Notare – umfassende Dienstleistungen

Österreichs Notariate bieten als One-Stop-Shops umfassende Dienstleistungen aus einer Hand und sorgen für die reibungslose Abwicklung rechtlicher Angelegenheiten – sei es im Privat- oder im Unternehmensbereich. Dies schafft Rechtssicherheit, hilft künftige Konflikte zu vermeiden und entlastet spürbar Österreichs Gerichte. Dr. Michael Umfahrer, Präsident der Österreichischen Notariatskammer, stellt jedoch weitere Forderungen zur Entbürokratisierung und Digitalisierung von Rechtsdienstleistungen.

Das österreichische Notariat steht für rechtssichere und streitvermeidende Lösungen für die österreichische Bevölkerung und die Wirtschaft: Rund 3,3 Millionen Klient:innen werden jährlich betreut und beraten. Als Gerichtskommissär:innen übernehmen Notar:innen zudem wichtige Aufgaben zur Entlastung der Justiz. Deshalb kann das österreichische Notariat auch als „One-Stop-Shop“ für Rechtsdienstleistungen fungieren. Als Gerichtskommissär:innen sind Notar:innen zugleich ein wichtiger Teil der österreichischen Justiz. 

Am Foto ist Dr. Michael Umfahrer zu sehen.
Dr. Michael Umfahrer, Präsident der Österreichischen Notariatskammer. © Klaus Ranger

Mehr als nur Beglaubigungen

So unterstützen Österreichs Notar:innen jährlich bei der Erstellung von über 2,4 Millionen letztwilligen Verfügungen und deren Erfassung im Österreichischen Zentralen Testamentsregister (ÖZTR) und sie wickeln jährlich 90.000 Verlassenschaften ab.

Sie beraten in rund 15.000 Fällen pro Jahr zur Gründung von Kapitalgesellschaften und sind darüber hinaus österreichweit in die Gründung von Unternehmen eingebunden. Der größte Teil heimischer Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitenden1  (rund 90 Prozent) bzw. Personengesellschaften, deren Gesellschaftsverträge weder der Schriftform noch der Eintragung in das Firmenbuch bedürfen. Notar:innen beraten hier allparteilich über die bestmögliche Vorgehensweise und sorgen so für Rechtssicherheit für Gesellschafter:innen wie auch für Mitarbeiter:innen. 

Wichtig ist dabei auch: Das österreichische Notariat ist der einzige One-Stop-Shop für Gründer:innen, der mit umfassender Expertise rasche und unkomplizierte Unternehmensgründungen ermöglicht, sowohl analog als auch online. Von der Identitätsprüfung über die Erstellung eines Gesellschaftsvertrages, allfälligen Schritten um eine NeuFÖG-Gründung, Stammkapitaleinzahlungen über die Notartreuhandbank bis hin zur Eintragung in das Firmenbuch können Notar:innen die Gründung einer GmbH oder FlexKapG grundsätzlich innerhalb von 24 Stunden umsetzen.

Kontaktdaten der Notariate als Link und QR-Code.
Passende QR-Code-Leser erhalten Sie im App Store oder bei Google Play.

Alles um die Immobilie

Weiters bieten Notar:innen umfassende Beratung zu allen Aspekten von Immobilientransaktionen. Von der Identitätsprüfung über Vertragserrichtungen maßgeschneiderter Kaufverträge über die Beglaubigung von Unterschriften, Treuhandschaft, der Berechnung und Abfuhr von Steuern und Gebühren bis hin zur grundbücherlichen Durchführung können sämtliche Leistungen vom Notariat übernommen werden. Notariate sorgen so als One-Stop-Shop für reibungslose und rechtlich abgesicherte Abläufe rund um den Kauf, Verkauf, die Weitergabe, Schenkung oder das Vererben von Immobilien. Sie setzen dabei auf die nahtlose Verbindung persönlicher und digitaler Beratung und Dienstleistungen, um allen Klient:innen rasche Unterstützung sowie größtmögliche Rechtssicherheit zu bieten.

Entgeltliche Einschaltung
Fotos: © wichayada suwanachun / Shutterstock.com, Klaus Ranger

Der Mann mit den goldenen Händen

Er schwingt mit 66 Jahren noch das Skalpell und nicht schon den Spazierstock. Er hat heuer sogar die Leitung der Herzchirurgie am LKH-Uniklinikum in Graz übernommen. Er entspannt beim Fliegenfischen, schwärmt für Goethes Faust, mag gerne Wienerschnitzel. Günther Laufer, Medizin-Koryphäe und Chirurg auf der steten Suche nach der perfekten Operation.

Am Gang wuselt es nur so von Frauen und Männern in weißen Kitteln. Sie telefonieren, stecken die Köpfe zusammen, besprechen. Manche grüßen. Manche nicht. Professor Laufer, der Mann mit den goldenen Händen, die schon gut 10.000 Operationen durchgeführt haben, ist noch in der Morgenbesprechung. Als er kommt, zieht Humor am Klinikgang ein. Kurze Absprache mit der Sekretärin. Und ab ins Büro. Interview.

„Ich habe mich schon im Gymnasium für Naturwissenschaften interessiert. Vor allem für die angewandte Naturwissenschaft, das Unmittelbare, den Menschen“, erzählt Laufer von seiner frühen Faszination für die Medizin – und speziell für das Herz. Denn: „Macht man etwas am Herzen, hat man immer einen unmittelbaren Effekt. Man sieht sofort, wie es gelaufen ist. Wenn ein Herz wieder schlägt, weiß ich, dass ich etwas Gutes gemacht habe. Diese Unmittelbarkeit, dieses direkte Eingreifen können, hat mich einfach fasziniert.“  Und es war nicht zuletzt auch diese Faszination, die den Grundstein für die in Österreich beispiellose Mediziner-Karriere gebildet hat, die der gebürtige Wiener in den kommenden Jahrzehnten hinlegen sollte.

Noch gut kann er sich an die erste Operation erinnern, die er völlig selbstständig durchgeführt hat: „Ich war gerade einmal 30. Es war eine Bypass-Operation in Wels. Ich war unglaublich aufgeregt, aber auch hoch konzentriert. Ich weiß noch gut, dass ich während der nächtlichen Fahrt zurück nach Wien immer wieder auf der Klinik angerufen und nachgefragt habe, wie es dem Patienten geht.“ Dem ging es gut. Wie Tausenden anderen auch, die Laufer während der vergangenen 40 Jahre operiert hat. Seine Passion für die Herzchirurgie und sein außergewöhnliches Können brachten den engagierten Mediziner auch bald in führende Positionen. Er übernahm die Leitung der Herztransplantation in Wien und machte sie mit bis zu 91 Transplantationen im Jahr zu einer der weltweit führenden Abteilungen auf diesem Gebiet. Auch Hauptverantwortungen rund um Herzklappenbank und Herzschrittmacher lagen bald in Laufers Händen. Im Jahr 2000 folgte mit der Übernahme der Herzchirurgie in Innsbruck der nächste Karriereschritt – oder besser gesagt: Laufer hat die Herzchirurgie dort überhaupt erst so richtig ausgebaut, wie auch die Kinderchirurgie. „Schwerpunktmäßig haben wir damals die minimal-invasive Herzchirurgie forciert“, blickt der Mediziner zurück – und auch gleich wieder nach vorn: „Als es die Möglichkeit gab, die Leitung der Herzchirurgie am AKH zu übernehmen, bin ich nach neun Jahren wieder nach Wien zurückgekehrt. Dort war ich 14 Jahre. Und seit dem heurigen Jänner bin ich nun in der Herzchirurgie in Graz tätig.“ Österreichische Medizingeschichte im Schnellzugverfahren. Laufer ist damit der einzige Mediziner des Landes, der an drei Universitätskliniken Abteilungen geleitet hat.

Das Skalpell gegen den Spazierstock zu tauschen war für den passionierten Chirurgen nämlich trotz seiner 66 Jahre keine Option. „Ich  liebe einfach reizvolle Aufgaben. Es ist ja schön, wenn man ein ganzes Spektrum an Erfahrung an jüngere weitergeben kann. Und ich operiere natürlich auch noch unglaublich gerne“, argumentiert der renommierte Herzchirurg seine Entscheidung für Graz. Und setzt ganz á la Laufer nach: „Ein neues Umfeld verhindert außerdem den Alterungs-Prozess.“ Freude und Dankbarkeit darüber, dass ihm die körperliche wie geistige Fitness für die herausfordernde Arbeit nach wie vor gegeben ist, will der Mediziner nicht verhehlen. Vor allem auch, weil er sich nicht gerade als ausgewiesenen Gesundheitsapostel bezeichnen würde: „Ehrlich gesagt mache ich da sicher zu wenig. Aber ich habe vor, das in der Pension zu ändern.“ Wenngleich: „Ich trainiere regelmäßig mit Kugelhanteln und beuge so Kreuzschmerzen vor. Denn die Arbeit, bei der man schon einmal fünf Stunden durchgehend am OP-Tisch steht, geht vor allem auf die Hals- und Brustwirbelsäule. Das sind bei Chirurgen ganz wunde Punkte. Und da beuge ich wirklich vor und bin bis auf einen Bandscheibenvorfall eigentlich recht fit.“

Das mag auch an einem anderen Ausgleich liegen, den sich der passionierte Chirurg trotz 7-Tage-Woche zwischendurch immer wieder gönnt: dem Fliegenfischen. „Diese Leidenschaft habe ich von meinem Vater, der mich schon als Bub mit zum Fischen genommen hat. Mit vier Jahren habe ich meine erste Forelle gefischt“, gerät Laufer ins Schwärmen, wenn er von Anglererlebnissen erzählt. Und davon, wie sich das Wasser um ihn herum laufend verändert, mit ihm die Landschaft und alles ständig im Fluss ist – in einer unaufhaltsamen, entspannten Dynamik. „Man kann nie ein zweites Mal in einen gleichen Fluss hineinsteigen“, philosophiert der Chirurg und zitiert Heraklit. Diese Dynamik fasziniere ihn, ebenso wie die Subtilität des Fliegenfischens: „Da muss man dem Fisch ein Angebot machen, ihn einladen, förmlich verführen. Das ist ein subtiles Spiel mit Kunstfliegen, die tatsächlich auch kleine Kunstwerke sind –  behutsam, so dass sie den Fisch nicht verletzen.“ Und dann gleich ganz pragmatisch: „Aber die Beute kommt natürlich ab und an auch in die Pfanne. Wenn auch nicht von mir zubereitet. Ich bin, was das Kulinarische angeht, nämlich eher auf der Verbraucherseite“, outet sich Laufer zwar als Antitalent in der Küche, aber als durchaus großen Genussmenschen. Bezüglich einer vielgespriesenen Ernährungsregel hat der Hobbyfischer da allerdings so seine Bedenken: „Zwei Mal in der Woche Fisch zu essen, halte ich für nicht umsetzbar. Würde das konsequent geschehen, wären sämtliche Gewässer in kürzester Zeit leergegessen.“ Was den eigenen Speiseplan angeht, würde dieser allerdings durchaus die eine oder andere gesunde Korrektur vertragen. „Äpfel und Nüsse sind da zwar regelmäßig vertreten, ebenso aber auch Schnitzel,  Schweinsbraten oder gebackene Kalbsleber“, schmunzelt Laufer. Denn: „Man kann das Leben ja nicht völlig in der Askese verbringen.“ Er greift zu seiner Müslischale mit Joghurt und Beeren, und lässt gleich auch wieder den Arzt sprechen: „Übergewicht sollte man natürlich verhindern. Sport und Bewegung tun immer gut. Und Maß halten ist für die Gesundheit sicher wichtig.“

Für Laufer gehören da aber unbedingt auch Humor, Spaß, die Fähigkeit zur Selbstironie und ein harmonisches Privatleben dazu. Und Glücksgefühle. Die größten empfindet er, „wenn eine Operation gut gelungen ist. Wenn man diesen unmittelbaren Erfolg, das schlagende Herz, sieht, macht das absolut glücklich – ja, sogar süchtig. Grundsätzlich sorgen bei mir aber alle neuen Herausforderungen für ein positives Lebensgefühl. Wer rastet, der rostet. Geistige und körperliche Herausforderungen sind ein Jungbrunnen.“

„Aber“, räumt die Koryphäe ein, „es kann natürlich nicht immer alles harmonisch und wohlgefällig sein; es braucht auch eine gewisse Streitkultur. Wir sind Menschen und wir haben Emotionen. Das muss auch kanalisiert werden, sonst entstehen zwanghafte, unterdrückte, neurotische Prozesse. Außerdem ändert sich nichts, wenn nicht auch konstruktiv gestritten wird.“

Ganz auf Harmonie setzt der Herzchirurg hingegen im Privatleben: „Meine Frau ist Transplantations-Chirurgin in Wien. Ich bin während der Arbeitswoche in Graz, da ist die gemeinsame Zeit ohnehin beschränkt.“ Zwischen Wien und Graz pendelt der Mediziner übrigens gerne mit der Bahn und mindestens so gerne auch mit dem Auto: „Ganz ohne Musik, nur mit dem Klang des Motors in den Ohren.“ In puncto Musik ist Laufer übrigens ein klassischer Klassiker: „Mit zeitgenössischen Inszenierungen kann ich mich nicht wirklich anfreunden. Ich mag diese Verzerrungen nicht, genieße lieber die einzigartige Schönheit der Urform.“ Auch in der Literatur haben es ihm die großen Klassiker angetan. „Da ist Goethes Faust mein Werk Nummer eins. Den lese ich immer wieder, kann viele Passagen auswendig“, outet sich Laufer als großer Faust-Fan und zitiert: „,Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält.‘ Da ist doch die Problematik der gesamten menschlichen Existenz thematisiert – das Sein, die Sexualität, die Moral.“ Laufer doziert leidenschaftlich, offenbart andere Passionen, die es da neben der Herzchirurgie wohl noch gibt – Shakespeare etwa und seine Königsdramen. „Ach, es gibt so vieles, das mich interessiert“, lehnt sich Laufer entspannt zurück, schaut auf die Uhr, greift zum Telefon und erkundigt sich nach dem Befinden eines Patienten. Um gleich wieder bei Shakespeare zu landen: „Wenn man die wichtigsten Shakespeare-Dramen liest, braucht man keine Management-Ausbildung. Da ist alles drinnen, was man braucht.“ Das Telefon läutet, Laufer antwortet kurz. Die Sekretärin klopft, erinnert an die nächsten Termine. Es wird abgesagt, verschoben, eingeschoben … „Wie viele Stunden meine Arbeitswoche hat?“ wiederholt Laufer und lacht. „24/7, also nichts mit Work-Life-Balance. Meine Arbeit ist meine Passion. Ich verstehe ohnehin nicht, warum man zu einer Passion ein Gegengewicht, ein Life, brauchen sollte. Das, was ich tagtäglich mache, erfüllt mich absolut. Das betrifft nicht nur die Arbeit am OP-Tisch. Ich rede ja auch mit meinen Patienten – über ihren Beruf, wie die Operation erlebt wurde, wie es ihnen jetzt geht. Ich finde das übrigens sehr bedenklich, wenn man am Montag im Radio hört: super, nur mehr vier Tage bis zum Wochenende, weil am Freitag ist Feiertag. Das ist der völlig falsche Weg, denn ich ziehe ja auch Kraft aus dem, was ich mache. Das hat viel mit Selbst-Wertschätzung zu tun. Aber alle wollen die Wertschätzung von anderen bekommen – das halte ich für den falschen Weg.“

Wohl auch eines der Geheimnisse für seinen Erfolg – ebenso wie Laufers ausgeprägter Hang zur Selbstreflexion: „Es braucht die strenge Selbstreflexion und das Nicht-Tolerieren von schlechten Ergebnissen, um gut zu sein und vor allem, um besser zu werden. Und das muss auch ein lebenslanges Ziel sein. Wenn ich das Gefühl habe, es hätte besser sein können, dann kann ich auch zu Mitarbeitenden unangenehm sein. Mit ,wir sind eh so super‘ wird man nicht besser.“

Es braucht immer das kritische Selbsthinterfragen. Das Ziel muss immer sein, die perfekte Operation zu schaffen. Mein persönliches Ziel ist stets die Suche nach der perfekt durchgeführten Operation. Da geht es nicht mehr um für den Patienten merkbare Ergebnisse, da geht es oft um  Kleinigkeiten, die meine ganz eigene Herausforderung sind. Die muss man anpeilen.“ So ist Laufers Arbeit über die Jahrzehnte auch nie zur gefährlichen Routine geworden, sondern stets Passion, Herausforderung und der Drang zum perfekten Eingriff geblieben.

Was hier nach dem absoluten Perfektionisten klingt, beschränkt sich allerdings auf den OP-Tisch: „Zu Hause sagt meine Frau oftmals, ich sei schlampig. Auch auf meinem Schreibtisch zeigt sich ab und an eine gewisse kreative Unruhe. Das ist dann der Ausgleich zur Perfektion bei der Arbeit. Wenn man diese in allen Bereichen des Lebens hat, wird man ja zum Monk.“

Blick auf die Uhr. Schluck aus dem Wasserglas. Und dann: „Auch wenn die Arbeit noch so Spaß macht, man merkt natürlich, dass man nicht jünger wird.“  Laufer nähert sich dem Thema Ruhestand. Aber: „Nicht, um zu ruhen, sondern um Dinge zu machen, die jetzt zu kurz kommen. Reisen etwa, Städte bewusst anschauen, die ich jetzt nur von Kongressen her kenne. Länder und Gegenden kennenlernen, wie etwa die Toskana. Rad fahren. Ein Studium beginnen – Philosophie zum Beispiel. Wieder Schach spielen; das habe ich früher oft gemacht. Tarock lernen. Mehr Fliegenfischen – in Kanada, Alaska oder Sibirien. Durchaus auch noch das eine oder andere operieren. Abgehen wird mir letztlich aber sicher trotzdem etwas. Aber man muss den pace of life auch einmal herunterschrauben. Zu viel planen darf man für die Zukunft allerdings auch nicht, denn es kommt letztlich sehr oft anders, als man denkt.

Und wie wird es um die Herz-Chirurgie stehen, wenn Laufer beim Fliegenfischen und auf Städtereisen ist? „Da wird in Zukunft viel mit Roboter-Chirurgie und Künstlicher Intelligenz gearbeitet werden. Disziplinen werden enger zusammenarbeiten. Für die Prävention von Gefäßerkrankungen werden zunehmend effiziente Medikamente zur Verfügung stehen, sodass sich das Risikoprofil der Patienten wesentlich verbessert. Schweineherzen werden weiterhin keine große Rolle spielen  – auch das Herz aus der Retorte wird nicht funktionieren. Das Spenderherz bleibt also Thema.“

Das Telefon klingelt. Laufer hebt ab: „Ich bin gleich bei dir!“ Er lacht – und schließt mit Faust: „Der Worte sind genug gewechselt …“

 

Text: Johanna Vucak
Fotos: Luef Light
Beitrag veröffentlicht am 29.11.2024

Mit uns wird die Gesundheitsversorgung verbessert! | Anton Lang, SPÖ

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Fast jeder dritte Wahlberechtigte ist bei dieser Landtagswahl über 60 Jahre alt. Sagen Sie uns bitte genau, warum die Senioren der Steiermark die SPÖ wählen sollen?

Anton Lang: Ich gehöre ja auch zu dieser Gruppe 60 plus! Ich glaube, gerade die Sozialdemokratie war es in den vergangenen Jahren und wird in Zukunft ein Garant dafür sein, dass es bei der älteren Generation nicht nur um das Werben um Stimmen geht, sondern dass ihre Anliegen auch umgesetzt werden. Das ist so wichtig, weil diese Generation aufgebaut und den Wohlstand geschaffen hat. Jetzt liegt es daran, dieser Generation auch in der Steiermark die Möglichkeit zu geben, entsprechend in Würde und in besten Verhältnissen zu altern. 

Diese große Gruppe ist in der Landesverwaltung unterrepräsentiert, anders als etwa Kinder, Jugendliche, Frauen oder auch Migranten. Warum gibt es kein kompetentes Zentrum für die ältere Generation?

Lang: Das ist eine Querschnittsmaterie. In vielen Bereichen findet man gerade für die ältere Bevölkerung Ansprechpartner, ich denke da an den Sport, die Kultur oder die Gesundheit. Gerade wir in der Steiermark schauen, dass wir diese Gruppe in allen Bereichen entsprechend einbinden.

Wie die SPÖ haben auch die anderen Parteien Vertretungen für die Senioren, aber der Pensionistenbeirat des Landes, in dem sie alle vertreten sind, kommt vielen als ziemlich zahnloses Instrument vor. Viele Senioren vermissen ein schlagkräftiges Sprachrohr …

Lang: Also, ich muss sagen, die Pensionistenvertreter, die zu mir kommen, die verschaffen sich schon ein Gehör und treten schon entsprechend auf. Insgesamt haben die Pensionisten in den Gemeinden und in den Städten einen großen Stellenwert, da gibt es viele Einrichtungen. Das Zusammenspiel der Älteren mit den Gemeinden, den Städten und mit dem Land Steiermark funktioniert sehr gut.

Erstaunlich viele ältere Mitmenschen wollen über die Pension hinaus im Arbeitsprozess bleiben, viele wollen sogar wieder zu arbeiten beginnen. Sie finden aber Hürden und Benachteiligungen vor. Was sagen Sie ihnen?

Lang: Diese Frage muss man an die Bundesregierung stellen. Ich glaube, es ist aus verschiedensten Gründen notwendig und sinnvoll, diesen Personen schon einen Anreiz zu geben. Wenn man sich wieder in die Arbeitswelt begibt, sollte es gewisse Steuererleichterungen geben. Das ist auch wichtig für unsere Wirtschaft. Ich bin der Meinung, mit der Pensionierung geht in vielen Betrieben irrsinnig viel Know-how verloren. Das könnte man weiter in den Firmen haben, wenn es gelingt, diesen Menschen das Angebot zu machen, vielleicht einen oder zwei Tage in der Woche weiter zu arbeiten. Dann können sie diesen Wissenstransfer aktiv betreiben und den Nachfolgenden vieles mitgeben, was sie in einem langen Berufsleben erworben haben. Aus meiner Sicht wäre es unbedingt nötig, hier Anreize zu schaffen.

Wir hinterfragen in diesen Gesprächen auch, wie sehr den Spitzenkandidaten die Anliegen der Älteren bewusst sind. In der Seniorenstudie von Abenteuer Alter haben die Betroffenen ihre zwei allergrößten Sorgen artikuliert, nämlich die Angst vor der Altersarmut und die vor der Einsamkeit. Was glauben Sie, ist die größere dieser beiden großen Sorgen?

Lang: Ich glaube, ein Riesenthema ist die Einsamkeit. Das erfahre ich in vielen Gesprächen. Wenn es irgendwie geht, besuche ich Veranstaltungen von Seniorenklubs und viele andere. Ich glaube, diese Bevölkerungsgruppe verdient es, dass sie gehört wird und dass man ihr Aufmerksamkeit schenkt. Ich bin allen Vereinen dankbar, dass sie sich darum kümmern, dass diese Menschen bis ins hohe Alter zum Beispiel aktiv Sport betreiben bis hin zu Seniorenmeisterschaften. Ich habe das erlebt: Die spielen mit 80 plus Tennis, da können junge Menschen nur neidvoll hinblicken! Oder im Kulturbereich. Erst jetzt habe ich einen Herrn bei der Blasmusik kennengelernt, der mir sagte, er ist 84 Jahre alt und mehr als 60 Jahre aktiver Musiker. Das sind schöne Erlebnisse und es ist Aufgabe der Politik und der öffentlichen Hand, alles zu tun, um das zu verstärken.

Es sind nicht alle mit 80 gute Tennisspieler, sondern in diesem Alter sorgen sich die meisten um ihre Gesundheit. Viele finden generell, dass hier alles immer schlechter wird. Was sagen Sie ihnen?

Lang: Im Vergleich mit anderen Ländern kann ich dem nicht zustimmen. Ich bin schon sehr froh, dass ich in Österreich und der Steiermark leben darf, wo es im Grunde eine gute Gesundheitsversorgung gibt. Aber mir sind die Probleme bewusst. In vielen Gesprächen wird mir gesagt, dass man sehr lange auf einen Termin bei einem Facharzt warten muss. Es gibt das Thema Wahlarzt und ob man sich den leisten kann. Oder es gibt das lange Warten auf Operationen. Da muss man viel verbessern. Meine große Sorge als Obersteirer ist aber, dass es immer weniger praktische Ärzte und Ärztinnen gibt. Das sind die, die Hausbesuche machen, und gerade ältere Leute legen darauf Wert. Sie wollen wissen, wenn sie einen Arzt brauchen, dass er kommt. Das ist ein Riesenthema und darum haben wir als Sozialdemokratie gesagt: Mit uns wird in der Steiermark die Gesundheitsversorgung weiter ausgebaut. Wir brauchen diese Gesundheitszentren, aber in der ganzen Steiermark, in allen Regionen, auch dort, wo man es relativ weit hat zu einem Facharzt, zu einem Krankenhaus. Dort müssen wir diese Gesundheitszentren hinbringen. Da sind wir in der Steiermark auf einem guten Weg, wir haben zwar noch Luft nach oben, aber es muss ein Ziel der nächsten Regierung sein, das noch besser auszubauen. 

In der Pflege haben die Menschen eine ähnliche Sorge, wenn sie vom Schlagwort Pflegenotstand hören. Wie können Sie sie beruhigen?

Lang: Es ist das gleiche Problem wie in Österreich und in Teilen Europas: Wir haben zu wenig Personal. Das ist eine große Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Es gibt die verschiedensten Zugänge. Wir haben in der Steiermark an der Gehaltsschraube gedreht, wir schaffen mehr Ausbildungsplätze. Ansonsten haben wir auf sehr hohem Niveau Pflegeeinrichtungen im ganzen Land und darüber bin ich sehr froh. Aber viele ältere Menschen erzählen mir, das ist sozusagen der letzte Ausweg, eigentlich wollen sie so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben. Deshalb müssen wir die mobile Pflege weiter ausbauen. In einem Punkt sehe ich ein Riesenpotenzial, nämlich bei den nahen Angehörigen, die die Pflege übernehmen. Da gibt es jetzt in Graz ein Pilotprojekt, wo man pflegende Angehörige anstellt. Das muss in Zukunft auch in der Steiermark gelingen und dann kann man sagen, in der Zukunft ist es möglich, so spät wie möglich in ein Pflegeheim zu gehen. 

Sie heben die pflegenden Angehörigen und ihre enormen Leistungen hervor. Aber finden die genügend Anerkennung?

Lang: Worte der Anerkennung, ja. Aber davon kann man sich nichts runterschneiden. Es sind meistens die Frauen, die das leisten, und man darf nicht vergessen, auch die kommen ja später ins Pensionsalter und dann fehlen ihnen Versicherungsjahre und einfach eine ausreichende Pension. Deshalb muss man schauen, dass sie entsprechend abgesichert sind, auch finanziell.

Die älteren Personen, die zu Hause leben, brauchen Mobilität, um überall dorthin zu kommen, wohin sie wollen und müssen. Als Obersteirer wissen Sie, dass auf dem Land Mobilität stark mit dem Auto verbunden ist und Sie wissen auch aus der Unfallstatistik, dass die Älteren nicht mehr sehr sicher fahren. Da kommen wir zu dem Dilemma, dass sie ohne Auto nicht nur ihre Mobilität verlieren, sondern überhaupt ihre Unabhängigkeit und Lebensqualität. Sehen Sie irgendeine Lösung?

Lang: Wir haben den öffentlichen Verkehr in der Steiermark in den letzten Jahren stark ausgebaut. Mit den Regiobussen ist uns das in den Regionen ziemlich gut gelungen, aber mir ist völlig klar, dass man dann trotzdem zu einer Haltestelle kommen muss, und das ist dann oft ein weiter Weg. Deshalb habe ich in Auftrag gegeben, den Mikroverkehr, also den Zubringerverkehr zu den Bushaltestellen oder zur S-Bahn, auf neue Beine zu stellen. Dann wird man in einer Gemeinde mehrere Stellen haben, wo man nach einem Anruf abgeholt und zur nächsten Haltestelle oder zu einer Einrichtung gebracht wird. Das ist auch immer wieder ein finanzielles Thema und deshalb wird der Ruf laut, das in das Klimaticket zu integrieren. Der Tarif ist so zu gestalten, dass er nicht eine weitere Belastung für die Älteren ist. Ich glaube, da werden wir 2025 etwas präsentieren können. Ich will auch ehrlich sein und sagen, es wird uns nicht gelingen, in den Regionen, wo man sehr exponiert wohnt, überall einen öffentlichen Verkehr hinzubringen. 

Sie kennen wahrscheinlich die Seniorencard im Großraum Graz, die wegen der vielen Vorteile gut angenommen wird. Sollte es die steiermarkweit geben?

Lang: Ich weiß, unsere Soziallandesrätin Doris Kampus schaut sich das an. Man muss da immer wieder Partner finden. Ich warne aber immer vor einem: Es bringt nichts, gleichsam mit der Gießkanne durchs Land zu gehen und Geld zu verteilen. Wir müssen mit dem Geld der Steuerzahler sehr zielgerichtet umgehen, also jenen Menschen Mittel geben, die es wirklich brauchen. Es wird das Ziel der Sozialdemokratie in der nächsten Zeit sein, dass genau das passiert.

 Vielen Dank für das Gespräch!

 

ZUR PERSON:

Anton Lang (65) ist ein Urgestein der Leobner SPÖ und war beruflich im Sparkassensektor engagiert. Nach politischen Stationen in seiner Heimatstadt wechselte er in den Landtag und ist seit zehn Jahren in der Landesregierung. Seit 2020 führt er die steirischen Sozialdemokraten an. Als Landeshauptmann-Stellvertreter ist er zuständig für Finanzen und Verkehr sowie sein besonderes Anliegen, den Sport.

 

Beitrag veröffentlicht am 15.11.2024
Text: Johannes Kübeck
Fotos: Luef Light

Wir sind für ein Altern in Würde | Mario Kunasek, FPÖ

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Herr Kunasek, auch Sie kämpfen für Ihre Partei um die vielen Stimmen der älteren Generation. Können Sie kurz sagen, warum sie eigentlich die Freiheitlichen wählen sollen?

Mario Kunasek: Weil die Freiheitlichen ganz klar sagen, dass die ältere Generation viel geleistet und uns eine wunderbare Heimat übergeben hat. Deshalb müssen sie auch wertgeschätzt werden. Das ist nicht immer der Fall, wenn wir etwa an die Pensionen denken. Da kommen sich die Senioren manchmal wie Bittsteller vor. Das wollen wir nicht. Wir sind für ein Altern in Würde und wir wollen, dass die Älteren auch aktiv bleiben. Dazu braucht es entsprechende Ansätze.

Vielen der älteren Generation fällt auf, dass es in der Landesverwaltung zwar Einrichtungen gezielt für Kinder, Jugendliche, Flüchtlinge oder Frauen gibt, aber nicht für die Senioren, obwohl die doch eine so große Bevölkerungsgruppe bilden. Warum eigentlich?

Kunasek: Es gibt schon die Seniorenvertretung auf der Ebene der Politik, aber offenbar findet sie nicht Gehör. Wenn man von amtlichen Einrichtungen spricht, möchte ich aber auch anmerken, dass nicht alles digital sein darf. Wir Jüngere sind eine Generation, die mit dem Digitalen schon länger lebt, aber es muss auch möglich sein, analog zu arbeiten, damit auch die ältere Generation daran teilhaben kann, etwa bei Amtswegen und Entscheidungsprozessen. 

Apropos arbeiten: Viele Senioren wollen auch in der Pension beruflich aktiv bleiben, stoßen aber auf Hindernisse und Benachteiligungen etwa im Steuerrecht. Was sagen Sie dazu?

Kunasek: Wenn ich richtig informiert bin, hat die Politik dieses Problem jetzt endlich am Radar. Ich glaube, dass gerade in Zeiten wie diesen, wo wir auf jede Arbeitskraft angewiesen sind und die Unternehmer händeringend nach guten Mitarbeitern suchen, die Frage angebracht ist: ‚Warum nicht auch jemand Älterer‘? Sie bringen viel Erfahrung mit und sind oft sehr leistungsbereit. Wir wissen auch, je länger man aktiv bleibt, desto länger bleibt man auch gesund. Es wäre eine Win-win-Situation für die älteren Menschen, aber auch für die Wirtschaft.

Wir versuchen in diesen Gesprächen herauszuarbeiten, wie bewusst Politikern die Welt der Älteren ist. In der Seniorenstudie von Abenteuer Alter nennen die Senioren ihre zwei größten Sorgen, nämlich Altersarmut und Einsamkeit. Was glauben Sie, welche davon ist die größere Sorge?

Kunasek: Wenn ich raten müsste, ist es die Einsamkeit.

Sie haben ganz recht!

Kunasek: Ich glaube das deshalb, weil ich an meine Großmutter denke. Die ist heuer 100-jährig verstorben und war sehr lange zu Hause. Sie hat immer wieder geklagt, dass die Kinder, Enkel und Urenkel wenig Zeit für sie haben und die Einsamkeit ist für sie auch Thema gewesen. Dem muss man sich stellen und ich sehe auch die Gemeinden in der Pflicht, hier Angebote zu schaffen. Auch die Seniorenverbände sind hier angesprochen, niederschwellig attraktive Angebote zu entwickeln, damit die Älteren am sozialen Leben und am Austausch mit allen Generationen teilhaben können. 

Das zentrale Thema dieser Generation ist natürlich die Gesundheit und da gibt es von vielen die Wahrnehmung, alles wird immer schlechter. Teilen Sie diesen Befund? 

Kunasek: Da kann man nicht widersprechen, denn es gibt heute eine Zwei-Klassen-Medizin, das wissen alle. Gerade in den Regionen, wenn man nicht das Glück hat, in Graz zu wohnen, ist es schwierig, Behandlungs- oder Untersuchungstermine zu bekommen. Es gibt ein Mangel an niedergelassenen Ärzten, man schließt Krankenhäuser und die Wegstrecken werden gerade für die ältere Generation immer weiter.

Bei OP-Terminen müssen ältere Leute oft viele Monate warten. Kann man das nur verkürzen, in dem man privat etwas dazuzahlt?

Kunasek: Wir brauchen mehr Ärzte, wir brauchen aber auch mehr Möglichkeiten, ohne Zusatzversicherung Leistungen zu bekommen. Ich habe gerade erst von einem älteren Herrn mit Grauem Star gehört, der eineinhalb Jahre auf eine Operation gewartet hat. Das ist für ein Land wie Österreich und für uns in der Steiermark eigentlich untragbar. Ich getraue mich zu behaupten, mit der richtigen Versicherung und mit der richtigen Polizzennummer wäre das um einiges schneller gegangen und ich verstehe, wenn man sich benachteiligt fühlt.

Der andere große Sorgenbereich dieser Gruppe ist die Pflege. Da hören die Älteren vom Pflegenotstand und Bettenmangel und sind verunsichert. Was ist zu tun?

Kunasek: Ich habe bei meiner Großmutter erlebt, dass die Menschen dieser Generation möglichst lange zu Hause sein wollen. Dazu braucht es den Ausbau der mobilen Pflege, das ist ein Gebot der Stunde. Wenn dann doch nichts anderes übrig bleibt als der Heimplatz, dann muss man auch dort entsprechende Pflege vorfinden, also weniger Bürokratie und mehr Zeit für die Menschen. Es darf nicht sein, dass es in so einer Einrichtung wieder wenig soziale Kontakte gibt, dass die Beschäftigten wenig Zeit für die Bewohner haben.

Zur Pflege gehören die Angehörigen, die so viele ältere Menschen zu Hause liebevoll betreuen. Wir von Abenteuer Alter bezeichnen sie als die Engel der älteren Generation. Finden Sie, dass die pflegenden Angehörigen genug Anerkennung finden?

Kunasek: Das bekommen sie nicht. Zum einen geht es um die verbale Anerkennung für das, was hier vor allem die Frauen leisten. Das andere ist die monetäre Anerkennung, und da fordern die Freiheitlichen schon seit Jahren diese Mehrgenerationenhäuser. Das ist leider noch nicht bei der Landespolitik angekommen.

Sie haben schon angedeutet, dass zum Pflege- und Gesundheitsbereich auch gehört, dass die Menschen mobil sind. Bei der Mobilität der älteren Generation haben wir aber das riesige Problem, dass sie gerade auf dem Land auf das Auto angewiesen sind, aber viele nicht mehr sehr sicher fahren. Das zeigen die Statistik und die Medienberichte. Andererseits: Wenn sie nicht mehr Auto fahren können oder dürfen, verlieren sie nicht nur ihre selbstbestimmte Mobilität, sondern gleich einen großen Teil ihrer Lebensqualität. Ist dieses Dilemma überhaupt aufzulösen?

Kunasek: Ich denke an meinen Großvater, der lange Auto gefahren ist. Er war ein Automensch, und als das nicht mehr ging, ist er wie viele sozusagen in ein Loch gefallen, weil ihm diese Mobilität gefehlt hat. Die Antwort kann natürlich nur sein, dass man wohnortnahe öffentliche Anbindungen hat. Man muss möglichst lange fit bleiben, um das Auto sicher fahren zu können und dann öffentlichen Verkehr in den Regionen schaffen. Auch hier sehe ich das Land und die Gemeinden gefordert, dass es überhaupt einen öffentlichen Verkehr gibt, den die Menschen in Anspruch nehmen können. 

Im Großraum Graz und im Bezirk Voitsberg schätzen die Senioren das Angebot der Seniorencard mit den Vergünstigungen und den Angeboten im Freizeit- und Kulturbereich sehr. Sollte es das für alle Steirer dieser Generation geben?

Kunasek: Das wäre sicher gut, weil diese Generation Angebote für eine altersgerechte Freizeitgestaltung verdient.

Vielen Dank!

 

ZUR PERSON:

Mario Kunasek (48) ist erlernter Kfz-Techniker und ausgebildeter Unteroffizier. Der Grazer kam über die Gewerkschaft zur FPÖ und ist Landesobmann. Kunasek war Landtagsabgeordneter, saß im Nationalrat und war unter Türkis-Blau bis zur Ibiza-Affäre Verteidigungsminister. Seit 2019 ist er Klubobmann der FPÖ im Landtag Steiermark und jetzt erneut Spitzenkandidat. In der Finanzaffäre der Grazer FPÖ ermittelt die Justiz wegen Mitwisserschaft. 

 

Beitrag veröffentlicht am 15.11.2024
Text: Johannes Kübeck
Fotos: Luef Light

Pflegende Angehörige brauchen Entlastung! | Sandra Krautwaschl, GRÜNE

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Auch in dieser Landtagswahl werben alle Parteien um diese große Wählergruppe der Generation 60 plus. Sagen Sie uns bitte, warum sollen die steirischen Senioren die Grünen wählen?

Sandra Krautwaschl: Ich denke, gerade diese Generation, die Generation meiner Eltern, hat sehr gut erlebt, wie ein gutes Leben in der Steiermark aussehen kann und sie sind natürlich sehr daran interessiert, auch ihren Kindern und Enkelkindern ein gutes Leben mit einer gesunden Natur und in einer friedlichen Gesellschaft zu ermöglichen. Da sind sie bei den Grünen besonders gut aufgehoben. Unsere Politik richtet sich ganz darauf, dass die Steiermark das grüne Herz bleibt, von dem wir immer sprechen.

Diese große Wählergruppe hat so wenig Vertretung im Land Steiermark, wenn man daran denkt, dass es für Kinder, Jugendliche, Frauen oder Flüchtlinge eigene Einrichtungen gibt. Wollen Sie das ändern?

Krautwaschl: Für diese Generation gibt es ganz viel Unterstützung in verschiedenen Bereichen. Für mich ist da ganz besonders der Bereich Pflege und Unterstützung von Menschen wichtig, die ein gewisses Alter erreicht haben und Hilfe brauchen. So haben wir im Landtag eben erst das Thema Community Nurses wieder thematisiert. Das hat das Gesundheitsministerium initiiert, es ist bis 2028 mit EU-Geldern abgesichert. Jetzt macht das Land ein Modell, das die Gemeinden verpflichtet, mitzuzahlen und ich höre aus vielen Gemeinden, dass sie sich das nicht leisten können. Deshalb kämpfe ich mit meinem Team, dass diese wichtige Hilfestellung für zu Hause vom Land aufrecht erhalten und auch finanziert wird. 

Ist das nicht der Beweis, dass die Senioren eine hörbare, schlagkräftige Stimme auf Landesebene brauchen, die wirkungsvoller ist als die bestehenden, sehr verdienstvollen Seniorenverbände?

Krautwaschl: Ich glaube, es ist wichtig, dass die Betroffenen sich viel lauter einbringen, und zwar über die Parteigrenzen hinweg. Wir wissen, es gibt in der Steiermark in der Pflege ein Riesenproblem, weil wir viel zu lange in die falsche Richtung gesteuert haben und hauptsächlich Pflegeheime gebaut wurden. Die Entlastung der pflegenden Angehörigen wurde einfach nicht aufgebaut.

Wir möchten Ihre Einschätzung kennenlernen, wie die ältere Generation sich selbst fühlt. In der Seniorenstudie von Abenteuer Alter hat diese Generation zum Ausdruck gebracht, was ihre größte Sorge ist. Was glauben Sie: Ist es Altersarmut oder Einsamkeit?

Krautwaschl: Ich glaube, das eine und das andere hängt sogar zusammen. Gerade dann, wenn ich mir das Leben nicht mehr gut leisten kann, wenn ich mir soziale Kontakte in einem Kaffeehaus nicht leisten kann, dann ist die Gefahr, dass ich auch vereinsame, extrem groß. Deshalb ist für uns Grüne das Vorsorgeprinzip so wichtig, dass man eben frühzeitig gegen die Altersarmut ankämpft. Das beginnt schon bei der Kinderbetreuung, die leistbar sein muss. Ich bekomme Zuschriften von jungen Frauen, die sagen, sie können es sich nicht leisten, arbeiten zu gehen, weil ihr ganzes Einkommen in die Kinderbetreuung gehen würde. Damit produzieren wir die Altersarmut der Zukunft. 

Viele Senioren sind immer noch beruflich aktiv, auch nebenberuflich, und nehmen allerhand Nachteile in Kauf. Wie wollen Sie darauf Einfluss nehmen, dass sich das ändert?

Krautwaschl: Ich kenne dieses Problem sehr gut, weil es zum Glück ältere Menschen gibt, die sehr fit sind und weiter einen Beitrag leisten wollen. Es muss sich für diese Menschen auszahlen, wenn sie im Alter arbeiten. Und es gilt anzuerkennen, dass wir die Leistungen dieser Menschen auch ganz dringend brauchen. Uns fehlen die Arbeitskräfte und ihre Expertise und Erfahrung. Das gehört auch monetär abgegolten. Es wäre gut, wenn es in der Steiermark Projekte gäbe, bei denen die Menschen sehen, wie vorteilhaft es ist, wenn sich die Älteren einbringen.

Das Thema, das diese Generation wohl am meisten beschäftigt, ist die Gesundheit. Und da ist von der älteren Generation die Klage zu hören, dass das Gesundheitssystem immer schlechter wird. Finden Sie das auch?

Krautwaschl: Ich habe oft erlebt, wie Menschen von einem zum anderen geschickt werden, wenn sie eine Anlaufstelle für ihr Gesundheitsproblem suchen. Oft braucht es Wochen und sogar Monate, bis sie die richtige Hilfe finden. Wir forcieren seit langen die Primärversorgungszentren als möglichen Ansatz. Da sind alle Gesundheitsberufe unter einem Dach. Das muss endlich auch in der Steiermark voll forciert werden. Wenn wir das vielschichtige Personalproblem im Gesundheitssektor in den Griff bekommen wollen, dann müssen wir an dieser Stelle ansetzen und nicht glauben, wir können alles mit irgendwelchen Krankenhausbauten lösen, wo dann erst wieder das Personal fehlt. 

Eine Wahrnehmung besonders der Älteren ist, dass es so lange Wartezeiten für Standardoperationen gibt und dass man da mit etwas Geld „anschieben“ kann. Ist das die Lösung, Geld in ein Kuvert zu stecken?

Krautwaschl: Nein, es ist Überzeugung der Grünen, dass es in unserem Gesundheitssystem, das von der Allgemeinheit bezahlt wird, reichen muss, wenn man mit der E-Card kommt und nicht mit der Kreditkarte. Wir müssen bei den Gesundheitsberufen sicherstellen, dass die Menschen, die ihre Ausbildung durch öffentliche Gelder finanziert bekommen, auch dem öffentlichen System zur Verfügung stehen. Wir haben ganz viele Ärzte, wir wissen aber auch, dass viele sich im Wahlarztsystem wohlfühlen. Das ist zwar grundsätzlich OK, aber dann stehen sie nicht der öffentlichen Gesundheitsversorgung zur Verfügung.

Eine große Sorge der älteren Generation ist der Zustand der Pflege mit dem viel zitierten Pflegenotstand. Wie wollen Sie ihnen diese Sorgen nehmen?

Krautwaschl: Wir wollen eine Umsteuerung zur Prävention und Pflege, die zu Hause geleistet wird.  Alles muss kostengünstig und wohnortnah zur Verfügung stehen wie die Community Nurses.  Das hilft, dass die Menschen länger gesund bleiben und gesund zu Hause leben können. Und wenn sie doch Hilfe brauchen, müssen sie die rasch bekommen können. Jetzt ist es oft so, dass erst lange nichts geschieht und dann ist der Zustand einer älteren Person so, dass nichts anderes mehr hilft als ein Pflegeheim. 

Vieles von dem, was Sie hier schildern, setzt auch ein hohes Maß an Mobilität voraus und das ist für viele ältere Menschen ein Riesenproblem. Viele fahren nicht mehr sicher Auto, aber ohne Auto verlieren sie besonders auf dem Land nicht nur ihre selbstbestimmte Mobilität, sondern überhaupt einen großen Teil ihrer Lebensqualität. Wie wollen Sie dieses Dilemma auflösen?

Krautwaschl: Das ist ein großes Problem und für einen Teil der Lösung halte ich das Klimaticket, das leistbare Mobilität sicherstellt. Das ist zu kombinieren mit dem sogenannten Mikro-ÖV, also Sammeltaxis und kleinen Bussen, die wirklich in das Klimaticket einbezogen werden sollten. Dann bleibt es leistbar und es stellt gerade in Regionen, wo kein Zug oder kein großer Bus hinfährt, sicher, dass Menschen mobil sind, ohne das Auto zu brauchen.

Die Seniorencard im Großraum Graz und im Bezirk Voitsberg mit ihren vielen Vergünstigungen ist ein Erfolgsmodell, aber auf diese Regionen beschränkt. Sollte sie landesweit eingeführt werden?

Krautwaschl: Ich denke, alle Modelle, die helfen, Älteren Möglichkeiten zu verschaffen, mobil zu bleiben und vor Vereinsamung zu bewahren, sind sinnvoll und sollten schrittweise ausgebaut werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

ZUR PERSON:

Sandra Krautwaschl (53) wurde in der Steiermark bekannt, weil sie mit ihrer Familie ein Leben ohne Plastik führt. Sie wurde dazu durch einen Film inspiriert und hat ihr eigenes Tun ebenfalls in einem Film und in Büchern dokumentiert. Das Motto der Physiotherapeutin, die in Rein zu Hause ist, lautet „Weniger Kram, mehr Leben.“ Krautwaschl ist seit 2015 Landtagsabgeordnete der Grünen und tritt zum zweiten Mal als Spitzenkandidatin an.

 

Beitrag veröffentlicht am 15.11.2024
Text: Johannes Kübeck
Fotos: Luef Light

Man darf keine Buslinien einstellen! | Claudia Klimt-Weithaler, KPÖ

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Frau Klimt-Weithaler, alle Parteien ringen bei der Landtagswahl um Stimmen. Können Sie uns sagen, warum die Senioren die KPÖ wählen sollen?

Claudia Klimt-Weithaler: Weil die KPÖ eine Politik macht, die für alle Menschen gut ist, weil wir keinen Unterschied machen, wo jemand herkommt, wie alt jemand ist, welche sexuelle Orientierung, ethnische Herkunft oder Religion jemand hat. Für uns sind alle Menschen gleich viel wert und ich spüre sehr oft bei meinen Sozialsprechstunden, zu denen auch viele Ältere kommen, dass die Anliegen sehr vielfältig sind. Es gibt nicht die Seniorin oder den Senior, sondern es sind Menschen, die kommen, und wir versuchen, auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Wir nehmen besonders bei Frauen Altersarmut wahr, weil sie früher in Teilzeit gearbeitet haben oder gar nicht. Für sie kann es wirklich sehr schwer sein, ihre Leben auf die Reihe zu kriegen.

Obwohl diese Gruppe so wichtig ist:

Warum gibt es in der Landesverwaltung konkrete Einrichtungen für Kinder, Jugendliche, Frauen und sogar Migrant:innen, aber nicht für die ältere Generation? Warum gibt es eine ähnlich kompetente und schlagkräftige Einrichtung nicht für die Senioren? 

Klimt-Weithaler: Das muss man die Verantwortlichen in der Landespolitik fragen, von unserer Seite ist das sehr wohl thematisiert worden. Eben weil es so etwas nicht gibt, arbeiten wir von der KPÖ mit dem Zentralverband der Pensionisten und Pensionistinnen zusammen und bieten einmal in der Woche eine Beratung an. Da geht es zum Beispiel darum, jemandem beim Ausfüllen eines Formulars zu helfen. In diesem Rahmen wurde auch ein Chor gegründet!

Seniorenverbände machen durchaus gute Arbeit, aber viele in der älteren Generation vermissen ein kräftiges, wirkungsvolles Sprachrohr. 

Klimt-Weithaler: Ich sehe das auch so. Wir versuchen, die Anliegen dieser Gruppe sehr ernst zu nehmen. Ich versuche, solche Menschen einzuladen, damit ich ihre Probleme besser verstehe. Ich bin gewählt, um Menschen zu vertreten, und wenn sie zu mir kommen, versuche ich auch, das auf die parlamentarische Ebene zu heben.

Wir möchten gerne wissen, wie vertraut Ihnen die Anliegen dieser Gruppe sind. Die Seniorenstudie von Abenteuer Alter hat ergeben, dass es da besonders zwei große Problembereiche gibt, nämlich finanzielle Sorgen und Einsamkeit. Was glauben Sie, wird als das größere der beiden Probleme wahrgenommen?

Klimt-Weithaler: Ich glaube, dass die Einsamkeit an erster Stelle steht, weil das erlebe ich auch in meinen Sprechstunden immer wieder. Aber in einem gewissen Teil der älteren Gesellschaft spielen natürlich auch die Finanzen eine große Rolle. 

Kann die Politik beim schwierigen Thema Einsamkeit überhaupt irgendetwas machen?

Klimt-Weithaler: Ich glaube, dass das Land durchaus Angebote in diese Richtung setzen kann. Das müsste halt sehr niedrigschwellig sein. Was die sozialen Probleme betrifft, muss man verstärkt in die aufsuchende Sozialarbeit gehen. Da sollte jemand vorbeischauen und einfach die Leute fragen, wie es ihnen geht und dann stellt sich heraus, dass es tatsächlich Probleme gibt.

Viele Senioren wollen weiter beruflich oder nebenberuflich arbeiten, aber da gibt es Hürden. Welche Hilfestellung wollen Sie anbieten?

Klimt-Weithaler: Ich freue mich immer wieder, wenn ältere Menschen, die durchaus in Pension gehen könnten, sagen, sie möchten noch weiter arbeiten. Und dann gibt es die, die sagen, richtig regelmäßig soll die Arbeit nicht mehr sein. Da finde ich es immer sehr schön, wenn Menschen sich ehrenamtlich engagieren. Jedenfalls geht es auch darum, dass die Erfahrung, die die älteren Menschen mitbringen, weitergegeben werden kann und geschätzt wird. 

Das große Thema dieser Generation ist natürlich die Gesundheit. Aber viele sagen, das Gesundheitssystem ist so schlecht geworden. Verstehen Sie diese Einschätzung?

Klimt-Weithaler: Ich sehe das so: Diese Menschen sind noch lange am Leben und zum Glück auch sehr lange gesund. Da braucht es von der Politik einen anderen Fokus. Ich finde, je länger ältere Menschen in ihrem eigenen Umfeld bleiben können, desto besser ist es für sie. Wir sollten eher Unterstützungsleistungen anbieten, wo Hilfe nach Hause kommt. Für mich ist erst der letzte Schritt, wo man sagt, ich gehe jetzt in ein Pflegeheim. 

Beim Thema Gesundheit gibt es die Erfahrung der Menschen, dass sie so lange auf eine OP warten müssen. Geht es nur noch mit Geld, dass man rascher einen OP-Termin bekommt?

Klimt-Weithaler: Ich sage, die Zwei-Klassen-Medizin ist schon längst Realität, weil es den Personalmangel und die hohe Zahl an Wahlärzten gibt. Wir haben den Landesrat aufgefordert, dass die Wartezeiten zumindest transparent sein müssen und dass man zu einer Verkürzung kommt. 

Wichtige Personen im großen Bereich Pflege sind die pflegenden Angehörigen. Sie betreuen die zu Pflegenden liebevoll und entlasten das Gesundheits- und Pflegesystem. Finden Sie, dass sie genug Anerkennung erfahren?

Klimt-Weithaler: Sicher zu wenig. Wir haben jetzt aber in Graz ein Modell zur Anstellung der pflegenden Angehörigen eingeführt. Es haben sich Leute freiwillig gemeldet, einige sind jetzt angestellt und auch sozialversichert. Wir haben ja das Problem, dass pflegende Angehörige oft keinen Beruf ausüben können und ohne Einkommen dastehen. Wir haben Anträge eingebracht, das auch auf Landesebene einzuführen. 

Ein wichtiges Thema für die Lebensqualität der Senioren ist ihre Mobilität. Wir wissen aus Statistiken und den Nachrichten, dass viele Senioren nicht mehr sehr sicher Auto fahren. Ohne Auto verlieren sie nicht nur die selbstbestimmte Mobilität, sondern einen großen Teil der Lebensqualität überhaupt. Was haben Sie für Vorschläge, dieses Dilemma aufzulösen?

Klimt-Weithaler: Ganz wichtig ist, dass man Buslinien und kleine Eisenbahnlinien nicht einstellt, auch wenn sie sich sozusagen nicht mehr rentieren. Da sind oft besonders die Senioren betroffen, die anders nicht von A nach B kommen. Deshalb glaube ich, die öffentliche Hand muss hier investieren und sagen, das ist es uns wert. Gleichzeitig unterstütze ich Modelle auf Gemeindeebene mit verstärkten Mobilitätsangeboten. Da gibt es einige Pioniere, aber das müsste flächendeckend angeboten werden und da ist auch das Land gefragt. 

Im Großraum Graz und im Bezirk Voitsberg gibt es sehr erfolgreich die Seniorencard mit vielen Vergünstigungen und Angeboten für die ältere Generation. Sollte das steiermarkweit ausgerollt werden?

Klimt-Weithaler: Ich möchte das sogar noch weiter fassen. Wir kämpfen schon lange für eine Sozialcard, die allen Menschen den Zugang zu Freizeitangeboten und kulturellen Angeboten bietet. Es ist längst an der Zeit, das anzupacken.   

Vielen Dank für dieses Gespräch!

 

ZUR PERSON:

Claudia Klimt-Weithaler (53) stammt aus einem Umfeld in der Stadt Fohnsdorf, das schon immer kommunistisch war. Die Jugend- und Kinderpädagogin wurde 2005 für die KPÖ in den Landtag gewählt, führte die Partei an und ist jetzt zum zweiten Mal Spitzenkandidatin. Wie alle KPÖ-Mandatare zahlt sie mehr als die Hälfte ihres Einkommens als Politikerin in einen Sozialfonds ein. Am jährlichen „Tag der offenen Konten“ legt sie darüber Rechenschaft ab.

 

Beitrag veröffentlicht am 15.11.2024
Text: Johannes Kübeck
Fotos: Luef Light

Zukunftsfit im Generationenhaus | Niko Swatek, NEOS

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Vielen Dank, dass Sie für Abenteuer Alter zur Verfügung stehen! Alle Parteien ringen um die große Wählergruppe der Generation 60 plus. Wieso sollen Senioren die Neos wählen?

Niko Swatek: Weil wir eine zukunftsfitte Steiermark wollen, nicht eine Steiermark, wo so viele Probleme herrschen. Denken Sie an die Gesundheitsversorgung, die nicht funktioniert und was vor allem die Älteren spüren, bis zum schwindenden Wohlstand. Das muss gelöst werden. 

Zukunftsfit, das klingt so nach Schlagwort. Können Sie das konkreter ausführen?

Swatek: Bei uns beginnt zukunftsfit eigentlich schon bei unseren Kindern und Enkelkindern. Wir wollen dafür sorgen, dass wir ein gutes Bildungssystem haben, dass wir die klügsten Köpfe hier haben, die Wohlstand in unser Land holen, Arbeitsplätze schaffen und damit langfristig unser Sozialsystem finanzieren.

Für alle Parteien sind die Senioren und ihre Anliegen so wichtig. Es fällt auf, dass auf Landesebene Einrichtungen für Kinder, die Jugend, Frauen oder Flüchtlinge gibt, aber nicht für die große Gruppe der Senioren. Haben Sie vor, eine Ansprechstation für diese Generation einzurichten? Halten Sie das für erforderlich?

Swatek: Wir haben das bei den Neos schon integriert, das heißt Neos-Plus. Das sind Personen, die Anliegen von Personen höheren Alters vorangetrieben haben wollen. 

Es gibt in den Parteien wie auch bei den Neos solche Einrichtungen, aber kein kompetentes, wirkungsvolles Sprachrohr für diese Generation. Verstehen Sie, dass viele so etwas wie eine laute Stimme der Senioren vermissen?

Swatek: Das würde ich pauschal nicht so sehen. Wenn man in die Politik schaut, dann sind da sehr viele Menschen, die schon höheren Alters sind, und man sieht an der Wählerschaft, dass sie teilweise die Richtung in den Entscheidungen vorgeben. Ich bin schon überzeugt davon, dass die Generation der Babyboomer durchaus viel Mitsprachemöglichkeiten hat. Das ist aber kein Misstrauen gegenüber mehr Instrumenten der Mitwirkung für diese Generation.

Wir möchten gerne herausfinden, wie vertraut die Spitzenkandidaten der Landtagswahl mit der Lebenswelt der älteren Generation sind. Es gibt die Seniorenstudie von Abenteuer Alter. Was glauben Sie, haben die Senioren als ihre größere Sorge artikuliert: Finanzprobleme oder Einsamkeit?

Swatek: Ehrlich gesagt, glaube ich, es ist die Einsamkeit.

Das ist richtig! Und was heißt das jetzt für Sie als Politiker, dass das Problem Einsamkeit in der älteren Generation so groß ist?

Swatek: Das heißt, dass man handeln muss. Wir sehen in anderen Ländern, etwa im Norden, dass sie Einsamkeitsministerien haben und dieses Thema offensiv angehen. Sie setzen auf Generationshäuser und versuchen, die unterschiedlichen Altersgruppen untereinander zu verbinden. Es ist eine absolute Win-win-Situation, wenn eine Familie mit einem Kind gemeinsam mit älteren Personen in einem Haushalt lebt. Man kann gemeinsam die Einkäufe erledigen. Wenn man jemanden braucht, der auf das Kind schaut, ist einer da. Ich glaube, da muss man stärker ansetzen. 

Senioren bekämpfen die Einsamkeit zum Beispiel auch dadurch, dass sie weiter beruflich in irgendeiner Weise tätig sind. Wie wollen Sie diese Älteren ermuntern und dabei unterstützen?

Swatek: Ich kann das Beispiel meines Vaters nennen, ein sehr umtriebiger Herr, der seit einigen Jahren in Pension ist. Er war unternehmerisch tätig und muss eigentlich immer anpacken. Wenn er für das ehemalige Unternehmen tätig ist, erlebt er eine unglaublichen Verwaltungsaufwand und Abschläge, dass praktisch nichts rauskommt. Deshalb ist das Modell der Neos die sogenannte Flexi-Pension, die wir in den nordischen Ländern studiert haben. Da kann man sich den Pensionsantritt selbst aussuchen, man kann ihn auch nach hinten verschieben, wenn man das möchte und dazu in der Lage ist. 

Viele Senioren haben den Eindruck, dass das Gesundheitssystem nicht besser, sondern immer schlechter wird. Verstehen Sie diese Einstellung?

Swatek: Ja. 

Können Sie das erläutern? Was ist schlechter geworden?

Swatek: Die Wartezeiten. Das merken die Senioren sehr stark. Dann fehlen in der ganzen Steiermark Kassenarztpraxen. Das heißt für die Menschen, sie gehen zum Wahlarzt, was sie Geld kostet, oder sie nehmen weite Strecken in Kauf. Das ist vor allen bei Personen mit eingeschränkter Mobilität ein großes Problem. Dazu kommen die Wartezeiten für Operationen in den Krankenhäusern, etwa beim Grauen Star. Das sind alles Fälle, die besonders Personen höheren Alters stark spüren.

Führt also kein Weg daran vorbei, dass man etwas dazuzahlen muss, wenn man einen schnelleren OP-Termin haben möchte?

Swatek: Wir haben eine der höchsten Steuern- und Abgabenquoten in ganz Europa, wir zahlen an allen Ecken und Enden. Ohne Zusatzversicherung geht schon jetzt nichts mehr! Ich finde, wenn man schon so hohe Steuern und Abgaben zahlt, verdient man auch eine Gegenleistung, zumindest in Form eines funktionierenden Gesundheitssystems.

Ähnlich ist auch die Sorge der Älteren im Pflegebereich. Viele fürchten, dass sie Opfer des Mangels an Pflegekräften werden. Wie gehen Sie mit diesen Sorgen um?

Swatek: Ich verstehe sie voll und ganz. Man muss sich nur die Zahlen über den künftigen Pflegebedarf anschauen oder sehen, dass Pflegebetten wegen Personalmangels nicht benützt werden können. Noch dazu ist die Steiermark auch in der 24-Stunden-Betreuung nicht das Bundesland, das Betreuerinnen aus dem Ausland besonders schnell genehmigt. Deshalb sind diese Sorgen durchaus verständlich, dass die Pflege in dieser Form nicht mehr lange funktionieren wird. Ich glaube, es ist für uns als Gesellschaft eine der größten Herausforderungen, die Pflegeberufe aufzuwerten. Wir brauchen mehr Anerkennung für diese Berufe.

Es gibt eine Gruppe, die sehr wohl dafür steht, dass die Pflege funktioniert, das sind die pflegenden Angehörigen. Wir bei Abenteuer Alter nennen sie die Engel der Pflegebedürftigen und sie entlasten das Pflegesystem ungemein. Finden Sie, dass die pflegenden Angehörigen genug Anerkennung und Unterstützung bekommen?

Swatek: Das stimmt: Ohne Angehörige würde unser System sofort zusammenbrechen! Wir müssen jeder einzelnen Person sehr dankbar sein. Wir müssen ihnen Schulungsangebote anbieten oder die Ressourcen und das Know-how, dass sie sich sicherer fühlen können und nicht allein gelassen werden. Konkret muss das zum Beispiel den Ausbau von Community Nurses bedeuten. In den Regionen brauchen wir auch dezentrale Anlaufpunkte, damit für Personen, die zu Hause gepflegt werden, mehr vor Ort erledigt werden kann und dass sie sich lange Fahrten ins Krankenhaus ersparen. 

Im Großraum Graz und im Bezirk Voitsberg ist die Seniorencard ein ziemliches Erfolgsmodell mit den Vergünstigungen. Sollte es das für alle Senioren in der Steiermark geben?

Swatek: Ja, man sollte sich den Best-Practice-Beispielen nicht verwehren. Ich finde, die Politik sollte nicht so oft Dinge neu erfinden, sondern das Bewährte ausbauen und verbessern. 

Im Namen von Abenteuer Alter:
Vielen Dank!

 

ZUR PERSON:

Der Grazer Niko Swatek (33) wurde mit 28 Jahren zum ersten Gemeinderat der Neos in den Gemeinderat der Stadt gewählt. Seit 2019 ist der verheiratete Vater eines Sohnes Landtagsabgeordneter. Das Studium der technischen Physik schloss er mit dem Bachelor ab. Seine Motivation als Politiker richtet sich gegen einen allgegenwärtigen Zustand, den er als Stillstand diagnostiziert, und der die Chancengleichheit aller Menschen gefährde.

 

Beitrag veröffentlicht am 15.11.2024
Text: Johannes Kübeck
Fotos: Luef Light

Rezepttipp: In Kürbiskernöl confierter Seesaibling

 

Zutaten für den Fisch:

  • 4 Saiblingsfilets (entgrätet)
  • Steirerkraft Kürbiskernöl g.g.A. (Menge abhängig von der Größe der Filets)
  • etwas Salz, Pfeffer

 

Zutaten für den Salat:

  • 4 Kartoffeln (festkochend)
  • 1 Kopf Lollo Rosso
  • 1 Endivienherz
  • 1 Knoblauchzehe (fein gehackt)
  • 4 EL Steirerkraft Kürbiskernöl g.g.A.
  • 2 EL Steirerkraft Apfel-Balsam Essig BIO
  • 2 Orangen (filetiert)
  • 10-15 Radieschen
  • 50 g Steirerkraft Kürbiskerne (naturbelassen oder geröstet und gesalzen)
  • etwas Salz, Pfeffer

 

Zubereitung:

  1. Backrohr auf 50 °C Heißluft vorheizen. Die mit Salz und Pfeffer gewürzten Saiblingsfilets auf einem ausreichend tiefen Teller mit Kürbiskernöl übergießen, sodass der ganze Fisch bedeckt ist. Anschließend mit Alufolie abdecken und bei 50 °C Heißluft im Backrohr für 1 bis 2 Stunden ziehen lassen. 
  2. Währenddessen die geschälten Kartoffeln würfelig schneiden und in Salzwasser weichkochen. Den Blattsalat waschen, sortieren und abtropfen lassen. Für die Vinaigrette den gehackten Knoblauch mit Kürbiskernöl und Apfel-Balsam-Essig verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. 
  3. Den Blattsalat mit den Kartoffelwürfeln und den in feine Scheiben geschnittenen Radieschen mit der Vinaigrette marinieren und samt dem Fischfilet, den Orangen und ein paar Handvoll Kürbiskernen sogleich dekorativ anrichten.

Bild von Steirerkraft
Beitrag veröffentlicht am 17.08.2023

Hühner: Manche mögen’s bunt.

Das ist die wahre Geschichte von Hühnern, die bunte Eier legen – und das nicht nur zu Ostern. Und diese pastellbunten Eier von glücklichen, freilaufenden Hühnern munden noch dazu köstlich. Der Trend zum eigenen Huhn boomt bekanntlich seit geraumer Zeit aus vielerlei Gründen, vor allem im städtischen Bereich, wie mir bei unseren Dreharbeiten zu „Bei Tier daheim“ Andrea Pauli vom Frötscherhof erzählt. In Sankt Marein bei Graz züchtet die Mutter von zwei Kindern auf dem elterlichen Hof erfolgreich Hühner. Dort stehen den Hühnern und Hähnen eine Streuobstwiese zur Verfügung, auf der sie viele Insekten und Würmer als Leckerbissen finden. Denn nach Andreas Devise ist nur ein unter Artgenossen im Freien scharrendes und pickendes Huhn auch ein glückliches Huhn. 

V iele Städter kommen zum Frötscherhof, um Bruteier zu kaufen. „Tierfreunde wünschen sich auch im urbanen Umfeld eine kleine Hühnerschar, die sie beobachten können – und vor allem täglich ein frisches Ei“, erzählt Andrea, die bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden ist. Das besondere an ihren Hühnerrassen ist, sie legen pastellfarbene Eier – von Weiß und Creme über verschiedene Brauntöne bis zu Mint und Oliv. Ein farbenfroher Anblick auf dem Frühstückstisch oder zur Jause.

Für diese natürliche Färbung der Eier sind Rassen wie Altsteirer, Marans, schwedische Blumenhühner, Thüringer Barthühner, Perlhühner und Kreuzungen aus diesen Rassen verantwortlich. Aber wie aufwendig ist es, eigene Hühner zu halten?

Wer mit diesem Hobby erst beginnt, braucht einen fuchs- und mardersicheren Stall und einem Auslauf mit Schutz vor Sonne und Raubvögeln – entweder durch Netze oder wie am Frötscherhof durch Sträucher und Bäume. Hühner, so Andrea Pauli, lieben auch Beerensträucher, sie benötigen kleine Steinchen zur Verdauung und genießen Sandbäder zur Gefiederpflege. Im Stall baut man Sitzstangen und täglich brauchen die Tiere frisches Wasser, trockene Einstreu und hochwertiges Futter, um sich wohlzufühlen in ihrem Federkleid.

 

 

Auf dem Frötscherhof bekommen die Hendln ein Alleinfutter und zusätzlich noch eine Mineralstoffmischung. Außerdem lieben die Tiere Gemüsereste und Körner, zeigen sich begeistert, wenn von Spaghetti, Knödeln etc. etwas übrigbleibt. Wenn man Bruteier kauft, lässt man diese am besten von einer Henne ausbrüten – ein Brutautomat ist kostspielig und die Aufzucht der Küken nichts für Anfänger. Die Bruthenne nimmt einem diese Arbeit ab. Von ihr lernen die flauschigen kleinen Wesen jeden noch so kleinen Schritt und als BesitzerIn ist es einfach herrlich, jeden Tag das Heranwachsen im eigenen Garten mitzuverfolgen. Also, wenn Sie jetzt Lust bekommen haben: Kaufen Sie nicht mehr, sondern lassen Sie im eigenen Garten legen und genießen Sie bunte Eier von glücklichen Hühnern. 

Text von Renate Rosbaud
Bilder von Frötscherhof
Beitrag veröffentlicht am 18.07.2023

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