Gekommen, um zu bleiben

Im BLEIB BERG Health Retreat in Bad Bleiberg heißt es: einen Gang zurückschalten, durchatmen und sich Zeit für die Gesundheit nehmen.

Eigentlich weiß man alles schon zur Genüge: Gut gekaut ist halb verdaut, richtiges Atmen beruhigt, regelmäßiger Sport hält länger fit. Ja, der Körper bedeutet Arbeit und erfordert permanentes Aufräumen und Ausmisten von Gewohnheiten, die schaden. Nachdem die Japanerin Marie Kondo die Beihilfe zum Aufräumen nicht nur als eine lukrative Geschäftsidee entdeckt hat, sondern daraus sogar eine neue Philosophie machte, stellt sich auch mir die Frage: Warum anstatt des Schrankinneren nicht mal den Körper einem umfangreichen Check unterziehen?

Prim. Bruno Pramsohler

„Kuraufenthalt“ heißt die offizielle und wenig aufregende Bezeichnung dafür. Aber nennen wir es einfach Auszeit. Auszeit in den Bergen, im BLEIB BERG Health Retreat, so seit Kurzem der Name des früheren Bleibergerhofs im kärntnerischen Bad Bleiberg. Um zwei Millionen Euro bekam der Traditionsbetrieb im Herzen des Naturparks Dobratsch, der nun der Humanomed-Gruppe gehört, ein umfassendes Facelifting mit komfortablen Zimmern, einem stilvollen, zurückhaltenden und farblich stimmigen Interieur sowie einem modernen und großzügigen Spa- und Wellnessbereich.

Dieses neue Gesamtkonzept steht unter dem Motto „Down Aging“ und Revitalisierung, das aktives Mitmachen erfordert und so gesehen mehr mit Marie Kondos Aufräumprojekt zu tun hat als mit ausgiebigem Müßiggang, den man aus dem Wellness-Urlaub in der Therme kennt. Unter Down Aging versteht sich übrigens nichts anderes, als alles dafür zu tun, um jung und fit zu bleiben, das betrifft vor allem die 50-Plus-Generation, die geistig und körperlich um einiges jünger ist als ihre Vorgängergenerationen.

Weniger ist mehr

Bereits am Abend der Anreise unterzieht man sich einem umfassenden Gesundheitscheck, damit für den Aufenthalt – ab sieben Tage ist dieser empfohlen – in die passende Kategorie eingeordnet werden kann. Bei der Ernährung wird eingeteilt in eine strenge Fastenkur nach Dr. F.X. Mayr, eine mildere Ableitung nach Dr. E. Rauch/Peter Mayr und die so genannte FODMAP-Ernährung. Das ist ein australisches Konzept mit Fokus auf reizdarmschonenden Säure-Basen-Ausgleich, bei der die Küchenchefin Bettina Mitter-Melcher jeglichen Zucker weglässt, so auch die bei der Verarbeitung Zucker produzierende Zwiebel, um Gärprozesse im Darm zu vermeiden, die Verdauungsbeschwerden hervorrufen. In der Küche herrscht das Gebot: Regionales und Saisonales hat Vorrang und auch Gourmets sollen auf ihre Kosten kommen. Und das tun sie.

Auf Basis der jeweiligen körperlichen Verfassung wird für die kommenden Tage auch die sportliche Betätigung angepasst. Die Bewegungsangebote im Wasser, Fitnessraum oder im Freien sind vielfältig und über den gesamten Tag nutzbar. Ein besonderes Highlight: Yoga im Heilklimastollen des Ortes, jeweils am Donnerstag. Bei acht Grad Temperatur und fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit ist das eine sehr intensive Erfahrung, die Entspannungsphase findet im Schlafsack mit Wärmflasche statt. Weil auch die Optik beim Älterwerden nicht zu kurz kommen darf, bietet das BLEIB BERG Health Retreat Gesichtsbehandlungen nach einem US-amerikanischen Prinzip, das auch Hollywood-Stars strahlen lässt. Mit einem Analysesystem werden dabei das biologische Alter der Haut festgestellt und entsprechende Pflegetipps mit auf den Weg gegeben.

Nachhaltig versteht sich im BLEIB BERG Health Retreat zudem, was die Fortführung des dort Erlernten im Alltag betrifft: Für jeden Bereich gibt es Anweisungen für zuhause, seien es Empfehlungen zur passenden Sportart, Rezepte zur gesunden Ernährung oder eben Pflegehinweise für die Haut.

 

Ein Leben in Zeitlupe

Das BLEIB BERG Health Retreat bezeichnet sich als Kraftort für ganzheitliche Gesundheit und Ernährung, es ist eine Kombination aus klassischer Schulmedizin, alternativen Ansätzen und einem durchdachten Ernährungsprogramm. Für den Gast ist es zunächst ein Herunterbremsen, Durchatmen und Wiedererlernen dessen, was im Leben wichtig ist. Und das beginnt schon früh morgens mit der 25-minütigen Trainingseinheit „Aktives Erwachen“, wo gezielte Bewegungen den vom zu vielen Sitzen oft steifen Bewegungsapparat lockern und den Körper fit für den Tag machen. Wer auf strenger Diät ist, erhält davor, in der so genannten „Dickdarmzeit“ zwischen 5 und 7 Uhr, Bittersalz, das eine leicht abführende Wirkung hat. Das Frühstück setzt sich unter dem Motto „Slow Motion“ fort, jeder Bissen sollte 30 bis 40 Mal gekaut werden, nicht nur beim Frühstücken. Denn die Verdauung beginnt bekanntlich bereits im Mund, gut gekautes Essen signalisiert dem Körper früher ein „Stopp, ich bin satt“. Dieses frühzeitig eintretende Sättigungsgefühl entlastet auch den Darm. Das auf den ersten Blick recht übersichtlich gestaltete Frühstück zeigt sich dann doch als reichhaltig, vor allem ist es köstlich und gesund.

Das individuell zusammengestellte Programm leitet durch den doch recht schnell vergehenden Tag, das den wohl schönsten Ausklang im dampfenden Outdoorpool unter dem noch recht winterlichen Sternenhimmel findet. Apropos Wasser: Der erst 1951 zufällig entdeckte Schatz in 3.600 Metern Tiefe wurde als „uranhältige Akrotherme“ eingestuft, enthält also Uran, Calcium, Magnesium und Hydrocarbonat.

Dem Stress Paroli bieten

Reduktion bedeutet im BLEIB BERG Health Retreat auch, mit Stress umgehen zu lernen, dem jeder in irgendeiner Weise ausgesetzt ist. Also innehalten, Handy ausschalten, durchatmen. „Es geht darum, die richtige Balance zwischen Aktivität und Ruhe zu finden“, sagt Bruno Pramsohler, Primarius und ärztlicher Leiter des BLEIB BERG Health Retreats, der gemeinsam mit seinem Ärzteteam die einführende und abschließende Untersuchung der Gäste vornimmt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Atmung, 80 Prozent der Menschen atmen falsch, ergänzt er. Stress ist der größte Störenfried des guten Schlafes, und dieser ist nun einmal das Um und Auf für ein gesundes und aktives Leben. Im Schlaf werden Erlebnisse von tagsüber aufgearbeitet, Emotionen trainiert und Sorgen verarbeitet. Wichtig ist dabei, den eigenen Schlaftypus festzustellen: Manche Schlafstörungen rühren daher, dass beispielsweise Kurzschläfer zu lange schlafen, erzählt der Primarius.

So zeigen sich zu Ende der Auszeit neue Erfahrungen, wie man den Körper gesund hält und viele Weisheiten, die ein Mehr an Achtsamkeit, Bewusstheit und Ruhe bedeuten. Die gilt es nun, mit nach Hause zu nehmen und behutsam in den Alltag zu integrieren. Wie die Ordnung des Aufräumens, die Marie Condo lehrt, und die, einmal integriert, das Leben ein bisschen angenehmer und schöner macht.

Beitrag veröffentlicht am 29.04.2022

Renate Rosbaud: Ein Hund als Jungbrunnen

Aus den zahlreichen Anrufen und E-Mails als Reaktion auf den ersten Beitrag der bekannten TV-Moderatorin und Tierexpertin Renate Rosbaud in der letzten Ausgabe von „Abenteuer Alter“ kristallisierte sich ganz deutlich ein Themenschwerpunkt heraus: „Ich gehe zwar noch gerne spazieren, aber ganz topfit bin ich gerade auch nicht mehr, hätte aber gerne einen Hund als Begleiter. Darf ich, soll ich, kann ich?“ Renate Rosbaud hat dazu einen Expertenrat eingeholt.

Ein Hund tut gut in jedem Lebensalter! Vor allem, wenn Sie ein „Best-Ager“ sind, heute auch „Generation Gold“ oder „50plus“ genannt. Die Vorteile eines Vierbeiners sind großartig: Mit einem felligen Begleiter kommen Sie leicht ins Gespräch mit Gleichgesinnten jeden Alters und verschiedenster Herkunft. Freundschaften und Hundegruppen zum gemeinsamen Gassi gehen können entstehen. Leicht überwinden Sie auch ihren fiesen, inneren Schweinehund, denn der reale Vierbeiner muss hinaus. Das heißt, auch Sie müssen sich bewegen, bei jedem Wetter. Das hält beweglich, körperlich und geistig. Und Sie sind nie allein, es wird nie langweilig. Sie können mit Ihrem Hund sprechen, Ihre Sorgen loswerden, Ihren Ärger, ihm Schönes erzählen. Vorteil: Er hört zu und meckert nicht zurück. Perfekt!

Doch bevor Sie aufspringen und sich einen vielgewünschten und heiß ersehnten Wauzi zulegen, sollten Sie einige Punkte in Ruhe überdenken – schreiben Sie am besten eine Liste. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Bin ich noch so fit wie früher? Wie lange und oft möchte ich spazieren gehen? Fahre ich mehrmals im Jahr auf Urlaub? Habe ich eine Betreuung für meinen Hund, eine Tierpension, Familie, FreundInnen, NachbarInnen? Möchte ich eine Rasse, die oft beschäftigt werden will oder eher etwas Gemütliches?

Prinzipiell gilt, je kleiner und leichter ein Hund ist, umso einfacher ist es, ihn mitzunehmen, ihn wo hinaufzuheben, bei Bedarf zu tragen. Und es ist eine Frage der eigenen Sicherheit, der des Hundes und anderer Menschen. Wenn der Hund nämlich so groß und kräftig ist, dass er Sie umreißt, wenn er an der Leine zieht – dann ist er der Falsche. Diese praktischen und wichtigen Gedanken hat mir Andreas Gomsi verraten, Hundetrainer bei der renommierten Hundeschule „Martin Rütter DOGS Graz“ auf der Laßnitzhöhe. Er hat in meiner Serie „Bei Tier daheim“ (jeden DIENSTAG um 19 Uhr in „Steiermark heute“) schon öfter wertvolle Tipps gegeben. Auch er hat oft ältere Hundebesitzer in seinen Kursen, mit denen er trainiert und spricht deshalb aus Erfahrung.

Andreas sagt, es gibt nicht „die“ Hunderasse, die für „Best-Ager“ geeignet ist oder eben nicht. Es kommt auf den Charakter des Tieres an. Und auf das Alter des Vierbeiners. Ein Hund wird im Schnitt 10-15 Jahre alt. Kann ich mich solange um ihn kümmern? Gibt es jemanden, der auf ihn aufpasst, wenn ich krank bin, ins Spital muss, nicht mehr da bin? Ein guter Tipp, so der „Martin Rütter DOGS“-Trainer, ist, sich in Tierheimen nach älteren Hunden umzuschauen. Diese finden leider meist nicht so schnell ein neues Zuhause und sind dankbar, wenn ihnen jemand noch Liebe und Zuwendung schenkt. Der Vorteil, sie sind meist auch schon erzogen und stubenrein. Gehen Sie einfach ein paar Mal probeweise spazieren. Dabei merken Sie schnell, ob Sie und der Hund harmonieren.

Als Vierbeiner-Faustregel könnte man sagen: eher klein, nicht zu schwer, pflegeleichtes Fell und von ausgeglichenem Charakter. Ich persönlich finde ja Klein- oder Zwergpudel entzückend, kurz geschoren und relativ leicht zu erziehen. Außerdem haaren sie nicht. Wenn Sie das alles abgewogen haben, dann steht einer Hundeliebe bis ins goldene Alter nichts im Wege. Und außerdem: 80 ist ja immerhin das neue 60 und in diesem Alter sind viele von Ihnen fitter als so mancher Teenager.

Beitrag veröffentlicht am 19.04.2022
© Luef Light

Politik-Montag: Doris Kampus – Dort hinschauen wo es nicht gut läuft

Zur Sorge Corona kam auch die Sorge Inflation. Mag. Doris Kampus (54), die Soziallandesrätin der Steiermark, hat besonders die Schwächsten in der Gesellschaft im Visier.

Die ältere Generation hat schon seit zwei Jahren mit der Corona-Pandemie zu kämpfen. Was macht das mit den Menschen?

DORIS KAMPUS: Was die sozialen und psychologischen Aspekte betrifft, machen mir zwei Gruppen besonders Sorge. Das sind die Kinder und die Jugendlichen und natürlich die älteren Menschen. Das sieht man auch in der Seniorenstudie von Abenteuer Alter, zu der ich nur gratulieren kann. Auch wenn diese Ergebnisse sich auf die Zeit vor der Pandemie beziehen, zeigen sie, wie groß das Thema Einsamkeit bei den Älteren ist. Ich freue mich, dass diese Studie zeigt, wie viele ältere Steirerinnen und Steirer sich wohlfühlen und dass es ihnen gut geht. Aber mein Job als Soziallandesrätin ist es, dort hinzuschauen, wo es nicht so gut läuft.

Glauben Sie, die Befragten stellen ihre Befindlichkeit besser dar als sie ist?

KAMPUS: Viele in dieser Generation geben nicht so gerne zu, dass es ihnen nicht so gut geht. Ich glaube, unsere gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe muss es sein, da hinzuschauen. Wenn man die Oma fragt, wie geht es dir, sagt sie: ‚Passt schon, passt schon‘. Das sagt sie sogar, wenn etwas nicht mehr passt. Ich glaube, diese Gruppe ist unter Corona eher größer geworden. Die Menschen haben sich ein Stück zurückgezogen. Das macht mir große Sorgen.

Braucht es vielleicht neue Wege, um in dieser Situation an die Seniorinnen und Senioren heranzukommen?

KAMPUS: Ich bin kein ausgesprochener Fan der neuen Medien, aber sie sind schon auch eine Chance, wie man noch teilhaben kann. In den Familien hat das geholfen, indem die Großeltern über Whatsapp trotz Lockdown etwas Verbindung mit den Enkeln hatten. Das macht viel aus, dass man auch die ältere Generation auf diese Weise einbindet. Auch die Seniorenverbände haben sich darauf eingestellt. Sie bieten jetzt Schulungen und Kurse an, damit sich diese Welt für alle öffnet. Wir beteiligen uns da durch die Finanzierung etwa des Seniorenbeirates oder von Computerkursen.

Zur Sorge wegen Corona ist für viele Menschen die Sorge um’s Geld gekommen, weil die Inflation so stark geworden ist wie seit vielen Jahren nicht mehr. Wie sehen Sie das?

KAMPUS: Die Teuerungswelle trifft die Älteren doppelt hart. Wir haben Zahlen dazu, die mich betroffen machen, weil die Teuerung vor allem die Gruppe 60+ sehr trifft. Wir haben zum Glück zwei Instrumente, mit denen wir das teurer gewordene Wohnen unterstützen, die Wohnunterstützung und der Heizkostenzuschuss. Bei der Wohnunterstützung sind mehr als die Hälfte der 8.000 Bezieher Pensionistinnen und Pensionisten. Das finde ich ganz schlimm. Beim Heizkostenzuschuss sind es mehr als zwei Drittel von fast 9.000. Wir haben den Heizkostenzuschuss von 120 auf 170 Euro erhöht, um dagegenzuhalten, aber da braucht es auch andere Bemühungen, zum Beispiel bei der Höhe der Pensionen.

Die Älteren wissen aus ihrem Leben, was Inflation ist, die jüngeren Generationen aber nicht. Hilft dieses Wissen etwas?

KAMPUS: Die, für die ich mich zuständig fühle, also MindestpensionistInnen oder BezieherInnen der Ausgleichzulage, sind ganz besonders betroffen. Wir brauchen im Sozialsystem mehrere Stellschrauben, einen Teil davon machen wir in der Steiermark mit diesen Hilfen beim Wohnen und Heizen und in anderen Bereichen. Wir brauchen aber auch eine Bundesregierung, die bei den Pensionen hinschaut. Und es ist verstörend, dass es noch immer und massiv zur Diskriminierung der Älteren kommt, nur auf Grund von Alter. Bei den Banken fragen sie, braucht man im Alter wirklich unbedingt einen Kredit? Aber auch in dieser Generation hat man zum Glück viele Wünsche, aber auch Notwendigkeiten. Man muss ein Bad umbauen oder andere altersgerechte Investitionen vornehmen. Was es im Bereich der Banken und Versicherungen immer noch an Altersdiskriminierung gibt, ist unglaublich.

Zu den Leistungen Ihres Ressorts gehört auch die Seniorenurlaubsaktion. Wie ist die unter Corona-Bedingungen gelaufen?

KAMPUS: Wie andere Entwicklungen. 2020 durften wir es gar nicht anbieten wegen der Corona-Lage. 2021 haben wir es wieder angeboten, aber die Nachfrage war schaumgebremst. Wir hätten mehr Plätze für diese Urlaube gehabt als in Anspruch genommen wurden. Ich schätze diese Möglichkeit sehr und treffe mich mit den Leuten und plaudere gern mit ihnen. Da gibt es teilweise Gruppen aus den Bezirken, wo man sich untereinander schon kennt. Ganz viele sind im Vorjahr aber nicht mitgefahren, weil sie sich nicht getraut haben. Für mich wäre es das Schlimmste, würde das so bleiben.

Die Seniorenstudie von Abenteuer Alter hat ergeben, dass viele dieser Altersgruppe noch arbeiten. Was halten Sie davon?

KAMPUS: Ich befürchte, diese Medaille hat zwei Seiten. Es gibt eine Gruppe, die das nicht ganz freiwillig macht, weil ihre Pension zu gering ist, um den Lebensstandard halbwegs zu halten. Das gefällt mir nicht, weil eigentlich sollten die Pensionen in Österreich für Menschen, die so lange gearbeitet haben, so sein, dass man gut  davon leben kann. Natürlich kommt noch die Frauenproblematik dazu: Sie haben weniger Versicherungsjahre, die Kinder betreut, und oft nur halbtags gearbeitet. Die andere Seite der Medaille sagt: ‚Jetzt bin ich Anfang 60, eigentlich geht es mir super, aber ich würde gerne noch Anteil haben und ich mache nebenher noch was‘. Das finde ich super. Und dazu kommt, dass wir jetzt auf dem Arbeitsmarkt die Chance, ein besonderes Zeitfenster, haben. Bisher hat es immer mehr Angebot als Nachfrage gegeben und jetzt ist daserstmals anders. Die Betriebe suchen händeringend Leute und jetzt haben erstmals auch Menschen der Generation 50+ eine realistische Jobchance.

Der Pflegenotstand wegen des Personalmangels in Spitälern und Heimen ist ein großes Problem, das zum Teil auch in Ihre Zuständigkeit fällt. Was muss geschehen, dass die Pflege gerade für die Älteren nicht zusammenbricht?

KAMPUS: Gemeinsam mit meiner Kollegin Juliane Bogner-Strauß bringen wir da einiges weiter. Wir haben schon vor fünf Jahren eine Pflegestiftung ins Leben gerufen, die hat schon 1.500 Arbeitslose ausgebildet oder sie sind in Ausbildung. Der Bedarf steigt nicht nur wegen der demografischen Entwicklung, sondern zum Beispiel auch deshalb, weil viele Pflegende am Ende ihrer Kräfte sind und eine Auszeit brauchen.

Beitrag veröffentlicht am 06.04.2022
© Peter Drechsler
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Politik-Montag: Niko Swatek – Gemeinsam füreinander da sein

Niko Swatek, Jungvater und Klubobmann der Neos im steirischen Landtag, im Interview über das Verhältnis zwischen den Generationen und das Geld im Börserl.

Sie sind mit Ihren 31 Jahren der bisher jüngste Interviewpartner von Abenteuer Alter. Macht Sie das eigentlich alt?

NIKOLAUS SWATEK: Ich glaube, man ist so alt wie man sich fühlt und ich fühle mich gerade richtig, um in der Politik anpacken und dort etwas umsetzen zu können.

Wie sehen Sie generell das Verhältnis zwischen Alt und Jung in unserer Gesellschaft?

SWATEK: Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass die Generationen viel zu oft nebeneinander leben statt miteinander. Da kann die Politik noch mehr leisten, dass dieses Miteinander in der Gesellschaft wieder stärker im Vordergrund steht.

Was verstehen Sie unter ‚nebeneinander‘?

SWATEK: Naja, die Jungen reden über die Alten und die Alten über die Jungen. Man hört: Früher war alles besser. Ich glaube, man muss gemeinsam schauen, dass alle eine blühende Zukunft haben, egal, ob man jung oder alt ist, dass man sein Leben in jeder Generation so leben kann, wie man es leben möchte.

Erfahren sie als junger Vater familiären Kontakt mit ihren Eltern und Großeltern?

SWATEK: Ich habe leider keine Großeltern mehr, aber ich habe mit meinem Sohn das große Glück, dass ich Vater und Mutter habe und auch die Eltern meiner Lebensgefährtin, die uns zwischendurch Luft verschaffen, dass wir auch wieder etwas Zeit für uns haben.

Haben Sie eine Vorstellung davon, wie die Stimmung in der älteren Generation ist?

SWATEK: Da gibt es große Unterschiede, zum Beispiel zwischen meinem Vater und dem Vater meiner Lebensgefährtin. Jeder ist anders, aber am Schluss sind die menschlichen Bedürfnisse sehr ähnlich: Wir wollen Liebe genießen, menschliche Nähe spüren, unser Leben leben können und die Dinge machen, die uns Spaß machen. Durch Corona haben wir auch erlebt, dass Dinge, die uns selbstverständlich waren, nicht mehr ganz so möglich waren. Das hat Junge wie auch Alte betroffen.

Sie sprechen Corona an. Wenn wir uns die jüngere und die ältere Generation ansehen, kann man sagen, dass eine dieser beiden Gruppen stärker von der Pandemie betroffen war, dass sie mehr zu leiden hatte?

SWATEK: Ich würde Leid nie gegeneinander ausspielen. Junge Menschen waren im Distance Learning und viele hatten mit psychischen Problemen zu kämpfen. Wir haben sogar eine sehr hohe Rate an Jugendlichen mit Suizidgedanken, da müssen wir hinschauen. Auf der anderen Seite haben wir bei älteren Personen denselben Effekt. Wir haben Menschen in Pflegeheimen, die keinen Besuch empfangen durften und auch vereinsamt sind. Das hat auch dort Schäden angerichtet, die unsere Gesellschaft in Zukunft nicht mehr zulassen sollte.

Ist das ein Versagen der Generation dazwischen, zwischen den Jungen und den Alten?

SWATEK: Es war in meinen Augen eher ein Politikversagen, weil man auf gewisse Gruppen zu spät geblickt hat oder weil man bei den Maßnahmen nicht an die Folgen für bestimmte Gruppen gedacht hat.

Ist Politikversagen nicht ein leeres Schlagwort? Haben nicht doch die Menschen versagt?

SWATEK: Naja, die Menschen machen Politik.

Wenn wir in Schulen oder Altersheime sehen, da gehen ja Menschen hinein und nicht Politiker.

SWATEK: Ja, aber die Menschen konnten nicht hineingehen, weil die Politik gesagt hat, die Tore sind zu. Wir wissen, dass Vereinsamung ein Element ist, das dazu führen kann, dass die Menschen auch in den letzten Jahren den Willen verlieren, sich noch einmal aufzurichten.

Neben der Herausforderung Corona hat uns auch die Herausforderung Inflation getroffen. So eine Geldentwertung hat die jüngere Generation noch nie erlebt, viele Ältere aber schon wiederholt. Was fällt den Neos zu diesem wichtigen Thema ein?

SWATEK: Wir müssen schauen, dass den Menschen mehr Geld im Geldbörserl bleibt. Mit den steigenden Preisen steigen ja auch die Steuereinnahmen und wir müssen festhalten, dass Österreich trotz Coronakrise Rekordeinnahmen hatte. Wir sehen, dass 40 Prozent des Strompreises Steuern und Abgaben sind. Dieses Geld müssen wir den Menschen zurückgegeben, damit sie wieder Spielräume haben.

Wie schwer es ist, mit seinem Geld hauszuhalten, zeigt eine Studie der Neos, in der sich die jungen Menschen beklagen, sie könnten heutzutage keine Vermögen mehr aufbauen. Frühere Generationen haben in viel schlechteren Zeiten aber sehr wohl Vermögen geschaffen. Haben die Jüngeren heute vielleicht zu hohe Konsumausgaben?

SWATEK: Auf keinen Fall, darum geht es nicht. Das Problem gerade für die Jüngeren ist, dass die Löhne nicht adäquat steigen. Deshalb haben junge Menschen oft nicht den Spielraum, sich eine Wohnung oder ein Haus leisten zu können.

Sie sagen, die Löhne steigen nicht genug. Wer sollte denn für bessere Einkommen sorgen?

SWATEK: Naja, wir alle.

Wir alle, das ist zum Beispiel der Staat …

SWATEK: Der Staat ist nicht immer die Lösung, sondern oft das Problem. Wenn der Staat uns weniger belasten würde, weniger Lohnnebenkosten fordern würde, hätte die Wirtschaft mehr Spielräume und wir hätten weniger Arbeitslose. In der Coronakrise haben wir gesehen, dass wir den Staat fit machen müssen, damit wir als Gesellschaft vor Krisen besser geschützt sind.

 

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Beitrag veröffentlicht am 11.04.2022
© Neos Stmk
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Corona-Regeln ändern sich

Die neue Verordnung gilt ab Sonntag und bringt mehr Abstandsvorgaben und strengere NMS-Pflicht mit sich.

Der Mund-Nasen-Schutz muss künftig eng anliegen. Gesichtsschilde und Kinnvisiere sind nach einer zweiwöchigen Übergangsfrist mit 7. November 2020 verboten. Beim Betreten öffentlicher Orte in geschlossenen Räumen  – etwa eine unterirdische Passage – ist wie bei Indoor- und Outdoor-Veranstaltungen ein Mund-Nasen-Schutz vorgeschrieben. Er ist auch in U-Bahn-Stationen, auf Bahnsteigen, Haltestellen, Bahnhöfen und Flughäfen verpflichtend. Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen kann, muss das durch eine ärztliche Bestätigung nachweisen.

Der Abstand von einem Meter im öffentlichen Raum wird wieder als rechtsverbindlich verankert.  Ausnahmen: Personen, die in einem Haushalt leben, Gruppen bis höchstens sechs Personen plus maximal sechs Kinder bis 18 Jahre, Menschen mit Behinderungen und deren Begleitpersonen. Im Flugzeug sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln kann der Mindestabstand in Ausnahmefällen unterschritten werden. Daher ist hier der MNS verpflichtend.

Neu ist, dass nach der Sperrstunde alkoholische Getränke im Umkreis von 50 Metern um einen Gastronomiebetrieb nicht konsumiert werden dürfen. Das gilt auch für Tankstellenshops mit Gastronomielizenz sowie für Imbissstände.

Beim Betreten von Alten-, Pflege- und Behindertenwohnheimen besteht ab Sonntag auch für Bewohner in nicht zum Wohnbereich gehörenden Bereichen eine NMS-Verpflichtung. Ausgenommen sind jene, denen das aus gesundheitlichen Gründen nicht zugemutet werden kann. Bei allen Schutzmaßnahmen sollen Härtefälle vermieden werden.

Was Proben und Aufführungen von Chören und Musikkapellen betrifft, dürfen im Amateurbereich künftig nur noch sechs Personen indoor und zwölf Personen outdoor teilnehmen. Bei Begräbnissen wird die Teilnehmerzahl mit 100 limitiert.

Ab heute sind 21 Bezirke beziehungsweise Regionen in sieben Bundesländern neu auf Rot gestellt. Einzig Kärnten hat noch keinen roten Bezirk.

Beitrag veröffentlicht am 23. Oktober 2020
Bildquelle: Shutterstock