Pflegenotstand – ein Ende in Sicht?

Die Forderungen und die Debatten finden kein Ende. Die Pflege, die Versorgung im Alter beunruhigt nach wie vor die Bevölkerung. Dazu Landesrat Dr. Karlheinz Kornhäusl, Allgemeinmediziner und Facharzt für Innere Medizin im Interview mit „Abenteuer Alter“.

Am Foto ist Dr. Karlheinz Kornhäusl zu sehen.
Herr Dr. Karlheinz Kornhäusl, ist seit Herbst 2023 Landesrat der Steiermark für Gesundheit und Pflege. © Michaela Lorber

Herr Landesrat, Sie wissen am besten, dass Pflege der Menschen aller Altersgruppen meistens zu Hause in den Familien stattfindet. Wenn jetzt schon seit Jahren vom sogenannten Pflegenotstand gesprochen wird, heißt das dann nicht folgerichtig, dass diese Problematik hauptsächlich die Pflege daheim betrifft? 

Karlheinz Kornhäusl: Ich bin mit dem Begriff Notstand immer vorsichtig. Not gibt es in vielen Teilen der Welt, aber die Steiermark mit Not zu verbinden, da würde ich sehr vorsichtig sein. Ohne Zweifel haben wir im Pflege- und im Gesundheitsbereich Probleme und große Baustellen. Mein Zugang war schon immer der zu sagen, dass die Zukunft in der Versorgung in der Vielfalt liegen muss. Wir brauchen unter dem Aspekt „Mobil vor teilstationär vor stationär“ eine Vielzahl an Angeboten. Wir wissen ja, die meisten Menschen, eigentlich fast alle, wünschen sich, in Würde in den eigenen vier Wänden altern zu können. Das ist das Normalste der Welt. Dazu müssen wir die Möglichkeit schaffen.

Sind diese Möglichkeiten ausreichend vorhanden? 

Kornhäusl: Ich möchte darauf hinweisen, dass das Land Steiermark für den ganzen Pflegebereich pro Jahr weit mehr als 800 Millionen bereitstellt. Wir haben im letzten Jahr mit dem steirischen Pflege- und Betreuungsgesetz eine der modernsten Grundlagen in Österreich geschaffen und das müssen wir jetzt mit Leben erfüllen. Das bedeutet Ausbau der stundenweisen Alltagsbetreuung, Ausbau der Tagesbetreuungszentren, Ausbau von mobilen Diensten und vieles mehr. Die stationäre Langzeitbetreuung im Pflegeheim kann nur am Ende des Weges stehen und nicht gleich am Beginn. 

Weil Sie von einem Weg sprechen: Wo auf diesem Weg befinden wir uns gerade?

Kornhäusl: Ich kann das Prinzip „Mobil vor teilstationär vor stationär“ sogar in Zahlen belegen. Wir haben in der Steiermark 13 Bezirke und in mittlerweile neun Bezirken haben wir mehr Menschen in der mobilen oder teilstationären Betreuung als in der Langzeitpflege. 

Können Sie das bitte erläutern? Es heißt ja, etwa 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause von den Angehörigen betreut. Was bedeuten dann Ihre Angaben? 

Kornhäusl: Hier geht es um die in Anspruch genommenen Pflegeleistungen des Landes Steiermark und wir sehen eben, dass die Pflegebedürftigen in den neun Bezirken überwiegend in der mobilen oder tagesstationären Betreuung sind als in der stationären Langzeitbetreuung. Mein Ziel ist, dass in allen Bezirken Möglichkeiten bestehen, dass mehr pflegebedürftige Menschen zu Hause und mobil als stationär betreut werden.

Am Foto ist Dr. Kornhäusl in seinem Büro beim Interview zu sehen.
Erl ist Allgemeinmediziner sowie Facharzt für Innere Medizin und übte diesen Beruf in Landeskrankenhäusern und als Notarzt aus. © Michaela Lorber

Schon Ihr Vorvorgänger hat einst eine Ausbildungsoffensive für Pflegeberufe begonnen, weil klar war, dass wir mehr Betreuungspersonal aller Qualifikationen brauchen. Hat das etwas bewirkt oder hinken wir hier immer noch hinterher, weil die Vorlaufzeiten der Ausbildung so lange sind?

Kornhäusl: Das bringt effektiv etwas und wir haben im letzten Jahr auch den Turbo gezündet. Eines muss immer klar sein: Bei allen Maßnahmen, die wir heute setzen, spürt man die Veränderungen erst morgen. Ausbildung braucht seine Zeit, Veränderungen an einem System, das so komplex ist, brauchen ihre Zeit. Was ich sagen kann: Wir haben die Anzahl der Gesundheits- und Krankenpflegeschulen in der Steiermark von sieben auf 15 aufgestockt. Wir bilden an 15 Standorten im ganzen Land aus! Wir bauen derzeit den Campus der Fachhochschule Joanneum, auch das ist ein Meilenstein. Wenn der fertig gebaut ist, werden jedes Jahr 400 diplomierte Pflegekräfte in Graz und Kapfenberg ausgebildet. An den 15 Krankenpflegeschulen haben wir auf 1.350 Ausbildungsplätze für Heimhilfe, Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz ausgebaut. Dazu kommt, dass wir allen an den Schulen ein Mittagessen bezahlen, jede und jeder bekommt ein monatliches Taschengeld, das höher ist als in den anderen Bundesländern. Und wir haben auch mehr Angebote, die Ausbildung berufsbegleitend zu machen. 

Steigt auch die Nachfrage nach Pflegeberufen?

Kornhäusl: Wir spüren, es kommen wieder mehr Leute in den Beruf. Die Plätze sind gut gefüllt. Wir spüren auch in den Pflegeeinrichtungen und in den Spitälern, dass die Pflege wieder kommt.

Wie bewähren sich neue Einrichtungen wie die Pflegedrehscheibe oder die Community Nurses? Hat das einen konkreten Nutzen für die Menschen oder sind das nur Schreibtische?

Kornhäusl: Ganz im Gegenteil! Die Pflegedrehscheiben bei den Bezirkshauptmannschaften geben Hilfestellung, wenn es bereits zu einem Pflegefall gekommen ist: Wo kann ich Förderungen abholen, wer hilft mir bei Umbauarbeiten, was kann ich tun, um eine andere Pflegestufe zu beziehen etc.? Bei den Communitiy Nurses geht es darum, so lange wie möglich zu vermeiden, dass jemand ein Pflegefall wird. Da geht es um Prävention, Vorsorge, Schulungen, um Angebote gegen die Einsamkeit, Angebote im Bereich Bewegung und Sport und vieles mehr. Also alles, was eigentlich jeder von uns tun sollte, um Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich hinauszuzögern und im Idealfall zu verhindern.

Gibt es auch Hausbesuche, um den Pflegebedürftigen und den pflegenden Angehörigen konkret zu helfen? 

Kornhäusl: Die Pflegedrehscheiben sind in den Bezirkshauptmannschaften für die Menschen da, es gibt Sprechstunden, sie kommen aber auch nach Hause und schauen sich die Umstände vor Ort an. Wir haben wirklich einen bunten Strauß an Möglichkeiten.

Am Bild ist der steirische Landesrat, Dr. Kornhäusl, für Gesundheit und Pflege zu sehen.
Die Pflegedrehscheibe bei den Bezirkshauptmannschaften bieten ein vielfältiges Angebot an Unterstützungen. © Michaela Lorber

Sie haben die Angehörigen angesprochen. Wir von Abenteuer Alter haben starke Rückmeldungen aus diesen Kreisen, dass es bei der Pflege zu Hause nicht nur um die Menschen geht, die Pflege benötigen, sondern auch um die Angehörigen, die diese Pflege leisten. Da gibt es gar nicht so selten Überforderung und wir wissen, dass viele betreuende Angehörige selbst fast schon Pflegefälle sind. Wir begegnen hier unglaublichen Dilemmas. Oft weiß man gar nicht, wie prekär die Verhältnisse sind. Welche Hilfen stehen hier zur Verfügung?

Kornhäusl: Genau auch in solchen Fällen rate ich wirklich dringend, das Angebot der Pflegedrehscheibe zu nutzen. Wir haben sie niederschwellig in jeder Bezirkshauptmannschaft und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind es, die Antworten auf diese Fragen geben können. Wie kann ich mir Unterstützung holen? Was muss ich tun, damit ich entlastet werden kann? Welche Angebote gibt es hinsichtlich der stundenweisen Alltagsbegleitung durch mobile Dienste? Welche Tagesbetreuung gibt es? Es ist tatsächlich so, dass sich pflegende Angehörige mit konkreten Fragen Hilfe suchend an uns wenden und wenn wir dann an die Pflegedrehscheibe verweisen, erfahren wir, dass das gar nicht bekannt ist. Oft hören wir nach nur wenigen Tagen, dass alles geklärt und geregelt ist.

Also müssten die Pflegedrehscheiben stärker im Bewusstsein verankert werden. Ist das nicht Ihre Aufgabe?

Kornhäusl: Da sind wir auf dem Weg, aber es dauert natürlich eine gewisse Zeit, bis ein Bekanntheitsgrad erreicht ist. Wir leben hier ganz stark davon, dass die guten Erfahrungen mit den Pflegedrehscheiben weitererzählt werden.  

Sie haben zu Recht angemerkt, dass Sie mit dem Begriff Pflegenotstand keine Freude haben. Werden wir je wieder einen Zustand erreichen, wo man nicht mehr von der Krise im Pflegebereich sprechen wird?

Kornhäusl: Der demografische Wandel ist natürlich da und nicht aufzuhalten. Was mir persönlich aus einem Brotberuf als Arzt und Internist heraus am Herzen liegt, ist das Thema der Prävention und Vorsorge. Jede und jeder von uns kann selbst dazu beitragen, das System zu entlasten, indem man körperlich und geistig herausfordert und fit bleibt. Was das Gesundheitssystem betrifft, sage ich, dass wir mit Ausbildung oder neuen Versorgungsformen alles Mögliche tun, das Pflegesystem zu entlasten.

Schon seit Jahren beschäftigt die Menschen der sogenannte Vermögensregress in den Pflegeheimen und in der Pflege insgesamt. Im neuen Pflege- und Betreuungsgesetz ist in der 24-Stunden-Betreuung aber immer noch so etwas wie ein Rückgriff auf Einkommens- und Vermögenswerte möglich. Ist das die richtige Richtung, die wir da gehen, die Betreuung zu Hause schlechter zu stellen als die im teuren Pflegeheim?

Kornhäusl Ich bin nicht glücklich mit dieser Situation, die auf eine kurze Phase des sogenannten Spiels der freien Kräfte im Jahr 2017 im Nationalrat zurückgeht. Damals wurde bedenkenlos der Regress in Pflegeheimen abgeschafft. In der Steiermark haben wir das zwar kritisiert, aber es blieb nichts anderes übrig, als da mitzutun. Wir haben für die mobilen Dienste ein Modell eingeführt, mit dem Pflegebedürftigen daheim nach Abzug aller Kosten zumindest ein persönliches Minimaleinkommen bleibt. Was die 24-Stunden-Betreuung betrifft, gibt es in der Steiermark für Bezieher niedrigerer Einkommen eine Förderung. Aber ja, die Möglichkeit des Regresses besteht. Ich bin nicht glücklich damit, sage aber auch, das werden wir allein nicht schaffen. Vom Bund erwarte ich, dass er hier eine Lösung findet, wie er es auch für die stationäre Pflege getan hat.

 

Weiterführende Artikel: Auflistung der steirischen Pflegedrehscheiben und Auflistung aller steirischen Vermittlungsagenturen für Personenbetreuer

Foto: © Michaela Lorber, fizkes / Shutterstock.com

Text: Johannes Kübeck

Steirische Pflegedrehscheiben

Seit 2018 ist in allen steirischen Bezirken die Pflegedrehscheibe, eingerichtet vom Land Steier­mark, ein kompetenter und kostenloser Ansprechpartner für alle Steirer: innen, die sich über Pflegemöglichkeiten und passende Versorgungskonzepte erkundigen möchten. Wie arbeitet die Pflegedrehscheibe?

Kurz und Knapp

Was ist die Pflegedrehscheibe?

Die Pflegedrehscheibe bespricht mit den Betroffenen und Angehörigen die Situation und zeigt die zur Verfügung stehenden Wege auf. Hier nimmt das Fachpersonal wie Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen konkreten Bezug auf die verschiedenen Formen der möglichen Unterstützungen inklusive Förderungsberatung, um rasch und verlässlich Hilfe geben zu können. 

Was bedeutet dies konkret?

Es wird insbesondere auf die Vielfältigkeit der Angebote von Einrichtungen und Organisationen in den jeweiligen Bezirken hingewiesen. Anhand dieser Versorgungsstrukturen und dem Bedürfnis der zu unterstützenden Person werden individuelle Versorgungspakete erstellt. Nicht nur bei der Planung der häuslichen Versorgung, sondern auch bei der Organisation dieser steht die Pflegedrehscheibe den Angehörigen und Betroffenen bei Wunsch zur Seite.  

Ab wann zur Pflegedrehscheibe?  

Um keine wichtige Versorgungszeit zu verpassen und sich einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen, empfiehlt es sich, so früh wie möglich Rat zu suchen. Sobald sich ein Bedarf abzeichnet, sollte man bereits aktiv werden und sich kostenlos beraten lassen. Damit ist sichergestellt, dass im Bedarfsfall bereits alle Informationen zur Verfügung stehen, um auch schwierigere Situationen leichter bewältigen zu können.

Für wen ist die Pflegedreh­scheibe gedacht?

Personen, die Informationen zur Betreuung und Pflege benötigen, und/oder Personen, die Unterstützung bei der Suche nach Lösungen in einer speziellen Pflegesituation brauchen.

Am Foto sind Hände von zwei Personen zu sehen welche sich gegenseitig halten. Eine Hand ist von einer älteren Frau die zweite Hand ist von der Betreuerin.
Die steirischen Pflegedrehscheiben bieten umfassende Beratung für Fachpersonal, pflegende Angehörige und Leistungsbezieher. © evrymmnt / Shutterstock.com

Informationspool

Beratung und Unterstützung findet man nicht nur im Bereich der Leistungsauswahl wie Hauskrankenpflege sondern auch bei finanziellen Angelegenheiten steht man mit Rat und Tat zur Seite. Selbst pflegende Angehörige können sich bei den Pflegedrehscheiben über Themen wie Pflegeteilzeit & Co. beraten lassen.

Standorte

1. BEZIRK BRUCK-MÜRZZUSCHLAG, DDr.-Schachner-Platz 1, 8680 Bruck an der Mur, Tel.: 0316 877 7472, E-Mail: pflegedrehscheibe-bm@stmk.gv.at

2. BEZIRK DEUTSCHLANDSBERG, BH Deutschlandsberg, Kirchengasse 7, 8530 Deutschlandsberg, Tel.: 0316 877 7473, E-Mail: pflegedrehscheibe-dl@stmk.gv.at

3. BEZIRK GRAZ-UMGEBUNG, Hauptstraße 151, 8141 Premstätten, Tel.: 0316 877 7474, E-Mail: pflegedrehscheibe-gu@stmk.gv.at

4. BEZIRK HARTBERG-FÜRSTENFELD, Sozialzentrum (altes LKH), Rotkreuzplatz 1, 8230 Hartberg-Fürstenfeld, Tel.: 0316 877 7475, E-Mail: pflegedrehscheibe-hf@stmk.gv.at

5. BEZIRK LEIBNITZ, Kada-Gasse 12, 8430 Leibnitz, Tel.: 0316 877 7476, E-Mail: pflegedrehscheibe-lb@stmk.gv.at

6. BEZIRK LEOBEN, Peter-Tunner-Straße 6, 8700 Leoben, Tel.: 0676 8666 0675 oder 0676 8666 6407, E-Mail: pflegedrehscheibe-le@stmk.gv.at

7. BEZIRK LIEZEN, Admonterstraße 3, 8940 Liezen, Tel.: 0316 877 7478, E-Mail: pflegedrehscheibe-li@stmk.gv.at

8. BEZIRK MURAU, Bahnhofviertel 7, 8850 Murau, Tel.: 0676 8666 0662, E-Mail: pflegedrehscheibe-mu@stmk.gv.at

9. BEZIRK MURTAL, Anton-Regner-Straße 2, 8720 Knittelfeld, Tel.: 0316 877 7480, E-Mail: pflegedrehscheibe-mt@stmk.gv.at

10. BEZIRK SÜDOSTSTEIERMARK, Oedter Straße 1, 8330 Feldbach, Tel.: 0316 877 7481, E-Mail: pflegedrehscheibe-so@stmk.gv.at

11. BEZIRK VOITSBERG, Haus des Lebens, Conrad-von-Hötzendorf-Straße 25b, EG, Zi. Nr. 4, 8570 Voitsberg, Tel.: 0316 877 7482, E-Mail: pflegedrehscheibe-vo@stmk.gv.at

12. BEZIRK WEIZ, BH Weiz, Birkfelder Straße 28, 8160 Weiz, Tel.: 0316 877 7483, E-Mail: pflegedrehscheibe-wz@stmk.gv.at

13. BEZIRK Graz, Betlehemgasse 6, 8020 Graz, Tel.: 0316 872 6382, E-Mail: pflegedrehscheibe@stadt.graz.at

Die Pflegedrehscheiben stehen Ihnen von Montag bis Freitag telefonisch zur Verfügung. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.pflege.steiermark.at

 

Foto: © Halfpoint / Shutterstock.com; PeopleImages.com – Yuir A / Shutterstock.com; evrymmnt / Shutterstock.com

Dr. Matthias Riedl Ernährungs-Doc

Im Jahr 2050 werden laut Berechnungen rund 60 Prozent der Erwachsenen Übergewicht oder Adipositas aufweisen. Rund ein Viertel davon wird über 65 Jahre alt sein. Das hat eine neue Studie für 204 Staaten und Regionen ergeben, die auch Österreich umfasst. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Emmanuela Gakidou, Hauptinitiatorin der Studie vom Institute for Health Metrics and Evaluation der US-Universität Washington, spricht von einer „beispiellosen globalen Epidemie“.

Erschreckende Tendenz

Die Menschen werden weltweit also immer dicker. Gleichzeitig ist falsche Ernährung die Wurzel vieler Erkrankungen. Dennoch wird das Thema Ernährungstherapie nach wie vor vielfach ausgeblendet, genau hier setzt Ernährungsmediziner Matthias Riedl an. Denn: „Gesundes Essen wirkt wie Medizin“, lässt er keinen Zweifel daran, dass man mit einer entsprechenden Ernährungsweise Krankheiten aktiv vorbeugen, lindern und sogar heilen kann. Der renommierte Facharzt für Innere Medizin, Diabetologie und Ernährungsmedizin leitet als ärztlicher Direktor das von ihm 2008 gegründete medizinische Versorgungszentrum Medicum Hamburg. Es gilt als Europas größtes Zentrum für Ernährungsmedizin und Diabetologie. 

Einem Millionenpublikum ist Matthias Riedl seit 2013 aus der NDR-Sendereihe „Die Ernährungs-Docs“ bekannt, die Möglichkeiten der Ernährungstherapie an konkreten Patientenfällen verdeutlicht. Ob Zuckerkrankheit, Migräne oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Die Ernährungs-Docs helfen mit Essen als Medizin. Im Rahmen der Sendung begleiten Experten Menschen mit ganz unterschiedlichen gesundheitlichen Pro­blem­­stellungen dabei, durch eine gezielte Ernährungsumstellung gesünder zu werden. 

Am Foto sind verschiedene Gemüsesorten zu sehen.
In der Natur liegt die Kraft, gilt auch für die Ernährung. © Framarzo / Shutterstock.com

Du bist was du isst

Gemeinsam mit seinem Team im Medicum Hamburg hat Matthias Riedl auch das 20:80-Prinzip entwickelt. Es ist eine Formel, um Verhaltensweisen nach einer individuellen Fehleranalyse gezielt und nachhaltig zu ändern. Mit 20 Prozent Ernährungsoptimierung sollen 80 Prozent des gewünschten Effekts erzielt werden: „Das 20:­80-Prinzip zeigt, dass nur 20 Prozent Ernährungsoptimierung nö­­tig ist, um langfristig und nachhaltig Gewicht zu reduzieren, den Blutdruck zu normalisieren und den Cholesterinspiegel zu senken“, unterstreicht der Facharzt. Auf dieser Methode basiert auch die von Riedl entwickelte Gesundheits-App „myFoodDoctor“. Die über 20-jährige Erfahrung als Mediziner fließt zudem in die Ernährungsratgeber ein, mit denen er informativ und alltagstauglich über die Vorteile gesunder Ernährung aufklären will. In seinem Podcast „So geht gesunde Ernährung“ räumt er mit Mythen rund um das Essen auf.

Am Foto ist eine Yoga-Gruppe zu sehen.
Das seelische Gleichgewicht hängt stark mit dem körperlichen Wohlbefinden zusammen. © Ground Picture / Shutterstock.com

Länger gesund leben

Von der bloßen Heilung von Krankheiten hin zur möglichst langen Erhaltung der Gesundheit vollzieht sich derzeit ein regelrechter Paradigmenwechsel. Immer häufiger ist dabei von „Longevity“ die Rede. Langlebigkeit – das meint, sich körperliche und geistige Fitness möglichst lange zu bewahren. In Amerika hat sich das Streben danach bereits zu einer regelrechten Bewegung entwickelt. Während wir unsere genetischen Voraussetzungen als gegeben akzeptieren müssen, können wir mit unseren Lebensgewohnheiten einen Einfluss auf den Alterungsprozess nehmen. Auch Matthias Riedl nimmt sich dieses Themas an: „80 wird das neue 50 sein – visionäre Forscher tüfteln intensiv an der Frage, wie sich das Beste aus dem Alter herausholen lässt. Doch die Erkenntnisse der Longevity-Medizin wirken auf die meisten teuer, kompliziert und alltagsfern“, heißt es zu seinem Werk „Die Longevity Food-Formel – Die richtige Ernährung als Erfolgsfaktor für ein langes und gesundes Leben“. Basierend auf jüngsten Studien präsentiert er die Schlüsselfaktoren wie erhöhte Eiweißzufuhr, Zuckerreduktion, ein intaktes Mikrobiom und moderates Fasten.

Am Foto sind Linsen, Erbsen, Bohnen und diverse weitere Saaten zu sehen.
Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen haben eine diabeteshemmende Wirkung. © nadianb / Shutterstock.com

Klüger essen

So ungern es alle hören: Falsche Ernährung macht krank. Aber was macht gesunde Ernährung aus? Welche Lebensmittel fit halten und helfen, Diabetes Typ 2 zu heilen und Blutzuckerschwankungen bei Typ 1 zu reduzieren, darauf legt Matthias Riedl den Fokus in seinem Expertenkochbuch „Heilen Sie Ihren Diabetes“. Er legt das Augenmerk auch auf den von ihm geprägten Begriff der „artgerechten“ Ernährung – eine dem Ausmaß der körperlichen Bewegung angepasste Dosierung von Kohlenhydraten, eine gewichtsadaptierte Dosierung von Eiweiß sowie eine gemüse- und nussreiche Ernährung.  Das Konzept setzt er nicht nur zur Behandlung von Adipositas, sondern auch Diabetes Typ 2 ein und stellt sich damit in Teilen gegen die seiner Auffassung nach zu kohlenhydratlastigen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und der Deutschen Diabetesgesellschaft. Er ist damit einer der Kritiker einer zu frühen Insulintherapie – sie führe zu einer Spirale aus Gewichtszunahme und weiteren Insulin-Dosissteigerungen.

Fotos: © Andreas Sibler,  nadianb / Shutterstock.com, nadianb / Shutterstock.com, Ground Picture / Shutterstock.com, Framarzo / Shutterstock.com 

 Text: Elke Jauk-Offner

Das Bett allein heilt keine Menschen

Interview mit Univ.-Prof. Gerhard Stark, Vorstandsvorsitzender der KAGes (steirische Krankenanstalten).

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Was ist geschehen, dass viele ältere Menschen, wenn sie das Wort LKH hören, nicht mehr an einen sicheren Hafen denken, sondern an ein stürmisches Meer?
Gerhard Stark: Ich will das nicht in Abrede stellen, aber ich habe auch einen anderen Eindruck, weil ich selbst eine Ordination betreibe und durchaus viel Kontakt mit Patienteninnen und Patienten habe. Wir haben in Österreich und insbesondere in der Steiermark mit dem Universitätsklinikum und weiteren 19 LKH-Standorten eine Infrastruktur, die weltweit höchster Standard ist. Für mich geht es eher um die Frage, wie wir mit allen Veränderungen in der Gesellschaft umgehen, die wir erleben. Auch wir müssen uns an die Verfügbarkeiten von Expertinnen und Experten anpassen und auch wir müssen Veränderungen herbeiführen und wir führen sie herbei. Diese Veränderungen machen unsicher, das ist richtig. Aber: Wir müssen uns immer auch fragen, ob wir ein und dasselbe Glas Wasser halb voll oder halb leer sehen. Ich sehe es immer halb voll. Ich denke, wenn wir uns das Gesundheitssystem ansehen, dürfen wir das Glas Wasser hier in der Steiermark halb voll sehen.

Sie haben die Verfügbarkeit von Spitalsleistungen angesprochen. Uns erreichen Berichte von Bettensperrungen und Verschiebungen von OP-Terminen, die viele Menschen verunsichern. Was muss da geschehen?
Bei uns erreicht gerade die Baby-Boomer-Generation das Pensionsalter. Damit gehen uns natürlich Knowhow-Träger verloren. Wir nehmen auch eine Veränderung darin wahr, wie jüngere Menschen ihre Arbeitswelt sehen. Wir haben es mit veränderten Dienstzeiten und Bedürfnissen zu tun. Auch die Zahl der älteren Menschen steigt. Das alles verändert natürlich unser Tun. Dazu kommt, dass Medizin zunehmend effizienter wird und effizienter werden muss. Wir können gut versorgen, aber, und das ist richtig, es kommt natürlich zu Verschiebungen aus den unterschiedlichsten Gründen. Mit innovativen Projekten gelingt es uns, die Wartezeiten Schritt für Schritt abzubauen. Was die Bettensperren betrifft: Sie sagen relativ wenig aus. Es geht immer um Menschen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Bett allein heilt keinen Menschen.

Wie kommt es dazu, dass gerade ältere Leute die Erfahrungen machen, sie kommen schneller zu einem OP-Termin, wenn sie dafür etwas bezahlen?
Ich kann sagen: In den Landeskrankenhäusern zahlen sie nicht! Jeder von uns bezahlt über die Steuern dieses öffentliche Gesundheitssystem. Aber es gibt auch ein privates Gesundheitssystem, aber dafür bin ich – verzeihen Sie – nicht zuständig.

Eine Sache, die gerade ältere Personen umtreibt, ist ihre regionale Verwurzelung. Viele tun sich mit dem Trend zur Rationalisierung und zur Spezialisierung im Gesundheitsbereich sehr schwer. Wie erklären Sie den Menschen, dass diese Entwicklung doch gut für sie ist?
Ich denke, jeder wünscht sich für sich die bestmögliche Behandlung in seiner individuellen Situation. Wenn wir heute in Österreich die Entwicklung der Medizin, wie sie weltweit stattfindet, mitmachen wollen, müssen wir uns spezialisieren. Die Alternative ist, dass wir sie nicht mitmachen. In der Medizin ist die Zeit, als ich alles an jedem Ort bekam, schon längst vorbei. Denken wir an ein einfaches Beispiel, einen Aortenklappenersatz an der Hauptschlagader. Das können wir in einem peripheren Krankenhaus nicht machen, weil es einerseits an Expert:innen fehlt, andererseits am gesamten Team und dem Umfeld. Auf einmal brauche ich einen Kardiologen, vielleicht einen Pulmologen, einen Gastroenterologen, einen spezialisierten Chirurgen, einen spezialisierten Anästhesisten und eine spezialisierte Pflege, und zwar nicht nur im OP, sondern auch danach. Sehr schnell wird klar, dass so etwas eben nur möglich ist, wenn ich Kompetenzen zusammenziehe. Und dann gibt es Basisversorgung, die dann zum Tragen kommt, wenn ich zum Beispiel eine Lungenentzündung und Pflegebedarf habe. Dann will ich natürlich auch die Fachlichkeit im internistischen und geriatrischen Sinn. Dann sollte das System so funktionieren, dass ich das auch nahe an meinen Wohnort gesichert habe.

Kann man verkürzt sagen: Spitzenmedizin ist nicht in jedem Tal der Alpen möglich?
Ich würde es so sagen: Spitzenmedizin wird in jedem Spital erbracht. Spezialisierte medizinische Leistung kann es nicht überall geben.
Damit sind wir bei der medizinischen Forschung, wo es zum Glück enorme Fortschritte gibt. Es gibt große Fortschritte bei der Behandlung von Krebserkrankungen, Alzheimer oder Parkinson. Ist die KAGes da auf der Höhe der Zeit?
Absolut. Wir haben in der Steiermark einen großen Vorteil, das ist unsere Medizinuniversität in Graz. Was den Forschungsimpact betrifft, ist das eine der bedeutendsten Universitäten. Und das darf man hier auch sagen: Sie muss den weltweiten Konkurrenzkampf im Bereich der Wissenschaft nicht scheuen.

Können Sie uns sagen, welche medizinischen Angebote die KAGes gerade für die älteren Zielgruppen entwickelt?
Wenn wir ältere Menschen in den Fokus rücken, geht es nicht immer um die Akutmedizin, sondern darum: Wie schaffe ich es, dass der Patient nach einer Akuterkrankung, die er meist ganz gut übersteht, dann auch wieder in das häusliche Leben zurückfindet? Hier haben wir in Mürzzuschlag ein Pilotprojekt namens Übergangspflege gestartet oder in Bad Radkersburg und Wagna eine Remobilisations- und Nachsorgeeinheit gegründet. Hier helfen wir Menschen etwa nach einer Hüft- oder Knieoperation oder nach einer schweren internistischen Erkrankung wieder in eine mobile und selbstbestimmte Phase zu kommen. Wir haben ein weiteres, neues Projekt, das sich über die ganze Steiermark erstreckt und wo die Koordinationsstelle in der KAGes angesiedelt ist, namens MobiREM. Hierbei sind auch die Elisabethinen und das Grazer GGZ eingebunden. Da geht es darum, dass wir das Know-how der Krankenhäuser den Menschen in den häuslichen Bereich mitgeben. Experten fahren zu den Patienten nach Hause und betreuen diese im gewohnten Umfeld, ohne Wegzeiten für die Betroffenen. Bei allen diesen Projekten geht es darum, dass die Menschen nach einer Operation oder einer Erkrankung wieder selbstständig werden.

Viele ältere Mitmenschen erleben Vereinsamung. Spielt das auch eine Rolle, wenn sie ins Spital kommen?
Ich denke, das ist eher ein gesellschaftliches Thema. Das hat mit den veränderten Familienstrukturen zu tun. Was vielleicht in der Vereinsamung entsteht, ist, dass sehr oft Krankenhäuser oder Ambulanzen der letzte Zufluchtsort für diese Menschen sind, um auch über ihre Themen und Probleme einfach reden zu können.

Es gibt Klagen vieler Menschen über lange Wartezeiten bei der Entlassung aus dem Spital. Was ist da zu tun?
Wir arbeiten ständig daran, das Entlassungsmanagement durch entsprechende Organisation zu verbessern. Ich möchte aber dazu auch sagen, dass wir in diesem Bereich nicht die einzigen Beteiligten sind. Da spielen die Rettungstransporte hinein, die das gleiche Problem haben wie wir, nämlich den Personalmangel. Dann haben wir die Familienangehörigen zu Hause, die nicht anwesend oder verfügbar sind und wo wir Lösungen finden müssen. Dieses Problem können wir in der KAGes nicht allein lösen.

Wie sind die Landeskrankenhäuser in den Bereichen Hospiz und Palliativbetreuung aufgestellt?
Zum Verständnis möchte ich zunächst eines sagen: Palliativstationen sind keine Sterbestationen. Wir haben die Palliativstationen für die Fälle von Erkrankung, die die Medizin in ihrem Fortschreiten nicht mehr wesentlich beeinflussen kann, wo wir aber sehr viel für den Menschen selbst tun können. Wir können hier Extremsituationen behandeln, um dem Menschen die Möglichkeit zu geben, dass er zum Beispiel nach Hause entlassen werden kann. Wir sind bei den Palliativleistungen in der Steiermark gut aufgestellt und entwickeln uns weiter. Die Koordinationsstelle für die gesamte Steiermark sowohl für den Palliativ- als auch für den Hospizbereich ist in der KAGes angesiedelt und wir arbeiten mit allen Krankenhausträgern eng zusammen.

Wir können durchaus stolz sein, dass wir ein breites mobiles Netz an Palliativbetreuer:innen haben, die auch zu den Menschen nach Hause gehen. Im Hospizbereich haben wir eine sehr interessante Entwicklung, weil sich neben den Pflegeeinrichtungen auch die Krankenhäuser hier vermehrt bemühen. Hospiz findet an vielen Stellen statt und ich möchte hier besonders die vielen Freiwilligen erwähnen, die als Hospizbegleiter:innen tätig sind. Das zeichnet unsere Gesellschaft besonders aus.

Herr Professor Stark, vielen Dank für das Gespräch!

Text von Johannes Kübeck
Bilder von Luef Light und shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 22.12.2023

Mobil vor stationär

Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß über Wege der Entlastung in der Pflege, das neue Steiermark Tarifmodell zur Leistbarkeit von mobiler Unterstützung, die ausgerufene Bewegungsrevolution und das geflügelte Wort des alten Baumes, den man nicht verpflanzt.

Welchen Stellenwert haben mobile Angebote im Gesamtfeld der Pflege?
Meine Oma sagte immer: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ Mobile Pflege- und Betreuungsdienste sind der zentrale Baustein für die Zukunft im Pflegebereich. Pflege- und betreuungsbedürftige Menschen können in ihrer vertrauten Umgebung bedarfsgerecht und individuell versorgt werden. Pflegende Angehörige werden von Pflegefachkräften bei der medizinischen Versorgung oder alltäglichen Aktivitäten unterstützt. Zugleich werden stationäre Einrichtungen durch die Pflege und Betreuung zu Hause entlastet. 

Wie ist die Steiermark in diesem Bereich aufgestellt?
Die mobilen Pflege- und Betreuungsdienste werden von immer mehr Personen in Anspruch genommen. Damit dieser Aufwärtstrend weitergeht und mobile Dienste für alle Steirerinnen und Steirer leistbar sind, haben wir im Juli 2023 das „Steiermark Tarifmodell“ eingeführt. So ist sichergestellt, dass jede:r sich mobile Pflege leisten kann. Auch die 2019 eingeführte Alltagsbegleitung, die pflegende und betreuende Angehörige entlastet, wird gut angenommen. Pflege- und betreuungsbedürftige Personen werden gezielt durch körperliche und kognitive Aktivierung gefördert, bei Wegen außer Haus begleitet und haben eine Ansprechperson für Fragen des Alltags. Durch dieses Angebot, in Kombination mit Tageszentren und betreutem Wohnen, gelingt uns ein weiterer Lückenschluss zwischen der Hauskrankenpflege und der 24-Stunden-Betreuung.

Welche Maßnahmen braucht es, um mobile Dienste nicht zuletzt im Spannungsfeld der demographischen Entwicklung langfristig zu sichern?
Mit dem „Steiermark Tarifmodell“ ist uns ein wichtiger Schritt in Richtung „mobil vor stationär“ gelungen. Wir müssen weiter dranbleiben, Betreuung und Pflege in der Steiermark leistbar und verfügbar zu machen. Gleichzeitig sollen mobile Dienste noch attraktiver und passgenauer gestaltet werden, damit jede Steirerin und jeder Steirer die Form der Betreuung wählen kann, die möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu Hause ermöglicht.

Wie kann diese „Passgenauigkeit“ forciert werden?
Wichtig ist, dass pflege- und betreuungsbedürftige Personen und ihre Angehörigen wissen, welche Möglichkeiten es gibt. Nur dann können sie entscheiden, welche Variante die passende für ihre individuelle Situation ist. Die Broschüre des Landes Steiermark „Pflege[n] zu Hause“ und die Pflegedrehscheiben sind hier wichtige Wegweiser. Zugleich muss es uns gelingen, dass mobile Pflege- und Betreuungsdienste als attraktives Angebot gegenüber der stationären Langzeitpflege wahrgenommen werden. Damit sich das alle Steirerinnen und Steirer leisten können, haben wir das „Steiermark Tarifmodell“ ins Leben gerufen. Dadurch stellen wir sicher, dass den Kundinnen und Kunden jedenfalls ein Betrag in Höhe der Mindestpension übrigbleibt, wenn mobile Dienste in Anspruch genommen werden.

In welchen Bereichen ist der Bedarf besonders groß und inwieweit wird das Angebot künftig noch erweitert werden müssen?
Die Angebote werden in allen Bereichen – auch in der Langzeitpflege – zunehmend angenommen. Wir arbeiten daran, den mobilen Bereich sowohl für pflege- und betreuungsbedürftige Personen und ihre Angehörigen als auch für Pflegefachkräfte noch attraktiver zu gestalten. 

Das definierte Leistungsspektrum und die Erwartungshaltung betroffener Familien können durchaus divergieren. Wo braucht es da Sensibilisierung?
Bei jedem Träger mobiler Dienste werden im Vorfeld Aufklärungsgespräche mit den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen geführt, bei denen der genaue Pflege- und Betreuungsbedarf der betroffenen Person erhoben wird. Die Angehörigen werden dabei darüber informiert, welche Leistungen durch die Pflegefachkräfte erbracht werden dürfen und wo die gesetzlichen Grenzen liegen. 

Was wird getan, um mehr Menschen für den Beruf zu motivieren, aber auch, um Pflegefachkräfte langfristig zu halten?
Unsere – sehr erfolgreiche – Social-Media-Werbekampagne „Zeit für Pflege“ verweist interessierte Jugendliche an die neu geschaffene Beratungsstelle im LOGO-Jugendmanagement. Mithilfe der Beratungsstelle können wir nicht nur „face to face“ informieren, sondern auch das Vernetzen von Angeboten und deren Außenauftritt weiter voranbringen. Klar ist: Wir brauchen mehr Jugendliche und auch Quereinsteiger:innen für die Pflege. Die Rahmenbedingungen – zum Beispiel Gehalt – liegen nicht in der Kompetenz des Landes, jedoch müssen wir eben gemeinsam mit den Trägern, den Betreiber:innen der mobilen Dienste sehr genau hinschauen, wie wir diesem hochprofessionellen Beruf den Stellenwert geben können, den er verdient.

Was braucht es an Wissen, damit Pflegefachkräfte gerade mit Krankheitsbildern wie Demenz im Pflegealltag gut umgehen zu können?
Demenz hat viele Seiten und ist nicht nur für die Betroffenen, sondern vor allem auch für Angehörige und Pflegende eine große Herausforderung. Über das Bildungszentrum Haus der Gesundheit haben Pflegefachkräfte die Möglichkeit, sich über unterschiedlichste Aspekte der Arbeit mit Demenzkranken weiterzubilden. Zudem haben wir das Netzwerk Demenz Steiermark (needs) gegründet, um die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen zu verbessern. Dabei geht es um spezielle Versorgungsangebote, eine demenzgerechte Weiterentwicklung vorhandener Strukturen und die Sensibilisierung in der breiten Öffentlichkeit für das Krankheitsbild.

Was sind die aus Ihrer Sicht größten Herausforderungen für die Zukunft?
Gesundheit, Pflege und Betreuung sind sicher die größten Herausforderungen unserer Zeit. Um den Menschen möglichst viele gesunde Lebensjahre zu ermöglichen, haben wir in der Steiermark die Bewegungsrevolution ausgerufen. Wir wollen die Menschen zur niederschwelligen Alltagsbewegung motivieren. Dabei geht es nicht um Leistungssport – mit jedem gegangenen Schritt und jeder Minute an der frischen Luft tut man sich selbst und seiner Gesundheit etwas Gutes. Das gilt für Menschen jeden Alters. 

Text von Elke Jauk-Offner
Bild von Maija Kanizaj
Beitrag veröffentlicht am 14.09.2023

Gut fürs Gehirn

Wie Bewegung die Hirnaktivität positiv beeinflusst, erläutert Eva M. Stögerer-Oberschmid von der Klinischen Abteilung für Neurogeriatrie der Univ.-Klinik für Neurologie in Graz.

Welche Vorteile hat regelmäßiger Sport im Alter gerade auch für das Gehirn?
Durch zahlreiche Untersuchungen und die Verbesserung von bildgebenden Verfahren des Gehirns konnte in den letzten Jahren festgestellt werden, dass es einen Zusammenhang zwischen körperlicher Bewegung und Hirnaktivität gibt. Training bis ins hohe Erwachsenenalter kann die Neuroplastizität des Gehirns beeinflussen und die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern. 

Wie funktioniert das genau?
Die körperliche Aktivität wirkt im Gehirn als „Stimulator“. Vor allem die Neurogenese im Hippocampus wird als besonders relevant angesehen. Der Hippocampus ist eine wichtige Gehirnregion, die bei Lernprozessen und der Merkfähigkeit eine wesentliche Rolle spielt. Es konnte nachgewiesen werden, dass sich durch eine körperliche Betätigung in Form von Ausdauertraining die Anzahl der neu gebildeten Nervenzellen verdoppeln lässt. Dieser Effekt nimmt mit den Jahren ab, ist aber bis ins hohe Alter nachweisbar. 

Was sind die positiven Auswirkungen dieses Zusammenhangs?
Regelmäßige körperliche Bewegung reduziert sowohl das allgemeine Demenzrisiko als auch das spezielle Alzheimerrisiko zumindest kurz- beziehungsweise mittelfristig. Über die langfristige Risikoreduktion gibt es noch keine ausreichende Datenlage. Neben der Aktivierung der Neurone ist durch körperliche Aktivität auch eine Erhöhung von Neurotransmittern zu erwarten – vor allem Serotonin, Dopamin und Noradrenalin –, welche die Kommunikation zwischen den Nervenzellen verbessert. Nicht zuletzt wirkt sich die Kräftigung der Muskulatur und der Balancefähigkeit auf ein vermindertes Sturzrisiko aus.

Text von Elke Jauk-Offner
Bilder von LKH-Univ-Klinikum Graz/Laura Schaffelhofer und shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 22.08.2023

Kein Limit per se

Vorerkrankungen sind per se keine wirkliche Einschränkung für ein Training im Alter, betont Stefan Fischerauer, Leiter der Sektion Sport-, Knorpel- und Gelenkchirurgie an der Grazer Univ.-Klinik für Orthopädie und Traumatologie. Freilich sollte das Programm individuell angepasst werden – und Abwechslung bieten.

Können altersbedingte Veränderungen im Körper durch Training beeinflusst werden?
Ja! Der biologische Alterungsprozess ist nicht nur genetisch veranlagt, sondern unterliegt auch dem Einfluss von vielen Umweltfaktoren. Ein gesunder Lebensstil, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Tabak und Alkohol können dazu beitragen die Alterung zu verlangsamen und das Auftreten von altersbedingten Krankheiten zu verringern. Die Förderung körperlicher Aktivität nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein. Zahlreiche klinische Studien konnten belegen, dass körperliche Aktivität auch im höheren Alter sehr wirkungsvoll ist, gerade wenn es um die Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates geht. Zudem können regelmäßige körperliche Aktivitäten das Krebsrisiko senken und dem Verlust kognitiver Funktionen, wie beispielsweise der Demenz, entgegenwirken.

Welche Maßnahmen sind da sinnvoll?
Allgemeine Empfehlungen haben sich lange vor allem auf den kardiovaskulären Bereich und damit auf ein Ausdauertraining gestützt. In den letzten Jahren hat sich ein Wandel vollzogen. Ein starker Fokus wird jetzt auf ein zusätzliches Krafttraining gelegt. Ein Muskelaufbautraining wirkt auf vielen verschiedenen Ebenen: Die Ausschüttung von Serotonin fördert das Wohlbefinden, die Belastung stärkt die Knochengesundheit, die verbesserte Insulinsensitivität senkt den Blutzuckerspiegel und die funktionelle Anpassung verringert das Sturzrisiko.

An welchen Hebeln setzt ein wirkungsvolles Training an?
Ein modernes Training wird diesen unterschiedlichen Ebenen gerecht. Ausdauer- und Krafttraining werden um Koordinationsübungen zur Schulung des Gleichgewichts und um Dehnungsübungen zur Förderung der Beweglichkeit erweitert. Immer wesentlich ist der Aspekt der Ernährung: Eine ausreichende Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen und ausreichend Flüssigkeit muss gewährleistet sein.

Was sollte dem Start zum Training vorangehen?
Vorab ist es von Bedeutung, zu unterstreichen, dass Vorerkrankungen per se keine wirkliche Einschränkung für ein Training sind. Das reicht von Krebs über Arthrose bis hin zu Diabetes. Bewegungsarmut wirkt sich ungünstig aus. Moderate Belastungen können meist bedenkenlos durchgeführt werden. Inwieweit jemandem eine intensive Belastung zuzumuten ist, muss freilich gerade bei instabilen Situationen zunächst ärztlich abgeklärt werden. Ist die Zielsetzung ambitioniert – einige Seniorinnen und Senioren haben durchaus auch noch Wettkampfansprüche – so sind vor Beginn der Belastungssteigerung auch Ruhe- und Belastungs-EKGs empfohlen, um Herz-Kreislauf-Risiken auszuschließen.

Wie sollte das Training konkret aussehen?
Um physiologisch Anpassungsmechanismen in Gang zu setzen, müssen die Aktivitätsreize über der Anforderung der Alltagsaktivität liegen. Für Personen über 65 Jahre sind 2,5 Stunden bis 5 Stunden pro Woche Ausdauertraining in mittlerer Intensität von der WHO empfohlen. Mittlere Intensität bedeutet, dass man sich währenddessen mit einem etwaigen Trainingspartner noch ohne Probleme unterhalten kann. Idealerweise erfolgt die Verteilung der Bewegungseinheiten auf mehrere Tage der Woche. Fühlt man sich wohl, so kann zunächst der Umfang und dann die Belastung gesteigert werden. Ist die Bewegungsintensität hoch, so genügen bereits Einheiten von 1,5 Stunden bis 2 Stunden pro Woche, um eine gesundheitsfördernde Wirkung zu erzielen. Muskelkräftigende Übungen sollten zusätzlich zwei- bis dreimal pro Woche auf dem Programm stehen.

Was ist im Fitnessstudio speziell zu beachten?
Safety first! Das Personal sollte für eventuelle Notfälle geschult sein, um im Ernstfall schnell eingreifen zu können. Bewegungsexperten können helfen schon im Vorfeld sichere Aktivitäten und Bewegungsumfänge festzulegen. Um Verletzungen zu Vermeiden, muss vor dem Krafttraining der Muskel aufgewärmt werden. Bestenfalls wird nicht nur eine einzelne Muskelgruppe trainiert, sondern stets mehrere, um eine Überbelastung zu vermeiden. Gerade für Patienten im höheren Alter erscheint eine funktionelle Trainingsform von Vorteil, da nebenbei auch die Koordination verbessert wird. Nach dem Training folgt eine Cool-Down-Phase. Um dem Körper ausreichend Zeit zur Regeneration zu geben, sollten Pausen von 48 Stunden zwischen den Krafttrainingseinheiten liegen.

Was ist noch wesentlich, damit die Motivation längerfristig besteht?
Im Training braucht es Abwechslung und Vielseitigkeit. Trainingsziele sollten klar formuliert werden. Als Kunde beziehungsweise Kundin eines Fitnessstudios kann man dann entsprechende Einheiten professionell planen und begleiten lassen. Hilfreich sind zudem Trainingspartner und Trainingsgruppen sowie individuelle Belohnungssysteme. Damit ist man bereits sehr gut aufgestellt. Denn man muss bedenken, das gerade einmal 20 Prozent aller Erwachsenen es überhaupt schaffen, die Bewegungsempfehlungen der WHO zu erfüllen. Immer gilt: Eine kleine Bewegung ist besser als gar keine Bewegung. Jeder Schritt ist wichtig. In vielen Fällen gelingt es dann praktisch von allein, die Motivation aufrecht zu erhalten, weil der Effekt am ganzen Körper spürbar wird.

Text von Elke Jauk-Offner
Bilder LKH-Univ. Klinikum Graz/Laura Schaffelhofer und shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 03.09.2023

Let’s move! Beweglich bis ins Alter

Sanfter Sport, gesund leben, Übergewicht vermeiden: Das sind allgemein gültige Erfolgsrezepte für ein beschwerdefreies Leben. Doch wenn Arthrose Bewegungen schmerzhaft werden lässt, sind oft Operationen nicht vermeidbar. Was eine Hüft- oder Knie-OP im Detail bedeutet, erklärt der leitende Oberarzt der Klinik für Orthopädie und Traumatologie der Uni-Klinik Graz, Dr. Patrick Sadoghi.

„Abgenutzte“ Gelenke, was versteht man konkret darunter, Herr Dr. Sadoghi?
Abgenutzte Gelenke bedeuten im Volksmund endgradige Arthrosen, also ein Verlust des Knorpels im Gelenk. Dadurch kann insbesondere in der entzündlichen Phase der Erkrankung die Bewegung stark schmerzhaft sein. Der natürliche Verlauf einer starken Arthrose ist die zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit bis hin zu einer vollkommenen Gelenkssteife, was bei großen Gelenken sehr selten ist. 

Wann und wie kommt es zur Entzündung?
Sobald ein Gelenk überlastet ist, versucht der Körper, das zu reparieren. Es kommt zu permanenten Umbauprozessen in verschiedenen Zyklen, daraus resultieren oft Entzündungsprozesse, etwa solche, die die Gelenksinnenhaut entzünden, das ist sehr schmerzhaft. Bei einer trockenen Arthrose kommt es in der Regel weniger zu Entzündungen, auch wenn das dahinterliegende Problem dasselbe ist. Egal ob Maschine oder der menschliche Körper: Wenn man sich zu lange und oder nicht immer optimal bewegt, kommt es zu Verschleiß. Zwar funktioniert der menschliche Körper toll bei der Regenerierung, aber irgendwann ist Schluss.

Wie entstehen Arthrosen überhaupt?
Ein Großteil der Abnützungen (Arthrosen) entsteht primär, also ohne zugrundeliegender Ursache. Übergewicht, Fehlstellungen oder vorangegangene Unfälle und Frakturen können sekundäre Ursachen für Arthrosen darstellen. Eine bevorstehende Neigung für Arthrosen – so genannte Präarthrosen -, können eine angeborene Hüftfehlstellung (Hüftdysplasie) sein oder ein Impingementsydrom. 

Was versteht man darunter?
Das ist eine Verengung im Gelenksbereich, und hier lassen sich vor allem zwei Arten von Hüftimpingementsyndrome beschreiben: Bei Männern ist eher der Schenkelhals zu breit, bei Frauen das Hüftgelenk in der Pfanne oft zu spitz. Vereinfacht ausgedrückt könnte man sagen: Die knöchernen „Baupartner“ laufen nicht rund ineinander. Bei einer Hüftdysplasie wäre wichtig, diese vorzeitig zu erkennen, damit es gar nicht zur Arthrose kommt.   

Also müsste man grundsätzlich Arthrosen vorbeugen, damit es später nicht zur Hüft- oder Gelenks-OP kommt?
So ist es. Wir müssen zunächst unterscheiden, von welchem Gelenk wir sprechen. So weiß man, dass Übergewicht Arthrosen im Bereich des Kniegelenks verursacht, nicht aber im Hüftbereich. Es ist auch nicht so, dass ein unsportlicher Lebensstil automatisch eine Arthrose nach sich zieht. Gleichzeitig gibt es Arthrosen, die sich spontan entwickeln, einfach deshalb, weil wir älter werden. Und manche Berufsbilder ziehen oft Arthrosen nach sich: eine lebenslange Arbeit in der Landwirtschaft oder auf der Baustelle beispielsweise. 

Kann man eine Neigung zur Arthrose überhaupt feststellen?
Im Röntgenbild zeigt sich, ob der Gelenksspalt normal ist oder ob eine oder mehrere der vier Anzeichen für Arthrose vorhanden sind. Das wäre zunächst die Gelenksspaltverschmälerung, so genannte knöcherne Anbauten (Osteophyten), eine Zystenbildung und die sogenannte Sklerosierung, die entsteht, wenn der Knorpel nicht mehr dämpft und die Knochen diese Arbeit übernehmen müssen. 

Gibt es eine Empfehlung, wann eine Operation notwendig ist?
Zur Operation wird geraten, sobald sämtliche konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind, und dennoch Schmerzen bestehen. Oder wenn die Beweglichkeit und Wegstrecke eingeschränkt sind, also das Gehen beispielsweise nicht mehr länger als wenige Stunden möglich ist. Zum Erhalt der Beweglichkeit kann eine Operation durch ein Kunstgelenk sinnvoll sein. Ziel ist die Wiedererlangung der Mobilität und die Schmerzfreiheit. 

Welche vorbeugenden Maßnahmen empfehlen Sie?
Empfehlenswert sind Physiotherapie, der Ausgleich von Fehlstellungen durch Einlagen oder entzündungshemmende Salben. Spritzen, direkt ins Gelenk, mit Hyalgan oder Blutplasma sind mittel- und langfristig Möglichkeiten zur Schmerzlinderung, Kortison und Schmerzmittel kann bei Schmerzspitzen sinnvoll sein, ist aber nicht zur Langzeitbenutzung empfohlen. Kortison ist von der Struktur wie ein Kristall und das wirkt wie Schleifpapier. Es treibt die Abnutzung nur voran. 

Wie lässt sich schon vorbeugen, damit es später keine OP braucht?
Ein gesunder Lebensstil sowie das Vermeiden von Übergewicht sind die wesentlichsten präventiven Maßnahmen. Empfohlen werden moderate Sportarten und Spitzenbelastungen. Bestehende Neigungen, also Präarthrosen, müssen erkannt und behandelt werden.

Man hört in so gut wie allen Lebensbereichen den Rat, Sport zur gesundheitlichen Vorbeugung zu treiben. Was bedeutet das für die Gelenksgesundheit?
Richtige Bewegung ist hier besser als Überbelastung, Überbelastung ist noch immer besser als keine Bewegung bzw. Belastung. Die richtige Bewegung für Gelenksgesundheit wäre jene, die Gelenke im vollen Bewegungsumfang bewegt, dabei kommt es zu einer besseren Verteilung der Gelenksflüssigkeit und optimalen physiologischen Prozessen, die diese Gelenksschmiere gut unterstützen. Bei Stoß- und Spitzenbelastungen kommt es zu Überlastungen und Abnützungen. Optimal wären Walken, Radfahren und Schwimmen, drei Mal die Woche eine halbe Stunde bis Stunde. Das beugt Arthrose vor sowie Herz-Kreislaufbelastungen vor und trägt zur Gewichtsoptimierung bei. 

Welche Sportarten sind schlecht für Gelenke?
Gefördert wird die Arthrosebildung durch Sportarten mit ruckartigen Stoßbelastungen, etwa Hallensport wie Tennis, Squash oder Hallenfußball. Auch wenn eine noch so gute und starke Muskulatur gegeben ist: Sie schützt nicht vor Arthrose. Die meisten Profifußballer nehmen das in jungen Jahren in Kauf. Für die Bevölkerung ist das kein empfehlenswerter Weg. Insgesamt lässt sich sagen: Auf den Körper hören, Schmerzen sind hier gute Warnsignale. Ein Gelenk, das anschwillt und Schmerzen macht, ist überbelastet.   

Was kann eintreten, wenn die Operation hinausgezögert wird?
Beim Hinauszögern kann es zu Nebenwirkungen der konservativen Therapien kommen, also Schäden der Niere beispielsweise durch die Langzeiteinnahme von entzündungshemmenden Medikamenten wie NSAR. Außerdem kann durch die verminderte Mobilität die Lebenslust verloren gehen und dadurch psychische Belastung entstehen. Der richtige Zeitpunkt für eine Operation ist von Patientin und Patient und Arzt hier zu finden. 

Welche Risiken bestehen bei der OP?
Operationsrisiken bestehen insbesondere durch Infektionen, welche etwa in einem von 400 Fällen auftreten und dann weitreichende Folgen für die Patientin und den Patienten haben können. Dieses Risiko kann ebenfalls durch einen gesunden Lebensstil minimiert werden. 

 

Wie geht eine Hüft- oder Knieoperation vonstatten?
Bei beiden Operationen werden in der Regel die Gelenke eröffnet, knöcherne Anbauten sowie die entzündliche Gelenksinnenhaut und so wenig Knochen wie möglich entfernt, um möglichst passgenau das Kunstgelenk einzusetzen. Das besteht aus verschiedenen antiallergischen und abriebresistenten Materialen. Großes Augenmerk wird auf Passgenauigkeit und Gelenksspiel gesetzt, wobei eine muskelschonende Operation eine raschere Rehabilitation bedeutet. 

Wie lange dauert eine OP, wie lange die Genesung?
Je nach Patientin und Patient dauert eine Operation zwischen 45 und 90 Minuten. Eine längere Operationsdauer kann eine höhere Infektionsgefahr bedeuten. Die Genesung ist nach Hüftoperationen etwas rascher als nach Knieoperationen. In der Regel kann nach beiden Eingriffen bereits unmittelbar danach das Gelenk voll belastet werden. Stützkrücken können für zwei bis drei Wochen sinnvoll sein. Autofahren beispielsweise ist nach etwa einem Monat wieder möglich.

Wie lange hält ein künstliches Gelenk?
Sofern es zu keiner Komplikation im Verlauf kommt, ist die höchste Zufriedenheit nach der Operation durchschnittlich nach einem Jahr erreicht und dann für Jahrzehnte anhaltend. Eine neuerliche Verschlechterung ist eine Ausnahme und ein Grund für eine Vorstellung bei einer Fachärztin oder einem Facharzt.

Was ist wichtig für die Reha und die Zeit nach der OP?
Nach künstlichen Hüftgelenken ist es wichtig, insbesondere in den ersten sechs Wochen nach der Operation auf die richtige Bewegung zu achten, damit keine Luxationen auftreten. Nach künstlichen Kniegelenken ist es wichtig, trotz postoperativer Schmerzen die Streckung und Beugung zu beüben, um das unmittelbar gute postoperative Ergebnis zu halten. In der Rehabilitation wird die gesamte Fitness sowie die Koordination weiter beübt. Jahre nach der Operation ist ein gesunder Lebensstil zur Vermeidung von Spätinfektionen wesentlich, die über eine hämatogene Aussaat, also eine Blutvergiftung, entstehen können. Außerdem ist es zur Infektprophylaxe wichtig, mit offenen Stellen am Körper nicht in stehendes Gewässer zu gehen oder bei anderen Infektionen im Bereich des Körpers gegebenenfalls frühzeitig mit einem Antibiotikum nach Rücksprache durch den behandelnden Facharzt abzuschirmen. 

Text von Daniela Müller
Bilder privat und von shutterstock
Beitrag veröffentlicht am 27.07.2023

Aktiv mit Morbus Parkinson

Der Grund für die bei Morbus Parkinson auftretenden Symptome ist leicht erklärt: zu wenig Dopamin. Bei an Parkinson Erkrankten sterben die den Botenstoff produzierenden Nervenzellen im Gehirn einfach ab. Auch wenn Morbus Parkinson bisher nicht heilbar ist, hilft die geeignete Therapie, Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. 

Da jede Parkinsonerkrankung individuell verläuft, ist es wichtig, dass Betroffene gemeinsam mit einer Expertin oder einem Experten für Neurologie die Therapie gut auf die vorliegenden Symptome und die jeweiligen Bedürfnisse abstimmen. Zur Auswahl stehen medikamentöse Therapien in unterschiedlicher Darreichungsform, zum Beispiel Tabletten oder Pflaster, sowie gerätegestützte Therapien in Form von sogenannten Pumpentherapien oder eines Hirnschrittmachers, die die Symptome auch bei fortschreitender Erkrankung verbessern können. 

Gemeinsam die passende Therapie suchen!
Welche Therapieform am besten passt, hängt von vielen Faktoren ab, wie Symptomen, Stadium der Erkrankung, individuellen Therapiezielen oder Eignung für die Behandlung. Wichtig ist für Patientinnen und Patienten, mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten offen über auftretende Veränderungen und auch Wünsche an die Therapie und die Lebensqualität zu sprechen.

Vom richtigen Zeitpunkt
Viele fragen sich, wann es Zeit ist, die Therapie anzupassen. Ein Zeichen für ein Mehr an Therapie kann das Vorliegen von zumindest einem dieser Kriterien sein:

  • mindestens 5 Einnahmezeitpunkte des Medikaments Levodopa pro Tag
  • mindestens 2 Stunden pro Tag im OFF (Phase der Unterbeweglichkeit)
  • mindestens 1 Stunde störende Überbeweglichkeit

In diesem Fall ist ein Gespräch mit den behandelnden Expertinnen und Experten oder auch das Aufsuchen eines neurologischen Spezialzentrums eine Möglichkeit, um mit Hilfe der geeigneten Therapie wieder mehr Lebensqualität zu erlangen. 

Bewegung als Therapiepfeiler
Gezielte Bewegung spielt eine wesentliche Rolle in der Behandlung von Morbus Parkinson. Ein aktiver Lebensstil, Freude an der Bewegung sowie professionelle Begleitung mit Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie können helfen, die Symptome in Schach zu halten.

Entgeltliche Einschaltung
Bilder von AbbVie
Beitrag veröffentlicht am 13.07.2023

Die erste Frau an der Spitze der Apothekerkammer Steiermark

Die Landesgeschäftsstelle Steiermark der Österreichischen Apothekerkammer hat eine neue Präsidentin. Mag. pharm. Alexandra Fuchsbichler ist die erste Frau an der Spitze der Landesorganisation. Sie folgt auf Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger, der die Funktion des Vizepräsidenten der Apothekerkammer Österreich übernimmt und daher statutengemäß sein Amt als Präsident der Apothekerkammer Steiermark zurückgelegt hat. Er fungierte ab 2002 als Landespräsident.

Unterstützung erhält Fuchsbichler dabei auch von ihrer Vizepräsidentin, Dr. Alexandra Mandl – als Power-Duo unterstreichen die beiden, wie Recht die steirische Apothekerkammer mit ihrem Slogan hat: „Die Apotheke ist weiblich!“

»Der Beruf der Apothekerin ist immer noch mein Traumberuf, täglich freue ich mich über den Kontakt mit Menschen, die mit deren kleinen und großen Sorgen zu uns kommen. Die Apotheke ist ein Ort der Gesundheit und Krankheit, der Prävention und des Wohlfühlens…. alles kommt hier zusammen. Auch die Ausbildung von Kolleginnen und Kollegen ist mir ein besonderer Herzenswunsch. Viele Lehrlinge haben schon in meiner Apotheke ihren Beruf erlernt und auch einige Aspiranten konnten das Arbeiten an der Tara, nach der aufwendigen Ausbildung an der Universität, als Handwerkszeug fürs Leben mitnehmen.« Zitat Fuchsbichler

Tagtäglich beraten wir unsere Kunden in den steirischen Apotheken und leisten damit einen sehr großen Beitrag im Gesundheitssystem. So ist auch die Rolle der Apotheken in der Gesundheitspyramide unumstritten, was die vergangenen Jahre deutlich gezeigt haben. Apothekerinnen und Apotheker waren und sind für die Menschen da, suchen in allen Notlagen nach Lösungen und finden diese auch meist. Die Apotheke ist nahe bei den Menschen und durch die Bereitschaftsdienste auch an Sonn- und Feiertagen und in der Nacht erreichbar.

Ob bei der Versorgung mit wichtigen Medikamenten oder bei Beratungen zu Gesundheitsthemen – wir sind immer für Sie da.

Entgeltliche Einschaltung
Bild von Mag. Alexandra Fuchsbichler
Beitrag veröffentlicht am 06.07.2023