes Kübeck
Beitrag veröffentlicht am 2. Oktober 2020
Bildquelle: Dubravka Šuica/beigestellt

Schenkung – Gehen Sie auf Nummer sicher!

Wenn schenken, dann richtig: Mit einer Schenkung kann die gesetzliche Erbfolge beeinflusst werden. Wer sichergehen möchte, dass der Lebensgefährte oder der nicht eingetragene Partner etwas bekommt, ist gut beraten, sich neben einem Testament auch über eine Schenkung Gedanken zu machen. Oftmals ist sie auch eine Option, um Erbstreitigkeiten schon im Vorfeld aus dem Weg zu räumen. Und nicht zuletzt spart es derzeit viel Geld. 2008 ist in Österreich die Erbschafts- und Schenkungssteuer gefallen, eine Wiedereinführung steht bei manchen Parteien jedoch seit Jahren auf der politischen Agenda. 

Gut beraten lassen
Grundsätzlich: Bei einer Schenkung handelt es sich um einen Vertrag, in dem festgelegt wird, dass der Geschenknehmer einen Vermögenswert vom Geschenkgeber erhalten soll. Schenkung bedeutet die unentgeltliche und vollkommene Übertragung eines Gegenstandes ohne Gegenleistung. Da es sich bei einem Schenkungsvertrag um einen zweiseitigen Vertrag handelt, ist es nicht möglich, eine Schenkung durchzuführen, ohne dass der Geschenkgeber oder der Geschenknehmer informiert und bei der Vertragserstellung eingebunden ist. Der Geschenknehmer muss daher auch bereit sein, den geschenkten Gegenstand anzunehmen. Für eine Schenkung ohne tatsächliche und unmittelbare Übergabe des geschenkten Gegenstandes braucht es einen Vertrag in Form eines Notariatsakts, das heißt, der Schenkungsvertrag muss mit Hilfe eines Notars erstellt werden.

„Man unterscheidet zwischen einer Schenkung zu Lebzeiten und einer Schenkung auf den Todesfall.“

Einer Schenkung zu Lebzeiten gehen in der Regel die Überlegungen voraus, das Vermögen im Familienbesitz zu erhalten sowie Erbstreitigkeiten über die Aufteilung des Vermögens des Geschenkgebers im Vorfeld auszuschalten. Möchte der Geschenkgeber den geschenkten Gegenstand in das Eigentum des Geschenknehmers übertragen, diesen aber trotzdem weiterhin nutzen, so können Rechte des Geschenkgebers vertraglich vorbehalten beziehungsweise Sicherheiten vereinbart werden. Handelt es sich bei dem geschenkten Gegenstand um eine Immobilie, so kann der Geschenkgeber zum Beispiel das lebenslange, alleinige und unentgeltliche Wohnungsgebrauchsrecht für sich oder seinen Lebensgefährten zurückbehalten. Der Geschenknehmer hat dann den Geschenkgeber und/oder dessen Lebensgefährten trotz Eigentum in der Immobilie weiterhin zu dulden. Eine Vermietung der Immobilie durch den Geschenkgeber ist hierbei aber ausgeschlossen.

Bei einem zurückbehaltenen Fruchtgenussrecht hat der Geschenkgeber im Falle der Schenkung einer Immobilie die Möglichkeit, diese nicht nur selbst zu bewohnen, sondern es steht ihm auch das Recht zu, die geschenkte Immobilie zu vermieten und die Mieteinnahmen zu behalten. Im Fall eines Ausgedingsrechts werden dem Geschenknehmer bestimmte Verpflichtungen auferlegt, wie zum Beispiel die Betreuung im Krankheitsfall des Geschenkgebers. Möchte der Geschenkgeber verhindern, dass der Geschenknehmer ohne dessen Zustimmung über den geschenkten Gegenstand verfügen kann, so kann im Schenkungsvertrag ein Belastungs- und Veräußerungsverbot vereinbart werden. 

„Bei einer Schenkung auf den Todesfall überträgt der Geschenkgeber den geschenkten Gegenstand erst zum Zeitpunkt seines Ablebens an den Geschenknehmer.“

Der Schenkungsvertrag wird zwar zu Lebzeiten unterschrieben, aber erst mit dem Tod des Geschenkgebers vollzogen. Der Vorteil zum Testament liegt hierbei auf der Hand. Während ein Testament als einseitige Willens-
erklärung jederzeit zu Lebzeiten vom Geschenkgeber alleine aufgehoben oder geändert werden kann, ist dies bei einem Schenkungsvertrag auf den Todesfall als zweiseitiger Vertrag nicht der Fall. Wie bei einem Testament bleibt der Geschenkgeber bei einer Schenkung auf Todesfall aber Eigentümer des geschenkten Gegenstandes. Der Geschenkgeber ist jedoch nach getätigter Schenkung auf den Todesfall nicht berechtigt, den geschenkten Gegenstand zu verkaufen oder zu belasten. Würde der Geschenkgeber dies tun, so würde er Vertragsbruch begehen und dem Geschenknehmer gegenüber schadenersatzpflichtig werden.

Ein Widerruf einer Schenkung ist in der Regel nicht möglich. Es gibt nur wenige gesetzlich geregelte Ausnahmen, wie ein Geschenkgeber den geschenkten Gegenstand vom Geschenknehmer wieder zurückverlangen kann. So kann der Geschenkgeber zum Beispiel die Schenkung widerrufen, wenn der Geschenknehmer sich gegen den Geschenkgeber eines groben Undankes schuldig macht. Darunter wird nach dem Gesetz eine Verletzung am Leibe, an Ehre, an Freiheit oder auch am Vermögen durch das Begehen einer strafbaren Handlung (oder Unterlassung) durch den Geschenknehmer verstanden. Da auch die Gefühlssphäre des Geschenkgebers geschützt ist, kann auch grober Undank im Falle der Verletzung eines nahen Angehörigen vorliegen. Macht der Geschenknehmer sich des groben Undanks schuldig, so kann dies vom Geschenkgeber aber nicht ewig geltend gemacht werden. Der Geschenkgeber muss innerhalb einer Frist von drei Jahren ab der maßgeblichen Verhaltensänderung des Geschenknehmers den Anspruch auf Widerruf geltend machen.

Unbedingt rechtlichen Rat sollte man einholen, wenn der Geschenkgeber pflichtteilsberechtigte Personen (Ehegatten, eingetragenen Partner, Kinder und Kindeskinder) hat. Zwar befindet sich der geschenkte Gegenstand zum Zeitpunkt des Ablebens des Geschenkgebers nicht mehr in dessen Eigentum, jedoch kann dieser im Verlassenschaftsverfahren noch eine Rolle spielen. So können Pflichtteilsberechtigte bei einer Schenkung an eine nicht pflichtteilsberechtigte Person verlangen, dass die Schenkung der Verlassenschaft rechnerisch hinzuzufügen ist, so als wäre die Schenkung nie erfolgt. Möglich ist dies allerdings nur, wenn die Schenkung innerhalb von zwei Jahren vor dem Ableben des Erblassers stattgefunden hat. Ausgehend von dieser „erhöhten Verlassenschaft“ ist der Anspruch der Pflichtteilsberechtigten dann neu zu berechnen.

Im Falle einer Schenkung an eine pflichtteilsberechtigte Person haben andere pflichtteilsberechtigte Erben das Recht, die Anrechnung der Schenkung auf den Pflicht- oder Erbteil des Geschenknehmers zu fordern. Eine solche Anrechnung kann jedoch auch unter bestimmten Voraussetzungen ausgeschlossen werden. Schon bei Vertragserstellung sollte man sich daher unbedingt Gedanken über spätere Ausgleichspflichten machen und somit zukünftige Erbstreitigkeiten vermeiden.

Schenkungen auf Lebzeiten müssen beim Finanzamt angezeigt werden, wenn es sich zum Beispiel um Bargeld, Kapitalforderungen – etwa Sparbücher, Anleihen, Darlehensforderungen – oder andere bewegliche Vermögenswerte handelt. Diese Meldepflicht kann unterbleiben, wenn der Wert des geschenkten Gegenstandes an nahe Angehörige nicht € 50.000,00 übersteigt. Schenkungen an andere Personen sind bis € 15.000,00 von dieser Anzeigepflicht befreit. Steuern fallen für diese Schenkungen nach derzeitiger Gesetzeslage keine an. Keine Anzeigepflicht nach dem Schenkungsmeldegesetz besteht für Immobilien. Jedoch können hier Steuern nach dem Grunderwerbsteuergesetz anfallen, wobei bei nahen Angehörigen ein vergünstigter Steuersatz zur Anwendung kommen kann.

 

Zwei häufige Irrtümer beim Erben & Schenken:

„Kredit und Schulden werden nicht vererbt“

Dr. Kinzer: Das ist eine falsche Annahme. Wenn ich das Erbe annehme, trete ich in sämtliche Rechte, aber auch Verpflichtungen der verstorbenen Person ein. Hier ist aber höchste Vorsicht geboten. Sollte ich über die Vermögenssituation des Verstorbenen nicht ausreichend Kenntnis haben, so ist es ratsam, das Erbe nur bedingt anzunehmen. Hierdurch wird im Falle einer Überschuldung der Verlassenschaft nur das Vermögen der verstorbenen Person zur Abdeckung dieser Verbindlichkeiten herangezogen. Eine persönliche Haftung des Erben wird nur im Falle der unbedingten Erbannahme schlagend.

„Mit einer Schenkung kann man enterben“

Dr. Pisk: Durch eine Schenkung kann ich meine Nachkommen nicht vom Erbe ausschließen. Pflichtteilsberechtigte Personen, wie der Ehegatte und die Nachkommen, haben das Recht, zumindest den Pflichtteil zu verlangen. Ein Erbe kann nur dann von seinem Erbrecht ausgeschlossen werden, wenn er einen Enterbungsgrund gesetzt hat.

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Beitrag veröffentlicht am 19. Oktober 2020
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Kleine Pensionen steigen

2021 werden gerade niedrigere Bezüge stärker angehoben. Seniorenvertreter der politischen Parteien sind großteils zufrieden.

Bezieher kleiner Pensionen bekommen 2021 mehr als die doppelte Inflationsabgeltung: Bezüge bis 1.000 Euro werden um 3,5 Prozent angehoben. Bis 1.400 Euro fällt die Steigerung linear ab. Genau die gesetzlichen 1,5 Prozent Plus gibt es bei einer Pensionshöhe von 2.333 Euro – mit dem Fixbetrag von 35 Euro, der auch für alle höheren Bezüge gilt. Die Kosten für die Anpassungen werden sich 2021 auf rund eine Milliarde Euro belaufen.

Die Seniorenvertreter der Regierungsparteien sind zufrieden mit der Pensionsanpassung 2021, die am Mittwoch im Ministerrat beschlossen wird. ÖVP-Seniorenbund-Vorsitzende Ingrid Korosec zeigte sich erfreut über die „besondere Wertschätzung der älteren Generation“. Sie sieht in der Pensionserhöhung ebenfalls ein Konjunkturpaket, liege doch fast die Hälfte der Kaufkraft in den Händen der Senioren. Vor allem bei kleinen Pensionen fließe jede Erhöhung beinahe zur Gänze in den Konsum.

Auch die Opposition kommentierte großteils positiv. SPÖ-Pensionistenverbands-Präsident Peter Kostelka sieht die Kaufkraft der Pensionisten ebenfalls gesichert. Auch die Caritas lobte die Erhöhung der Ausgleichszulage auf 1.000 Euro. FPÖ, NEOS und SPÖ meldeten sich aber dennoch auch mit kritischen Anmerkungen zu Wort, etwa, dass gerade für Frauen noch deutliche Verbesserungen geschaffen werden müssen, das Vorlegen eines Pflegekonzepts noch ausstehe und die soziale Treffsicherheit nicht immer gegeben sei.

 

Elke Jauk-Offner
Beitrag veröffentlicht am 28. September 2020
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Bankgeschäfte im Wandel

In Zeiten von Corona wächst die Bedeutung von digitalen Lösungen für das Geldleben. Die Beratung von Mensch zu Mensch ist aber nicht zu ersetzen.

Einkaufen, Wochenendgestaltung, Familienzeit. Das sind nur drei Lebensbereiche, die zu Beginn des Jahres noch ganz anders ausgesehen haben. Das Wichtigste ist die Gesundheit. Nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie sind von der österreichischen Bundesregierung strenge Maßnahmen getroffen worden. Über-65-Jährige wurden zur besonders gefährdeten Gruppe erklärt, die es zu schützen gilt. Die Einschränkungen waren hart, aber auch lehrreich.

Zwinschenzeitlich musste man sich in vielen Bereichen geänderter Strategien bedienen, um mit seinen Lieben Kontakt zu halten, um den Kühlschrank zu füllen oder auch um seine Geldgeschäfte zu erledigen. Für Letzteres sind in den vergangenen Jahren viele Lösungen entwickelt worden, die aber für die meisten Menschen erst jetzt durch die Beschränkungen sozialer Kontakte Relevanz erhielten. Vom Ritual des Bankbesuchs zum Monatsersten rieten die Politiker ab. Die Banken boten stattdessen digitale Ausweichmöglichkeiten an. Bedeutet dies das Ende der persönlichen Betreuung? Und welche Vorteile bringt die Digitalisierung außer dem Schutz der Gesundheit noch? Rainer Stelzer, Vorstandsdirektor der Raiffeisen-Landesbank Steiermark, beantwortet die wichtigsten Fragen und gibt einen Überblick über digitale Lösungen, die uns das Geldleben vereinfachen.

„Digitale Lösungen und persönliche Beratung ergänzen sich bei Raiffeisen perfekt.“

Herr Stelzer, hat Corona das auch das tägliche Geldleben der Steirer beeinflusst? 

Die letzten Monate rund um den Lockdown ab Mitte März 2020 haben sich deutlich ausgewirkt. Eines vorweg, fundierte Bankberatung und persönliche Ansprechpartner für komplexe Finanzangelegenheiten werden auch in Zukunft durch nichts zu ersetzen sein. Daür sorgen bei Raiffeisen in der Steiermark rund 1.500 Kundenbetreuer im mit über 200 Bankstellen dichtesten Netz des Landes. Allerdings hat sich der schon bisher erkennbare Trend in Richtung Internetbanking verstärkt. Obwohl es einen markanten Konjunktureinbruch gab, erhöhten sich die Transaktionen im Raiffeisen Internetbanking-System Mein ELBA allein in den ersten fünf Monaten 2020 um 5 Prozent. Spitzenreiter war der März mit erstmals mehr als einer Million Überweisungen. Verstärkt hat sich auch der Trend in Richtung Banking App am Smartphone. Kontostände wurden schon bisher meist via Mein ELBA-App abgerufen, neu ist hingegen, dass nun bereits 65 Prozent der Überweisungen via App am Smartphone erledigt werden.

Im Supermarkt wird man gebeten, bargeldlos zu bezahlen. Schlägt das auf die Zahlen durch?

Die bargeldfreien Zahlungen mittels Debit- und Kreditkartenzahlungen sowie dem Smartphone verzeichneten einen wahren „Turbo“. Das Wachstum im gesamten Jahr 2019 betrug 10 Prozent, allein in den ersten fünf Monaten 2020 legten die bargeldfreien Zahlungen um 25 Prozent zu. Mittlerweile liegen die bargeldfreien Zahlungen von Raiffeisen Steiermark bei über 100.000 pro Tag. 75 Prozent dieser Zahlungen werden kontaktlos vorgenommen. Vordergründig scheint dieser Trend durch gesundheitliche Aspekte befeuert, doch der nähere Blick zeigt, dass der Anteil bereits zu Jahresbeginn vor Corona bei rund 71 Prozent lag. Wichtigstes Argument für diese Zahlmethode sind der Komfort und die Sicherheit. Erfreulich: Bei insgesamt 15 Mio. Zahlungen seit Jahresanfang kam es zu keinem einzigen Schadensfall für Kunden.

Viele nehmen schon gar keine Geldtasche mehr zum Einkaufen mit, sondern nur noch das Handy…

Das stimmt. Raiffeisen bietet diese Möglichkeit sowohl für Apple- als auch Android-Geräte. Auch hier zeigen die Entwicklungen steil nach oben, denn seit Jänner haben sich die Transaktionen verdoppelt. Aktuell macht der Anteil der Smartphone-Zahlungen erst 4 Prozent aus, doch dies könnte sich rasch ändern. Raiffeisen legt größtes Augenmerk auf Komfort und Sicherheit, denn dies sind die wesentlichen Kriterien für erfolgreiche digitale Lösungen.

„Raiffeisen legt größtes Augenmerk auf Komfort und Sicherheit – die wesentlichen Kriterien für erfolgreiche digitale Lösungen.“

Es gibt also schon zahlreiche Lösungen, um von der Digitalisierung zu profitieren. Doch wie behält man den Überblick?

Wichtig ist, sich schrittweise voranzutasten. Schritt eins ist immer noch die Bankomatkarte bzw. Debitkarte. Allein sie öffnet schon die Türen zu vielen digitalen Services wie das Abheben von Bargeld am Bankomaten, das Einzahlen von Bargeld, das Ausdrucken des Kontoauszugs an den Automaten in den Bank-Foyers und das bargeldlose Bezahlen in Geschäften. Schritt zwei könnte das Online Banking sein. Das Raiffeisen Internetbanking Mein ELBA ist nutzer-freundlich modular aufgebaut und bietet je nachdem, welche Bankprodukte man hat, eine Übersicht über Girokonten, Sparkonten, Kreditkartenumsätze, Versicherungen und Bausparer sowie das Wertpapierdepot. Man kann Überweisungen ganz einfach tätigen, Daueraufträge selbst ändern und vieles mehr. Smartphonebesitzer können viele dieser Funktionen auch in der Mein ELBA App nutzen. Ein Vorteil der App ist beispielsweise das Scannen von Zahlscheinen mit der Kamera. Auf diesem Weg spart man sich das Eintippen von Hand. Unsere Digitalcoaches in den Bankstellen zeigen gerne persönlich wie alles funktioniert.

Auch Online-Shopping wird immer beliebter. Was ist hierbei zu beachten?

Das Shoppen im Internet bietet viele Vorteile, aber auch manche Gefahren. Das Wichtigste ist, immer zuerst die Vertrauenswürdigkeit des Anbieters zu überprüfen. Das gilt auch für große bekannte Online-Marktplätze wie Amazon, die neben den eigenen auch Produkte von Drittanbietern im Sortiment haben. Gütesiegel und Kundenbewertungen können hier helfen. Webshops bieten unterschiedliche Bezahlmethoden an, mit einer Kreditkarte sollte der Einkauf aber in den meisten Fällen möglich sein. Einkaufen im Internet kann man übrigens auch ganz regional. Raiffeisen unterstützt hierzu die Plattform #regionalkaufen, die Handwerksbetrieben, Dienstleistern und Ab-Hof-Verkäufern eine alternative Vertriebsmöglichkeit bietet.

Weitere Informationen auf: www.raiffeisen.at/stmk 

 

Beitrag veröffentlich am 11. September 2020
Fotos: Raiffeisen Landesbank-Steiermark
Entgeltliche Einschaltung

Vorsorge & Sicherheit in Zeiten von Corona

Die Corona-Krise hat gezeigt, wie schnell sich Themen ändern, die zuvor sicher und selbstverständlich schienen. Die Notariatskammer für Steiermark klärt auf, was nun wichtig ist.

Die Corona-Krise, die damit erlebte Einsamkeit, die Sorge um die eigene Gesundheit und die der Angehörigen haben viele Menschen vor existenzielle Fragen gestellt. Die Verunsicherung ist gestiegen, Erklärungen sind erwünscht. Auch die steirischen Notarinnen und Notare merken ein erhöhtes Interesse rund um Themen wie Sicherheit und Vorsorge. Ein Gespräch mit dem Präsidenten der Notariatskammer für Steiermark, Dieter Kinzer, und dem Vizepräsidenten, Walter Pisk.

Herr Präsident, Herr Vizepräsident, was verunsichert die Menschen aktuell?

Kinzer: Privatpersonen machen sich vermehrt Gedanken über die Eigenvorsorge. Die Pandemie hat gezeigt, wie schnell man vom Ernstfall betroffen sein kann und wie fragil in manchen Fällen die eigene Gesundheit ist. Jeder Mensch möchte bei klaren Verhältnissen darüber entscheiden können, wer im Notfall lebenswichtige Entscheidungen treffen sollte oder wie im Ernstfall mit Therapiemethoden verfahren werden soll.

Wie kann man sich für einen Ernstfall absichern?

Kinzer: Dazu eignet sich am besten eine Vorsorgevollmacht oder eine Patientenverfügung.

Was genau versteht man darunter?

Pisk: Mit einer Vorsorgevollmacht, die bei einem Notar erstellt werden kann, kann man schon im Vorfeld jene Person oder Personen festlegen, die einen im Fall der Geschäftsunfähigkeit vertreten sollen. Diese umfassende Vollmacht kann für sämtliche Bereiche – etwa für medizinische und wirtschaftliche Angelegenheiten – erteilt werden.

Kinzer: Mit einer Patientenverfügung wird eine bestimmte medizinische Behandlung vorweg abgelehnt. Die Verfügung wird für den Fall erstellt, dass sich der Patient nicht mehr wirksam äußern kann. Eine verbindliche Patientenverfügung muss unter Mithilfe eines Arztes sowie eines Notars, Rechtsanwalts oder rechtskundigen Mitarbeiters der Patientenvertretung errichtet werden.

Kann man so eine Patientenverfügung auch in eine Vorsorgevollmacht integrieren?

Pisk: Ja, das ist möglich. Eine Vorsorgevollmacht lässt sich inhaltlich individuell gestalten. Es ist auch möglich, eine Person als Vertreter in medizinischen Angelegenheiten vorzusehen und eine andere mit der Verwaltung des Vermögens zu betrauen.

Lassen sich in einer Vorsorgevollmacht auch finanzielle Dinge regeln?

Kinzer: Wenn es um Hinterlassenschaften geht, braucht es ein Testament. Auch wenn die wenigsten Menschen gern über Geld reden, ist es doch dringend empfohlen, sich rechtzeitig darüber Gedanken zu machen. Gerade Corona zeigt, dass das Thema mehr Menschen als sonst beschäftigt. Die finanziellen Angelegenheiten geregelt zu wissen, beruhigt ungemein.

Was ist zu beachten, wenn ein Unternehmen im Familienbesitz ist?

Pisk: Bei einer gesetzlichen Abfolge wird das Vermögen nach einem bestimmten Schlüssel aufgeteilt, dazu gehören auch etwaig Unternehmensanteile. Die können theoretisch auch an minderjährige Erbberechtigte gehen, was die künftige Zusammensetzung des Unternehmens erschweren kann. Hierbei sollten alle möglichen Varianten geprüft und testamentarisch festgehalten werden, um die Fortführung des Unternehmens zu gewährleisten.

Gibt es allgemeine Empfehlungen, wie man seinen Besitz und sein Leben am besten absichert?

Pisk: Für generelle Empfehlungen ist das Thema zu komplex. Es empfiehlt sich in jedem Fall ein Beratungstermin bei einer Notarin oder einem Notar, um die Details zu besprechen und die richtige Maßnahme zu treffen. Das Erstgespräch ist kostenlos. Wir Notare sind von Berufs wegen verpflichtet, die Interessen aller Beteiligten gleichermaßen zu vertreten und zu berücksichtigen. Das garantiert Fairness, rechtliche Sicherheit und vermeidet spätere Streitigkeiten.

Haben die Notare schon regulären Parteienverkehr?

Pisk: Wir sind in der glücklichen Lage, in den letzten Jahren viel in die Digitalisierung investiert zu haben. Rechtliche Beratungen müssen nicht mehr zwingend persönlich durchgeführt werden. Das ist auch telefonisch oder teilweise über Videokonferenz möglich. Da der persönliche Kontakt nach wie vor wichtig ist, wurden im Rahmen von COVID-19 Vorkehrungen getroffen, dass persönliche Gespräche in den Notariatskanzleien sicher und ohne Probleme durchgeführt werden können.

Mehr Informationen erhalten Sie unter: www.notar.at

Beitrag veröffentlicht am 31. August 2020
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