Aktiv altern: Interview zum langen Tag der Demenz

 

Was ist SALZ und wofür steht die Initiative?

Salz – Steirische Alzheimerhilfe ist ein Angehörigen-Verein. Wir vertreten deren Interessen und Anliegen aber wir geben auch Raum, damit Angehörige sich treffen und austauschen können. Es ist wichtig, in einem geschützten und anonymen Umfeld über die Trauer, die Frustration und über die Wut der Krankheit gegenüber sprechen zu können. Die eigene Ratlosigkeit zu thematisieren und gleichzeitig Tipps und Rat im Umgang mit Demenz zu bekommen hilft, Ressourcen zu erkennen und Hoffnung zu schöpfen.

Wir engagieren uns überdies in Projekten oder initiieren selbst welche, die dazu führen, dass das Leben mit Demenz leichter wird. Außerdem glauben wir, dass nur eine gute Vernetzung von Professionisten in der Region eine gute Versorgung gewährleisten kann und wir investieren in dieses Ziel viel Zeit.

 

Warum ist Ihnen das Thema Demenz so ein wichtiges Anliegen?

Wir von Salz sind oder waren Angehörige und wissen, wie belastend die Diagnose für die gesamte Familie ist. Wir wollen unsere Erfahrung weitergeben und helfen. Die Krankheit ist noch immer stark stigmatisiert und tabuisiert und zu lange werden Angehörige sowie Betroffene alleine gelassen. Das wollen wir ändern und dafür setzen wir uns ein.

 

Worum geht es beim Tag der Demenz, den Sie heuer veranstalten?

Heuer dreht sich der Lange Tag der Demenz um das Thema Zeit. In unserer sehr effizienten und geschwindigkeitsorientierten Welt bleiben viele zurück, die mehr Zeit brauchen würden. Die zunehmende Automatisierung, wie Selbstbedienungskassen, Fahrscheinautomaten, elektronisches Bankensystem, machen die Teilhabe von Menschen mit Demenz immer schwieriger. Daher stellen wir uns dieses Mal die Frage: „Wieviel Zeit braucht ein Mensch mit kognitiven Einschränkungen und was bedeutet das in unser aller Alltag?

In den drei Tagen vom 21.9. – 23.9. werden wir zu diesem Thema einen Gottesdienst feiern, einen Film sehen, öffentlich diskutieren, am Markt informieren und künstlerische Akzente setzen. Dazu sind alle Menschen geladen, die sich für das Thema, ob aus aktuellem Anlass oder präventiv, interessieren und sich mit Menschen mit Demenz und deren Familien solidarisieren möchten.

Was erwarten Sie sich von öffentlichen Stellen zum Thema Demenz?

Zurzeit gibt es viele engagierte Initiativen in diesem Bereich. Eine Zusammenführung dieses Wissens zumal in einer Form, die für Betroffene und Angehörige praktikabel ist, sowie eine Vernetzung der damit verbundenen Akteur/innen wäre wünschenswert. Außerdem ist nach wie vor unsere dringlichste Forderung nach individueller, flexibler Alltagsassistenz als Unterstützung für Betroffene im leichten Stadium und in weiterer Folge zur Entlastung der betreuenden Angehörigen.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft in Bezug auf die Aufmerksamkeit und öffentliche Wahrnehmung des Themas Demenz?

Eine Sensibilisierung in Wort und Bild. Das Bild des alten Menschen muss generell ein differenzierteres werden. Dem Menschen muss seine Individualität und Würde bewahrt werden und er darf nicht hinter Statistiken oder Klischees verschwinden. Menschen mit kognitiven Einschränkungen sollen nicht zu einer anonymen Masse werden, über die man hauptsächlich defizitorientiert spricht. So unterschiedlich wie wir Menschen nun einmal sind, ist auch die Ausprägung des Verhaltens bei Demenz. Es gibt erstaunlich kreative und erfolgreiche Ansätze, mit diesem Schicksalsschlag fertig zu werden. Genauso verhält es ich bei uns Angehörigen. Natürlich ist die Betreuung oft sehr herausfordernd, aber auch hier sind Familien sehr einfallsreich, wenn es um einen guten Umgang mit dem betroffenen Menschen und mit der eigenen Selbstfürsorge geht. Darüber würde ich gerne mehr lesen, sehen oder hören.

 

Veranstaltungstipp:

Beitrag veröffentlicht am 12.09.2022
© Luef Light

Der Weg zum „seniorenfitten“ Bad

Eigentlich möchtest du gerne das Thema verdrängen, es weit von dir wegschieben, nur gelingen will es doch nicht ganz. Denn immer näher kommen die „Einschläge“ im Kreis deiner lieben Bekannten – dort einmal eine Hüftoperation mit Folgekomplikationen, da wieder einmal ein Knie, eine Schulter, unzählige Probleme, die oft überraschend auftreten können und die alle auf die eine Lösung drängen: Kann ich auch bei einer Einschränkung meiner Beweglichkeit das Bad, die Toilette weiterhin benutzen?

Immerhin hängt es gerade auch davon im Fall des Falles stark ab, ob man in den trauten vier Wänden weiterhin wohnen kann oder sich für Varianten außer Haus entscheiden muss. Um es gleich vorwegzunehmen: als Schreiber dieser Zeilen habe ich mich nach langen Überlegungen entschlossen, den Weg eines „vorsorglichen“ Umbaues von Bad und Sanitärraum einzuschlagen und möchte der Leserschaft von „Abenteuer Alter“ gerne meine Erfahrungen bei der Umsetzung dieses Projektes zur Verfügung stellen.

Überstürzt wurde dabei nichts, im Gegenteil, die Überlegungsphasen zogen sich – man kann es ruhig sagen – ein paar Jährchen dahin. Inspirationen von den Häuselbauer-Messen, unzählige Besuche bei Sanitärausstellungen, dazu etwas Fachliteratur und Stöbern im Internet, wichtig auch Gespräche mit Leuten, die so etwas schon abgeschlossen hatte und aus ihrem Erfahrungsschatz schöpfen konnten, der dann die gesamte Palette von „super zufrieden“ bis zu „das Gerichtsverfahren ist noch nicht abgeschlossen, jetzt ist der Sachverständige am Wort“ widerspiegelte.

Interessant war für uns nur eine Firma, die sämtliche Leistungen aus einer Hand anbietet und dafür gibt es doch zahlreiche ausgezeichnete Spezialisten mit allerbestem Ruf in der Steiermark. Aber nur eine kann den Auftrag erhalten und vieles sprach für die Firma Bodlos mit ihren Standorten in Lieboch und Peggau.

Die Grundvoraussetzung für ein gutes Beratungsgespräch ist erst einmal, dass man seine eigenen Vorstellungen ziemlich konturenscharf präzisieren kann. In unserem Fall war klar: so gerne und so oft wir die Duschkabine mit gemauerter Fliesenwand auch benützten, die Badewanne blieb nahezu ständig trocken – wir benutzen sie kaum, also weg damit, zumal mit zunehmenden Alter das Hineinsteigen noch immer ganz gut gelingt, das Verlassen der selben mit zunehmenden Mühen verbunden ist. Die Toilette in einem eigenen, aber engen Raum untergebracht sollte durch die Abtragung einer Trennmauer in das Badezimmer integriert werden, um einen größeren Freiraum zu gewinnen.

Mit unseren Ideen im Kopf und einigen Fotos am Handy wurden wir dann bei Johann Reiterer, dem Verkaufsberater und Planer der Firma vorstellig, trafen einmal ungefähre Richtungsentscheidungen bezüglich Ausstattung, Materialien, zeitlichen Abläufen etc. und vereinbarten mit ihm einen Termin vor Ort bei uns zu Hause.

Jetzt wurde gemessen, Varianten diskutiert, kurzum, die Grundvoraussetzungen für eine Planung erarbeitet, nach einer Woche weitere Besprechung im Bodlos-Büro, wo die endgültige Ausstattung geklärt wurde und damit der Kostenvoranschlag errechnet werden konnte. Die Erstellung desselben schlägt sich mit 300 Euro zu Buche, die Summe wird aber bei Auftragserteilung abgezogen.

Auftrag erteilt, Arbeitsbeginn auf Tag und Stunde genau festgesetzt, auch das Fertigstellungsdatum. Es ist ein Montag im Mai, kein Tag wie jeder andere. Die Garage ist bereits geräumt, denn die wird in nächster Zeit als Lager dienen, Bilder im Stiegenhaus abgehängt, Teppiche einrollt, man harrt der Dinge die kommen werden.

Und da kommen sie schon, erst Johann Reiterer, der auch für den Personaleinsatz und Bauabwicklung zuständig ist zur Baubesprechung, dann der Herr Stefan, Installateur und Alleskönner, quasi „Chef de Partie“ und zwei „Assistenten“, die in der Folge eine tragende Rolle einnehmen werden, vorerst aber einmal fein säuberlich jede Stiege, jede Türe sorgfältig abkleben. Dann kämpft sich ein schwerer Dreiachser die für Lkw doch etwas enge Auffahrt hoch und setzt einen Container ab, der dir in den nächsten Tagen zum vertrauten Anblick wird.

Die Baustelle ist in vollem Gange

Vorbei sind die gemütlichen Einführungsstunden, jetzt wird’s ernst, unvorstellbar ernst. Den Lärm von Schremmhämmern kennst du nur vom Vorbeigehen an Baustellen, jetzt hast du ihn den ganzen Tag bis Feierabend. Vom Staub gar nicht zu reden. Unermüdliche schleppen die beiden „Assistenten“ ihre schweren Baustellenkübel die Treppe hinab und der Container beginnt sich mit deinen Tausendern von einst, die jetzt zu Schutt und Scherben geworden sind, zu füllen.

Einen Tag noch, dann ist die ärgste Lärmhölle wieder ruhiger geworden, die Staubwolke senkt sich, am Mittwoch tritt bereits der Elektriker auf den Plan und am Donnerstag wird bereits der neue Estrich gegossen.

Wie schön, der muss am Freitag trocknen und Ruhe kehrt vorübergehend ein.

Die drei Tage der nächsten Woche – Donnerstag ist Feiertag – stehen ganz im Zeichen von Fliesenleger und Innenausbauer, das neue Bad nimmt bereits sichtbare Gestalt an, noch steht zwar der Container in der Auffahrt aber du fühlst das Ende nahen.

Und nun der dritte und damit letzte Montag – Fliesenlegermeister Florian und der Innenausbauer Manfred Rappel, selbst auch Tischler- und Stuckateurmeister, kleben, spachteln, passen Fliesen und Wandplatten bis in die Abendstunden ein, der Dienstag gehört dann allein dem Fliesenleger, der Mittwoch dem Innenausbauer, der auch die Malerarbeiten vornimmt und dann der alles entscheidende Donnerstag, der wiederum der Tag des Herrn Stefan und seines „Assistenten“, die wir schon zu Beginn der Arbeiten als Installateur kennengelernt haben ist und wo noch der Elektriker einen kürzeren Gastauftritt hat. Alles entscheidend deshalb, weil es der letzte Arbeitstag ist, sieben Tage vor dem garantierten Ende des Projektes „Badezimmer neu.“

Das neue Bad hat sichtbar Gestalt angenommen

Du willst ja den Ausdruck „behindertengerecht“ nicht unbedingt in den Mund nehmen, „seniorenfit“ oder „zukunftssicher“ klingt vielleicht besser.

Ob es für Baumaßnahmen dieser Art auch Förderungen gibt und wenn ja, welche behördlichen Hürdenläufe zu bewältigen sind, darüber werden wir in der nächsten Ausgabe von „Abenteuer Alter“ ausführlich berichten.

Hier das Video um Umbau:

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von Dieter Rupnik
Beitrag veröffentlicht am 29. August 202
© bodlos, Marko Reif

Stress für die Haut

Unser größtes Sinnesorgan erfüllt vielfältige Funktionen. Um die Hautgesundheit bestmöglich zu erhalten, braucht es Schutz und Pflege. UV-Licht ist ein wesentlicher Beschleuniger der Hautalterung. 

Mit einer Fläche von eineinhalb bis zwei Quadratmetern fungiert unsere Haut als Schutzschild. Dabei ist sie nur wenige Millimeter dick. Sie nimmt eine Fülle von Aufgaben wahr – für den Wärmehaushalt, den Stoffwechsel und das Immunsystem. Sie ist unser größtes Sinnesorgan. Auch unser Innerstes drückt sich oftmals direkt über unsere Haut aus, viele Hautkrankheiten haben seelische Ursachen. Neben Hautvorsorge und Hautpflege ist das Wohlbefinden ein essenzieller Faktor für unsere Hautgesundheit.

Etwa 20 Prozent aller Patientinnen und Patienten in der allgemeinmedizinischen Praxis haben übrigens ein dermatologisches Problem. Hauterkrankungen können nicht nur körperlich belastend und schmerzhaft sein, sie haben oft auch psychosoziale Auswirkungen und stellen einen emotionalen Stressfaktor für Betroffene dar.

DAISY KOPERA, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten

 

Zusammenspiel der Fasern

Unsere Haut verändert sich im Laufe unseres Lebens. Wie alle anderen Organe des Körpers ist sie einem natürlichen Alterungsprozess unterworfen. Dieser beginnt bereits rund um das 25. Lebensjahr. Die entscheidenden Veränderungen passieren dabei in der sogenannten Lederhaut. Diese Schicht besteht hauptsächlich aus Bindegewebszellen und Bindegewebsfasern aus Kollagen und Elastin. In der jungen Haut arbeiten die Fasertypen optimal zusammen: Das Kollagen macht das Gewebe stabil und zugfest, das gummiartige Elastin sorgt dafür, dass es dehnbar bleibt.

Im Alter sinkt die Zahl der Kollagenfasern, der elastischen Fasern und Blutgefäße. Die Zellen der Oberhaut teilen sich nicht nur langsamer, sie wandern auch langsamer an die Hautoberfläche. Diese erneuert sich damit nicht alle 30 Tage wie in Jugendjahren. Sie muss Umwelteinflüssen länger standhalten. Die Haut und das Unterhautfettgewebe werden dünner, der Wasser- und Fettgehalt der Haut nimmt ab. „Hautalterung wird vor allem an exponierten Stellen sichtbar. Dort entstehen Flecken, Falten und Runzeln“, sagt Daisy Kopera, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten an der Medizinischen Universität Graz und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologische Kosmetik und Altersforschung.

Schutzsystem erschüttert

Ein wesentlicher Beschleuniger der Hautalterung ist UV-Licht. „Die lichtbedingte Verklumpung der elastischen Fasern ist irreversibel, eine frühzeitige Prophylaxe verhindert das.“ Die unsichtbaren Wellen dieser ultravioletten Strahlung führen zu einer vermehrten Bildung von sogenannten freien Radikalen. Diese Sauerstoffteilchen sind Gift für die Zellen: Sie schädigen Proteine, greifen Fettmoleküle an und verursachen Brüche in den DNA-Strängen des Erbguts, was zur Bildung von weißem Hautkrebs führen kann. Normalerweise verfügt die Haut über Schutzmechanismen, die freie Radikale neutralisieren. Doch ständige UV-Bestrahlung kann dazu führen, dass dieses Schutzsystem versagt.

Nicht jede Haut altert gleich schnell. „Das hängt einerseits von genetischen Voraussetzungen ab, andererseits vom Verhalten im UV-Licht und der Verwendung von Sonnenschutz“, betont Kopera. Die Dermatologin wird nicht müde zu betonen, dass es essenziell ist, „früh genug und konsequent mit täglichem Sonnenschutz, am besten integriert in die Tagespflege, zu beginnen – und zwar mit spätestens 30 Jahren. Die beste Prophylaxe gegen Hautalterung ist die tägliche Anwendung von Lichtschutz.“ Für lichtexponierte Körperstellen wie Gesicht, Hals, Handrücken und Unterarme gilt: Hier sollte einer täglicher UV-Schutz mit einem Lichtschutzfaktor 30 bis 50 Standard sein, um Hautalterung und Hautkrebs vorzubeugen. „Weißer Hautkrebs ist fast zu 100 Prozent durch UV-Licht bedingt“, erläutert Kopera. Er beginnt meist mit schuppenden, geröteten, nicht abheilenden Stellen an der Haut in lichtexponierten Arealen. „Das ist leicht zu erkennen. Liegt so etwas vor sollte man zum Hautarzt gehen, denn in diesem frühen Stadium kann man das ohne Operation mit einer speziellen Creme behandeln.“, so Kopera.

Konsequente Maßmahmen

Eine sanfte Reinigung mit seifenfreien Mitteln, eine Tagespflege mit Lichtschutzfaktor und eine Nachtpflege mit feuchtigkeitsspendenden Zusatzstoffen tun reiferer Haut gut. Altersflecken wiederum entstehen durch unregelmäßige Einlagerungen von Haut-Pigment. Die Zellen bilden den dunklen Pigmentfarbstoff Melanin. Konsequenter täglicher Sonnenschutz beugt auch Altersflecken vor. Die Vorkehrungen gelten übrigens auch für Tage, an denen die Sonne nicht scheint, denn Tageslicht hat einen UV-Anteil.

 

von Elke Jauk-Offner
Beitrag veröffentlicht am 23. August 2022

Größte Pflegereform seit Jahrzehnten

Nach mehr als zehn Jahre der Diskussion machte die Bundesregierung jetzt Nägel mit Köpfen und lieferte ein breites Paket, das mit Reformmaßnahmen bei den wichtigen Säulen der Pflege ansetzt.

Die Reform konnte aufgrund der Corona-Pandemie, welche mit großer Verantwortung und persönlichem Einsatz der handelnden Personen in Bund und Land gemeistert wurde, nicht schon früher erfolgen.

Bundesrat Ernest Schwindsackl

Einige Fakten und Taten seien kurz angeführt:

Bis 2030 fehlen uns mindestens 76.000 zusätzliche Pflegekräfte bundesweit und das bestehende Pflegepersonal ist am Limit!
Besonders erfreut zeigt sich der Grazer Seniorenbundobmann und Seniorensprecher im Bundesrat, Ernest Schwindsackl, in diesem Zusammenhang über die Einführung der Pflegelehre. „Damit können wir junge, interessierte Menschen gleich nach der Pflichtschule für den Pflegeberuf gewinnen, bevor wir sie in andere Bereiche verlieren.“
Insgesamt beinhaltet das engagierte und umfangreiche Paket über 20 Maßnahmen mit einem Volumen von 1 Milliarde Euro.

Diese werden in den Pflegeberuf, die Pflegeausbildung sowie für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige bis zum Ende der Gesetzgebungsperiode investiert.
In den kommenden zwei Jahren erhält jede:r Mitarbeiter:in einen Gehaltsbonus. Abseits davon werden in den Bereichen der Ausbildung, Kompetenzen und Zuwanderung neue Akzente gesetzt.

Außerdem wird ein Angehörigenbonus von 1.500,– Euro ab dem Jahr 2023 für die Person, die den größten Teil der Pflege zuhause leistet und zu diesem Zweck selbst- oder weiterversichert ist, gewährt!

Unsere Senioren:innen haben diese große Pflegereform nicht nur verdient, sie steht ihnen als jahrzehntelange Leistungsträger:innen im Aufbau unseres Wohlstandes auch zu, meint Ihr Bundesrat Ernest Schwindsackl.

Beitrag veröffentlicht am 19. August 2022

Zu Besuch bei Waterloo: Seine kleine Welt

Waterloo hat in Mörbisch sein Paradies gefunden. Wir von Abenteuer Alter durften ihn dort besuchen und erfahren, dass es nie zu spät für eine kleine feine Welt und die große Liebe ist.

Damals, 1976, als die Welt ein bisschen übersichtlicher war, als Schlagermusik noch die Massen begeistern und man sich an die Teilnehmer eines Songcontest erinnern konnte, sang sich ein österreichisches Popduo in die Herzen der Radiohörer. Waterloo und Robinson hieß das 1969 gegründete Duo, das für Siebzigerjahre-Hits wie „Baby Blue“ oder das von Christian Kolonovits geschriebene „Hollywood“ berühmt wurde. Internationale Bekanntheit erlangten die beiden, als sie beim Songcontest mit der englischen Version von „Das ist meine kleine Welt“ im niederländischen Den Haag für Österreich teilnahmen und prompt auf Platz 5 landeten. Die deutschen Vertreter, die Les Humphries Singers, erreichten lediglich Platz 15, gewonnen hat „Brotherhood of Man“ mit ihrem Song „Save your kisses form me“. Die größere Strahlkraft im Duo hatte jedoch stets der Sänger Waterloo, Hans Kreuzmayr. Und der hat vor wenigen Jahren seine kleine Welt in Mörbisch gefunden, die wir besuchen durften.

Auf einer Anhöhe mit herrlichem Blick auf den Neusiedlersee begrüßt er uns. Vorbeifahrende Radfahrer tuscheln, Hans Kreuzmayr lacht. „Ich sage ja immer, dass ich ein kleines Häusel habe. Oft bleiben Radfahrer stehen und rätseln, ob das wohl mein Haus ist“, und deutet auf ein blaugraues Gartenhäuschen, das auf dem Nachbargrundstück steht. Wir betreten den Garten seines Hauses, drei Stunden dürfen wir bei ihm verbringen, in denen er launig über sein Leben berichtet. Stets an der Seite seine Andrea, von ihm verehrte Ehefrau, Officemanagerin, Checkerin und Kümmerin. Sie hat ihm anfangs Tanzunterricht gegeben, als er 2008 für Dancing Stars angefragt wurde, und es – trotz „bescheidenem Talent“ – fast bis ins Halbfinale geschafft hatte. Sie war es auch, weswegen das Paar den Wohnsitz vor vier Jahren vom oberösterreichischen Wels ins Burgenland verlagert hat. „Ich habe das Wetter dort nicht mehr ausgehalten“, sagt Andrea. So sei man nach Rust gefahren, um sich nach einer Immobilie umzusehen. „Nichts haben wir gefunden“, erzählt sie, „ich war todtraurig und dachte mir schon, dass ich bis zu meinem Lebensende im oberösterreichischen Nebel gefangen sein werde.“ Vor der Abreise drehte das Ehepaar mit dem Auto noch eine kleine Runde durch Mörbisch und kam vor einem wunderschönen kleinen Haus zum Stehen, das zum Verkauf stand. „Es ist genau für uns gemacht“, sagt Waterloo und bittet in den heimeligen Garten, für den Andrea verantwortlich zeichnet. „Ich liebe es halt, zu gestalten. Magst einen Kaffee?“, fragt sie und verschwindet im Haus.

Hans Kreuzmayr, der heuer 77 wird, steht noch immer auf der Bühne, und das gern. Waterloo und Robinson trennten sich 1981, es gab zwischendurch immer wieder Comebacks, 2007 beschloss man, eigene Wege zu gehen. Waterloo macht Musik, wie die Einflüsse gerade daherkommen, er hat etwa ein indianisches Album produziert und eines mit seinem Stiefsohn Erik. Im Keller liegt sogar noch eine Aufnahme mit dem amerikanischen Countrystar Willie Nelson, die er rechtebedingt bislang noch nicht veröffentlichen durfte. Weil er ohne Label arbeitet und seine Andrea die künstlerische und organisatorische Arbeit übernimmt, kann sich Waterloo leisten, Musik aus Spaß und Freude zu machen. Die großen Erfolge der Siebziger und Achtziger mit Reisen in die ganze Welt haben ihn geprägt. Er absolvierte gefeierte Auftritte vor großem Publikum, von Japan kommen noch immer die Anfragen, dorthin ist ihm aber die Anreise zu beschwerlich.

Vom Hendlbrater zum Bühnenstar

Hans Kreuzmayr wurde im oberösterreichischen Altheim geboren, weil der Vater in Linz einen Job bekommen hatte, zog die Familie dorthin. Er wuchs in sehr bescheidenen Verhältnissen auf, in einer Souterrainwohnung, es gab nur das Nötigste. Hans absolvierte eine Tischlerlehre, es folgte das Bundesheer, er hatte mehrere Jobs, unter anderem arbeitete er als Hendlbrater in einem Einkaufszentrum. In einem Möbelhaus war er für die Gestaltung und Inneneinrichtung zuständig, dort fand jedoch der Inhaber seine charmante Art gar nicht gut. Er brauche nicht so freundlich sein, schon gar nicht zu seiner Frau, herrschte er ihn an. Auf seinem Nachhauseweg durch Linz-Urfahr sinnierte er, was er stattdessen arbeiten könne, und kam an einem leeren Geschäftslokal vorbei. Das sei ein schöner Ort für eine Damenboutique, dachte er. Eine Frau, die mit ausladendem Oberkörper und verschränkten Armen am Fenster lehnte und die Geschehnisse aus der Straße beobachtete, zeigte ihm den Weg zum Besitzer der Immobilie. Dieser meinte auf Kreuzmayrs Ankündigung, dass er den Laden gern mieten würde, aber knapp bei Kasse sei, „1500 Schilling. Passt das?“ Es passte. Für die Gestaltung des Geschäftes suchte Hans Kreuzmayr eine kreative Person, die er in der gegenüberliegenden Kunstschule in seinem späteren musikalischen Partner Josef Krassnitzer fand. Weil Kreuzmayr anfangs Schwierigkeiten hatte, für die Boutique eine Genehmigung zu erhalten, zog er einen jungen Mitarbeiter der oberösterreichischen Wirtschaftskammer zu Rate, der ihm half, die Probleme aus dem Weg zu schaffen. Sein Name war Christoph Leitl.

Der Neid gehört in Österreich dazu

Genauso wie der Erfolg seiner Damenmoden-Boutique Eglisé, in der auch die Schwester mitarbeitete, in die Höhe schnellte, ging es mit der Bühnenkarriere von Waterloo und Robinson stetig bergauf. 1969 begann ihre musikalische Zusammenarbeit, 1971 belegten sie mit ihrem Lied „Du kannst sehen“ über ein blindes Mädchen den dritten Platz bei der Show-Chance, einem von ORF, ZDF und SRG veranstalteten Talentewettbewerb. Hans Kreuzmayr erinnert sich schmunzelnd an seinen ersten Besuch bei Evamaria Kaiser im ORF, die in den 1960er-Jahren die Sendung „Gut aufgelegt“ präsentierte und heimische Talente förderte. Ihr legte er Demobänder seiner früheren Band „Melodias“ vor, worauf diese antwortet: „Lernt’s erst mal singen und dann kommt’s wieder.“ Für Waterloo war dies eine Erfahrung, die ihn bis heute prägt: „50 Prozent der Menschen mögen dich und 50 Prozent sind dir neidisch oder trauen dir nichts zu. Ich habe mir schon damals gesagt: Wenn ich es schaffe, in dieser Mitte durchzugehen, bin ich auf dem richtigen Weg.“ Neid, diese österreichische Tugend, ist dem Künstler keineswegs fremd. Nicht unerfreut sei man deshalb gewesen, als sich die Karriere des Duos Waterloo und Robinson in den Siebzigerjahren eher nach Deutschland verlegte, wo die beiden in den großen Abendshows von Peter Frankenfeld, Lou van Burg oder Hans Rosenthal oft zu Gast waren.

Seinen Weg zu finden half ihm schon sein Vater. Dieser sollte bei seinem Jobantritt bei der Voest der SPÖ beitreten, was er ablehnte. Er habe seine Prinzipien gehabt, die sich stets auf der „moralisch guten“ Seite des Lebens befunden hätten, betont Waterloo: Die Erziehung sei wohlwollend gewesen, „er hat geraucht und zu mir hat er gesagt: Du kannst machen, was du willst, ich würde es dir aber nicht empfehlen“, und als am Voest-Gelände zwei kleine Katzen gefunden wurden, hat er sie kurzerhand mit nach Hause genommen, um sie vor ihrem sicheren Tod zu beschützen. Das richtige Gespür für Mensch, Tier und Natur begleitet den Künstler bis heute. Seit vielen Jahren leben er und seine Andrea vegetarisch, nur ab und zu kommt Fisch auf den Tisch. Der Vater begleitete ihn als Kind auch nach Wien zum Vorsingen bei den Wiener Sängerknaben, zu einer Aufnahme ist es aber nicht gekommen. „In meinem Blut fließt Musik“, sagt Waterloo, der Vater hat ihn dabei stets unterstützt. Des Sohnes musikalisches Talent half diesem auch sonst im Leben: „In Mathematik bin ich einmal zwischen vier und fünf gestanden, ich mochte das Fach einfach nicht. Ich habe der Lehrerin ein Lied vorgesungen und sie hat meine Note auf einen Vierer korrigiert. Beim Marschieren beim Bundesheer hieß es oft: ,Funker Kreuzmayr, ein Lied!‘ Ich habe ein Lied gesungen und bekam dafür zwei Tage frei.“

Die echte Liebe ließ sich Zeit

Seine ruhigere Lebensphase läutete vor allem ein Ereignis ein: Als er vor 23 Jahren seine jetzige Frau kennenlernte. Er spielte damals im niederösterreichischen Winzendorf den Winnetou im Stück „Winnetou und Old Surehand“, Andreas Sohn wirkte bei der Veranstaltung mit. Die damals 40-Jährige durchlebte gerade eine schwierige Zeit und war auf dem Sprung nach Indien, dort wollte sie in einem Kinderheim mithelfen. Um das zu verhindern, intervenierte Sohn Erik bei Waterloo: „Rede ihr das bitte aus“. Der Musiker ging zur Mutter, gab ihr seine Telefonnummer und meinte: „Ruf mich bitte an, wenn du reden willst.“ Andrea arbeitete damals in einem Fotogeschäft, fasste sich, bereits mit Schmetterlingen im Bauch, ein Herz, wählte am Festnetztelefon die Nummer und legte wieder auf. Beim dritten Versuch blieb sie standhaft, Waterloo hob ab, in dem Moment betrat eine Kundschaft das Geschäft, sie stammelte nur: „Hier ist die Mama vom Erik, entschuldige, ich arbeite in einem Fotogeschäft und soeben ist jemand hereingekommen“, und legte auf. Wenige Tage später läutete das Telefon, am anderen Ende war der Musiker. Woher er ihre Telefonnummer habe? Er: „Ich habe alle Fotogeschäfte in Wiener Neustadt durchgerufen, ob es dort eine Andrea gibt.“

„Wenn ich etwas will, bekomme ich das auch“, sagt Hansi Kreuzmayr und schmunzelt. So sei das schon immer gewesen. Der Beginn dieser liebevollen und treuen Beziehung führte sie zunächst nach Oberösterreich, wo das Paar knapp 20 Jahre lebte. In Mörbisch nun haben sie ihre Bleibe gefunden, Herz und Seele sind am Tag des Einzugs ebenfalls angekommen, sagt Andrea und lacht. Wir verabschieden uns, Waterloo muss sich auf sein Konzert vorbereiten, das am nächsten Tag zu spielen ist. „Pfiat di und bis bald“, ruft er. Und ein paar Radfahrer freuen sich, den berühmten neuen Mörbischer live gesehen zu haben.

Waterloo vor seinen goldenen Schallplatten

von Daniela Müller
© Daniela Müler, Andrea Kreuzmayr
Beitrag veröffentlicht am 06. August 2022

 

Spartipps im Alter

Normalverdiener:innen reicht die Rente schon längst nicht mehr zum sorgenfreien Leben. Ganz im Gegenteil: Mit Pensionsantritt rutschen viele Österreicher:innen in die Altersarmut. Die steigenden Preise verschärfen die Situation weiter, den meisten Senior:innen bleibt mit Monatsende nichts mehr im Geldtascherl übrig. Ein paar kleine Spartricks für den Alltag sollen in der schwierigen finanziellen Situation eine Entlastung bieten. Auch wenn Sie damit keine Berge versetzen werden – vielleicht können Sie sich dadurch ein paar Euros auf die Seite legen.

Kassensturz machen

Der erste Schritt, um langfristig Geld zu sparen, ist, sich zunächst einmal die Ausgangslage anzusehen. Dabei ist es wichtig, wirklich gründlich zu sein. Auch wenn es unangenehm ist, sollten Sie sich auf den Cent genau ansehen, wofür Sie ihr Geld monatlich ausgeben und wieviel Geld jeweils am Ende des Monats übrig bleibt um sich für Ihre finanzielle Situation ein Bewusstsein zu schaffen.

Ein einfacher Weg, um einen Überblick über die eigenen monatlichen Einnahmen und Ausgaben zu bekommen, ist das Führen eines Haushaltsbuches. Dies ist sowohl digital per App oder auf dem Computer aber auch ganz klassisch auf Papier möglich.

Beginnen Sie damit, drei Monate lang alle Einkünfte und Ausgaben einzutragen, um ein realistisches Bild über Ihr Konsumverhalten zu gewinnen. In Zuge dessen werden Sie beginnen, ein Einsparpotenzial zu erkennen.

 

Briefkuvert-System

Teilen Sie Ihre Ausgaben am Anfang des Monats in unterschiedliche Kategorien ein. Weisen Sie jeder Kategorie ein fixes Budget zu und versuchen Sie, dieses nicht zu überschreiten. Tipp: Eine der Kategorien sollte “sparen” sein.

Die 50-30-20-Regel

Versuchen Sie 50% Ihres monatlichen Budgets für Ihre Grundausgaben zu verwenden, 30% für Ihre persönlichen Ausgaben übrig zu lassen und die restlichen 20% zu sparen.

Die 48-Stunden Regel & die 15-Minuten-Regel

Spontane Impulskäufe wirken sich negativ aufs Geldbörserl aus. Deshalb ist es wichtig, diesen bewusst gegenzusteuern. Hier helfen die 48-Stunden-Regel und die 15-Minuten-Regel.

Wenden Sie die 15-Minuten-Regel bei kleineren Einkäufen und Produkten wie Lebensmittel, Kleidung oder kleineren Gegenstände für die Wohnung an. Finden Sie etwas im Geschäft, das sie unbedingt kaufen wollen, warten Sie 15 Minuten, bevor Sie damit zur Kasse gehen. Sind sie nach 15 Minuten immer noch davon überzeugt, den Gegenstand unbedingt kaufen zu wollen, kaufen Sie ihn erst dann.

Die 48-Stunden-regel kommt bei größeren Anschaffungen zum Einsatz. Warten Sie mindestens 48 Stunden lang und überlegen Sie sich danach, ob Sie die Anschaffung immer noch unbedingt brauchen.

Mit diesen beiden Regeln können Sie sicher gehen, sich nur Dinge zu kaufen, die Sie auch wirklich brauchen und werden mit Ihrem Kauf zufrieden sein.

Nicht genutzte Abonnements kündigen

Nicht selten passiert es, dass man ein Probeabo abschließt, jedoch vergisst es wieder zu kündigen. Um Geld zu sparen, checken Sie alle Ihre Abonnements regelmäßig und überlegen Sie, ob Sie diese noch nutzen.

Versicherungen checken

Gerade mit Renteneintritt verändert sich oftmals der Versicherunsbedarf. Schaffen Sie sich einen Überblick darüber, welche Versicherungen Sie haben, was Sie dafür zahlen und was Sie davon brauchen – beziehungsweise ob sich Versicherungen überschneiden. Tipp: Oftmals bieten Versicherungsgesellschaften Vergünstigungen, wenn man man alle oder mehrere Versicherungen bei ihnen abschließt.

Menüpläne & Einkaufslisten schaffen Übersicht und bewahren Sie vor Spontaneinkäufen.

Beim Einkaufen sparen

  • Planen Sie Ihre Mahlzeiten für die kommende Woche vor und behalten Sie dabei die Sparangebote in den Supermärkten im Blick
  • Machen Sie anhand Ihres Essensplans immer anfangs der Woche Ihren Wocheneinkauf
  • Erstellen Sie Einkaufslisten und kaufen Sie nur das, was auf der Liste steht
  • Kaufen Sie nicht hungrig ein, das verleitet zu Impulskäufen
  • Kaufen Sie Hausmarken, statt Markenprodukte
  • Kaufen Sie saisonal und sparen dadurch Geld
  • Versuchen Sie, Produkte auch gebraucht statt neu zu kaufen (willhaben, Ebay…)

 

Im Haushalt sparen

  • Alte Geräte fressen oftmals mehr Strom. Überprüfen Sie das am besten regelmäßig mit einem Strommessgerät. Dieses können Sie bereits um weniger als 10€ kaufen oder sich bei Stromanbietern oder Verbraucherzentralen kostenlos ausleihen.
  • Misten Sie regelmäßig Ihre Besitztümer aus und verkaufen Sie nicht mehr Benötigtes auf Plattformen wie willhaben und Ebay oder auf lokalen Flohmärkten.
  • Benutzen Sie stromsparende LED-Lampen. Achten Sie darauf, nur die Lichter anzumachen, die Sie auch wirklich benötigen und schalten Sie immer das Licht aus, wenn Sie ein Zimmer verlassen.

 

Beim Lebensstil sparen

  • Setzen Sie beim Trinken auf Leitungswasser – dieses ist in Österreich von hoher Qualität. Wenn sie darauf verzichten, teures Wasser oder Säfte in Flaschen zu kaufen, können Sie auf gesunde Weise Geld sparen.
  • Gehen Sie kürzere Strecken zu Fuß oder benutzen Sie die öffentlichen Verkehrsmittel.
  • Legen Sie sich ein Rad für zwischendurch zu oder investieren Sie langfristig in ein hochwertiges Elektrofahrrad.
  • Kochen Sie lieber vor, anstatt spontan Essen zu gehen und mehr Geld als nötig auszugeben.
  • Informieren Sie sich über Pensionisten-Rabatte und nutzen Sie diese. Vor allem im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel, für Freizeitaktivitäten sowie in Theater, Museum, Kino und Zoo gibt es Ermäßigungstarife für Senior:innen.

 

 

von Karolina Wiener
Beitrag veröffentlicht am 17. August 2022

 

 

 

 

Politiker:innen: Wie war das damals mit Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll?

DAS GROSSE GENERATIONENINTERVIEW

In einem Waggon des Wiener Riesenrads, hoch über den Dächern von Wien, findet sich ein interessantes Grüppchen. Die Spitzenvertreter:innen der Österreichischen Seniorenverbände stehen hier Abenteuer Alter in einem ganz besonderen Interview Rede und Antwort.

Es geht darum, Brücken zwischen den Generationen zu bauen, sich anzunähern und zu zeigen: Die Jugend kann von der Erfahrung der älteren Generation profitieren – und diese wiederum von der Spontanität der jungen.

Zu diesem Zweck sind Peter Kostelka (SPÖ), Ingrid Korosec (ÖVP) und Thomas Richler (FPÖ) nach Wien gereist und erzählen aus ihrem Leben. Doris Eisenriegler (Die Grünen) konnte leider nicht vor Ort anwesend sein, hat die Fragen jedoch schriftlich beantwortet. Im großen Generationen Interview geht es um die Menschen hinter den Politiker:innen. Und die beantworten Fragen der ganz anderen Art.

 Denn: Auch die ältere Generation war mal jung und hat viel zu erzählen!

KAROLINA WIENER: Eine Frage die uns Jungen unter den Nägeln brennt – wie war das damals eigentlich mit Sex, Drugs und Rock ’n‘ Roll?

PETER KOSTELKA, SPÖ: Sex war zu meiner Zeit ein unglaublich belastetes Thema. Mit Angst und Scham und religiösem Druck verbunden. Das war die Zeit, als ein Mädchen die Schule verlassen musste, wenn es schwanger wurde. Das hat oft die Zukunftsträume von jungen Frauen zerstört. Was Drogen betrifft, war das eigentlich ausschließlich Alkohol. Ich möchte dazusagen, dass es das Komasaufen von heute damals nicht gab. Der Tanz meiner Generation war der Twist, das war noch vor dem Rock n’ Roll. Damals hat ein Landeshauptmann in Westösterreich Twist sogar verboten, er hat ihn als unsittlich bezeichnet (lacht). Da haben wir erst recht getanzt!

INGRID KOROSEC, ÖVP: Das war eine tolle Zeit. Wenn ich an die Musik denke, an die Beatles, die Rolling Stones. Ich meine, was hätten wir heute für eine Musik, wenn es nicht damals diese gegeben hätte! Die ganze Entwicklung damals war schon eine Revolution der Jugend gegen das Establishment. Wir haben zusammenhalten und der Welt einen Haxn ausgerissen. Ich finde diese Entwicklung heute noch sehr positiv. Soweit ich konnte, habe ich das damals genossen, aber nicht zu viel, weil ich war schon berufstätig.

THOMAS RICHLER, FPÖ: Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, die nicht ganz so freizügig war und ich war immer in der Gastronomie berufstätig. Gerade in der Saison am Klopeiner See haben wir natürlich einen Blick auf die Mädchen geworfen, aber Leute wie ich waren am Abend sehr müde und wir sind lieber schlafen gegangen.

DORIS EISENRIEGLER, DIE GRÜNEN: Ich war immer schon eher widerständig gegen das Autoritäre. Da kam mir diese Bewegung, die sich gegen diese Nazistrukturen gerichtet hat, sehr entgegen. Bei der Arbeit an der Uni Wien habe ich die Studentenbewegung live miterlebt und das hat mich unheimlich interessiert und bewegt. Dann haben große Musik Festivals wie Woodstock die Begleitmusik zu den Protestbewegungen geliefert. Janis Joplin, Bob Marley, Bob Dylan und viele andere haben mich – und ich glaube meine ganze Generation – stark beeinflusst. Ich selbst habe keine Drogen genommen, aber es hat rund um mich stattgefunden.

KAROLINA: Expert:innen sprechen davon, dass Paare zwischen 60 und 80 Jahren wieder deutlich öfter Sex haben als jüngere. Ist das bei Ihnen auch so und wollen Sie uns verraten, wie sich Ihr Sexleben verändert hat?

KOSTELKA: Als ich jünger war, war Sex im Alter ein absolutes Tabuthema. Das ist es nicht mehr. Eine große Rolle spielt, dass die Älteren heute viel länger gesund bleiben wollen. Um körperliche Beziehungen zu pflegen, muss man sich körperlich wohl fühlen. Die Pensionistinnen und Pensionisten haben heute eine Ruhestandszeit von 20 und mehr Jahren, in dieser Zeit kann sich viel abspielen.

KOROSEC: Ich glaube, das kann man nicht verallgemeinern. Grundsätzlich ist es sicher so, wenn man älter wird, genießt man vielleicht Manches mehr, weil man mehr Zeit hat. Und da würde ich schon sagen, spielt die Liebe eine sehr große Rolle. Wenn man eine Partnerschaft hat, die so ist, wie man es sich vorstellt, ist das im Alter manchmal vielleicht sogar intensiver und schöner als in der Jugend.

RICHLER: In einem gewissen Alter hat man einen anderen Abstand zu allen Dingen. Und Liebe ist etwas anderes als Sex. Im Alter ist es wichtig, dass man sich gut versteht. Ich bin über 40 Jahre verheiratet, zufrieden und so soll es bleiben.

EISENRIEGLER: Es hat damals wie heute natürlich eine Rolle gespielt, dass die Pille gekommen ist und man als Frau nicht mehr Angst haben musste, schwanger zu werden.

KAROLINA: Ich bin jetzt in meinen 20ern und mich interessiert natürlich gerade dieser Lebensabschnitt sehr. Stellen Sie sich vor, Sie würden heute Ihrem 20-jährigen Ich gegenüberstehen: Was würden Sie ihm mitgeben?

KOSTELKA: Ich würde sagen: Hab Spaß, aber verletze niemand anderen. Nicht physisch und nicht psychisch. Und mach aus deinem Leben etwas.

KOROSEC: So wie ich mein Leben geführt habe, bin ich mit mir selbst zufrieden. Vieles hat Spaß gemacht, es war sehr abwechslungsreich. Ich bin ein Mensch, der Eintönigkeit ablehnt. Ich liebe Herausforderungen, auch jetzt noch, jeden Tag. Ich würde es wieder so machen.

RICHLER: Wir sind damals so aufgewachsen, dass sich alles um die Schule und den Arbeitsplatz gedreht hat. Natürlich haben wir auch unser Vergnügen gehabt und wenn ich mit Freunden zurückschaue, sind wir noch ganz begeistert von unserem Leben damals. Ich glaube, wir haben vieles richtig gemacht damals. Jetzt machen die jungen Leute es eben anders.

EISENRIEGLER: Da liegt die Erfahrung vieler Jahre dazwischen. Ich würde sagen: Nütze den Tag! Und bring dir ins Bewusstsein, dass das Leben kurz ist, und verschwende es nicht.

JOHANNES KÜBECK: Sie sehen auf große Abschnitte Ihres privaten Lebens und der öffentlichen Karriere zurück. Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie nicht in die Politik gegangen wären?

KOSTELKA: Mein Brotberuf vor der Politik war an der juristischen Fakultät der Uni Wien. Ohne Politik wäre es wohl eine akademische Laufbahn geworden. Ich habe mich anders entschieden, weil ich eine Art Horrorvorstellung hatte: Dass ich einen Schreibtischberuf habe und es läutet genau zweimal an einem Tag das Telefon, und einmal davon ist es meine Frau. Das war eine Horrorvorstellung von Berufsleben.

KOROSEC: Zum Beispiel Vorstandsdirektorin eine großen Firma. Ich hatte mit Politik überhaupt nichts am Hut gehabt, sondern war in führender Position in einem großen Unternehmen tätig – und natürlich gab es die Familie. Ich hatte schon das Ziel, bis ganz nach oben zu kommen, aber das war damals als Frau nicht machbar.

RICHLER: Bei uns war das Hotel immer Lebensmittelpunkt. Nach der Schule war klar: Schultasche weg und rein den Betrieb. Da haben wir nicht viel nachdenken müssen. Die Frage nach einem anderen Beruf hat sich nie gestellt. Als Funktionär war es reiner Zufall, dass ich die FPÖ-Senioren übernommen habe. Ich habe mich damals überreden lassen.

EISENRIEGLER: Ich hätte vielleicht einen schreibenden Beruf ergriffen und wäre Journalistin geworden. Ein anderer Wunsch während meiner Schulzeit war, Tierärztin zu werden.

JOHANNES: Sie gehören der Generation an, die in den 1970er Jahren schon eine hohe Inflation erlebt hat. Wie haben Sie selbst damals gespart und welche Tipps können Sie jungen Menschen geben, mit der Teuerung umzugehen?

KOSTELKA: Die Inflation in den siebziger Jahren war weit höher als sie bis vor einem Jahr war. Aber damals gab es eine ganz andere Reaktion der Regierung. 1976 hat es eine Pensionserhöhung von 11,5 Prozent gegeben! Und heuer hängen wir mit 1,8 Prozent herum und die Teuerungsrate ist im Frühsommer 2022 bei acht Prozent. Die öffentliche Hand ist verpflichtet, den Verlust der Kaufkraft der Pensionistinnen und Pensionisten sicherzustellen. Was die Jüngeren betrifft: Wie soll man sich bei den Preisen am Immobilienmarkt als junger Mensch eine Wohnung oder ein Haus leisten? Da müssen wir auch eine gesellschaftliche Lösung finden. Das kann man nicht einfach den Jungen überlassen.

KOROSEC: Es war schwierig. Man konnte damals überhaupt nichts sparen und musste froh sein, wenn man ausgekommen ist. Eine der Reaktionen auf die Ölkrise der 1970er Jahre war der autofreie Tag. Da hat man gedacht: Das gibt’s ja gar nicht! Und trotzdem ist es gegangen. Heute gibt es wieder solche Situationen, dass man denkt, das gibt es gar nicht, aber man passt sich an. Ich glaube dass es für die heutige Jugend notwenig ist, auf das eine oder andere auch zu verzichten.

RICHLER: In meiner Zeit mussten wir nicht sparen, weil es hat nichts gegeben. Wenn ich heute sehe, wie viel weggeworfen wird, tut mir das Herz weh. Vom Sparen haben die jungen Leute noch nicht so viel mitgekriegt. Sparen könnten sie sicher bei den Zigaretten oder beim Alkoholkonsum. Und bei den Lebensmitteln, indem man das einkauft, was man braucht, und nicht das, was man sieht.

EISENRIEGLER: Der Club of Rome hat ja schon in den frühen 1970er Jahren auf die „Grenzen des Wachstums“ hingewiesen, dass unsere Ressourcen wie Öl und Gas nicht unendlich vorhanden sind. Es hat also 50 Jahre gedauert bis dieses Wissen ins allgemeine Bewusstsein eingesickert ist! Man muss wissen, dass damals die Privathaushalte nur einen Bruchteil der Energie von heute verbraucht haben. Bei uns gab es einen Kachelofen mit Holz, das Schlafzimmer und die Küche waren ungeheizt!

JOHANNES: Als Mensch im Privat- und Berufsleben und als Spitzenvertreter:in der älteren Generation in Österreich haben Sie sehr viel erreicht. Haben Sie eigentlich noch Ziele?

KOSTELKA: Ich möchte die Ziele des Pensionistenverbandes erfolgreich weiterverfolgen. Also die Bekämpfung der Altersarmut und die Bekämpfung der Alterseinsamkeit. Wenn man heutzutage so lange in Pension sein kann, wird die Phase, in welcher der Mensch potenziell einsam ist, sehr lange. Und als Vater einer fünfeinhalbjährigen Tochter hoffe ich, dass aus ihr ein sehr glücklicher Mensch wird.

KOROSEC: Ziele muss man immer haben. Es gibt so viele Dinge, die ich noch machen möchte mit den Seniorinnen und Senioren, wenn ich an die Alterseinsamkeit denke, an die Altersdiskriminierung, an die Pflege, aber vor allem an den Paradigmenwechsel. Wir sind heute nicht alt und klapprig, sondern fidel, unternehmungslustig und wir genießen das Leben. Das zu verbreiten in der Öffentlichkeit ist eine harte Aufgabe.

RICHLER: Unsere Gastronomie hat schon neue Ziele, da sind jetzt meine Söhne dran. Wenn es die Gesundheit erlaubt, möchte ich auch meine Funktionen in der Arbeit für die ältere Generation noch eine Zeitlang weiterführen.

EISENRIEGLER: Es gibt noch allerhand, was ich tun und erreichen möchte. Dazu gehört durchaus auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Alter und dem Tod. Das ist eine Aufgabe, die man zu bewältigen hat, und die zu einem guten Leben gehört.

 

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von Karolina Wiener / Johannes Kübeck
© Philipp Bohar
Beitrag veröffentlicht am 10. August 2022

 

Make-up-Tipps für reifere Haut

Worauf ist beim Make-up zu achten, wenn die Haut keine 20 mehr ist? Sind ab 50 bei Lidschatten und Co. dezentere Farben angebracht oder darf es auch auffälliger sein? In unserem Schmink-Tutorial gibt es die Antworten!

Marlies Herbsthofer (55) schminkt sich nicht sonderlich gern. Für Abenteuer Alter machte sie eine Ausnahme und begab sich in die professionellen Hände der Visagistin Jamileh Gohiladeh. Sie gab beim Dior-Counter bei Kastner & Öhler Beauty-Tipps für die nicht mehr ganz jungen Haut.

Die richtige Hautpflege

„Wir reden nicht von Alter, sondern von Hauttypen“, stellt Jamileh Gohiladeh gleich zu Beginn klar und schmunzelt. Dazu prüft sie zunächst die Hautbeschaffenheit und empfiehlt die passende Pflege als Basis für den ganzen Tag. Die beinhaltet bei Marlies aus der Dior Prestige-Reihe ein Feuchtigkeitsserum, eine gute Augenpflege sowie eine Tagescreme mit Sonnenschutz. Die Augenpflege ist besonders wichtig, weil dort die Haut sehr fein ist und mehr Nahrung braucht.

 

Nur den Typ betonen

Beim Schminken beginnt Jamileh Gohiladeh bei den Augenbrauen. Weil diese den Augen einen Rahmen geben, sollten sie auf jeden Fall betont werden, bei Marlies erfolgte dies dezent mit einem Augenbrauenstift zur Formgebung und einem Gel zur Fixierung. Die Farbe des Lidschattens wiederum ist Geschmackssache: Soll er einen Kontrast zur Augenfarbe bilden oder mit dieser harmonieren? Ausprobieren! Wichtig sei, sagt Jamileh Gohiladeh, beim Kauf auf hochwertige Produkte zu achten, damit die Farbe nicht in den Augenfalten verrinnt. Unverzichtbar ist für die Visagistin der Kajal zur Betonung der Augen, unserer „Fenster zur Seele“. Der Lidstrich auf dem oberen Lid unterstreicht die Wirkung der Wimperntusche. Unter diese sollte unbedingt eine Grundierung, bei Dior nennt sich das Produkt „Maximizer“: Dieser sorgt für Volumen, Länge und Dichte, die Inhaltsstoffe sind pflegend und für die Wimpern wachstumsfördernd.

Sollte man ab 50 am Stil etwas ändern?

Sich anders schminken, nur weil man ein gewisses Alter erreicht hat, wäre kein guter Rat. Wer in puncto Make-up seinen Stil gefunden hat, soll diesen fortführen, sagt die Visagistin. Ändern sollte man lediglich die Hautpflegeprodukte, ältere Haut braucht reichhaltigere Pflege. Dasselbe gilt auch für das Make-up, für nicht mehr so glatte Haut gibt es eigene Produkte. Um zu verhindern, dass der Lippenstift in kleine Fältchen um den Mund entwischt, empfiehlt sich ein Konturenstift, auch bei der Verwendung von Lipgloss. Ein Tipp aus der Redaktion: Probieren Sie zu Ihrem neuen Make-up einmal größeren und auffälligeren Ohrschmuck!

 

von Daniela Müller
© Marija Kanizaj
Beitrag veröffentlicht am 03. August 2022

Lebenswert Altern: Shoppingcity Seiersberg

Am 13. August 2022 treten regionale Aussteller:innen aus dem Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich im Rahmen des Projekts „LEBENSWERTe ALTERNativen“ gemeinsam in der ShoppingCity Seiersberg auf.

 Das Projekt „LEBENSWERTe ALTERNativen“ widmet sich den Lebenswelten sowie den Bedürfnissen älterer Menschen in der Kleinregion GU6 (einem Zusammenschluss der sechs Gemeinden Feldkirchen bei Graz, Kalsdorf bei Graz, Premstätten, Seiersberg-Pirka, Werndorf und Wundschuh) und setzt sich zum Ziel, die Bevölkerungsgruppe 50+ mit unterschiedlichen Angeboten dabei zu unterstützen, das eigene Alter(n) selbstbestimmt und möglichst gesund zu gestalten.

Seit 2020 wird das Projekt von SOFA Soziale Dienste GmbH im Auftrag der GU6-Gemeinden unterstützt und aus Mitteln des Regionenressorts des Landes Steiermark umgesetzt. Im heurigen Jahr findet neben gemeindespezifischen „Gesundheits- und Sozialtagen 50+“, am 13. August 2022 auch ein interkommunaler Senior:innentag in der ShoppingCity Seiersberg statt. Unter dem Titel „Lebenswert Altern – Alles rund um die Themen Gesundheit & Soziales“ werden regionale Aussteller:innen aus dem Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich vereint und mit Aktionen einzelner Shoppartner:innen kombiniert. Dies bietet den Vorteil, sich Beratung und Information gebündelt an einem Ort zu holen und gleichzeitig die ShoppingCity Seiersberg als Begegnungsort für Jung und Alt zu nutzen. Das Projekt wird aus Mitteln des steiermärkischen Landes- und Regionalentwicklungsgesetzes unterstützt.

Aktionen
eyes + more: kostenlose Sehtests und Brillenaktion

Marktküche Billa: Vergünstigtes Mittagsmenü

 

© Shoppingcity Seiersberg
Beitrag veröffentlicht am 02. August 2022

Siegfried Schrittwieser: Endlich Uhu!

Warum Altpolitiker Siegfried Schrittwieser nach Landhaus, Rotem Kreuz und Kirche jetzt Uhu werden wollte.

Diese zwei Dinge zu glauben fällt einem schwer, wenn sich der – salopp formuliert, könnte man sagen – „Gute-Laune-Typ“ vor der Pernegger Frauenkirche aus seinem Ford Kuga schwingt, dass er nämlich eine Woche zuvor noch mit einer covid-bedingten schweren Lungenentzündung kämpfte und dass er soeben auch beim Siebziger angeschrieben hat. Warum sich „Abenteuer Alter“ mit dem früheren Landeshauptmann-Stellvertreter Siegfried Schrittwieser ausgerechnet vor dieser Marien-Wallfahrtskirche traf, hat einen besonderen Grund, worüber hier noch die Rede sein wird.

Auf unser scherzhaftes Kompliment zur Begrüßung „Gratuliere, der schlankste Siegi, denn es je gab“ antwortet er lachend: „Ich habe mir auch fest vorgenommen, zu meinem Siebziger ein Uhu zu werden. Jetzt habe ich’s geschafft, jetzt bin ich Uhu. Unter hundert Kilo.“

Vor sieben Jahren hatte sich der gebürtige und auch heute noch dort wohnhafte Thörler Siegfried „Siegi“ Schrittwieser aus der Landespolitik verabschiedet, nicht aber von den Menschen, für die er immer da war. Vor allem nicht für jene aus „seiner“ Region, dort ist er weiterhin omnipräsent. Nicht als stimmenwerbender Politiker, sondern als engagierter Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes für Bruck-Mürzzuschlag. „Ich bin im Jahr 2016 zum Bezirksstellenleiter gewählt worden und es ist dann ein Jahr später die Fusion der vier Rot-Kreuz-Bezirke Bruck, Kapfenberg, Mürzzuschlag und Mariazell gelungen und, was mich besonders freut, wir schreiben heute schwarze Zahlen.“

Ganz von ungefähr kommt dieser erfreuliche Umstand nicht, der lässt auch auf eine gewisse Beharrlichkeit und Durchsetzungsfreude des Bezirksstellenleiters zurückführen: „Natürlich besuche ich mindestens einmal im Jahr alle 19 Bürgermeister unseres Rot-Kreuz-Bezirkes, halte enge persönliche Kontakte mit der Wirtschaft und habe immerhin auf diese Art in den letzten sechs Jahren mehr als drei Millionen Euro zusätzlich auftreiben können.“ Und übrigens: Vor kurzem wurde Siegfried Schrittwieser wieder für die nächsten fünf Jahre ohne jede Gegenstimme zum Bezirksstellenleiter gewählt.

Zum Sammeln von Erfahrungen für das Rote Kreuz hatte der gestandene Landes- und Kommunalpolitiker reichlich Gelegenheit. „Denn immerhin“, so Schrittwieser, „war ich schon 1983 Ortstellenleiter vom Roten Kreuz in Thörl und dort war meine erste Aktion, dass wir eine neue Dienststelle gebaut und dabei keine Schulden gemacht haben. Und ich muss sagen, ich bin heute nach 39 Jahren Rotes Kreuz noch immer gerne für diese Einrichtung da, weil ich spüre, ich habe noch die Kraft, die Freude und die Begeisterung und die lege ich jetzt in die Arbeit für das Rote Kreuz und schaue, dass ich so viel wie möglich von dem zurückgeben kann, was ich in meinem Berufsleben erfahren habe.“

Siegfried Schrittwieser als Bezirksstellenleiter beim Roten Kreuz

Was er alles in diesem Berufsleben erfahren hat? Erstens eine profunde Ausbildung als Schlosser bei der Firma Pengg in Thörl und zweitens in „seiner“ Sozialdemokratischen Partei einen Werdegang, von dem er heute nicht ohne Stolz sagen kann: „Niemand anderer in der SPÖ hat derart viele Funktionen ausgeübt wie ich.“ Mit 16 Jahren Landesobmann der jungen SPÖ, mit 27 der damals jüngste Vizebürgermeister, Bezirkspartei Parteisekretär. Mit seiner Einsatzfreude bald in Graz aufgefallen berief ihn Peter Schachner zum Landesparteisekretär. 1987 zum ersten Mal in den Landtag gewählt, in weiterer Folge Klubobmann im Landtag, dann einen Stellungswechsel von der Grazer Landhausgasse in das Thörler Rathaus, wo er den Bürgermeistersessel einnahm.

„Nachdem man mehrfach mit dem Ansinnen, mich als Bürgermeister zur Verfügung zu stellen, an mich herangetreten ist, habe ich zu den Thörlern gesagt ‚Gut, wenn’s ihr mich unbedingt wollt’s, dann komme ich.‘ Die haben gewollt und ich habe mich an mein Versprechen gehalten und bin Bürgermeister geworden, was in der Praxis jedoch bedeutet hat: Dienstauto weg und weniger verdienen. Aber Versprechen sind dazu da, um gehalten zu werden. Und die Belohnung ist gekommen in Form von mehr als 70 Prozent der Stimmen bei der nächsten Gemeinderatswahl.“

2005 eine „Rückholaktion“ nach Graz, diesmal als Präsident des Steiermärkischen Landtages, 2009 von Landeshauptmann Franz Voves als Landesrat für Soziales der Öffentlichkeit vorgestellt und ein Jahr später nach der Landtagswahl zum Landeshauptmann-Stellvertreter mit den Ressorts Soziales und Erneuerbare Energie ernannt. 2015 dann mit 63 Jahren der Abgang von der politischen Bühne, bedacht mit höchsten Auszeichnungen, darunter auch der großen Viktor-Adler-Plakette.

Erwin Zankel, ehemaliger Chefredakteur der Kleinen Zeitung und ebenfalls gebürtiger Thörler, der Siegi Schrittwiesers politischen Weg von dessen Jugend an mitverfolgte, kommt bei der Beurteilung des Gesamterscheinungsbildes Schrittwieser zu folgendem treffsicheren Schluss: „Bei ihm hat man sich jedes Mal, wenn er wieder eine neue Funktion antrat, die Frage gestellt, ob das für ihn nicht eine Nummer zu groß sein könnte. Und man konnte recht bald feststellen: Nein, ist es nicht. Er ist in jedes Amt rasch hineingewachsen und hat es überraschend gut ausgefüllt.“

In die Wiege gesungen war dem Sohn aus dem einfachen Arbeiterhaushalt in Thörl dieser Aufstieg in die Höhen der Landespolitik sicher nicht – sechs Kinder, drei Buben, drei Mädel, Mutter Hausfrau, Vater Alleinverdiener. Mit sechs Jahren ging der Bub schon ministrieren, machte das mit Begeisterung bis zu seinem zwölften Lebensjahr, dann war einmal Schluss. „Wir hatten damals Wochendienste, das hieß eine Woche lang jeden Tag um sechs Uhr Messe, zusätzlich Begräbnisse, aber auch Hochzeiten. Die waren gefragt, weil da hat es dann hier und da auch für die Ministranten ein paar Schillinge gegeben. Aber dafür wurde ich nie eingeteilt und einmal fragte ich den Kaplan, warum ich nicht darf und er stellte mir nur die Gegenfrage: Ministrierst du vielleicht nur wegen dem Geld? Ich habe mich umgedreht, bin gegangen und nie wiedergekommen. Ich war immer schon ein Gerechtigkeitsfanatiker.“

Diese Erfahrung hat aber seine positive Einstellung zur Katholischen Kirche nie getrübt, im Gegenteil, als Landtagspräsident hat er auch den Dialog mit Bischof Egon Kapellari gesucht und gefördert und als die Frauenkirche in Pernegg, als beliebte Wallfahrtskirche auch Klein-Mariazell genannt, bedenklich zu bröckeln begann, wandte sich der damalige Bürgermeister Andreas Graßberger an seinen Freund Siegi Schrittwieser: „Du, deine Frau Liesi ist ja Perneggerin und es wäre schön, wenn du uns da helfen könntest.“ Er half, wurde Obmann des Kuratoriums zur Rettung der Frauenkirche, setzte auf sein Verhandlungsgeschick und seine Verbindungen und man überzeuge sich selbst – das barockisierte Kulturjuwel ist es allemal wert, von der Brucker Schnellstraße D 35 die Abfahrt Pernegg zu nehmen und dort innezuhalten.

Einen Ruf als erfolgreicher Kirchensanierer wird man nicht so leicht los, also folgte schon die Einladung zum nächsten Kuratoriumsvorsitz, diesmal für die Pfarrkirche von Seewiesen. „Auch das ist nun abgeschlossen und selbst das Problem in St. Ilgen, dort habe ich aber nur dem Kuratorium angehört, haben wir gelöst. Der Turm ist dort schon ein wenig schief gestanden, jetzt hält er wieder für die nächsten Jahrzehnte.“

Rotes Kreuz, Kirche, und sonst noch etwas, was ihm den „Unruhestand“ verkürzt? „Oh ja, meine Frau und ich haben uns ein Jahresticket gekauft und entdeckt, wie schön es ist, mit den Öffis zu reisen. Vor kurzem waren wir in Venedig – super. Aber an meine Altersgeneration möchte ich an dieser Stelle schon noch eine kleine Botschaft ausrichten: Es soll niemand glauben, dass er, nur weil er 70 ist, schon zum alten Eisen gehört. Es ist nämlich wirklich schön, vorausgesetzt man ist noch gesund, sich in die Gesellschaft einzubringen und etwas Gutes zu tun. Schließlich kommt auch viel wieder zurück. Und das tut einem gut.“

von Dieter Rupnik
© Luef Light
Beitrag veröffentlicht am 01. August 2022