Interview: „Wir lassen in der Steiermark niemanden zurück.“

Landeshauptmann-Stellvertreter Anton Lang und Soziallandesrätin Doris Kampus im Abenteuer Alter-Interview über die Teuerung, den Steiermark Bonus und warum Zusammenhalt gerade jetzt wichtig ist.

Frau Landesrätin, Herr Landeshauptmann-Stellvertreter, die Teuerung ist seit einiger Zeit das große Thema, das die Menschen in der Steiermark bewegt. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

DORIS KAMPUS: Wir erleben es jeden Tag, dass das Leben in fast allen Bereichen teurer geworden ist. Von den Lebensmitteln über das Tanken bis zu den Energiepreisen. Den Steirerinnen und Steirern bleibt weniger in der Geldbörse. Das trifft alle Menschen, aber Menschen mit geringerem Einkommen besonders. Dazu kommt, dass sich die allermeisten von uns gar nicht mehr an eine solche Situation erinnern. Zum letzten Mal war die Inflation vor 50 Jahren so hoch. Das macht vielen Menschen verständlicherweise Sorgen, und sie fragen sich: Kann ich mir das oder das noch leisten? Wie kann ich Strom oder Heizöl sparen? Diese Sorgen höre ich auch immer wieder bei meinen Sozialsprechstunden in den steirischen Regionen.

ANTON LANG: Als Sozialdemokratie können und werden wir es nicht hinnehmen, dass sich immer mehr Menschen das Leben nicht mehr leisten können. Mittlerweile spüren rund 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher die Teuerungswelle. Wir sehen, dass gerade zahlreiche Pensionistinnen und Pensionisten besonders betroffen sind. Noch dazu haben sie keine Möglichkeit ihre Situation von alleine zu verbessern. Daher haben wir bereits am 1. Mai eine vorgezogene Pensionserhöhung gefordert, denn für mich ist klar, dass wir unsere älteren Mitmenschen, die ihr Leben lang viel für unser Land geleistet haben, jetzt nicht im Stich lassen dürfen.

Welche politischen Konsequenzen haben Sie aus dieser Entwicklung gezogen? Es ist ja auch noch nicht abzusehen, wie es weitergeht und wie lange die Teuerung anhält.

KAMPUS: Der Herr Landeshauptmann-Stellvertreter und ich sind seit Monaten in enger Abstimmung, auch mit unserem Koalitionspartner. Wir waren österreichweit unter den ersten Bundesländern, die den Heizkostenzuschuss im Herbst 2021 um 42 Prozent auf 170 Euro angehoben haben. Mit dem Steiermark Bonus, der jetzt ab 1. Juli ausbezahlt wird, erreichen wir jetzt 50.000 Steirerinnen und Steirer in 30.000 Haushalten. Das sind die Bezieherinnen und Bezieher des Heizkostenzuschusses im letzten Winter und diejenigen, die im Mai Wohnunterstützung bezogen haben. Wir erreichen mit dem Bonus zu 80 Prozent ältere Menschen, und zwei Drittel davon sind Frauen.

LANG: Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Land Steiermark mit enormen Einnahmenverlusten zurechtkommen. Da wir aber in den letzten Jahren stets gut gewirtschaftet haben sind wir nun auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig. Als Landesregierung haben wir daher ein Paket mit einem Volumen von rund zwölf Millionen Euro geschnürt. Neben sozialen Maßnahmen beinhaltet dieses Paket auch Unterstützung für den geförderten Wohnbau. Als Verkehrsreferent war es mir besonders wichtig, auch unsere Verkehrsunternehmen zu unterstützen, die sehr stark unter den Dieselpreissteigerungen leiden. Nur so konnten wir sicherstellen, dass die Steirerinnen und Steirer auch in Zukunft die Möglichkeit haben die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen.

Auch wenn die Budget durch die Corona-Pandemie und Teuerung belastet sind, wird es möglicherweise weitere Maßnahmen brauchen. Oder erwarten Sie, dass sich die Situation entspannt?

LANG: Aufgrund der unsicheren Corona-Lage und dem schrecklichen Krieg in der Ukraine sind Prognosen für das kommende Jahr sehr schwierig. Grundsätzlich sind die Maßnahmen der Bundesregierung, insbesondere die Abschaffung der kalten Progression, zu begrüßen. Durch die vorgestellten Maßnahmen der Bundesregierung kommt es für die Steiermark und unsere Kommunen aber neuerlich zu massiven Einnahmenverlusten, welche das Nulldefizit erneut in weite Ferne rücken lassen. Insgesamt rechnen wir in der Steiermark derzeit, dass die gesamten Maßnahmen dem Land und den Gemeinden rund eine Milliarde Euro bis 2026 kosten werden. Daher braucht es eine klare finanzielle Unterstützung des Bundes für Länder und Gemeinden.

KAMPUS: Wir können als SPÖ versprechen, dass wir immer für die soziale Handschrift in der Steiermark sorgen und niemanden zurücklassen werden. Da können uns die Steirerinnen und Steirer vertrauen, weil wir es auch bisher bewiesen haben. Natürlich ist es wichtig, dass wir solide Finanzen haben, und  da sorgt Landeshauptmann-Stellvertreter und Finanzreferent Anton Lang dafür. Wichtig ist aber, dass wir auch in den kommenden Monaten, in denen vieles geschehen kann, genau auf die Entwicklung hinschauen und zielgerichtet reagieren, wie wir es mit dem Steiermark Bonus bereits getan haben.

350.000 Steirerinnen und Steirer sind mehr als 60 Jahre alt – etwa jede und jeder vierte im Land. Was tut die Steiermark sonst noch für die ältere Generation?

LANG: Ein wesentlicher Bestandteil zur Teilhabe am öffentlichen Leben ist für mich die Möglichkeit mobil zu bleiben. Daher investieren wir als Land Steiermark viel Geld in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Einerseits bauen wir unser S-Bahn Angebot aus, andererseits verstärken wir das RegioBus Angebot in den steirischen Regionen. Auch der Ausbau des Mikro-ÖV ist insbesondere für die ältere Generation von großer Bedeutung. Mein Dank gilt auch allen Steirerinnen und Steirer, die sich in verschiedenen Verbänden für unsere älteren Mitmenschen einsetzen.

KAMPUS: Wir im Sozialressort sind im engen Austausch mit den Vertreterinnen und Vertretern der Seniorenverbände in unserem Seniorenbeirat. Ich freue mich auch, dass die Seniorenurlaubsaktion heuer wieder stattfinden kann. Und aktuell arbeiten wir gerade an einem Schwerpunkt, um Seniorinnen und Senioren besser vor Cyber Crime zu schützen.

Die ältere Generation hat sich in der Pandemie sehr solidarisch verhalten und in großen Teilen impfen lassen, andere hingegen nicht. Ist der Zusammenhalt in der Gesellschaft nun wieder da?

KAMPUS: Mit dieser Art von Verantwortungsbewusstsein haben die Seniorinnen und Senioren wieder einmal gezeigt, dass sie gute Vorbilder sind. Dafür ein großes Danke!

LANG: Zusammenhalt ist für mich einer der wesentlichen Grundwerte unserer Gesellschaft. Daher müssen wir gerade jetzt wieder enger zusammenrücken, denn nur gemeinsam werden wir die kommenden Herausforderungen meistern.

Beitrag veröffentlicht am 27. Juli 2022
©Peter Drechsler

 

Sexualität im Seniorenheim

Was Sie schon immer über Lust und Liebe im Alter wissen wollten!

Dass Frau Helga und Herr Bertl einander gut vertehen, war längst nicht mehr zu übersehen. Als die beiden dann aber immer wieder Händchen haltend im Park saßen und viel gemeinsame Zeit auf Helgas Zimmer verbrachten, war das Getuschel in der Pflegeeinrichtung dann doch unüberhörbar. Von „ach wie süß“ über „die alten Trottel“ bis „Du bist ja nur neidig“ reichten die Reaktionen bei MitbewohnerInnen, Pflegepersonal und so manchem Besucher, erzählt Pflegerin Susanne. Sex im Alter und ganz speziell in Pflegeeinrichtungen ist auch heute noch vielfach ein Tabu! Aber auch wenn das Thema wenig bis gar nicht zur Sprache kommt: Die sexuelle Lust wird nun einmal nicht mit dem Eintritt ins Heim abgegeben. „Spätestens wenn es diesbezüglich zu Auffälligkeiten oder gar Übergriffen auf das Personal kommt, herrscht Alarmstufe Rot. Das sind Momente, in denen dann häufig wir professionellen Sexualassistentinnen kontaktiert werden“, erzählt Angie von ihren Erfahrungen mit „Lust und Liebe“ in Senioreneinrichtungen.

Angie stammt eigentlich aus der Werbebranche und ist über diverse Jobs eines Tages zur Volkshilfe gekommen, wo sie auch die Ausbildung zur Sexualassistentin gemacht hat. „Mich hat das Thema lange schoninteressiert. Und ich habe gemerkt, wie groß der Bedarf nach professioneller Begleitung ist. Auch wenn sich Einrichtungen in jüngster Zeit Gott sei Dank vermehrt diesem Thema öffnen, ihr Personal schulen oder  Kuschelzimmer einrichten, gibt es in den meisten Seniorenheimen, so meine Erfahrung,  in Sachen Sex nach wie vor großen Aufholbedarf“, wünscht sich Angie mehr Aufmerksamkeit, Akzeptanz, Toleranz und Maßnahmen im Zusammenhang mit diesem Thema. Wie Sexualbegleitung bei ihr abläuft? „Das ist ganz unterschiedlich – und ganz auf die individuellen Wünsche und Gegebenheiten abgestimmt. Aber es ist auf alle Fälle nicht so, wie man sich das klischeehaft meist vorstellt“, gibt die aufgeschlossene 52-jährge Einblick in ein sehr sensibles Thema. Und erzählt: „Ich bereite mich gut auf den Klienten vor. Bespreche mit dem Personal seinen Gesundheitszustand. Lasse mich sehr auf die jeweilige Person ein. Deshalb ist das Feedback, das ich von meinen Klienten aber auch vom Pflegepersonal bekomme, auch stets überaus positiv.“ Vor allem die große Menschlichkeit begeistert an Angie: „Ich würde nie nach meinem Dienst einfach das Zimmer verlassen. Mir ist es wichtig, mich auch ,danach´mit meinen Klienten auszutuaschen und mich auf entsprechende Weise zu verabschieden. So entstehen auch immer wieder ganz besondere Begegnungen und Beziehungen – die zum Teil über viele Jahre andauern. Zufriedenstellend kann das Angebot der Sexualassistenz nur sein, wenn alle Beteiligten gut und mit entsprechendem Respekt vor der Sache zusammenarbeiten.“ Und Angie setzt nach: „Ich sehe meine Arbeit daher auch als überaus wertvollen Dienst am Menschen – und auch an der Gesellschaft.“

Ganz wie ihre Berufskollegin Astrid, die in Pflegeeinrichtungen „von  Kuscheln bis zum Geschlechtsverkehr die gesamte Spielwiese der Sexualität ermöglicht“, wie ihr wichtig ist zu betonen. Und die studierte Anglistin hat damit nur allerbeste Erfahrungen: „Mein ältester Klient ist über 90, aber wenn ich bei ihm bin ist er 35.“ Und das ist es auch, was Astrid an ihrem Beruf so sehr gefällt: „Ich mache jemanden glücklich und bekomme diese Glücksmomente direkt mit. Ich kann Menschen in höherem Alter ihr Leben versüßen – das ist etwas sehr Schönes! Und es macht auch mich glücklich, wenn ich sehe, was ich bewirken kann. Wie gut es den Leuten nach Berührungen, Intimität aber auch nach Sexualität geht; wie sehr sich ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden steigert.“ Umso mehr bedauert Astrid, dass es in manchen Bundesländern nach wie vor nicht erlaubt ist, Sex in Pflegeeinrichtungen anzubieten: „Wir Sexualassistentinnen fallen unter das Prostitutionsgesetz, das Ländersache und demnach überall in Österreich anders geregelt ist. Wien, Niederösterreich und die Steiermark sind beispielsweise Bundesländer, wo das Thema  bereits sehr fortschrittlich gehandhabt wird.“

Ihre Aufträge bekommt die 43-jährige, die seit zwei Jahren hauptberuflich als Sexualbegleiterin arbeitet, entweder direkt von den Kunden oder sie wird von Pflegeeinrichtungen kontaktiert. Wobei Astrid die Aufgeschlossenheit für Sexualilät in den Häusern sehr unterschiedlich erlebt: „Die einen sind noch sehr steinzeitlich unterwegs. Bei anderen, wo entsprechend engagierte Leute arbeiten, sind die Angebote sehr gut. Da gibt es etwa eigene Kuschelzimmer, die besonders liebevoll ausgestattet sind und eine entsprechende Atmosphäre ermöglichen. Diese stehen auch Paaren zur Verfügung, von denen einer bereits im Heim, der andere aber noch in der eigenen Wohnung lebt.“ Was sich Astrid wünschen würde: „Dass das Angebot zur Sexualassistenz in Pflegeeinrichtungen etwas Selbstverständliches wird. Unsere Adressen sollen ebenso offiziell aufliegen wie jene der Friseurin oder Fußpflegerin. Ich bin, wie meine Kolleginnen, auf der offiziellen Seite der Berufsvertretung für Sexarbeit  zu finden – unter der Adresse astrid@sexistenziell.at.“ Und: „Das Thema müsste auch viel öfter ganz aktiv angesprochen werden. Oft kontaktiert man uns leider erst, wenn sprichwörtlich der Hut brennt. Dabei merke ich immer wieder, dass bei älteren Menschen ganz viel Bedarf nach Zärtlichkeit, Berührung aber auch konkrete sexuelle Lust da ist. Das wird vollkommen unterschätzt.“

Einer, der das alles längst bewusst ist, ist Tatjana Jankovic. Die Pflegedienstleiterin im Seniorenwohnheim Compass in Ardning leistet schon seit vielen Jahren Pionierarbeit auf diesem Gebiet und sorgt dafür, dass Sexualität in Pflegeheimen mit höchster Professionalität und Sensibilität behandelt wird. Entsprechend hochwertig und zeitgemäß ist auch das diesbezügliche Angebot in der Compass-Einrichtung – und das auf allen mit diesem Thema in Verbindung stehenden Ebenen. Jankovic: „Wir reflektieren diesen Bereich intensiv mit Ärzten und Psychologen, wir haben diesbezüglich spezielle Schulungen für unser Personal und wir stellen unseren BewohnerInnen auch ein entsprechendes Angebot zur Verfügung.“ Das heißt: „Es kommen auf Wunsch Sexualbegleiterinnen in unser Haus. Hat der Bewohner kein Einzelzimmer, in dem ein ungestörtes Zusammensein stattfinden kann, stellen wir ein eigenes Zimmer zur Verfügung. Wir bereiten unsere Bewohner auch immer speziell auf diese Treffen vor, beispielsweise mit ganz besonderer Pflege. Und ich muss sagen, wir haben bisher nur die allerbesten Erfahrungen mit unserer offenen Zugangsweise und unserem professionellen Angebot gemacht.“ Denn, erzählt Jankovic aus ihrer langjährigen Erfahrung „Bewohner, die ihr sexuelles Bedürfnis entsprechend stillen können, sind im Vergleich zu anderen weitaus ausgeglichener, sie sind körperlich wie auch mental deutlich fitter und meist auch deutlich besser gelaunt. Was wir auch bemerken ist, dass Sexualität sehr gut hilft, Aggressionen, die sich bei alten Menschen immer wieder aufstauen, abzubauen.“

Etwas, dass auch Sexualtherapeut und Sexualberater Ales Svoboda voll und ganz unterschreiben kann: „Der Mensch ist nun einmal ein sexuelles Wesen und es steht jedem Menschen zu, Sexualität zu leben. Die viel zitierte Alterssexualität gibt es nicht! Sexuelles Verlangen ist völlig unabhängig von Alter, Geschlecht oder geistigem Zustand. Und es ist gerade die sexuelle Funktion des Menschen, die ganz besonders langsam altert. Entgegen einer breiten Ansicht ist Sexualität deshalb auch bis zum Ende des Lebens ein Thema. Es mögen zwar Intensität und Quantität aufgrund der sich verändernden körperlichen Gegebenheiten abnehmen, dafür steigt aber oftmals die Qualität um ein Vielfaches. Im Alter wird Sex verstärkt zu einer Kopf- und Qualitätssache.“

von Johanna Vucak
© Shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 25. Juli 2022

 

Event-Tipp: Eintauchen in die Geschichte der Medizin

In der neuen Sonderausstellung „Heilkunst“ im Schloss Trautenfels können sich Besucher:innen einen umfassenden Überblick zur Geschichte der Medizin von der Antike bis in die Gegenwart verschaffen.

Der Weg führt von Hippokrates über den Medicus, erzählt von Badern und Hebammen, von den Wundärzten im Mittelalter und endet bei aktuellen medizinischen Forschungsergebnissen. Die Ausstellung spannt einen Bogen von den unterschiedlichen
Themenbereichen in der Medizin und geht auch auf die verschiedenen Seuchen im Laufe der Geschichte bis hin zu Covid ein. Auch über verschiedenen Gesundheitsreformen sowie Meilensteine wissenschaftlich-ärztlicher Erkenntnisse können sich Interessierte hier informieren und erhalten einen Ausblick in die Zukunft der modernen Medizintechnik.

 

 

 

Politik-Montag: Mario Kunasek – Gute Zukunft für die kommenden Generationen

Mario Kunasek, Obmann der steirischen FPÖ im Sommerinterview über die aktuelle politische Situation in der Steiermark.

Herr Kunasek, vor drei Jahren wurden Sie Vater. Hat die Geburt Ihres Sohnes auch Ihre Einstellung als Politiker verändert?

MARIO KUNASEK: Als Familienvater ist es einem wohl noch wichtiger, an einer guten Zukunft für kommende Generationen zu arbeiten. So gesehen hat mein Sohn auch dazu beigetragen, dass es mir noch wichtiger ist, vernünftige Politik zu betreiben. Jedenfalls schärft das Vatersein den Blick auf gewisse Dinge. Vor allem im Bereich der Familienpolitik besteht in vielen Bereichen Handlungsbedarf. Ich habe zunehmend den Eindruck, keine Partei – außer der FPÖ – vertritt die Familien auf politischer Ebene.

Wer ist Ihr größtes politisches Vorbild?

KUNASEK: Grundsätzlich gibt es viele Menschen, die Großartiges geleistet haben und von denen man sich viel abschauen kann. Ich denke da ganz besonders an die Aufbaugeneration nach dem Zweiten Weltkrieg, aber auch an jene Nachkriegsgenerationen, die maßgeblich zur positiven wirtschaftlichen Entwicklung Österreichs beigetragen haben. Die Leistungsbereitschaft dieser Menschen hat es letztlich möglich gemacht, dass viele junge Bürger heute eine entsprechende Perspektive haben.

Im Pflegebereich gibt es einige Probleme – Stichwort Personalmangel in Spitälern und Heimen. Welche Lösung hat die FPÖ für dieses Problem?

KUNASEK: Unsere Lösung ist das freiheitliche Forderungspaket in diesem für uns enorm wichtigen Themenbereich, das von der Erhöhung des Pflegegeldes über die Ausarbeitung eines steirischen „Masterplans Pflege“ bis hin zur Möglichkeit, für pflegende Angehörige, sich bei einer Landesstiftung anstellen zu lassen, wie es etwa im Burgenland bereits im Zuge eines Pilotprojekts möglich ist, reicht. Im Ausbildungsbereich braucht es zudem eine Weiterentwicklung der bestehenden Modelle, wobei der Fokus auf den Ausbau und das flächendeckende Angebot berufsbegleitender Ausbildungsmöglichkeiten sowie eine faire Entlohnung für angehende Pflegekräfte in Vollzeitschulungsmodellen gerichtet sein sollte.

Durch den Ukraine-Krieg ist auch die Inflation ein großes Thema geworden. Welche Ansätze verfolgen Sie, damit den Seniorinnen und Senioren mehr Geld bleibt?

KUNASEK: Aus unserer Sicht braucht es jedenfalls eine entsprechend angepasste Pensionserhöhung im Rahmen der kommenden Verhandlungen. Zudem muss der steirische Heizkostenzuschuss verdoppelt werden und die Zusammenstellung eines Warenkorbs von Grundnahrungsmitteln samt Halbierung beziehungsweise Streichung der Mehrwertsteuer auf die darin enthaltenen Produkte wäre anzustreben.

In zwei Jahren sind steirische Landtagswahlen – stellt die FPÖ den Anspruch auf den Landeshauptmann?

KUNASEK: Die FPÖ wird jedenfalls einen starken Mitgestaltungsanspruch in der Grünen Mark stellen. ÖVP und SPÖ verharren weitestgehend in einem Stillstandsmodus und wenn sie reformieren, dann an den Bürgern vorbei. Ein Negativbeispiel ist in diesem Zusammenhang die Gesundheitsreform, wo Spitalsstandorte im ländlichen Raum einfach zugesperrt werden. Das ist vor allem für Senioren, die beispielsweise ihre Angehörigen besuchen wollen oder selbst besucht werden ein gravierendes Problem. Die Wege zur raschen Versorgung werden damit auch fast verunmöglicht.

Sie schmieden auch Bündnisse über die Parteigrenzen hinweg. Mit wem könnten Sie sich eine Zusammenarbeit in der Landesregierung vorstellen?

KUNASEK: Als Obmann der stärksten Oppositionspartei ist es mir wichtig, mit allen anderen Parteien zusammenzuarbeiten. Gerade wenn es um Kontrolle und Sachthemen geht, dann sollten nicht parteipolitische Überlegungen im Vordergrund stehen. Eine Koalitionäre Zusammenarbeit muss jedoch anhand der jeweiligen Wahlprogramme nach einem Urnengang sehr gut überlegt sein. Mit grünen oder kommunistischen Inhalten wären freiheitliche Positionen wohl sehr schwer vereinbar.

Welche politischen Ziele verfolgen Sie für die nächsten Jahre bzw. welche Projekte möchten Sie unbedingt noch umsetzen?

KUNASEK: Von der Oppositionsbank können wir leider nur Vorschläge einbringen und auf die Umsetzung durch die Regierungsparteien pochen. Besonders wichtig ist mir jedenfalls der Kampf gegen die Teuerung und die Sicherstellung einer verantwortungsvollen Gesundheitspolitik in allen Regionen. Darüber hinaus müssen wir auf die Erhaltung unserer Sicherheit achten. Die massive Zuwanderung aus allen Teilen der Welt bringt in diesem Zusammenhang auch enorme Probleme mit sich. Gegen diese Entwicklung tritt die FPÖ seit vielen Jahren auf.

Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft?

KUNASEK: Vor allem Gesundheit für meine Familie und mich.

Beitrag veröffentlicht am 11.07.2022
© FPÖ Steiermark
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Erwin Wendl: Mit 100 Jahren ist noch lange nicht Schluss

Seit 1979 ist DI Erwin Wendl Mitglied im Golfclub Murhof. Der ehemalige Ziviltechniker hält sich auch mit 100 Jahren noch mit Golf fit. Jetzt wurde er vom österreichischen Golfpräsidenten Peter Enzinger und dem Präsidenten des Steirischen Golfverbandes Kurt Klein ausgezeichnet.

Golf ist bekanntlich ein Sport für Jung und Alt. Und bekannt ist auch, dass Bewegung den Körper fit hält. Wer regelmäßig Sport treibt und einen gesunden Lebensstil pflegt, hat zumindest bessere Aussichten auf ein langes Leben. Es gibt sogar Statistiken über einen Zusammenhang zwischen Sport, guter Ernährung und einem höheren Glücksgefühl. Auch Erwin Wendl antwortet auf die Frage, wie er sich so fit hält: „Bewegung ist alles“. Er war aber auch schon in der Jugend sportlich sehr aktiv. Als Mitglied des Nationalteams und des Handballclubs des GAK zählte er zu den besten Spielern, wurde österreichischer Meister und gewann sogar die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft 1946.

Anlässlich der Auszeichnung am Golfclub Murhof war auch der ehemalige Polizeidirektor von Graz, Charly Müller im Golf-Flight mit dabei, der mit seinen 90 Jahren auch noch fit wie ein „Golf-Schuh“ ist.

 

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veröffentlicht am 6. Juli 2022
Fotos: Abenteuer Alter

Für Yoga ist es nie zu spät!

Jeder kennt es, viel zu wenige praktizieren es: Warum Yoga die Wunderwaffe im Alter ist und den Körper fit, den Geist agil und die Psyche stabil hält.

Seine Geburtsstunde hat Yoga wohl bereits vor tausenden Jahren in Indien. Die philosophische Körperlehre kommt aus dem Hinduismus, um den genauen Zeitpunkt der Entstehung streitet sich die Wissenschaft. Viele Expert:innen führen an, dass die ersten Yogis und Yoginis bereit vor etwa 3500 Jahren in den Veden (=indische Quelltexte) erwähnt werden – das wäre etwa 1500 Jahre, bevor unsere heutige Zeitrechnung überhaupt beginnt. Genau datieren lässt sich der Ursprung des Yoga nicht, fest steht jedoch, dass es sich stetig weiterentwickelt hat und mittlerweile längst in der westlichen Welt angekommen ist. Und das zu Recht: Yoga trägt auf einzigartige Weise zu einem gesunden Lifestyle bei und sorgt sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene für mehr Gesundheit, Lebenslust und Energiefluss.

Der Begriff „Yoga“ kommt aus dem Sanskrit und bedeutet grob übersetzt „Vereinigung“ oder „Integration“, denn traditionell geht es bei Yoga in erster Linie nicht um den körperlichen, sondern den geistigen Aspekt. Das Ziel eines Yogis oder einer Yogini ist es, in den eigenen Geist einzutauchen, ihn zu verstehen und zu erweitern. Die Anspannung des Körpers und die Yoga-Bewegungen sollen den Körper geschmeidig halten, den Geist beruhigen und helfen, sich auf sich selbst zu konzentrieren.

Insgesamt wirkt sich Yoga ganzheitlich positiv auf Körper und Geist aus. Die kräftigende und ausgleichende Wirkung der Bewegungslehre schätzen Yogis und Yoginis aller Altersgruppen weltweit. Denn das Alter spielt bei Yoga keine Rolle, ganz im Gegenteil: Yoga eignet sich für Seniorinnen und Senioren genauso gut wie für jüngere Personen. Und um anzufangen ist es zu spät! Selbst wenn in früheren Jahren wenig Zeit für Fitness oder Bewegung blieb, kann Yoga auch im hohen Alter noch Abhilfe schaffen. Alle Übungen können wunderbar variiert und individuell an das Alter oder die körperliche Verfassung der ausübenden Person angepasst werden. Die so genannten Asanas – die Yoga-Haltungen – können variantenreich und kreativ praktiziert werden. Je älter man ist, desto stärker kann die individuelle Tagesverfassung variieren. An schwächeren Tagen lässt sich beispielsweise auf eine Yoga-Einheit im Sitzen ausweichen. Besonders für ältere Personen bzw. Seniorinnen und Senioren ist es außerdem ratsam, Übungen deutlich kürzer, dafür jedoch öfter auszuführen. So vermeidet man körperliche Überforderung und arbeitet stetig, aber langsam mit den positiven Effekten des Yoga.

 

Zu den positiven Effekten von Yoga auf Seniorinnen und Senioren zählen:


1) Yoga wirkt präventiv gegen Alterserscheinungen und -erkrankungen

Yoga stärkt den Körper, hält ihn geschmeidig und fit und ist damit ideal zur Prävention von Alterserscheinungen. Die Übungen regen die Durchblutung in allen Körpergeweben und Knochen an, festigen so die Knochenstruktur und kräftigen die Muskeln. Außerdem ist Yoga gut für die Gelenkgesundheit und und hilft, Verspannungen zu lösen. Praktiziert man Yoga achtsam, berücksichtigt seine persönlichn Grenzen und erweitert diese stetig, wird man davon noch im hohen Alter profitieren.

2) Yoga stärkt die Lebensfreude und hält auch innerlich jung

Wird man älter, trägt man zunehmend mehr physische, aber auch psychische und mentale Altlasten mit sich herum. Diese können belasten und sich auf das innere Gleichgewicht auswirken. Praktiziert man Yoga, praktiziert man auch eine gewisse Achtsamkeit seinem Geist und seinem Unterbewusstsein gegenüber und baut Blockaden ab. Regelmäßiges Yoga bringt mehr Agilität und stärkt die Fähigkeit, sich am Leben und auch am Altern zu erfreuen.

3) Yoga dient als Werkzeug, den eigenen Körper zu lieben

Mit dem Alterungsprozess verändert sich auch der Körper. Nicht immer ist das leicht zu akzeptieren. Dinge, die früher ganz selbstverständlich waren, fallen im Alter zunehmend schwerer und auch die körperliche Leistungsfähigkeit verändert sich. Entscheidend ist jedoch, in Bewegung zu bleiben. Yoga lehrt, die eigenen körperlichen und mentalen Grenzen auszuloten und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten langsam zu erweitern. Diese immer wiederkehrenden Erfolge fördern die Liebe zum eigenen Körper.

4) Die Meditation, die mit Yoga einhergeht, ist gut für die mentale Gesundheit

Mentale und körperliche Gesundheit sind eng miteinander verknüpft. Gewöhnt man sich über die Jahre negative Gedankenmuster an, die sich vor allem durch viele erlebte Erfahrungen verfestigen können, kann Meditation dabei helfen, den Geist zu reinigen und den Kopf freizumachen. Unsere eigene Perspektive bestimmt, wie wir unsere Umwelt und Lebenssituation wahrnehmen. Arbeiten wir an unserer inneren Einstellung, können wir unsere erlebten Lebensrealität, unseren Gedanken und Gefühlen zum Positiven verändern.

 

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von Karolina Wiener
© Shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 24.05.2022

Mehr Sicherheit, mehr Service, mehr Lebensqualität

Je höher die Anzahl der Lebensjahre, desto mehr Arzneimittel werden häufig eingenommen. Alexandra Mandl, Vizepräsidentin der Steirischen Apothekerkammer, klärt über die Bedeutung von Medikationsmanagement auf – und warum eigenmächtige Änderungen bei der Tabletteneinnahme nicht ratsam sind und bei Grapefruitsaft und Milch besondere Vorsicht geboten ist.


Alexandra Mandl

Warum müssen ältere Menschen häufig so viele verschiedene Medikamente einnehmen?

Mandl: Allein die Anzahl der 100-Jährigen hat sich in der Steiermark in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Immer mehr Menschen werden immer älter, aber sie werden nicht gesund älter. Sie können unter Abnützungserscheinungen leiden, unter hohem Blutdruck, erhöhten Blutzucker-, Blutfett- oder Harnsäurewerten, die Niere arbeitet nicht mehr so gut, das Herz wird schwächer. Für jede dieser Erkrankungen gibt es auf Basis der evidenzbasierten Medizin Behandlungsschemata, die bestimmte Arzneimittel beinhalten. Doch ein Arzneimittel allein reicht dabei oft nicht aus. Um den Blutdruck ausreichend und gut zu senken, setzt man statt eines hoch dosierten mehrere niedrig dosierte Medikamente ein. Sie greifen an unterschiedlichen Stellen im Organismus ein, sind so verträglicher und man erzielt ein besseres Ergebnis. Im Laufe der Jahre nimmt so die Anzahl der eingenommenen Medikamente ständig zu.

Was ist daher bei einer derartigen Häufung zu empfehlen?

Mandl: Es wäre wünschenswert, einmal im Jahr eine Aufstellung der aktuell eingenommen Arzneimittel zu machen. Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel sollten in diese Betrachtung miteinbezogen werden. Es gilt zu überprüfen, ob alle Medikamente noch angezeigt sind, ob die Dosierung nach wie vor passt oder Änderungen notwendig sind, weil beispielsweise die Niere nicht mehr so gut arbeitet. Gerade bei Blutdruckpräparaten werden oft ergänzend weitere Wirkstoffe verschrieben. Man kann jedoch statt mit drei Blutdrucksenkern zu drei unterschiedlichen Tageszeiten den gleichen Effekt mit nur einer Tablette erzielen, die alle drei Wirkstoffe enthält und damit auch die Lebensqualität des Patienten verbessern.

Werden die empfohlenen Handlungsanweisungen gut befolgt?

Mandl: Ältere Menschen sind bei der Einnahme ihrer Arzneien eigentlich sehr konsequent, sie halten aufgrund eines flexibleren, geregelten Tagesablaufes auch die empfohlenen Zeiten besser ein als berufstätige Menschen. Allerdings sollte nicht der ganze Tagesablauf nur nach der Einnahme der Medikamente ausgerichtet sein und zur Belastung werden.

Was verträgt sich bei unterschiedlichen Medikamenten nicht gut miteinander?

Mandl: Die gefährlichste Wechselwirkung ist eine Blutung. Sie kann eintreten, wenn gleichzeitig mehrere blutverdünnende Medikamente eingenommen werden. Dann besteht die Gefahr einer Blutung im Magen, im Darm, in der Niere oder im Gehirn. Wenn solche Medikamente bei Herzrhythmusstörungen gemeinsam mit bestimmten Antidepressiva und Schmerzmitteln wie Aspirin oder Ibuprofen eingenommen werden, sind das drei blutverdünnende Faktoren.

Bei welchen Kombinationen mit Nahrungsmitteln sollte man vorsichtig sein?

Mandl: Viele Arzneimittel werden in der Leber abgebaut. Dieser Abbau kann durch Grapefruitsaft blockiert werden. Er enthält Stoffe, welche die für den Abbau verantwortlichen Enzyme in der Leber blockieren. Dadurch werden etwa blutdrucksenkende Wirkstoffe langsamer abgebaut und sind am nächsten Tag noch immer im Körper in relevanten Mengen vorhanden. Setzt sich das so fort, kann es nach mehreren Tagen zu massiven Kreislaufproblemen kommen. Achtsam sein muss man zudem bei Milch und Milchprodukten. Das enthaltene Kalzium geht etwa mit Antibiotika im Magen-Darm-Trakt Bindungen ein. Diese bilden große Komplexe, die der Körper nicht mehr aufnehmen kann und beides wird daher ausgeschieden. Erhöhte Aufmerksamkeit ist zudem bei „Novel Food“ geboten. Neuartige Lebensmittel wie exotische Goji-Beeren sind in Kombination mit lebenswichtigen Medikamenten mit Vorsicht zu genießen.

Werden von Patienten eigenmächtig Änderungen bei der Einnahme vorgenommen?

Mandl: Unbeliebt sind Entwässerungsmittel, weil man häufig auf die Toilette muss. Sie werden gerne an Tagen, an denen die Patienten mehr unterwegs sind, weggelassen. Manche Patienten nehmen auch Arzneien zum Wochenende nicht ein, der Fachbegriff dafür heißt „Drug Holidays“. Betroffen sind zudem bestimmte Medikamente zur Behandlung von Diabetes, die als Nebenwirkung Blähungen verursachen können. Man kann Patienten beruhigen, dass die Nebenwirkungen abnehmen, wenn die Medikamente kontinuierlich eingenommen werden. Der Körper gewöhnt sich daran. Hier hilft es oft, eine Arznei einschleichend zu dosieren – entweder beginnt man mit einer niedrigeren Dosis oder startet abends, damit man Nebenwirkungen verschläft. Bei Personen ab 65 Jahren ist es ratsam, mit einer geringeren Dosierung zu starten und langsam zu steigern, wenn alles ausreichend gut vertragen wird. „Start low, go slow“ lautet hier der Leitsatz.

Was sind die größten Anliegen der Patienten?

Mandl: Ältere Menschen möchten ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich erhalten, das ist essenziell. Dazu gehört es auch, geistig fit zu bleiben. Und sie möchten möglichst wenige Arzneimittel schlucken. Eine Tablette kann allerdings einen ungesunden Lebenswandel nicht ungeschehen machen. Sport, Bewegung und Ernährung bleiben absolut wesentlich. Immer sollte auch die Frage gestellt werden, ob es für neue Beschwerden nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten gibt oder sie eine Nebenwirkung einer Arznei sein könnten. Mundtrockenheit ist so ein Thema. Da kann auf alle Fälle geholfen werden – mit befeuchtenden Lutschtabletten und Sprays oder sogar mit Ersatzspeichel. Man muss vielen Dingen einfach auf die Spur kommen und sie auch zum Thema machen. Und das können wir Apotheker!

 

Beitrag veröffentlicht am 09.06.2022

Vorhofflimmern ernst nehmen

Vorhofflimmern schränkt nicht nur die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität ein, die Rhythmusstörung erhöht das Risiko für einen Schlaganfall um das Fünffache. Prognosen zufolge wird sich die Anzahl der Betroffenen in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, betont Kardiologe Martin Manninger-Wünscher von der Med Uni Graz.


Martin Manninger-Wünscher

Was ist Vorhofflimmern überhaupt?

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Rhythmusstörung beim Erwachsenen. Normalerweise wird der Herzrhythmus durch einen Taktgeber im Herzvorhof, dem Sinusknoten, vorgegeben. Beim Vorhofflimmern kommt es zu einer chaotischen elektrischen Aktivierung und damit zu Vorhoffrequenzen von bis zu 600/min, welche auf die Herzkammern übergeleitet werden und dort oft zu einem schnellen Puls von 100 bis 180/min führen. Die Rhythmusstörung kann in kurzen, selbstlimitierten Episoden vorkommen oder stabil laufen, bis man sie zum Beispiel durch Medikamente unterbricht. Je länger und öfter sie läuft, desto länger und öfter wird sie in Zukunft wieder kommen. Am Anfang der Erkrankung wird die Rhythmusstörung durch einzelne Zellen ausgelöst, die in den Lungenvenen im linken Herzvorhof liegen. Je häufiger die Rhythmusstörung auftritt, desto mehr bauen sich die Herzvorhöfe um und immer mehr Bereiche können sie auslösen und aufrechterhalten.

Wie verbreitet ist diese Rhythmusstörung?

Vorhofflimmern betrifft weltweit zwei bis vier Prozent der Erwachsenen. Berechnungen zufolge soll sich die Rate in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. In Österreich sind rund 230.000 Patienten betroffen. Das Lebenszeitrisiko für 55-Jährige, Vorhofflimmern zu bekommen, liegt bei 1:3. Männer haben ein gering höheres Risiko. Die Häufigkeit ist bei Frauen und Männern aber ähnlich verteilt, da Frauen eine höhere Lebenserwartung haben.

Wer ist in besonderer Weise davon betroffen?

Zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren zählen genetische Prädisposition, Alter, männliches Geschlecht und Ethnizität – Nicht-Kaukasier sind häufiger betroffen. Der Großteil der Risikofaktoren ist beeinflussbar, dazu zählen Herzklappenerkrankungen, Herzschwächen, koronare Herzerkrankungen, Gefäßerkrankungen, akute Erkrankungen oder Operationen, Inaktivität oder übermäßige Aktivität, hohe Blutfette, Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht, obstruktive Schlafapnoe, Autoimmunerkrankungen, COPD, Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus und Bluthochdruck.

Welche Symptome machen sich bei Vorhofflimmern im Alltag bemerkbar?

Die Wahrnehmung ist sehr unterschiedlich. Manche Betroffene spüren jede kurze Episode und sind dadurch stark beeinträchtigt. Andere spüren die Rhythmusstörung gar nicht und werden erst durch eine Komplikation, etwa einen Schlaganfall oder eine Herzschwäche, symptomatisch. Der Handlungsbedarf hängt stark vom Stadium der Erkrankung ab. Ist Vorhofflimmern noch nicht bekannt, ist es wichtig, während der laufenden Rhythmusstörung ein EKG zu schreiben, um die Diagnose zu bestätigen. Wenn es bereits bekannt ist und die Basistherapie schon besteht, hängt der Handlungsbedarf davon ab, ob die Episoden wieder spontan aufhören oder ob man dadurch in seiner Lebensqualität beeinträchtigt ist.

Wie wird Vorhofflimmern diagnostiziert, welche medizinischen Checks finden statt?

Vorhofflimmern wird mittels EKG diagnostiziert. Dafür muss man aber neuerdings nicht mehr unbedingt die traditionelle 12-Kanal-EKG-Aufzeichnung in einer Ordination oder Spitalsambulanz machen lassen. Auch neue Technologien, die eine 1-Kanal-EKG Aufzeichnung ermöglichen – wie zum Beispiel in einer Smartwatch – sind für die Diagnose ausreichend. Aufgrund der Häufigkeit der Erkrankung und der damit verbundenen Komplikationen empfiehlt es sich, bei Menschen über 65 Jahren regelmäßig mittels Pulstasten und EKG-Aufzeichnungen nach Vorhofflimmern zu suchen. Dafür stehen auch automatische Pulsmessungen von Smartphones, Pulsuhren oder Smartwatches zur Verfügung. Man geht davon aus, dass Vorhofflimmern bei einem Drittel der Betroffenen noch unentdeckt ist.

Welche Therapieoptionen gibt es?

Die Grundpfeiler der Therapie sind die Vermeidung von Schlaganfällen, Symptomkontrolle und die Behandlung von Risikofaktoren. Anhand eines Risikoscores beurteilt man das Schlaganfallrisiko und empfiehlt eine orale Antikoagulation, also eine Blutverdünnung. Um Symptome zu behandeln, kann man medikamentös die Herzfrequenz im Vorhofflimmern reduzieren oder alternativ versuchen, den normalen Sinusrhythmus wieder herzustellen und zu halten. Dafür stehen Medikamente oder die Elektrokardioversion – eine externe Schockabgabe in Kurznarkose – zur Verfügung. Zur Langzeit-Rhythmuskontrolle zählen die medikamentöse Therapie und die Katheterablation. Letztere wird in spezialisierten Einrichtungen durchgeführt. Mit einem Gefäßzugang über die Leiste mittels Kathetern wird der linke Herzvorhof erreicht, um dort die auslösenden Zentren elektrisch vom restlichen Vorhof zu isolieren. Zur Behandlung der Risikofaktoren gehört die adäquate Blutdruck- und Zuckereinstellung, Reduktion von Übergewicht, Raucherentwöhnung, Einnahme von Blutfettsenkern, Alkoholkarenz und regelmäßige körperliche Aktivität oder Reduktion der Trainingsintensität bei exzessiver sportlicher Belastung.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Vorhofflimmern und Schlaganfällen?

Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfallrisiko um ein Fünffaches und jeder fünfte Schlaganfall ist durch Vorhofflimmern verursacht. Leider sind Schlaganfälle, die so zustande kommen, oft schwerwiegender als bei anderen Ursachen. Der Grund für das Auftreten von Schlaganfällen im Zusammenhang mit Vorhofflimmern ist, dass während der Rhythmusstörung die Herzvorhöfe nicht kontrahieren und sich erweitern. Durch die gestörte Zirkulation im Vorhof kommt es zum Stau von Blut in Hohlräumen wie dem linken Herzohr. Dort können sich Blutgerinnsel (Thromben) bilden, die aus dem Herzen ausgespült werden und Hirngefäße verstopfen können.

Beitrag veröffentlicht am 18.05.2022

Bankgeschäfte im Alter

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, lautet der Titel des bekannten Songs von Udo Jürgens. Und er hat damit wohl Recht, denn mit dem Antritt der Pension eröffnen sich viele neue Möglichkeiten. Ob Reisen, Wohnen, Mobilität, Kultur oder Familie – für die Wünsche und Ziele braucht es natürlich den passenden finanziellen Rahmen und auch eine Bank, die in dieser Lebensphase begleitet.


Mmag. Martin Schaller

Die vielfältigen Pläne in der Pension bedeuten in finanzieller Hinsicht, dass Bankprodukte wie Girokonto, Kreditkarten, Wohnkredite weiterhin hoch im Kurs stehen. Bei Raiffeisen setzt man dabei nicht auf eigene „Seniorenprodukte“, sondern auf die Fortführung von vertrauten Services. „Wir begleiten unsere Kunden vom Kindesalter über die Ausbildung und berufliche Karriere bis ins hohe Alter“, erklärt Raiffeisen-Generaldirektor Martin Schaller und ergänzt: „Dadurch entsteht Vertrauen, das für Geldgeschäfte unverzichtbar ist.“

Um die besten Lösungen für die Anliegen der Kunden in allen Lebenslagen zu gewährleisten, wird bei Raiffeisen eine breite Servicepalette geboten: vom Digital-Coach bis zum Finanz- und Veranlagungsspezialisten. Speziell der Digital-Coach erfreut sich im Kundensegment 60+ großer Beliebtheit und ermöglicht Lösungen, die individuell auf die Kunden zugeschnitten sind. Diese können etwa mit ihren digitalen Geräten in die Bank kommen. Berater richten für Sie gerne einen Mein ELBA-Zugang ein und bringen Ihnen die Funktionen der Online-Banking-Plattform näher. Auch am Service-Point stehen speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Kundenanliegen zur Verfügung. Sollte jedoch weiterhin der Wunsch bestehen, alles beim Alten zu lassen, so wird dieser respektiert.

Gesetzliche Vorgaben und persönliche Beratung

Da und dort hört man, Bankgeschäfte im Alter seien anders zu behandeln als in der Zeit des
Erwerbslebens. Ist da etwas dran? Fakt ist, die finanzielle Situation ist grundsätzlich nicht vom Alter abhängig. Die monatliche Pension ist zwar in der Regel geringer als das Letzteinkommen, aber sie stellt ein sicheres Einkommen dar. Ausschlaggebend für jegliche Geldgeschäfte ist vielmehr die individuelle Lebenssituation mit den Themen Lebenshaltungskosten, Entwicklung von Vermögenswerten, geplanten Investitionen etc.

Bankgeschäfte im Alter sind etwas anders zu behandeln, weil es bestimmte gesetzliche Vorgaben gibt, an die sich jede Bank halten muss. Daher werden Bankprodukte altersgerecht und mit Berücksichtigung der jeweiligen Lebenslage angeboten. Das betrifft insbesondere die Geldveranlagung oder auch jegliche Kredite und deren Besicherung. Die gesetzlichen Bestimmungen greifen jedoch nicht gleich bei Pensionsantritt, sondern erst einige Jahre später.

Was ändert sich beim Pensionsantritt?

Hier kann gleich „Entwarnung“ gegeben werden. Denn durch den Pensionsantritt an sich ändert sich bei Bankprodukten grundsätzlich gar nichts. Was heißt das für die einzelnen Produkte? Das Girokonto bleibt – abgesehen von der Bezeichnung „Pensionskonto“ – komplett gleich. Sowohl die Kontonummer als auch der Kontorahmen für kurzfristige Überziehungen sowie die Konditionen bleiben unangetastet. Das trifft auch auf die Bankomatkarte zu, die im In- und Ausland Bargeldbehebungen und Zahlungen in Geschäften ermöglicht.

Und wie steht es mit Kreditkarten? Selbstverständlich laufen bestehende Kreditkarten mit dem vereinbarten Kreditrahmen weiter. Wenn eine neue Kreditkarte angefordert wird, gelten die gleichen Voraussetzungen wie für alle Bankkunden. Kreditkarten sind gerade bei Reisefreudigen sehr beliebt, da sie neben der Zahlungsfunktion auch attraktive Versicherungsleistungen – zum Beispiel für ein Reisestorno – beinhalten. Das äußert sich auch in der täglichen Bankpraxis, weiß Schaller: „Früher sind viele Senioren zu Monatsbeginn in die Bankstelle gekommen, um ihre Pension zu beheben. Das hat sich gravierend geändert. Die modernen Zahlungsformen mit Karte und mittlerweile auch Mobiltelefon ermöglichen, dass man immer und überall über das Geld am Konto verfügen kann.“

Sparen und Geld veranlagen: Auf Nummer sicher

Unabhängig vom Alter gilt, Ersparnisse nach dem Prinzip der „Veranlagungspyramide“ anzulegen. Die Basis bilden sichere Formen wie das Sparbuch, Bausparen oder Lebensversicherungen. Darauf aufbauend kommen nach der Reihe festverzinsliche Anleihen und –fonds, gemischte Fonds mit steigendem Aktienanteil und zuletzt Aktien. Je weiter „oben“ ein Produkt in der Pyramide ist, desto mehr Ertrags-Chancen hat es, gleichzeitig aber auch mehr Wertschwankungen – sprich Risiko. Jeder Mensch hat sein bevorzugtes Anlager- und Risikoverhalten, und danach richtet sich die Bank laut Gesetz auch. Hinzukommt, dass mit steigendem Alter das Gesamt-Risiko der Veranlagungen abnehmen muss. Der Grund ist klar: Wertpapiere mit höheren Wertschwankungen haben auch eine empfohlene längere Behaltedauer – denn man will ja in aller Ruhe erst dann ein Wertpapier verkaufen, wenn es gut im Kurs liegt. In der Praxis bedeutet das, dass zum Beispiel der Aktienanteil kontinuierlich gesenkt wird und stattdessen festverzinsliche Anlageformen stärker gewichtet werden. „In unseren Beratungen sehen wir, dass für ältere Kunden ohnehin die Sicherheit und jederzeitige Verfügbarkeit des Ersparten an oberster Stelle stehen“, berichtet Schaller.

Kredite auch im Alter?

Ein neues Auto, notwendige Umbauten in der Wohnung oder gar ein Umzug – es gibt viele Gründe, warum auch im Alter Kreditbedarf entstehen kann. Auch hier sind die individuelle Lebenssituation und der finanzielle Rahmen hauptsächlich ausschlaggebend und nicht primär das Alter. Die Vergabe von Krediten orientiert sich nämlich an bestimmten Vergaberegeln und die sind bei allen gleich.

Basis ist eine umfassende Bankberatung, die im Grunde für einen 35-jährigen Häuslbauer gleich strukturiert ist wie für Senioren. Im Gespräch mit dem Bankberater geht es um den Verwendungszweck, die gewünschte Kredithöhe, die Laufzeit und folglich die laufende Rate, mögliche Besicherungen und – natürlich – um die finanzielle Ausgangssituation und Entwicklung. Laut Gesetz darf die Rate nur so hoch sein, dass sie vom Kunden „nachhaltig“ zurückbezahlt werden kann. Ganz genaue Zahlen gibt das Gesetz freilich nicht an, aber in der Bankpraxis gibt es allgemeine Faustformeln: Die erste betrifft die Gesamt-Kreditbelastung. Diese sollte nicht höher sein als das Vierfache des Jahres-Netto-Einkommens.

Die zweite Faustformel betrifft die monatliche Rate. Diese sollte nicht mehr als 30 Prozent der monatlichen Pension betragen. Dazu ein konkretes Beispiel: Bei einer monatlichen Pension von 1.200 Euro (entspricht 16.800 im Jahr) wäre das eine maximale Kredithöhe von rund 65.000 Euro sowie eine maximale monatliche Rate von 360 Euro. Das sind – wie gesagt – Faustformeln, die individuell etwas abweichen könnten. Die Rückzahlung dieses Kredits würde im genannten Beispiel rund 15 Jahre dauern und daraus ist ersichtlich, dass das Alter dann doch eine gewisse Rolle spielt. Denn wohl jeder Kreditnehmer möchte einen Kredit zu Lebenszeit abbezahlen.

Worüber man nicht immer spricht …

Häufig werden an dieser Stelle mögliche Sicherheiten – etwa ein Haus – genannt, welche die Bank im Falle eines Hypothekarkredites zugreifen darf. Aber auch hier gibt das Gesetz die Richtung vor. Ein Kredit ist nicht statthaft, wenn beim Abschluss augenscheinlich ist, dass dieser nicht „normal“ zurückbezahlt werden kann. Eine Sicherheit ist für diesen Fall da, dass Unvorhergesehenes eintritt. Aber was ist mit sogenannten Kreditrestschuldversicherungen, also Versicherungen, die eine offene Restschuld im Todesfall übernehmen? Raiffeisen bietet spezielle Ablebensversicherungen.

 

Beitrag veröffentlicht am 13.05.2022

Enkeltrick – Die Gefahr lauert im Wohnzimmer

Die neue, gefährliche Masche der Kriminellen: Sie verlegen den Tatort in die Wohnzimmer der Seniorinnen und Senioren. Die Tatwaffen sind Handy und Internet.

Die Corona-Pandemie hat die persönliche Sicherheit gerade der Seniorinnen und Senioren ganz massiv beeinflusst. Die Kriminellen haben sich nämlich rascher auf die neuen Gegebenheiten eingestellt als ihre Opfer, sagt Jeremy Stöhs, Geschäftsführer des Vereins „Sicher Leben“ in Graz, einer Sicherheitsplattform. In der Zeit der Lockdowns und der eingeschränkten Bewegungsfreiheit gab es spürbar weniger Einbrüche und die Zahl der Taten im Bereich des Taschen- und Trickdiebstahls hat sich fast halbiert. Gleichzeitig aber haben die Kriminellen am Handy und im Internet zugeschlagen. Die Zahl der angezeigten Straftaten stieg in diesem Bereich im Jahr 2020 um fast zwölf Prozent. Die ältere Generation ist leider auch im dunklen Hinterzimmer der großen weiten Welt der elektronischen Medien angekommen. Sie wird besonders häufig Opfer der Cyber-Kriminalität.

Der Enkeltrick

Die Täter haben neue Werkzeuge, wenden aber die alten Tricks an. So fallen gerade wieder besonders viele ältere Mitbürger auf den sogenannte Neffen- oder Enkeltrick herein und werden oft um hohe Geldbeträge erleichtert, muss Sicherheitsexperte Stöhs berichten. Da sagt eine Stimme am Telefon: „Hallo, Oma, kennst du mich nicht mehr? Ich habe schon lange nichts mehr von dir gehört“. Wenn ein Anruf so oder ähnlich beginnt, sollten bei der Oma die inneren Alarmglocken schrillen! Sie sind keine willkommene Abwechslung, sondern der Versuch, die Oma um ihr Geld zu erleichtern. Denn nach der freundlichen Begrüßung kommt die Enkelin oder Neffe schnell zur Sache und erzählt von einer dringenden Notlage. „Wenn ich nicht bis dann und dann Geld übergebe, werde ich verhaftet“. Oder: „Wenn ich nicht sofort die Universitätsgebühr bezahle, ist mein Studium in Gefahr, meine ganze Zukunft“.

Die Kriminellen appellieren geschickt an die Hilfsbereitschaft der älteren Generation. Man will doch nicht, dass der Enkel Zores mit der Polizei kriegt und nicht schuld daran sein, dass die studierende Nichte auf ganzer Linie scheitert. Auf diese Weise üben solche Anrufer großen Druck aus, mit dem gerade ältere Leute nicht mehr gut umgehen können. Es geht ihnen darum zu verhindern, dass der vermeintliche Onkel nachdenkt, sondern er soll instinktiv handeln und auf jede Vorsicht verzichten, warnt Stöhs, der Sicherheitsfragen auch aus einer internationalen Perspektive behandelt.

Die seriöse Masche

Eine andere üble Masche am Telefon, die auf Mitglieder der älteren Generation zielt, verbreitet sich ebenfalls stark, beobachtet die Polizei. Das sind harmlose oder seriös klingende angebliche Anrufe einer Bank oder Versicherung. „Gnädige Frau, wir haben auf Ihrem Konto eine Sicherheitslücke entdeckt und brauchen jetzt ganz schnell ihr Passwort oder den Bankomat-Code, um das zu reparieren“. Was so vertrauenerweckend klingt, ist ein besonders gefährlicher Betrugsversuch. Der Experte macht klar: Keine Bank, keine Versicherung und sonst keine seriöse Firma wird am Telefon nach einem Passwort fragen. Das tun nur Betrüger.

Die Polizei hat inzwischen herausgefunden, wie diese Kriminellen ihre Opfer unter den älteren Steirerinnen und Steirern aussuchen. Sie nehmen das gute alte Telefonbuch zur Hand und suchen nach Personen mit Vornahmen, die altmodisch klingen, wie Doris und Franziska oder Franz und Herbert. Ruft man eine Person mit so einem Vornamen an, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich tatsächlich um eine Großmutter oder einen Onkel handelt. Die fallen in der Regel leichter auf diese Betrugsmasche herein als ein Kevin oder Julian oder eine Sabrina und eine Nadine. Ist der Kontakt einmal hergestellt, bemerken viele Opfer erst zu spät, dass sie gerissenen Kriminellen auf den Leim gehen.

Das Handy ist gewissermaßen auch der Tatort für eine weitere Art von Betrug. Da kommt eine SMS, dass ein Paket eingetroffen ist. Bei vielen Menschen wirkt der Überraschungseffekt, weil sie zunächst gar nicht daran denken, dass sie eigentlich gar nichts bestellt haben, Sie reagieren eher neugierig und verwirrt als misstrauisch. Die Textnachricht am Handy klingt doch ganz unverdächtig. Das Gefährliche ist aber, dass sie die betreffende Person auffordert, auf einen Link zu klicken, um Näheres über das angebliche Paket zu erfahren. Wenn man das tut, ist es oft schon zu spät. Durch den Klick wird den Betrügern der Zugang zum Handy und seinen Daten ermöglicht und sie können damit viel Unheil anrichten.

Die Masche der Cyber-Kriminalität, die sich gezielt an Seniorinnen und Senioren richtet, ist so gefährlich, weil sie gewissermaßen auf leisen Pfoten daherkommt, weiß Jeremy Stöhs. Er rät dringend zu mehr Aufmerksamkeit und Misstrauen auch im Umgang mit dem Handy. Dieses Segnung der modernen Technik, die gerade der älteren Generation auch in den schwierigen Corona-Zeiten auch so viel Gutes bringt, entwickelt sich leider auch zum bevorzugten Tatort der Kriminalität.

Infos für Ihre Sicherheit:

„Sicher leben“ ist eine Einrichtung, die sich seit 2013 der kommunalen Sicherheitsarbeit vor allem in Graz verschrieben hat.

In Gesprächen, Schulungen, Workshops und Online-Events sensibilisiert das Team um Geschäftsführer Dr. Jeremy Stöhs Interessierte für Sicherheitsthemen. Im Zentrum steht das Miteinander von Betroffenen und Fachleuten, um ein Klima zu schaffen, das Vorurteile ausräumt, Vertrauen schafft und Sicherheit für alle gewährleistet.

„Sicher Leben“ operiert an zwei Standorten in Graz:

Das Sicherheits-Informationszentrum Sinfo am Grazer Lendplatz (Keplerstraße 25, Tel. 0316 872 5777) neben der Berufsfeuerwehr ist werktags für alle Interessierten geöffnet und bietet Grundinformationen rund um das Thema Sicherheit wie Schutz vor Einbrüchen, Hilfe in Nachbarschaftskonflikten, Cyber-Kriminalität oder Katastrophenschutz an. Hier finden auch einschlägige Schulungen statt.

Im Weichenstellwerk der Holding Graz (Steyrergasse 114, Tel 0677 6241 9976) ist eine Sprach- und Lebensschule vorzugsweise für Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund eingerichtet. Hier bauen Ehrenamtliche auch Vertrauen zur Polizei auf. „Sicher Leben“ fördert das sichere Miteinander auch durch eine eigene, sehr kreative und diverse Kunstschiene.

„Sicher Leben“ und das Sinfo bietet für alle Interessierten Schulungen in konkreten Sicherheitsbelangen an. Auskünfte und Anmeldungen:

0677 64 133 444 oder office@sicherlebengraz.at sowie
0316 872 5777 oder office@sinfo.at

 

Beitrag veröffentlicht am 09.05.2022