Schützen Sie sich: Betrugsmasche „falscher Polizist“

Immer wieder werden – meist bereits ältere – Personen in Österreich von sogenannten falschen Polizisten betrogen. Alles über die Betrugsmasche und wie Sie sich schützen können.

Was ist der falsche Polizeibeamte?

Bei dieser Betrugsmasche geben sich Betrügerinnen oder Betrüger am Telefon als Polizistinnen oder Polizisten aus und fragen unter verschiedenen Vorwänden die Opfer über ihre finanziellen Verhältnisse aus. Sie verlangen von den Opfern ihr Geld oder ihre Wertsachen an die „Polizei“ zu übergeben.
Weiter behaupten sie, eine Polizistin oder ein Polizist würde, meist in Zivilkleidung, vorbeikommen und das Geld oder die Wertsachen abholen.

Die Täter üben dabei einen massiven Druck aus und wirken einschüchternd, wodurch die Opfer schwer einen klaren Kopf bewahren können und so dazu gebracht werden, den Anweisungen der Täter zu folgen.
Außerdem behaupten die Täter, es sei wichtig niemanden von dem Anruf zu erzählen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Zudem geben die Täter meist die Anweisung das Telefonat nicht zu beenden. So bleiben die Täter durchgehend in der Leitung und wissen dadurch über jeden Schritt der Opfer Bescheid.

TIPPS:

  • geben Sie keine Details über Ihr Vermögen preis
  • lassen Sie sich nicht unter Druck setzen – legen Sie auf!
  • lassen Sie keine Unbekannten in Ihre Wohnung
  • fordern Sie von angeblichen Amtspersonen einen Dienstausweis
  • übergeben Sie niemals Geld an Unbekannte
  • halten Sie Rücksprache mit Personen aus Ihrem persönlichen Umfeld
  • nehmen Sie Warnungen von Bankangestellten ernst
  • kontaktieren Sie die Notrufnummer 133 und fragen Sie nach,ob es diese Polizistin oder diesen Polizisten wirklich gibt

 

Die Top 3 der am meisten verwendeten Vorwände der „falschen Polizeibeamten“:

  • Die Tochter oder der Sohn war in Verkehrsunfall verwickelt und befindet sich in Haft. Eine Kaution sei nun zu bezahlen.
  • Einbrecher oder Räuber wurden im Umfeld der Opfer festgenommen und zum Schutz soll das Vermögen durch die Polizei vorläufig sichergestellt werden.
  • Bankangestellte sind in kriminelle Machenschaften verwickelt. Die Opfer sollen Bargeld am Bankschalter beheben und der Polizei zur Sicherung von Fingerabdrücken geben.

 

Haben Sie den Verdacht eines Betrugs? Rufen Sie sofort die Polizei unter 133

 

 

 

veröffentlicht am 9. August 2022

 

Haus Esther: Ein wichtiges Stück Selbstbestimmung im Alter

Möglichst lange gesund zu Hause wohnen – das ist der Wunsch fast aller Seniorinnen und Senioren. Aber wie?

In Österreich gibt es mittlerweile mehr Pensionistinnen und Pensionisten als Kinder und Jugendliche – und der Anteil der älteren und hochaltrigen Menschen wird sich bis zum Jahr 2040 verdoppeln. Was es also braucht, sind langfristige Mittel und Wege, in einer immer älter werdenden Gesellschaft Seniorinnen und Senioren niederschwellig dabei zu unterstützen, ihre Selbstständigkeit möglichst lange zu behalten.

Mit dem „Haus Esther“ als Zentrum für gesundes Altern wurde in Graz nun ein Pilotprojekt ins Leben gerufen, das verschiedenste Pflege- und Hilfsangebote für Seniorinnen und Senioren und deren Angehörige an einem Ort vereint.

Das Konzept des Haus Esther orientiert sich an dem schwedischen „Esther Modell”, einem Netzwerk, das sich für optimale Entwicklungen im Gesundheitssystem einsetzt und nach zukunftsfähigen Lösungen für eine immer älter werdende Gesellschaft sucht. Die Basis für das Angebot der neuen Grazer Einrichtung bildet die fiktive ältere Person „Esther” und die Frage: „Was ist das beste für Esther?” Esther möchte selbstständig leben und in Würde altern – dabei benötigt sie jedoch Unterstützungsangebote. Und genau diese bietet das „Haus Esther”: Der Standort in Graz beheimatet Ambulanzen, die Pflegedrehscheibe des Sozialamts und ein Zentrum für altersunterstützende Technologien. Alternde Personen und ihre Angehörige finden dort notwendige Hilfen und Beratungen und können vor Ort unnötig lange und beschwerliche Amtswege abkürzen.

 

 

Besonders ist auch, dass im „Haus Esther” der Einsatz von altersassistiven Technologien (AAL) gefördert werden soll. Vor Ort besteht die Möglichkeit, sich über den Nutzen solcher Technologien im Alltag sowie in Pflege und Therapie zu informieren. Erstmalig wurden für die breite Bevölkerung öffentliche AAL-Showrooms errichtet, die in ihrer Größe einzigartig sind. In diesen Ausstellungsräumen, die sich im Erdgeschoss des Gebäudes befinden, werden alternden Personen und ihren Angehörigen verschiedenste Möglichkeiten zur technischen Unterstützung im Alter vorgestellt. Hersteller:innen von Lösungen für Senior:innen haben einen Raum, um ihre Produkte zu präsentieren, während im Rahmen des neuen Living Labs der Human technology styria Forschung und Entwicklung gefördert werden.

„Selbst wenn’s zuhause nicht mehr geht, wissen Leute sich hier in guten Händen“

Im Zuge der feierlichen Eröffnung des „Haus Esther” spricht Johann Harer, Geschäftsführer der Human technology styria, darüber, dass Altern bereits mit dem ersten Lebensjahr beginnt und wie wichtig die enge Zusammenarbeit von Forschung und Gesundheitseinrichtungen ist, um den Menschen mehr und gesündere Lebenstage zu bieten.

Gert Hartinger, der Geschäftsführer der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz (GGZ), berichtet von einem kleinen Meilenstein im sozialen Bereich und betont die Besonderheit der guten Zusammenarbeit von so vielen unterschiedlichen Teilnehmer:innen an einem gemeinsamen Projekt mit einer gemeinsamen Vision.

Auch eine Bewohnerin des betreuten Wohnen der GGZ, Frau Pflüger, ist anwesend, um Einblicke in die Herausforderungen, Wünsche und den Alltag einer „Esther” zu geben. Nur beim Tragen ihres Rollators braucht sie Hilfe, sonst kann sie den Haushalt noch alleine schupfen, erzählt sie. Jeden Mittwochabend wird sie zur Chorprobe abgeholt und wartet am Tor auf ihre Fahrgelegenheit. Ihr ganz besonderer Wunsch: Ein Bankerl zum Sitzen und Warten, da das Stehen schon anstrengend wird.

Im Anschluss eröffnen Bürgermeisterin Elke Kahr und Stadtrat Robert Krotzer das „Haus Esther” feierlich. Und versprechen, ein weiteres Bankerl aufstellen zu lassen.

 

von Karolina Wiener
Beitrag veröffentlicht am 15.07.2022

 

Erwin Wendl: Mit 100 Jahren ist noch lange nicht Schluss

Seit 1979 ist DI Erwin Wendl Mitglied im Golfclub Murhof. Der ehemalige Ziviltechniker hält sich auch mit 100 Jahren noch mit Golf fit. Jetzt wurde er vom österreichischen Golfpräsidenten Peter Enzinger und dem Präsidenten des Steirischen Golfverbandes Kurt Klein ausgezeichnet.

Golf ist bekanntlich ein Sport für Jung und Alt. Und bekannt ist auch, dass Bewegung den Körper fit hält. Wer regelmäßig Sport treibt und einen gesunden Lebensstil pflegt, hat zumindest bessere Aussichten auf ein langes Leben. Es gibt sogar Statistiken über einen Zusammenhang zwischen Sport, guter Ernährung und einem höheren Glücksgefühl. Auch Erwin Wendl antwortet auf die Frage, wie er sich so fit hält: „Bewegung ist alles“. Er war aber auch schon in der Jugend sportlich sehr aktiv. Als Mitglied des Nationalteams und des Handballclubs des GAK zählte er zu den besten Spielern, wurde österreichischer Meister und gewann sogar die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft 1946.

Anlässlich der Auszeichnung am Golfclub Murhof war auch der ehemalige Polizeidirektor von Graz, Charly Müller im Golf-Flight mit dabei, der mit seinen 90 Jahren auch noch fit wie ein „Golf-Schuh“ ist.

 

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veröffentlicht am 6. Juli 2022
Fotos: Abenteuer Alter

Für Yoga ist es nie zu spät!

Jeder kennt es, viel zu wenige praktizieren es: Warum Yoga die Wunderwaffe im Alter ist und den Körper fit, den Geist agil und die Psyche stabil hält.

Seine Geburtsstunde hat Yoga wohl bereits vor tausenden Jahren in Indien. Die philosophische Körperlehre kommt aus dem Hinduismus, um den genauen Zeitpunkt der Entstehung streitet sich die Wissenschaft. Viele Expert:innen führen an, dass die ersten Yogis und Yoginis bereit vor etwa 3500 Jahren in den Veden (=indische Quelltexte) erwähnt werden – das wäre etwa 1500 Jahre, bevor unsere heutige Zeitrechnung überhaupt beginnt. Genau datieren lässt sich der Ursprung des Yoga nicht, fest steht jedoch, dass es sich stetig weiterentwickelt hat und mittlerweile längst in der westlichen Welt angekommen ist. Und das zu Recht: Yoga trägt auf einzigartige Weise zu einem gesunden Lifestyle bei und sorgt sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene für mehr Gesundheit, Lebenslust und Energiefluss.

Der Begriff „Yoga“ kommt aus dem Sanskrit und bedeutet grob übersetzt „Vereinigung“ oder „Integration“, denn traditionell geht es bei Yoga in erster Linie nicht um den körperlichen, sondern den geistigen Aspekt. Das Ziel eines Yogis oder einer Yogini ist es, in den eigenen Geist einzutauchen, ihn zu verstehen und zu erweitern. Die Anspannung des Körpers und die Yoga-Bewegungen sollen den Körper geschmeidig halten, den Geist beruhigen und helfen, sich auf sich selbst zu konzentrieren.

Insgesamt wirkt sich Yoga ganzheitlich positiv auf Körper und Geist aus. Die kräftigende und ausgleichende Wirkung der Bewegungslehre schätzen Yogis und Yoginis aller Altersgruppen weltweit. Denn das Alter spielt bei Yoga keine Rolle, ganz im Gegenteil: Yoga eignet sich für Seniorinnen und Senioren genauso gut wie für jüngere Personen. Und um anzufangen ist es zu spät! Selbst wenn in früheren Jahren wenig Zeit für Fitness oder Bewegung blieb, kann Yoga auch im hohen Alter noch Abhilfe schaffen. Alle Übungen können wunderbar variiert und individuell an das Alter oder die körperliche Verfassung der ausübenden Person angepasst werden. Die so genannten Asanas – die Yoga-Haltungen – können variantenreich und kreativ praktiziert werden. Je älter man ist, desto stärker kann die individuelle Tagesverfassung variieren. An schwächeren Tagen lässt sich beispielsweise auf eine Yoga-Einheit im Sitzen ausweichen. Besonders für ältere Personen bzw. Seniorinnen und Senioren ist es außerdem ratsam, Übungen deutlich kürzer, dafür jedoch öfter auszuführen. So vermeidet man körperliche Überforderung und arbeitet stetig, aber langsam mit den positiven Effekten des Yoga.

 

Zu den positiven Effekten von Yoga auf Seniorinnen und Senioren zählen:


1) Yoga wirkt präventiv gegen Alterserscheinungen und -erkrankungen

Yoga stärkt den Körper, hält ihn geschmeidig und fit und ist damit ideal zur Prävention von Alterserscheinungen. Die Übungen regen die Durchblutung in allen Körpergeweben und Knochen an, festigen so die Knochenstruktur und kräftigen die Muskeln. Außerdem ist Yoga gut für die Gelenkgesundheit und und hilft, Verspannungen zu lösen. Praktiziert man Yoga achtsam, berücksichtigt seine persönlichn Grenzen und erweitert diese stetig, wird man davon noch im hohen Alter profitieren.

2) Yoga stärkt die Lebensfreude und hält auch innerlich jung

Wird man älter, trägt man zunehmend mehr physische, aber auch psychische und mentale Altlasten mit sich herum. Diese können belasten und sich auf das innere Gleichgewicht auswirken. Praktiziert man Yoga, praktiziert man auch eine gewisse Achtsamkeit seinem Geist und seinem Unterbewusstsein gegenüber und baut Blockaden ab. Regelmäßiges Yoga bringt mehr Agilität und stärkt die Fähigkeit, sich am Leben und auch am Altern zu erfreuen.

3) Yoga dient als Werkzeug, den eigenen Körper zu lieben

Mit dem Alterungsprozess verändert sich auch der Körper. Nicht immer ist das leicht zu akzeptieren. Dinge, die früher ganz selbstverständlich waren, fallen im Alter zunehmend schwerer und auch die körperliche Leistungsfähigkeit verändert sich. Entscheidend ist jedoch, in Bewegung zu bleiben. Yoga lehrt, die eigenen körperlichen und mentalen Grenzen auszuloten und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten langsam zu erweitern. Diese immer wiederkehrenden Erfolge fördern die Liebe zum eigenen Körper.

4) Die Meditation, die mit Yoga einhergeht, ist gut für die mentale Gesundheit

Mentale und körperliche Gesundheit sind eng miteinander verknüpft. Gewöhnt man sich über die Jahre negative Gedankenmuster an, die sich vor allem durch viele erlebte Erfahrungen verfestigen können, kann Meditation dabei helfen, den Geist zu reinigen und den Kopf freizumachen. Unsere eigene Perspektive bestimmt, wie wir unsere Umwelt und Lebenssituation wahrnehmen. Arbeiten wir an unserer inneren Einstellung, können wir unsere erlebten Lebensrealität, unseren Gedanken und Gefühlen zum Positiven verändern.

 

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von Karolina Wiener
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Beitrag veröffentlicht am 24.05.2022

Gemeinsam statt einsam

Die Einsamkeit beginnt für viele Menschen oft mit Pensionseintritt. Damit man im Alter nicht allein ist, sollte man das Älterwerden planen, sagt die Gerontologin Sonja Schiff.

Es ist schön, wenn Menschen alt werden, traurig hingegen, wenn man zusehen muss, wie die Freunde wegsterben.

Sonja Schiff: Das stimmt. Deshalb muss man sich schon früh genug Gedanken darüber machen, damit man am Lebensende nicht allein ist. Es ist daher wichtig, sich bald einmal im Klaren zu werden, ob man ein ausreichendes soziales Netzwerk hat oder nur den Partner und die Familie.

Wann wäre der richtige Zeitpunkt, sich darüber Gedanken zu machen?

In meinen Pensionsvorbereitungs-Seminaren erlebe ich immer wieder, dass Menschen – vor allem Männer – ihre Frau als besten Freund nennen und darüber hinaus kaum Freunde haben. Dazu kommt, dass mit Eintritt in die Pension bis zu zwei Drittel der Sozialkontakte abhandenkommen.

Also ist für manche schon der Pensionseintritt der Beginn von Einsamkeit?

Ja, den wenigsten Menschen ist bewusst, wie wichtig die Kolleginnen und Kollegen sind, auch wenn es nur der kurze Austausch am Kopierer über das vergangene Wochenende ist. Das sind alles niederschwellige Kontakte, die in ihrer Kompaktheit äußerst wichtig sind. Wenn diese Kontakte bei Pensionsantritt wegfallen und nach und nach die wenigen FreundInnen und Familienmitglieder sterben, ist das sehr traurig. Je größer mein soziales Netzwerk, desto mehr Chancen habe ich, im Alter noch Freunde und Bekannte zu haben.

Wie lässt sich das planen?

Viele Jungpensionisten geben sich dem Glauben hin, dass die Kontakte zu den Arbeitskollegen bleiben, das ist aber unwahrscheinlich, wenn der gemeinsame Nenner Arbeit wegfällt. Will man aus der Kollegenschaft jemanden in den Bekanntenkreis holen, muss man das aktiv planen: Mit dem wanderbegeisterten Kollegen eine Bergtour pro Monat einplanen oder mit der kabarettaffinen Kollegin einen Kulturabend in regelmäßigen Abständen. Wir bewegen uns in der Regel in unserer Altersgruppe, deren Mitglieder maximal dreieinhalb Jahre jünger oder älter sind als wir selbst. Auch hier muss ich vorausschauen und jüngere Menschen in mein Umfeld holen.

Das hört sich wahrscheinlich einfacher an, als es ist.

Viele ältere Menschen haben Probleme mit dieser Vorstellung, doch in der Praxis bestätigt sich das kaum. Ich kenne eine ältere Dame, die in einer Samba-Gruppe aufgenommen werden wollte. Weil sie die deutlich Ältere war, traute sie sich anfangs nicht anzufragen. Sie überwand sich und wurde genommen. Die Jüngeren sind begeistert von ihr. Sie wurde vielen in ihrer Agilität zum Vorbild. Das Vorurteil, Jüngere interessieren sich nicht für die Älteren, muss man kappen!

Gerade in der älteren Generation gibt es viele Menschen, deren besten Freunde die Partner sind und die nach deren Tod ganz allein sind, weil der Verstorbene alle Kontakte gepflegt hat.  

Das kenne ich zur Genüge. Doch diese Paare waren oft zeit ihres Lebens miteinander allein. Die jetzige Generation, die ich in meinen Seminaren betreue, sieht das schon anders und plant das Älterwerden besser. Hier möchte ich auf ein anderes Problem hinweisen: Senioren, die ihren Ruhestand im Ausland verbringen und die zurückkommen, wenn sie medizinische Versorgung brauchen. Ich erlebe oft, dass die dann null soziale Kontakte haben und sehr einsam sind. Das müsste vor allem die jetzt in Pension gehende Generation mitbedenken.

Es gibt Untersuchungen, wonach viele Pensionisten zwischen 60 und 70 ehrenamtliche Tätigkeiten übernehmen, der Einsatz ab 70 aber deutlich sinkt. Woran liegt das?

Soweit ich es wahrnehme, wird es den meisten einfach zu viel. Da müssten sich die Freiwilligenverbände genau anschauen, warum dieser Bruch passiert. Ältere Menschen haben oft das Gefühl, eine Leistung nicht mehr erbringen zu können, diese Generation wurde sehr leistungsorientiert erzogen und traut sich in der Regel nicht offen zu sagen, wenn es zu viel wird. Da müssten die Vereine die Einsatzmöglichkeiten proaktiv anders gestalten, dass die Älteren etwa weniger Stunden im Einsatz sind oder einfachere Tätigkeiten bekommen. Grundsätzlich ist Freiwilligenengagement eine gute Sache, um Menschen kennenzulernen.

Wenn man die vorhin erwähnte „Boomer“-Generation betrachtet, die jetzt in Pension geht und aktiver wie planender an das Thema „gesundes Altern“ herangeht: Was könnte das für unser schwer gebeuteltes Pflegesystem bedeuten?

Mit einem kleinen Freundeskreis, einem abgeschiedenen Wohnort, ohne Kontakt zu Nachbarn ist das Thema sehr schwierig bis fast nicht mehr auflösbar. Dazu kommt, dass der Überlebende beim Tod des Partners sich noch mehr an den gemeinsamen Wohnraum klammert, um wenigstens das stabil zu halten. Die Einsamkeit ist hier vorprogrammiert. Ich glaube, dass die nachkommende Pensionistengeneration mehr nachdenkt, über gemeinschaftliches Wohnen etwa. Auf Facebook etwa gibt es immer mehr Wohnplattformen für Senioren.

Also wird das WG-Modell der „Golden Girls“ auch hierzulande bald salonfähig?

Gemeinschaftliches Wohnen hätte den Vorteil, dass ich nicht allein bin. Ich kann mich zurückziehen, wenn ich Abstand brauche, aber ich bin nie allein. Man darf jedoch nicht der Illusion verfallen, zu sagen: Ich ziehe in eine WG und erspare mir das Pflegeheim.

Warum?

Die Architektin Ursula Spannberger und ich unterstützen bei Vorbereitungen zum Thema „Wohnen im Alter“. Erst kürzlich haben wir eine Gruppe mit sechs Frauen begleitet, die gemeinschaftliches Wohnen planten. Sie waren sich einig: Wir wollen nie in ein Seniorenheim. Dann fragten wir sie, wie sie gedenken, mit Unzulänglichkeiten und Problemen im Alter umzugehen und inwieweit man einander unterstützen möchte. Dabei kam heraus: Einkaufen ja, vorlesen auch, aber die Andere pflegen – bitte nicht. Da braucht es andere Lösungen, über die man reden muss: Hält man ein Zimmer bereit für eine Pflegerin oder ist „auf den letzten Metern“ die beste Lösung doch das Pflegeheim?

Es braucht also früh einen Plan und ein Gespräch auch mit Kindern und Angehörigen, wie man sich das Altwerden vorgestellt?

Unbedingt, ich nenne das Familienkonferenz. Das ist nicht nur für die Person selbst, sondern auch für die Angehörigen wichtig. Auch wenn das in vielen Familien ein Tabu-Thema ist.

Warum gibt es in unserer Gesellschaft noch immer die Erzählung: „Die Kinder schicken ihre Eltern ins Pflegeheim“?

Weil wir nicht darüber reden und diesen Alters- und Familienmythos haben, wonach Eltern von den Kindern zu pflegen sind. In meiner Praxis habe ich nie erlebt, dass Eltern abgeschoben werden, im Gegenteil: Am Ende des Lebens erntet man das eigene Leben. Wird jemand „abgeschoben“, hat es seinen Grund. Auf die Behauptung, ein alter Mensch sei ins Pflegeheim abgeschoben worden, muss deshalb immer die Frage folgen: Weiß man, wie der Mensch zu seinen Kindern und Angehörigen war? Vielleicht tun die Kinder in diesem Rahmen ohnehin das Bestmögliche! Ich erlebe oft das Gegenteil dessen, dass ich vor allem Frauen immer freisprechen muss, weil sie glauben, nicht genug zu tun für das Elternteil, das zeit ihres Lebens nicht immer fein war. Hier ist eine Unterbringung in ein gutes Heim oft genügend Leistung.

In unserer Gesellschaft wird Angehörigenpflege ja als selbstverständlich angenommen.

Unser Pflegesystem ist darauf ausgelegt, 80 Prozent der älteren Menschen werden daheim gepflegt, zum größten Teil von Angehörigen! Das Ehren von Mutter und Vater ist in unserer Gesellschaft tief verankert. Ich staune immer wieder über Ärzte, die bei Diagnosen zur Pflegebedürftigkeit der Eltern den – in der Regel – Töchtern immer wieder mitgeben: Jetzt müssen Sie für Ihre Mutter oder Ihren Vater da sein, als wäre es selbstverständlich, den Job und damit Einkommen wie Pensionsansprüche aufgeben zu können. Noch dazu wissen wir, dass Angehörigenpflege schneller zu mehr Pflegebedürftigkeit führen kann.

Wollen Sie das bitte näher ausführen?

Nehmen wir an, die pflegebedürftige Mutter hat Feinmotorikprobleme und kann ihre Strickjacke nicht zumachen. Sie beginnt zu nesteln, wird unruhig, klagt. Was tut die Tochter? Sie kommt und knöpft die Jacke zu. Macht sie das ein paar Mal, wird die Mutter nicht mehr versuchen, die Knöpfe selbst zu schließen. Die ausgebildete Pflegekraft würde sagen: Frau Maier, Sie können das selbst, Sie haben alle Zeit der Welt. Für die Pflegeperson ist dieses abgeklärte Verhalten einfacher, sie ist emotional mit der Frau nicht so verbunden wie die eigene Tochter. In Dänemark wurde die Angehörigenpflege auf politische Entscheidung deshalb stark zurückgedrängt mit dem Ergebnis, dass die Menschen bei gleichem Alter weniger pflegebedürftig sind als in Österreich.

 

Beitrag veröffentlicht am 04.05.2022
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Gekommen, um zu bleiben

Im BLEIB BERG Health Retreat in Bad Bleiberg heißt es: einen Gang zurückschalten, durchatmen und sich Zeit für die Gesundheit nehmen.

Eigentlich weiß man alles schon zur Genüge: Gut gekaut ist halb verdaut, richtiges Atmen beruhigt, regelmäßiger Sport hält länger fit. Ja, der Körper bedeutet Arbeit und erfordert permanentes Aufräumen und Ausmisten von Gewohnheiten, die schaden. Nachdem die Japanerin Marie Kondo die Beihilfe zum Aufräumen nicht nur als eine lukrative Geschäftsidee entdeckt hat, sondern daraus sogar eine neue Philosophie machte, stellt sich auch mir die Frage: Warum anstatt des Schrankinneren nicht mal den Körper einem umfangreichen Check unterziehen?

Prim. Bruno Pramsohler

„Kuraufenthalt“ heißt die offizielle und wenig aufregende Bezeichnung dafür. Aber nennen wir es einfach Auszeit. Auszeit in den Bergen, im BLEIB BERG Health Retreat, so seit Kurzem der Name des früheren Bleibergerhofs im kärntnerischen Bad Bleiberg. Um zwei Millionen Euro bekam der Traditionsbetrieb im Herzen des Naturparks Dobratsch, der nun der Humanomed-Gruppe gehört, ein umfassendes Facelifting mit komfortablen Zimmern, einem stilvollen, zurückhaltenden und farblich stimmigen Interieur sowie einem modernen und großzügigen Spa- und Wellnessbereich.

Dieses neue Gesamtkonzept steht unter dem Motto „Down Aging“ und Revitalisierung, das aktives Mitmachen erfordert und so gesehen mehr mit Marie Kondos Aufräumprojekt zu tun hat als mit ausgiebigem Müßiggang, den man aus dem Wellness-Urlaub in der Therme kennt. Unter Down Aging versteht sich übrigens nichts anderes, als alles dafür zu tun, um jung und fit zu bleiben, das betrifft vor allem die 50-Plus-Generation, die geistig und körperlich um einiges jünger ist als ihre Vorgängergenerationen.

Weniger ist mehr

Bereits am Abend der Anreise unterzieht man sich einem umfassenden Gesundheitscheck, damit für den Aufenthalt – ab sieben Tage ist dieser empfohlen – in die passende Kategorie eingeordnet werden kann. Bei der Ernährung wird eingeteilt in eine strenge Fastenkur nach Dr. F.X. Mayr, eine mildere Ableitung nach Dr. E. Rauch/Peter Mayr und die so genannte FODMAP-Ernährung. Das ist ein australisches Konzept mit Fokus auf reizdarmschonenden Säure-Basen-Ausgleich, bei der die Küchenchefin Bettina Mitter-Melcher jeglichen Zucker weglässt, so auch die bei der Verarbeitung Zucker produzierende Zwiebel, um Gärprozesse im Darm zu vermeiden, die Verdauungsbeschwerden hervorrufen. In der Küche herrscht das Gebot: Regionales und Saisonales hat Vorrang und auch Gourmets sollen auf ihre Kosten kommen. Und das tun sie.

Auf Basis der jeweiligen körperlichen Verfassung wird für die kommenden Tage auch die sportliche Betätigung angepasst. Die Bewegungsangebote im Wasser, Fitnessraum oder im Freien sind vielfältig und über den gesamten Tag nutzbar. Ein besonderes Highlight: Yoga im Heilklimastollen des Ortes, jeweils am Donnerstag. Bei acht Grad Temperatur und fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit ist das eine sehr intensive Erfahrung, die Entspannungsphase findet im Schlafsack mit Wärmflasche statt. Weil auch die Optik beim Älterwerden nicht zu kurz kommen darf, bietet das BLEIB BERG Health Retreat Gesichtsbehandlungen nach einem US-amerikanischen Prinzip, das auch Hollywood-Stars strahlen lässt. Mit einem Analysesystem werden dabei das biologische Alter der Haut festgestellt und entsprechende Pflegetipps mit auf den Weg gegeben.

Nachhaltig versteht sich im BLEIB BERG Health Retreat zudem, was die Fortführung des dort Erlernten im Alltag betrifft: Für jeden Bereich gibt es Anweisungen für zuhause, seien es Empfehlungen zur passenden Sportart, Rezepte zur gesunden Ernährung oder eben Pflegehinweise für die Haut.

 

Ein Leben in Zeitlupe

Das BLEIB BERG Health Retreat bezeichnet sich als Kraftort für ganzheitliche Gesundheit und Ernährung, es ist eine Kombination aus klassischer Schulmedizin, alternativen Ansätzen und einem durchdachten Ernährungsprogramm. Für den Gast ist es zunächst ein Herunterbremsen, Durchatmen und Wiedererlernen dessen, was im Leben wichtig ist. Und das beginnt schon früh morgens mit der 25-minütigen Trainingseinheit „Aktives Erwachen“, wo gezielte Bewegungen den vom zu vielen Sitzen oft steifen Bewegungsapparat lockern und den Körper fit für den Tag machen. Wer auf strenger Diät ist, erhält davor, in der so genannten „Dickdarmzeit“ zwischen 5 und 7 Uhr, Bittersalz, das eine leicht abführende Wirkung hat. Das Frühstück setzt sich unter dem Motto „Slow Motion“ fort, jeder Bissen sollte 30 bis 40 Mal gekaut werden, nicht nur beim Frühstücken. Denn die Verdauung beginnt bekanntlich bereits im Mund, gut gekautes Essen signalisiert dem Körper früher ein „Stopp, ich bin satt“. Dieses frühzeitig eintretende Sättigungsgefühl entlastet auch den Darm. Das auf den ersten Blick recht übersichtlich gestaltete Frühstück zeigt sich dann doch als reichhaltig, vor allem ist es köstlich und gesund.

Das individuell zusammengestellte Programm leitet durch den doch recht schnell vergehenden Tag, das den wohl schönsten Ausklang im dampfenden Outdoorpool unter dem noch recht winterlichen Sternenhimmel findet. Apropos Wasser: Der erst 1951 zufällig entdeckte Schatz in 3.600 Metern Tiefe wurde als „uranhältige Akrotherme“ eingestuft, enthält also Uran, Calcium, Magnesium und Hydrocarbonat.

Dem Stress Paroli bieten

Reduktion bedeutet im BLEIB BERG Health Retreat auch, mit Stress umgehen zu lernen, dem jeder in irgendeiner Weise ausgesetzt ist. Also innehalten, Handy ausschalten, durchatmen. „Es geht darum, die richtige Balance zwischen Aktivität und Ruhe zu finden“, sagt Bruno Pramsohler, Primarius und ärztlicher Leiter des BLEIB BERG Health Retreats, der gemeinsam mit seinem Ärzteteam die einführende und abschließende Untersuchung der Gäste vornimmt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Atmung, 80 Prozent der Menschen atmen falsch, ergänzt er. Stress ist der größte Störenfried des guten Schlafes, und dieser ist nun einmal das Um und Auf für ein gesundes und aktives Leben. Im Schlaf werden Erlebnisse von tagsüber aufgearbeitet, Emotionen trainiert und Sorgen verarbeitet. Wichtig ist dabei, den eigenen Schlaftypus festzustellen: Manche Schlafstörungen rühren daher, dass beispielsweise Kurzschläfer zu lange schlafen, erzählt der Primarius.

So zeigen sich zu Ende der Auszeit neue Erfahrungen, wie man den Körper gesund hält und viele Weisheiten, die ein Mehr an Achtsamkeit, Bewusstheit und Ruhe bedeuten. Die gilt es nun, mit nach Hause zu nehmen und behutsam in den Alltag zu integrieren. Wie die Ordnung des Aufräumens, die Marie Condo lehrt, und die, einmal integriert, das Leben ein bisschen angenehmer und schöner macht.

Beitrag veröffentlicht am 29.04.2022

Renate Rosbaud: Ein Hund als Jungbrunnen

Aus den zahlreichen Anrufen und E-Mails als Reaktion auf den ersten Beitrag der bekannten TV-Moderatorin und Tierexpertin Renate Rosbaud in der letzten Ausgabe von „Abenteuer Alter“ kristallisierte sich ganz deutlich ein Themenschwerpunkt heraus: „Ich gehe zwar noch gerne spazieren, aber ganz topfit bin ich gerade auch nicht mehr, hätte aber gerne einen Hund als Begleiter. Darf ich, soll ich, kann ich?“ Renate Rosbaud hat dazu einen Expertenrat eingeholt.

Ein Hund tut gut in jedem Lebensalter! Vor allem, wenn Sie ein „Best-Ager“ sind, heute auch „Generation Gold“ oder „50plus“ genannt. Die Vorteile eines Vierbeiners sind großartig: Mit einem felligen Begleiter kommen Sie leicht ins Gespräch mit Gleichgesinnten jeden Alters und verschiedenster Herkunft. Freundschaften und Hundegruppen zum gemeinsamen Gassi gehen können entstehen. Leicht überwinden Sie auch ihren fiesen, inneren Schweinehund, denn der reale Vierbeiner muss hinaus. Das heißt, auch Sie müssen sich bewegen, bei jedem Wetter. Das hält beweglich, körperlich und geistig. Und Sie sind nie allein, es wird nie langweilig. Sie können mit Ihrem Hund sprechen, Ihre Sorgen loswerden, Ihren Ärger, ihm Schönes erzählen. Vorteil: Er hört zu und meckert nicht zurück. Perfekt!

Doch bevor Sie aufspringen und sich einen vielgewünschten und heiß ersehnten Wauzi zulegen, sollten Sie einige Punkte in Ruhe überdenken – schreiben Sie am besten eine Liste. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Bin ich noch so fit wie früher? Wie lange und oft möchte ich spazieren gehen? Fahre ich mehrmals im Jahr auf Urlaub? Habe ich eine Betreuung für meinen Hund, eine Tierpension, Familie, FreundInnen, NachbarInnen? Möchte ich eine Rasse, die oft beschäftigt werden will oder eher etwas Gemütliches?

Prinzipiell gilt, je kleiner und leichter ein Hund ist, umso einfacher ist es, ihn mitzunehmen, ihn wo hinaufzuheben, bei Bedarf zu tragen. Und es ist eine Frage der eigenen Sicherheit, der des Hundes und anderer Menschen. Wenn der Hund nämlich so groß und kräftig ist, dass er Sie umreißt, wenn er an der Leine zieht – dann ist er der Falsche. Diese praktischen und wichtigen Gedanken hat mir Andreas Gomsi verraten, Hundetrainer bei der renommierten Hundeschule „Martin Rütter DOGS Graz“ auf der Laßnitzhöhe. Er hat in meiner Serie „Bei Tier daheim“ (jeden DIENSTAG um 19 Uhr in „Steiermark heute“) schon öfter wertvolle Tipps gegeben. Auch er hat oft ältere Hundebesitzer in seinen Kursen, mit denen er trainiert und spricht deshalb aus Erfahrung.

Andreas sagt, es gibt nicht „die“ Hunderasse, die für „Best-Ager“ geeignet ist oder eben nicht. Es kommt auf den Charakter des Tieres an. Und auf das Alter des Vierbeiners. Ein Hund wird im Schnitt 10-15 Jahre alt. Kann ich mich solange um ihn kümmern? Gibt es jemanden, der auf ihn aufpasst, wenn ich krank bin, ins Spital muss, nicht mehr da bin? Ein guter Tipp, so der „Martin Rütter DOGS“-Trainer, ist, sich in Tierheimen nach älteren Hunden umzuschauen. Diese finden leider meist nicht so schnell ein neues Zuhause und sind dankbar, wenn ihnen jemand noch Liebe und Zuwendung schenkt. Der Vorteil, sie sind meist auch schon erzogen und stubenrein. Gehen Sie einfach ein paar Mal probeweise spazieren. Dabei merken Sie schnell, ob Sie und der Hund harmonieren.

Als Vierbeiner-Faustregel könnte man sagen: eher klein, nicht zu schwer, pflegeleichtes Fell und von ausgeglichenem Charakter. Ich persönlich finde ja Klein- oder Zwergpudel entzückend, kurz geschoren und relativ leicht zu erziehen. Außerdem haaren sie nicht. Wenn Sie das alles abgewogen haben, dann steht einer Hundeliebe bis ins goldene Alter nichts im Wege. Und außerdem: 80 ist ja immerhin das neue 60 und in diesem Alter sind viele von Ihnen fitter als so mancher Teenager.

Beitrag veröffentlicht am 19.04.2022
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Politik-Montag: Doris Kampus – Dort hinschauen wo es nicht gut läuft

Zur Sorge Corona kam auch die Sorge Inflation. Mag. Doris Kampus (54), die Soziallandesrätin der Steiermark, hat besonders die Schwächsten in der Gesellschaft im Visier.

Die ältere Generation hat schon seit zwei Jahren mit der Corona-Pandemie zu kämpfen. Was macht das mit den Menschen?

DORIS KAMPUS: Was die sozialen und psychologischen Aspekte betrifft, machen mir zwei Gruppen besonders Sorge. Das sind die Kinder und die Jugendlichen und natürlich die älteren Menschen. Das sieht man auch in der Seniorenstudie von Abenteuer Alter, zu der ich nur gratulieren kann. Auch wenn diese Ergebnisse sich auf die Zeit vor der Pandemie beziehen, zeigen sie, wie groß das Thema Einsamkeit bei den Älteren ist. Ich freue mich, dass diese Studie zeigt, wie viele ältere Steirerinnen und Steirer sich wohlfühlen und dass es ihnen gut geht. Aber mein Job als Soziallandesrätin ist es, dort hinzuschauen, wo es nicht so gut läuft.

Glauben Sie, die Befragten stellen ihre Befindlichkeit besser dar als sie ist?

KAMPUS: Viele in dieser Generation geben nicht so gerne zu, dass es ihnen nicht so gut geht. Ich glaube, unsere gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe muss es sein, da hinzuschauen. Wenn man die Oma fragt, wie geht es dir, sagt sie: ‚Passt schon, passt schon‘. Das sagt sie sogar, wenn etwas nicht mehr passt. Ich glaube, diese Gruppe ist unter Corona eher größer geworden. Die Menschen haben sich ein Stück zurückgezogen. Das macht mir große Sorgen.

Braucht es vielleicht neue Wege, um in dieser Situation an die Seniorinnen und Senioren heranzukommen?

KAMPUS: Ich bin kein ausgesprochener Fan der neuen Medien, aber sie sind schon auch eine Chance, wie man noch teilhaben kann. In den Familien hat das geholfen, indem die Großeltern über Whatsapp trotz Lockdown etwas Verbindung mit den Enkeln hatten. Das macht viel aus, dass man auch die ältere Generation auf diese Weise einbindet. Auch die Seniorenverbände haben sich darauf eingestellt. Sie bieten jetzt Schulungen und Kurse an, damit sich diese Welt für alle öffnet. Wir beteiligen uns da durch die Finanzierung etwa des Seniorenbeirates oder von Computerkursen.

Zur Sorge wegen Corona ist für viele Menschen die Sorge um’s Geld gekommen, weil die Inflation so stark geworden ist wie seit vielen Jahren nicht mehr. Wie sehen Sie das?

KAMPUS: Die Teuerungswelle trifft die Älteren doppelt hart. Wir haben Zahlen dazu, die mich betroffen machen, weil die Teuerung vor allem die Gruppe 60+ sehr trifft. Wir haben zum Glück zwei Instrumente, mit denen wir das teurer gewordene Wohnen unterstützen, die Wohnunterstützung und der Heizkostenzuschuss. Bei der Wohnunterstützung sind mehr als die Hälfte der 8.000 Bezieher Pensionistinnen und Pensionisten. Das finde ich ganz schlimm. Beim Heizkostenzuschuss sind es mehr als zwei Drittel von fast 9.000. Wir haben den Heizkostenzuschuss von 120 auf 170 Euro erhöht, um dagegenzuhalten, aber da braucht es auch andere Bemühungen, zum Beispiel bei der Höhe der Pensionen.

Die Älteren wissen aus ihrem Leben, was Inflation ist, die jüngeren Generationen aber nicht. Hilft dieses Wissen etwas?

KAMPUS: Die, für die ich mich zuständig fühle, also MindestpensionistInnen oder BezieherInnen der Ausgleichzulage, sind ganz besonders betroffen. Wir brauchen im Sozialsystem mehrere Stellschrauben, einen Teil davon machen wir in der Steiermark mit diesen Hilfen beim Wohnen und Heizen und in anderen Bereichen. Wir brauchen aber auch eine Bundesregierung, die bei den Pensionen hinschaut. Und es ist verstörend, dass es noch immer und massiv zur Diskriminierung der Älteren kommt, nur auf Grund von Alter. Bei den Banken fragen sie, braucht man im Alter wirklich unbedingt einen Kredit? Aber auch in dieser Generation hat man zum Glück viele Wünsche, aber auch Notwendigkeiten. Man muss ein Bad umbauen oder andere altersgerechte Investitionen vornehmen. Was es im Bereich der Banken und Versicherungen immer noch an Altersdiskriminierung gibt, ist unglaublich.

Zu den Leistungen Ihres Ressorts gehört auch die Seniorenurlaubsaktion. Wie ist die unter Corona-Bedingungen gelaufen?

KAMPUS: Wie andere Entwicklungen. 2020 durften wir es gar nicht anbieten wegen der Corona-Lage. 2021 haben wir es wieder angeboten, aber die Nachfrage war schaumgebremst. Wir hätten mehr Plätze für diese Urlaube gehabt als in Anspruch genommen wurden. Ich schätze diese Möglichkeit sehr und treffe mich mit den Leuten und plaudere gern mit ihnen. Da gibt es teilweise Gruppen aus den Bezirken, wo man sich untereinander schon kennt. Ganz viele sind im Vorjahr aber nicht mitgefahren, weil sie sich nicht getraut haben. Für mich wäre es das Schlimmste, würde das so bleiben.

Die Seniorenstudie von Abenteuer Alter hat ergeben, dass viele dieser Altersgruppe noch arbeiten. Was halten Sie davon?

KAMPUS: Ich befürchte, diese Medaille hat zwei Seiten. Es gibt eine Gruppe, die das nicht ganz freiwillig macht, weil ihre Pension zu gering ist, um den Lebensstandard halbwegs zu halten. Das gefällt mir nicht, weil eigentlich sollten die Pensionen in Österreich für Menschen, die so lange gearbeitet haben, so sein, dass man gut  davon leben kann. Natürlich kommt noch die Frauenproblematik dazu: Sie haben weniger Versicherungsjahre, die Kinder betreut, und oft nur halbtags gearbeitet. Die andere Seite der Medaille sagt: ‚Jetzt bin ich Anfang 60, eigentlich geht es mir super, aber ich würde gerne noch Anteil haben und ich mache nebenher noch was‘. Das finde ich super. Und dazu kommt, dass wir jetzt auf dem Arbeitsmarkt die Chance, ein besonderes Zeitfenster, haben. Bisher hat es immer mehr Angebot als Nachfrage gegeben und jetzt ist daserstmals anders. Die Betriebe suchen händeringend Leute und jetzt haben erstmals auch Menschen der Generation 50+ eine realistische Jobchance.

Der Pflegenotstand wegen des Personalmangels in Spitälern und Heimen ist ein großes Problem, das zum Teil auch in Ihre Zuständigkeit fällt. Was muss geschehen, dass die Pflege gerade für die Älteren nicht zusammenbricht?

KAMPUS: Gemeinsam mit meiner Kollegin Juliane Bogner-Strauß bringen wir da einiges weiter. Wir haben schon vor fünf Jahren eine Pflegestiftung ins Leben gerufen, die hat schon 1.500 Arbeitslose ausgebildet oder sie sind in Ausbildung. Der Bedarf steigt nicht nur wegen der demografischen Entwicklung, sondern zum Beispiel auch deshalb, weil viele Pflegende am Ende ihrer Kräfte sind und eine Auszeit brauchen.

Beitrag veröffentlicht am 06.04.2022
© Peter Drechsler
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Politik-Montag: Niko Swatek – Gemeinsam füreinander da sein

Niko Swatek, Jungvater und Klubobmann der Neos im steirischen Landtag, im Interview über das Verhältnis zwischen den Generationen und das Geld im Börserl.

Sie sind mit Ihren 31 Jahren der bisher jüngste Interviewpartner von Abenteuer Alter. Macht Sie das eigentlich alt?

NIKOLAUS SWATEK: Ich glaube, man ist so alt wie man sich fühlt und ich fühle mich gerade richtig, um in der Politik anpacken und dort etwas umsetzen zu können.

Wie sehen Sie generell das Verhältnis zwischen Alt und Jung in unserer Gesellschaft?

SWATEK: Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass die Generationen viel zu oft nebeneinander leben statt miteinander. Da kann die Politik noch mehr leisten, dass dieses Miteinander in der Gesellschaft wieder stärker im Vordergrund steht.

Was verstehen Sie unter ‚nebeneinander‘?

SWATEK: Naja, die Jungen reden über die Alten und die Alten über die Jungen. Man hört: Früher war alles besser. Ich glaube, man muss gemeinsam schauen, dass alle eine blühende Zukunft haben, egal, ob man jung oder alt ist, dass man sein Leben in jeder Generation so leben kann, wie man es leben möchte.

Erfahren sie als junger Vater familiären Kontakt mit ihren Eltern und Großeltern?

SWATEK: Ich habe leider keine Großeltern mehr, aber ich habe mit meinem Sohn das große Glück, dass ich Vater und Mutter habe und auch die Eltern meiner Lebensgefährtin, die uns zwischendurch Luft verschaffen, dass wir auch wieder etwas Zeit für uns haben.

Haben Sie eine Vorstellung davon, wie die Stimmung in der älteren Generation ist?

SWATEK: Da gibt es große Unterschiede, zum Beispiel zwischen meinem Vater und dem Vater meiner Lebensgefährtin. Jeder ist anders, aber am Schluss sind die menschlichen Bedürfnisse sehr ähnlich: Wir wollen Liebe genießen, menschliche Nähe spüren, unser Leben leben können und die Dinge machen, die uns Spaß machen. Durch Corona haben wir auch erlebt, dass Dinge, die uns selbstverständlich waren, nicht mehr ganz so möglich waren. Das hat Junge wie auch Alte betroffen.

Sie sprechen Corona an. Wenn wir uns die jüngere und die ältere Generation ansehen, kann man sagen, dass eine dieser beiden Gruppen stärker von der Pandemie betroffen war, dass sie mehr zu leiden hatte?

SWATEK: Ich würde Leid nie gegeneinander ausspielen. Junge Menschen waren im Distance Learning und viele hatten mit psychischen Problemen zu kämpfen. Wir haben sogar eine sehr hohe Rate an Jugendlichen mit Suizidgedanken, da müssen wir hinschauen. Auf der anderen Seite haben wir bei älteren Personen denselben Effekt. Wir haben Menschen in Pflegeheimen, die keinen Besuch empfangen durften und auch vereinsamt sind. Das hat auch dort Schäden angerichtet, die unsere Gesellschaft in Zukunft nicht mehr zulassen sollte.

Ist das ein Versagen der Generation dazwischen, zwischen den Jungen und den Alten?

SWATEK: Es war in meinen Augen eher ein Politikversagen, weil man auf gewisse Gruppen zu spät geblickt hat oder weil man bei den Maßnahmen nicht an die Folgen für bestimmte Gruppen gedacht hat.

Ist Politikversagen nicht ein leeres Schlagwort? Haben nicht doch die Menschen versagt?

SWATEK: Naja, die Menschen machen Politik.

Wenn wir in Schulen oder Altersheime sehen, da gehen ja Menschen hinein und nicht Politiker.

SWATEK: Ja, aber die Menschen konnten nicht hineingehen, weil die Politik gesagt hat, die Tore sind zu. Wir wissen, dass Vereinsamung ein Element ist, das dazu führen kann, dass die Menschen auch in den letzten Jahren den Willen verlieren, sich noch einmal aufzurichten.

Neben der Herausforderung Corona hat uns auch die Herausforderung Inflation getroffen. So eine Geldentwertung hat die jüngere Generation noch nie erlebt, viele Ältere aber schon wiederholt. Was fällt den Neos zu diesem wichtigen Thema ein?

SWATEK: Wir müssen schauen, dass den Menschen mehr Geld im Geldbörserl bleibt. Mit den steigenden Preisen steigen ja auch die Steuereinnahmen und wir müssen festhalten, dass Österreich trotz Coronakrise Rekordeinnahmen hatte. Wir sehen, dass 40 Prozent des Strompreises Steuern und Abgaben sind. Dieses Geld müssen wir den Menschen zurückgegeben, damit sie wieder Spielräume haben.

Wie schwer es ist, mit seinem Geld hauszuhalten, zeigt eine Studie der Neos, in der sich die jungen Menschen beklagen, sie könnten heutzutage keine Vermögen mehr aufbauen. Frühere Generationen haben in viel schlechteren Zeiten aber sehr wohl Vermögen geschaffen. Haben die Jüngeren heute vielleicht zu hohe Konsumausgaben?

SWATEK: Auf keinen Fall, darum geht es nicht. Das Problem gerade für die Jüngeren ist, dass die Löhne nicht adäquat steigen. Deshalb haben junge Menschen oft nicht den Spielraum, sich eine Wohnung oder ein Haus leisten zu können.

Sie sagen, die Löhne steigen nicht genug. Wer sollte denn für bessere Einkommen sorgen?

SWATEK: Naja, wir alle.

Wir alle, das ist zum Beispiel der Staat …

SWATEK: Der Staat ist nicht immer die Lösung, sondern oft das Problem. Wenn der Staat uns weniger belasten würde, weniger Lohnnebenkosten fordern würde, hätte die Wirtschaft mehr Spielräume und wir hätten weniger Arbeitslose. In der Coronakrise haben wir gesehen, dass wir den Staat fit machen müssen, damit wir als Gesellschaft vor Krisen besser geschützt sind.

 

 

Beitrag veröffentlicht am 11.04.2022
© Neos Stmk
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Der große E-Bike-Test

Diesmal im Test: Das FLYER City eBike Upstreet5 7.10

Zugegeben: Ganz günstig sind sie nicht. Aber die Räder der Schweizer Marke Flyer gehören zu den besten E-Bikes, die aktuell auf dem Markt sind. Eine Empfehlung von Gerhard Bauer, Inhaber von Bauer’s E-Bike.

Die Schweiz steht für Präzision. Das Schweizer Messer, die Schweizer Uhr und auch die Schokolade, deren Herstellungsprozess erst die Schweizer so hinbekommen haben, dass die Süßigkeit gut schmeckt. Mit dem E-Bike Flyer Upstreet aus Huttwil im Kanton Bern wurde ein Elektrorad geschaffen, durchdacht „von vorne bis hinten“. Die Biketester sind sich einig: Ein klares „Sehr gut“ für dieses hochwertige und  wartungsarme E-Bike für die Stadt und für Tagestouren.

ROBUST UND SICHER

Hergestellt ist das Premium-E-Bike mit 28 Zoll aus robustem Aluminium, es ist in verschiedenen Rahmengrößen und Farben erhältlich. Das Modell bietet einen Flacheinstieg und ist deshalb für ältere Menschen bestens geeignet. Die Robustheit macht das Bike auch für schwerere Radfahrer bis 150 Kilo interessant.

LEISTUNGSSTARK

Beim Motor handelt es sich um einen Panasonic GX Ultimate mit 90 Nm und teilintegriertem 750 Wh-Fly-er-SIB-Akku und bringt eine Kraftunterstützung bis 25 km/h. Der Motor gewährleistet einen kraftvollen Schub, mit dem sogar steilere Auffahrten möglich sind. Der Akku ist leistungsstark und reicht lange, die SR-Suntour Federgabel garantiert ein weiches Fahren auch auf holprigem Untergrund.

EINFACH ZU HANDHABEN

Die Panasonic-Bedieneinheit befindet sich am linken Lenkergriff, wo aus vier Unterstützungs- und Automatikstufen gewählt werden kann. Jedes E-Bike hat natürlich eine 6-km/h-Schiebehilfe.

SICHERHEIT GEHT VOR

Die lichtstarke LED-Beleuchtung (Busch&Müller) sorgt für beste Sicht und gute Ausleuchtung. Gegen Diebstahl schützt das integrierte ABUSRahmenschloss.

PREIS

Mit einem Preis von rund 4.500 Euro ist es zwar nicht ganz günstig, doch langfristig zahlt es sich aus: Das EBike ist einfach und komfortabel zu handhaben und so konzipiert, dass es lange hält. Gerhard Bauer sagt dazu: „Wir sind das größte E-Bike-Center Österreichs. Durch unsere langjährige Erfahrung können wir passgenau empfehlen, welches E Bike für welche Person geeignet ist. Und weil es nicht nur um das Fahren geht, sondern auch um Service, Wartung und Reparaturen, sind wir auch in der Lage, die Kosten gut einzuschätzen, die über die Lebenszeit eines Rades anfallen.

Und hier gibt es eine klare Empfehlung: Billig ist meist teuer. 

© Bauer Bikes
Beitrag veröffentlicht am 04.04.2022