Pflege im Gespräch – Andreas Herz

Andreas Herz, MSc, ist Obmann der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung in der Wirtschafts­kammer Steiermark und des österreichweiten Fachverbands sowie Vizepräsident der WKO Steiermark.

Andreas Herz MSc., Vizepräsident der Wirtschaftskammer Steiermark, Obmann der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung.
Andreas Herz MSc., Vizepräsident der Wirtschaftskammer Steiermark, Obmann der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung.

Positives Überwiegt

Herr Fachgruppenobmann, die 24-Stunden-Betreuung gerät auch im­mer wieder in die Kritik. Wie bewerten Sie diesen Umstand?

Andreas Herz, MSc: Wie überall gibt es sicher auch in diesem Bereich einzelne schwarze Schafe und Graubereiche. Doch die Tatsache, dass viele Tausend Österreicherinnen und Österreicher quer durchs Land tagtäglich mit viel Sachverstand und Einfühlungsvermögen rund um die Uhr betreut werden und sich gemeinsam mit ihren Angehörigen auf ihre Betreuungspersonen verlassen können, stellt dieser Form der Betreuung ein hervorragendes Zeugnis aus. Jeder und jede kennt doch auch diese positiven Erzählungen aus dem Bekannten- oder Verwandtenkreis. Da entstehen echte menschliche Bindungen. Also: Insgesamt ist die Betreuung durch selbstständige Betreuungspersonen und deren Vermittlung durch Agenturen als eine über Jahrzehnte gewachsene, bewährte und auf lange Sicht unverzichtbare Säule der Betreuung vorwiegend alter Menschen ein absolutes Erfolgsmodell. Sie bietet beiden Seiten unbestritten enormen Mehrwert: den Betreuten und ihren Angehörigen die Sicherheit einer verlässlichen und leistbaren Betreuung in den eigenen vier Wänden – das ist alternativlos.

Am Foto ist die betreute Person und ihre Betreuerin zu sehen. Die Betreute trinkt aus einer Tasse.
Die Top-3.Herkunftsländer der Personenbetreuer sind Rumänien, Kroatien und Slowakei. © New Africa / Shutterstock.com

Die Aussichten

Wird dieses System auch in Zukunft Bestand haben?

Herz: Die Nachfrage nach dieser Form der Betreuung wird angesichts der demografischen Gegebenheiten weiter massiv steigen. Träumereien, Betreuungspersonen zum Beispiel irgendwann einmal durch Betreuungsroboter ersetzen zu können, entbehren jeglicher Realität und lassen auch Menschlichkeit und Empathie vermissen. Als Gesellschaft tun wir gut daran, dieses System zu stärken und weiter zukunftsfit zu machen. Dabei gilt es, beide Seiten – Qualität und Leistbarkeit auf der einen, Attraktivität und Fairness auf der anderen – im Auge zu behalten. Dafür sind auch die entsprechenden politischen und gesellschaftlichen Initiativen zu ergreifen bis hin zu angemessenen Förderungen und deren kontinuierlicher Anpassung. Denen, die in der 24-Stunden-Betreuung empathisch und verlässlich ihrer Tätigkeit nachgehen, gebührt darüber hinaus Anerkennung und Wertschätzung.

Am Foto ist die Betreuerin mit der Betreuten in der 24-Stunden-Pflege zu sehen.
2024 sorgten 211 aktiv gewerbeberechtigte Agenturen für die Vermittlung. © New Africa / Shutterstock.com

Betreuung im Gespräch

Mehr als 11.500 selbstständige Betreuungspersonen sind (Stand Ende 2024) in der Steiermark mit aktiver Gewerbeberechtigung tätig. Die Top-3-Herkunftsländer: Rumänien, Kroatien, Slowakei. 211 aktiv gewerbeberechtigte Agenturen sorgten für die Vermittlung. Zwischen Betreuten und Betreuenden wird ein Betreuungsvertrag geschlossen. Für Abgaben zur Sozialversicherung und Steuerleistungen sind Selbstständige selbst verantwortlich.

Mit ÖQZ24 wurde ein österreichisches Qualitätszertifikat für Vermittlungsagenturen in der 24-Stunden-Betreuung geschaffen, für das sich Agen-turen auf Wunsch freiwillig zertifizieren lassen können. Seit 2024 wird auf Initiative des Fachverbands für Personenberatung und Personenbetreuung jährlich der „Daheim betreut Award“ verliehen. Nach einem Voting werden im Rahmen einer festlichen Veranstaltung stellvertretend 18 selbstständige Betreuungspersonen (2 pro Bundesland) ausgezeichnet. Damit soll auch ein öffentliches Signal der Wertschätzung für diese bedeutende Tätigkeit gesetzt werden.

 

Weiter Informationen zur 24-Stunden-Betreuung:

www.daheimbetreut.at

Hier finden Sie alle steirischen Vermittlungsagenturen, Stand März 2025:

Steirische Agenturen

 

Entgeltliche Einschaltung

Foto: © New Africa / Shutterstock.com; beigelstellt

Medizin im Wandel – PatientInnenportal

Im April 2025 fand in Wien der erste Kongress des PatientInnenportals „Medizin im Wandel- von Prävention bis KI“ statt. An diesem Tag widmete man sich intensiv den Fortschritten und den aktuellen medizinischen Herausforderungen. Das Themenspektrum reichte von genetisch bedingtem Krebs, künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen bis hin zur Ernährung bei Prädiabetes.

Am Foto ist Fr. Dr. Andrea Kdolsky bei ihrem Vortrag "Chronischer Schmerz" zu sehen.
Fr. Dr. Andrea Kdolsky bei ihrem Vortrag „Chronischer Schmerz“. © Daniela Busic, Patientinnenportal

Die Kongressbesucher:innen konnten ganztägig kostenlos die Vorträge der hochkarätigen Expert:innen wie Univ. Prof. Dr. Christian Singer, Dr.in Andrea Kdolsky und Ao. Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna besuchen und sich umfassend informieren. Auch eine Online – Teilnahme war möglich.

Am Foto sind Fr. Mona Elzayat und Fr. Prim. Priv.-Doz. Dr. Robab Breyer-Kohansal zu sehen.
Die Obfrau der Plattform PatientInnenportal zusammen mit Fr. Prim. Priv.-Doz. Dr. Robab Breyer-Kohansal. © Daniela Busic, Patientinnenportal

Damit die umfassenden Informationen dieses Tages nicht verloren gehen, wurden die Expert:innen-Vorträge auch als Videos aufgenommen.

Hier gelangen Sie zu den Einzelvideos

 

Weitere Informationen:

www.patientinnenportal.at

https://www.youtube.com/@monaelzayat/videos

Podcast-Interviews: https://open.spotify.com/show/47mbpvXz6RWCIfS8C2jzIW

 

Text: Vera Kowatschitsch

Foto: © Matej Kastelic / Shutterstock.com; Daniela Busic, Patientenportal

fit2invest – stärkt Finanzwissen

„fit2invest“ ist ein Spiel, welches das Finanzwesen stärkt, entwickelt von der Universität Graz und der Raiffeisen-Landesbank Steiermark AG. Es ist ein Finanzsimulator im Bereich der Wertpapierveranlagung. Der Nutzer hat die Möglichkeit vier verschiedene Anlagestrategien kennenzulernen. Im Simulator ist Alex eingebettet, sie gibt den Spielern Tipps und wichtiges Feedback welches es den Benutzern ermöglicht sich weiterzuentwickeln.

Wie funktioniert fit2invest?

Gleich am Spielstart wählt man aus, wie viele Jahre man an der Börse erleben möchte Zu­sätzlich gibt man einen Betrag ein und wählt eine von vier breit gestreuten Anlagestrategien aus.  Danach reist man zu einem zufälligen Zeit­punkt in der Vergangenheit und kann Anlage­entscheidungen treffen. 

Am Foto ist der Avatar Alex zu sehen. Alex führt durch das Spiel fit2invest.
Alex unterstützt den Spieler bei der Bedienung von „fit2invest“. © Raiffeisen-Landesbank Steiermark AG

Echte Daten

Das Spiel verwendet echte historische Markt­­­­daten für Aktien, Anleihen und Spar­buchveranlagungen von 1972 bis heute. Der Clou dabei ist: In welchem historischen Zeitraum man agiert, wird erst am Ende ent­hüllt. Die Unsicherheit der Märkte, die für viele der Grund dafür ist, ihr Geld nicht zu in­vestieren, ist damit ein zentraler Bestand­­teil der Simulation.

Während des Spiels werden immer wieder Schlagzeilen aus der damaligen Zeit angezeigt. Die Auswirkungen der Marktentwicklung und der Sparzinsen auf das virtuelle Vermögen werden laufend angezeigt. Die Geschwindigkeit, mit der man durch die Zeit reist, kann individuell eingestellt werden, sodass ein Spiel zwischen 2 und 4 Minuten dauert. 

Kostenlose Nutzung

Am Ende des Spiels erhält man eine wissen­schaftlich fundierte Spielanalyse und ein Feed­back. Es soll den Nutzer:innen dabei helfen, die emotionale Schwelle beim Einstieg in den realen Markt zu senken. Im kostenlosen Trainingsbereich erhält man einen ausführlichen individuellen Spielreport und kann interaktive Trainingsmodule nutzen um sein Finanzwissen zu erweitern. „fit2invest“ ist keine App die heruntergeladen werden muss, sondern eine Website die zur Verfügung steht.

Weitere Informationen unter https://fit2invest.at

 

Entgeltliche Einschaltung

Foto: © Prostock-studio / Shutterstock.com; Raiffeisen-Landesbank Steiermark AG

Jungbrunnen Wandern – Bergfuchs Graz

Das Wandern ist des Müllers Lust – lediglich ein Kinderlied oder ein Lebensgefühl, das Glück und Freiheitsgefühl verspricht? Was sollte man im Rucksack auf alle Fälle dabeihaben und was macht den Unterschied? Herr Sepp Steiner, Geschäftsführer von Bergfuchs Graz, stellt sich dazu den Fragen von Abenteuer Alter.

Am Foto ist Sepp Steiner, Geschäftsführer der Filiale Bergfuchs Graz zu sehen.
Sepp Steiner, Geschäftsführer von Bergfuchs Graz bei einer seiner zahlreichen Wanderungen. © Bergfuchs

Der Beginn

Herr Steiner, die Firma Bergfuchs gibt es bereits seit Jahrzehnten. Wie begann diese Wandergeschichte? 

Sepp Steiner: Die Firma Bergfuchs wurde 1983 wurde von ambitionierten Bergsteigern und Wanderern in der Region Wien gegründet. Ich selbst habe das Geschäft 1996 in Graz eröffnet. Mittlerweile beschäftige ich rund 35 Mitarbeiter.

Was halten Sie davon, wenn Sie in den Zeitungen lesen, dass es immer wieder vorkommt, dass Wanderer von der Bergrettung gerettet werden mussten, weil diese nur mit Flip-Flops unterwegs waren? 

Steiner: Es ist für mich vollkommen unverständlich, wie solche Situationen entstehen können. Eine Bergtour beginnt nicht, wenn ich aus dem Auto aussteige. Die Basis einer jeden Tour sollte die Planung sein.

Was gehört Ihrer Meinung nach zu einer guten Planung dazu?

Steiner: Ortskenntnis, Kartenmaterial oder auch moderne GPS-Daten oder Apps wie Bergfex wirken unterstützend. Bei der Planung sollte man eine Wanderung auswählen, welche der eigenen Fitness entspricht, damit hier nicht die Flugrettung zum Einsatz kommt. Sobald hier die Tour feststeht, ist die Ausrüstung an die Tour anzupassen.

Die Basis

Sie haben den Punkt der Ausrüstung angesprochen. Welche Ausrüstungsgegenstände stellen denn für Sie die Basis einer guten Wanderausrüstung dar? 

Steiner: Das sind gut passende Bergschuhe, Wanderbekleidung inklusive Wechselwäsche und ein gut bestückter Rucksack.

Es gibt unzählige Wan­der­schuhmodelle im Handel. Worauf ist hier beim Kauf zu achten? 

Steiner: Der Wanderschuh sollte immer nach dem Verwendungszweck ausgesucht werden. International wird in den Klassen A, B, C und D differenziert. A ist der klassische Wanderschuh, B ist bereits ein besserer kompakterer Wanderschuh, C ist der kompakte Wanderschuh, welcher bedingt steigeisenfest ist. In der Klasse D befinden sich bereits die steigeisenfesten Bergschuhe für den hochalpinen Bereich. 

Welche Schuhklasse ist Ihrer Meinung nach die passende für den durchschnittlichen Wanderer? 

Steiner: Wenn ich das Wandern auch herausfordernder gestalten möchte und ansatzweise in den Bereich der Schnee- und Eisberührung vordringen will, bin ich mit der Klasse C für den alpinen Bereich gut beraten. Dieser Schuh ist in der Biegelinie steif genug, um ein Steigeisen anbringen zu können. Hier muss mir allerdings klar sein, dass dadurch die Sohle weniger gedämpft ist. Für Wanderungen auf Forstwegen und über Wiesen sollte man sich einen zweiten Wanderschuh der Klasse B zulegen, um für die Gelenke die notwendige Dämpfung im Sohlenbereich zu gewährleisten. 

Was ist der nächste Schritt beim Schuhkauf? 

Steiner: Es ist wichtig, den Fuß zu vermessen, damit der passende Schuh gefunden werden kann. Wir bieten eine kostenlose umfangreiche elektronische Fußanalyse an. 

Am Foto ist ein Teil des Sortimentes der Filiale Graz zu sehen.
In der Rebengasse 1 in Graz befindet sich die Schuh- und Rucksackwelt von Bergfuchs Graz. © Bergfuchs

Alles dabei

Wenn man die passenden Wanderschuhe gefunden hat, ist sicherlich der Rucksack das am weitesten verbreitete Wanderutensil. Gibt es hier Besonderheiten? 

Steiner: Ja, hier ist es wichtig, dass alles, was ich für die Tour brauche, auch im Rucksack Platz findet. Frauen sollten einen Damenrucksack und Herren grundsätzlich einen Herrenrucksack wählen. Wobei auch Männer mit einer Größe von 1,60 m gut mit einem Damenrucksack beraten sein können.

Worin liegt der Unterschied zwischen einem Damen- und einem Herrenrucksack? 

Steiner: Die Rückenteile sind bei den Damenrucksäcken wesentlich verkürzt und die Beckengurte sind anders konzipiert. Ebenso sind die Trageriemen kürzer und ermöglichen eine passgenaue Einstellung der Riemenlänge. 

Was sind Ihre persönlichen Rucksack-Must-Haves bei kleineren Wanderungen wie zum Beispiel auf den Schöckel? 

Steiner: Ein Mobiltelefon sollte bei jeder Wanderung dabei sein, um im Ernstfall die Bergrettung unter 140 erreichen zu können. Reservewäsche zum Wechseln, hier zumindest ein T-Shirt. Wärmende Bekleidung wie Fleece- oder Funktionsjacken, Haube und Handschuhe, Wind- und Regenschutz, ein Erste-Hilfe-Bag zur Versorgung kleinerer und größerer Verletzungen inklusive Blasenpflaster, gefüllte Trinkblase oder Flasche, etwas zum Essen. Hier wäre das Schuhwerk A und B passend.

Hautnah

Was macht für Sie gute Wanderbekleidung aus? 

Steiner: Funktionswäsche sollte gut passen, weder zu weit noch zu eng sein. Die Wäsche sollte atmungsaktiv und hydrophob – schnell trocknend – sein. Weiters sollte sie vor der Sonnenstrahlung und den schädlichen UV-Strahlen, ab Kategorie 30 aufwärts, schützen, ohne die Atmungsaktivität zu verlieren, ansonsten droht ein Hitzestau.

Wie geht man nach dem Gebrauch richtig mit dem Equipment um? Kann ich durch bestimmte Verhaltensweisen die Lebensdauer meiner Ausrüstung positiv beeinflussen? 

Steiner: Ja, vor allem, was Gore-tex-Produkte angeht. Nur regelmäßiges Waschen mit einem Funktionswaschmittel garantiert Langlebigkeit und Freude am Produkt. Eine Nachimprägnierung nach der Wäsche ist erforderlich. Beim Kauf eines entsprechenden Produkts bekommt man bei Bergfuchs gleich eine kostenlose Pflegeanleitung dazu.

Was halten Sie von Wanderstöcken? 

Steiner: Es gibt Studien, welche besagen, dass bei einer Tagestour eine Entlastung bis zu 40 Tonnen durch den richtigen Einsatz mit Wanderstöcken erreicht werden können. Es gibt zwei große Vorteile, wenn man gezielt mit Stöcken am Berg unterwegs ist. Beim Bergaufgehen kann man zusätzlich mit den Stöcken anschieben. Beim Bergabgehen kann ich gezielt die Gelenke wie Knie, Hüfte etc. entlasten. Hier gibt es bereits sehr gute dreiteilige Faltstöcke, welche größenangepasst werden können und in jedem Rucksack Platz finden. 

Herzlichen Dank für das Interview.

Weitere Informationen:

Onlineshop: www.bergfuchs.at

Bergfuchs Graz, Basislager, Hans-Resel-Gasse 7, 8020 Graz, +43 316 763300, graz@bergfuchs.at, Mo.-Fr. 09:00-18:00 Uhr und Sa. 09:00-13:00 Uhr

Bergfuchs Graz, Schuh- und Rucksackwelt, Rebengasse 1, 8020 Graz, +43 316 763300, graz@bergfuchs.at, Mo.-Fr. 09:00-18:00 Uhr und Sa. 09:00-13:00 Uhr

Bergfuchs Wien, Kaiserstraße 15, 1070 Wien, +43 1 5239698, wien@bergfuchs.at, Mo.-Fr. 09:00-18:00 Uhr und Sa. 09:00-17:00 Uhr

 

Entgeltliche Einschaltung

Text: Vera Kowatschitsch

Foto: © Bergfuchs

 

Krankenhausentlassung – Alles dabei?

Vor der Entlassung aus dem Krankenhaus können für Patient:innen und Angehörige viele Fragen und Probleme auftreten. Eine gut vorbereitete Entlassung (z. B. nach einem Schlaganfall, Herzinfarkt oder Sturz) erleichtert für alle Betroffenen den Übergang vom Krankenhaus in den häuslichen Bereich.

  1. Fragen Sie nach dem Entlassungstermin.
  2. Erkundigen Sie sich nach Koordinationsstellen, die Sie bei der weiteren Organisation unterstützen können.
  3. Holen Sie sich Informationen und Beratung von der Pflegedrehscheibe.
  4. Nehmen Sie Kontakt mit der Versorgungskoordination Ihrer Krankenversicherung auf.
  5. Diese unterstützen und informieren umfassend (z. B. zu Verordnungen, Heilbehelfe etc.).
  6. Informieren Sie Ihre/n Hausärztin/-arzt über die bevorstehende Entlassung.
  7. Überlegen Sie, ob die häusliche Pflege direkt nach der Entlassung ausreichend ist bzw. klären Sie die Möglichkeit einer Kurzzeitpflege ab.
  8. Klären Sie, ob die Möglichkeit einer Rehabilitationseinrichtung oder einer Akutgeriatrie/Remobilisation besteht. 
  9. Klären Sie, bei welchen alltäglichen Dingen Sie Unterstützung benötigen und kontaktieren Sie den Unterstützungsdienst.
  10. Organisieren Sie ggf. andere  Unterstützungsdienste (z. B. Palliativteam, Hospiz etc.).
  11. Klären Sie offene Fragen (z. B. Ernährung/Diät, Bewegung) im Krankenhaus.
  12. Organisieren Sie die erforderlichen Hilfsmittel (z. B. Betteinlagen, Gehhilfen etc.).
  13. Veranlassen Sie entsprechende Wohnungsadaptierungen (z. B. Haltegriffe, Teppichfixierung).
  14. Suchen Sie um finanzielle Unterstützungsleistungen an (z. B. Erstantragstellung bzw. Neueinstufung für Pflegegeld, Rezeptgebührenbefreiung).
  15. Klären Sie alle Fragen zur Weiterbehandlung, (z. B. Medikamentengaben, notwendige Rezepte, Pflegeprodukte).
  16. Stellen Sie sicher, dass Sie einen Entlassungsbrief für Ihre/n Hausärztin/-arzt erhalten.
  17. Bei einer Entlassung vergewissern Sie sich, dass Ihnen die notwendige ärztliche Anordnung für die rezeptpflichtigen Medikamente oder Anordnungen für die Hauskrankenpflege mitgegeben werden.
  18. Organisieren Sie die Abholung aus dem Krankenhaus.
  19. Suchen Sie als pflegende:r Angehörige:r bei Berufstätigkeit beim Arbeitgeber um eine Pflegefreistellung an.
  20. Als pflegende:r Angehörige:r können Sie für einen befristeten Zeitraum Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit mit Ihrem Arbeitgeber schriftlich vereinbaren.

 

Foto: © David Gyung / Shutterstock.com; YAKOBCHUK VIACHESLAV / Shutterstock.com; 

Mehr Lohn in der Pension – Anreize

Erst jüngst machten im benachbarten Deutschland die ­­Ergebnisse einer großen Studie Schlagzeilen. Das Institut der deutschen Wirtschaft konnte mit Zahlen und Fakten belegen, dass Menschen, die im Alter erwerbstätig sind, mit ihrem Leben deutlich zufriedener sind als andere. Was zweifellos auch in Österreich der Fall ist. In der Generation der 66- bis 70-Jährigen – man bezeichnet sie bisweilen als „Silver Worker“ – arbeitet man offensichtlich gerne über die Regelaltersgrenze hinaus. Hier werden vor allem zwei Gründe dafür genannt.

Es geht vielen um die Möglichkeit zum sozialen Austausch mit Kolleginnen wie auch Kollegen. Die jeweilige Tätigkeiten als sinnstiftend zu schätzt ist ebenso ein Anreiz. Beides würde, wie es im Zusammenhang mit den Studienergebnissen heißt, das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl der „Silver Worker“ stärken. Und es zeigt sich, wie die Studienautoren bemerken, dass finanzielle und wirtschaftliche Gründe bei der Weiterarbeit über das gesetzliche Pensionsantrittsalter hinaus eine deutlich geringere Bedeutung haben als Spaß an der Arbeit und soziale Kontakte.

Am Foto ist Ernest Schwindsackl zu sehen.
Ernest Schwindsackl, Obmann des Steirischen Seniorenbundes und Mitglied des Bundesrates. © Christian Geogescu

Neue Impulse

Für den Obmann des Steirischen Seniorenbundes sind diese Ergebnisse ein Beleg dafür, dass das Weiterarbeit über die Regelaltersgrenze hinaus neue Impulse braucht. Schwindsackl verweist zunächst auf erste gesetzliche Änderungen auf Bundesebene aus dem Vorjahr. Diese sind nicht zuletzt auf Initiative des Seniorenbundes zustande gekommen. Bis zur Grenze von 1.040 Euro monatlichem Erwerbseinkommen müssen seither keine Pensionsversicherungs­­beiträge mehr geleistet werden. Es bleiben weiterarbeitenden Pensionistinnen und Pensionisten auf diese Weise bis zu rund 100 Euro brutto mehr im Monat.

Schwindsackl sieht das als ersten Schritt und fordert unbedingt noch weitere. „Wir brauchen größere und attraktivere Anreize für Menschen, die über das gesetzliche Pensionsantrittsalter hinaus arbeiten wollen. Das Arbeiten in der Pension muss sich im Sinne der Betroffenen und auch der Gesellschaft wirklich lohnen“!  Das ergäbe, so der Seniorenbundobmann, auch einen Win-Win-Effekt. „Wenn Menschen über das gesetzliche Pensionsantrittsalter hinaus arbeiten wollen, entsteht daraus einerseits eine sehr konkrete Antwort auf das Thema Fachkräftemangel und es stärkt andererseits unser Pensionssystem, indem es für Enkelfitness sorgt.“

Am Foto sieht man einen betagten Tischler bei der Arbeit.
Der soziale Austausch und eine sinnstiftende Tätigkeit sind Gründe wieso Pensionisten gerne weiterarbeiten. © Dmytro Zinkevych / Shutterstock.com

Abschaffung von Beiträgen

Der Obmann des Steirischen Seni­orenbundes will dazu beitragen, dass möglichst rasch in dieser Thematik konkrete und nachhaltige Schritte gesetzt werden. Er hat dazu eine klare Botschaft: „Ich fordere die Abschaffung der Pensions- und Sozialversicherungsbeiträge für erwerbstätige Pensionisten“! Nachsatz: „Ich betrachte das nicht nur als absolut zeitgemäß, sondern auch als einen Akt der Fairness. Wer sein ganzes Arbeitsleben lang Pensions- und Sozialversicherungsbeiträge geleistet und damit Anspruch auf die entsprechenden Leistungen hat, sollte nicht plötzlich noch einmal zur Kasse gebeten werden. Das widerspricht meiner Meinung nach dem bewährten Prinzip und dem Sinn einer Versicherung.“

Ernest Schwindsackl tritt auch dafür ein, in Österreich in nächster Zeit viel mehr zu tun, um wichtige Erkenntnisse zu den Zusammenhängen zwischen Arbeit, Alter, Gesundheit und Wohlbefinden zu gewinnen. Er nennt ein wichtiges Beispiel in diesem Zusammenhang: „Wir kennen zahlreiche Studien, die darauf schließen lassen, dass es für Menschen gesünder ist, im Alter weiterzuarbeiten. Es gibt dazu allerdings eine wichtige Frage, die einer genauen Klärung bedarf: Bleiben ältere Leute länger fit, weil sie über das gesetzliche Pensionsantrittsalter hinaus beruflich tätig sind? Oder arbeiten sie vielleicht deshalb länger, weil sie noch fit sind und sich gut fühlen? Ich gehe davon aus, dass beides der Fall sein wird. Aber was hat die größere Bedeutung?“

Für Schwindsackl steht außer Zweifel, dass ältere Menschen heute gesünder sind als frühere Generationen. Mehrere Untersuchungen dokumentieren in letzter Zeit, dass 70-Jährige heutzutage so fit sind wie 60-Jährige vor ein bis zwei Jahrzehnten. Nach Ansicht von Fachleuten, sagt der Seniorenbundobmann, deutet manches darauf hin, dass für viele Menschen das Alter von 70 heute das neue 60 ist. Und auch das sei ein klares Indiz dafür, „dass wir neue, attraktive Rahmenbedingungen für die freiwillige Weiterarbeit über die gesetzliche Pensionsgrenze hinaus schaffen müssen. Und zwar so rasch wie möglich!“

Fotos: © Dmytro Zinkevych / Shutterstock.com; PeopleImages.com – Yuri A / Shutterstock.com; Christian Geogescu / Shutterstock.com

Steirischer Seniorenring

 

Am Foto ist der Landesobmann des steirischen Seniorenrings, Erich Hafner zu sehen.
Erich Hafner, Landesobmann des steirischen Seniorenrings.

 

Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Senioren!

Ich möchte euch den Steirischen Seniorenring (STSR) etwas näherbringen und mich vorerst einmal vorstellen. Seit 2019 bin ich, Erich Hafner, aktiv im STSR in den verschiedensten Positionen tätig. Derzeit habe ich die wertvolle Aufgabe, die Mitglieder als Landesobmann zu vertreten. Zusätzlich bin ich noch als Bundesobmann-Stellvertreter des ÖSR, Mitglied des Steirischen Seniorenbeirates im Landtag und Präsidiumsmitglied des Österreichischen Seniorenrates im Parlament tätig. 

Zusammen mit meinem engerem Team Hannelore Huber, Michael Rath, Gottfried Sperl und Eva Hechtner bin ich für die Anliegen der Senior:innen in der Steiermark da. Gemeinsame Ausflüge, Stammtische, kulturelle Besuche und vieles mehr organisiert der STSR für unsere Mitglieder regelmäßig, um ein gesellschaftliches Miteinander zu ermöglichen. 

Ein herzliches und aufrichtiges Dankeschön an mein Team und alle Funktionäre der Bezirksgruppen des STSR und an unsere Bezirkssekretäre, welche einen wesentlichen Anteil an der funktionierenden Arbeit für unsere Vorfeldorganisation mittragen. 

Ganz nach dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ freue ich mich, Sie als neues Mitglied oder als Funktionär zu begrüßen. Die Beitrittserklärungen liegen in den Bezirksbüros oder im Landesbüro auf und können digital heruntergeladen oder postalisch übersendet werden. Der Jahresmitgliedsbeitrag ist bereits mit € 15/Person beglichen. Eine Mitgliedschaft bei der FPÖ ist nicht zwingend notwendig, aber erfreulich. 

Am Foto sind die Kontaktdaten des steirischen Seniorenrings zu sehen.
Für Auskünfte und Fragen steht Landesobmann Erich Hafner gerne zur Verfügung.

Ich freue mich auf entsprechendes Interesse!
Euer Erich Hafner 

 

Fotos: beigestellt

Entgeltliche Einschaltung

Romantische Komödie – Silk Stockings

Das Broadway-Musical, Silk Stockings, aus den 1955ern von Cole Porter, ladet nach Paris in die Vorkriegszeit ein. Es erzählt die Geschichte zweier Liebender, unterschiedlicher Nationen und gesellschaftlichen Prägungen. Die romantische Musical-Komödie besticht durch abwechslungsreiche Handlungen und tolle Showmomente.

Inszeniert wurde das Musical von Max Hopp. Die Choreografie stammt von Martina Borroni. Gekonnt setzen die Schauspieler die romantischen Gepflogenheiten der Epoche um und spielen mit den Kräften von Anziehung und Distanz. Bereits im nächsten Moment werden die Zuseher mit einem starken Dialog weiter in die Geschichte der beiden Liebenden Nina und Steve geführt. Das stetig wechselnde Bühnenbild unterstreicht die Dynamik des Stückes gekonnt.

Am Foto sind Natalia Weiß und Michael Rotschopf zu sehen.
Michael Rotschopf, als Steve Canfiel und Natalia Mateo als Nina Yaschenko, als junges Liebespaar in Paris.

Die Ergänzung des Originales aus 1955 mit weiteren Stücken von Cole Porter führt zu einer schlüssigen musikalischen Reise. Die gesanglichen Darbietungen ergänzen sich oft in Harmonie mit den Grazer Philharmonikern und führen zu einer Symbiose, welche man gerne annimmt. Michael Rotschopf, welcher den smarten Steve Canfield spielt, überzeugte nicht nur schauspielerisch. Vor allem die Weichheit aber auch die Stärke seiner Stimme verleiht den musikalischen Elementen den notwendigen Facettenreichtum, um ein zufriedenes Lächeln in das Gesicht der Besucher zu zaubern.

Am Bild ist das Grazer Ballett und ein Teil der Schauspieler zu sehen.
Christian Scherler, Falk Witzurke und Markus Murke zusammen mit dem Ballett und dem Chor der Oper Graz.

Silk Stockings ist ein gekonnt inszeniertes Musical der Oper Graz welches mit dem Ballett Graz, dem Grazer Chor und den Grazer Philharmonikern unter Top-Besetzung wie Nina Weiß und Michael Rotschopf gerne über die kleineren Fehler der Tontechnik hinwegsehen lässt.

Weitere Vorstellungen im Opernhaus Graz

  1. April und 15. Mai 2025 19:30 – 22:15 Uhr
  2. Mai 2025 17:30 – 20:15 Uhr (letzte Vorstellung)

 

Text und Kritik: Vera Kowatschitsch

Foto: © Werner Kmetitsch

Hilfswerk Steiermark – Mobile Pflegedienste

Das Hilfswerk Steiermark bietet mit seinen mobilen Pflege- und Betreuungsdiensten eine wichtige Stütze für Menschen, die in den eigenen vier Wänden auf Hilfe angewiesen sind. Ziel ist es, den Betroffenen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und gleichzeitig Angehörige zu entlasten. Von der Hauskrankenpflege über Alltagsbegleitung bis hin zur palliativen Betreuung deckt das Hilfswerk eine breite Palette an Dienstleistungen ab, die individuell auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abgestimmt sind.

Pflege zu Hause

Die Hauskrankenpflege ermöglicht eine professionelle pflegerische Versorgung direkt in den eigenen vier Wänden. Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen und Pflegeassistent:innen übernehmen unter anderem Verbandswechsel, Injektionen, Medikamentenverabreich­ung und körperliche Pflege.

Am Foto sind ein männlicher Pfleger und eine weibliche Pflegerin mit Pflegetasche und Auto zu sehen.
Die mobilen Dienste des Hilfswerk Steiermark ermöglichen ein weitgehend selbstbestimmtes Leben und entlasten Angehörige. © Hilfswerk

Unterstützung im Alltag

Wer Hilfe im Haushalt benötigt, kann auf die Heimhilfe und Alltagsbegleitung des Hilfswerks zurückgreifen. Diese umfassen Tätigkeiten wie Einkäufe, Essenszubereitung, Reinigungsarbeiten oder gemein­same Spaziergänge und die Förderung sozialer Kontakte.

Pflegeberatung für Angehörige

Viele Angehörige stehen vor der Herausforderung, die Pflege eines Familienmitglieds zu organisieren. Hier bietet das Hilfswerk kostenlose Pflegeberatungen an, die über Pflegegeld, mobile Dienste und weitere Unterstützungsmöglichkeiten informieren.

Spezialisierte Betreuung für Kinder

Mit dem Mobilen Kinderkrankenpflegedienst (MoKidi) erhalten Familien mit schwer oder chronisch erkrankten Kindern professionelle Unterstützung. Speziell geschulte Pflegekräfte kümmern sich um die pflegerische und medizinische Versorgung der jungen Patientinnen und Patienten im häuslichen Umfeld. Zusätzlich hilft der Familienentlastungsdienst, Eltern von Kindern mit besonderen Bedürfnissen zu unterstützen.

Palliativbetreuung für schwerkranke Menschen

In Kooperation mit der KAGes bietet das Hilfswerk mobile Palliativbetreuung an. Dabei stehen die Linderung von Beschwerden sowie die Begleitung in der letzten Lebensphase im Fokus – in einer vertrauten Umgebung und mit professioneller Unterstützung.

 

Kontakt und weitere Informationen:

0316 / 31 81 31

www.hilfswerk.at/steiermark

office@hilfswerk-steiermark.at

 

Entgeltliche Einschaltung

Foto: © Hilfswerk, Ground Picture / Shutterstock.com

Dr. Matthias Riedl – Diabetes Heilen

Das Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken, steigt mit dem Alter deutlich. Eine Änderung ungesunder Lebensgewohnheiten kann nicht nur einer Erkrankung vorbeugen, sondern in rund 80 Prozent eine Heilung ermöglichen, betont Ernährungsmediziner Matthias Riedl. 

Am Bild ist Dr. Matthias Riedl, Ernährungs-Doc zu sehen.
Dr. Matthias Riedl, Facharzt und Ernährungs-Doc im TV, klärt im Interview mit „Abenteuer Alter“ über Diabetes 2 und die Ernährung auf. © Andreas Sibler

In Österreich leben rund 800.000 Menschen mit Diabetes, damit leidet jeder oder jede Zehnte daran. Zumindest ein Drittel der Betroffenen weiß allerdings nichts davon. Die Statistik führt die Dimension vor Augen: Alle 50 Minuten stirbt laut der Österreichischen Diabetes Gesellschaft ein Mensch an den Folgen von Diabetes. Das sind 10.000 Menschen im Jahr – und damit sind es jährlich mehr Todesfälle als durch Darm- oder Brustkrebs. Auch im Straßenverkehr versterben wesentlich weniger Personen.  

Am Foto sind Linsen, Erbsen, Bohnen und diverse weitere Saaten zu sehen.
Gemüse und Hülsenfrüchte liefern wichtige Inhaltsstoffe und sind hervorragende Waffen gegen den Diabetes. © nadianb / Shutterstock.com

Rund 90 Prozent aller Erkrankten leiden an Typ 2 Diabetes. Vor allem in der Altersgruppe über 65 Jahre steigt das Risiko dafür deutlich. Eine frühe Diagnose ist deswegen so wichtig, weil Diabetes Typ 2 über lange Zeit keine Symptome macht. Die Krankheit führt aber zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlag­anfall, Nierenversagen, Erblindung oder Nervenschädigungen. Das Erkrankungsrisiko wirkt zudem über Generationen. Die genetische Belastung, erklärt Ernährungsmediziner Matthias Riedl, ist global gesehen in Regionen mit Mangelernährung am größten. „War die Mutter in der Schwangerschaft einem Mangel ausgesetzt, so tut sich aber auch ein sogenanntes epigenetisches Risiko auf.“ 

Eine umso gewichtigere Rolle kommt der Prävention zu – gerade durch einen gesunden Lebensstil kann man Diabetes Typ 2 aktiv vorbeugen. Der westliche Ernährungsstil mit dem Konsum von einem hohen Maß an Zucker, wenig Gemüse und vielen hochverarbeiteten Produkten in Kombination mit einem Mangel an Bewegung wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus, gibt Riedl zu bedenken. Dabei gelte es vor allem an diesem Punkt anzusetzen, um einer Erkrankung entgegenzuwirken, sie zu lindern oder überhaupt zu heilen.

Alleskönner Gemüse

Die Diagnose bedeutet zunächst einen emotionalen Ausnahmezustand. „Diabetes Typ 2 ist aber in rund 80 Prozent der Fälle heilbar.  In erster Linie durch die richtige Ernährung, in zweiter Linie durch regelmäßige Bewegung, Sport und Muskelaufbau. Je früher wir es erkennen, desto besser sind die Chancen“, betont der Mediziner. Als einen der wesentlichen Hebel in der Ernährung führt er den Gemüsekonsum an. „Von einer diabeteshemmenden Wirkung wissen wir insbesondere bei Hülsenfrüchten. Dieser Effekt wird durch einen viel zu geringen Gemüseanteil auf unserem Speiseplan allerdings nicht ausgeschöpft.“ Dahingegen sind unsere täglichen Menüs häufig reich an Kohlenhydraten und tierischen Fetten. Fertigprodukte liefern dem Körper zudem nicht das, was er braucht – sie sind nahezu frei von Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffen, die so wichtig für die Darmflora sind. 

Die Folgen: Fruktose begünstigt Fettablagerungen in der Leber, sogenanntes Viszeralfett legt sich im Bauch um innere Organe. Es schädigt Blutgefäße und wirkt sich ungünstig auf den Blutzuckerspiegel aus. Pflanzliche und ballaststoffreiche Lebensmittel, auch Vollkornprodukte, können die Darmflora und den Blutzuckerspiegel dagegen stabilisieren. Eine Grundregel der von Dr. Riedl propagierten „artgerechten“ Ernährung lautet: Der halbe Teller muss voller Gemüse sein.

Am Foto ist Dr. Matthias Riedl zu sehen.
Von der Vorstufe der Diabetes, der Prädiabetes sind rund fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung betroffen. © Andreas Sibler

Rhythmus einhalten

Darüber hinaus ist ein strukturierter Tagesablauf nicht zu unterschätzen. „Tatsächlich ist es so, dass sowohl die Darmflora als auch der Stoffwechsel und der Schlaf von einem regelmäßigen Rhythmus profitieren“, unterstreicht Riedl. Ist beispielsweise die Schlafqualität schlecht, werden im Körper Stresshormone ausgeschüttet, was sich wiederum negativ auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Ein weiterer bedeutsamer Aspekt ist der Muskelaufbau. „Die Muskulatur ist der Feind des Fettgewebes. Während Fettgewebe im Bauch das Diabetesrisiko erhöht, kann die Muskulatur es senken.“ Denn durch regelmäßiges Krafttraining werden die Muskeln beansprucht, so kann mehr Glukose in den Zellen aufgenommen werden und der Blutzuckerspiegel sinkt.

Diabetes Typ 2 beginnt nicht erst mit der Diagnose. Von der Vorstufe Prädiabetes sind rund fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung betroffen, sie macht sich bereits durch einen höheren Blutzuckerspiegel bemerkbar. Häufiger ist diese Vorstufe bei Personen mit Übergewicht, erhöhten Blutfetten und Bluthochdruck zu finden. Die Bestimmung des Langzeit-Zuckerwertes HbA1c kann Aufschluss darüber geben. Hohe Hba1c-Werte entstehen durch zu hohe Glukosewerte im Blut über einen längeren Zeitraum, Hba1c wird daher auch als sogenanntes „Blutzuckergedächtnis“ bezeichnet. „Jeder, der Familienangehörige mit Diabetes hat, sollte den Nüchternblutzucker und den Langzeitwert HbA1c ein- bis zweimal jährlich testen lassen. Steigen die Werte langsam, aber sukzessive, so erhöht sich das Diabetes-Risiko, selbst wenn sich die Werte noch im Normbereich befinden. Die Tendenz ist wesentlich“, sagt Riedl.

Am Foto sind verschiedene Gemüsesorten zu sehen.
Ein gut überlegter Weg zur Lebensstiländerung mit festgelegten Prioritäten ist bereits der erste Schritt in die richtige Richtung. © Framarzo / Shutterstock.com

Nichts überstürzen

Der beste Zeitpunkt, seinen Lebensstil und seine Ernährung zu ändern, ist: jetzt. Riedl rät jedoch nicht zu überstürzten Ambitionen: „Man sol­l­­­te nicht versuchen, alles auf einmal zu verändern oder eine Radikaldiät zu machen. Wenn man sehr viel Zucker zu sich nimmt, kümmert man sich zuerst einmal darum. Wenn man viel zu wenig Gemüse isst, setzt man anfangs in diesem Bereich an.“ Noch immer gilt es, viel Aufklärung zu leisten: „Wir laufen der Prävention hinterher. Wir essen uns krank. Es gibt derzeit an die 100 Erkrankungen, die durch falsche Ernährung entstehen – allen voran Diabetes Typ 2.“ Mit diesem Wissen sollte man die kommenden Mahlzeiten auf dem persönlichen Speiseplan kritisch betrachten.

Text: Elke Jauk-Offner

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