Bewegung gegen Bluthochdruck

Sport als Medizin: Bei höherem Blutdruck hat regelmäßige Bewegung einen überaus positiven Effekt – gerade auch bei älteren Menschen.

Jeder vierte Österreicher hat einen zu hohen Blutdruck. Im höheren Alter ist es sogar jeder zweite. Regelmäßige Bewegung ist hier ein hochwirksames „Medikament“, weiß Sportkardiologe Manfred Wonisch. Bewegung hilft, das Risiko für Bluthochdruck zu reduzieren. Selbst bei niedrigem Blutdruck wirkt sich Bewegung positiv aus.

„Hoher Blutdruck gilt als ‚silent killer‘, man bemerkt ihn sehr lange nicht“, weiß Wonisch. Oft treten keine oder unklare Beschwerden auf, etwa dass man schneller außer Atem kommt. Langzeitfolgen können allerdings ein höheres Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfall sein. Bluthochdruck ist eine „klassische Wohlstandserkrankung“. Die Risikofaktoren sind Übergewicht, Vorerkrankungen des Herzkreislaufsystems, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, aber auch das Alter. „Bei Männern steigt ab 55 Jahren das Risiko, bei Frauen ab 65 Jahren.“

Dass man sich bei Bluthochdruck schonen und Belastungen vermeiden soll, ist ein Vorurteil. Dazu Wonisch: „Bewegung wirkt sich sogar positiv auf den Bluthochdruck aus. Um Sport aber tatsächlich als Medizin nutzen zu können, sollte man ein Bewegungsprogramm gemeinsam mit einem Experten erstellen.“ Dabei gilt: Jeder Schritt zählt. Empfohlen werden mindestens 90 Minuten Bewegung, um den Blutdruck auf Normalniveau – unter 140 zu 90 mmHg – zu halten.

„Bei Menschen mit höherem Blutdruck führt Bewegung wie Laufen oder Wandern zu einer Senkung. Bei Menschen mit niedrigem Blutdruck führt sie zu einer Erhöhung. Dieser Effekt hält auch 24 bis 48 Stunden an. Regelmäßige Bewegung ist daher sehr wirkungsvoll Möglichkeit, um seinen Blutdruck zu harmonisieren“, so Wonisch. Regelmäßige Bewegung wirkt sich nicht nur auf Bluthochdruck positiv aus. „Auch die Cholesterin-Werte können sich verbessern und der Blutzucker-Spiegel sinkt.“ In diesem Sinne: Starten auch Sie Ihr Bewegungsprogramm!

4.5.2021
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Die Zukunft hat längst begonnen!

Telemedizin und digitale Gesundheitsdienste sind die Megatrends auch in der Altersmedizin. Es stellt sich längst nur noch die Frage: Was ist mit dem Handy nicht möglich?

Die englischen Begriffe und Abkürzungen klingen fremd und unverständlich. Bei Digital Health, AAL (Active & Assisted Living) oder Life Science handelt es sich um keine Science-Fiction-Technologien, sondern um die neue Normalität. Daran lässt Johann Harer, Geschäftsführer des steirischen Humantechnologie-Clusters HTS, keinen Zweifel und eine Tagung in Graz lieferte verblüffende Beispiele, wie sehr die digitale Revolution im Gesundheitswesen auch in der Altersmedizin bereits angekommen ist.

Das kann die moderne Telemedizin:

• Herzpatienten kommunizieren Blutdruck, Puls, Körpergewicht und Symptome über eine Handy-App mit einem Netzwerk aus Ärzten und Betreuern.
• Grazer Pflegeheime testen digitale Hilfssysteme für die Problembereiche Demenz, Sturzgefahr und unbeaufsichtigtes Verlassen von Räumen.
• Tele-Wundmanagement geschieht mittels Smartphone.
• Diabetiker schwören auf die Blutzucker-App.
• Sensoren im Unterleibchen leisten bei Atembeschwerden wertvolle Hilfe.
• 90-Jährige greifen zum Tablet und nehmen zuhause oder im Heim an interaktiven Trainingsrunden und an Therapieeinheiten teil.

 

Alle diese Anwendungen von digitalen Gesundheitsdiensten haben zwei Faktoren gemeinsam. Erstens sind die Betroffenen nicht mehr passive Patienten, sondern aktive Konsumenten von Leistungen und Prozessen, die ihre Gesundheit betreffen. Zweitens hat der Arzt mehr Zeit für den Klienten, weil ihn die digitale Medizin zeitlich entlastet. Der bekannte Internist und Gesundheitsexperte Univ. Prof. Siegfried Meryn bringt es auf den Punkt. Im Mittelpunkt steht nicht mehr das Reagieren auf Krankheiten, sondern die aktive Beschäftigung mit der Gesundheit durch Partizipation und Vorsorge. Es ist fast eine Art Vorleistung zum digitalen Alltag in der Medizin, dass die altbekannte Krankenschwester verbal bereits vor Jahren zur Gesundheits- und Krankenschwester aufgewertet wurde.

Der neue Megatrend im Gesundheitswesen wird durch die Corona-Pandemie des Jahres 2020 noch beschleunigt, so Meryn. Der Ort, wo Medizin stattfindet, ist auch wegen der Ansteckungsgefahr in Zukunft nicht die Arztpraxis, die Ambulanz oder das Krankenhaus, sondern das Zuhause. Dort findet die Diagnose statt, weil die Sensoren und Apps die erforderlichen Daten liefern, welche Mediziner und Pflegeprofis zu Handlungsanleitungen transformieren. Das ist längst Teil der Digitalstrategie der steirischen Spitalsfirma KAGES, klärt Werner Leodolter auf, CIO, Betriebswirt und Chef der Sparte Telegesundheit des Unternehmens. Sie baut stark auf die aktive Partizipation des Patienten. Und das ganze System „wird durch die Digitalisierung gnadenlos transparent“, so der Universitätsprofessor. Denn eines ist für Leodolter klar: „Schlechte Prozesse sind auch digitalisiert schlechte Prozesse.“

Wenn die Rolle des Patienten sich zu der des Konsumenten und Prozessbeteiligten entwickelt, rückt ein neues Instrument in den Mittelpunkt des medizinischen Handelns. Gleichberechtigt an die Seite von Skalpell, Spritze oder Medikament positioniert sich das Smartphone des gesundheitsbewussten Bürgers. Möglich macht das die Technologie, die in Kürze um 5G und Künstliche Intelligenz (AI = artificial intelligence) aufgewertet wird. Meryn macht das mit provokanten Worten deutlich. Beim Vormarsch von Digital Health stelle sich nur noch die Frage: „Was geht mit dem Handy eigentlich nicht?“

 

(v. l.) Werner Leodolter (Kages), Rainer Planinc (cogvis Software und Consulting GmbH), Johann Harer (HTS), Internist Siegfried Meryn: „Telemedizin ist mitten unter uns!“

 

Längst geht der Zug des Fortschritts in die Richtung, dass das Smartphone nicht nur Daten wie Blutdruck, Puls oder Blutzuckerwerte an die behandelnden Mediziner übermittelt. Es wird unter der Aufsicht von Ärzten und Pflegeprofis zum Hilfinstrument der Diagnose und Behandlung. Der Chip im Unterhemd zeichnet nicht nur die Atmung auf, sondern analysiert auch die Luftqualität und gibt dem Betroffenen eine Anleitung, sein Verhalten zu ändern. Dafür ist kein Lungenfacharzt und kein Therapeut mehr erforderlich.       

Die Chips und Sensoren am und im Körper, welche so segensreich wirken, werden nicht mehr in einer OP implantiert und schränken die Beweglichkeit des Menschen nicht ein. Denn die dritte Generation dieser Mikrochips sind möglicherweise Tattoos. Mit Dignisens ist ein Grazer Start-up dabei, eine Lösung dafür zu finden, mit Inkontinenz umzugehen. Ein Sensor – hygienisch unbedenklich und wiederverwendbar – informiert Pflegepersonen im Heim oder Angehörige zu Hause über die entsprechende Befindlichkeit der pflegebedürftigen Person. Kombiniert mit einem Bewegungsmelder taugt der Sensor auch zur Sturzprävention und dazu, den Drang geistig verwirrter Personen zu erkennen, wenn sie unvermutet ihr räumliches Umfeld verlassen wollen. 

Grundlage der neuen Möglichkeiten von Digital Health sind die Daten, welche von Medizinern in den Krankengeschichten und durch moderne Methoden mittels Sensoren und Chips gesammelt und bereitgestellt werden. Die Experten sind sich der Problematik des „gläsernen Patienten“ durchaus bewusst. Nicht nur sie beschäftigt die Vision, dass Google, Apple und Facebook auch diesen höchst sensiblen Datenbereich beherrschen könnten. 

Denn die Großkonzerne haben den Gesundheitsbereich längst als Markt der Zukunft entdeckt. Google hat gemeinsam mit renommierten US-Universitäten begonnen, 10.000 Amerikaner gewissermaßen zu vermessen und wird aus diesen Daten so etwas wie ein „Google Maps“ der Gesundheit entwickeln. Amazon bietet seinen Angestellten in den USA in einem Pilotprojekt ein virtuelles Gesundheitsservice an. Wenn die Methoden der Digital Health nicht ausreichen sollten, verspricht Amazon dem Mitarbeiter, dass binnen 15 Minuten ein Arzt kommt und dass in längstens zwei Stunden jedes Medikament geliefert wird. 

Es sind nicht nur Freiwillige und junge Leute, die ihre Gesundheitsdaten zur Verfügung stellen. Gesundheitsexperte Meryn erinnert daran, wie viele Menschen nach dem Arztbesuch schon heute bereitwillig mit Angehörigen und Freunden über das Erlebte reden und versuchen, mittels „Dr. Google“ schlauer zu werden. Das ist bereits eine Art von freiwilligem Datenaustausch. Diese Bereitschaft nimmt in allen Generationen sehr stark zu. Unter Krebspatienten gibt es laut Meryn überhaupt niemanden mehr, der ein Problem damit hat, dass persönliche Daten im Gesundheitssystem genutzt werden.

Eine Beruhigungspille verabreicht in dieser Hinsicht Digitalprofi Leodolter. Wer in das Projekt HerzMobil der steirischen Spitalsfirma KAGES eingebunden ist und seine Kreislaufdaten per App verschickt, kann sicher sein, dass die App und die entsprechende Plattform sicher ist und dass die Daten nicht in die Hände von Unbefugten kommen. Leodolter spricht von einer „Plattform des Vertrauens“. Meryn ergänzt mit dem erneuten Hinweis auf die eigentliche Stärke von Digital Health. Im Endeffekt werden die neuen Möglichkeiten bewirken, dass der Arzt mehr Zeit für den Menschen hat. Egal, ob er als Patient oder als Konsument zu ihm kommt.

 

30.4.2021
Johannes Kübeck
Foto: Nikola Milatovic

Wirkstoff mit hohem Potenzial

Cannabis boomt, nicht zuletzt aufgrund seines Inhaltsstoffes CBD. Dieser hat ein breites Wirkungsspektrum und steht in der Medizin wie im Lifestylebereich immer mehr im Fokus. Eine Spurensuche im Spannungsfeld von Potenzial und Stigma einer uralten Pflanze. 

Es gibt kaum ein Thema, dass so kontroversiell diskutiert wird wie das Thema Hanf. Die einen sehen in einer der ältesten Kulturpflanzen der Welt ein enormes Potenzial für Gesundheit und Wohlbefinden, die anderen fürchten den Missbrauch der Pflanze und die Legalisierung einer Einstiegsdroge. Fakt ist: Vieles bewegt sich derzeit noch in einem rechtlichen Graubereich. Fakt ist aber auch: Cannabis wird seit Tausenden von Jahren in unterschiedlichen Kulturen rund um den Erdball zur Behandlung von Beschwerden verwendet. Dem menschlichen Körper sind die Wirkstoffe der Hanfpflanze, die Cannabinoide, nicht fremd – er produziert schließlich selbst welche. Das sogenannte Endocannabinoidsystem dient dazu, das Gleichgewicht der physiologischen Körperfunktionen aufrechtzuerhalten.

 

Rausch- oder Allheilmittel?

Die Pflanze „ist kein Allheilmittel und auch keine Wundermedizin, aber sie kann den therapeutischen Alltag ungemein bereichern“, konstatiert der Hartberger Allgemeinmediziner Patrick Thurner, der gemeinsam mit seinen Geschwistern – Unternehmer und Jurist Alexander Thurner und Apothekerin Bettina Thurner – das Buch „Heilender Hanf“ verfasst hat. Der Mythos rund um das Thema Hanf rührt vor allem von seinem Wirkstoff THC. Dieser ist für die berauschende Wirkung verantwortlich und im Harz der weiblichen Cannabispflanze enthalten. Cannabis ist das lateinische Wort für Hanf, Haschisch ist reines Harz, als Marihuana bezeichnet man die getrockneten Blüten.  THC (Tetrahydrocannabinol) ist nur eines von rund 100 in der Pflanzen enthaltenen Cannabinoide, in den meisten Pflanzen kommen allerdings nur wenige davon in höherer Konzentration vor. THC kommt unter ärztlicher Anleitung beispielsweise bei Multipler Sklerose oder zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapien oder bei neuropathischen Schmerzen, bei denen andere Therapien unwirksam bleiben, zum Einsatz.

Zu den Hauptwirkstoffen der Hanfpflanze gehört neben THC auch CBD (Cannabidiol), das nicht psychoaktiv wirksam ist und damit nicht „high“ macht. CBD steht für medizinische Anwendungen bei schweren Erkrankungen verstärkt im wissenschaftlichen Interesse. Der Wirkstoff ist als pflanzliches CBD-Extrakt in Form von Ölen, Cremes, Tees oder Kapseln, aber auch frei erhältlich. Extrahiert werden darf er in Österreich nur aus Nutzhanf mit einem THC-Gehalt von unter 0,3 Prozent. Der Anbau unterliegt strengen Reglementierungen.

 

Kaum eine andere Kulturpflanze wird so kontroversiell diskutiert wie der Hanf.

 

Breites Wirkungsspektrum

CBD wird ein breites Wirkungsspektrum zugeschrieben: schmerzstillend, schlaffördernd, appetitzügelnd, angstlösend, antiepileptisch, antientzündlich, krampflösend, antibakteriell, antioxidativ. Es ist ein Wirkstoff mit großem Potenzial, mögliche Einsatzgebiete reichen von Angstzuständen über Hauterkrankungen bis hin zu Morbus Parkinson. Häufig wird jedoch bemängelt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse noch nicht in einem ausreichenden Maß vorhanden sind. Zuletzt haben Studien bei bösartigen Hirntumoren positive Effekte aufgezeigt: CBD konnte den Schmerz bei Glioblastomen lindern. 

In der Praxis von Patrick Thurner kommt CBD zur Anwendung. Er setzt auf Vollextrakte, „um das gesamte Spektrum der Pflanze zu nützen.“ Erstmals hatte er den Wirkstoff zwei bettlägerigen Patientinnen in einem Pflegeheim verabreicht, „ihre Agilität und Stimmung haben sich merklich zum Positiven hin verändert, bereits mit einer geringen Anzahl an Tropfen“, berichtet er. Eine Einnahme kann in unterschiedlicher Form erfolgen – über die Haut als Salbenmischung, als Tropfen oder auch als Zäpfchen. Die Anwendung und Dosierung ist vielfach eine individuelle Erprobung, „in etwa der Hälfte der Fälle traten bei Schlafproblemen von Patienten Verbesserungen ein“, resümiert Thurner aus seinem Erfahrungsschatz. Auch Schmerzzustände kommen für eine Behandlung in Frage, allerdings können diese nicht pauschal gesehen werden, „relevant ist beispielsweise, ob die Ursache in einer Entzündung oder in einer Abnützung liegt.“ Ärztlicher Rat sei daher stets empfohlen.

 

Kein Suchtstoff mehr

„Es gibt weltweit Tausende von Geschichten über die Wirksamkeit von Cannabinoiden bei Schmerzen, von Fibromyalgie über Migräne bis hin zu verletzungsbedingten Schmerzen und krebsbedingten Schmerzen“, schreibt Tanja Bagar in ihrem Buch „Die Hanfmedizin“. Die Direktorin des Internationalen Instituts für Cannabinoide Icanna konstatiert: „Ich kann mich nicht genug darüber wundern, dass es zu einem Verbot von Anbau und Konsum der Cannabis sativa L. kam, bevor die Pflanze überhaupt wissenschaftlich erforscht wurde. Wir können also sagen, dass die Grundlage für die heutige Gesetzgebung ohne jegliche Kenntnisse der chemischen Zusammensetzung der Pflanze oder deren Wirkungsweise auf unseren Körper gelegt wurde.“ 

Die Wogen gingen zuletzt hoch, als die EU-Kommission plante, CBD als Betäubungsmittel einzustufen. Ende 2020 ist wieder Bewegung in die rechtliche Seite der Thematik gekommen: Die Vereinten Nationen haben Cannabis für medizinische Zwecke von der Liste der gefährlichen Drogen gestrichen. Der EU-Gerichtshof hat dem Wirkstoff Cannabidiol den Weg zur weiteren Vermarktung geebnet, CBD wird nicht mehr als Suchtstoff angesehen. Auch die EU-Kommission stuft CBD nun nicht als Betäubungsmittel, sondern als „mögliches Lebensmittel“ ein. In Österreich unterliegt Hanf als Lebensmittel oder Lebensmittelzutat der Novel-Food-Verordnung. Da eine Kennzeichnung als Nahrungsergänzungsmittel ohne entsprechende Zulassung nicht möglich ist, werden die Produkte in Hanfshops vielfach als Aromaprodukte vertrieben.

 

Erfolgreicher Selbstversuch

Alexander Thurner hat 2014 mit dem Anbau von Bio-Hanf begonnen und vertreibt mittlerweile eine ganze Reihe von Produkten. Als Sportler war er auf der Suche nach einer alternativen Proteinquelle, weil er Milchproteine nicht vertrug. Das Potenzial der Pflanze hat ihn überzeugt. „Wenn die Produkte nicht wirken würden, wäre auch gar nie so ein Hype darum entstanden“, spricht er vor allem den Höhepunkt des Booms 2018 an. Er betont aber auch: „Es bräuchte einheitliche Regeln und Qualitätsstandards, damit die Produktsicherheit gewährleistet ist.“ Denn Extrakte können durch Verunreinigungen oder Rückstände belastet sein – Keime, toxische Stoffe, Pflanzenschutzmittel oder Insektizide.

Hanfsamen können zu Hanföl gepresst werden, aus dem Presskuchen wird Hanfmehl oder Hanfprotein hergestellt, das alle essenziellen Aminosäuren enthält. Hanfsamen enthalten keine Cannabinoide, sind aber reich an gesundheitsfördernden Fettsäuren, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Hanföl enthält Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren und wird in Kosmetikprodukten, etwa für trockene Haut, eingesetzt. 

 

Erwünschte und unerwünschte Wirkung

Im Rahmen einer repräsentativen Umfrage, die im Auftrag des Start-ups Magu im Juli 2019 vom Marktforschungsinstitut Integral unter 1.009 Personen im Alter zwischen 16 und 69 Jahren durchgeführt wurde, gaben 14 Prozent der Befragten an, sie hätten bereits selbst konkrete Erfahrungen mit CBD-Produkten gemacht. 79 Prozent der Nutzer würden diese wiederverwenden. Nur sieben Prozent gaben an, ausschließlich negative Erfahrungen damit gemacht zu haben. „Ein unbedenklicher Einsatz von Cannabinoiden kann trotz vieler positiver Effekte nicht empfohlen werden“, gibt Gudrun Rumpold-Seitlinger, Leiterin der Schmerzambulanz am Klinikum Graz, zu bedenken, da es auch Nebenwirkungen gebe: Schwindel, Müdigkeit, Verwirrtheit. Sie plädiert auch für eine klare Trennlinie in der Diskussion um Freizeitgebrauch und den Einsatz etwa in der Schmerz- und Palliativtherapie. „Weder sind Cannabinoide ein Allheilmittel noch sollte man grundsätzlich Ressentiments gegen sie haben.“

 


 

Ein Blick in die Geschichte

Hanf kommt seit jeher in vielfältiger Weise zum Einsatz. Seile aus Hanffasern wurden in China bereits vor mehreren tausend Jahren hergestellt, 1455 druckte Gutenberg die erste Bibel auf Hanfpapier, 1492 segelte Kolumbus mit Segeln und Tauwerk aus Hanf nach Amerika, 1870 fertigte der Bayer Levi Strauss die ersten Jeans aus Hanf in den USA. Das Harz, das aus den Blütenständen ausgeschieden wird, hat man im Lauf der Geschichte immer wieder zu Heilzwecken verwendet. Die Geschichte reicht bis ins alte China und ins alte Ägypten. Später wurde die Pflanze auch in der europäischen Volksmedizin eingesetzt. Die Anwendungsgebiete reichten von Schlafstörungen und Migräne über Gicht und Malaria bis hin zur Behandlung von Pest und Typhus. Hildegard von Bin-gen züchtete Cannabis in ihrem Kräutergarten. „In ihrer Schrift ,Physica – Liber simplicis medicinae’ beschreibt sie die Pflanze als schmerzstillend und verdauungsfördernd. Außerdem empfiehlt sie Cannabis zur lokalen Behandlung von Geschwüren und Wunden, bei rheumatischen und bronchialen Erkrankungen wie auch bei Magenbeschwerden und Übelkeit“, heißt es im Buch „Heilender Hanf“. 

Wegen seiner berauschenden Wirkung wurde der Hanfanbau schließlich, ausgehend von den USA, komplett verboten. Mit der Züchtung von Hanfsorten wie der Kulturform Cannabis sativa, die einen THC-Gehalt von weniger als 0,3 Prozent hat, wurde der Hanfanbau ab Ende des 20. Jahrhunderts teilweise wieder unter Vorgaben erlaubt. In den vergangenen Jahren sind immer mehr Hanfprodukte auf den Markt gekommen, CBD ist zunehmend auch für den Lifestylebereich in den Fokus gerückt.

 

Elke Jack-Offner
9.4.2021
Bildquelle: Shutterstock

Blutzucker im Griff

Je ungesünder unser Lebensstil ist, desto höher ist das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Aber auch die erbliche Veranlagung spielt keine unwesentliche Rolle. Wie so oft gilt auch hier: Vorbeugen ist essenziell, zumal Erkrankung und Therapie sehr belastend sein können.

Immer mehr Menschen sind von Diabetes mellitus betroffen. Allen Formen gemeinsam ist der hohe Blutzuckerspiegel, der zu schweren Komplikationen führen kann. Die chronische Stoffwechselstörung bedingt eine lebenslange, individuelle und kontinuierliche Behandlung. Sie ist entweder auf einen Mangel an Insulin oder auf eine verminderte Wirkung des Insulins zurückzuführen. 

Das Hormon Insulin spielt eine wichtige Rolle im menschlichen Körper. Bei der Verdauung werden Kohlenhydrate in einfache Zucker wie Glukose – der wichtigste Energielieferant, vor allem für Muskulatur und Gehirn – zerlegt. Sie können über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen werden, was zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels führt. Das Insulin sorgt dann für den Transport von Glukose aus dem Blut hin zu jenen Körperzellen, in denen sie gebraucht wird, und der Zuckergehalt im Blut sinkt wieder. Findet der Transport aber gar nicht oder unzureichend statt, bleibt zu viel Zucker im Blut. Das schädigt die Blutgefäße und hat gefährliche Folgen. Weil Diabetes anfangs nur weniger auffällige Symptome wie Müdigkeit verursacht, wird die Erkrankung im Durchschnitt erst nach fünf Jahren entdeckt.

 

 

Bauchumfang und Bewegungsmuffel

Bei Erwachsenen überwiegt Typ-2-Diabetes, der durch Bewegungsmangel und eine unausgewogene Ernährung gefördert wird. Als Risikofaktoren gelten laut der Österreichischen Diabetesgesellschaft ein Alter von über 45 Jahren, ein großer Bauchumfang – bei Männern über 102 Zentimeter, bei Frauen über 88 Zentimeter – ein zu hoher Blutdruck, eine Fettstoffwechselstörung, ein zu hoher Nüchternblutzucker und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch erbliche Faktoren spielen eine wichtige Rolle.  

Ein gesunder Lebensstil hat bereits zur Vorbeugung eine zentrale Bedeutung. Denn es gilt: Bewegungsmuffel bauen weniger Blutzucker ab. Jeder Fußmarsch, jeder Verzicht auf den Lift zugunsten der Treppe hat im Alltag daher einen positiven Effekt. Optimal sind jedoch 150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche sowie regelmäßiges Krafttraining. 

Im Fokus steht auch das Thema Übergewicht: Mit zunehmender Fettleibigkeit verliert das Insulin seine Wirkung an den Zellen, die Glukose bleibt im Blut. „Bauchfett löst Entzündungsprozesse im Körper aus, schädigt die Gefäße und wirkt sich negativ auf den Blutzuckerspiegel aus“, klärt die ÖDG-Broschüre „Diabetes verstehen“ auf. 41 Prozent der Österreicher gelten bereits als übergewichtig. Das bedeutet: Sie essen zu viel und das Falsche. Ernährungswissenschafterin Sandra Holasek spricht von einer „Pandemie der Adipositas“.

PPP-Formel hilfreich

Reich an Ballaststoffen, arm an tierischen Fetten: Die Expertin rät, die Ernährung so zu gestalten, dass möglichst wenig Körperfett aufgebaut wird – auch dank eines hohen Anteils an pflanzlichen Lebensmitteln. Für die optimale Verdauung braucht es eine gesunde Mikrobiomvielfalt im Darm. Die Formel dafür: PPP.  Neben Probiotika – Milchsäurebakterien, etwa im Jogurt oder im Sauerkraut – finden sich Präbiotika vor allem in Knoblauch, Zwiebel, Porree, Spargel und Getreide, Polyphenole stecken in buntem Obst und Gemüse. Die Nährstoffgruppe hat einen starken Einfluss auf die Verteilung und Ausprägung der Körperfettmasse.

Auch die Art der Kohlehydrate, die man zu sich nimmt, kann den Körper be- oder entlasten. Komplexe Kohlenhydrate lassen den Blutzucker nach dem Essen weniger schnell und weniger stark ansteigen und sorgen für ein längeres Sättigungsgefühl. Die Umwandlung von Kohlenhydraten aus Vollkornprodukten in Glukose geht langsamer vor sich und benötigt weniger Insulin als die Umwandlung von Haushaltszucker oder Weißmehlprodukten. Bei Erkrankten ist zudem besondere Vorsicht nötig: „Die Schwelle für die Geschmackswahrnehmung von Süßem ist bei Diabetikern oft erhöht“, erklärt Holasek. Süße Getränke haben einen besonders hohen glykämischen Index. Er ist das Maß für den Blutzuckeranstieg nach dem Verzehr eines bestimmten kohlehydrathaltigen Lebensmittels. Durch die flüssige Form gelangt der Zucker extrem schnell ins Blut.

 

 

Langsame Kohlenhydrate

Zu langsamen und damit empfehlenswerten Kohlehydraten zählen beispielsweise Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide – Roggen auch in ausgemahlener Form –, sowie Nudeln, wenn sie „al dente“ gekocht sind. Kartoffeln in der Schale sind gegenüber Kartoffelpüree zu bevorzugen. Zucker ist nicht grundsätzlich tabu, auch Diabetikern ist er nicht vollkommen verboten. Holasek: „Möglichst ganz vermieden werden sollte aber die isolierte Aufnahme von freiem Zucker etwa als Limonade oder Zuckerstreu.“ Der Salzgehalt von Speisen – vor allem ein Thema bei Bluthochdruck – kann durch den verstärkten Einsatz von Essig oder Gewürzen reduziert werden. Da das Belohnungssystem im Gehirn extrem auf das Mundgefühl beim Essen reagiert, sind knackige Gemüsesticks oder ungeröstete Nüsse eine adäquate Alternative für Chips oder Soletti. Fastenphasen sind im Tagesverlauf wesentlich. Durch den Schlaf ist eine Essenspause natürlich vorgegeben, währenddessen erfolgt die Regeneration des Immunsystems. Die Phase des Verzichts auf Speisen sollte aber mindestens acht bis zwölf Stunden betragen.

Eine Umstellung der Ernährung, vermehrte körperliche Aktivität und eine Reduktion des Körpergewichts können nicht nur der Entstehung von Diabetes vorbeugen, sondern auch eine Diabeteserkrankung positiv beeinflussen.

 


 

Diabetische Fußpflege im dm kosmetikstudio

Die Wahrscheinlichkeit, als Diabetiker am diabetischen Fußsyndrom zu erkranken, liegt bei bis zu 34 Prozent. Zumeist ist der Krankheitsverlauf chronisch. Eine regelmäßige Fußpflege kann einem schwerwiegenden Verlauf aber vorbeugen.

Mehr als eine Beauty-Behandlung

Eine professionelle diabetische Fußpflege wird alle vier bis sechs Wochen empfohlen. Zu Beginn der Behandlung führen die ausgebildeten dm Fußpflegerinnen ein detailliertes Vorgespräch mit Empfindungstests und Fußanalyse. Dadurch erkennen sie gegebenenfalls bestehende Gesundheitsschäden und können rechtzeitig zum Facharzt vermitteln. Nach der Voruntersuchung folgt die speziell auf individuelle Bedürfnisse abgestimmte Fußpflege. Angeboten wird die diabetische Fußpflege österreichweit in allen 111 dm Filialen mit Kosmetikstudio.

Nur € 43,-
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31.3.2021
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ÖGK lädt Bevölkerung zu Gesundheits-Checks ein

Die Österreichische Gesundheitskasse verschickt in den Monaten April bis Juni insgesamt 450.000 Einladungen zur Vorsorgeuntersuchung (Gesundheits-Check) an die Versicherten aus.
Empfohlen wird der Gesundheits-Check Personen unter 40 Jahren alle drei Jahre. Ab dem 40 Lebensjahr wird jedes zweite Jahr empfohlen. Diese Vorsorgeuntersuchung kann auch ohne persönliche Einladung von allen Personen ab 18 Jahren in Anspruch genommen werden, sofern die letzte Vorsorgeuntersuchung länger als ein Jahr zurückliegt.

Der Gesundheits-Check kann bei allen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten mit entsprechendem Vertrag sowie in den Gesundheitszentren der ÖGK vorgenommen werden. Eine kostenlose Serviceline (0800 501 522) steht von Montag bis Freitag von 8.00 bis 18.00 Uhr für allgemeine Informationen zur Vorsorgeuntersuchung zur Verfügung. Wird eine Untersuchung in einem Gesundheitszentrum gewünscht, können die Versicherten den Termin direkt über die Serviceline buchen. Zum Gesundheits-Check bitte die e-card mitbringen.

Auch in Corona-Zeiten bietet Ihnen der Gesundheits-Check die Möglichkeit, gemeinsam mit Ihren Ärztinnen und Ärzten Wege zu finden, um länger und gesünder zu leben!

Mehr Informationen zur Österreichischen Gesundheitskasse finden Sie hier: ÖKG.

31.3.2021
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Pflegeprofis aus Graz sind Weltmeister

International bedeutsamer Unternehmenspreis an Geriatrische Gesundheitszentren GGZ.

Freudensprünge der rund 800 Beschäftigten des städtischen Grazer Kompetenzzentrums für Altersmedizin und Pflege. Das GGZ hat die international höchste Auszeichnung für Unternehmenskultur erhalten. Der Global Award von EFQM, der europäischen Agentur für Qualitätsmanagement, ist so etwas wie der Weltmeistertitel für Unternehmensführung, Strategie und Transparenz sowie Kunden- und Mitarbeiterorientierung.

7 Sterne, Branche

Dr. Gerd Hartinger, der GGZ-Geschäftsführer, widmete den Preis den Mitarbeiter, die nicht erst seit Corona dafür sorgen, dass sich die täglich rund 900 Bewohner und Patienten der GGZ-Einrichtungen wie in besten Händen fühlen. Der Grazer Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl gratulierte dem Unternehmen und besonders den MitarbeiterInnen.

Der EFQM Global Award ist die weltweit anerkannte Agentur für unternehmerische Exzellenz. Die Teilnehmer werden strengsten Prüfungen unterzogen. Ein sechsköpfiges Team hat die GGZ in 60 Online-Rundgängen und Videokonferenzen durchleuchtet und Interview mit 90 Beschäftigten geführt.

 

Mehr Infos zu den Geriatrische Gesundheitszentren: GGZ Graz

Johannes Kübeck
05.03.2021
Bildquelle: Christoph Ortner

Impfstoffe im Vergleich

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat bislang drei Impfstoffe in der EU zugelassen. Zwei weitere werden noch in diesem Quartal erwartet.

Die Vakzine von Pfizer/Biontech und Moderna basieren auf der mRNA-Technologie, eine Premiere bei der Produktion von Massenimpfstoffen. Die mRNA-Impfstoffe übermitteln dem Körper den Bauplan für Virus-Antigene. Diese werden dann in den Zellen hergestellt und die Immunabwehr so in Gang gesetzt. Die Haltbarkeit des mRNA-Impfstoffes ist allerdings kurz, er braucht eine ununterbrochene Kühlkette und sehr niedrige Temperaturen.

AstraZeneca arbeitet mit einem Vektorimpfstoff. Dabei fungiert ein harmloses Virus als Träger, mit dem genetisches Material aus dem Coronavirus in die Zelle transportiert wird. Die Zellen erzeugen dann das „Spike-Protein“ und eine Immunreaktion wird in Gang gesetzt. Der Impfstoff ist im Vergleich zu den anderen beiden preiswerter und muss nicht tiefgefroren aufbewahrt werden.

AstraZeneca wird in Österreich nur für unter 65-Jährige empfohlen, weil ausreichende Daten zur Wirksamkeit in der höheren Altersklasse fehlen. Der heimische Impfplan wurde entsprechend angepasst: Der Impfstoff von AstraZeneca wird vorrangig an 18- bis 64-Jährige verabreicht. Damit folgt man der Empfehlung des Nationalen Impfgremiums.

Das Serum von AstraZeneca kommt nach den Zahlen der Statistik Austria für 5.664.816 Österreicher im Alter zwischen 18 und 64 infrage. Pfizer/Biontech kann an alle ab 16 Jahren verabreicht werden, das sind 7.531.239 Menschen, beim Moderna-Serum, das für alle ab 18 zugelassen ist, sind es 7.358.443 Österreicher und Österreicherinnen.

Der nächsten Impfstoffe werden von den US-Konzernen Johnson & Johnson und Novavax erwartet. Johnson & Johnson arbeitet mit einem Vektorviren-Impfstoff. Er soll den Vorteil bieten, dass nur eine Dosis statt sonst üblicher zwei verabreicht wird. Novavax bedient sich eines Totimpfstoffs mit gentechnisch hergestelltem Virusantigen.

 

 

2.2.2021
Bildquelle: Shutterstock (1: Ascannio; 2: Mike Mareen; 3: pcruciatti; 4: pcruciatti; 5: Studio Roux)
Grafik: eigene Darstellung
Quellen: ORF; ÖSTERREICH

„Ich halte das nicht mehr aus!“

Dr. Michaela Wlattnig, PatientInnen- und Pflegeombudsfrau, warnt vor verhängnisvollen Folgen durch Corona für BewohnerInnen der Pflegeheime. Sie sprach mit Abenteuer Alter im Rahmen der Serie „Wo drückt der Schuh in den Pflegeheimen?“

Aus der Sicht der Bewohnerinnen der Pflegeeinrichtungen hat diese Pandemie eine große Resignation ausgelöst. Das Hauptproblem ist die Vereinsamung. Das bekommen mein Team und ich bei vielen Kontakten zu spüren. Ich habe heuer rund 90 Sprechtagen in Pflegeheimen abgehalten und bekomme regelmäßig solche Sätze zu hören: „Wir leben wie im Gefängnis“. „Ich halte das nicht mehr aus“.

Im ersten Lockdown gab es in den Heimen nicht nur das weitgehende Besuchsverbot für Angehörige. Es konnten auch die Therapeuten und andere Gesundheitsdienste nicht mehr kommen. Das führte zur massiven Verschlechterung der Gesundheit dieser Menschen. Ich habe auch gehört, dass teilweise keine Priester mehr für Gottesdienste gekommen sind.

Dr. Michaela Wlattnig

 

Es gibt auch positive Beispiele dort, wo die Heime ein gutes Besuchsmanagement eingeführt haben. Durch die Smartphones wissen die Menschen wenigstens, wie es den Angehörigen geht. Aber das ersetzt keine Berührung, keine Umarmung, keinen Händedruck.

Man muss bedenken, die Mitmenschen in den Pflegeheimen gehören zu der Generation, die gewohnt ist, das zu tun, was man ihnen sagt. Wenn die Besuche eingeschränkt werden oder wenn untersagt wird, das Heim zu verlassen, sagen sie: „Da kann man nichts machen.“ Dabei sind das Mitglieder unserer Gesellschaft, wie wir alle, sie sind nicht entrechtet! Die vier Gründe, seine Wohnung zu verlassen, gelten auch für sie.

 

21.12.2020
Bildquelle: Land Steiermark/Jesse Streibl; Shutterstock

Vorgezogener Impfstart

Eine Impfung gegen des Coronavirus außerhalb von Pflege- und Altersheimen findet nun doch schon im Jänner statt.

Nachdem die Impfpläne zuletzt ins Stocken geraten sind und massive Kritik am langsamen Impffortschritt laut wurde, kommt nun wieder Bewegung in die Sache. Der Impfstart wurde von 12. Jänner auf diese Woche vorgezogen, erste Impfungen außerhalb von Pflege- und Altersheimen sollen nun bereits im Jänner stattfinden – etwa für familiär betreute Menschen mit einem Alter von über 80 Jahren.

Begründet wurde dieser Schritt mit der Zulassung des zweiten Impfstoffes von Moderna und der damit verbundenen Verfügbarkeit einer höheren Anzahl an Dosen. Diese Woche werden nun 21.000 Dosen vorgezogen, in der kommenden Woche sollen zudem 60.000 zusätzliche Dosen eintreffen, die ebenfalls rasch zum Einsatz kommen sollen.

Erwartet wird auch die Zulassung des dritten Impfstoffes von AstraZeneca, gerechnet wird mit Februar. Während die Regierung ihren Impfplan gesichert sieht, ortet die Opposition weiter deutliche Versäumnisse und spricht von Chaos und Versagen. Laut den letzten verfügbaren Daten wurden erst mehr als 6.000 Menschen in Österreich geimpft.

07.01.2021
Bildquelle: Shutterstock

Impfung ist angelaufen

Großbritannien ist bereits gestartet, auch in den USA ist die Impfung gegen Covid-19 angelaufen. In Österreich ist die Debatte über eine Impfpflicht entflammt.

In England werden Impfungen gegen das Coronavirus bereits in Hausarztpraxen im ganzen Land verabreicht. Mit großer medialer Aufmerksamkeit wurde vergangene Woche eine 90-Jährige als erste Britin mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer geimpft. Das deutsche Biotechunternehmen Curevac startet derweil die entscheidende Studie mit seinem Covid-19-Impfstoff. Die EU hat sich bereits bis zu 405 Millionen Impfdosen gesichert.

Laut einer aktuellen Umfrage von Meinungsforscher Peter Hajek will sich in Österreich allerdings nur knapp jeder Fünfte im Land „ganz sicher“ gegen das Virus impfen lassen, 29 Prozent wollen es „sicher nicht“ tun. Hierzulande ist nun eine Debatte über eine etwaige Verpflichtung zur Covid-Impfung entbrannt. Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer fordert eine solche Pflicht, andere Landeshauptleute zeigen sich ablehnend. Die Regierung ist weiterhin gegen eine Verpflichtung, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Bei den Massentests, deren Beteiligung mit mehr als zwei Millionen Menschen deutlich unter den Erwartungen blieb, wird bereits mit teilweisen Verpflichtungen gearbeitet. Bestimmte Berufsgruppen müssen sich künftig regelmäßig testen lassen. Wer sich in Corona-Hotspot-Gemeinden frei bewegen will, muss sich „freitesten“. Dennoch wird derzeit auch über eine etwaige Belohnung für die Teilnahme an den nächsten Massentests nachgedacht.

Wie funktioniert der Biontech-Pfizer-Impfstoff überhaupt? Um in menschliche Zellen eindringen zu können, muss das Coronavirus mit einem seiner Oberfächenproteine – dem sogenannten Spike-Protein – an die Zelloberfläche andocken. Ein synthetisch erzeugtes Botenmolekül regt im Körper die Bildung des Virus-Eiweißes an. Dies löst eine Immunreaktion des Körpers aus. Auch Curevac bedient sich dieser mRNA-Methode.

 

14.12.2020
Bildquelle: Shutterstock