So behalte ich den Führerschein

Abenteuer Alter über das Dilemma der Senioren, die aufs Auto angewiesen sind. Das Unfallrisiko dieser Generation steigt, aber ohne Auto sinkt ihre Lebensqualität dramatisch.

Z weimal sind fast 80-Jährige im Frühjahr mit ihren Autos in den Auslagenscheiben von Grazer Geschäften gelandet. Es gab gottlob nur Sachschaden, aber die beiden Senioren erleben seither einen der Albträume ihrer Generation: ein erzwungenes Leben ohne Autofahren. Oskar Nusser (Name geändert), ein 86-Jähriger aus Graz-Umgebung, mag sich so ein Leben nicht einmal vorstellen: „Dann kann ich gleich auf den Friedhof übersiedeln“, sagt er grimmig zu Abenteuer Alter. Denn Autofahren ist für fast alle Senioren nicht Freizeitvergnügen, sondern schlichte Lebensnotwendigkeit. Nicht nur auf dem Land ist ein aktives Leben untrennbar mit selbstbestimmter Mobilität verbunden, die das Auto bietet. Der Supermarkt, in dem Herr Nusser einkauft, ist nicht im Ortszentrum, sein Arzt hat seine Ordination an die Peripherie verlegt, die Apotheke setzt auf einen Standort mit Parkplätzen, ein Besuch bei Kindern und Enkeln ist nur mit dem Auto möglich und wegen des Kaffeehaussterbens kann er nicht mehr zu Fuß auf ein Plauscherl gehen. 

Studien bestätigen, dass ohne Auto viel mehr als die Mobilität verloren geht. Es sinkt die ganze Lebensqualität vieler Senioren auf ein Minimum. Herr Nusser steht für viele, die das Auto seit Jahrzehnten als wesentlichen Teil der Freiheit und Unabhängigkeit erleben und für die das Leben ohne Fahrzeug fast nicht mehr lebenswert ist. 

Die beiden Senioren, die sich mit dem Auto in den Schaufensterscheiben wiedergefunden haben, sehen das wohl ähnlich. Zum Glück ist ihnen außer dem (erheblichen) Sachschaden und dem Schreck nichts passiert. Aber die Vorfälle werfen die Fragen auf, wie sicher Senioren einerseits im Straßenverkehr sind und wie sehr sie anderseits aufs Auto angewiesen sind. Abenteuer Alter versucht den Fokus darauf zu legen, wie man im höheren Lebensalter den Führerschein möglichst lange behalten kann. 

Für viele ist es geradezu ein Albtraum, den Schein zu verlieren. Die Polizei kann ihn kassieren und Lenker am Weiterfahren hindern, wenn die Beamten das fundierte Gefühl haben, das ist im Sinne der Verkehrssicherheit geboten. Dann ist das Papier vorübergehend weg, so Heimo Kohlbacher von der Landespolizeidirektion Steiermark. So eine Situation hat eine 90-jährige ehemalige Unternehmerin erlebt, die 70 Jahre lang mit ihrem Cabrio unfallfrei gefahren ist. Sie hat den Beamten „den Führerschein gleich hingeschmissen“, erzählt sie Abenteuer Alter. Bei begründetem Verdacht der Polizei kann die Bezirkshauptmannschaft eine Untersuchung durch den Amtsarzt anordnen. Der stellt fest, ob der betreffende Fahrzeuglenker gesundheitlich oder geistig in der Lage ist, weiter Auto zu fahren. Das geschieht in der Regel in einer Beobachtungsfahrt und dann entscheidet der Mediziner, ob der Führerschein für immer weg ist oder doch nicht. 

Hier kommt der Fahrschulbesitzer Karl-Heinz Stummer ins Spiel, dessen Unternehmen Powerdrive in solchen Fällen Trainings anbietet. Allen, die den Führerschein im Alter möglichst lange behalten wollen, kann Abenteuer Alter diese Angebote empfehlen. Allerdings erlebt der Experte immer wieder das Misstrauen der Betroffenen, sie könnten für immer den Führerschein verlieren, wenn sie so einen Kurs besuchen. Er beteuert glaubhaft, dass er nur dann an die Behörde berichtet, wenn er ausdrücklich als Gutachter beauftragt ist. 

Stummer hat auch eine gute Nachricht. Die Führerscheinbehörde kennt nicht nur das gefürchtete Entweder-Oder, sondern bietet auch einen Mittelweg an. Sie kann im Führerschein behördliche Einschränkungen etwa der Art eintragen, dass der Opa nicht mehr weiter als 50 Kilometer fahren darf und dass Nachtfahrten und Autobahnen für ihn tabu sind. Aber er verliert nicht gleich jede selbstbestimmte Mobilität.  

In der Praxis erlebt der Fahrschulprofi auch Fälle von freiwilliger Selbstbeschränkung, wenn ältere Personen nach längeren Spitalsaufenthalten zu ihm kommen. Oft sind es die Angehörigen, die solche Personen motivieren, ihre Fahrtauglichkeit testen zu lassen, bevor sie sich wieder ans Lenkrad setzen. Das setzt allerdings die Fähigkeit zur Selbstkritik voraus, wie sie ein durchaus typischer älterer Autofahrer bewies. Der 80-jährige Zisterziensermönch Pater August Janisch von Stift Rein war als Seelsorger jedes Jahr viele tausend Kilometer unterwegs, bis er bemerkte, dass sein Sehvermögen bedenklich nachlässt. Er hat das Auto hergegeben und die Augenärztin hat ihm zu dieser Entscheidung gratuliert.

Bei den Fahrten mit älteren Leuten erlebt Fahrschulprofi Stummer nicht nur Kritikfähigkeit, Vernunft und Einsicht, sondern auch das Gegenteil. Als er eine 90-Jährige bei so einer Fahrt darauf hinwies, dass sie einem Linienbus bedenklich nahegekommen war und eine Frau mit Kinderwagen auf dem Zebrastreifen nicht beachtet hatte, bekam Stummer nur böse Worte zu hören. Seine Erfahrungen decken sich mit denen eines Kollegen aus München, Toni Hubalek, der wegen seiner Erlebnisse bei Fahr-Fitness-Checks für Senioren sogar Auftritte im Fernsehen hatte. Er erzählt, dass vielen älteren Fahrern ihre Mängel gar nicht bewusst sind. Ein 78-Jähriger, dem der Fahrlehrer nach vollbrachter Fahrt mehrere Fehler vorhalten musste, sagte auf die Frage, ob ihm das aufgefallen sei: „Eigentlich nicht.“ 

Doch die Mängel in der Fahrweise von Senioren lassen sich beheben, beruhigen Experten. Wer im Alter möglichst lange den Führer behalten will, sollte die Erfahrungen der Fahrschulprofis ernst nehmen. Sie beobachten typische Fehler, welche die Unfallstatistik bestätigt: Ältere missachten häufig den Vorrang anderer und sind unkonzentriert, etwa vor einem Zebrastreifen, sie fahren oft noch bei Gelb oder sogar Rot in eine Kreuzung, sie orientieren sich zu sehr an der Fahrbahnmitte, sie beherrschen den Schulterblick nicht, und machen Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren. So wie offenbar die beiden Grazer, die mit dem Auto in den Schaufenstern gelandet sind. 

Der wichtigste Ratschlag der Verkehrspsychologen lautet, irrelevante Informationen auszublenden und sich nur auf das Wichtigste zu konzentrieren. Das heißt, das Autofahren ernst zu nehmen und nicht als eine Nebentätigkeit abzutun, die man „mit links“ ausübt und mit jahrelanger Routine spielerisch beherrscht. Denn mit dem Alter geht schrittweise verloren, was Experten als Grundvoraussetzungen für eine sichere Verkehrsteilnahme auflisten: Ungetrübte Wahrnehmung, Reaktionsvermögen und ausdauernde Aufmerksamkeit. Was so spröde klingt, ist essenziell: gut Sehen und Hören, ein wacher Sinn und volle (nicht halbe) Konzentration. Peter Felber vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) in der Steiermark macht eine wichtige Ergänzung. Ältere Lenker, die sich nicht mehr ganz sicher fühlen, sollten gerade deshalb nicht weniger, sondern mehr mit dem Auto fahren. Es sei keine Lösung, nur noch selten mit dem Auto zu fahren, etwa einmal pro Woche zum Einkaufen oder in die Kirche. „Mit jedem Kilometer weniger geht der größte Vorteil der Senioren verloren, die wertvolle Routine.“  

Ihre Routine bestätigten den Senioren am Steuer auch die Unfallstatistik. Die Unfallhäufigkeit der Autofahrer ab 65 Jahren unterscheidet sich nach den Daten von Statistik Austria kaum von den anderen Altersgruppen, wobei natürlich die 15- bis 24-Jährigen die größten Gefährdeten und Gefährder sind. Doch ab etwa 75 Jahren lässt die Verkehrssicherheit doch nach, so die Daten. 

ÖAMTC-Experte David Nosé nützt den Interpretationsspielraum der Statistik für die Beteuerung, Senioren seien keine Risikogruppe im Straßenverkehr, ihr Unglücksrisiko sei geringer als im Durchschnitt. Klaus Robatsch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) räumt „strukturelle Schwächen“ der Senioren am Volant ein, sie würden diese aber auf andere Art kompensieren. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist langsamer, die körperliche Motorik schwächer und beim Sehen und Hören hapert es. Dem setzen sie aber die Vorteile des höheren Alters entgegen, so Robatsch. Sie haben Routine, müssen niemandem mehr etwas beweisen oder vermeiden Fahrten bei Dunkelheit und schlechter Sicht. 

Einen Umstand können die wohlmeinenden Experten nicht leugnen: Wenn es kracht, fallen die Verletzungen älterer Personen besonders schwer aus. „Mit zunehmendem Alter verunglücken die Personen zunehmend schwerer“, heißt es im Jahresbericht der Statistik Austria. Das gilt natürlich besonders für die am wenigsten geschützten Verkehrsteilnehmer, die Fußgänger und Radfahrer. 2021 waren 21 von 37 tödlich verunglückten Fußgängern und 26 von allen 50 getöteten Radlern 65 Jahre und älter. 

Abenteuer Alter gewann bei den Recherchen den Eindruck, dass die Gesellschaft die Senioren weitgehend allein lässt, wenn sie nach Jahrzehnten mit dem Autofahren aufhören (müssen). Öffentlicher Verkehr ist fast keine Option, weil es ihn außerhalb der Städte praktisch nicht gibt. Mehr als Lippenbekenntnisse sind von der Politik nicht zu hören. Das Verkehrsministerium übermittelte eine karge Stellungnahme, es sei „wichtig“, dass Mobilität auch ohne Auto möglich ist. Mehr als das Bekenntnis, „Mobilitäts- und Verkehrsberatungen für ältere Menschen auszubauen“ war auf Anfrage aber nicht zu erfahren. Damit kommen Senioren ohne Auto genau keinen Meter weiter.   

Neuen Zündstoff für die Debatte liefert ein Vorschlag der EU-Kommission. Der Führerschein für alle europäischen Autofahrer ab 70 soll nur noch für fünf Jahre gelten, dann würde regelmäßig ein verpflichtender Test erfolgen. Brüssel will damit die derzeit unterschiedlichen Regelungen harmonisieren. Dänemark, die Schweiz oder Spanien haben schon Regelungen dieser Art, ohne dass es einen Aufstand der Betroffenen gab. Da 2024 allerdings Europawahlen anstehen, kann Entwarnung gegeben werden. Bis dahin traut sich kein Politiker an das Thema heran. Ob es danach jemand probieren wird, steht in den Sternen. Denn die Senioren sind auch eine mächtige Wählergruppe. 

Text von Johannes Kübeck
Bilder von shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 25.07.2023

Kurt Mayer: Laufen für ein neues Leben

Lieblosigkeit, Perspektivenlosigkeit, Aggressionen, mehr hatte er in seinen ersten Lebensjahren nicht kennengelernt. Als Kind und Jugendlicher ist er all dem im wahrsten Sinne des Wortes davongelaufen, später dann von Sieg zu Sieg. Bis zum allerwichtigsten: den Sieg über eine schwere Erkrankung.

„Da ich bald einmal in meinem kleinen Leben, ohne es zu wissen, vor etwas davonrennen musste, begann ich sehr früh mit dem Laufen. Das Wunderschöne damals war, dass ich in eine Traumwelt hineinlief – in eine Welt voller atemberaubend schöner Gedanken.“

Mit diesen Zeilen beginnt das erste Kapitel seines Buches „Kein Leben ohne Sieg“. Der Autor: Kurt Stefan Mayer, Jahrgang 1947, aufgewachsen in Trofaiach, später in der Sportwelt als x-maliger steirischer Landesmeister mit allen Siegen von 400-Meter-Läufen bis zum Marathon zum Begriff geworden, ebenso erfolgreich in Ski-Langlaufbewerben, seit Langem gesuchter Heilmasseur mit einer Praxis in Graz und einer in Wien und außerdem Coach von Spitzensportlern.

Sein spannendes Leben vom Kleinkind, das gleich nach der Geburt einfach irgendwo hingegeben wurde, bis zum gefeierten Sportstar könnte Bände füllen, Kurt Mayer hat es auf 140 Seiten komprimiert niedergeschrieben.

„Abenteuer Alter“ besuchte Kurt Mayer nicht nur in seiner Praxis in der Klammerth-Passage in der Grazer Herrengasse, sondern auch in seinem am Windischbühel in der nun zu Trofaiach gehörenden Gemeinde Gai gelegenen aparten Einfamilienhaus und natürlich in seinem Baumhaus am Beginn des Rötzgrabens und erhielt bei dieser Gelegenheit tiefen Einblick in seine schwierige Kindheit, seine sportliche Laufbahn und in die Philosophie dahinter, die ihm die Kraft, das Durchhaltevermögen und vor allem auch die Freude am Sport verliehen hatte.

Eine allessagende Antwort findet sich im Vorwort zu seinem Buch: „Wenn du in der Hölle lebst, findest du es lange Zeit ganz normal – du kennst ja nichts anderes. Aber irgendwann tun sich Wege auf, Fluchtwege. Dann musst du aufbrechen, dich auf den Weg machen. An eines glaube ich ganz fest: In der Hölle zu leben macht dich jedenfalls nicht träge. Und du kannst durchaus wie ich eines Tages im Himmel auf Erden landen.“

 

 

Kurt Mayer war ein sogenanntes unerwünschtes Kind, wurde von der Mutter nach der Geburt weggegeben, lernte erst mit drei Jahren annähernd so etwas wie Familie kennen, als er auf den Bauernhof zur Urgroßmutter kam, nahm aber als Erinnerung an diese Zeit vor allem jenen traumatisierenden Eindruck mit, als ein Großonkel seine Frau erschlagen wollte, sie von der Urgroßmutter in allerletzter Minute gerettet wurde. 

Noch im Vorschulalter der nächste Schock: „Da ist auf einmal eine wildfremde Frau in der Stube gestanden und meine Taufpatin hat mir erklärt, dass diese Frau meine Mutter ist.“ Die Großfamilie begann sich allmählich aufzulösen, Kurt Mayers Eltern heirateten sogar, der Vater erbte den Hof und bekam zusätzlich einen Arbeitsplatz bei der VOEST-Alpine in Donawitz. Für den kleinen Kurt begann jetzt erst recht jene Hölle, von der er im Vorwort seines Buches spricht. „Eigentlich hat meine Kindheit“, denkt Kurt Mayer an diese Zeit zurück, „mit fünf Jahren aufgehört. Den ganzen Sommer über Kühe hüten, Zäune hat es nicht gegeben, also war ich die ganze Zeit in Bewegung, um die Herde zusammenzuhalten. Den Kühen nachlaufen, dem meist betrunkenen Vater vor seinen Schlägen davonlaufen. Und eine Mutter, der ich nie etwas recht machen konnte, für die ich immer nur der Trottel war. Kontakt mit anderen Kindern hat es kaum gegeben.“

In der Schule wäre Kurti für Hand- und Fußball recht talentiert gewesen, von daheim fehlte dafür jedoch die „Freigabe“. Schifahren? Super, bis die ersten Schi nur noch Anzündholz waren. Dann, schon in der Hauptschule, der berühmte Tag X. In Trofaiach sollte ein Crosslauf stattfinden und dafür wurde ein Sporttag für die dritten und vierten Klassen der Hauptschule ausgerufen, um die besten Starter zu ermitteln. Siehe da, der Kurt Mayer lief allen davon.

„Für mich war das ein Schlüsselerlebnis, ich war der Schnellste der Schule und noch nie zuvor in meinem Leben hat mir jemand gesagt, dass ich etwas gut gemacht hätte. Ich habe gespürt, dass mir etwas gelungen war, das man weiterverfolgen sollte. Nächstes Ziel war dann eben dieser Crosslauf. Als Training bin ich im Obstgarten am Abend bis zum Erbrechen um die Bäume gelaufen, den 1.200-Meter-Lauf in der Schülerklasse habe ich dann auch gewonnen.“

Bis zum 14. Lebensjahr verzeichnete er noch mehrere Crosslauf-Siege, dann die Ausbildungsfrage, die alle entschieden, nur nicht er. „Wir brauchen neue Kellerfenster, der Bua soll Tischler lernen“, fällte der „Familienrat“ den Entschluss – Widerrede zwecklos.

Längst war man in Sportvereinen auf den talentierten Trofaiacher aufmerksam geworden, er war praktisch zum „Zwei-Saisonen-Sportler“ geworden – im Winter Skilanglauf, im Sommer Langstreckenlauf. Und immer gegen den Willen der Eltern, für die Laufen die „unnützeste Spinnerei“ der Welt war.

Ein Sportler und zwei Saisonen – Langlaufstrecke und Langlaufschi
Die nächsten Lebensstationen- und jahrzehnte des Kurt Mayer lassen sich nur im Zeitraffer darstellen, die „Siegerwand“ mit den Medaillen und Pokalen in seinem Haus erzählt eindrucksvoll seine Erfolgsgeschichte. Wie viele es sind, kann er nur schätzen: „Aber 500 werden schon zusammenkommen.“ 

Mit seinem Motivationsbuch eröffnet Kurt Mayer Perspektiven des Denkens und Fühlens, die Wege aufzeigen, wie sich Kraftströme aus eigenen Reserven mobilisieren lassen. Verfasst hatte er den Text in „seinem“ Baumhaus, in luftigen vier Metern Höhe mit herrlichem Panoramablick über ganz Trofaiach, und errichtet hatte er dieses massive Holzgebäude nach seinem Schlaganfall in eigener Handarbeit. Das Schreiben hat er wieder mühsam erlernt und rund um das Haus hat er einen Waldlaufweg angelegt, auf dem er mit beinharter Konsequenz seine Laufrunden dreht.

Schlaganfall vor sechs Jahren
„Offenbar muss ich schon mit einem hohen Blutdruck auf die Welt gekommen sein, die Ärzte haben mich oft darauf aufmerksam gemacht, aber bei meinen sportlichen Aktivitäten konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass gerade ich schlaganfallgefährdet sein könnte. Und doch ist es passiert. Vor sechs Jahren“, erinnert sich Kurt Mayer an diese schicksalshaften Stunden und Tage. Doch schon unmittelbar nach seiner Einlieferung hatte er begonnen, sich selbst zu therapieren, ließ seine gesamte berufliche Erfahrung in die Eigenbehandlung einfließen, massierte mit der gesunden linken Hand die gelähmte rechte Körperhälfte, überwand mental die Ängste, verweigerte die Reha und … läuft heute wieder.

Text von Dieter Rupnik
Bilder von Luef Light
Beitrag veröffentlicht am 23. Februar 2023

Marco von Münchhausen: Hier wird nicht gelogen!

Hört man den Namen „Münchhausen“, denkt man unweigerlich an den „Lügenbaron“. Noch heute gibt es rund 60 Münchhausens in Deutschland. Abenteuer Alter traf einen Nachfahren in – wie passend – München. 

D er Name Münchhausen muss für einiges herhalten: Er wird mit Lügen in Verbindung gebracht und signalisiert Achtung, wenn es um die Glaubwürdigkeit einer Aussage geht. Seit 2000 trägt ein Asteroid diesen Namen, ein sich drehender Brocken, vielleicht in der Größe einer Kanonenkugel, der einem darauf sitzenden Baron Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen bestimmt einen schönen Blick in den Weltraum gewährt hätte. Das mit dem Ritt auf der Kanonenkugel war ja gelogen, wie wir wissen, doch eines ist gesichert: Den Lügenbaron selbst hat es wirklich gegeben, der Name von Münchhausen lebt bis heute weiter. 

Ein Nachkomme heißt mit vollständigem Namen Dr. Marco Freiherr von Münchhausen. Er lebt in Florenz, wo die adelige Familie ein Anwesen besitzt, und in München, dort durfte Abenteuer Alter ihn besuchen. Der Titel Freiherr, so erklärt er im Gespräch, sei ererbt und dürfe in Deutschland zum Namen getragen werden, auch wenn dort wie in Österreich die Vorrechte und Titel des Adels abgeschafft wurden. Ein Freiherr sei anno dazumal dem Titel des Barons gleichgekommen, nur dass ein Freiherr von der Steuerpflicht befreit war, was heute leider nicht mehr gelte, erklärt Münchhausen und schmunzelt. Marco von Münchhausen ist kein direkter Nachkomme des 1797 verstorbenen „Lügenbarons“, denn der war kinderlos. Heute leben rund sechzig Münchhausens in Deutschland, die meisten südlich von Hannover, wo sich das Schloss Schwöbber befindet, in dem auch der Lügenbaron lebte. Marco von Münchhausens Großvater verkaufte es Anfang des 20. Jahrhunderts und erwarb das Anwesen in Florenz. Für den 1956 geborenen Nachkommen ist der Name selbstverständlich –„Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, ,Müller‘ zu heißen“ –, was er sich als Zehnjähriger mitunter gewünscht hätte. Nicht nur einmal sei er mit „roten Ohrwascheln“ dagestanden, als der Lehrer fragte, wo seine Kanonenkugel sei oder darauf hingewiesen hatte, dass jemand seines Namens es doch bitte mit der Wahrheit genauer nehmen sollte. Dabei war der „Lügenbaron“ von Münchhausen gar kein Lügner. 

Anno dazumal liebte man den Baron für seine Erzähl- und Fabulierkunst. Wie sich erst vor Kurzem herausgestellt hat, können lediglich drei Geschichten dem „Lügenbaron“ zugeschrieben werden, die jedoch von anderen Autoren niedergeschrieben wurden. So hat ein gewisser Graf Rochus Friedrich zu Lynar für seine Bediensteten zur Aufmunterung ein Büchlein geschrieben, in dem Geschichten des Lügenbarons enthalten waren. Zu Berühmtheit kam Münchhausen durch ein Buch mit Geschichten, das 1785 in Großbritannien erschien und ein Jahr später ins Deutsche übersetzt wurde, „Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande – Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen“. Darin sind die drei bekannten Erzählungen vom achtbeinigen Hasen, dem Ritt auf der Kanonenkugel und der Geschichte, wie sich der Baron am eigenen Schopf nebst Pferd, auf dem er sitzt, aus dem Sumpf zieht. 

„Lügenmärchen“ nur im Buchtitel
Marco von Münchhausen sieht sich hingegen der Wahrheit und den alten Werten seiner adeligen Herkunft verpflichtet: Respekt, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und ein positives Einwirken auf die Gesellschaft. „Meine Eltern haben mir beigebracht, dass alle Menschen gleich und wir nichts Besseres sind“, sagt er im Gespräch mit Abenteuer Alter. Er studierte Rechtswissenschaften, seine Doktorarbeit schrieb er über das Urheberrecht, kehrte „der Juristerei“ den Rücken und wurde Persönlichkeitstrainer und Lebenscoach, er schrieb zudem einige Sachbücher. Hier „entleiht“ er sich mitunter Überliefertes vom „Lügenbaron“: So tragen zwei seiner Bücher den Titel „Die sieben Lügenmärchen von der Arbeit“ oder „Das Münchhausen-Prinzip – Wie man sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht“. Freilich sei das physikalisch nicht möglich, erklärt der Autor, hingegen aber psychologisch: Der Sumpf stehe für unsere Ängste, Sorgen, Bedrängnisse, unser Unwohlsein, in der Regel das, was wir selbst erzeugen. Sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen, sieht Marco von Münchhausen darin, Dinge anzunehmen, wie sie sind. Erst dadurch trete Entspannung ein, die wiederum zu Ideen und Lösungen führe. In seinen Büchern beschäftigt sich Marco von Münchhausen mit den Unwägbarkeiten des Lebens, er rät unter anderem, wie man mit dem innernen Schweinehund bestmöglich umgeht: Nicht bekämpfen, denn er ist Teil der Persönlichkeit; jeder Mensch habe innere Widerstände, es sei besser, sich den Schweinehund zum Verbündeten zu machen. Die „Salamitaktik“ zum Beispiel ist eine erfolgsversprechende Methode: Wer große Vorhaben scheibchenweise angeht, verringert die Gefahr, dass der innere Schweinehund querschießt. 

Beim Reden fließt da und dort ein bayrisches „Ja mei“ ein, Marco von Münchhausen erzählt gern und packend über seine Lebensthemen: Resilienz, innere Stabilität, ein ausbalanciertes und gutes Leben, zu dem bei ihm freilich Genuss und Müßiggang genauso gehören wie Zielstrebigkeit und Leistung. Zum Schreiben seiner Bücher nimmt er sich Auszeiten dort, wo es schön ist: in der Schweiz, auf einer griechischen Insel, an der Nordsee. „Zum Schreiben muss ich mich ausklinken“, sagt er. Auch wenn das Anwesen in Florenz, wo er rund ein Drittel seiner Zeit verbringt, schön sei, stünden dort immer Arbeiten an. Rund 120 Tage im Jahr sind mit Vorträgen, Seminaren und Coachings gefüllt, Schreib- und kreative Zeiten kommen hinzu.

Man muss sich nichts mehr beweisen
Der nunmehr 66-Jährige nimmt auch das Älterwerden recht gelassen. Der Druck sei nicht mehr da, etwas leisten zu müssen, sich selbst zu beweisen oder einen bestimmten Umsatz zu lukrieren, „das kann schon sehr entspannend sein“, sagt er. „Ich habe auch noch Reiseziele, möchte einmal nach Ägypten oder Machu Picchu. Doch wenn ich das nicht mehr erreiche, ist es auch nicht schlimm. Je weniger wir den Fokus in der Zukunft haben, desto mehr können wir entspannen.“ Mehr Freizeit ist dem 66-Jährigen heute wichtiger als eine prall gefüllte Arbeitswoche, an ein Aufhören denkt er dennoch nicht, vielleicht tritt er „so in zehn Jahren“ kürzer und verbringt dann mehr Zeit in Florenz. Arbeiten ist ein wichtiger Teil in seinem Leben, jetzt und auch künftig. „Vielleicht löse ich später mal den Gärtner in Florenz ab und mache das selbst.“

 

 

Hier können Sie das Gespräch nachhören:

 

Text von Oliver Zeisberger
Bilder von Hüttenhain
Beitrag veröffentlicht am 24. Februar 2023

Stricken: von wegen altbacken!

Stricken hat viele Vorteile – es entspannt, ist nachweislich gut für die mentale und körperliche Gesundheit, an keinen Ort gebunden und stärkt das Selbstvertrauen. Und es hat eine jahrtausendealte spannende Tradition!

Die Geschichte des Strickens

Über den genauen Entstehungszeitraum des Strickens ist sich die Wissenschaft nicht einig. Manche vermuten, dass man bereits um 4000 v. Chr. im asiatischen Bereich begann, mit Nadeln Wollsocken anzufertigen, andere sind der Meinung, dass die alten Griechen und Römer das Stricken erfanden. Tatsächlich sind aus der Zeit um 300 v. Chr. strickartige Fragmente aus Wolle erhalten. Es gibt jedoch noch andere Theorien: Laut Archäolog:innen fertigten im 3. bis 5. Jahrhundert die Kopten, eine in Ägypten ansässige religiöse Gemeinschaft, gestrickte Wollsocken an. Auch in der Zeit des Frühmittelalters sehen viele Expter:innen den Beginn des Strickens. Heute wissen wir: All diese ganz frühen Fundstücke lassen sich vermutlich eher der Technik des Nadelbindens – sozusagen eine Vorform des Strickens – zuordnen.

Eine genaue Einordnung der frühen Entstehung des Strickens scheitert also an mangelnden und vor allem einwandfrei zuordenbaren Artefakten. Als wirklich gesichert gilt jedoch, dass das Stricken um 1270 als gewerbliches Handwerk in Europa betrieben wurde – 1268 wird zum ersten Mal das gewerbliche Stricken in Paris in Form der Gilde der Pariser Stricker erwähnt. Ab dem 14. Jahrhundert gibt es immer mehr Belege von Handwerkerzünften in ganz Europa. Spätestens aus der Zeit des 15. und 16. Jahrhunderts sind dann auch eindeutige Funde von Gestricktem aus dem gesamten europäischen Raum erhalten.

In den Kriegen im 19. und 20. Jahrhundert strickten vor allem die zuhause gebliebenen Frauen wärmende Kleidung und verdienten sich damit einen Lebensunterhalt. Mit der zunehmenden Industrialisierung wurde das Stricken schließlich von Maschinen übernommen – und die Handarbeit geriet in den Hintergrund. Seit einigen Jahren jedoch erlebt das Stricken als Hobby eine Wiedergeburt: Gerade in Zeiten von Massenproduktion und Schnelllebigkeit etabliert sich die Handwerkskunst als Instrument der individuellen Selbstverwirklichung und Distanzierung zur Vereinheitlichung der Masse.

Auf zur Nadel, fertig los…

Es gibt zahllose Gründe, warum Stricken ein tolles Hobby ist und wieder voll im Trend liegt.

  • Entspannung

    Stricken hilft dabei, sich zu entspannen, da die gesamte Aufmerksamkeit auf eine Tätigkeit gerichtet ist. Die immer gleichbleibenden Bewegungen haben etwas Meditatives an sich. Verschiedene Studien belegen, dass Stricken ähnlich erholsam wie Meditation oder Yoga ist. Das Harvard Medical Institut etwa fand vor einigen Jahren heraus, dass Stricken zu einem „vollkommenen Entspannungszustand“ führt.

  • Gesundheit

    Da Gedanken nicht mehr um Ängste und Probleme kreisen können, versetzt die Tätigkeit des Strickens den Körper in einen gesunden Ruhezustand aus dem zahlreiche Vorteile für die mentale und physische Gesundheit resultieren.

    • Gerade in stressigen oder belastenden Zeiten kann Stricken den Blutdruck und Puls signifikant senken und beugt somit beispielsweise Herzerkrankungen vor.
    • Eine Studie der Washington Post zeigt, dass 81% der Betroffenen nach dem Stricken glücklicher waren als vorher. Beim Stricken wird das Gehirn stimuliert, beruhigendes Serotonin ausgeschüttet und Indikatoren von Angstzuständen oder einer Depression können gelindert werden.
    • Stricken trainiert das Gehirn indem es beide Hirnhälften beansprucht, außerdem werden Konzentrationsfähigkeit und Entscheidungsfreudigkeit gestärkt. In den USA fand man heraus, dass regelmäßiges Stricken und Häkeln über Jahre hinweg das Risiko, mit (Alzheimer-)Demenz konfrontiert zu werden, mindert.
  • Selbstvertrauen

    Stricken bietet die Möglichkeit, individuell zu gestalten und der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen. In der Wahl der verschiedensten Farben, Wollstärken, Strickmuster und Design ist man frei. Ob Hauben, Handschuhe, Socken, Pullover oder Accessoires – auch hierbei sind keine Grenzen gesetzt. Der Aspekt der individuellen Selbstverwirklichung ist ein wichtiger, auch der Prozess, auf ein Ziel hinzuarbeiten und danach das fertige Ergebnis in den Händen zu halten, macht stolz und stärkt das Selbstbewusstsein.

  • Gemeinschaft

    • Stricken führt Gleichgesinnte zusammen und stärkt die Gemeinschaft. Es gibt Foren und Plattformen, um sich mit Strickkolleg:innen auszutauschen, auch in Strickkursen trifft man verschiedenste Menschen, die alle ein gemeinsames Hobby teilen. Es macht Spaß, sich auszutauschen und von anderen dazuzulernen.
    • Eine besondere Möglichkeit, die Gemeinschaft zu leben, sind sogenannte “Strickpartys”. Es gibt Stoff- und Wolläden, die Räumlichkeiten für solche Events zur Verfügung stellen oder wöchentliche Treffen anbieten.
    • Handgemachte Geschenke erfreuen außerdem Freund:innen und Familie. Wer sich die Mühe macht, mit Zeit und Aufwand selbst ein besonderes Geschenk zu stricken, kann den Beschenkten ganz individuell Freude machen.
  • Niederschwellig

    Ein großer Vorteil des Strickens ist, dass es weder an einen Ort noch an einen bestimmten zeitlichen Rahmen gebunden ist. 2 Nadeln und ein Wollknäuel reichen – und schon kann man überall und immer loslegen. Ob abends vor dem Fernseher, im Wartezimmer beim Arzt oder schnell in den Öffis – Stricken ist unkompliziert und vor allem relativ kostengünstig möglich.

Beitrag veröffentlicht am 27. Oktober 2022
von Karolina Wiener

Ratgeber zum Tabuthema Tod: Die Vollendung des Lebens

„Die Vollendung des Lebens“ nimmt sich des schwierigsten Themas an, das für viele Menschen tabu ist: Tod und Sterben. Die Fragen am Ende des Lebens verdienen offene und ehrliche Antworten, die Ratlosigkeit, die viele erfasst, ruft nach Orientierung, und das Unsägliche muss behutsam angesprochen werden. Angehörige bleiben nach dem Tod einer nahestehenden Person oft völlig unvorbereitet zurück, sowohl emotional, rechtlich, organisatorisch als auch finanziell.

Auf 156 Seiten dreht sich im neuen Nachschlagewerk alles um das Thema Tod. Unter dem Titel „Die Vollendung des Lebens“ haben die Autoren Dr. Daniela Müller und Johannes Kübeck die Themen aus neuen Blickwinkeln betrachtet: Was geht im Körper vor sich, während man stirbt? Hat Peter Simonischek, der im „Jedermann“ das Sterben des reichen Mannes so oft wie kein anderer gespielt hat, Angst vor dem Tod? Wie erklärt der Theologe und Mediziner Johannes Huber die Existenz dessen, was man nicht sieht?

Die Antwort auf die Frage, warum wir so wenig über das Sterben wissen, liegt in zwei Begründungen: weil wir zu wenig darüber reden, meist nur zu Allerheiligen, und weil wir zu wenig Material für wissenschaftliche Betrachtungen haben.

Präsentierten den neuen Ratgeber: Johannes Kübeck, Monika Brottrager-Jury, Martin Schaller, Ingrid Geringer, Dieter Kinzer, Daniela Müller, Michael Klamminger und Georg Schneider (v.l.n.r.).

Statements:

Ingrid Geringer ist eine von drei Sterbe-Ammen in Österreich und berichtet über die Begleitung ins Jenseits. Sie war früher Chefredakteurin eines bekannten Lifestylemagazins und bespricht nun als End of Life-Doula mit Todgeweihten die existenziellen Fragen des Lebens.

Im neuen Ratgeber geht es aber auch um die Absicherung des Lebens. Es werden die Themen Testament, Vorsorge und Absicherung und natürlich auch finanzielle Belange beleuchtet.

Über Testament, Schenkung und Verlassenschaftsverfahren informiert Dr. Dieter Kinzer, Präsident der Notariatskammer für Steiermark: „Der Notar ist der erste Ansprechpartner rund um Erbschaft, Schenkung und Übergabe. Gemeinsam mit dem Notar schafft man Klarheit bei Fragen, die sowohl zu Lebzeiten als auch zum Ablebenszeitpunkt so wichtig sind.“

Was passiert mit Konto, Sparbuch und Kredit im Ablebensfall? MMag. Martin Schaller, Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank Steiermark: „Raiffeisen begleitet die Kunden in allen Lebenslagen, vielfach ihr ganzes Leben lang. Einer der ersten Wege der Hinterbliebenen nach dem Todesfall führt zur Bank. Wie viele Ereignisse im Leben eines Menschen hat auch das finale eine finanzielle Komponente. Begräbniskosten müssen bezahlt, Abbuchungsaufträge storniert und Vermögenswerte fürs Erbe gelistet werden. Raiffeisenberater sind auf solche Situationen vorbereitet und wissen, was zu tun ist. Sie begleiten die Angehörigen einfühlsam und kompetent.“

Über die Begräbnisvorsorge informiert MMag. Georg Schneider, Vorstandsdirektor der GRAWE Österreich: Ein gut organisiertes Begräbnis gibt Hinterbliebenen die Chance, sich würdevoll zu verabschieden. Eine Beerdigung ist nicht nur ein emotionaler Kraftakt, sondern bedeutet oft auch eine finanzielle Bürde für die Angehörigen. Wir helfen den Menschen vorzusorgen und ihre Familie und die Beisetzung abzusichern.“

Monika Brottrager-Jury, Ressortleiterin für Seelsorge und Gesellschaft in der Katholischen Kirche Steiermark, betrachtet das Thema Tod und Trauer sowie die kirchlichen Angebote, die in einer schweren Zeit Halt geben können.

„Wenn der Tod ins Leben tritt“, über den gesamten Ablauf der Bestattung, die benötigten Unterlagen, Pflichten und Gepflogenheiten informiert Klaus Moser, Landesinnungsmeister der Bestatter: „Von der Erd- und Feuerbestattung, Körperspende bis zu der Trauerfeier und dem Totenmahl geben die Bestatter umfassend Auskunft.“

Der Ratgeber „Die Vollendung des Lebens“ ist in allen steirischen Raiffeisenbanken, bei allen steirischen Notaren sowie GRAWE Kundencentern gratis erhältlich – solange der Vorrat reicht.
Zusätzlich gibt es das Kompendium um 9,90 Euro im ausgewählten Zeitschriftenhandel.

Beitrag veröffentlicht am 27. Oktober 2022

Immobilien: die verlässliche Wertanlage

Immobilien werden auch in Zukunft attraktiv bleiben, prognostiziert Rainer Stelzer, Vorstand der RLB Steiermark. Es müssen aber wichtige Entwicklungen beachtet werden.

Werden Immobilien in Zukunft attraktiv bleiben oder ist ein Rückgang zu erwarten?
RAINER STELZER: Immobilien und die Wohnraum-Finanzierung bleiben auch in Zukunft trotz steigendem Zinsumfeld nachgefragt und bleiben weiterhin attraktive Veranlagungsformen. Bei steigenden Zinsen kann man mit Immobilien weiter Erträge generieren und Immobilien bleiben weiter ein sicherer Hafen. Auf Grund etwa indexgebundener Mieterträge bieten sie sogar einen teilweisen Schutz gegen die steigende Inflation. Natürlich darf man weiterhin die Inflations- und die Zinsentwicklung und die Kaufpreis- und Mietentwicklung nicht außer Acht lassen und muss diese laufend marktkritisch betrachten. Folglich stellen wir ausgewogene und sensitive Finanzierungen für Kunden bereit, die auch bei Verschärfungen am Immobilien- oder Kapitalmarkt gemäß den Regularien konform bleiben. Die Entwicklungen bei der Immobilien- und Projektfinanzierung sowie den Institutionellen Kunden stimmen uns weiter optimistisch für die kommenden Jahre.

Was bedeutet das für Kund:innen?
STELZER: Die Bauwirtschaft leidet nach wie vor unter Rohstoffengpässen und stark volatilen Materialpreisen. Diese Entwicklungen offenbaren, dass regionale Wertschöpfung und Produkte für die heimische Wirtschaft immer wichtiger werden. Aktuell sind die Zinsen bereits eindeutig im Steigen begriffen. Ein Ende der Negativzinsphase ist noch für heuer zu erwarten. Auf lange Sicht ist mit einem Ansteigen der Zinsen zu rechnen. Es empfiehlt sich daher ein mit der Bank abgestimmtes Zinsmanagement. Wichtig für Kunden ist daher ein Partner, der rasch hilft und langfristig denkt. Daher ist eine Spezialberatung, wie jene unserer Mitarbeiter, die alle Eventualitäten im Projektgeschäft kennt und miteinbeziehen kann, gefragt. Wir betreuen als diskreter, greifbarer Finanzierungspartner Kunden in der Steiermark, in Wien sowie im Süden Deutschlands. Unsere Expert:innen für Immobilien- und Projektfinanzierung und institutionelle Kunden finden mit höchstem Einsatz optimierte Lösungen für Kundenanliegen. Etwa durch eine Standort- oder Mietpreisanalyse, bei der ideale Standorte und Objekte bezogen auf Kundenanfragen gefunden werden.

Was sollten Käufer:innen aufgrund dieser Entwicklungen beachten?
STELZER: Es ist aktuell und künftig sorgfältig auf die Angebots- und Nachfrageentwicklungen zu achten. Daher muss man sich die jeweiligen Asset-Klassen und die jeweiligen Regionen für sich und in Kombination genau ansehen und analysieren. Da das Angebot nachhaltiger Objekte weiter große Nachfrage erfahren wird, interessieren sich Käufer neben den Ballungszentren auch immer mehr für die umgebenden Regionen. Den Markt wird mittelfristig das Thema Nachhaltigkeit mit ESG-Kriterien verändern. Nachhaltige Immobilienwirtschaft wird bei Investoren, Nutzern und Banken daher weiterhin eine wesentliche Rolle einnehmen. Daher muss man noch genauer die nachhaltige Rentabilität, die ESG-Einflüsse und den speziellen Nutzen der Immobilie in den Vordergrund rücken. Mögliche Fehler werden nicht mehr so leicht vom Markt korrigiert werden können wie in den letzten Jahren. Also bedarf es Profis auf allen Ebenen, um weiterhin möglichst erfolgreich zu bleiben.

Stichwort Nachhaltigkeit: Wo liegt hier der Fokus der RLB Steiermark?
STELZER: Wichtige Themen sind die EU-Taxonomie, Ressourcenschonung und möglichst große Klimaneutralität durch den möglichst geringen Energieverbrauch. Vor diesem Hintergrund werden alle Immobilien aktuell in Richtung Nachhaltigkeit geprüft beziehungsweise bereits entwickelt und umgesetzt. Jedes Produkt am Immobilienmarkt muss sich in Bezug auf Regularien und Zertifizierung beweisen. Raiffeisen hat in diesem Feld bereits langjährige Erfahrung in der Projektentwicklung. Ferner beraten wir Kund:innen zielorientiert und mit dem notwendigen Know-how in diesem komplexen Feld. Unsere Experten bieten für Kund:innen Informationen an, die ESG-konforme Gebäude errichten oder welche auf diesen Standard sanieren wollen..

Beitrag veröffentlicht am 12. Oktober 2022

Wunderbar Wanderbar

Ob gemütliche Runde oder anspruchsvolle Tour: Wir präsentieren die schönsten Wege der Steiermark und ihrer Umgebung – damit jede Wanderung ein Genuss wird.

Das Wandern ist des Müllers Lust heißt es in der ersten Zeile des deutschen Gedichts „Wanderschaft“, das 1821 veröffentlicht wurde. Es geht darin um die Wanderschaft von Handwerksgesellen und deren Sehnsucht, Ruhe zu finden. Heute, rund 200 Jahre später, erfüllt das Wandern bei vielen (noch immer) einen ähnlichen Zweck. Einfach mal rausgehen, an die frische Luft, die unberührte Natur entdecken und mit den Gedanken ganz woanders sein – oder überhaupt mal an nichts denken.

Viele von uns haben das „An-nichts-denken“ im hektischen Alltag ja schon verlernt – dabei kommt man gerade beim „In-die-Ferne-schweifen“ oft auf die besten Ideen. Insofern ist Wandern weit mehr als nur Bewegung an der frischen Luft. Es ist auch Entspannung für Körper und Geist. Ein Erlebnis auf zwei Beinen und einem Weg, der zugleich auch das Ziel ist. Nicht umsonst nennt man den Wandersport auch die „Medizin des 21. Jahrhunderts“: Die Pandemie hat diesem Trend noch einen ordentlichen und wahrscheinlich auch nachhaltigen Schub gegeben. Also nichts wie raus in die Natur und die schönen Seiten unseres Landes mit allen Sinnen erleben.

Klimafreundlich auf den Gipfel

Wobei: Wenn wir unsere Wanderschuhe und den Rucksack schon packen, dann am besten gleich ökonomisch. Zum Wandern mit den Öffis ist kein Problem und schont auch die Umwelt. Die „Naturfreunde Österreich“ machen schon seit Jahren darauf aufmerksam. Ein Kilometer mit dem Zug ist 30-mal klimafreundlicher als ein Kilometer mit Benzin- oder Diesel-Auto. Der Wanderführer der „Naturfreunde Österreich“ in Kooperation mit der ÖBB beinhaltet daher ausschließlich Top-Touren in ganz Österreich (46 an der Zahl) mit bester Anbindung zu den Öffis. Natürlich geben die Routen (darunter auch Wohlfühl-Wege und Natura-Trails) auch für die Sinne und das Auge etwas her: Sie führen zu traumhaft gelegenen Hütten, auf denen man besondere Ausblicke zu umliegenden Gipfeln genießt. Auch in dieser Ausgabe von Abenteuer Alter stellen wir Ihnen vier verschiedene Touren (von gemütlich bis anspruchsvoll) vor, die allesamt durch ökologisch wertvolle Landschaften führen – idyllisch, naturnah, belebend. Alle vorgestellten Routen sind einfach und schnell mit Bus und Bahn erreichbar. Da freut sich die Umwelt – und das Wanderherz natürlich.

Mehr Infos: oebb.at

Beitrag veröffentlicht am 06. Oktober 2022
© Doris List-Winder / Naturfreunde ÖSterreich

Was Sie schon immer über Sex (im Alter) wissen wollten

Aleš Svoboda, Sexualtherapeut  und Sexualberater bei „Sexmed“ im Interview

Was ist Sex?
SVOBODA: Ein sehr dehnbarer Begriff! Aber auf alle Fälle mehr, als die meisten Menschen glauben! Ohne Sexualität gibt es kein Leben. Sie kann zur schönsten Sache der Welt werden – und sie hat eine unendlich breite Spielwiese, die weit über den Geschlechtsverkehr hinausgeht. Das reicht von erotischen Blicken über Kuscheln bis zu Streicheleinheiten und bloßem Hautkontakt.


Wie wichtig ist Sex (im Alter)?
SVOBODA: Gewollter, einvernehmlicher Sex ist eine lebenserhaltende, lebensstärkende und lebensverlängernde Quelle. Sex ist erwiesenermaßen Gesundheitsvorsorge – auf körperlicher wie psychischer Ebene. Regelmäßiger Sex ist Gesundheitsprophylaxe. Das gilt für Menschen in höherem Alter ganz genauso. Im Alter werden Intimität und Sexualität sogar noch wichtiger und vielfach auch qualitätsvoller. Statistisch gesehen haben Paare zwischen 60 und 80 Jahren übrigens deutlich öfter Sex als jüngere.

Warum ist die Kombination Sex und Alter dennoch so stark tabuisiert?
SVOBODA: Dass die Gesellschaft oftmals ein Problem damit hat, Sex im Alter zu akzeptieren und respektieren, hängt vermutlich stark mit dem reproduktionsfähigen Alter zusammen. Das heißt, mit der Fähigkeit, Kinder zu kriegen. Kurz gesagt: Wenn die Natur das Kinderkriegen nicht ermöglicht, hat Sex nicht mehr zu sein. Deshalb sind wir Menschen vermutlich auch darauf programmiert, Körper im reproduktionsfähigen Alter attraktiv und Sexualität als ,normal‘ zu finden. Darüber hinaus tun wir uns schwer. Sehr wohl besteht körperliche Anziehungskraft jedoch innerhalb der nicht-reproduktionsfähigen Altersgruppe.

Wie steht es dann im nicht-­reproduktionsfähigen Alter um die sexuelle Lust?
SVOBODA: Bestens! Der Mensch ist ein sexuelles Wesen. Sex ist bis zum Ende des Lebens ein Thema – und auch möglich. Wenn es die körperlichen Gegebenheiten zulassen. Aber auch hier kann die (Sexual-)Medizin gut helfen. Im Alter erfahren viele Menschen die Sexualität sogar ganz neu und ganz aufregend. Die Sexualität bekommt im Alter oftmals eine ganz spezielle und hohe Qualität.

Woran liegt das?
SVOBODA: Häufig daran, dass Stress und Leistungsdruck wegfallen. Die oft jahrelange Harmonie von Paaren, die einkehrende Ruhe sind Basis für neue erotische und sexuelle Erfahrungen. Aber ebenso die Tugend, die aus der Not kommt. Wenn gewisse körperliche Funktionen, die mit dem Alter naturgemäß nicht mehr so reibungslos laufen, nachlassen, werden vermehrt Alternativen zum Thema. Das kann das Sexualleben enorm beflügeln und zu höchst zufriedenstellenden, neuen sexuellen Erfahrungen führen. Wir dürfen nicht vergessen: Unser mächtigstes Sexualorgan ist schließlich der Kopf – das ausgedehnteste die Haut. Wir sind nur mehrheitlich auf die Genitalität fixiert.

Wie kann Sexualität in einem Seniorenheim erfüllend gelebt werden?
SVOBODA: Das hängt ganz von der individuellen Situation und der Aufgeschlossenheit der Einrichtung zusammen. Erwiesen ist jedenfalls, dass es gerade die sexuelle Funktion des Menschen ist, die ganz besonders langsam altert. Das sollte auf alle Fälle berücksichtigt werden. Keinesfalls sollten die Bewohner mit ihrem Bedürfnis nach Intimität und Sexualität alleine gelassen werden. Da braucht es sensible und professionelle Unterstützung. Insofern ist der aktive, offene Umgang mit der Thematik der erste wichtige Schritt.

Wie gut gerüstet sind Pflegeeinrichtungen diesbezüglich?
SVOBODA: Meiner Erfahrung nach wünschen sich Menschen im Alter – speziell auch in Pflegeeinrichtungen – viel mehr Intimität als gegeben ist. Da besteht eine große Diskrepanz zwischen dem Wunsch und der Wirklichkeit. Insofern sehe ich da viel Aufholbedarf, sowohl was die Offenheit für das Thema als auch die konkreten Angebote angeht. Schließich haben die Menschen ein Recht auf Sexualität.

Was wäre in Sachen Sex im Alter ihr vordringlichster Wunsch?
SVOBODA: Dass die Gesellschaft diesbezüglich endlich erwachsen wird. Sexualität ist nun einmal nicht der Jugend vorbehalten; sie ist bis zum Ende des Lebens ein Thema. Ganz abgesehen von den eindeutig positiven Auswirkungen auf die körperliche und seelische Gesundheit. Es wäre also wünschenswert, dass das auch erkennt und respektiert wird.

Beitrag veröffentlicht am 3. Ooktober 2022
von Johanna Vucak

Augenblick mal….

Über 85 % aller Sinneseindrücke vermittelt uns das Auge. Dementsprechend wichtig ist es, lebenslang auf die Gesundheit unserer Augen zu achten.

Deshalb sollte auch alles, was über eine leichte und kurzfristige Reizung dieses sensiblen Sinnesorgans hinausgeht, von einem Augenarzt begutachtet und behandelt werden. Wenn man Brillenträger ist bzw. ab dem 50. Lebensjahr sollte der alljährliche Augenarztbesuch ohnehin selbstverständlich sein.

Apothekerkammerpräsident Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger

Einige Tipps aus Apothekersicht: Um ein Verkeimen von Augenlösungen zu verhindern, sind diese meist mit einem Konservierungsmittel versetzt, welches allerdings seinerseits zu Reizungen oder Allergien führen kann. Konservierungsmittelfrei sind Lösungen in Einmal-Behältnissen, mit speziellen Abgabesystemen, die Verkeimung verhindern oder frische aseptische Zubereitungen von Augentropfen aus der Apotheke. Diese Augentropfen sind nach dem Öffnen höchstens 1 Monat verwendbar, mit Abgabesystem sogar 3-6 Monate, beachten Sie unbedingt die entsprechenden Hinweise der Gebrauchsinformation. Zur Anwendung von Augensalben zieht man vor dem Spiegel das Unterlid herunter und bringt einen 1 cm langen Salbenstrang in die Lidfalte ein, möglichst ohne das Lid mit der Tubenspitze zu berühren. Danach schließt man ohnehin automatisch das Auge und die Salbe verteilt sich. Beachten Sie, dass Sie nun verschwommen sehen und nicht Auto fahren dürfen. Abschwellende Augentropfen, wie sie gerne zur Selbstmedikation bei Bindehautreizungen verwendet werden, dürfen nur kurz eingetropft werden, da sie das Auge austrocknen. Kamillen-Umschläge haben ausgedient, da sie austrocknen und allergisieren. Wenn Sie Umschläge am Auge machen, dann am besten mit lauwarmem Wasser.

 

Vor allem Bildschirmarbeiter und Viel-Fernseher klagen oft über trockene Augen. Das führt zu Fremdkörpergefühl, verstärktem Blinzeln, Brennen und zu Rötungen, man hat „müde Augen“. Künstliche Tränen wirken nur kurz. Sinnvoller sind Hyaluronat-Augentropfen, da sie das Auge nachhaltig gut befeuchten.

Der kurzwellige, energiereiche blaue Anteil des sichtbaren Lichts führt über die Jahre zu oxidativen Schäden an den Sehzellen. Die Folge ist eine Verschlechterung der Sehleistung, das Vollbild der Erkrankung wird als altersbedingte Makuladegeneration bezeichnet. Der Pflanzenfarbstoff Lutein, enthalten in Spinat, Kohl und grünem Gemüse, filtert diesen blauen Lichtanteil wie eine natürliche Sonnenbrille heraus und kann die Sehzellen vor weiterer Schädigung schützen. Lutein ist in der Apotheke hoch dosiert und kombiniert mit unterstützenden Mikronährstoffen in Kapselform erhältlich.

Beitrag veröffentlicht am 28. September 2022
© Sissi Furgler

 

Die (einstigen) steirischen Gesundbrunnen

Wenn der IC mit rund 100 Sachen durch die Station schießt, wird der Reisende kaum das Bahnhofsschild entziffern können. Dies bleibt dem Fahrgast eines Regionalzuges vorbehalten, wenn dieser in „Wörschach Schwefelbad“, so steht es weiß auf blau, einen kurzen Aufenthalt einlegt. Zwar zeugen heute nicht einmal Grundmauernfragmente von der Existenz des einst berühmten Kurbades, der Geruch von Schwefel ist das Einzige, das an die große Vergangenheit erinnert. Und die Stationsschilder am Bahnhof.

Aber immerhin ein Anlass, einen Blick auf eben diese Vergangenheit zu werfen, als sich noch kein Radkersburg, Loipersdorf, Waltersdorf, Blumau etc. mit dem Prädikat „Bad“ schmücken durfte, als man zwar zur Kur in die Steiermark fuhr, dort sich jedoch maximal mit Wannenbädern begnügen musste. So auch in Wörschach, wo man bereits im Jahre 1835 eine „Schwefelbadeanstalt“ errichtet hatte, die bald einen Bekanntheitsgrad als hervorragender Nothelfer bei Gicht, Rheuma und Ischias über die Grenzen des Kaiserreiches hinaus erlangte und in einem „Führer von der Salzach durch das Ennstal zur Traun“ auf vier Seiten großes Lob erfährt, wobei besonders hervorgehoben wird, „was den Gehalt an Schwefel und Radioaktivität anlangt, ist Wörschach Baden und Pystian (heute das slowakische Piestany) vollkommen gleichzustellen.“

 

Ein Werbe-Flyer für das Schwefelbad in Wörschach und das Kurhaus Wolkenstein

Das Prädikat „Bad“ blieb Wörschach zwar versagt, doch dafür wussten die Österreichischen Bundesbahnen die Attraktivität des Ortes zu würdigen und ergänzten im Jahre 1929 das Stationsschild „Wörschach“ mit einem Bindestrich und dem Zusatz „Schwefel­bad“. Das hat auch 93 Jahre später noch seine Gültigkeit, obwohl es das Schwefelbad seit 45 Jahren nicht mehr gibt, das Kurhotel bzw. das, was als Ruine übriggeblieben ist, im Jahre 1993 endgültig dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Dabei hatte es zu Beginn der Neunzigerjahre vielversprechende Bemühungen um eine zeitangepasste Nutzung der neun an einem Steilhang des Gameringsteines entspringenden Schwefelquellen seitens des Landes Steiermark gegeben.

Bernd Chibici schrieb damals im April 1990 in der „Kleinen Zeitung“: „Der vielfach kurprojekterprobte Bau-Hofrat Franz Josel ist auf der einen Seite bemüht, das Vorhaben optimal zu realisieren und Holdingchef Leopold Gartler versucht bereits jetzt, das Endprodukt auf den derzeit sehr munteren Markt zu werfen.“

Andere Region, gleiches Schicksal, nämlich zu geringe Schüttung und ein Mineralwasser, das für den Badebetrieb mit Fremdenergie auf eine annehmbare Temperatur gebracht werden musste, bedeutete auch in der Weststeiermark das Aus für ein Traditions-Heilbad – die ­Stainzer Johannes­quelle, auch als Bad ­Sauerbrunn in der „Höller Hansl“-Heimat in Erinnerung. Wo bis zu seinem Abriss im Jahre 1984 ein verwunschen wirkendes, vom Verfall gezeichnetes Gasthaus stand, in dem man bis 1970 noch ziemlich natur­belassene Wannenbäder in einem Säuerling, der Linderung bei Gicht und einem Dutzend anderer Wehwehchen versprach, nehmen konnte, ist heute ein idyllischer Rastplatz mit Bankerln eingerichtet, neben dem Stainzbach plätschert aus einem Bründerl ein gut daumendicker Wasserstrahl mit dem noch immer begehrten Säuerling, der heute gratis von jedermann abgefüllt werden darf.

Stainz und Johannesbrunnen, wie könnte es anders sein, als dass nicht Erzherzog Johann dahintergestanden wäre. So war es auch im Jahre 1840, als der Kaiser-Bruder die ­Quelle kaufte. 1875, schon unter einem neuen Besitzer, wurde sie neu gefasst, ein kleines Wannen-Kurbad eingerichtet und 1933 sogar als Heilquelle anerkannt.

Wie in Wörschach versuchte man auch in Stainz mit Landeshilfe einen Neustart, Landesbauhofrat Dipl.-Ing: Franz Josel erinnert sich mit ein wenig Wehmut an dieses Projekt. „Es sollte ein kleines, aber feines Schaffel­bad werden, für 70 Tagesgäste, nicht mehr, gut 20 Millionen Schilling hätte das Land dafür in die Hand genommen, ein Architektenwettbewerb war schon in Vorbereitung.“ Mit einer doppelseitigen Reportage von Peter Riedler und dem schlagkräftigen Titel „Millionenspritze gegen die Gicht“ verbreitete auch die Kronen Zeitung eine optimistische Grundstimmung für das Projekt, doch: „Es scheiterte letztendlich nicht nur an der geringen Schüttmenge, sondern auch am regionalen politischen Nachdruck, der eine Grundvoraussetzung für ein derartiges Projekt ist“, so Franz Josel.

Dipl.-Ing Franz Josef (m.) bei der Projektebsprechung.
Auch die „Steirerkrone“ räumte dem Projekt Zukunftschancen ein.

Ein ehemaliger Nobelkurort, der heute eine vollkommen andere Funktion hat: Tobelbad. Dieses Heilbad wurde zum Inbegriff für medizinische Großleistungen auf dem Gebiet der Rehabilitation auf Grund von Berufskrankheiten und Unfällen. 1949 wurde es von der AUVA erworben, 1951 behandelte man dort erstmals Querschnittgelähmte und ein Jahr später wurde die Rehabilitationsabteilung eröffnet und eine ständige Weiterentwicklung ließ diesen Standort zu einem international anerkannten medizinischen Forschungs- und Betreuungszentrum werden.

International bekannt jedoch war ­Tobelbad schon viele Jahrzehnte zuvor – als mondänes Kurbad. Die Heilkraft des 23 bis 26 Grad warmen Wassers war schon im Frühmittel­alter bekannt, erstmals erwähnt wurde sie dann 1241 unter Herzog Friedrich dem Streitbaren. Bereits 1578 erfolgte die Errichtung eines Badehauses über der Ludwigsquelle und im Jahre 1613 eines über der Ferdinandsquelle. Kaiserin Maria Theresia gönnte ihren invaliden Offizieren einen Genesungsaufenthalt in Tobelbad und im 19. Jahrhundert verbrachten dort auch ein Robert Hamerling, ein Richard Heuberger, Komponist der Operette „Der Opernball“, Johann Strauß und der Literat Leopold von Sacher-Masoch einige Wochen ihrer Gesundheit zuliebe.

Prominente Namen schützen den Kurort bei Graz jedoch nicht davor, bedenklich zu verludern und so erwies es sich als besonderer Glücksfall für Tobelbad, dass ein gewisser Gustav Robert Paalen, Erfinder, Schöngeist und Kunstmäzen, Geschäftsmann mit internationalen Beziehungen, aus jüdischem Hause stammend, aber zum Protestantismus konvertiert, im Jahre 1909 die Kuranstalt kaufte und sofort in einem Ausmaß sanierte, dass bereits ein Jahr später selbst Kaiser Franz Joseph zur Wiedereröffnung gekommen war, was ihm mit einem Denkmal ehrerbietigst gedankt wurde. Doch abseits von Glanz und Glorie gediehen auch Kur-Skandälchen.

In ebendiesem Sommer war auch Alma Mahler mit ihrer Tochter Anna Justine nach Tobelbad gekommen und hatte dort den deutschen Bauhausarchitekten Walter Gropius kennengelernt, was wieder von ­Gustav Mahler gar nicht goutiert wurde. Denn wie es das Schicksal wollte, landete ein glühender Liebesbrief von Gropius statt in den Händen ­Almas auf dem Schreibtisch des Komponisten. Der Rest ist rasch erzählt: Gustav Mahler starb bekanntlich im Jahre 1911, Alma Mahler schrieb sich von 1915 bis 1920 mit Familiennamen Gropius, bis dann Franz Werfel auf den Plan trat.

Das Heilwasser der Stainzer Johannesquelle kann heute gratis abgefüllt werden.

Doch soll hier nicht nur von vergangenen heilenden und sonstigen „Wannen-Wonnen“ die Rede sein, „Arzneiwasser“ oder auch „Sauerwasser“ – wie es der Volksmund häufig nannte – wurde in Flaschen abgefüllt und in gar manchem Haushalt wird man sich an das eine oder andere Etikett noch erinnern.

Der frühere Landes-Hydrogeologe Dr. Hilmar Zetinigg, Hofrat in Graz und Universitätsprofessor an der Montanuni in Leoben, hat in seiner akribischen Arbeit „Die Mineral- und Thermalquellen der Steiermark“ selbiges aufgelistet und dabei insgesamt 74 derartiger Vorkommen erfasst. Viele von diesen wurden durch Hochwässer verschüttet, andere mussten aus hygienischen Gründen geschlossen werden, weil sie Keime weit über alle Grenzwerte hinaus aufwiesen, aber alle haben sie eine interessante, häufig viele hundert Jahre alte Geschichte.

Wer erinnert sich an den Kalsdorfer Sauerbrunn und sein Ende im Jahre 1970, an die Gleichenberger und an die Rachauer Emmaquelle, an den Hengsberger Sauerbrunn? Nicht zu vergessen das Fentscher-Wasser, das sich einen besonderen Ruf als „Kropfbründl“ erworben hatte. Bevor in den Jahren von 1926 bis 1928 das Murkraftwerk Pernegg einschließlich Oberwasserkanal errichtet worden war, fuhr man auf der Strecke Bruck – Graz durch Zlatten, wo sich die „Hildesquelle“ beim Lindenbrunnen großer Beliebtheit erfreute. Seit damals fließt sie ungenutzt in den Zlattenbach. Von Bad Aussee bis Bad Radkersburg reichen die Quellen mit den besonderen Wässern.

Die Ulrichsquelle in Stanz im Mürztal ist in der Region bekannt, ebenfalls eine Reihe weiterer Säuerlinge im Raum des benachbarten Aller­heiligen, die den ehemaligen Landeshauptmannstellvertreter Dipl.-Ing Leopold Schöggl als Fürsprecher zwecks Nutzung für ein bescheidenes Bad namens „Rosegger Therme“ gefunden haben. Der Erfolg versuchter Überzeugungsarbeit bei den zuständigen Förderstellen des Landes lässt bis jetzt noch auf sich warten.

 

Umso erfolgreicher ist es dafür bei der Revitalisierung des Thalheimer Schlossbrunnens gelaufen. Nach wirtschaftlichen Schleuderkursen bis hin zu Verfall und Stilllegung hat nun Didi Mateschitz Geld und Zügel in die Hand genommen und jetzt gibt es das einst berühmte Heilwasser wieder als prickelnd oder still, auch als Limonade in sechs Geschmacksrichtungen und – man liest richtig – als Bier, gebraut mit Heilwasser.

 

Beitrag veröffentlicht am 19. September 2022
von Dieter Rupnik
© beigestellt