Ob in den eigenen vier Wänden oder im öffentlichen Bereich: Stürze stehen vielfach an der Tagesordnung und füllen regelmäßig die Ambulanzen und Operationssäle. Mit ein wenig Umsicht könnte so mancher Sturz vermieden werden. Dazu hilfreiche Tipps als Sturz-Profilaxe, so lässt sich das Risiko einfach und nachhaltig daheim minimieren.
1. Bewegung machen! Wer sich regelmäßig bewegt und körperlich aktiv ist, trägt dazu bei, dass Muskelkraft und Gleichgewicht erhalten bleiben und reduziert somit auch das Risiko für Stürze.
2. Augen untersuchen lassen! Klare Sicht trägt maßgeblich dazu bei, Hindernisse und potenzielle Stolperfallen zu erkennen.
3. Medikamenten-Nebenwirkung beachten! Manche Medikamente können Schwindel und Benommenheit verursachen, was die Sturzgefahr erhöht.
4. Stolperfallen beseitigen! Ob Teppiche, Schuhe, Putzutensilien oder lose Kabel – solche „Fallen“ sollten in Wohnräumen unbedingt beseitigt werden.
5. Hilfsmittel nutzen! Haltegriffe und Handläufe im Bereich von Treppen oder in der Dusche können die Sicherheit erhöhen. Bei Bedarf sollten auch Gehhilfen wie Stöcke oder Rollatoren verwendet werden.
6. Auf gute Vitamin D- und Calcium-Versorgung achten! Vitamin D und Calcium fördern die Knochengesundheit und tragen dazu bei, das Risiko von Knochenbrüchen bei Stürzen zu reduzieren. Notwendigkeit und Einnahme vom Arzt abklären.
7. Wetterbericht beachten! Umfangreiche Forschungen haben ergeben, dass vor allem vier Wettersituationen die Sturzwahrscheinlichkeit stark erhöhen. Und zwar:
8. Eis und Schnee! Wenn Wege eis- und schneebedeckt sind, herrscht akute Rutsch- und damit auch Sturzgefahr! Das Haus nur mit gutem Schuhwerk verlassen, wenn möglich Termine verschieben und zu Hause bleiben!
9. Hitzestress! Hohe Temperaturen können rasch zu Dehydrierung und in der Folge zu Schwächeanfällen und Stürzen führen.
Daher: ausreichend trinken, im Schatten bleiben, Kopfbedeckung wählen und Überanstrengung meiden.
10. Kältestress! Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, womöglich in Kombination mit kräftigem Wind, führen sehr schnell zu einer Versteifung des Bewegungsapparates, zu Erfrierungserscheinungen und damit zu einer erhöhten Sturzgefahr. Bei großer Kälte am besten zu Hause bleiben beziehungsweise nur in Begleitung und mit gutem Schuhwerk nach draußen gehen.
11. Wetterwechsel! Diese können bei empfindlichen Personen zu Unwohlsein und Kreislaufschwäche führen – in Kombination mit Föhn auch zu Kopfschmerzen und Migräne. All das führt häufig zu Stürzen.
Noch bis zum 19. April 2025 kann man in Graz, direkt am Hauptplatz, den Ostermarkt besuchen. Zahlreiche Aussteller präsentieren ihre kunsthandwerklichen Produkte. Zu finden ist nahezu für jeden Geldbeutel etwas. Von der Kleinigkeit als Mitbringsel bis hin zum handgefertigten Tafelservice erstreckt sich das Angebot. Das es sich hierbei um echte Unikate handelt ist eine Selbstverständlichkeit, kein Stück ist wie das Andere.
Wir waren bereits vor Ort und haben für Sie unsere Eindrücke mitgebracht.
Der Pensionistenverband ist in Österreich – und auch in der Steiermark – der Klub für die Belange und Bedürfnisse der Generation 55+. In unserem Bundesland sind wir mit 17 Bezirksorganisationen vertreten, die sich aus über 200 Ortsgruppen zusammensetzen – und jede Ortsgruppe bietet ein eigenes Event-Programm. Die Palette reicht von gemütlichen Klubnachmittagen über Halb-, Ganz- und Mehrtagesausflüge bis zu Vortragsreihen, EDV-Kursen und Sportveranstaltungen.
Als unabhängige Organisation können wir vom PVÖ uns den Luxus leisten, dem sozialen Aspekt uneingeschränkte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Als mitgliederstärkste Organisation wird die Stimme des PVÖ auch „ganz oben“ gehört, was in den letzten Jahren oft genug bewiesen wurde – vor allem dann, wenn der Rotstift bei jenen Menschen angesetzt werden soll, die sich ein Arbeitsleben lang für ihren verdienten Ruhestand aufgeopfert hatten. So setzen wir uns mit voller Kraft für sichere und faire Pensionen ein, fordern Ausbau und Schutz des Gesundheitssystems sowie leistbare, menschenwürdige Pflege für jene, die sie benötigen. Zusätzlich bieten wir unseren Mitgliedern monatlich kostenfreie Sozial- und Rechtsberatungen an.
Gemeinschaft mit Vorteilen
Natürlich ist der PVÖ auch ein Vorteilsklub. Unseren Mitgliedern stehen zahlreiche exklusive Angebote und Rabattaktionen zur Verfügung. Mit unserem eigenen Reisebüro „SeniorenReisen“ bieten wir interessante Reiseangebote von Busreisen bis zu Kreuzfahrten und Fernreisen. Durch das medizinische Sonderservice bei diesen Reiseangeboten sind Sie immer auf der sicheren Seite. Apropos sicher: Der jährliche Mitgliedsbeitrag beinhaltet selbstverständlich auch eine Unfallversicherung, die Ihnen bei sämtlichen PVÖ-Veranstaltungen Sicherheit bietet, vom Kaffeekränzchen bis zur Bergwanderung oder von der Radtour bis hin zum Konzertbesuch.
Über 1 Million Unterschriften ist das erklärte Ziel von Klaus Katzianka, welcher das Volksbegehren „SOS Pflege“ initiiert hat. Gefordert werden von ihm einige Punkte, welche in diesem Bereich bereits mehr als nur überfällig und dringend notwendig sind, um für die Bevölkerung ein breites Feld als Selbstbestimmung der Versorgung gewährleisten zu können.
Im Detail bezieht sich das Volksbegehren „SOS Pflege!“ auf nachfolgende Forderungen:
Der Bundes( verfassungs )gesetzgeber wird aufgefordert, den Pflegeregress bei häuslicher Pflege, bei der 24-Stunden-Betreuung – per Verfassungsbestimmung zu verbieten. Der Pflegeberuf ist Schwerarbeit, es braucht automatische Zuerkennung der Schwerarbeiterpension. Bessere Rahmenbedingungen für Pflegende. Gesicherte Pflegefinanzierung für alle – auch zu Hause (zB Pflegegelderhöhung bei Betreuung). Entbürokratisierung der Pflege. Eigenes Pflegestaatssekretariat!
Wie gewohnt kann das Begehren direkt beim Gemeindeamt oder online unter www.oesterreich.gv.at (mit ID Austria oder EU Login) bis Dezember 2026 gezeichnet werden.
Die Betreuung durch selbstständige Personenbetreuerinnen und Personenbetreuer ist eine Erfolgsgeschichte und ermöglicht es Tausenden Österreicherinnen und Österreichern, ihren Lebensabend zu Hause in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Der hier beispielhaft geschilderte Betreuungsfall könnte in vielen heimischen Haushalten schon heute oder morgen eintreten.
Bisher war alles kein Problem. Die drei längst erwachsenen „Kinder“ unterstützten ihren nach dem Tod seiner Frau allein lebenden 86-jährigen Vater zwar. Aber im Grund kam er ganz gut ohne ihre Hilfe über die Runden, ging selbstständig einkaufen, kochte für sich und fuhr sogar noch mit dem Auto durch die Gegend. Selbst als er ein-, zweimal – Gott sei Dank ohne schwerwiegende Folgen – stürzte, dachte sich noch niemand etwas dabei. Doch dann der dritte Sturz. Diesmal verlief es nicht so glimpflich. 14 Stunden lang lag er, unfähig, sich zu erheben bzw. Hilfe zu holen, auf dem harten Fliesenboden im Bad, wo er gestürzt war. Geschwächt und mit Wunden an Kopf und Körper, erfreulicherweise allerdings ohne Brüche, wurde er von einem seiner Kinder gefunden, das sich Sorgen gemacht hatte, weil es den Vater nicht erreicht hatte. Und während er noch im Krankenhaus lag, wurde allen schlagartig klar: Die Situation hat sich fundamental verändert. Nach seiner Heimkehr wird der Vater rund um die Uhr Betreuung benötigen. Und eines hatte er immer gesagt: „Ich will so lange wie möglich zu Hause leben, am liebsten bis zum Schluss.“
Zur Überbrückung
Ein paar Tage würden sie es, allesamt berufstätig und ziemlich eingespannt, schaffen, ihren Vater alternierend rund um die Uhr selbst zu betreuen. Doch dann muss so schnell wie möglich eine verlässliche, tragfähige Lösung her. Und das sozusagen aus dem Stand, denn wirklich beschäftigt hatte sich mit dem Thema bisher noch keiner. Was tun?Es gibt ja Vermittlungsagenturen für eine 24-Stunden-Betreuung. Also Kontakt aufnehmen! Zuerst vielleicht noch mal schnell im Bekannten- oder Verwandtenkreis herumfragen – vielleicht gibt es eine Empfehlung. Gesagt, getan. Bereits am nächsten Tag gibt es Fortschritte zu vermelden: angenehmes Gespräch mit der Agenturchefin; wurde über die wichtigsten Fragen gleich am Telefon aufgeklärt; weniger kompliziert als gedacht; es wird bereits an einer Lösung gearbeitet. Und wir müssen eigentlich nur das Zimmer für die Betreuungsperson vorbereiten.
Überspringen wir zwei oder drei Wochen. Vor ein paar Tagen ist die selbstständige Betreuungsperson eingetroffen. Sie wurde von der Agenturverantwortlichen vorgestellt, dabei wurden auch gleich die wichtigsten Gegebenheiten besprochen. Da es sich um eine selbstständige Tätigkeit handelt, hält sich der organisatorische Aufwand für Betreute und Angehörige ja echt in Grenzen. Die Chemie zwischen dem Betreuten und der Betreuungsperson passt. Das ist schon einmal viel wert. Auch die Verständigung funktioniert. Die erfahrene Betreuungsperson hat schon in einigen Betreuungsverhältnissen gearbeitet. Vom ersten Tag an hatte sie alles im Griff. Eine gigantische Entlastung. Und in ein paar Wochen kommt die Ablöse, denn die beiden werden sich im Monatsrhythmus abwechseln.
Dieses Szenario ist alles andere als ein Einzelfall. „Es zeigt“, so Andreas Herz, Obmann der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung in der WKO Steiermark sowie österreichischer Fachverbandsobmann, „wie gut sich dies
ses System aus selbstständigen Betreuungspersonen und Vermittlungsagenturen in den vergangenen Jahren eingespielt hat. So gut nämlich, dass sich Tausende Österreicherinnen und Österreicher, Betreute wie Angehörige, hundertprozentig darauf verlassen können.“
Informationen zur 24-Stunden-Betreuung erhalten Sie unter www.daheimbetreut.at. Eine vollständige Auflistung aller steirischen Vermittlungsagenturen, Stand März 2025, haben wir hier für Sie.
Für neurologische Erkrankungen wirksame Behandlungsmöglichkeiten zu finden, ist Teil der besonderen Expertise der Klinik Maria Theresia am Radkersburger Hof.
Klinische Schwerpunkte
Die Klinik Maria Theresia befasst sich vorwiegend mit neurologischen und orthopädischen Erkrankungen, und zwar in jedem Lebensalter. Dabei trifft man auf viele Krankheitsbilder, die im Alltag in Akutkliniken eher selten bis gar nicht vorkommen, etwa degenerative oder neuromuskuläre Erkrankungen. Die Konzepte sind von Alter und Schweregrad der Defizite abhängig.
Wir konzentrieren uns auf die Motivation der Patient:innen. Wir erarbeiten mit ihnen eine Ausgangslage, in der sie eine größere Motivation haben. Ihr bewusstes Handeln muss in eine unbewusste Form übergehen, die nicht mehr wahrgenommen wird, aber besonders wichtig ist. Hier trainieren wir dann aktiv an, was gebraucht wird, etwa beim Gehen oder Essen.
Fortschrittliche Technologien
Der Mensch ist ein Handlungswesen, alles, was er in der Realität tut, ist interessant. So setzen wir in der Therapie fortschrittliche Technologien ein, um die Genesung zu unterstützen. Während virtuelle Realität und Exo-Skelette vielversprechend sind, setzen wir aktuell bereits das Therapiegerät LEXO von Tyromotion ein, das gezielt Bewegungsabläufe fördert und dabei Patient:innen Sicherheit und Unterstützung bietet. Diese Technologien zeigen, dass wir unsauf einem fortschrittlichen Weg befinden.
Wer sich bei diesem Stück das Gewohnte und das Bekannte erwartet, wird eine Überraschung erleben. Im Mittelpunkt stehen die Lebensgeschichten und die daraus resultierenden Ängste und Leiden der Bewohner und Mitarbeiter des Institutes, einer Seniorenresidenz. Immer noch hier, von Rebekka David lädt in eine Welt des Witzes, des Nachdenklichen und des Skurrilen ein. Alte und aktuelle Vor- und Urteile werden facettenreich von den Charakteren, welche unterschiedlicher nicht sein könnten, mit sich selbst aber auch innerhalb der sozialen Interaktion aufgerollt, bis am Schluss das Licht verblasst.
Imme noch hier ist trotz Moliére, Shakespeare und Tschechow ein Stück, welches durch die schauspielerischen Darstellungen Leichtigkeit vermittelt und einen unterhaltsamen Theaterabend verspricht. Lediglich die Hintergrunddarstellungen mancher Schauspieler lassen ein paar Fragen offen. Hier wäre ab und an mehr Authentizität gefragt.
Weitere Vorstellungen jeweils um 19:30 im Schauspielhaus Graz
Die Frühstückssemmel, die auf der Butterseite landet, das Schuhband, das im falschesten Moment reißt, der Bus, der einem vor der Nase wegfährt: Wer kennt sie nicht, die Tage im Leben, die es einfach nicht gut mit einem meinen. Veronika Forkel, genannt Schweinchen, hat ein ganzes Leben voller solcher Tage. So sieht sie das zumindest. Ihre Pechsträhne ruft den König der Schweine und seine beiden Minister auf den Plan – denn wer Schweinchen genannt wird, ist eine von ihnen und bekommt auf jeden Fall Hilfe!
Das neue Next Liberty-Familienmusical „Schwein gehabt!“ beendet ab 16. Mai mit guter Laune und viel mitreißender Musik nicht nur leichthufig jede Pechsträhne, sondern grunzt überzeugt in die Welt: Wir sind unseres Glückes Schweinchen und stolz darauf!
Schwein gehabt ist ein Familienmusical von Martin Brachvogel und Werner Holzwarth, nach dem Bilderbuch von Werner Holzwarth und Henning Löhlein.
Die Forderungen und die Debatten finden kein Ende. Die Pflege, die Versorgung im Alter beunruhigt nach wie vor die Bevölkerung. Dazu Landesrat Dr. Karlheinz Kornhäusl, Allgemeinmediziner und Facharzt für Innere Medizin im Interview mit „Abenteuer Alter“.
Herr Landesrat, Sie wissen am besten, dass Pflege der Menschen aller Altersgruppen meistens zu Hause in den Familien stattfindet. Wenn jetzt schon seit Jahren vom sogenannten Pflegenotstand gesprochen wird, heißt das dann nicht folgerichtig, dass diese Problematik hauptsächlich die Pflege daheim betrifft?
Karlheinz Kornhäusl: Ich bin mit dem Begriff Notstand immer vorsichtig. Not gibt es in vielen Teilen der Welt, aber die Steiermark mit Not zu verbinden, da würde ich sehr vorsichtig sein. Ohne Zweifel haben wir im Pflege- und im Gesundheitsbereich Probleme und große Baustellen. Mein Zugang war schon immer der zu sagen, dass die Zukunft in der Versorgung in der Vielfalt liegen muss. Wir brauchen unter dem Aspekt „Mobil vor teilstationär vor stationär“ eine Vielzahl an Angeboten. Wir wissen ja, die meisten Menschen, eigentlich fast alle, wünschen sich, in Würde in den eigenen vier Wänden altern zu können. Das ist das Normalste der Welt. Dazu müssen wir die Möglichkeit schaffen.
Sind diese Möglichkeiten ausreichend vorhanden?
Kornhäusl: Ich möchte darauf hinweisen, dass das Land Steiermark für den ganzen Pflegebereich pro Jahr weit mehr als 800 Millionen bereitstellt. Wir haben im letzten Jahr mit dem steirischen Pflege- und Betreuungsgesetz eine der modernsten Grundlagen in Österreich geschaffen und das müssen wir jetzt mit Leben erfüllen. Das bedeutet Ausbau der stundenweisen Alltagsbetreuung, Ausbau der Tagesbetreuungszentren, Ausbau von mobilen Diensten und vieles mehr. Die stationäre Langzeitbetreuung im Pflegeheim kann nur am Ende des Weges stehen und nicht gleich am Beginn.
Weil Sie von einem Weg sprechen: Wo auf diesem Weg befinden wir uns gerade?
Kornhäusl: Ich kann das Prinzip „Mobil vor teilstationär vor stationär“ sogar in Zahlen belegen. Wir haben in der Steiermark 13 Bezirke und in mittlerweile neun Bezirken haben wir mehr Menschen in der mobilen oder teilstationären Betreuung als in der Langzeitpflege.
Können Sie das bitte erläutern? Es heißt ja, etwa 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause von den Angehörigen betreut. Was bedeuten dann Ihre Angaben?
Kornhäusl: Hier geht es um die in Anspruch genommenen Pflegeleistungen des Landes Steiermark und wir sehen eben, dass die Pflegebedürftigen in den neun Bezirken überwiegend in der mobilen oder tagesstationären Betreuung sind als in der stationären Langzeitbetreuung. Mein Ziel ist, dass in allen Bezirken Möglichkeiten bestehen, dass mehr pflegebedürftige Menschen zu Hause und mobil als stationär betreut werden.
Schon Ihr Vorvorgänger hat einst eine Ausbildungsoffensive für Pflegeberufe begonnen, weil klar war, dass wir mehr Betreuungspersonal aller Qualifikationen brauchen. Hat das etwas bewirkt oder hinken wir hier immer noch hinterher, weil die Vorlaufzeiten der Ausbildung so lange sind?
Kornhäusl: Das bringt effektiv etwas und wir haben im letzten Jahr auch den Turbo gezündet. Eines muss immer klar sein: Bei allen Maßnahmen, die wir heute setzen, spürt man die Veränderungen erst morgen. Ausbildung braucht seine Zeit, Veränderungen an einem System, das so komplex ist, brauchen ihre Zeit. Was ich sagen kann: Wir haben die Anzahl der Gesundheits- und Krankenpflegeschulen in der Steiermark von sieben auf 15 aufgestockt. Wir bilden an 15 Standorten im ganzen Land aus! Wir bauen derzeit den Campus der Fachhochschule Joanneum, auch das ist ein Meilenstein. Wenn der fertig gebaut ist, werden jedes Jahr 400 diplomierte Pflegekräfte in Graz und Kapfenberg ausgebildet. An den 15 Krankenpflegeschulen haben wir auf 1.350 Ausbildungsplätze für Heimhilfe, Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz ausgebaut. Dazu kommt, dass wir allen an den Schulen ein Mittagessen bezahlen, jede und jeder bekommt ein monatliches Taschengeld, das höher ist als in den anderen Bundesländern. Und wir haben auch mehr Angebote, die Ausbildung berufsbegleitend zu machen.
Steigt auch die Nachfrage nach Pflegeberufen?
Kornhäusl: Wir spüren, es kommen wieder mehr Leute in den Beruf. Die Plätze sind gut gefüllt. Wir spüren auch in den Pflegeeinrichtungen und in den Spitälern, dass die Pflege wieder kommt.
Wie bewähren sich neue Einrichtungen wie die Pflegedrehscheibe oder die Community Nurses? Hat das einen konkreten Nutzen für die Menschen oder sind das nur Schreibtische?
Kornhäusl: Ganz im Gegenteil! Die Pflegedrehscheiben bei den Bezirkshauptmannschaften geben Hilfestellung, wenn es bereits zu einem Pflegefall gekommen ist: Wo kann ich Förderungen abholen, wer hilft mir bei Umbauarbeiten, was kann ich tun, um eine andere Pflegestufe zu beziehen etc.? Bei den Communitiy Nurses geht es darum, so lange wie möglich zu vermeiden, dass jemand ein Pflegefall wird. Da geht es um Prävention, Vorsorge, Schulungen, um Angebote gegen die Einsamkeit, Angebote im Bereich Bewegung und Sport und vieles mehr. Also alles, was eigentlich jeder von uns tun sollte, um Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich hinauszuzögern und im Idealfall zu verhindern.
Gibt es auch Hausbesuche, um den Pflegebedürftigen und den pflegenden Angehörigen konkret zu helfen?
Kornhäusl: Die Pflegedrehscheiben sind in den Bezirkshauptmannschaften für die Menschen da, es gibt Sprechstunden, sie kommen aber auch nach Hause und schauen sich die Umstände vor Ort an. Wir haben wirklich einen bunten Strauß an Möglichkeiten.
Sie haben die Angehörigen angesprochen. Wir von Abenteuer Alter haben starke Rückmeldungen aus diesen Kreisen, dass es bei der Pflege zu Hause nicht nur um die Menschen geht, die Pflege benötigen, sondern auch um die Angehörigen, die diese Pflege leisten. Da gibt es gar nicht so selten Überforderung und wir wissen, dass viele betreuende Angehörige selbst fast schon Pflegefälle sind. Wir begegnen hier unglaublichen Dilemmas. Oft weiß man gar nicht, wie prekär die Verhältnisse sind. Welche Hilfen stehen hier zur Verfügung?
Kornhäusl: Genau auch in solchen Fällen rate ich wirklich dringend, das Angebot der Pflegedrehscheibe zu nutzen. Wir haben sie niederschwellig in jeder Bezirkshauptmannschaft und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind es, die Antworten auf diese Fragen geben können. Wie kann ich mir Unterstützung holen? Was muss ich tun, damit ich entlastet werden kann? Welche Angebote gibt es hinsichtlich der stundenweisen Alltagsbegleitung durch mobile Dienste? Welche Tagesbetreuung gibt es? Es ist tatsächlich so, dass sich pflegende Angehörige mit konkreten Fragen Hilfe suchend an uns wenden und wenn wir dann an die Pflegedrehscheibe verweisen, erfahren wir, dass das gar nicht bekannt ist. Oft hören wir nach nur wenigen Tagen, dass alles geklärt und geregelt ist.
Also müssten die Pflegedrehscheiben stärker im Bewusstsein verankert werden. Ist das nicht Ihre Aufgabe?
Kornhäusl: Da sind wir auf dem Weg, aber es dauert natürlich eine gewisse Zeit, bis ein Bekanntheitsgrad erreicht ist. Wir leben hier ganz stark davon, dass die guten Erfahrungen mit den Pflegedrehscheiben weitererzählt werden.
Sie haben zu Recht angemerkt, dass Sie mit dem Begriff Pflegenotstand keine Freude haben. Werden wir je wieder einen Zustand erreichen, wo man nicht mehr von der Krise im Pflegebereich sprechen wird?
Kornhäusl: Der demografische Wandel ist natürlich da und nicht aufzuhalten. Was mir persönlich aus einem Brotberuf als Arzt und Internist heraus am Herzen liegt, ist das Thema der Prävention und Vorsorge. Jede und jeder von uns kann selbst dazu beitragen, das System zu entlasten, indem man körperlich und geistig herausfordert und fit bleibt. Was das Gesundheitssystem betrifft, sage ich, dass wir mit Ausbildung oder neuen Versorgungsformen alles Mögliche tun, das Pflegesystem zu entlasten.
Schon seit Jahren beschäftigt die Menschen der sogenannte Vermögensregress in den Pflegeheimen und in der Pflege insgesamt. Im neuen Pflege- und Betreuungsgesetz ist in der 24-Stunden-Betreuung aber immer noch so etwas wie ein Rückgriff auf Einkommens- und Vermögenswerte möglich. Ist das die richtige Richtung, die wir da gehen, die Betreuung zu Hause schlechter zu stellen als die im teuren Pflegeheim?
Kornhäusl Ich bin nicht glücklich mit dieser Situation, die auf eine kurze Phase des sogenannten Spiels der freien Kräfte im Jahr 2017 im Nationalrat zurückgeht. Damals wurde bedenkenlos der Regress in Pflegeheimen abgeschafft. In der Steiermark haben wir das zwar kritisiert, aber es blieb nichts anderes übrig, als da mitzutun. Wir haben für die mobilen Dienste ein Modell eingeführt, mit dem Pflegebedürftigen daheim nach Abzug aller Kosten zumindest ein persönliches Minimaleinkommen bleibt. Was die 24-Stunden-Betreuung betrifft, gibt es in der Steiermark für Bezieher niedrigerer Einkommen eine Förderung. Aber ja, die Möglichkeit des Regresses besteht. Ich bin nicht glücklich damit, sage aber auch, das werden wir allein nicht schaffen. Vom Bund erwarte ich, dass er hier eine Lösung findet, wie er es auch für die stationäre Pflege getan hat.
Seit 2018 ist in allen steirischen Bezirken die Pflegedrehscheibe, eingerichtet vom Land Steiermark, ein kompetenter und kostenloser Ansprechpartner für alle Steirer: innen, die sich über Pflegemöglichkeiten und passende Versorgungskonzepte erkundigen möchten. Wie arbeitet die Pflegedrehscheibe?
Kurz und Knapp
Was ist die Pflegedrehscheibe?
Die Pflegedrehscheibe bespricht mit den Betroffenen und Angehörigen die Situation und zeigt die zur Verfügung stehenden Wege auf. Hier nimmt das Fachpersonal wie Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen konkreten Bezug auf die verschiedenen Formen der möglichen Unterstützungen inklusive Förderungsberatung, um rasch und verlässlich Hilfe geben zu können.
Was bedeutet dies konkret?
Es wird insbesondere auf die Vielfältigkeit der Angebote von Einrichtungen und Organisationen in den jeweiligen Bezirken hingewiesen. Anhand dieser Versorgungsstrukturen und dem Bedürfnis der zu unterstützenden Person werden individuelle Versorgungspakete erstellt. Nicht nur bei der Planung der häuslichen Versorgung, sondern auch bei der Organisation dieser steht die Pflegedrehscheibe den Angehörigen und Betroffenen bei Wunsch zur Seite.
Ab wann zur Pflegedrehscheibe?
Um keine wichtige Versorgungszeit zu verpassen und sich einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen, empfiehlt es sich, so früh wie möglich Rat zu suchen. Sobald sich ein Bedarf abzeichnet, sollte man bereits aktiv werden und sich kostenlos beraten lassen. Damit ist sichergestellt, dass im Bedarfsfall bereits alle Informationen zur Verfügung stehen, um auch schwierigere Situationen leichter bewältigen zu können.
Für wen ist die Pflegedrehscheibe gedacht?
Personen, die Informationen zur Betreuung und Pflege benötigen, und/oder Personen, die Unterstützung bei der Suche nach Lösungen in einer speziellen Pflegesituation brauchen.
Beratung und Unterstützung findet man nicht nur im Bereich der Leistungsauswahl wie Hauskrankenpflege sondern auch bei finanziellen Angelegenheiten steht man mit Rat und Tat zur Seite. Selbst pflegende Angehörige können sich bei den Pflegedrehscheiben über Themen wie Pflegeteilzeit & Co. beraten lassen.
Standorte
1. BEZIRK BRUCK-MÜRZZUSCHLAG, DDr.-Schachner-Platz 1, 8680 Bruck an der Mur, Tel.: 0316 877 7472, E-Mail: pflegedrehscheibe-bm@stmk.gv.at
Die Pflegedrehscheiben stehen Ihnen von Montag bis Freitag telefonisch zur Verfügung. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.pflege.steiermark.at