24 Stunden gut betreut – WK Steiermark

Die Betreuung durch selbstständige Personen­betreu­erinnen und Personenbe­treuer ist eine Erfolgsgeschichte und ermöglicht es Tausenden Österreicherinnen und Österreichern, ihren Lebensabend zu Hause in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Der hier beispielhaft geschilderte Betreuungsfall könnte in vielen heimischen Haushalten schon heute oder morgen eintreten.

Am Bild ist zu sehen, dass die Betreuerin die pflegebedürftige Frau in eine Decke hüllt.
Der respecktvolle Umgang und die Fürsorge der Betreuerinnen wird von den Gepflegten geschätzt. © New Afrika / Shutterstock.com

Aus dem Leben

Bisher war alles kein Problem. Die drei längst erwachsenen „Kinder“ unterstützten ihren nach dem Tod seiner Frau allein lebenden 86-jährigen Vater zwar. Aber im Grund kam er ganz gut ohne ihre Hilfe über die Runden, ging selbstständig einkaufen, kochte für sich und fuhr sogar noch mit dem Auto durch die Gegend. Selbst als er ein-, zweimal – Gott sei Dank ohne schwerwiegende Folgen – stürzte, dachte sich noch niemand etwas dabei. Doch dann der dritte Sturz. Diesmal verlief es nicht so glimpflich. 14 Stunden lang lag er, unfähig, sich zu erheben bzw. Hilfe zu holen, auf dem harten Fliesenboden im Bad, wo er gestürzt war. Geschwächt und mit Wunden an Kopf und Körper, erfreulicherweise allerdings ohne Brüche, wurde er von einem seiner Kinder gefunden, das sich Sorgen gemacht hatte, weil es den Vater nicht erreicht hatte. Und während er noch im Krankenhaus lag, wurde allen schlagartig klar: Die Situation hat sich fundamental verändert. Nach seiner Heimkehr wird der Vater rund um die Uhr Betreuung benötigen. Und eines hatte er immer gesagt: „Ich will so lange wie möglich zu Hause leben, am liebsten bis zum Schluss.“

Zur Überbrückung

Ein paar Tage würden sie es, allesamt berufstätig und ziemlich eingespannt, schaffen, ihren Vater alternierend rund um die Uhr selbst zu betreuen. Doch dann muss so schnell wie möglich eine verlässliche, tragfähige Lösung her. Und das sozusagen aus dem Stand, denn wirklich beschäftigt hatte sich mit dem Thema bisher noch keiner. Was tun?  Es gibt ja Vermittlungsagenturen für eine 24-Stunden-Betreuung. Also Kontakt aufnehmen! Zuerst vielleicht noch mal schnell im Bekannten- oder Verwandtenkreis herumfragen – vielleicht gibt es eine Empfehlung. Gesagt, getan. Bereits am nächsten Tag gibt es Fortschritte zu vermelden: angenehmes Gespräch mit der Agenturchefin; wurde über die wichtigsten Fragen gleich am Telefon aufgeklärt; weniger kompliziert als gedacht; es wird bereits an einer Lösung gearbeitet. Und wir müssen eigentlich nur das Zimmer für die Betreuungsperson vorbereiten. 

Am Foto sind die Hände der Pflegerin zu sehen die die Hände der Gepflegten hält.
Prognosen gehen davon aus, dass 2040 bereits rund 2,5 Millionen Menschen älter als 65 sein werden. © Chinnapong / Shutterstock.com

Hilfe in Sicht

Überspringen wir zwei oder drei Wochen. Vor ein paar Tagen ist die selbstständige Betreuungsperson eingetroffen. Sie wurde von der Agenturverantwortlichen vorgestellt, dabei wurden auch gleich die wichtigsten Gegebenheiten besprochen. Da es sich um eine selbstständige Tätigkeit handelt, hält sich der organisatorische Aufwand für Betreute und Angehörige ja echt in Grenzen. Die Chemie zwischen dem Betreuten und der Betreuungsperson passt. Das ist schon einmal viel wert. Auch die Verständigung funktioniert. Die erfahrene Betreuungsperson hat schon in einigen Betreuungsverhältnissen gearbeitet. Vom ersten Tag an hatte sie alles im Griff. Eine gigantische Entlastung. Und in ein paar Wochen kommt die Ablöse, denn die beiden werden sich im Monatsrhythmus abwechseln.

Andreas Herz MSc., Vizepräsident der Wirtschaftskammer Steiermark, Obmann der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung.
Andreas Herz MSc., Vizepräsident der Wirtschaftskammer Steiermark, Obmann der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung. © beigestellt

Dieses Szenario ist alles andere als ein Einzelfall. „Es zeigt“, so Andreas Herz, Obmann der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung in der WKO Steiermark sowie österreichischer Fach­­verbandsobmann, „wie gut sich die­s
ses System aus selbstständigen Betreuungspersonen und Vermittlungs­agenturen in den vergangenen Jahren eingespielt hat. So gut nämlich, dass sich Tausende Österreicherinnen und Österreicher, Betreute wie Angehörige, hundertprozentig darauf verlassen können.“

Informationen zur 24-Stunden-Betreuung erhalten Sie unter www.daheimbetreut.at. Eine vollständige Auflistung aller steirischen Vermittlungsagenturen, Stand März 2025, haben wir hier für Sie.

 

Foto: © PeopleImages.com – Yuri A / Shutterstock.com; New Afrika / Shutterstock.com; Chinnapong / Shutterstock.com; beigestellt

Entgeltliche Einschaltung

Lebensqualität verbessern

Für neurologische Erkrankungen wirksame Behandlungsmöglichkeiten zu finden, ist Teil der besonderen Expertise der Klinik Maria Theresia am Radkersburger Hof. 

Klinische Schwerpunkte

Die Klinik Maria Theresia befasst sich vorwiegend mit neurologischen und orthopädischen Erkrankungen, und zwar in jedem Lebensalter. Dabei trifft man auf viele Krankheitsbilder, die im Alltag in Akutkliniken eher selten bis gar nicht vorkommen, etwa degenerative oder neuromuskuläre Erkrankungen. Die Konzepte sind von Alter und Schweregrad der Defizite abhängig.

Wir konzentrieren uns auf die Motivation der Patient:innen. Wir erarbeiten mit ihnen eine Ausgangslage, in der sie eine größere Motivation haben. Ihr bewusstes Handeln muss in eine unbewusste Form übergehen, die nicht mehr wahrgenommen wird, aber besonders wichtig ist. Hier trainieren wir dann aktiv an, was gebraucht wird, etwa beim Gehen oder Essen.

Fortschrittliche Technologien 

Der Mensch ist ein Handlungswesen, alles, was er in der Realität tut, ist interessant. So setzen wir in der Therapie fortschrittliche Technologien ein, um die Genesung zu unterstützen. Während virtuelle Realität und Exo-Skelette vielversprechend sind, setzen wir aktuell bereits das Therapiegerät LEXO von Tyromotion ein, das gezielt Bewegungsabläufe fördert und dabei Patient:innen Sicherheit und Unterstützung bietet. Diese Technologien zeigen, dass wir uns  auf einem fortschrittlichen Weg befinden.

Kontakt

Thermenstraße 22

8490 Bad Radkersburg

+43 3476 / 3560

www.radkersburgerhof.at

info@radkersburgerhof.at

 

Entgeltliche Einschaltung

Text: Prim. Dr. Wolfgang Kubik

Foto: © PeopleImages.com – Yuri A / Shutterstock.com; beigestellt

Steirische Pflegedrehscheiben

Seit 2018 ist in allen steirischen Bezirken die Pflegedrehscheibe, eingerichtet vom Land Steier­mark, ein kompetenter und kostenloser Ansprechpartner für alle Steirer: innen, die sich über Pflegemöglichkeiten und passende Versorgungskonzepte erkundigen möchten. Wie arbeitet die Pflegedrehscheibe?

Kurz und Knapp

Was ist die Pflegedrehscheibe?

Die Pflegedrehscheibe bespricht mit den Betroffenen und Angehörigen die Situation und zeigt die zur Verfügung stehenden Wege auf. Hier nimmt das Fachpersonal wie Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen konkreten Bezug auf die verschiedenen Formen der möglichen Unterstützungen inklusive Förderungsberatung, um rasch und verlässlich Hilfe geben zu können. 

Was bedeutet dies konkret?

Es wird insbesondere auf die Vielfältigkeit der Angebote von Einrichtungen und Organisationen in den jeweiligen Bezirken hingewiesen. Anhand dieser Versorgungsstrukturen und dem Bedürfnis der zu unterstützenden Person werden individuelle Versorgungspakete erstellt. Nicht nur bei der Planung der häuslichen Versorgung, sondern auch bei der Organisation dieser steht die Pflegedrehscheibe den Angehörigen und Betroffenen bei Wunsch zur Seite.  

Ab wann zur Pflegedrehscheibe?  

Um keine wichtige Versorgungszeit zu verpassen und sich einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen, empfiehlt es sich, so früh wie möglich Rat zu suchen. Sobald sich ein Bedarf abzeichnet, sollte man bereits aktiv werden und sich kostenlos beraten lassen. Damit ist sichergestellt, dass im Bedarfsfall bereits alle Informationen zur Verfügung stehen, um auch schwierigere Situationen leichter bewältigen zu können.

Für wen ist die Pflegedreh­scheibe gedacht?

Personen, die Informationen zur Betreuung und Pflege benötigen, und/oder Personen, die Unterstützung bei der Suche nach Lösungen in einer speziellen Pflegesituation brauchen.

Am Foto sind Hände von zwei Personen zu sehen welche sich gegenseitig halten. Eine Hand ist von einer älteren Frau die zweite Hand ist von der Betreuerin.
Die steirischen Pflegedrehscheiben bieten umfassende Beratung für Fachpersonal, pflegende Angehörige und Leistungsbezieher. © evrymmnt / Shutterstock.com

Informationspool

Beratung und Unterstützung findet man nicht nur im Bereich der Leistungsauswahl wie Hauskrankenpflege sondern auch bei finanziellen Angelegenheiten steht man mit Rat und Tat zur Seite. Selbst pflegende Angehörige können sich bei den Pflegedrehscheiben über Themen wie Pflegeteilzeit & Co. beraten lassen.

Standorte

1. BEZIRK BRUCK-MÜRZZUSCHLAG, DDr.-Schachner-Platz 1, 8680 Bruck an der Mur, Tel.: 0316 877 7472, E-Mail: pflegedrehscheibe-bm@stmk.gv.at

2. BEZIRK DEUTSCHLANDSBERG, BH Deutschlandsberg, Kirchengasse 7, 8530 Deutschlandsberg, Tel.: 0316 877 7473, E-Mail: pflegedrehscheibe-dl@stmk.gv.at

3. BEZIRK GRAZ-UMGEBUNG, Hauptstraße 151, 8141 Premstätten, Tel.: 0316 877 7474, E-Mail: pflegedrehscheibe-gu@stmk.gv.at

4. BEZIRK HARTBERG-FÜRSTENFELD, Sozialzentrum (altes LKH), Rotkreuzplatz 1, 8230 Hartberg-Fürstenfeld, Tel.: 0316 877 7475, E-Mail: pflegedrehscheibe-hf@stmk.gv.at

5. BEZIRK LEIBNITZ, Kada-Gasse 12, 8430 Leibnitz, Tel.: 0316 877 7476, E-Mail: pflegedrehscheibe-lb@stmk.gv.at

6. BEZIRK LEOBEN, Peter-Tunner-Straße 6, 8700 Leoben, Tel.: 0676 8666 0675 oder 0676 8666 6407, E-Mail: pflegedrehscheibe-le@stmk.gv.at

7. BEZIRK LIEZEN, Admonterstraße 3, 8940 Liezen, Tel.: 0316 877 7478, E-Mail: pflegedrehscheibe-li@stmk.gv.at

8. BEZIRK MURAU, Bahnhofviertel 7, 8850 Murau, Tel.: 0676 8666 0662, E-Mail: pflegedrehscheibe-mu@stmk.gv.at

9. BEZIRK MURTAL, Anton-Regner-Straße 2, 8720 Knittelfeld, Tel.: 0316 877 7480, E-Mail: pflegedrehscheibe-mt@stmk.gv.at

10. BEZIRK SÜDOSTSTEIERMARK, Oedter Straße 1, 8330 Feldbach, Tel.: 0316 877 7481, E-Mail: pflegedrehscheibe-so@stmk.gv.at

11. BEZIRK VOITSBERG, Haus des Lebens, Conrad-von-Hötzendorf-Straße 25b, EG, Zi. Nr. 4, 8570 Voitsberg, Tel.: 0316 877 7482, E-Mail: pflegedrehscheibe-vo@stmk.gv.at

12. BEZIRK WEIZ, BH Weiz, Birkfelder Straße 28, 8160 Weiz, Tel.: 0316 877 7483, E-Mail: pflegedrehscheibe-wz@stmk.gv.at

13. BEZIRK Graz, Betlehemgasse 6, 8020 Graz, Tel.: 0316 872 6382, E-Mail: pflegedrehscheibe@stadt.graz.at

Die Pflegedrehscheiben stehen Ihnen von Montag bis Freitag telefonisch zur Verfügung. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.pflege.steiermark.at

 

Foto: © Halfpoint / Shutterstock.com; PeopleImages.com – Yuir A / Shutterstock.com; evrymmnt / Shutterstock.com

Rotes Kreuz – Pflege daheim

Im eigenen Zuhause professionell betreut werden, das ist der mehrheitliche Wunsch von Menschen, die pflegerische und/oder medizinische Versorgung brauchen. Das Rote Kreuz stellt dafür auch in der Steiermark ein hochqualifiziertes Angebot zur Verfügung. Gisela Ambrosch, die stellvertretende Landespflegedienstleiterin, gibt Einblick in die „Pflege daheim“.

Am Foto ist Frau Gisela Ambrosch, stellvertretende Landespflegedienstleiterin des roten Kreuzes Steiermark zu sehen.
Frau Gisela Ambrosch, stellvertretende Landespflegdienstleiterin des österreichischen roten Kreuzes Steiermark im Interview. © Rotes Kreuz Steiermark/L. Kundigraber

Wie viele Menschen versorgt der mo­­bile Pflegedienst des Roten Kreuzes in der Steiermark?

Gisela Ambrosch: Wir betreuen im Rahmen von „Pflege daheim“ derzeit rund 3.000 Klient:innen pro Monat. Dafür sind knapp 700 Mitarbeiter:innen im Einsatz – in 22 Teams und 11 Bezirken der Steiermark. Die Teams setzen sich aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammen; da gibt es diplomiertes Pflegepersonal, Pflegefachassistent:innen, Pflege­assistent:innen, Heimhelfer:innen und Alltagsbegleiter:innen. Die Rahmenbedingungen dafür, welche Berufsgruppe was machen darf, werden vom Land Steiermark genau vorgegeben. 

Welche Leistungen werden konkret erbracht?

Ambrosch: Alles, was in den Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege fällt und was vom niedergelassenen Hausarzt angeordnet wird. Das reicht von der Wundversorgung über Infusionen, Injektionen bis zur Katheterpflege.

Wie kommen Pflegebedürftige zu diesen Leistungen?

Ambrosch: Da gibt es verschiedene Wege. Mehrheitlich läuft der Kontakt über den jeweiligen Hausarzt oder die Hausärztin. Klient:innen melden sich aber auch selbst – oder deren Angehörige. Auch über das Entlassungs-Management der Kliniken und die Pflegedrehscheibe des Landes Steiermark werden Adressen vermittelt. Fällt der Klient in unseren regionalen Zuständigkeitsbereich, erfolgt durch eine/n Diplom-Gesundheits- und Krankenpfleger:in die Kontaktaufnahme und die Erhebung des Pflegebedarfs.

Wie erfolgt die Finanzierung?

Ambrosch: Mehr als 51 Prozent der anfallenden Kosten werden vom Land Steiermark übernommen, rund 22 Prozent steuern die Gemeinden bei und rund 25 Prozent muss der/die Klient:in selbst finanzieren. Etwa zwei Prozent kommen von der Österreichischen Gesundheitskasse dazu – und zwar in Form einer Pauschale für die medizinische Hauskrankenpflege.

Pflege Zuhause ist ein besonders sensibler Bereich. Wie wird die Qualität gesichert?

Ambrosch: Auch hier gibt es ganz klare Vorgaben. Zum einen seitens des Bundes – über das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz- und zum anderen über die erwähnten Förderrichtlinien des Landes. Sie sind an fixe Qualitätskriterien gebunden. So wird etwa die Erhebung des Gesundheitszustandes und Pflegebedarfs über ein valides Assessment abgewickelt – mit acht Doppelseiten an Fragen. Das ist eines der wichtigsten Qualitätskriterien. Ein weiterer Qualitätsgarant ist die Tatsache, dass ausschließlich qualifizierte Mitarbeiter:innen aufgenommen werden. Um diesen Level zu halten, sind jährliche Fortbildungen verpflichtend. Außerdem wird direkt bei den Klient:innen die sogenannte Klient:innenzufriedenheit erhoben – anonym wie auch über das diplomierte Pflegepersonal während ihrer Pflegevisite. Diese ist vom Land Steiermark vorgeschrieben und verpflichtend einmal im Jahr durchzuführen.

Welche Entwicklungen nehmen Sie im mobilen Pflegebedarf wahr?

Ambrosch: Immer mehr ältere und hochbetagte Menschen leben allein. Da wird professionelle Hilfe verstärkt notwendig werden. Und mit dem weiteren Anstieg der Lebenserwartung wird auch die Zahl von chronisch und geriatrisch erkrankten Menschen weiter steigen. Es wird also einen noch höheren Bedarf an mobiler Pflege geben.

Was sehen Sie als die größte Herausforderung für die (mobile) Pflege?

Ambrosch: Ein ganz großes Thema ist der Fachkräftemangel – das wird in den nächsten Jahren sicher immer schwieriger zu bewältigen sein.

Was macht das Rote Kreuz für Pflegepersonal besonders attraktiv?

Ambrosch: Das Rote Kreuz hat allen voran einmal ein sehr gutes Image. Bei uns arbeitet man in professionellen Teams mit bestens ausgebildeten Kolleg:innen zusammen – nach den Werten des Roten Kreuzes. Wir nehmen auch sehr stark Rücksicht auf die private Situation der Mitarbeiter:innen.  So können etwa auch junge Mütter gut in der mobilen Pflege arbeiten.

Ihr diesbezüglicher Appell an die Gesellschaft?

Ambrosch: Wer allein lebt, sollte sich rechtzeitig klar machen, welche Hilfe im Bedarfsfall gewünscht ist – eine Wohngemeinschaft, ein Tageszentrum oder eine Pflegeeinricht­ung? Und: Angehörige sollten sich so früh wie möglich bei uns melden, um präventive Möglichkeiten abzuwägen, wie etwa Einkaufshilfe, Sturzprävention oder Adaptierungen in der Wohnung. Meist werden wir nämlich erst kontaktiert, wenn die betroffene Person bereits bettlägrig ist.

Wenn es einmal notwendig sein sollte, wie würden Sie gerne gepflegt werden?

Ambrosch: Ich finde eine Alters-WG mit Pflegebeauftragten am reizvollsten. Im englischen und skandinavischen Raum gibt es das bereits. Ein Modell, das mir auch für das Rote Kreuz vorschwebt.

 

Kontaktdaten österreichischen roten Kreuzes Steiermark

Mobile Pflege und Betreuung 050 1445 / 10202

24-Stunden-Personenbetreuung 0800 222 800

Betreutes Wohnen 050 1445 / 10250

Seniorentageszentren 050 1445 / 10202

Besuchs- und Begleitdienste 050 1445 / 10156

 

Entgeltliche Einschaltung

Foto: © Ground Picture / Shutterstock.com, Rotes Kreuz Steiermark/L. Kundigraber, pikselstock / Shutterstock.com

Text: Johanna Vucak

Dr. Matthias Riedl Ernährungs-Doc

Im Jahr 2050 werden laut Berechnungen rund 60 Prozent der Erwachsenen Übergewicht oder Adipositas aufweisen. Rund ein Viertel davon wird über 65 Jahre alt sein. Das hat eine neue Studie für 204 Staaten und Regionen ergeben, die auch Österreich umfasst. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Emmanuela Gakidou, Hauptinitiatorin der Studie vom Institute for Health Metrics and Evaluation der US-Universität Washington, spricht von einer „beispiellosen globalen Epidemie“.

Erschreckende Tendenz

Die Menschen werden weltweit also immer dicker. Gleichzeitig ist falsche Ernährung die Wurzel vieler Erkrankungen. Dennoch wird das Thema Ernährungstherapie nach wie vor vielfach ausgeblendet, genau hier setzt Ernährungsmediziner Matthias Riedl an. Denn: „Gesundes Essen wirkt wie Medizin“, lässt er keinen Zweifel daran, dass man mit einer entsprechenden Ernährungsweise Krankheiten aktiv vorbeugen, lindern und sogar heilen kann. Der renommierte Facharzt für Innere Medizin, Diabetologie und Ernährungsmedizin leitet als ärztlicher Direktor das von ihm 2008 gegründete medizinische Versorgungszentrum Medicum Hamburg. Es gilt als Europas größtes Zentrum für Ernährungsmedizin und Diabetologie. 

Einem Millionenpublikum ist Matthias Riedl seit 2013 aus der NDR-Sendereihe „Die Ernährungs-Docs“ bekannt, die Möglichkeiten der Ernährungstherapie an konkreten Patientenfällen verdeutlicht. Ob Zuckerkrankheit, Migräne oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Die Ernährungs-Docs helfen mit Essen als Medizin. Im Rahmen der Sendung begleiten Experten Menschen mit ganz unterschiedlichen gesundheitlichen Pro­blem­­stellungen dabei, durch eine gezielte Ernährungsumstellung gesünder zu werden. 

Am Foto sind verschiedene Gemüsesorten zu sehen.
In der Natur liegt die Kraft, gilt auch für die Ernährung. © Framarzo / Shutterstock.com

Du bist was du isst

Gemeinsam mit seinem Team im Medicum Hamburg hat Matthias Riedl auch das 20:80-Prinzip entwickelt. Es ist eine Formel, um Verhaltensweisen nach einer individuellen Fehleranalyse gezielt und nachhaltig zu ändern. Mit 20 Prozent Ernährungsoptimierung sollen 80 Prozent des gewünschten Effekts erzielt werden: „Das 20:­80-Prinzip zeigt, dass nur 20 Prozent Ernährungsoptimierung nö­­tig ist, um langfristig und nachhaltig Gewicht zu reduzieren, den Blutdruck zu normalisieren und den Cholesterinspiegel zu senken“, unterstreicht der Facharzt. Auf dieser Methode basiert auch die von Riedl entwickelte Gesundheits-App „myFoodDoctor“. Die über 20-jährige Erfahrung als Mediziner fließt zudem in die Ernährungsratgeber ein, mit denen er informativ und alltagstauglich über die Vorteile gesunder Ernährung aufklären will. In seinem Podcast „So geht gesunde Ernährung“ räumt er mit Mythen rund um das Essen auf.

Am Foto ist eine Yoga-Gruppe zu sehen.
Das seelische Gleichgewicht hängt stark mit dem körperlichen Wohlbefinden zusammen. © Ground Picture / Shutterstock.com

Länger gesund leben

Von der bloßen Heilung von Krankheiten hin zur möglichst langen Erhaltung der Gesundheit vollzieht sich derzeit ein regelrechter Paradigmenwechsel. Immer häufiger ist dabei von „Longevity“ die Rede. Langlebigkeit – das meint, sich körperliche und geistige Fitness möglichst lange zu bewahren. In Amerika hat sich das Streben danach bereits zu einer regelrechten Bewegung entwickelt. Während wir unsere genetischen Voraussetzungen als gegeben akzeptieren müssen, können wir mit unseren Lebensgewohnheiten einen Einfluss auf den Alterungsprozess nehmen. Auch Matthias Riedl nimmt sich dieses Themas an: „80 wird das neue 50 sein – visionäre Forscher tüfteln intensiv an der Frage, wie sich das Beste aus dem Alter herausholen lässt. Doch die Erkenntnisse der Longevity-Medizin wirken auf die meisten teuer, kompliziert und alltagsfern“, heißt es zu seinem Werk „Die Longevity Food-Formel – Die richtige Ernährung als Erfolgsfaktor für ein langes und gesundes Leben“. Basierend auf jüngsten Studien präsentiert er die Schlüsselfaktoren wie erhöhte Eiweißzufuhr, Zuckerreduktion, ein intaktes Mikrobiom und moderates Fasten.

Am Foto sind Linsen, Erbsen, Bohnen und diverse weitere Saaten zu sehen.
Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen haben eine diabeteshemmende Wirkung. © nadianb / Shutterstock.com

Klüger essen

So ungern es alle hören: Falsche Ernährung macht krank. Aber was macht gesunde Ernährung aus? Welche Lebensmittel fit halten und helfen, Diabetes Typ 2 zu heilen und Blutzuckerschwankungen bei Typ 1 zu reduzieren, darauf legt Matthias Riedl den Fokus in seinem Expertenkochbuch „Heilen Sie Ihren Diabetes“. Er legt das Augenmerk auch auf den von ihm geprägten Begriff der „artgerechten“ Ernährung – eine dem Ausmaß der körperlichen Bewegung angepasste Dosierung von Kohlenhydraten, eine gewichtsadaptierte Dosierung von Eiweiß sowie eine gemüse- und nussreiche Ernährung.  Das Konzept setzt er nicht nur zur Behandlung von Adipositas, sondern auch Diabetes Typ 2 ein und stellt sich damit in Teilen gegen die seiner Auffassung nach zu kohlenhydratlastigen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und der Deutschen Diabetesgesellschaft. Er ist damit einer der Kritiker einer zu frühen Insulintherapie – sie führe zu einer Spirale aus Gewichtszunahme und weiteren Insulin-Dosissteigerungen.

Fotos: © Andreas Sibler,  nadianb / Shutterstock.com, nadianb / Shutterstock.com, Ground Picture / Shutterstock.com, Framarzo / Shutterstock.com 

 Text: Elke Jauk-Offner

Das Bett allein heilt keine Menschen

Interview mit Univ.-Prof. Gerhard Stark, Vorstandsvorsitzender der KAGes (steirische Krankenanstalten).

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Was ist geschehen, dass viele ältere Menschen, wenn sie das Wort LKH hören, nicht mehr an einen sicheren Hafen denken, sondern an ein stürmisches Meer?
Gerhard Stark: Ich will das nicht in Abrede stellen, aber ich habe auch einen anderen Eindruck, weil ich selbst eine Ordination betreibe und durchaus viel Kontakt mit Patienteninnen und Patienten habe. Wir haben in Österreich und insbesondere in der Steiermark mit dem Universitätsklinikum und weiteren 19 LKH-Standorten eine Infrastruktur, die weltweit höchster Standard ist. Für mich geht es eher um die Frage, wie wir mit allen Veränderungen in der Gesellschaft umgehen, die wir erleben. Auch wir müssen uns an die Verfügbarkeiten von Expertinnen und Experten anpassen und auch wir müssen Veränderungen herbeiführen und wir führen sie herbei. Diese Veränderungen machen unsicher, das ist richtig. Aber: Wir müssen uns immer auch fragen, ob wir ein und dasselbe Glas Wasser halb voll oder halb leer sehen. Ich sehe es immer halb voll. Ich denke, wenn wir uns das Gesundheitssystem ansehen, dürfen wir das Glas Wasser hier in der Steiermark halb voll sehen.

Sie haben die Verfügbarkeit von Spitalsleistungen angesprochen. Uns erreichen Berichte von Bettensperrungen und Verschiebungen von OP-Terminen, die viele Menschen verunsichern. Was muss da geschehen?
Bei uns erreicht gerade die Baby-Boomer-Generation das Pensionsalter. Damit gehen uns natürlich Knowhow-Träger verloren. Wir nehmen auch eine Veränderung darin wahr, wie jüngere Menschen ihre Arbeitswelt sehen. Wir haben es mit veränderten Dienstzeiten und Bedürfnissen zu tun. Auch die Zahl der älteren Menschen steigt. Das alles verändert natürlich unser Tun. Dazu kommt, dass Medizin zunehmend effizienter wird und effizienter werden muss. Wir können gut versorgen, aber, und das ist richtig, es kommt natürlich zu Verschiebungen aus den unterschiedlichsten Gründen. Mit innovativen Projekten gelingt es uns, die Wartezeiten Schritt für Schritt abzubauen. Was die Bettensperren betrifft: Sie sagen relativ wenig aus. Es geht immer um Menschen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Bett allein heilt keinen Menschen.

Wie kommt es dazu, dass gerade ältere Leute die Erfahrungen machen, sie kommen schneller zu einem OP-Termin, wenn sie dafür etwas bezahlen?
Ich kann sagen: In den Landeskrankenhäusern zahlen sie nicht! Jeder von uns bezahlt über die Steuern dieses öffentliche Gesundheitssystem. Aber es gibt auch ein privates Gesundheitssystem, aber dafür bin ich – verzeihen Sie – nicht zuständig.

Eine Sache, die gerade ältere Personen umtreibt, ist ihre regionale Verwurzelung. Viele tun sich mit dem Trend zur Rationalisierung und zur Spezialisierung im Gesundheitsbereich sehr schwer. Wie erklären Sie den Menschen, dass diese Entwicklung doch gut für sie ist?
Ich denke, jeder wünscht sich für sich die bestmögliche Behandlung in seiner individuellen Situation. Wenn wir heute in Österreich die Entwicklung der Medizin, wie sie weltweit stattfindet, mitmachen wollen, müssen wir uns spezialisieren. Die Alternative ist, dass wir sie nicht mitmachen. In der Medizin ist die Zeit, als ich alles an jedem Ort bekam, schon längst vorbei. Denken wir an ein einfaches Beispiel, einen Aortenklappenersatz an der Hauptschlagader. Das können wir in einem peripheren Krankenhaus nicht machen, weil es einerseits an Expert:innen fehlt, andererseits am gesamten Team und dem Umfeld. Auf einmal brauche ich einen Kardiologen, vielleicht einen Pulmologen, einen Gastroenterologen, einen spezialisierten Chirurgen, einen spezialisierten Anästhesisten und eine spezialisierte Pflege, und zwar nicht nur im OP, sondern auch danach. Sehr schnell wird klar, dass so etwas eben nur möglich ist, wenn ich Kompetenzen zusammenziehe. Und dann gibt es Basisversorgung, die dann zum Tragen kommt, wenn ich zum Beispiel eine Lungenentzündung und Pflegebedarf habe. Dann will ich natürlich auch die Fachlichkeit im internistischen und geriatrischen Sinn. Dann sollte das System so funktionieren, dass ich das auch nahe an meinen Wohnort gesichert habe.

Kann man verkürzt sagen: Spitzenmedizin ist nicht in jedem Tal der Alpen möglich?
Ich würde es so sagen: Spitzenmedizin wird in jedem Spital erbracht. Spezialisierte medizinische Leistung kann es nicht überall geben.
Damit sind wir bei der medizinischen Forschung, wo es zum Glück enorme Fortschritte gibt. Es gibt große Fortschritte bei der Behandlung von Krebserkrankungen, Alzheimer oder Parkinson. Ist die KAGes da auf der Höhe der Zeit?
Absolut. Wir haben in der Steiermark einen großen Vorteil, das ist unsere Medizinuniversität in Graz. Was den Forschungsimpact betrifft, ist das eine der bedeutendsten Universitäten. Und das darf man hier auch sagen: Sie muss den weltweiten Konkurrenzkampf im Bereich der Wissenschaft nicht scheuen.

Können Sie uns sagen, welche medizinischen Angebote die KAGes gerade für die älteren Zielgruppen entwickelt?
Wenn wir ältere Menschen in den Fokus rücken, geht es nicht immer um die Akutmedizin, sondern darum: Wie schaffe ich es, dass der Patient nach einer Akuterkrankung, die er meist ganz gut übersteht, dann auch wieder in das häusliche Leben zurückfindet? Hier haben wir in Mürzzuschlag ein Pilotprojekt namens Übergangspflege gestartet oder in Bad Radkersburg und Wagna eine Remobilisations- und Nachsorgeeinheit gegründet. Hier helfen wir Menschen etwa nach einer Hüft- oder Knieoperation oder nach einer schweren internistischen Erkrankung wieder in eine mobile und selbstbestimmte Phase zu kommen. Wir haben ein weiteres, neues Projekt, das sich über die ganze Steiermark erstreckt und wo die Koordinationsstelle in der KAGes angesiedelt ist, namens MobiREM. Hierbei sind auch die Elisabethinen und das Grazer GGZ eingebunden. Da geht es darum, dass wir das Know-how der Krankenhäuser den Menschen in den häuslichen Bereich mitgeben. Experten fahren zu den Patienten nach Hause und betreuen diese im gewohnten Umfeld, ohne Wegzeiten für die Betroffenen. Bei allen diesen Projekten geht es darum, dass die Menschen nach einer Operation oder einer Erkrankung wieder selbstständig werden.

Viele ältere Mitmenschen erleben Vereinsamung. Spielt das auch eine Rolle, wenn sie ins Spital kommen?
Ich denke, das ist eher ein gesellschaftliches Thema. Das hat mit den veränderten Familienstrukturen zu tun. Was vielleicht in der Vereinsamung entsteht, ist, dass sehr oft Krankenhäuser oder Ambulanzen der letzte Zufluchtsort für diese Menschen sind, um auch über ihre Themen und Probleme einfach reden zu können.

Es gibt Klagen vieler Menschen über lange Wartezeiten bei der Entlassung aus dem Spital. Was ist da zu tun?
Wir arbeiten ständig daran, das Entlassungsmanagement durch entsprechende Organisation zu verbessern. Ich möchte aber dazu auch sagen, dass wir in diesem Bereich nicht die einzigen Beteiligten sind. Da spielen die Rettungstransporte hinein, die das gleiche Problem haben wie wir, nämlich den Personalmangel. Dann haben wir die Familienangehörigen zu Hause, die nicht anwesend oder verfügbar sind und wo wir Lösungen finden müssen. Dieses Problem können wir in der KAGes nicht allein lösen.

Wie sind die Landeskrankenhäuser in den Bereichen Hospiz und Palliativbetreuung aufgestellt?
Zum Verständnis möchte ich zunächst eines sagen: Palliativstationen sind keine Sterbestationen. Wir haben die Palliativstationen für die Fälle von Erkrankung, die die Medizin in ihrem Fortschreiten nicht mehr wesentlich beeinflussen kann, wo wir aber sehr viel für den Menschen selbst tun können. Wir können hier Extremsituationen behandeln, um dem Menschen die Möglichkeit zu geben, dass er zum Beispiel nach Hause entlassen werden kann. Wir sind bei den Palliativleistungen in der Steiermark gut aufgestellt und entwickeln uns weiter. Die Koordinationsstelle für die gesamte Steiermark sowohl für den Palliativ- als auch für den Hospizbereich ist in der KAGes angesiedelt und wir arbeiten mit allen Krankenhausträgern eng zusammen.

Wir können durchaus stolz sein, dass wir ein breites mobiles Netz an Palliativbetreuer:innen haben, die auch zu den Menschen nach Hause gehen. Im Hospizbereich haben wir eine sehr interessante Entwicklung, weil sich neben den Pflegeeinrichtungen auch die Krankenhäuser hier vermehrt bemühen. Hospiz findet an vielen Stellen statt und ich möchte hier besonders die vielen Freiwilligen erwähnen, die als Hospizbegleiter:innen tätig sind. Das zeichnet unsere Gesellschaft besonders aus.

Herr Professor Stark, vielen Dank für das Gespräch!

Text von Johannes Kübeck
Bilder von Luef Light und shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 22.12.2023

Community Nurse unterwegs

Internationalen Beispielen folgend sollen Community Nurses auch in Österreich bevölkerungsnah und präventiv auf Gemeindeebene tätig sein, damit vor allem ältere Menschen so lange wie möglich zuhause leben können. Hart bei Graz nimmt an dem von der EU geförderten Pilotprojekt teil.

Die Gesundheitskompetenz und Selbsthilfe bei älteren Menschen sowie deren Angehörigen stärken: Community Nursing hat zum Ziel, den Pflege- und Betreuungsbedarf in Österreich besser decken zu können und das Wohlbefinden jener Menschen zu steigern, die Unterstützungsbedarf haben. Durch die Finanzierung der Europäischen Kommission im Rahmen des österreichischen Aufbau- und Resilienzplans werden derzeit österreichweit Pilotprojekte umgesetzt – so auch in Hart bei Graz.

Was ist eine Community Nurse?
Eine Community Nurse unterstützt Bürger:innen einer Gemeinde mit beratenden Gesprächen. Die primären Zielgruppen sind Personen über 75 Jahre und pflegende Angehörige. Sekundäre Zielgruppen sind Personen mit chronischen, somatischen oder psychischen Erkrankungen sowie Alleinerziehende sowie Kinder- und Jugendliche mit Betreuungsbedarf. Eine Community Nurse hilft Personen, ihre Gesundheit ganzheitlich zu verbessern beziehungsweise zu erhalten. Sie regt dazu an, selbst etwas für die persönliche Gesundheit zu tun und schafft dafür auch Bewusstsein in der Gemeinde. 

Wie wird man Community Nurse, welche Qualifikationen braucht es dafür?
Als Community Nurse ist man diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger:in mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung und besitzt die Berufsberechtigung zur Ausübung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege. Die Registrierung im Gesundheitsberufe-Register wird vorausgesetzt. Vielfältige Praxiserfahrung ist für eine Community Nurse von Vorteil. Es ist wichtig, dass man eine offene, flexible und positive Person ist, die sich auf unterschiedliche Situation einlassen kann.  

Was sind die Hauptaufgaben?
Die Community Nurse erhebt und dokumentiert das Versorgungsarrangement einer Person oder Familie. Sie führt beratende und informierende Gespräche im Rahmen der Pflege- und Betreuungsaufgaben. Sie führt präventive Hausbesuche durch. Sie koordiniert, vernetzt und vermittelt Pflege- und Betreuungsangebote und stärkt Gesundheitskompetenzen von Personen, Familien, Gruppen oder Gemeinschaften. Sie erhebt der Gesundheit betreffende Bedürfnisse von unterschiedlichen Zielgruppen und setzt sich dafür ein, passende Lösungen zu entwickeln. Unter anderem organisiert sie Veranstaltungen, die die Gesundheit fördern oder initiiert Schulungen, die Betroffenen weiterhelfen. 

Was unterscheidet eine Community Nurse von anderen Angeboten zur mobilen Pflege und Betreuung?
Die Community Nurse informiert über die Dienste der mobilen Pflege, aber sie ist nicht in der direkten Umsetzung. Das bedeutet, dass sie nicht bei der Körperpflege oder anderen pflegerischen Tätigkeiten, die direkt an Patient:innen ausgeführt werden, hilft. Es gibt jedoch Ausnahmesituationen wie bei einem Notfall, der eine medizinisch-therapeutische Maßnahme erfordert.

 

 

 

Text von Elke Jauk-Offner
Bilder von Gemeinde Hart bei Graz
Beitrag veröffentlicht am 28.09.2023

Mehr als ein erster Eindruck

Ein Sachverständigengutachten ist für pflegebedürftige Menschen Basis dafür, welche Pflegegeldstufe sie erhalten. In der Regel erfolgt dafür ein ärztlicher Hausbesuch, wie ihn auch Allgemeinmediziner Christian Staber als Gutachter für die Pensionsversicherungsanstalt durchführt. Er gibt Einblick in den Ablauf und Berufsalltag.

Wer aller darf die Untersuchung einer pflegebedürftigen Person zur Pflegegeldeinstufung überhaupt durchführen?
Begutachtungen dürfen alle zur selbstständigen Berufsausübung berechtigten Ärzt:innen sowie diplomierte Pflegefachkräfte durchführen, die die ÖBAK-Zertifizierung (Anmerkung der Redaktion: Österreichische Akademie für ärztliche und pflegerische Begutachtung) erworben haben. 

Wo überall kann diese Begutachtung stattfinden?
Begutachtungen erfolgen im Rahmen von Hausbesuchen am jeweiligen Wohnsitz einschließlich Pflegeeinrichtungen und in bestimmten Fällen bei zu erwartenden längeren stationären Aufenthalten nach dem Abklingen der Akutsymptomatik in Krankenhäusern. In Einzelfällen kann bei mobilen Antragstellern und speziellen Fragestellungen auch eine Untersuchung im Kompetenzzentrum Begutachtung der PV erfolgen. 

Was passiert im Vorfeld des Untersuchungstermins?
Die pflegebedürftige Person erhält zeitnah nach der Antragstellung ein Schreiben der PV, in welchem das Einlangen des Antrages bestätigt wird. Ich erhalte auf elektronischem Weg einen Begutachtungsauftrag, eine Vorlage zur Gutachtenerstellung und die mit dem Antrag eingereichten Unterlagen. Die pflegebedürftige Person wird mittels eines standardisierten Briefes vom geplanten Begutachtungstermin verständigt. Wenn dies bei der Antragstellung vermerkt wurde, wird zusätzlich eine Vertrauensperson telefonisch kontaktiert. 

Wie läuft der Besuch bei der pflegebedürftigen Person ab?
Nach Sichtung der vorhandenen Befunde und Erhebung der Medikamente wird die pflegebedürftige Person zu den Beschwerden und den daraus resultierenden Einschränkungen im Alltag sowie zur Verwendung von Hilfsmitteln befragt. Ist das aufgrund des geistigen Zustandes nicht möglich, werden anwesende Betreuungspersonen in die Anamnese-Erhebung einbezogen. Je nach Krankheitsbild werden bei der Befragung und bei der körperlichen Untersuchung Schwerpunkte gesetzt. Es erfolgt jedenfalls eine Überprüfung des Seh- und Hörvermögens, der Gedächtnisleistung, der psychischen Verfassung, der Beweglichkeit einschließlich Gangbild und der allgemeinen körperlichen sowie kardiopulmonalen Belastbarkeit. Ein wichtiger Punkt ist auch die Erläuterung der Betreuungssituation hinsichtlich Art und Umfang, wobei Angaben aus einer vorhandenen Pflegedokumentation mitaufgenommen werden. 

Ist im Großteil der Fälle eine Vertrauensperson anwesend?
Vertrauenspersonen beziehungsweise Betreuungspersonen sind zumindest in der Hälfte der Fälle anwesend. Die ergänzenden Anmerkungen dieser Personen sind sehr wichtig für das Gesamtbild, um etwaige Schwankungen mitzubeurteilen. 

Wie viele Begutachtungen werden durchschnittlich in einem bestimmten Zeitraum vorgenommen?
Abhängig von der Zuteilung führe ich im Durchschnitt rund zehn Begutachtungen in der Woche aufgeteilt auf drei bis vier Nachmittage durch. Aufgrund meiner bereits 25-jährigen Tätigkeit in diesem Bereich handelt es sich um eine entsprechend große Anzahl. 

Es ist eine sensible Situation in einem intimen Rahmen – was ist hier wichtig?
Es ist wichtig, sich nicht auf den ersten Eindruck zu verlassen, die Befragung und die Untersuchung gründlich durchzuführen und ein:e gute:r Zuhörer:in zu sein. Wenn die Schilderung der Betreuungsperson hinsichtlich der festgestellten Defizite für die pflegebedürftige Person als verletzend erlebt wird, muss besonders behutsam vorgegangen werden. 

Wo liegen die Herausforderungen dieser Begutachtungstätigkeit?
Die Tätigkeit erfordert einerseits Empathie und andererseits die Fähigkeit, den Pflegebedarf anhand der gesetzlichen Vorgaben zu objektivieren. Es ist auch ein gewisses Organisationstalent notwendig, da die Termine selbst geplant werden müssen und es zu Verschiebungen oder kurzfristigen Absagen kommen kann. Man ist auf sich alleine gestellt und muss flexibel auf herausfordernde Situationen reagieren. 

Welche speziellen Erfahrungen können Sie teilen?
Die Bandbreite des Erlebten ist sehr groß. Es macht nachdenklich, wenn man auf Menschen trifft, die sehr einsam sind, oder sich in einer schwierigen sozialen Situation befinden. Andererseits ist es erfreulich, dass es auch im städtischen Bereich häufig eine gute Unterstützung durch Angehörige gibt. Wenn ein Bedarf erkennbar ist, gebe ich positive Rückmeldungen zu Erfahrungen mit beratenden Diensten und zu möglichen Betreuungsangeboten gerne weiter. 

Wie kann der für Betroffene bedeutungsvolle Termin gut gestaltet sein?
Mir ist am wichtigsten, dass die pflegebedürftigen Personen authentisch sind. Es ist aber hilfreich, wenn die wichtigsten Unterlagen auffindbar sind oder wenn im Vorfeld Notizen gemacht wurden. 

Was passiert nach erfolgtem Besuch, wie ist dann das weitere Prozedere?
Basierend auf den Erhebungen im Rahmen des Hausbesuches wird ein schlüssiges Gutachten erstellt, das auch die pflegerelevanten Diagnosen, eine zusammenfassende Beurteilung und einen Einstufungsvorschlag enthält. Das Gutachten wird auf elektronischem Weg an die PV übermittelt. Dort erfolgt die abschließende Beurteilung und in weiterer Folge die Bescheid-Erstellung. 

Was passiert bei einer Änderung im Pflegebedarf?
Wenn sich der Pflegebedarf ändert, wird nach Antragstellung eine neuerliche Begutachtung durchgeführt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text von Elke Jauk-Offner
Bilder von Dr. Staber, in Graz 2023 und shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 26.09.2023

Sturzgefahr: So lässt sich das Risiko minimieren!

Die Zahl der Unfalltoten hat in Österreich laut aktueller Zahlen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit den höchsten Wert seit 28 Jahren erreicht. Ganze 3.099 Personen sind 2022 bei Unfällen ums Leben gekommen. Zu den häufigsten Unfallursachen zählen Stürze, sie haben im Vorjahr österreichweit 1.006 Menschenleben gefordert. Ein hoher Anteil entfällt dabei auf die Altersgruppe 65+. „Von Sturzunfällen sind ältere Menschen besonders häufig betroffen, wobei bei Männern die Gefahr für tödliche Stürze bereits ab 50 Jahren deutlich zu steigen beginnt, bei Frauen etwas später. Zudem ereignet sich bereits mehr als ein Viertel aller tödlichen Stürze zu Hause. Hauptgründe sind Straucheln, Stolpern und Ausgleiten, gefolgt von Unfällen auf Stufen und Treppen“, erklärt  Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im Kuratorium für Verkehrssicherheit. Zudem wurden bei Unfällen im Hauhalt 306.000 Personen verletzt, fast 220.000 davon wiederum aufgrund von Stürzen. Trauner-Karner: „Die Sturzprävention zu Hause wird angesichts dessen, vor allem aber auch aufgrund der Alterung der Gesellschaft immer dringender.“

  • Bewegung machen!
    Wer sich regelmäßig bewegt und körperlich aktiv ist, trägt dazu bei, dass Muskelkraft und Gleichgewicht erhalten bleiben und reduziert somit auch das Risiko für Stürze.
  • Augen untersuchen lassen!
    Klare Sicht trägt maßgeblich dazu bei, Hindernisse und potenzielle Stolperfallen zu erkennen. Daher ist es wichtig, die Sehkraft regelmäßig überprüfen zu lassen – so können etwaige Sehprobleme erkannt und frühzeitig behandelt werden.
  • Medikamenten-Nebenwirkung beachten!
    Manche Medikamente können Schwindel und Benommenheit verursachen, was die Sturzgefahr natürlich wesentlich erhöht. Sollten solche Nebenwirkungen auftreten, sollten mit dem Arzt entsprechend Maßnahmen besprochen werden.
  • Stolperfallen beseitigen!
    Ob lose Teppiche, ungesicherte Teppichkanten, Schuhe, Putzutensilien oder lose Kabel – solche „Fallen“ sollten in Wohnräumen unbedingt beseitigt werden. Je weniger Hürden man sich in die Wohnung schafft, umso sicherer ist man unterwegs.
  • Hilfsmittel nutzen!
    Haltegriffe im Bereich von Treppen oder in der Dusche können die Sicherheit erhöhen. Bei Bedarf sollten auch Gehhilfen wie Stöcke oder Rollatoren verwendet werden, um das Gleichgewicht zu unterstützen und die Mobilität zu verbessern.
  • Auf gute Vitamin D- und Calcium-Versorgung achten!
    Vitamin D und Calcium fördern die Knochengesundheit und tragen somit dazu bei, das Risiko von Knochenbrüchen bei Stürzen zu reduzieren. Notwendigkeit und Einnahme vom Arzt abklären und verordnen lassen.
  • Wetterbericht beachten!
    Auch wenn man es im ersten Moment nicht glauben möchte, aber auch das Wetter hat einen wesentlichen Einfluss auf das Sturzrisiko. Umfangreiche Forschungen haben ergeben, dass vor allem vier Wettersituationen die Sturzwahrscheinlichkeit stark erhöhen. 

Und zwar:

  • Eis und Schnee!
    Wenn Wege eis- und schneebedeckt sind, herrscht aktue Rutsch- und damit auch Sturzgefahr! Das Haus nur mit gutem Schuhwerk verlassen, wenn möglich aber Termine verschieben und zuhause bleiben!
  • Hitzestress!
    Hohe Temperaturen können rasch zu Dehydrierung und in der Folge zu Schwächeanfällen und Stürzen führen. Daher: ausreichend trinken, im Schatten bleiben, Kopfbedeckung wählen und Überanstrengung meiden.
  • Kältestress!
    Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, womöglich in Kombination mit kräftigem Wind, führen sehr schnell zu einer Versteifung des Bewegungsapparates, zu Erfrierungserscheinungen und damit zu einer erhöhten Sturzgefahr. Bei großer Kälte am besten zuhause bleiben beziehungsweise nur in Begleitung und mit gutem Schuhwerk nach draußen gehen.
  • Wetterwechsel!
    Diese können bei empfindlichen Personen zu Unwohlsein und Kreislaufschwäche führen – in Kombination mit Föhn auch zu Kopfschmerzen und Migräne. All das führt häufig zu Stürzen. In der Wohnung Stolperfallen beseitigen (siehe oben!), ausreichend trinken und Überanstrengung meiden.

 

© Quelle: Kuratorium für Verkehrssicherheit

 

Text von Johanna Vucak
Bilder von KFVAPA Fotoservice Krisztian Juhasz und shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 21.09.2023

Der Weg zur Pflege – Pflegedrehscheibe des Landes Steiermark

Hilfe für Pflegebedürftige gelingt dann am besten, wenn die Betroffenen rechtzeitig kommen, weiß Alexandra Fähnrich. Als Leiterin der Pflegedrehscheibe an der BH Voitsberg ist sie eine der guten Feen, die Pflege zu Hause möglich machen. 

Seit 2018 gibt es die Pflegedrehscheibe, was muss man sich darunter vorstellen und was ist ihre Aufgabe?
Alexandra Fähnrich: Das ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen rund um die Pflege zu Hause. Das heißt, wir sind für alle interessierten Menschen da, die entweder selbst einen Betreuungsbedarf haben oder für die Angehörigen.

Kann man sagen, das ist bei der Betroffenen nach diesen fast fünf Jahren angekommen?
Ja. Wir wissen das aus den Rückmeldungen und den Zahlen. Darüber sind wir natürlich sehr froh.

Was ist durch die Pflegedrehscheibe anders und besser geworden?
Grundsätzlich erheben wir, was es im Bezirk an Betreuungsangeboten und Organisationen überhaupt gibt und was für Klient:innen konkret infrage kommt. Das vernetzen und koordinieren wir und können es dann individuell auf den konkreten Bedarf einer Klientin oder eines Klienten so zuschneidern, dass sie zu Hause gut versorgt sind. Auf dieser Basis machen wir auch Empfehlungen für das weitere Vorgehen. Oft geht es dabei auch um durchaus komplexe Anforderungen.

Gab es solche Anlaufstellen vorher nicht?
Es war etwas undurchsichtig. Es gibt tatsächlich sehr viele Angebote, aber da war kein Ort oder keine Stelle, wo das so transparent dargestellt wurde. Dadurch war es auch schwerer, individuell auf eine Problemstellung oder komplexere Anforderungen einzugehen. Häufig war die Gemeinde die Anlaufstelle der Menschen und da wurden auch Beratungen durchgeführt oder Unterstützungsleistungen. Aber gerade in den letzten Jahren ist eine große Zahl an Netzwerkpartner:innen und Sozialeinrichtungen hinzugekommen. Da ist es wichtig, den Überblick zu haben und den haben wir.  

Was muss man sich unter komplexeren Anforderungen vorstellen?
Davon sprechen wir, wenn mehrere Stellen zugezogen werden müssen. Zum Beispiel gibt es Fälle, in denen die Klient:innen nicht das soziale Gefüge oder Netzwerk haben, das sie bei gewissen Dingen unterstützen kann. Dann sage ich beispielsweise: „Herr X, bei Ihnen sehen wir einen Pflege- und Betreuungsbedarf. Sie haben Anspruch auf Pflegegeld. Wenn Sie damit einverstanden sind, können wir den Antrag gemeinsam ausfüllen. Wir können Ihre Befunde beim Hausarzt organisieren.“ Oft geht es um mobile Betreuungsdienste, die stundenweise nachhause kommen. Das können wir organisieren. Dann nehmen wir mit der betreffenden Organisation Kontakt auf, besprechen die Details im Beisein der Klient:innen oder ihrer Angehörigen und vereinbaren dort schon eine Aufnahme. Es kann sein, dass auch zusätzliche finanzielle Förderungen notwendig sind, dann beraten wir auch in diesem Bereich. Wenn gewünscht, füllen wir auch gemeinsam die Anträge aus und schicken sie auch zu den jeweiligen Einrichtungen. Mit dem Einverständnis der Klient:innen können wir in komplexeren Beratungssituationen tiefgreifend unterstützen. Wir stellen die Schnittstellen her und machen die Anträge. Nach einer gewissen Zeit evaluieren wir auch, ob alles ausreichend und passend ist oder ob man etwas ergänzen muss.

Mit welchem grundsätzlichen Anliegen kommen die Menschen eigentlich zur Pflegedrehscheibe?
Für uns sind die Wünsche der Klientinnen und Klienten vorrangig und das ist in den meisten Fällen: Sie wollen so lange wie möglich im häuslichen Umfeld versorgt und betreut werden. 

Die Leute, die sich an die Pflegedrehscheibe wenden, kommen sie als Bittsteller, die verzweifelt sind, oder als Fordernde?
Für mich ist es interessant zu sehen, wenn jemand erkennt, dass sie oder er Hilfe benötigt und dass diese Person diesen Weg auch beschreiten möchte. Das ist das Wichtigste überhaupt, dass man so früh wie möglich erkennt, wenn sich ein Bedarf abzeichnet oder sogar eintreten kann. Dann kann man präventiv Informationen einholen, was im Bedarfsfall alles möglich ist. Wenn Menschen mit dieser Einstellung kommen, ist es für mich geradezu imponierend. Ist ein Hilfsbedarf erkannt, braucht es ja eine gewisse Zeit, bis alles organisiert ist. 

Selbst zu erkennen, dass man Hilfe braucht, ist für viele eine große Hürde, auch für die Angehörigen. Da beginnt man abhängig zu werden von anderen. Wird diese Hürde für die mündigen und selbstbewussten Senior:innen unserer Zeit langsam weniger hoch?
Viele kommen zu uns, noch ehe es einen akuten Bedarf gibt. Sie wollen wissen, was sie machen können, wenn so ein Fall eintritt. Aber es ist wünschenswert, dass das mehr werden, dass die Leute früh genug kommen. Dann wissen sie, dass es bis zur konkreten Hilfestellung eine gewisse Vorlaufzeit braucht.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Arbeit genügend bekannt ist bei denen draußen, die sie brauchen?
Ich glaube, das ist auch ein Generationsdenken und dass das in Zukunft stärker kommen wird. 

Erleben Sie im Kontakt mit den Menschen auch Überraschungen?
Viele sind überrascht oder erstaunt und sagen: Das habe wir gar nicht gewusst, dass es diese Vielzahl an Möglichkeiten gibt.

Kommt es vor, dass den Menschen, die zu Ihnen kommen, erst bei diesem Kontakt bewusst wird, dass ihre Lebenssituation prekär oder gefährlich werden kann, zum Beispiel durch einen Sturz?
Ja, und darum ist auch so hilfreich, wenn wir Hausbesuche machen können. Da sehen wir das häusliche Setting und können darauf hinweisen: „Schauen Sie einmal, hier besteht eine erhöhte Sturzgefahr.“ Da können wir unser Wissen als qualifizierte und diplomierte Expertinnen weitergeben und das geht auch ganz stark in die Prävention. Das betrifft nicht nur den Bereich Sturzgefahr, sondern wir sehen auch, wie die Menschen sich ernähren und welchen Bedarf an Pflege und Betreuung im weiteren Sinn es gibt.

Vertrauen die Menschen Ihnen oder gibt es auch solche, die Ihnen mit Mistrauen begegnen?
Das uns ganz wichtig, denn anfangs sind wir fremde Personen, da ist ein gewisser Vertrauensaufbau ganz entscheidend. Da genügt manchmal nicht ein Gespräch, sondern es bedarf mehrerer Beratungen, bis eine Vertrauensbasis da ist. Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass das Angebot so niedrigschwellig wie möglich ist und natürlich vollkommen anonym. Das fängt schon mit den baulichen Umfeld an. Wenn Sie bei uns ins Haus kommen, kann niemand sehen, zu welcher Einrichtung Sie gehen. Wir haben hier die Caritas, die Lebenshilfe oder gewerbliche Gesundheitsdienstleister. Diese Anonymität schätzen die Leute sehr. 

Geht es bei Gesprächen in der Pflegedrehscheibe mehr ums Geld oder um Leistungen, die Sie vermitteln?
Grundsätzlich geht es primär um die konkrete Leistungen, die jemand individuell benötigt. Das ist aber natürlich in weiterer Folge mit Kosten verbunden und dann geht es um Pflegegeld oder um Förderungen für bestimmte Leistungen. Das geht ineinander über und ist natürlich Teil unserer Gespräche. 

Haben Sie auch selbst etwas gelernt in dieser Aufgabe?
Man lernt nie aus. Es gibt keinen Stillstand und Situationen ändern sich immer wieder. Ich bin hin und wieder selbst überrascht, was es an Möglichkeiten gibt und welche Erfolge wir erzielen.

Apropos Erfolg. Was macht Erfolg in diesem sensiblen Bereich für Sie aus?
Erfolg definiere ich so: Wenn ich für eine Person es genau so habe organisieren können, dass sie sich zu Hause sicher wohl und gut aufgehoben fühlt. Das ist ein Erfolgserlebnis für die Klient:innen, für ihr Umfeld und für uns.  

Beim Pflegegeld scheuen sich manche Menschen aus Scham, zuzugeben, welchen Bedarf sie eigentlich haben. Sie vergeben sich damit aber die Chance auf ein angemessenes Pflegegeld. Wie nehmen Sie das wahr?
Aufklärung in der Beratung ist auch hier ganz wichtig. Es steht ihnen ja zu, das Pflegegeld ist kein Almosen! Wir arbeiten da ganz eng mit den Hausärzt:innen zusammen, die kennen ja diese Personen. Eine wesentliche Information ist zu erklären, dass die Menschen durch das Pflegegeld Zugang zu konkreten Angeboten erhalten, die ihren Alltag verbessern. 

Sie selbst sind ursprünglich diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Wie hat sich dieser Beruf für Sie persönlich durch die Arbeit in der Pflegedrehscheibe verändert?
Ich war 19 Jahre leidenschaftlich als DGKP und wurde dann Lehrerin an einer Schule für Gesundheits- und Krankenpflege. Jetzt bin ich wieder in den direkten Klient:innenkontakt zurückgekehrt und bin sehr froh, dass ich wieder so nahe bei den Menschen sein und für sie da sein kann.

Text von Johannes Kübeck
Bild von Johannes Kübeck

 

Pflegedrehscheibe des Landes Steiermark

Was ist die Pflegedrehscheibe?
Die Pflegedrehscheibe ist die zentrale Anlaufstelle für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen. Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen helfen Pflegebedürftigen bzw. deren Angehörigen, die beste Art der Betreuung zu finden und bieten Betroffenen Beratung und Informationen über die verschiedenen Formen der Unterstützung und der Entlastung. Sie helfen ihnen dabei, rasch und verlässlich jene Hilfe zu bekommen, die sie brauchen.

Für wen ist die Pflegedrehscheibe gedacht?
Personen, die Informationen zur Betreuung und Pflege benötigen, und/oder Personen, die Unterstützung bei der Suche nach Lösungen in einer speziellen Pflegesituation brauchen.

Beratung und Unterstützung zu folgenden Themen:

  • Mobile Pflege- und Betreuungsdienste/Hauskrankenpflege
  • medizinische Hauskrankenpflege
  • mehrstündige Alltagsbegleitung
  • Tageszentren
  • Betreutes Wohnen
  • Pflegeheime/Pflegeplätze
  • Mobiles Palliativteam
  • Finanzielle Zuschüsse für pflegende Angehörige
  • Pflegekarenz, Pflegeteilzeit, Familienhospizkarenz
  • Erwachsenenschutz (vormals Sachwalterschaft),
  • Vorsorgevollmacht, Vertretungsbefugnis…
  • Essenszustellung
  • Pflegegeld
  • Hilfsmittel
  • 24-Stunden-Betreuung
  • psychiatrisches Unterstützungsangebot

Beitrag veröffentlicht am 19.09.2023